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Full text of "Archiv für buchgewerbe"

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Archiv für Buchgewerbe 



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Deuttäler BuchcjewerbeDerein * Leipzig. 



Zum Befudic dar fn dem deulfcfaen Buchgeraerbehaufe zu Leipzig, Dolzirra&e 1, 




nahe dem Gerichts- 
weg eingerichteten * 



Ständigen 




Buchgewerblichen 
ITlafchinen-flusiieHung 

laden »fr alle Fachleute, fowie Abnehmer oon rTlafchhien ergebend ein. 
Husgeilelll find Sdmedprerfen für Buch-, Stein« und ülchtdruck« Draht- und 
Fadenneftmafdiinen, Paplerfdmeldemafchlnen, Cartonnagenmaldünem, Bronzier« 
mafdiinen, Steinldileifmaldilnen, klnllerapparate u. f. w. oon den Firmen: 

Hktlengefeltfchaff für fcinilerapparafe, Pat. Gro^e, (Leipzig 

Gebrüder Brehmer, (Leipzig 

Fifcher & Krecker, G. m. b. H., Berlin 

Hugo Koch, FTlafdiinenfabrlk, keipzig-Connerolfc 

König & Bauer, [TMdiinenfabrifc, Klolfer Oberzell b. warzbura 

Karl Kraule, maTdiinenfabrik, (Leipzig 

(Leipziger Schnellpreffenfabrik Dorm Sdimiers, Werner 

& Siein, (Leipzig 
Preuße & Comp., nMdiinenfabrik, (Leipzig 
3. G. Scheiter & Glefecke, mafchlnenFabrfk, (Leipzig 
Sdmellpredenfabrlk Frankenthal, Blbert & Co., H.-G., 

Frankenthal 

SdinellpreKenfabrik Worms, Ghrenhard & Gramm, B.-G., 
Worms 

Pereinigte IlMchlnenfabrlken Augsburg und mafdiinen- 
baugelellfdiaft Börnberg, B.-G., nornberg. 



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1901 



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Geleitwort 

an die Mitglieder des Deutschen Buchgewerbevereins. 

MIT dem vorliegenden Hefi gelangt das »Archiv für Buchgewerbe", auF Grund der Beschlüsse 
der vorigen Hauptversammlung, zum ersten Male an unsere sämtlichen Mitglieder zur Ver- 
sendung, und wir benutzen gern den Anlass, um unserer besonderen Freude darüber Aus- 
druck zu geben, dass es damit gelungen ist, eine regelmäßige engere Fühlung, gleichsam ein dauerndes 
geistiges Band zwischen den allerwärts verstreuten Mitgliedern unseres Vereins herzustellen. 

Nicht nur werden unsere Mitglieder in Zukunft rasch und ständig über alle Maßnahmen, Erwer- 
bungen, Veranstaltungen oder Personalien des Buchgewerbevereins auf dem Laufenden erhalten, 
sondern es wird auch unser eifrigstes Bestreben sein, unser Vereinsorgan zu einem wirklichen Archiv 
für alle Zweige des Buchgewerbes auszugestalten, so dass ein jeder stets etwas ihn persönlich Inter- 
essierendes darin finden wird. 

Die damit verknüpfte große Vielseitigkeit, die manchem vielleicht zunächst fast etwas bunt er- 
scheinen mag, betrachten wir gerade als einen Vorzug; ein häufigeres Hinüberschauen in die technische 
und künstlerische Entwickelung der verwandten Gewerbe thut uns wahrlich allen recht not, ob wir 
nun Buchhändler oder Drucker und sonstige buchgewerbliche Techniker sind. 

So bitten wir denn unsere Mitglieder, das Archiv freundlich aufzunehmen, und etwaigen Mängeln 
zunächst mit Wohlwollen zu begegnen. Für jede Anregung aber, die an unsere Redaktion oder Ge- 
schäftsstelle gebracht wird, werden wir nur dankbar sein, und hoffen zugleich auf rege Beteiligung 
unserer Mitglieder, sei es durch litterarische Beiträge, Einsendungen, Betlagen oder Anzeigen. 



Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins 

Dr. /.. Volkmann, I. Vorsieher. 

Arthur Woernlein, Geschäftsführer. 

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(RECAP) 



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Bekanntmachung. 



In den Deutschen Buchgewerbeverein zu Leipzig sind im Monat Juni 1901 folgende Mitglieder 
aufgenommen worden: 

1. Fritz Becker, Vertreter der Firma Charles Lo- 8. Charles Lorilleux, i. Fa. Charles Lorilleux 
rilleux & Co. in Paris, Leipzig. & Co., Farbenfabrik, Paris. 

2. Georg Eisner, i. Fa. Otto Eisner, Verlagsbuch- 9. Curt Nietschmann , Buchdruckereibesitzer, 
handlung, Berlin. Halle a. S. 

3. Martin Breslauer, i. Fa. Breslauer & Meyer, 10. W. Notholl, i. Fa. F. Büttner, ßuchdruckerei, 
Berlin. Oldenburg. 

4. Bernhard Fahrig, i. Fa. Carl Chun, Geogra- 11. Alfred Nutt, i. Fa. David Nun, Buchh., London. 
phischer Verlag, Berlin. 12. Richard Schuster, i. Fa. Schuster & Loeffler, 

5. Emil Gränebaum, i. Fa. Gebr. Grünebaum, Berlin. 

Bürgel b. Offenbach a.M. 13. Emil Vossen, i. Fa. F.W.Vossen & Söhne, 

6. Franz X. Kirchheim, i. Fa. Franz Kirchheim, Wald-Solingen. 

Mainz. 14. R.Brend'amour, Xylograph. Kunstanstalt, 

7. Heinrich Laupp, i. Fa. Buchdruckerei von Düsseldorf. 

H.Lauppjr., Tübingen. 15. Leipziger Faktoren-Verein, Leipzig. 

Leipzig, den 30. Juni 1901. 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Arthur Woernlein, Ceschiftsführcr. 



Pflegschaften des Deutschen Buchgewerbevereins. 

Nachstehende Herren haben sich inzwischen noch zur Übernahme des Ehrenamtes als 
Pfleger des Deutschen Buchgewerbevereins 
in freundlicherweise bereit erklärt: 

/Wwandertfocfc, Verlagsbuchhändler.öarmitadf. Kommerzienrat Hans Oldenbourg, 
Carl Colbert, Leitender Verwaltungsrat der Ge- i. Fa. R. Oldenbourg, München. 

Seilschaft für graphische Industrie, Wien. Friedrich Diers, i. Fa. Göhmannsche Buchdruk- 

Fritz Jeve, i. Fa. Schröder & Jevc, Hamburg. kerei, Hannover. 

Albert König, Buchdruckereibesitzer, Guben. Otto Kindt, i. Fa. v.Münchowsche Unlversitäts- 
G4sa Honäth, Direktor der Akt.-Ges. Könyves Buchdruckerei, Gießen. 
Kaiman, Budapest. 

Letp.tg, den i. Juli 1901. ^ Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins 

Dr. L. Volkmann, 1. Vorsicher. 

Arthur WotrnMn, Geschiftsführer. 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararjrjrjrarjrararjrar 



Die Mode in de 

]V TORDAMERIKAS berühmter Fachmann, 
I Th. L. de Vinne, hat vor kurzem in einigen 
L ^ Fachzeitschriften seines Landes sehr in- 
teressante Artikel über die Veränderungen des 
Schnittes der Buchschriften veröffentlicht. Ich 
habe erwartet, dass dieselben von einem beru- 
fenen Fachmann übersetzt und in einer unserer 
Fachzeitschriften zur Kenntnis der deutschen 
Buchdrucker und Schriftgießer kommen würden. 
Leider ist dies bis jetzt nicht geschehen. Viel- 
leicht veranlasst dieser Hinweis das Versäumte 
noch nachzuholen. Wie wertvoll gerade für un- 
sere jetzige Zeit die Kenntnis dieser Artikel ist, 
dürfte aus dem Nachstehenden wohl hervorgehen. 

Anfangs des 18. Jahrhunderts brachte die Lon- 
doner Schriftgießerei W. Caslon eine Garnitur 
Mediäval-Antiqua heraus, von der Carl B. Lorch 
In seinem bestens bekannten Handbuche sagt, 
.dass sie an Klarheit, Leserlichkeit und Gleich- 
mäßigkeit nicht viele ihresgleichen hat, und dass 
in der Zeit von 1720 bis 1780 fast alle Werke 
von Bedeutung mit Cos/onschen Schriften ge- 
druckt wurden, die den Vergleich mit den Meister- 
werken der früheren Kunstperiode vollständig 
vertrugen und von späteren nicht übertroffen 
wurden." De Vinne erzählt nun, dass die Zeit- 
genossen Caslons die Hauptursache der Leser- 
lichkeit seiner Mediäval -Antiqua in der Mager- 
keit ihrer Grundstriche, in derBreite ihrer Punzen 
und in der geringen Höhe ihrer Mittellängen, der 
Buchstaben a c e u. s.w., sahen. Die mit dieser 
Schrift gedruckten Seiten der Bücher zeigen dem 
Leser mehr Weiß wie Schwarz. 

Reichlich ein halbes Jahrhundert lang erfreute 
man sich, wie schon gesagt, an den edlen Formen 
und der Deutlichkeit dieser Schrift. Allmählich 
verlor sie aber, wie de Vinne weiter schildert, 
ihren Zauber. Man fing an, sie steif, eckig.unleser- 
lich zu finden. Man meinte, dass eine Buchschrift 
vor allen Dingen kräftig wirken müsse, dass hierzu 
die Caslonschc Mediäval wegen ihrer geringen 
Fette aber ganz außer Stande sei. Der englische 
Schriftgießer Robert Thorne machte sich also 
daran eine Antiqua zu schneiden, welche in allem 
im schroffsten Gegensatze zur Cos/onschen Medi- 
äval stand: die Grundstriche machte er zwei- 
bis dreimal fetterund die Punzen eng; die Mittel- 
längen a c e m u.s.w. wurden vergrößert, die 
Ober- und Unterlängen b d f g p q u. s. w. gekürzt, 



i Buchschriften. 

so dass der weiße Raum zwischen den kompressen 
Zeilen auf ein Minimum beschränkt wurde. Die 
aus dieser Antiqua gesetzten Buchseiten repräsen- 
tierten daher viel mehr Schwarz wie Weiß; die 
Zeitgenossen Thornes hielten diese beinahe halb- 
fette Buchantiqua nun für leserlicher. De Vinne 
führt in einem seiner Artikel sogar eine Probe 
aus einem 1825 in Philadelphia gedruckten Buche 
vor, welches eine fette Antiqua zur Textschrift 
hatte. 

Bald nahm man jedoch wahr, dass die durch 
größere Fette erhoffte bessere Leserlichkeit nicht 
eingetreten war. Man fand vielmehr, dass diese 
kräftigen Antiquaschriften das Auge beunruhigten 
durch ihren Mangel an genügend weißem Raum. 
Man verdünnte daher die Grundstriche wieder, 
erweiterte die Punzen, verkürzte die Mittellängen, 
und kam so allmählich zu den berühmten eng- 
lischen Antiquaschriften, welche ungefähr bis zur 
Mitte des neunzehnten Jahrhunderts für die ganze 
Kulturwelt vorbildlich wurden, und die durch 
berühmte Stempelschneider, wie J. Ch. Bauer, 
Fr.Capitain, CD. May u. a. auch in unseren 
Schriftgießereien Bürgerrecht erwarben. Wie 
s. Z. jedes bessere Werk aus Mediäval -Antiqua, 
so musste es nun aus der englischen Antiqua ge- 
druckt werden; die Mediäval- Antiqua war be- 
graben und vergessen. 

Die Herrschaft dieser neuen Antiqua mochte 
ungefähr ein halbes Jahrhundert gewährt haben, 
als man anfing, dieselbe nicht mehr für muster- 
gültig zu finden. Man sehnte sich nach etwas 
Anderem in der Buchschrift. Die Caslonschc 
Gießerei trug diesem dunklen Drange Rechnung, 
holte ihre beinahe anderthalb Jahrhunderte alte 
Mediäval-Antiqua wieder hervor und präsentierte 
sie in entsprechend verbessertem Gewände den 
englischen Buchdruckern. Sie fand nicht nur 
bei diesen freudige Aufnahme, sondern auch im 
Auslande. 1850 erwarben MacKellar, Smith 

6 Jordan in Philadelphia die Matrizen dieser 
Garnitur, 1870 führten Genzsch & Heyse in Ham- 
burg die Mediäval-Antiqua wieder in Deutschland 
ein. Wohl zu beachten ist jedoch, dass man die 
Stärke der Grundstriche, die Punzen und die 
Höhe der Mittellängen ziemlich unverändert ließ; 
man begnügte sich, der Antiqua den Mediäval- 
Charakter wiedergegeben zu haben. Man ging 
in der Verfeinerung dieser Buchschriften sogar 

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««««««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arwarararjrjrjrjrjrjr 



so weit, dass Th. L. de Vinne 1802 in einem Vor- 
trage gegen diese Verfeinerung Front machte und 
dadurch in Nordamerika wieder den Anstoß zur 
Schaffung kräftiger Buchschriften gab, deren 
Ausschreitungen in den Serien Satanick, Bradley 
und Blanchard bekannt geworden sind. Das Er- 
scheinen dieser letztgenannten Serien hat aber 
nicht gehindert, dass die Inland Type Foundry 
in St. Louis, eine neuere Schriftgießerei, 1899 
die Matrizen der Cos/onschen Mediäval-Antiqua 
kaufte, und ihrer Kundschaft den Erwerb dieser 
„Caslon Old Style* in einem besonderen An- 
schreiben mitteilte. 

Diese gedrängte Schilderung des Wechsels im 
Geschmacke an Buchschriften lehrtzunächst, dass 
die derzeitige Schöpfung kräftiger Buchschriften 
nichts Neues, sondern nur eine Wiederholung 
früherer Vorgänge ist, wenn auch in der Art der 
Ausführung, der fortgeschrittenen Technik und 
dem geläuterten Geschmack entsprechend, ein 
Fortschritt nicht zu verkennen ist. Aus der Schil- 
derung ist aber ferner zu schließen, dass wir mit 
unseren jetzigen kräftigen Buchschriften keines- 
wegs einen Typus geschaffen haben, welcher als 
unveränderlich anzusehen und demzufolge be- 
rufen ist, für immer maßgebend zu bleiben. Wir 
müssen uns vielmehr daran gewöhnen, dass auch 
in den Buchschriften die Mode bestimmend ein- 
greift, dass Schriften, welche von der einen Gene- 
ration für schön und leserlich gehalten, von der 



folgenden Generation als hässlich und unleserlich 
verworfen werden. Während es aber in den bei- 
den verflossenen Jahrhunderten immer eines 
Zeitraumes von einem halben Jahrhundert be- 
durfte, um von einem Gegensätze zum anderen 
zu gelangen, so wird in unserer schnelllebigen 
Zeit sich dieser Wechsel viel schneller abspielen. 
Die heutigenSchriftgießereien werden nicht mehr 
in die Lage kommen, den Nutzen von ihren Stem- 
peln zu erzielen, dessen sich ihre Vorgängerinnen 
erfreuen konnten, und ebenso werden die Buch- 
druckereien insofern in eine schwierigere Lage 
geraten, als sie Buchschriften halten müssen, 
welche einem absterbenden Geschmacke Rech- 
nung tragen, und zugleich solche, die der neuen 
Richtung huldigen; sie müssen, um es kurz zu 
sagen, ein viel größeres Brotschriften -Material 
verfügbar haben als die Buchdruckereien der ver- 
flossenen Zeit. Ob aber zu einem solchen Kapi- 
talsaufwand in dem immer ernster werdenden 
Wettbewerbe viele Druckereien in der angeneh- 
men Lage sind, ist schwer vorherzusagen, und ob 
dementsprechend die Gießereien den aus Künst- 
lerkreisen fast überstürzend herausquellenden 
neuen Anregungen dauernd zu folgen vermögen, 
kann auch nur die Zukunft lehren. Wir müssen 
abwarten , ob unser Buchgewerbe einen ähnlich 
schnellen Modewechsel auszuhalten vermag, wie 
es in anderen Industrien der Fall ist. 

Hermann Smalian. 



Zeichenkünstler im Dienste der graphischen Kunst. 

VII. JOHN JACK VRIESLANDER. Von WALTER SCHULHOF. 



JOHN Jack Vrieslander ist doch eine der 
sonderbarsten Erscheinungen unter den mo- 
dernen Buchschmuck-Künstlern der Gegen- 
wart. Der originellsten Einer das ist 
sicher. Es würde mir schwer fallen, wenn ich 
ihn mit irgend jemand vergleichen, ihn irgend 
jemandem an die Seite stellen sollte. Doch ich 
möchte nicht gern falsch verstanden sein. Ich 
will damit nicht sagen, dass es im Buchgewerbe 
keine bedeutenderen, tieferen Künstler gäbe. 
Gewiss nicht! Er ist nur so verschieden von den 
-- Anderen, namentlich aber von den „Vielzu- 
vielen". Vielleicht zwei Jahre sind es her, dass 
Vrieslander für Eugen Diederichs in Leipzig ar- 
beitet, dem es gelungen ist, die meisten der talen- 



tierten jungen Buchschmuck-Künstler für seinen 
Verlag zu gewinnen. Was Eugen Diederichs Ver- 
lags-Anstalt dem deutschen Buchgewerbe be- 
deutet, hat Herr Dr. Schulz bereits im Dezember- 
heft 1000 in erschöpfender Weise behandelt, und 
dass Diederichs der erste Verleger war, der dem 
damals unbekannten und ungenannten Künstler 
einen größeren Auftrag überwies, zeugt wieder 
einmal von seinem außerordentlichen Scharfblick 
für keimende Talente. Die erste Arbeit Vries- 
landers für den genannten Verlag bestand in dem 
Titelblatt zu Bölsches „Liebesleben in der Natur". 
Ein seltsames Stück. Äußerlich eigentlich nicht 
viel; zwei einander befruchtende Pflanzen, stark 
stilisiert und man konnte noch manches dazu- 



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deuteln und hineingeheimnissen. Aber 
prächtig in der Ausführung. Die Linien 
schienen miteinander zu spielen, wunder- 
voll schmiegsam und biegsam, fast von 
japanischer Feinheit und Grazie. Wie ist 
das Blatt doch verschieden von den üb- 
lichen Stilleben der lautesten Tatenlosig- 
keit, wie verschieden von den bizarren 
Formen, die äußerlich modern erschei- 
nen und gewöhnlich billige Ware von 
Leuten sind, denen das Neue rasch zum 
Erwerbsmittel wird. Nicht lange darauf 
hat Vrieslander die gesamte Ausstattung 
für Tschechoffs »Ein bekannter Herr" ent- 
worfen. Die satyrischen Skizzen des „rus- 
sischen Maupassant" scheinen seiner In- 
dividualität sehr nahe zu liegen und so 
entstanden auch ein paar ganz kostbare 
Schmuckstücke. Buchschmuck im streng- 
sten Sinne ist es im Grunde genommen 
nicht. Alles nähert sich mehr der Illu- 
stration, wenigstens suchen die Kopf- 
leisten den Inhalt der einzelnen Novellen 
zu schildern, manchmal allerdings nur 
symbolisch anzudeuten. Hier und da tau- 
chen auch Tierfiguren auf und da be- 
währt sich Vrieslander als ausgezeich- 
neter Karikaturist. Eine ganz tolle, un- 
heimliche Gesellschaft, die uns dann in 
noch exklusiveren Exemplaren in Vries- 
landers neuestem Werke, dem .Fabel- 
buch« (Verlag von Albert Längen-Mün- 
chen), entgegentritt. Das Chamäleon, das 
Nilpferd, der Kiwi, vielerlei lustiges Fa- 
belgesindel und „Übertiere". Das sind 
im wesentlichen auch die Motive, die der 
Künstler für den demnächst erscheinen- 
den zweiten Band der Tschechoffschtn Werke 
benutzte. Aber wie eminent sicher hat er das 
Wesen und besonders die humoristische Wir- 
kung seiner Tiere herausgefühlt und in seine ge- 
schlossene Linie gebracht. Vrieslander stilisiert 
oft, auch wo es nicht unbedingt notwendig wäre, 
aber bei ihm ist nicht (wie dies mitunter bei 
manchen der Fall zu sein pflegt) künstlerisches 
oder technisches Unvermögen der Beweggrund, 
das kann man schon an dem intimen Können des 
Kleinen sehen. 

Zwei kürzlich erschienene Bücher, für die der 
Künstler die Ausstattung geschaffen hat, zeigen 
uns, wie wohl er es versteht, den Schmuck dem 
Inhalt genau anzupassen. Ich meine Bölsches 





jj. 



de« Herrn Hin» Zarin in Mitehr». 



»Hinter der Weltstadt" und Tolstois „Aufruf an 
die Menschheit", beide im Verlage von Eugen 
Diederichs. Eine feine, graziöse Ranke umrahmt 
dieBuchseite der Essai-Sammlung des Friedrichs- 
hagener Ästhetikers. Die gelegentlich einge- 
streuten Zierstücke sind durchwegs linear ge- 
halten, bleiben stets einfach, geschmackvoll und 
klar. Sehr geschickt ist auch die Paginierung in 
einem Ausläuferder Umrahmung angebracht. Das 
schlechte Plazieren der Seitenzahl scheint leider 
ein chronisches Übel der modernen Bücher zu 
sein. Manchmal hat man versucht, die Pagi- 
nierung überhaupt wegzulassen. Das ist ent- 
schieden von Übel. Mitunter verschwindet sie 
wieder fast gänzlich neben der Kopfleiste, wie das 



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beispielsweise in den „Monographien zur Welt- 
geschichte* der Fall ist, und dies ist ebenfalls 
keineswegs zu billigen. Man sollte doch be- 
denken, dass die Paginierung einen notwendigen 
Bestandteil des Buches bildet, und darum ist es 
wichtig, ihr bei der künstlerischen Ausgestaltung 
einige Aufmerksamkeit zu widmen. Wer wird 
nicht oft den unangenehmen Eindruck beobachtet 
haben, den zwei oder drei dünne Ziffern verur- 
sachen, wenn sie gleichsam hilflos, knapp neben 




liebenswürdigen Weise dem Publikum die Hon- 
neursmacht, um dann in einereleganten Plauderei 
die zu erwartenden Kunstgenüsse anzukündigen. 
Den Hintergrund schließt eine ungemein ge- 
schmackvoll komponierte, sehr zarte Tapete ab. 
Überhaupt das ganze Bild mir sagt es mehr als 
die hundert feuilletonistischenGeistreichigkeiten, 
die seit dem Erwachen des bunten Theaters über 
Wolzogen durch die Blätter gepeitscht wurden. 
Was für ein Schalk er doch ist, dieser Vrieslanderl 




J.J. Yn.ttaniir. KoptW.Kn »»: Ttrtudlofi, punnelle 1 etkt, BJ I usd 2. Verl», von Eugn Difirncl» In Ltip,if. 



einer schweren, flächigen Kopfleiste stehen? — 
Ganzanderspräsentiertsichdas Buch des Dichter- 
philosophen aus dem Lande des Winters und der 
Knute. Schon der Innentitel. Herbe, starke und 
spröde Linien umklammern die Schrift, überall 
in scharfen Ecken und Kanten auslaufend. So 
bildet diese Seite einen guten Vorklang zu dem 
aus düsteren Anklagen bestehenden Inhalt des 
Buches. Freiherr von Wolzogen, der Leiter des 
bunten Theaters (Überbrettl) hat Vrieslander be- 
auftragt, für sein Unternehmen ein Album zu 
schaffen. In ganz vorzüglicher Weise hat der 
Künstler nun seine Aufgabe gelöst. Zwölf 
Schwarz-Welßblätter zeigen die Mitglieder der 
lustigen Gesellschaft, teils in Einzelbildern, teils 
zu Gruppen vereinigt, welche Szenen aus den auf- 
geführten Stücken darstellen. Da ist zunächst der 
Baron. Der spiritus rector, der Impresario comme 
il faut. Das Bild zeigt ihn, wie er in seiner bekannt 



Wie fein er diesen Brettl-Baron, dem selbst nichts 
heilig ist, karikiert. Beinahe möchte ich sagen 
höflich karikiert! Jawohl! Seine Karikatur 
hat nämlich gar nichts gemein mit den derben 
Scherzen eines Wilke, eines Bruno Paul, oder 
der fanatischen Bosheit Thomas Theodor Heines. 
Nur wie ein geistreiches, aber noch immer dis- 
kretes Bonmot ist sie, das der Getroffene lächelnd 
entgegennimmt. Und dann der .General -Adju- 
tant" Wolzogens, der Dichter der Tierfabeln, 
Dr. Hanns Heim Ewers. In der phantastischen 
Tracht des Überbrettls tritt er uns entgegen, mit 
dem ihm eigenen, unsagbar feinen, mokanten 
Lächeln auf den Lippen. Gerade dieses Lächeln, 
ganz leicht nur flüchtig angedeutet, aber doch 
voll von Hohn und fröhlichem Spott — hat Vries- 
lander virtuos wiedergegeben. Dann wieder der 
Kapellmeister Oscar Straus, wie er am Flügel 
seine Kompositionen begleitet. Auf diesem Blatte 



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mm,m^'^'*i<*L'*ummML ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararararjrjrararararar 



ist fast ausschließlich mit starken, schwarzen 
Flächen gearbeitet; die punktierten Linien, die 
Vrieslander sonst bevorzugt, sind diesmal mög- 
lichstfortgelassen und derKopf in kräftigen, festen 
Strichen gezeichnet. So passte es auch recht zu 
der ganzen Gestalt und zu den scharf ausgeprägten 
Gesichtszügen des Komponisten. 

Ganz anders geartet ist das Bild, das wir in der 
Beilage zum Abdruck bringen. Die Diva Bradsky 
als Madame Adele. In einem Meer von Spitzen, 




Tüll und rauschender Seide kommt sie herein- 
gewirbelt. 

Echt Paris sind diese Kleider 
Und drunter, das ist auch kein Quark, 
C'est un iupon pour achtzig Mark! 
Trulala, 

Was glauben Sie, wie das glücklich macht! 

Hier sind tiefe schwarze Töne gänzlich ver- 
mieden. In elegantemGrauwerdendieverschiede- 
nen Nuancen herausgearbeitet, aber das Ganze ist 
duftig und spinnwebzart, fließt förmlich Inein- 
ander, ganz wieso ein echtesWunder ausBrüsseler 
Spitzen und Lyoner Seide. - Noch acht weitere 
Blätter umfasst die Mappe. Nicht alle sind gleich- 
wertig, ein oder das andere Stück hätte ich fort- 
gewünscht. Die guten Arbeiten überwiegen je- 
doch, das ist sicher. Besonders gelungen erschei- 
nen mir noch die Blätter „Der lustige Ehemann", 
Elsa Laura und das prächtige Porträt des Reci- 



tators Marcell Salzer. Zu dem diesem Hefte gleich- 
falls beigegebenen Bildnis Hans Zarths möchte 
ich noch ein paar Worte sagen. Man hat es bisher 
fast noch nie versucht, eigens für Strichätzung 
gezeichnete Porträts In dieser Reproduktionsart 
für privaten Gebrauch herstellen zu lassen. War- 
um nicht? Die Bilder hätten sogar dann einen 
Vorzug für sich, der heute gar schwer ins Gewicht 
fällt: sie wären nämlich billig. Und dann: ein 
von einem Künstler gezeichnetes Bild hat doch 




gewiss viel größeren Wert als eine Photographie. 
Alle Achtung vor unseren Kunstphotographen! 
Aber mit den Porträt- Künstlern werden sie doch 
nie in Konkurrenz treten können und ich glaube, 
sie wissen das und wollen es selbst nicht. Da 
wären Porträts von Künstlerhand, in Strichätzung 
vervielfältigt, durch ihre Billigkeit für Leute, die 
viele Bilder brauchen, wie etwa Schauspieler, von 
großem Vorteil. Auch etwas künstlerischer Geist 
käme in diese Dutzendbildnisse und das thäte 
wahrlich not. — Für heute habe ich nur die buch- 
gewerblichen und graphischen Arbeiten Vries- 
landers erwähnt, seine sonstigen Werke — Kunst- 
gewerbliches und ein großer Bildercyklus — 
kommen ja hier nicht in Betracht. Verraten darf 
ich jedoch vielleicht, dass der Künstler eben eine 
Serie von zwölf Schwarz-Weiß-Blättern voll- 
endet hat, die er „das Variete" nennt. Es wird 
viel Staunen, viel Kopfschütteln hervorrufen, 



J.J. Vrinlmndtr. KopfULten tu.: 7icn »<-*«#» itt».mmcllc Ttrkc, Bd. t und 2. Vtrl.« von 



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ARCHIV FÜR 



BUCHGEWERBE ararararjrjra»M>arjrar 




nn.rkc dn KUn.llcr, > 



J.J. VrittUmitr. (« etNkher Kopf. 

dieses Variete mit seinem wild grotesken Humor, 
ich glaube aber auch ebensoviel ehrliche Be- 
wunderung. Beardsley und Thomas Th. Heine 
haben einen gewissen Einfluss auf Vrieslander 
ausgeübt. Doch nur rein äußerlich, dies zu be- 
tonen möchte ich nicht vergessen. Er hat eben 



von ihnen viel gelernt sonst nichts! Immer 
ist etwas Eigenstens, Persönliches in seinen Ar- 
beiten, das allem zu Grunde liegt. Innerlich trennt 
ihn so sehr viel von dem gcnial-cynischen Eng- 



ex libHs 




hans 
zarth 



J.J. VrifiUmdfr. Exlibris dci Herrn Haut Zarih In Minehen. 

linder, dem Maler der Sünde, wie auch von dem 
Simplicissimus-Zeichner, der mit bitterer Ironie 
die Kehrseite des menschlichen Lebens hervor- 
zieht, seine eigene Weltanschauung aber hinter 
tausend Grimassen und Capriolen versteckt. Und 
dann besitzt Vrieslander noch eine Gabe, die den 
Beiden mangelt: er kann lachen! Treu und 
deutsch und herzlich lachen! Und so lachen 
wir auch gern mit ihm, ob er uns nun seinen 
weisen Kiwi vorführt, oder seinen butterblumen- 
gelben Kaspar, der lilablaue Astern, die bei uns 
in Mitteleuropa bekanntlich nur im Herbst blühen, 
auf die Frühlingsfluren streut. 



Das ständige internationale Verlegerbureau in Bern. 



UNTER den Produkten des menschlichen 
Fleißes, welche zum Austausch und Handel 
im Völkerverkehr gewissermaßen voraus- 
bestimmt sind, stehen Bücher und Kunstgegen- 
stände oben an; ihrer Natur nach sind sie zu uni- 
versalem Gebrauche geschaffen; die Aufnahme 
ihres Gedankeninhalts, ihres geistigen und ästhe- 
tischen Gehaltes ist an keine räumliche Schranke 
gebunden. Deshalb werden Erzeuger und Ver- 
breiter solcher Geisteswerke auf allgemeine Ver- 
ständigung und auf Wahrnehmung ihrer Inter- 



essen auf breitester Basis geradezu hingedrängt. 
Der Strömung der zweiten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts folgend, hatten sich die Autoren schon 
seit geraumer Zeit zu einem internationalen Ver- 
bände geeinigt; es ist dies die „Association litte- 
raire et artistique internationale", die im August 
ihren 23. Kongress im lieblichen Vivis abhalten 
wird. Merkwürdigerweise erfolgte aber dieser 
Zusammenschluss von seiten derjenigen, welche 
das fertiggestellte und vervielfältigte Geistes- 
produkt durch Verlag und Vertrieb aus der Taufe 



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heben, dem weiteren Publikum zugänglich machen 
und damit Handel treiben, verhältnismäßig spät. 
Erst im Jahre 1806 wurde in Paris der erste inter- 
nationale Verlegerkongress auf Initiative Franzö- 
sischer Verleger mit ca. 200 Teilnehmern abge- 
halten, welchem Kongress dann diejenigen von 
Brüssel (1807, 138 Teilnehmer) und London (1899, 
215 Teilnehmer) folgten. 

Diese Kongresse beschäftigten sich teils mit 
rechtlichen, teils mit professionellen Fragen. Der 
richtige und wirksame Schutz der Geisteswerke 
(Urheberrecht) und namentlich die allgemeine 
Ausdehnung und Verbesserung dieses Schutzes 
in dem großen durch die Berner Konvention von 
1886 geschaffenen Verbände zum Schutze des 
geistigen Eigentums mussten als gesetzliche 
Grundlage für die gegen Nachdruck, Nachbildung 
und Piratentum sicherzustellenden Verlagsunter- 
nehmen besonders angestrebt werden. Ebenso 
wurde der Regelung der Vertragsverhältnisse 
zwischen Urhebern und Verlegern, d. h. der Frage 
des Verlagsrechts größere Aufmerksamkeit ge- 
schenkt. Von technischen Fragen nennen wir hier 
bloß dicjenigederPHichtexemplare.der Zuschuss- 
exemplare, der Defekten, der Bestimmung der 
Formate, der buchhändlerischen Bibliographie, 
des Rabattes, der Erleichterungen in Post-, Fracht- 
und Zollverkehr, der Fachschulen und Auskunfts- 
stellen. 

Ober alle diese Verhandlungs-Gegenstände 
fassten die Kongresse wohl Beschlüsse in Form 
von Resolutionen oder Wünschen, allein trotz des 
von den einzelnen Verbänden an den Tag gelegten 
guten Willens ließ die Ausführung dieser Be- 
schlüsse viel, oft alles zu wünschen übrig. Da- 
durch, dass man mit dieser Ausführung das je- 
weilige Organisationskomitee des letzten Kon- 
gressortes betraute, wechselte der Sitz der Exe- 
kutive und deren Personal fortwährend und ließ 
kein einheitliches, zielbewusstes Vorgehen auf- 
kommen. Der Gedanke lag daher nahe, ein stän- 
diges Organ dieser neuen Verlegerorganisation 
zu schaffen und damit der letztern denjenigen Halt 
zu geben, welcher Gebilden ohne Centraiorgan 
immer fehlt. Leipzig, die anerkannte Buchhändler- 
metropole, hat nun in diesem Jahre Verleger und 
Buchhändler zum vierten Kongress gastlich em- 
pfangen. Es hatte auch alle Vorarbeiten vollendet, 
um dieses Organ ins Leben zu rufen und durch 
finanzielle Hilfsmittel lebenskräftig erhalten zu 
können. Auf dem Leipziger Kongress, welcher 
vom 10. bis 14. Juni d. Js. stattfand und bei einer 



Teilnehmerzahl von ca. 400 aus allen Ländern 
herbeigeeilten Verlegern einen glänzenden, arbeits- 
reichen Verlauf nahm, wurde eine große Anzahl 
neuer Beschlüsse, auf die heute hier nicht näher 
eingegangen werden soll, dem neu zu schaffenden 
Organ zur Ausführung überwiesen. 

Während man von der Notwendigkeit und 
Zweckmäßigkeit derGründung eines sogenannten 
ständigen Bureaus allgemein überzeugt war.gingen 
die Meinungen betreffend die Sitzfrage ausein- 
ander. Leipzig als ein Centrum des Welthandels 
glaubte dem künftigen Bureau die richtige Stätte 
bereiten zu können. Allein bei den Abgeordneten 
der Verlegervereine verschiedener Länder waren 
Bedenken aufgestiegen, ob der rein internationale 
Charakter der Kongresse durch ein in einem eu- 
ropäischen Großstaate domiziliertes Amt wohl 
gewahrt werden könne. Diese Bedenken hätten 
eine fruchtbringendeThätigkeit des neuen Organs, 
wenn es in Deutschland geblieben wäre, von vorn- 
herein beeinträchtigt. Die Augen der hauptsäch- 
lichsten Leiter des Kongresses wandten sich da- 
her nach der kleinen neutralen Schweiz. Nach 
einer lebhaften interessanten Debatte kam ver- 
möge eines großmütigen Verzichtes der Leipziger 
auf ihre wohlüberlegten Pläne eine einstimmige 
und wirkliche internationale Einigung in dem 
Sinne zu stände, dass das Bureau seinen ständigen 
Sitz in Bern aufschlagen solle. Zu diesem Be- 
schlüsse trug nicht allein die centrale Lage dieser 
Stadt, sowiedieThatsache, dass die schweizerische 
Bundesstadt durch die Berner Konvention zum 
Sammelpunkt der Völkerbestrebungen auf ur- 
heberrechtlichem Gebiete geworden ist, sondern 
auch noch ein persönlicher Umstand ein Wesent- 
liches bei. 

Herr Henri Morel, der Direktor des inter- 
nationalen Amtes für geistiges Eigentum in Bern, 
welches zwei Monatszeitschriften und sonstige 
Fachwerke herausgiebt, ist seit 1896 Mitglied der 
Verlegerkongresse. In letzterer Eigenschaft er- 
klärte sich Herr Morel auf Ansuchen der Präsi- 
denten der früheren Verlegerkongresse hin bereit, 
die provisorische Einrichtung des ständigen Ver- 
legerbureaus unentgeltlich und honoris causa zu 
übernehmen, bis dasselbe durch den geschäfts- 
führenden Ausschuss der Verlegerkongresse end- 
gültig organisiert werden könne. Abgesehen von 
dieser zeitweiligen Personalunion ist das neue 
Verlegerbureau als Organ einer privaten Kor- 
poration gänzlich getrennt von dem den offi- 
ziellen Charakter eines Organs verschiedener 



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Regierungen tragenden, internationalen Amt zum 
Schutze der Werke der Litteratur und Kunst (ge- 
gründet anfangs 1888) und von dessen Beamten. 

Mit Rücksicht auf die beschränkten Mittel, über 
welche vorläufig das neue Verlegerbureau ver- 
fügt, soll es in ganz bescheidenem Rahmen ge- 
gründet werden. Seine Hauptaufgabe wird in der 
Durchführung der Beschlüsse des letzten und der 
noch nicht ausgeführten Beschlüsse der früheren 
Verlegerkongresse, in der Abfassung der ver- 



schiedenen Eingaben, in der Veranstaltung der 
gewünschten Untersuchungen und Enqueten über 
Spezialfragen und endlich in der Vorbereitung des 
nächsten Kongresses bestehen, der 1904 nach Er- 
öffnung der Simplonbahn in Mailand abgehalten 
werden soll. Es ist zu hoffen und anzunehmen, 
dass das neue, nicht amtliche Berner Bureau die 
auf dasselbe gesetzten Erwartungen erfüllen und 
auf den nächsten Kongress hin eine fruchtbrin- 
gende Thätigkeit entfalten werde. 



Der künstlerische Bucheinband in alter und neuer Zeit. 

Nach Vorträgen von Dr. JEAN LOUBIEK im Berliner Kunstgewerbemuseum. 

II. 



MIT dem allmählich kräftiger werdenden 
Auftreten der Gotik im 14. und 15. Jahr- 
. hundert tritt der einfachere Band in 
Leder an Stelle des prächtigen frühmittelalter- 
lichen Bandes in Elfenbein und Metall. Wir 
unterscheiden in der Gotik zweierlei Verzierungs- 
arbeiten des Leders, erstens Bände mit Leder- 
schnitt, zweitens solche mit Lederrw&sung. 

Den wahrscheinlich ältesten erhaltenen Band, 
mit einer Art Lederschnitt verziert, besitzt Eng- 
land, im Stonyhurst College in Durham. Hier ist 
das Muster eingeritzt und mit gelber Farbe aus- 
gemalt. Er war 1891 im Burlington finc arts club 
ausgestellt, ließ aber die Gelehrten damals im 
Zweifel, ob er aus dem 10. bis 12. Jahrhundert 
oder aus späterer Zeit stamme. Der Lederschnitt 
mit Punz- und Treibarbeit kommt erst in der 
Gotik vor, und wurde in Deutschland nachweisbar 
erst im 14., hauptsächlich aber im 15. Jahrhun- 
dert angewendet. Zu diesen Lederarbeiten ist 
meist Rindleder benutzt, seltener Kalbleder. Um 
den Buchdeckel mit Schnitt,Treib- undPunzarbeit 
zu verzieren, wird erst das zu treibende Muster 
auf dem Leder vorgezeichnet, dann mit dem 
Messer die Oberhaut des Leders, der Zeichnung 
folgend, eingeschnitten, mit einem Stäbchen oder 
einer Art Modelliereisen der Schnitt erweitert 
und dann mit letzterem der Grund am Rande 
des Ornamentes niedergedrückt, um die Formen 
des Musters selbst etwas erhabener stehen zu 
lassen. Das Treiben des Leders geschieht unter 
Feuchthalten der Oberseite von der Unterseite 
her und werden die emporgetriebenen Stellen, 
um ein Zurückgehen, Eindrücken u. s. w. zu ver- 



meiden, mit Wachs unterlegt. Das Modelliereisen 
übernimmt die feinere Ausführung. Das Punzen 
des Grundes geschieht mittels leichten Hammcr- 
schlags auf die fest aufgesetzten Metallpunzen. 
Der Druck auf die feuchten Stellen lässt das 
Leder dort dunkler erscheinen. Am meisten be- 
nutzt wurde eine kleine Perlpunze, doch war 
auch der kleine Stern für den Grund eine be- 
liebte Form. Die Sachen sind mit großem Ge- 
schmack und Geschick gemacht und selten findet 
man ein stärkeres Relief. Nur wenige Exemplare 
aus dem 14. Jahrhundert sind uns erhalten und 
nur etwa zwölf aus dem 15. Jahrhundert. Die 
Farbe ist stets braun, mit einer Ausnahme an 
einem in München aufbewahrten Bande, der sich 
durch seine grüne Farbe auszeichnet. 

Die Formen sind die in der Gotik allgemein 
üblichen, in der Spätgotik sind besonders die 
Tiergestalten beliebt. Sehr schöne Exemplare 
besitzt das Germanische Museum in Nürnberg, 
wahrscheinlich sind sie auch in Nürnberg selbst 
angefertigt. Veranlasst von der Schönheit eines 
in Hamburg befindlichen Bandes, einen Ritter 
auf der Jagd darstellend, nahm Meister Georg 
Hulbe den alten Lederschnitt in Norddeutschland 
wieder auf, fast zur selben Zeit wie Wunder in 
Wien. 

Aus dem Ende des 15. Jahrhunderts giebt es 
ein recht interessantes Beispiel, zur Zeit im 
Wiener Museum für Kunst und Industrie befind- 
lich. Es stellt ein Liehespaar in einer Laube vor, 
genau nach dem Stiche des sogenannten Meister 
des Amsterdamer Kabinetts gemacht, nur dass 
das Laubwerk dekorativer gehalten ist. Aus dem 



254 tfe 



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Brauner Karduanband für ein« türftiachc Korafi-Hiadavhrift. 
Aua: .Allgemeiner Aarelgrr fltr Hur hMnJcrcicn*. 

16. Jahrhundert ist kein derartiges Beispiel er- 
halten geblieben. 

Was nun die Verzierung mit Pressung an- 
betrifft, so kennt die Gotik nur die Blindpressung 
vermittelst Stempel ohne Goldverzierung. Die 
Verzierung mit eingepressten Stempeln ist allen 
Ländern bekannt. Im Abendlande ist es der 
Metallstempel aus Messing oder Eisen, welcher 
mäßig erwärmt auf das feuchte Leder mit starkem 
Drucke aufgesetzt werden muss. Am Ende des 
15. Jahrhunderts werden die Stempel größer und 
es werden auch Plattenstempel, .Stöcke" genannt, 
benutzt, welcher Ausdruck wohl vom Holzschnitt 
übernommen ist, ohne dass Holz dafür verwendet 
werden konnte. Zur Herstellung gerader Linien 
diente das Streicheisen. 

In England, das, wie wir sahen, auch Verzie- 
rungen vermittelst Ledereinritzungen kannte, 
wurde meistens braunes oder dunkclrotes Leder 
verwendet. Der Hauptort für die Herstellung 
der Lederbände scheint Durham gewesen zu sein. 
In der Kathedrale zu Durham werden noch ca. 
30 alte Bände aus dem 12. Jahrhundert mit 
Stempelpressungen bewahrt und an einzelnen 
dort befindlichen Werken lassen sich wohl 500 
bis 600 verschiedene Stempelabdrücke nach- 
weisen, wie England überhaupt außerordentlich 
mannigfaltig in der Benutzung von Stempeln ge- 
wesen zu sein scheint. So finden wir in keinem 
Lande, außer England, eine kreisförmige An- 
ordnung. Die Stempel zeigen Tiergestalten, 
menschliche Figuren (Heiligenbilder und Ma- 
donnen), Sternchen, Rosetten und Palmctten, 
auch aus Stempeln zusammengesetzte Bandorna- 
mente, wie sie ähnlich die italienische Renais- 
sance zeigt. Im 13. Jahrhundert verschwindet 
diese Kunst in England, um erst im 15. wieder 
aufzuleben. Einige deutsche Bände mit Stcmpel- 



verzierung der Gotik sind erhalten, einer davon 
im Germanischen Museum zu Nürnberg, aus 
dem 13. Jahrhundert, zu welchem zwei verschie- 
dene Stempel abwechselnd benutzt wurden. Die- 
selbe Technik findet sich auf einem roten fran- 
zösischen gotischen Lederband. 

In der Spätgotik herrscht in Deutschland, 
Frankreich und England im allgemeinen dieselbe 
Technik. Das Format ist meist Groß- Folio. 
Neben dem braunen Rindleder taucht noch ein 
rot gefärbtes Ziegenleder auf. Die Bände tragen 
den Titel noch nicht auf dem Rücken, sondern 
auf Seiten- oder Vorderschnitt, denn sie wurden 
noch nicht in Reihen gestellt, sondern auf Pulte 
und dergleichen gelegt. Der Schnitt war häufig 
von gelber oder grüner und in späterer Zeit von 
roter Farbe. Die Ledereinbände tragen fast stets, 
ursprünglich zum Schutze der Deckel, an den vier 
Ecken Metallbeschläge, die um die Kanten greifen. 
Diese Beschläge zeigen in ausgeschnittenem, gra- 
viertem oder auch getriebenem Metall, spät- 
gotische Blattornamente und Tierformen (Sym- 
bole der vier Evangelisten!) u.s. w. In ähnlicher 
Weise sind die metallenen Schließen verziert, 
welche später durch Lederbänder ersetzt werden. 

Meist waren zwei Schließen am Vorderschnitte 
angebracht, doch zeigt ein spanischer Kodex 
auch Schließen am Ober- und Unterschnitt, wie 
überhaupt die Verwendung von vier Schließen 
für spanische und italienische Bände charakte- 
ristisch ist. Für diese durch Größe und Schwere 
ausgezeichneten Bücher des späteren Mittelalters 
hatte man vielfach feste Pulte, an welchen die 




Deuucber Schweinalcdcrhand dr» 10 Jahrhundert« (Stift Strahn» i. 
Ava : „Allgemeiner Anzeiger für Buchbindereien". 



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33» 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrjrjrjrjrjirarjrjrMsir 



Bände mit Ketten angeschlossen waren, um ein 
Herunterfallen bez. ein Verschwindenlassen zu 
verhindern. Die Ketten waren zierlos, die Pulte 
in den gotischen Formen gehalten. Es sind noch 
eine große Anzahl solcher Kettenbände erhalten. 
England besitzt eine ganze Kettenbandbibliothek, 
auch in Berlin, in Leyden, in Ungarn wie überall 
in alten Bibliotheken befinden sich solche Ketten- 
bände. Kleinere Bände wurden zur besseren Er- 
haltung häufig in entsprechend ähnlich verzierte 
Kästen und Kapseln gcthan, wie es seit alter Zeit 
in Irland üblich gewesen ist. Merkwürdigerweise 
scheinen auch an die Buchdeckel befestigte oder 
den Bezug derselben verlängernde Beutel aus 
Seide, Sammet oder Leder die wertvollen Bücher 
geschützt zu haben. Zwei solche alte Buchkapseln 
befinden sich im Berliner Kunstgewerbemuseum. 
Buchbeutel sind aus dem 15. Jahrhundert nur 
sechs erhalten, es muss die Sitte aber weit ver- 
breitet gewesen sein, namentlich in Deutschland 
und den Niederlanden, wie uns alte Abbildungen 
zeigen. Z. B. stellt ein Gemälde von Martin 
Schongauer einen Heiligen dar, ein Buch mit 
einem Buchbcutel tragend. Wieder andere Bände 
zeichnen sich durch eine darin bestehende Schutz- 
vorrichtung aus, dass die Lederteile der Deckel 
soviel größer sind, als die Deckelplatten, dass 
sie an allen drei Seiten sich schützend über den 
Schnitt legen. 

Was nun die Stempelformen des 15. Jahr- 
hunderts betrifft, so wechselt das Ornament mit 
der figürlichen Darstellung. Wir finden sowohl 
den gotischen Bogen und Jagdscenen, wie or- 
namentale Lilien, Marienbilder und Sprüche, 
Christus am Kreuz und ähnliche Darstellungen. 
Nebeneinandergesetzte kleine Stempel ergeben 
Randverzierungen. Als fortlaufendes Ornament 
wird vielfach ein knorriger Stab benutzt, bei 
welchem der Stempel derart eingerichtet ist, dass 
der Anfang wieder an das Ende passt. Auch eine 
Einteilung in kleine Rautenfelder ist häufig, die 
Stempel darin sind ähnlich den in der Gotik 
immer wiederkehrenden Gewebemustern. 

Der Plattenstempel ist im 15. Jahrhundert in 
Deutschland noch selten, er findet mehrfache 
Anwendung erst mit Eintritt der Renaissance, ist 
aber in England und Frankreich häufiger ver- 
treten. Als eine Art Vorläufer für die Buch- 
druckerkunst kann man die Stempel mit Buch- 
staben ansehen, die in dem Dominikanerkloster 
in Nürnberg für Bucheinbände benutzt wurden 
(vergl. Mainzer Festschrift zur Gutenbergfeier, 



S. 59). Solche Buchstabenstempel, die übrigens 
schon den alten Römern für ihre Legionsziegel- 
stempel bekannt waren, gaben vielleicht Guten- 
berg die Anregung zum Druck vermittelst beweg- 
licher Typen. Dadurch wird dessen unsterbliches 
Verdienst nicht geschmälert, da es von dem ein- 
zelnen geschnittenen Buchstabenstempel bis zu 
den in eingeschlagene oder durch einen Ab- 
formungsprocess erzeugte Matrizen gegossenen 
Typen noch ein recht wciterWcg war. Das Mit- 
telfeld des Vorderdeckels solcher Bände mit 
Lederpressung pflegt in kleine mit Zierstempel 
versehene Rauten geteilt und mit einem Rahmen 
aus aneinander gesetzten kleinen Stempeln oder 
Rollenverzierungen umgeben zu sein. Aus 
der Zeit zwischen 1460—70 sind Einbände er- 
halten, welche durch ihre Inschrift erkennen 
lassen, dass sie von Buchbindern aus dem geist- 
lichen Stande stammen. In englischem Privat- 
besitz befindet sich ein Band von 14S3 mit dem 
Namen des Buchbinders Johannes Fogel. Das 
Berliner Kunstgewerbemuseum besitzt einen 
kleineren Band, dessen vordere Deckclfläche in 
vier Felder geteilt ist und zwar durch einen Lob- 
gesang, der auch den an den Kanten herum- 
laufenden Zierstreifen bildet. Die vier Felder 
enthalten je zwei nebeneinander liegende S-för- 
mige, aus Stempeln gebildete Ranken. 

Die Buchbinderrolle, welche das fortlaufende 
Ornament müheloser eindrückt, als ein Anein- 
andersetzen von einzelnen Stempeln, wird in 
dieser Zeit bereits benutzt, gelangt aber erst in 
der Renaissance zu großer Bedeutung. In den 
Niederlanden entstanden in der Spätgotik bereits 
kleine Sachen, welche den Einfiuss der Renais- 
sance verraten. Ziemlich früh tritt der Gold- 
schnitt auf, wie ein Band aus Frankreich von 
1509 beweist, der sich seit kurzem in Berlin be- 
findet. Einen Plattenstempel-Band aus derselben 
Zeit besitzt das Germanische Museum in Nürn- 
berg, ein Gegenstück dazu das British Museum 
in London. Der erstere enthält Stempelabdrücke 
mit Tierformen, bei denen nachgewiesen wurde, 
dass sie nach Holzschnitten eines Meisters gear- 
beitet sind, der 1466 lebte. Die Holzschnitte 
und Stempelabdrücke stellen sehr lebhaft bewegte 
Vögel dar. Bei solchen kleinen Stempeln ist es 
schwer zu unierseheiden, ob die Stempelformen 
ursprüngliche sind oder von später nachgeschnit- 
tenen Stempeln herrühren, wie überhaupt auch 
die ganze Forschung über die Persönlichkeit der 
Buchbinder, deren Stellung und Leben sehr un- 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararjrjr»»»»»» 



sicher ist und erst eigentlich mit der Renaissance 
beginnt. 

Dieser Blinddruck mit seiner Verwendung von 
kleinen Stempeln, der infolge der vorzüglichen 
Raumverteilung bei den alten Meistern von außer- 
ordentlich feiner und gefälliger Wirkung ist, 
sollte bei uns jedenfalls mehr Verbreitung finden. 

Die Renaissance bringt als vornehmliche Gaben 
die Goldverzierung, neue Ziermuster und den im 
16. Jahrhundert allgemeiner werdenden Gold- 
schnitt. Von außerordentlichem Einfluss für die 
Renaissance in Italien und von dort weitergehend 
war die orientalische Kunst und die dadurch 
erfolgende Übernahme von arabischen und per- 
sischen Formen. Es wurden auch die im Orient 
angewandten Leder übernommen, das Maroquin, 
ein ursprünglich aus Marokko stammendes Zie- 
genleder, und Korduan aus Cordova. Für den 
orientalischen Bucheinband können natürlich 
nur die Länder des Islam in Betracht kommen, 
da die anderen Kulturvölker, die Chinesen und 
Japaner, eine ganz andere Art der Heftung und 
Bewahrung gaben. Der Falz liegt bei den ein- 
seitig bedruckten Büchern dieser Völker nach 
vorn. Die Blätter werden am innen) Steg mit 
Seide durchstochen und so aufeinander geheftet. 
Das so entstandene Buch wird dann wie in alten 
Zeiten, lose in die gewöhnlich mit Stoff über- 
zogenen Deckel hineingelegt und diese durch 
Einsteckung von kleinen Knochenstäbchen in 
Schlingen geschlossen. Auch im übrigen Orient 
wurden die Blätter nicht auf Bünde, sondern 
einfach zusammengeheftet, dann der Rücken mit 
Zeug überklebt und das Buch lose in die Deckel 
gelegt. Diese bestehen im Orient nie aus Holz, 
sondern aus Pappe oder zusammengeklebtem 
Papier und haben oft einen dritten Teil, eine 
Klappe in ungefähr halber Breite, die sich wieder 
auf den ersten Teil herüberlegt, wie an den bei 
uns üblichen Portefeuilles, was die Franzosen 
mit „reliurcs ä portefeuille* bezeichnen. Die 
Verzierung der Klappe nimmt keinen Bezug auf 
ihre Form, sondern hat meist das Aussehen eines 
abgeschnittenen dritten Deckels. Der Schnitt 
der Bücher wurde entweder weiß gelassen oder 
mit dem Pinsel angemalt. Der Schmuck der 
Deckel besteht fast stets aus einem Mittelstück 
und je einem kleineren Zierstück darüber und 
darunter auf glattem Grunde. Die Formen der 
vier Eckverzierungen schmiegen sich nach innen 
zu der Mittelform mit großem Geschick an. Ein 
gleichfalls aus einzelnen kleineren Abteilungen 



bestehender Rand rahmt das Ganze ein. Die 
Verzierung der einzelnen Teile besteht aus außer- 
ordentlich feinem Rankenwerk. Durch diese 
Teilung in einzelne Stücke wurde es möglich, 
dass dieselben herausgeschnitten werden konnten. 
Das Leder wurde künstlich verdünnt, schmiegsam 
gemacht durch Anfeuchten, in die Stempel aus 
gehärteter Kamelhaut gepresst und dann erst 
wieder an Ort und Stelle eingeklebt. Dieses er- 
klärt auch das Tieferliegen der Ornamente. Mit 
Vergoldung und lebhafter Bemalung erhielten 
schließlich die Deckel ein reiches Aussehen. An 
Stelle der Bemalung tritt in späterer Zeit das 
Unterlegen des ausgeschnittenen Ornamentes mit 
andersfarbigem Leder und Papier. Die Innenseite 
dieser Deckel ist mit der gleichen Sorgfalt ge- 
schmückt. Das Königl. Kunstgewerbemuseum 
in Berlin besitzt eine bedeutende Sammlung von 
solchen orientalischen Einbanddecken aus dem 
16. bis 18. Jahrhundert. 

Der Einfluss orientalischer Arbeiten ist zuerst 
im 15. Jahrhundert in Italien zu beobachten. Als 
dann gegen Ende desselben deutscheBuchdrucker 
dorthin kommen und im 16. Jahrhundert orien- 
talische Handwerker, beginnt die Blütezeit der 
Buchbindekunst in Italien. Von Italien aus ver- 
breitete sich der Renaissanceeinband nach dem 
übrigen Abendlande. So zog der König von 
Ungarn, Matthias Corvinus, 1448 1490, für seine 
große und höchst wertvolle Bibliothek italieni- 
sche Arbeiter heran. Die Verzierung der „Cor- 
vinen" bestand, wie bei den orientalischen Buch- 
decken, aus Mittelstück, vierEckverzierungen und 
Rand, wozu kleine Band- und Ornamentstempel, 
sowie Perlpunzen benutzt wurden. Im Mittelfeld 
steht oft sein Wappen (ein Rabe) oder das unga- 
rische Wappen. 

Diese für damalige Zeit ganz ungewöhnlich 
große Bibliothek, „Corvina" genannt, wurde be- 
reits unter seinen Nachfolgern zerstreut und ist 
wohl meist nach Konstantinopel und von dort 
zu einem kleinen Teile zurück nach Budapest 
gekommen. 

Die Verzierungen der Einbanddecken erfahren 
in Italien gegen das Ende des 15. Jahrhunderts 
eine bedeutsame Änderung durch Einführung der 
Goldpressung. Dieselbe geschieht ähnlich wie 
der Blinddruck. Es wird vor der Vergoldung 
der Stempel einmal blind vorgedruckt, dann das 
Leder mit Eiweiß und Essigwasser angefeuchtet, 
das Blattgold darauf gelegt und der erwärmte 
Stempel noch einmal fest aufgedrückt. Platten- 



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mmM**tmL<»Mmmm ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Stempel werden im 16. Jahrhundert stets mit 
einer Holzpresse eingepresst. Als Stempelformen 
werden henutzt: Kreisornament-, Delphin- und 
Maureskenstempel. Auffallend ist das Fehlen 
aller figürlichen Stempel in Italien, gegenüber 
Deutschland, Frankreich, England und den Nie- 
derlanden. Einige Einhanddecken, welche Ende 
des l& Jahrhunderts in Italien für den Frank- 
funer Bücherfreund Petrus Ugelheimer, der zeit- 
weise in Venedig gelebt hat, angefertigt wurden, 
zeigen Abdrücke von römischen Münzen und 
Medaillen in Blinddruck (jetzt in Gotha). 

Von hervorragender Bedeutung für die Ver- 
breitung der Renaissance in der Buchbinderei 
war der Venetianer Aldus Manutius, dessen 
Klassikerausgaben in jeder Beziehung von höch- 
stem Werte waren, daher so große Verbreitung 
fanden und mit ihnen die neuen Goldverzie- 
rungen aus Bogenlinien und kleinen Stempeln. 
Von einem anderen Italiener Majoli sind zahl- 
reiche Einbände erhalten, die sich durch große 
Schönheit auszeichnen. Sie tragen meist in der 
Mitte eine An Kartusche, umgeben von leichten 
Ranken aus Bogenlinien und kleinen Zierstem- 
pcln, welche entweder die volle Goldfläche oder 
nur die Goldkonturen zeigen. Im 17. Jahrhun- 
dert wird in Italien auch die Ledermosaik häufi- 
ger angewendet. 

Von Italien kam die neue Kunstrichtung nach 
Frankreich durch den Bücherfreund und Samm- 
ler Jean Grolier. Er war 1479 in Lyon geboren, 
kam 1510 nach Oberitalien, lebte vielfach in 
Mailand, zuletzt in Rom, wurde 1535 von Franz L 
nach Paris berufen, wo er bis zu seinem Tode 
1565 blieb. Er besaß eine bedeutende Bibliothek 
von ca. 3000 Bänden, von denen ungefähr 350 
erhalten sind. Geschäftliche Beziehungen brach- 
ten ihn mit Manutius wohl indirekte Verbindung. 
Mit Majoli scheint er in freundschaftlichem Ver- 
hältnis gestanden zu haben, und seine Bände 
haben auch Ähnlichkeit mit den Majolibänden. 
Neu sind hier aber die „fers azures", Stempel mit 
schraffierter Fläche, die in Frankreich zu den 
Bogenlinien, den Voll- und Leerstempeln hinzu- 
kommen. Die Bände von Grolier tragen sehr 
verschiedene Dekoration. Flechtwerk aus ver- 
schlungenen gleich breiten Bändern, „entrelacs" 
genannt, mit einigen Bogenlinien und wenigen 
kleinen Stempeln scheint charakteristisch für 
viele seiner Bände zu sein. Dazu kommt eine 
sehr feine Zusammenstellung der Farben. Zwi- 
schen 1535 und 1560 tauchen eine An Einbände 



in Frankreich auf, welche, ähnlich den von dem 
italienischen Büchersammler Canevari in Italien 
beliebten, in der Mitte der Deckel Medaillons 
tragen, welche den Kameen nachgebildet sind. 
Ein Zeitgenosse Groliers, Geoffroy Tory, liebte 
für seine Einbände ein Ornament aus Bogen- 
linien und kleinen Stempeln zusammengesetzt, 
das unten in der Mittellinie aus einem zerbroche- 
nen Kruge, seinem Zeichen, aufsteigt und sich 
über die ganze Einbanddecke zieht. Ein zier- 
licher Rand rahmt das Ganze ein. 

Von nun an übernimmt Frankreich die Füh- 
rung im künstlerischen Bucheinbande und behält 
sie bis zum Niedergange dieser Kunst, weil seine 
Könige ein lebhaftes Interesse dafür zeigten. 

Jeder dieser Könige besaß eine reiche Biblio- 
thek. Aus der Zeit König Heinrichs II. und 
der Höhe der Buchbindekunst ist viel erhalten. 
Diana von Poitiers, ebenso wie seine Gemahlin 
Katharina von Medici, besaßen eine eigene Bi- 
bliothek. Die Einbanddecken tragen vielfach die 
verschlungenen Buchstaben H D oder C M. 
Die Einbände für Heinrich III. sind meist aus 
schwarzem Leder. Als bedeutender Bücherlieb- 
haber dieser Zeit ist noch de Thou zu nennen, 
dessen Bucheinbände meist von der Familie Eve 
gemacht sind. Zu den bereits erwähnten Stem- 




rinhand MI Jet blblinlhek tieft Kurflimca von Sachsen. 
Drcadcflcr Arbeit au, Jen 16. Jahrhundert. (Kgl. Bibliothek. Drwden.l 

Aua: •Allcemeiacr Aiweigcr für Buchbindereien*. 

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'«.««.'K'K'V.'K'K'X.'K'«. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arjrjrjrjrararjrjrar^r 




F.inrand für di« RIMioihck Jnn Craller's. Enlhilt «In Vcrk van Utt 
(Au* der Simmtung Leon Techener.) 

A«>: .AllccflWioer Amelrcr (lir Buchbindereien". 

peln kamen am Ende des 16. Jahrhunderts noch 
zwei hinzu, der eine, kleine Lorbeerzweige dar- 
stellend, der andere in Form einer verzierten 
Spirale, „fanfare" genannt. 

Gegen diese glänzende Höhe des französischen 
und italienischen Renaissancebandes steht der 
deutsche beträchtlich zurück. Hier finden wir 
als Förderer künstlerischen Bucheinbandes nur 
die Kurfürsten von Sachsen, den Herzog Albrecht 
von Preußen, die bayerischen Pfalzgrafen und 
einige Patrizier in den Städten. Auch erhielten 
sich in Deutschland die schweren Holzbände 
länger als in Italien und Frankreich. Auch die 
Schließen wie der Blinddruck wurden länger 
beibehalten. Die Rolle findet sehr häufige An- 
wendung und zwar mit figürlichen Darstellungen: 
Fürstenporträts, Allegorien und dergleichen mehr. 
Es ist ein eigenartiger Missbrauch, der mit diesen 
figürlichen Darstellungen auf der Rolle getrieben 
wurde. Ohne Rücksicht auf die Lage der Köpfe 
und Figuren bilden sie nicht nur die Verzierung 
der parallel mit dem Rücken laufenden Streifen, 
sondern auch der Querreihen, hier liegend und 
mit großer Naivität an den Ecken aufhörend, 
ohne Rücksicht auf die Form, oft nur einen Teil 
des Kopfes zeigend. Die Stempel sind tief ge- 



schnitten, namentlich ist das bemerkenswert an 
den Plattenstempeln mit Abbildungen von Für- 
sten, Reformatoren und allegorischen Figuren. 
Einige solcher Stempel befinden sich im Königl. 
Kunstgewerbemuseum in Berlin, z. B. ein Bildnis 
des Kurfürsten Friedrich von Sachsen, ein an- 
derer Stempel mit einer ganzen weiblichen Figur. 

Von besonderem Einflüsse auf die Entwicke- 
lung des Bucheinbandes in Sachsen war das 
schnelle Aufblühen der 1502 von dem Kurfürsten 
Friedrich dem Weisen gegründeten Universität 
Wittenberg und der damit verbundenen Biblio- 
thek. 

Der neue Stil mit seiner Vcrgoldungstechnik 
tritt in Sachsen zuerst nach Art der orientalischen 
Muster auf. Die frühesten Werke mit Vergol- 
dung zeigen das Mittelstück auf glattem Grunde 
mit den vier Eckverzierungen, beides als Orna- 
mente, schmale Ornamentstreifen geben die Um- 
rahmung. Später kommen zu den hierzu be- 
nutzten Stempeln auch die sogenannten Muster 
der „fanfare". Kurfürst August von Sachsen, 
ein thätiger und kunstverständiger Sammler, be- 
saß eine große Bibliothek und nahm persönliches 
Interesse daran. Er fand großes Gefallen an der 
neuen Dekorationsweise, welche durch ihn in 
Sachsen eingeführt wurde. Er zog 1566 den 
Augsburger Buchbinder Jakob Krause(f 1585) an 
seinen Hof nach Dresden. Diesem und seinem 
1578 gleichfalls nach Dresden gerufenen Nach- 
folger Kaspar Meuser verdanken wir die schön- 
sten Sachen der deutschen Renaissancebände. 
Zwei Exemplare aus dieser Zeit befinden sich 
im Königl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin. 
Auch Einbände in Groliers Art mit Bandwerk 
und Verzierung aus zwei Stempeln entstanden 
in Sachsen. (Vergleiche die Abhandlung „Zur 
Geschichte des Bucheinbandes mit Berück- 
sichtigung seiner Entwickelung in Sachsen" von 
Dr. Richard Steche im l. Bande des Archivs für 
die Geschichte des Buchhandels.) 

In England waren in der Mitte des 16. Jahr- 
hunderts Gewebebände sehr beliebt, sie wurden 
ausSammet oder Seide mit Edelmetallbeschlägen 
oder kostbaren Stickereien verziert hergestellt. 
So sind für die Bibliotheken der Könige und 
Königinnen von England Heinrich VIII., die 
Königin Elisabeth u. a. prächtige Einbände ge- 
fertigt worden. Daneben finden aber auch die 
Lederbände der Renaissance Eingang in England 
und sind namentlich technisch von großer Voll- 
kommenheit. Auch in Deutschland finden wir 



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mmmmmmmmmmm. Archiv für mi uh ,i u i.rbi 



um diese Zeit Einbände mit Goldschmiedearbeii, 
so von Anton Eisenhoit 1588 (Silbertreiharbeit 
an zwei liturgischen Büchern für den Erzbischof 
von Paderborn). Deutsche Goldschmiedearbeit 



dieser Zeil ist auch die sogenannte „Silber- 
bibliothek" Herzog Albrechts von Preußen in 
Königsberg. (Scnlu „ folgu 



Dr.E.Alberts Reliefklischee in der Pra 



xis. 



DIE epochale Erfindung, den bisher gebräuchlichen 
Ausschnitt bei der Zurichtung des Illustrations- 
druckes auf dem Druckcylinder durch ein Klischee en rclief 
in der Druckform zu ersetzen, hat nun auch seine Probe in 
der Praxis glänzend bestanden! Wie ich bereits in meinem 
ersten Artikel über diesen bedeutsamen Fortschrill in der 
Drucktechnik mitteilte, hat in Übereinstimmung mit der 
Firma Meisrnbach. Riffarth fr Co. die angesehene Buch- 
druckerci H\ Büxenstein in Berlin den Versuch unternom- 
men, die Druckflhigkeit und Widerstandskraft der Relief- 
klischecs an einer tu diesem Zwecke eigens zusammen- 
gestellten Illustrationsform bei einer Auflage von minde- 
stens 100000 Exemplaren zu erproben. Dieser Versuch ist 
inzwischen beendet worden, über dessen Ergebnisse Herr 
Kommerzicnrat Georg Büxenstein in seiner ursprünglichen 
und anschaulichen Sprechweise in der let/len Sitzung der 
Berliner Typographischen Oeselisehaft einen ebenso inter- 
essanten als eingehenden Bericht erstattet hat. den ich 
seinem Inhalte nach in den folgenden Ausführungen wieder- 
geben will. 

Das Wesen der Ätherischen Erfindung ist in seiner ein- 
fachen logischen Folgerichtigkeit von so verblüffender Wir- 
kung, das Herr Kommerzienrat Büxenstein nur dem Gefühl 
zahlreicher Fachgenossen Ausdruck lieh, als er mit einer 
entsprechenden Handhcwegung erklärte: .Muss da erst 
ein studierter Mann aus München kommen und uns zeigen, 
wie die Frage nach einem brauchbaren Ersatz des Zurich- 
tungs-Ausschnittes am einfachsten gelöst wird; konnte das 
nicht ein praktischer Buchdrucker schon langst gefunden 
haben?" Weshalb nicht? Es ist eben ein modernes Ei 
des Columbus: nachdem man sieht, wie es gemacht wird, 
hätt's ein jeder gekonnt! Als aber die Verblüffung des 
ersten Augenblickes sich etwas gelegt hatte, stellten sich 
doch allerlei Bedenken ein. So erschien es zunächst völlig 
ausgeschlossen, dass ein solches .abgerumpeltes- Ding 
und einen derartigen Eindruck macht in dcrThai das Relief- 
klischee überhaupt noch druckfällig sei. aber schon ein 
einfacher Abzug in der Handpresse zeigte die Brauchbar- 
keit der neuen Erfindung. Weiter fragte es sich, da die Er- 
höhungen des Reliefs beim Drucken doch wahrscheinlich 
stärker mitgenommen werden würden als die glatte Obcr- 
Hächc eines Flachklisehces, wie groß die Widerstandsfähig, 
keil des Rclicfklischccs bei hohen Auflagen sei und wie 
weit sich die stärker unter Druck genommenen Stellen des 
Klischees in seine Unterlage, soweit dieselbe nicht aus 
einer eisernen Platte besteht, einpressen würden. Denn 
bekanntlich ist bei den Flachklischees nach längerem Druck 
einWcichen der stark unterlegten ticfcnStellen zu beobach- 
ten; das müsste also bei den Rclicfklischccs voraussicht- 
lich in noch höherem .Maße der Fall sein. Um alle diese 
Fragen endgültig zu beantworten, cntschloss sich also die 



Firma W. Büxen st ein zu einem in jeder Beziehung entschei 
denden Versuch. 

Es wurde eine Form von vier Seiten in Großquart aus 
Relierklischces der verschiedensten Art zusammengestellt 
und in eine gewöhnliche Schnellpresse eingehoben. Der 
Cylinderaufzug bestand, wie bei dieser Firma üblich, aus 
einer Glanzpappe, darüber ein dünnes Drucktuch und auf 
diesem sieben Bogen Papier. Bei der Herrichtung der 
Form entstand zunächst die Frage, auf welche Höhe sind 
die Relicfklischees :u justieren? Ist eine mittlere Höhe auch 
hier anzuwenden, oder muss der Druck stärker oder leichter 
genommen werden? Ein Probedruck ergab, dass die mitt- 
lere Höhe zu stark war, das Rcliefklischee also eine leich- 
tere Adjustierung erfordert, wie sieh auch beim Fort- 
drucken herausstellte und damit bewiesen wurde, dass die 
sogen. Lichter eines Relicfklischees überhaupt nicht leicht 
genug genommen werden können. Das Formschließen und 
die sogen. .Ausgleichung- nach dem Einhcbcn dauerten im 
ganzen vier und eine halbe Stunde. Und das Ergebnis 
dieser in ihrer Dauer ganz bedeutend abgekürzten Einrich- 
tung war in der That überraschend, denn bis zu einer Auf- 
lage von etwa .10 000 Drucken war irgend welche Verän- 
derung nicht w ahrzunehmen. Dann ließen die tiefen Stellen 
auf dem Rcliefklischee also die erhöhten - in Ihrer 
gleichmäßigen Farbedeckung etwas nach, ohne das* jedoch 
ein Dickerwerden der Konturen und leichten Stellen sich 
zeigte; also ein Beweis, dass der Druck auf den dunklen 
Stellen des Bildes nachgelassen haben musste. Eine Prü- 
fung des Cylindcraufzugcs ergab, dass sich die beiden 
oberen der sieben Bogen zusammengepretst hatten, doch 
wurde eine Änderung am Aufzuge nicht vorgenommen, 
sondern bis zu 45 000 Auflage weitergedrucki. Die Erschei- 
nungen blieben dieselben. Nunmehr wurden die beiden 
zusammengepressten Bogen entfernt und durch zwei neue 
ersetzt, und siehe da. der Druck war tadellos wie vorher! 
Die Auflage wurde in dieser Weise bis 105 000 Drucke ge- 
fördert, wobei die beiden oberen Bogen des Cylindcrauf- 
zugcs noch zweimal erneuert wurden, und darauf eine ge- 
naue Prüfung der vier Relierklischces Zinkographien! — 
vorgenommen. Irgendwelche Abnutzung derselben war 
nicht eingetreten, was sich auch aus den Druckbogen selbst 
ergab, denn die der sichereren Kontrolle wegen nume- 
rierten Drucke zeigten am Schluss dieser hohen Auflage die- 
selbe Korrektheit als beim Beginn derselben, ein sicherer 
Beweis dafür, dass die erforderliche Kraft des Cylindcr- 
druckes beim Rcliefklischee erheblich geringer ist als beim 
Flachklischcc. 

Noch einen zweiten Versuch unternahm die Firma 
W. Büxenstein. Es wurden einige Relicfklischees mit an- 
deren gewöhnlichen Klischees zusammen in eine Schrift- 
tum untergebracht und zwar waren beide Arten auf Holz- 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



füll montiert. Die Justierung der Reliefklischees war 
dieselbe wie bei dem ersten Versuch. Die Auflage betrug 
über 10000. Auch hier bewihrte sich das Rellefklischee 
vollkommen und zeigte nach Druckbeendigung keinerlei 
Einwirkungen auf den Holzfuß. Zum Teil mag dies daran 
liegen, dass die Metallstärke bei den Flachklischees nur 1,6 
bis 2 mm betragt, bei den Reliefklischees aber 3 mm; doch 
der veränderte Druckaufwand ist wohl die Hauptursache 
dabei. Ein untrüglicher Beweis dafür ergab sich bei den 
Versuchen mit Autotypie-Reliefklischees. Es ist eine be- 
kannte Thatsache, dass die Handpressen für den Druck 
von Autotypie-Flachklischecs trotz ihrer kräftigen, extra- 
starken Bauart nach nur kurzem Gebrauch arbeitsunfähig 
werden, da sie trotz aller Widerlager und sonstiger Ver- 
stärkungen dem außerordentlichen Druckaufwand auf die 
Dauer nicht zu widerstehen vermögen. Das Reliefklischee 
hat auch hierin eine erfreuliche Förderung gebracht, denn 
nach dem Zeugnis des Herrn Kommerzienrat Büxenstein 
genügte ein leichter Druck mit einem Finger, um ein tadel- 
loses Ergebnis herbeizuführen. Diese man kann sagen 
Feinfühligkeit des Reliefklischees muss nun aber irgend 
eine Ursache haben, und da geht Herr Kommerzienrat 
Büxenstein wohl nicht fehl, wenn er neben der Relieffläche 
die feine Kautschukhaut, die zwischen Kern und eigent- 
lichem Relief gelagert ist, dafür anspricht. Diese Kaut- 
schukhaut verleiht dem Rclicfklischee eine gewisse Elasti- 
zität, die es selbst einem leichten Druck gegenüber em- 
pfindlich macht und damit zugleich seinen Druckwiderstand 
erhöbt, ohne die Druckflache selbst erheblich dabei in Mit- 



leidenschaft zu ziehen. Damit wäre die fast unmerkliche 
Abnutzung der Zinkographien bei dem ersten Versuche 
vollkommen und auf die natürlichste Weise erklärt. Eine 
Frage nach den Herstellungskosten der Reliefklischees 
beantwortete Herr Büxenstein dahin, dass derQuadratcenti- 
meter sich um 2 Pfennige teurer steile. 

Auf die wirtschaftliche und sozialpolitische Seite der 
neuen Erfindung ging Herr Kommerzienrat Büxenstein 
noch mit einigen Bemerkungen ein, in denen er vor allen 
Dingen betonte, dass von irgend welchen „Umwälzungen" 
auf dem Gebiete des Arbeitsmarktes gar keine Rede sein 
könne. Im Gegenteil haben die Maschinenmeister alle Ver- 
anlassung, dem Erfinder dankbar zu sein; denn nunmehr 
werde es auch den weniger geschickten, aber doch intelli- 
genten und fleißigen Maschinenmeistern ermöglicht, Stel- 
lungen als Illustrationsdrucker anzunehmen, die ihnen bis 
heute mehr oder weniger unzugänglich waren. Trotzdem 
werden gute und beste Illustrationsdrucker nach wie vor zu 
den seltenen und stark begehrten Arbeitskräften gehören, 
denn mit der bloßen Fertigstellung der Zurichtung sei 
deren Thätigkeit noch lange nicht erschöpft, im Gegenteil, 
da beginne sie erst Aber die Durchscbnittskräfte werden 
durch die neue Erfindung eine wirksame Förderung er- 
fahren, und das sei gerade im Interesse unseres noch 
immer in fortschreitender Entwickelung begriffenen Kunst- 
gewerbes auf das lebhafteste zu begrüßen. Alle einsich- 
tigen Fachgenossen können sich diesem treffenden Urteil 

Hans Naeter. 



Über deutsche und österreichische Bibliothekzeichen (Exlibris). 

Ein Handbuch für Sammler, Bücher- und Kunstfreunde von K. E. GRAF ZU LEININGEN -WESTERBURG. 



DEUTSCHLANDS bedeutendster Sammler und gedie- 
genster Kenner der Exlibris hat mit diesem Buche 
eine fühlbare Lücke in der Kunstlitteratur ausgefüllt. 
Außer einigen Einzeldarstellungen, mehreren Exlibris- 
Künstlermonographien und Beschreibungen von Samm- 
lungen, existierte bis dahin noch keine allgemeine und 
erschöpfende Geschichte der deutschen Exlibris, obwohl 
doch Deutschland das Stammland dieser intimen Klein- 
kunst ist. Wenig erfreulich berührt uns die Thatsache, dass 
das Buch ursprünglich nicht auf Veranlassung eines deut- 
schen Verlegers geschrieben wurde, sondern seine eigent- 
liche Entstehung der Anregung eines englischen Verlegers 
verdankt, Gearge Beil & Sons in London, dem bekannten 
bibliophilen Verlag, der schon in einer Reihe von Bänden 
die Geschichte der englischen, amerikanischen, franzö- 
sischen und Damen-Exlibris behandeln ließ. Das Werk 
des Grafen Leiningen-Westerburg, das englisch im gleichen 
Verlage erschien, stellt sich diesen Publikationen als 
ebenbürtig zur Seite. Die uns vorliegende deutsche Aus- 
gabe des Buches, die textlich wie illustrativ noch um 
Einiges reicher als die englische ist, legt ein beredtes 
Zeugnis ab von gewissenhafter Gründlichkeit in der Be- 
wältigung des Materials und von einem unendlich eifrigen 



und ernsten Sammelgeist, der in der verhältnismäßig kurzen 
Zeit von 12 Jahren seine Exlibris-Sammlung nicht nur zu 
der numerisch größten des Kontinents zu erheben gewusst 
hat, sondern der von Anfang an seiner Sammlung höhere, 
ästhetische Ziele steckte und sie mit künstlerischen und 
kunsthistorischen Prinzipien zu leiten verstand. Auch auf 
diesem scheinbar so eng umgrenzten Felde haben die 
Künstler die Chronik ihres Zeitalters niedergeschrieben 
und eine Exlibris-Sammlung, die wie die des genannten 
Verfassers, aus vier Jahrhunderten alle wichtigeren Exlibris 
umfasst, giebt uns nicht allein künstlerische, sondern auch 
kulturhistorische Anregungen, veranlasst uns nicht nur 
zu stilistischen und technischen Vergleichen sondern er- 



Epochen. Wir sehen also, wie der Stoff für die Geschichte 
der gesamten deutschen Exlibris-Kunst fast unerschöpf- 
lich erscheint und wie er sich insUnermessliche ausspinnen 
lässt. Graf Leiningen-Westerburg hat in der Behandlung 
seines Themas sich mit verständnisvollem Taktgefühl zu 
beschränken gewusst, in streng wissenschaftlichem Geiste 
hat er alles in Betracht kommende Material zusammen- 
getragen und dann die wesentlichsten Züge in der Entwicke- 
lung der Exlibris-Kunst klar und sachlich festgelegt. In 



AI 261 9ih 



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««««««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE *********** 




Ullfcr.i M'ifJitidM /-i ■ yaaj. B. 1152)1. 

der Einleitung behandelt er An, Wesen, Zweck und 
Bezeichnung der Exlibris. Es sei auch hier darauf hin- 
gewiesen, dass die Bezeichnungen: tixlihris und Hibliothek- 
sekhen die einzig richtigen und in Fachkreisen allein an- 
erkannten sind. BQchcrzcichcn und Buchzeichen geben 
gar zu leicht Verwechselungen mit dem Begriff des Lese- 
oder Merkzeichens. 

Sehr interessant ist das erste Kapitel über die Herstel- 
lungsarten der Exlibris, wenn auch vielleicht gerade dieses 
Kapitel durch ein näheres Eingehen auf die verschiedenen 
Techniken wohl ein wenig reicher hätte ausgestaltet 
werden können. Besonders anerkennenswert ist es. dass 
der Verfasser ein ganzes Kapitel (Kapitel II) der deutschen 
und englischen Heraldik gewidmet hat, ein Gebiet, auf dem 
der Verfasser sich als ein trefflicher Kenner erweist. Ge- 
rade für die liieren Exlibris ist die Kenntnis der Heraldik 
zum Bestimmen und Verständnis der einzelnen Blätter 
unumgänglich erforderlich. Dann folgt Kapitel III: In- 
schriften auf Exlibris; hier finden wir die mannigfaltigsten, 
teils recht amüsanten Variationen zusammengestellt. Ka- 
pitel IV behandelt die Größen der Exlibris und Kapitel V 




I vhM,« Lant <i«.tf«i(lnl von J. M. Slatk leiret l'M W\- 

Verschiedenheiten und Varietäten in den Größenverhält- 
nissen, in der Zeichnung und Darstellung und in der Art 
des Stiches. Hieran reiht sich die Geschichte der Exlibris 
in drei Kapiteln die Blätter des 15. bis 18. Jahrhunderts, ein 




C 'funir.fi G ^lunijt.uii 
bHMi Jonann Ktis von J. f. .Vilisi (175«». 



a&t 262 •* 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararar; 



Kapitel über die Exlibris von Klöstern und Geistlichen 
15. bis 19. Jahrhundert und die Neureit in zwei Kapiteln. 
Der zweite Teil behandelt Spezialitäten wie Doppcl-Exlibris, 
historische und Widmungs-Exlibris, Portrat-, Monogramm- 
und Univcrsal-Exlibris u. s.w. Im dritten Teile kommt der 
Verfasser auf die Exlibris-Sammlungen zu sprechen. „Die 
größte und inhaltlich bedeutendste Exlibris -Sammlung 
des Kontinents", heißt es da, „ist die von Karl EmicH Graf 
zu Leiningen -Westerburg in Neupasing bei München, be- 
gonnen 1888; sie zihlte im April HCl 20567 Stück von 
1470 bis 1901 aller Länder und enthält 10342 deutsche, 
österreichische und schweizerische, 9274 von anderen 
Lindern, 49 Exlibris-Originalzeichnungcn und 902 Nach- 
bildungen." Die übrigen deutschen Sammlungen stehen 
dieser in jeder Beziehung weit nach und kommen im All- 
gemeinen über einige tausend Blatt nicht hinaus. Im fol- 
genden Kapitel werden sehr beachtenswerte Anweisungen 
über die Anlage einer Exlibris-Sammlung gegeben. Be- 
merkungen über die deutsche Exlibris-Gesellschaft und 
Zeitschrift, eine Zusammenstellung der Exlibris-Ausstel- 
lungen und eine Obersicht über die schon recht beträcht- 
liche Buch- und Zeitschriftenlitteratur folgt dann. Im 
Schlusskapitcl behandelt der Verfasser die Frage, wie ein 
Exlibris aussehen soll und giebt in klarer und prägnanter 
Weise sehr beachtenswerte Ratschläge, die jeder Exlibris- 
Künstler sich zu Herzen nehmen sollte. Das Werk ist mit 
262 Illustrationen reich geschmückt, die zum größten Teile 
der Sammlung des Verfassers entnommen sind. So bietet 
sich dieses Werk als ein monumentales Geschichtswerk 
der Exlibris-Kleinkunst dar, das für jeden Kunstfreund 
eine Fülle von Anregungen enthält und rür jeden Biblio- 
philen ein unentbehrliches Hand- und Nachschtagebuch 
sein wird. Otto GrautorT. 




Die chinesisch- 
japanische Schriftsetzerei in der Deutschen Reichsdruckerei. 



Von FRITZ HANSEN. 



iNnhinick von. Vertu 



t erkoren.) 



DURCH die kriegerischen Ereignisse in China ist in 
Europa, speziell in Deutschland, wieder einmal - 
und zwar stärker als je zuvor das Interesse für die Kultur- 
Verhältnisse Ostasiens wachgerufen worden. Insbesondere 
ist es die chinesische Sprache und Litteratur, der man jetzt 
in weiteren Kreisen erhöhte Aufmerksamkeit ent- 



gegenbringt. 

Die chinesische Litteratur, die in Deutschland lange Zeit 
fast ganz unbekannt war, erfreut sich schon seit einigen 
Decennien eines stets wachsenden Kreises von Verehrern. 
Man bemerkte mit Erstaunen, dass die Chinesen, das älteste 
Kulturvolk, seit vier Jahrtausenden eine Litteratur gepflegt 
haben, die, was Umfang und Vielseitigkeit betrifft, fast einzig 
dasteht. So war es denn natürlich, dass unsere Gelehrten 
sich das Studium dieser Geistesschätze angelegen sein 
ließen, und dazu war die genaue Kenntnis der chinesischen 
Sprache und Schrift das Haupterfordernis. 

Die chinesische Schrift, deren Erfindung in ein hohes 
Altertum zurückvcrlegt wird, ist aus einer Bilderschrift, 



aus der unmittelbaren Wiedergabe der Gegenstände her- 
vorgegangen. Die Schrift der Chinesen besteht aus ein- 
silbigen Wörtern, von denen jedes einzelne einen Begriff 
darstellt. Die Bildung der Worte aus den Wurzeln der- 
selben, wie in unserer Sprache, ist den Chinesen unbekannt. 
Die bestimmte Bedeutung der Worte im Satz wird durch 
ihre Stellung hervorgebracht, welche strengen Gesetzen 
unterworfen ist. Die Hauptschwierigkeit der chinesischen 
Schrift beruht deshalb in der Konstruktion, denn es giebt 
nicht nur ebensoviel Zeichen als Worte, sondern auch 
ebensoviele Kombinationen mit Dcutzcichcn, als es Be- 
deutungen für die Worte giebt. Im ganzen sollen 50 bis 
100000 solcher Schriftzeichen existieren, von denen jedoch 
sehr viele veraltet sind und nicht mehr in Anwendung 
kommen. Immerhin sind trotz der mannigfachsten Form- 
veränderungen, welche die chinesische Schrift durch- 
gemacht hat, noch heute mindestens 4 5000 solcher Zei- 
chen in Gebrauch, und der Setzer, der chinesische Schrift 
setzen will, muss diese Zeichen natürlich 



263 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE wwjrjrwwjrjrvw» 



ein mehr oder weniger großer Schatz realen Wissens not- 
wendig ist. 

Die japanische Schrift ist — ebenso wie die ganze Kultur 
dieses Volkes - aur chinesischer Grundlage entstanden. 
Während es aber den Chinesen bei dem Reichtum ihrer 
alten Litteratur und deren Wert für das ganze soziale Leben 
des Landes sehr schwer wäre, von der alten schwerfälligen 
Schreibweise abzugehen, ist das bei den Japanern anders. 
Diese, deren Sprache mehrsilbig ist, machten sich den 
Vorteil zu nutze, den die Entwickelungsfähigkeit der chine- 
sischen Schrift dennoch bot, und fanden so den Übergang 
von einer Wortschrift zu einer Silbenschrift. Sie stellten 
47 Silben (Lautgruppen) auf, zu denen noch das Schluss-n 
kommt, aus denen sich dem Klange nach die Worte ihrer 
Sprache zusammensetzen. Für jede derselben aber ent- 
nahmen sie der chinesischen Schrift je ein Zeichen, und so 
nähert sich, von den Formen der Schriftbilder abgesehen, 
Ihre Schreibweise etwas der unseren. 

Diejapaner bedienen sich verschiedener Syllabare (Iroha, 
Alphabete): I. des Katakana, eine Kürzung chinesischer 
Zeichen und 2. des Hiragana, die zwar im Verkehr üblichste 
aber doch schwierigste Schrift, da jede Silbe durch eine 
gröllere oder geringere Anzahl Zeichen, aus der chinesischen 
Schnellschrift (Thsao) entlehnt, ausgedrückt werden kann. 
Sie wurde erfunden von dem buddhistischen Priester Kukai 
ca. 8U0 v. Chr. Hierzu kommen noch die chinesischen 
Wortzeichen, welche meist für die Wortwur/eln benutzt 
und denen die Flexionsendungen dann in Kaiakana oder 
Hiragana angehängt werden. Bei streng wissenschaftlichen 
Werken ist das Katakana bevorzugt (wie bei uns die An- 
tiqua!). Mit chinesischen Wortzeichen sind aber beide 
Schriftsystcmc durchsetzt. China spielt ja in Japan dieselbe 
Rolle im Kulturleben wie bei uns das klassische Altertum. 
Die japanische Schrift wird wie die chinesische von oben 
nach unten gelesen, die Zeilen reihen sich von rechts nach 
links aneinander. Im Japanischen Usst sich die Aussprache 
ledes chinesischen Zeichens in Hiragana und Katakana 
wiedergeben. 

Der japanische Setzer muss also ebenso wie der chine- 
sische die hauptsächlichsten chinesischen Schriftzeichen 
kennen, und dass das Setzen derselben bedeutend schwie- 
riger ist als z.B. die Arbeit eines deutschen Setzers, unter- 
liegt keinem Zweifel. 

Zur Bewältigung seiner schwierigen Aufgabe werden 
dem chinesischen oder japanischen Setzer mehrere Hilfs- 
arbeiter beigegeben, deren Aufgabe es ist, die einzelnen 
Zeichen herbeizuholen, während der Oberseuer selbst nur 
das Aneinanderreihen der Zeichen zu Zeilen besorgt. Das 
Manuskript wird in schmale Streifen zerschnitten und an 
die Untersetzer verteilt. Diese suchen nun aus den Kästen 
die Schriftzeichen heraus, wobei sie den Namen des be- 
treffenden Zeichens laut aussprechen, denn es ist ihnen 
unmöglich, das Schriftzeichen zu Hndcn, wenn sie nicht 
dessen Laut hören. 

Wollten früher die deutschen Industriellen umfangreiche 
geschäftliche Mitteilungen, oder die Gelehrten Werke in 



chinesischer Sprache drucken lassen, so waren sie auf 
Druckereien in Paris oder Wien angewiesen, denn in 
Deutschland fand sich keine Anstalt zur Ausführung der 
Arbeiten. Die Reichsdruckerei in Berlin betrachtete es 
daher als ihre Aufgabe, hier Abhilfe zu schaffen. Im Ein- 
vernehmen und durch Vermittlung des orientalischen 
Seminars gab sie die japanischen Typen bei der Tokyo 
Tsukiji Type Foundry in Tokyo, die chinesischen bei der 
Presbytcrian Mission Press zu Shanghai in Auftrag. Die 
Zeit bis zur Fertigstellung und dem Eintreffen der Typen in 
Berlin wurde dazu benutzt, drei befähigte junge Leute aus 
dem Seuerpersonal der Kcichsdruckerci im Seminar tür 
orientalische Sprachen so weit ausbilden zu lassen, dass 
sie im stände waren, japanischen und chinesischen Satz 
ausführen zu können. 

Nach den Mitteilungen des .Archiv für Post und Tele- 
graphier hatten die gelieferten Typen, ca. 10(1000 Stück, an- 
einandcrgcrciht.cinc Länge von nicht weniger als 500 Meter, 
und ihre zweckentsprechende Unterbringung erforderte 
deshalb bedeutend mehr Raum, als man erwartet hatte. 
Man folgte deshalb, soweit es angängig war, dem Brauche 
der betreffenden Länder und plazierte die Sätzerklsten in 
Kreisform. In der Mitte des Kreises befinden sich auf zwei 
Pulten die Kästen mit japanischen Typen; an einer Stelle, 
dicht am Fenster, sind die Arbeitsplätze für zwei Setzer, 
während in den übrigen Kästen rund herum, rechts be- 
ginnend, zwischen Leisten die chinesischen Typen neben- 
einander aufgereiht sind. Um die Typen zu ordnen und 
aufzustellen, ha'len zwei Setzer sechs Wochen lang an- 
gestrengt zu arbeiten. Am Abend wird die Setzerei durch 
14 elektrische Glühlampen tagcshell erleuchtet. 

Wie schon anfangs erwähnt wurde, hat die chinesische 
Sprache eine Anzahl |2I4) Grundzeichen, die im 17. Jahr- 
hundert durch einen chinesischen Gelehrten geordnet 
wurden und nach denen die Wörterbücher eingerichtet sind. 
Um nun das Ordnen und Ablegen der Typen zu erleichtern, 
sind an der Längsseitc jeder Type Ziffern eingeschlagen; 
z. B. 108-6. Die erste Ziffer ist die Nummer des Grund- 
zeichens, die zweite giebt die Anzahl der Striche an, aus 
denen das zweite Zeichen im Buchstabenbilde zusammen- 
gesetzt ist, so dass man also auf jeder Type das Grund- 
zeichen und event. die Zahl der Striche der Nebenzeichen 
angegeben findet. Zwischen den Typenreihen sind auf den 
Regalen große Ziffern mit den Nummern der Grund- 
zeichen in roter und der Anzahl der Striche der Neben- 
zeichen in grüner Farbe eingeschaltet. 

Dass es einem Setzer, der mit der betreffenden Sprache 
unbekannt ist, ungeheure Schwierigkeiten bereitet, chine- 
sische Typen zu setzen, ist klar, wenn man bedenkt, dass 
bei den zusammengesetzten Zeichen die vielen durch- 
einandergehenden Striche in dem Manuskript ganz anders 
aussehen, wie in den korrekt geschnittenen Typen. Ob- 
gleich nun in der Reichsdruckerei ca. 10000 verschiedene 
Zeichen vorhanden sind, ergeben sich beim Setzen fast täg- 
lich neue, nicht vorhandene Zeichen die dann in der Gravier- 
anstalt der Reichsdruckcrci hergestellt werden müssen. 



cä* 264 tft 



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toller &«ßgmcr 



KUNSTHANDLUNG ■ UND • PER AANENTE - 

KUN5TAU55TELLUNC- Ii 

BERLIN W. Ä ~ 

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Ständig wechselnde HusetcUungcn 

von 

JModemcr JVIalerei und Sculptur, 
Kunetgcwerbe 




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Hbteüung für ^obnungeetnricbtungen 

JMustcrwobnung 




nach entwürfen erster Künstler 




ßriUg« cum . J3r«*>iv für Bucfegrwcrb«". 



Otu* von Rmrunn Brück tr, 8«rUn.fricd«w«u. 



H«ilacc tu „Archiv für lluchKcwcflnr - ' 



Druck Jrr Dr. rUai'ichrn Druckerei, 



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* HAAS'sche DRUCKEREI MANNHEIM 




Es wird hSfi. gebeten, bei 
Einsenditag des Heutige* 



LITHO0RAPH. KUNST-ANSTALT 
BUCH- UND STEIN DRUCKEREI 



General -Anzeiger der Stadt Mannheim 

(Mannheimer Journal) 



der Fachzeitschrift „Das Rheinschiff 4 





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Dm „Rheinschiff" h 

Central ■ Orfaa für die Int 

der tcMfl M fl und de* 
Handel* auf dem Rhein 
und »einen Vebenflfiwen y 
Offleltllet Organ der 



»emchaft 



^Mannheim, den 
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Deutschnationaler 
ßandlungsgehilfen«Verband • fiamburg 




Fest-Karte 






Feier des 6. Veräandstages 

GSHtla iar alle C« 9 e 4& Preis m«. 3 - 

ITlannlieim 

^ j— . . Ostern 1401 . . 





Verein 
der ülannhelmer WIrfhe 

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glnladungs- Karte 

iu 4rm am 

Dienstag, den 19. man 1901, Hbends 8 Uhr 

17. SHfiungs-Feste 



Separat- Feslauf führung 

des Sesammt-Cnsetnbles und 
Ordiesters des flpolloihcolcrs 

Fest -Ball 




Druck der Dr. Hän ichen Druckerei. Mannheim 



>*uvL<*L<*i.<-*.<-mjmrmsmm,'ML ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrJTjrjrjrjrjr.irjrarjr 



Der geplante deutsche Skizzenaustausch. 



ERVORRACENDF. Männer, wie Alexander Waldow 
und C. Küthe, hatten schon vor vielen Jahren einen 
.Skizzen-Austausch" ins Leben gerufen. Ob sie dieselbe 
Vcrvielfältigungsart wie ich seit 1895 — Atelier für typo- 
graphisches Zeichnen, Bad Kissingen im Auge hatten, 
entzieht sich meiner Kenntnis, desgleichen die Erfolge oder 
Misserfolgc dieser beiden Unternehmen. Einen Austausch 
größeren Umfangcs mit den Originalen hält äußerst 
schwer, denn es giebt wenige vornehme Naturen, die eine 
so ideale Auffassung unserer schönen Kunst haben dürften. 

Das Original verbleibt in den Händen des Setzers, wäh- 
rend derselbe nur Kopien anzufertigen hat. Den Aus- 



HERVORRAGENDE Männer, wie Alexander Waldow tausch könnte eine der Typographischen Gesellschaften in 
und C. Kutbc, hatten schon vor vielen Jahren einen Berlin, Leipzig oder München übernehmen, wenn für mich 

die Sache späterhin zu zeitraubend geworden, da ja diese 
Körperschaften wirklich ideale Interessen vertreten, von 
welcher den beteiligten Setzern eine kurze Notiz mit An- 
gabc der Anzahl der Skizzen-Kopien u. s.w. in bestimmten 
Zeiträumen zuginge. Die Vervielfältigung ist außerordent- 
lich leicht, mittels der negativen und positiven Lichtpaus- 
verfahren, welche auf technischen Hochschulen und In- 
genieur-Bureaus angewendet werden. 

Arbeitsplan. Die Original-Idee wird mit Bleistift auf- 
gezeichnet, für Vignetten, Einfassungen, Schriften aber ent- 
sprechender Zwischenraum gelassen, 
da diese direkt auf das wasserklare 
Pauspapier aufgedruckt werden. Dann 
wird auf dem Pauspapier alles mit 
schwarzer Tusche nachgezogen. Diese 
Pause wird, um sie zu vervielfältigen, 
in den Kapierrahmen gebracht. 

Bei Herstellung der negativen Licht- 
pausen beachte man folgendes: In 
einem Raum mit gedämpftem Lichte 
wird das präparierte Papier etwas 
reichlicher als die Zeichnung zuge- 
schnitten, um an den überstehenden 
Rändern das Belichten kontrollieren 
zu können. In den Kopierrahmen wird 
sodann die Pause -Zeichnung mit der 
Bildseite nach oben gelegt und auf 
diese das Pauspapier mit der präpa- 
rierten Seite nach unten. Der Rahmen 
wird nun, nachdem man durch Strei- 
chen mit der Hand jede Luft und Falte 
zwischen Papier, Pause und Glas ent- 
fernt hat, mit allen seinen Teilen ge- 
schlossen und der Sonne oder deren 
Richtung möglichst derart ausgesetzt, 
dass die Strahlen im rechten Winkel 
auf das Glas fallen. Der überstehende 
Kontrollrand des präparierten Papiers 
verliert nun schnell seine gelbe Farbe, 
wird grün, dann blau und schließlich 
grau. Dieser Prozcss währt bei direk- 
tem Sonnenlicht etwa I bis 3 Minuten, 
bei zerstreutem Licht bis 10 Minuten 
(Sommerzeit angenommen). Die Be- 
lichtung ist vollendet, wenn die schwa- 
chen Linien eine bläuliche Färbung er- 
halten. Das Papier wird sodann aus 
dem Rahmen genommen und mit der 
präparierten Seite nach unten in einer 
Schale mit reinem Wasser so lange ge- 
badet, bis die Zeichnung sich schön 
weiß in dem blauen Grunde hervor- 
hebt; ein Zufluss von frischem Wasser 
ist zu empfehlen. Je älter das Papier 
ist, desto länger dauert das Baden. Die 

Elntand im Ctnre C.roller (»«hr.chelnllch für dt« Prlmtiiln Midcleint PimIomI, |cl>. Primeln CIN.» Kopie wird schließlich Zum Trocknen 
Kr du Brtriulum Rvminum. Lyon IM«,' i. Z. im Bcsir/ dt* Herrn Antiqiiir L.Roirnthal In .tfuarfl«n. aufgehängt und bleibt Unverändert. 



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'«'tt'M.'M.rK'at ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrarwjrjrjrjrjrjrjrw 




Einband Im Ctnrc Grolicr rtirjtc. Stnnainrlu«. Oper* r>mnU, Lyon IM7; 
I. Z. im Bciili il<> Hrrrn Amis»*' Lmämig Raunthal In Manchm. 



Das Papier muss vor Licht und Feuchtigkeit geschützt in 
einem trockenen Räume fest gerollt aufbewahrt werden. 
Besonders zu empfehlen ist, das Papier mit dieser Packung 
noch in eine gut schließbare Blechbüchse einzulegen. Je 
klarer das Pauspapier ausfüllt, und je schöner darauf die 
Zeichnung mit guter schwarzer Tusche ausgezogen ist, um 
so bessere Kopien werden erzielt. 

Der positive Liehlkopierpro;ess ist ganz ähnlich. Nur 
dauert die Belichtung bei direktem Sonnenlichte ungefähr 
b bis 10 Minuten, bei zerstreutem Lichte entsprechend 
länger, je nach Beschaffenheit des Originals. Nach Heraus- 
nahme der Kopie wird das Papier mit der präparierten 
Seite nach unten in ein Wasserbad gelegt und durch leichten 
Wellenschlag 2 bis 3 Minuten gespült. Hierauf wird die 
Kopie gewendet und mit frischem Wasser von neuem einige 
Minuten gespült, dann auf einen Tisch oder ein glattes 
Brett gelegt und mit einem Schwämme oder weichem Tuche 
abgetroknet und endlich zum Trocknen aufgehängt. Zu 
wenig belichtet ist, wenn der Grund nicht reinweiß, son- 
dern blaugrün erscheint. Zuviel belichtet ist, wenn die 
Linien zum Theil verschwunden sind. 

Bei farbigen Skizzen würden die Farben mit wenigen 
Pinsclstrichcn einzutragen sein. 

Zu den negativen Kopien nimmt man blausaures Eisen- 
papier Nr. I dünn, M. 2.25 (Rolle 10 m lang, 75 cm breit). 
Zu den positiven Positiv-Gallus-Eisenpapier Nr. 7 dünn, 
M. 5. (Rolle 10 m lang, 75 cm breit). Um sich keine ins 
Gewicht fallenden Kosten zu machen, teilen sich mehrere 
Kollegen in die Rollen und deren Preis. Paul Große. 

Anm. der Red. Obwohl wir dem im vorstehenden aus- 
führlich entwickelten idealen Plan unsere vollste Sym- 
pathie für das Gelingen entgegenbringen, fürchten wir, 
dass die Schwierigkeiten, die schon die früheren ähnlichen 
Versuche zum Scheitern brachten, auch bei diesem, den 
praktischen Verhältnissen mehr angepassten Vorschlag, 
sich wiederholen werden. Die Typographischen Gesell- 
schaften werden schwerlich diese Arbeitslast übernehmen. 



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Dr. E.Alberts Klischee -Relief. 

(Patentbeschreibung, vergl. auch S.2I6.) 



ALLE bisher angewendeten Zurichtungen zum Drucken 
. von Druckformen in der Schnellpresse konnten bis 
jetzt nur den Effekt haben, den Druck an den dunklen Stellen 
eines Bildes zu verstärken, an den lichteren dagegen zu ent- 
lasten. Durch eine entsprechende Behandlung der Druck- 
formen ist es nun möglich, diese Wirkungsweise der Zu- 
richtungen zu einer Eigenschaft der Druckformen selbst zu 
machen und außerdem noch neue Wirkungen zu erzielen, 
welche durch eine Zurichtung selbst nicht erreicht werden 
können. 

Das Mittel hierzu ist die Verlegung des Reliefs, das sind 
die Niveauunterschiede der Zurichtung, in die Druckrliche 
selbst. 

Es ist schon vorgeschlagen worden (Cronenberg, DieAuto- 
typic S. II8| eine Art natürliche Zurichtung von Druck- 
platten dadurch zu erzeugen, dass die Emailleschicht in den 
Lichtern fortgenommen wird [mittels eines „Policrstahles", 



was in der Praxis kaum möglich sein dürfte], während die 
Schicht an den dunklen Stellen stehen bleiben soll. Prak- 
tische Resultate können hierdurch jedoch nicht erzielt 
werden, da infolge der äußerst geringen Dicke der Emaille- 
schicht die Niveauunterschiede viel zu gering sind, um 
Druckunterschiede bewirken zu können. 

Nach dem vorliegenden Verfahren können die gewünsch- 
ten Niveauunterschiede in einer Druckfläsche auf zweierlei 
Weise erzeugt werden. 

I. Man bringt ein Zurichterelief, dessen Erhöhungen den 
Dunkelheiten des Bildes entsprechen, auf die Rückseite 
der Druckform und setzt Relief und Druckform in einer 
passenden Presse einem entsprechenden Drucke aus. Die 
Anordnung muss derart sein, dass der Druck auf der 
Bildseite der Druckform weich ausgeführt wird, was am 
besten durch Zwischenlegen einer Anzahl Papierbogen 
zwischen den Druckdcckcl und die Druckform erreicht wird. 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Durch die Pressung prägen sich die erhöhten Teile des 
Zurichtereliefs in die Rückseite der Druckform ein und 
treiben infolge der weichen Zwischenlage die Druckflächc, 
d. i. die Bildseite der Druckform, an diesen Stellen in die 
Höhe. 

2. Man verwendet ein Zurichterelief von entgegengesetz- 
tem Charakter, wie oben, so dass die erhöhten Teile des- 
selben den Lichtern des Bildes entsprechen. Dieses Zu- 
richterelief wird nun mit der Bildseite der Druckform ver- 
bunden und in einer passenden Presse einem entsprechen- 
den Drucke ausgesetzt, in der Anordnung, dass die weichen 
Zwischenlagen diesmal auf die Rückseite der Druckform 
kommen, und werden in diesem Falle die den hellen Tönen 
eines Bildes entsprechenden Partien der Druckflächc tiefer 
gelegt, wodurch derselbe drucktechnische Effekt erzielt 
wird, wie durch den Vorgang sub I. 

Die Methoden sub ! und 2 können auch miteinander 
kombiniert werden. 

Es muss als ein sehr glücklicher Zufall bezeichnet wer- 
den, dass gerade diejenigen Materialien, welche in über- 
wiegender Mehrheil für Druckformen verwendet werden, 
sich in vorzüglicher Weise für diese Prozedur eignen. Zink 
z. B. hat nimlich die Eigenschaft, schon bei einer geringen 
Erwärmung von ca. 100 Grad, welche aber noch in keiner 
Weise seine Strukturverhiltnisse schädlich verändert, einen 
hohen Grad von Duktilität zu bekommen und verbindet 
damit die merkwürdige Eigenschaft, Formationsänderungen, 
welche es in dieser Temperatur erlitten hat, in der 
Kälte beizubehalten. Diese bei verhältnismäBig niederer 



Temperatur entstehenden und dann bleibenden Form- 
änderungen des Zinkes erleichtern sehr die Manipula- 
tionen, die zur Durchführung der Niveauverlegung in eine 
Zinkdruckform notwendig sind. 

Bei anderen für Druckformen verwendeten Materialien 
wie z. B. Messing oder Kupfer, sind wesentlich höhere 
Temperaturen nötig, um bleibende Formänderungen zu 
erzielen und muss daselbst in Beachtung gezogen werden, 
dass der Körper, aus dem das Zurichterelief besteht, diese 
Temperaturen ohne Schaden aushllt. 

Während also sonst in einer Druckform alle Druck- 
clcmentc in einer Fläche liegen, zeigt eine derartig ge- 
presste Druckform Niveauunterschiede, dergestalt, dass 
die Schwärzen des Bildes auf der Druckform am höchsten 
liegen und die Lichter am tiefsten. 

Durch diese Verlegung der Niveauunterschiede einer 
Zurichtung in die Druckform selbst wird erstens die Wir- 
kungsweise der Zurichtung in vollstem MaQe erreicht und 
außerdem noch der hoebgewünschte Effekt, dass die Auf- 
tragwalzcn den tiefer liegenden Lichtern weniger Farbe 
zuführen, als den höher stehenden übrigen Teilen der 
Druckform. AuBcr der damit verbundenen Qualitäts- 
verbesserung sind mit obigem Verfahren auch technische 
Vorteile verbunden, falls von den Originalklischees, sei es 
durch Pressung, sei es durch galvanische Abbildung, Du- 
plikatklischecs hergestellt werden müssen, Indem selbst- 
tätig jede dieser Vervielfältigungen nach einem solchen 
gepressten Klischee die Zurichtung in sich selbst enthält. 



Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein. 



Am 23. Juni wurde in dem Deutschen Buchgewerben 
eine Sonder-Ausstellung der Lithographien von Alexandre 
Lunnis eröffnet, dessen wirkungsvolle Farbendrucke den 
Besuchern der Lithographie-Ausstellung noch in Erinnc- 
rungsind. Die Ausstellung umfasst mit erwaOOEinzelblättern 
und einigen illustrierten Werken den größten Teil der litho- 
graphischen Arbeiten des Künstlers, seine ersten Re- 
produktionsarbeiten in Kreidemanier, seine ersten Versuche 
(bei denen der Künstler die richtige Verdünnung derTusche 
noch nicht getroffen hatte und die deshalb, weil die Tusche 
zu fett, in den dunklen Partien zu schwarz erscheinen) und 
seine Meisterwerke in Tuschmanier, seine von afrikanischer 
Sonne durchglühten Farbendrucke aus Algier und Spanien 
und die große Reihe der Pariser Gesellschaftsstücke. Es ist 
das erste Mal, nicht nur in Deutschland, dass Gelegenheit 
gegeben wird, den Künstler Lunois in einer so umfassenden 
Ausstellung zu studieren und daher hat denn auch die Aus- 
stellung in weiten Kreisen große Beachtung gefunden. Von 
den ausgestellten Blättern, die sämtlich verkäuflich sind, 
sind bereits verschiedene erworben worden. Kein Wunder, 
für diesen Künstler scheint es wirklich in der Lithographie 
(Kreide oder Tusche) keine technischen Schwierigkeiten zu 
geben, die er nicht glänzend zu überwinden verstünde. Nur 
durch eine langjährige Erfahrung konnte eine solche Hand- 
fertigkeit erworben werden. Allein auch die reiche Skala 
der Tongebung, die seinen Darstellungen den höchsten 
Reiz verleiht, die Feinfühligkeit für die Werte der Farben 



selbst im bloßen Schwarzdruck und der kaum von andern 
übertroffene Reichtum der Nuancierung haben seinen 
Schöpfungen so viel Freunde verschafft. Großes Interesse 
boten auch die Originalzeicbnungen zu Buchschmuck aller 
Art von Rudolf & Fia Wille in Berlin, die leider nur kurze 
Zeit ausgestellt bleiben konnten. Sie verrieten eine reiche 
Erfindungsgabe und bcwicsen.dassdieUrhebcrderEntwürfe 
eingehende Naturstudien getrieben haben mussten. Nur 
aus möglichst treuer Wiedergabe der Naturformen bei Ver- 
einfachung der Linienführung kann etwas Ersprießliches 
für die Kunst herauskommen. Von diesem Gesichtspunkte 
aus zeigten die ausgestellten Buchschmuckarbeiten ent- 
schieden guten Geschmack und ausgebildetes Stilgefühl. 
Allen gemeinsam war ein feines Verständnis für die Linien- 
führung und ein sicherer Blick für das Abwägen der Massen 
und die Raumverteilung. Ein Hauptvorzug der Künstler 
ist ihre Fertigkeit, ihre Ideen in wenigen energisch geführten 
Linien stets klar und bestimmt zum Ausdruck zu bringen. 

Im kleinen Räume rechts vom Eingang und im Sachsen- 
zimmer waren 570 Entwürfe von modernen Fassaden zur 
Schau gebracht, die aus einem von der Firma Seemann 
6- Co., Leipzig, erlassenen Wettbewerbe hervorgegangen 
sind. Auch diese Ausstellung wurde von Fachleuten und 
Laien wegen des vielen Interessanten und Beachtenswerten, 
das sie bot, lebhaft besucht. 

Am 14. Juli wurde im Deutschen Buchgcwcrbchause 
im Saale rechts vom Eingang die Sonderausstellung des 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Prager Künstlers Emil Orlik eröffnet und wurde auch bisher 
trotz der ungünstigen Zelt lebhaft besucht. Orlik hat 
sich durch seine auf Stein gezeichneten Plakate rasch 
einen Namen gemacht. Hier «nden wir ihn auch als geist- 
reichen Radierer, nicht minder geschickten und originellen 
Holzschneider, überhaupt als gereiften Künstler, der in 
allen graphischen Kunsttechniken versiert ist. Wenn uns 
unter den Radierungen die excellente Führung der Nadel 
— auch der kalten — und die sichere Handhabung des 
Ätzens, ganz abgesehen von den virtuosen Entwürfen selbst, 
besonders besticht, so erregte bei den Holzschnitten beson- 
ders die außergewöhnliche Feinheit des malerischen, durch 
wenige Farbcnplatten hervorgebrachten Eindruckes unser 
lebhaftestes Interesse. Besonders in die Augen fallen die 
nach japanischen Motiven in japanischer Weise ausge- 
führten Farbenholzschnitte, die sich denen eines Hokusai 
würdig zur Seite stellen. Nicht zu vergessen sind die 
geistreichen Exlibris und Buchschmuckarbciten, die aus- 
nahmslos dem Meister alle Ehre machen. 

Im Buchgewerbemuseum sind rür einige Tage Zeich- 
nungen für Farbendruck von Paul Lothar Müller, betitelt 
„Am Sonntag", ausgelegt, die einen ganz köstlichen Hu- 
mor, ein eminentes Verstindnis für die Thierformen und 
die Fähigkeit dieselben in wenig Strichen charakteristisch 
wiederzugeben verraten. 

In der Zeit vom 1. bis 31. August 1901 findet in dem Deut- 
schen Buchgewerbehause eine Ausstellung von Glück- 
wunsch- und Neujahrskarten, sowie Kalendern aller Art 
statt Die Teilnahme an dieser Ausstellung ist vollständig 
kostenlos, jedoch das Recht vorbehalten, einzelne Gegen- 
stande wegen Raummangels oder aus sonstigen Gründen 
zurücklassen zu dürfen. Interessenten wird von der Ge- 
schäftsstelle des Deutschen Buchgewcrbcvercins gern 
Niheres mitgeteilt. 

Herr Dr. Jürgen Haupt, bisher wissenschaftlicher Hilfs- 
arbeiter am Deutschen Buchgewerbemuseum, hat am 
I.Juli 1901 seine Thitigkeit aufgegeben, um einem ehren- 
vollen Rufe als Direktorialassistcnt am Großherzoglich 
Hessischen Museum in Darmstadt Folge zu leisten. 

Zur Errichtung einer Lehr- und Versuchsanstalt rür 
graphische Künste in München hat der Deutsche Buch- 
gewerbevercin einen einmaligen Beitrag von M. 200 be- 
willigt, sowie für spiter eine jährliche Beitragslcistung in 
Aussicht genommen, falls sich die finanzielle Gestaltung des 
Vereins in steigender Weise gestalten wird. 

Bei der Einweihung des Guicnbcrgdcnkmals in Magdeburg 
war der Verein durch zwei Herren vertreten; am Denkmal 
unseres grollen Altmeisters wurde ein Kranz niedergelegt. 

Herr Zahnarzt Dr. Seegers in Hannover hat in jahrelanger 
Arbeit eine Sammlung älterer Buntpapiere zusammen- 
gebracht, die in mehr als 11500 Blättern alle Hauptarten 
vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart zeigt, so die schönen 
alten Marmorpapicrc, ferner Kleistcrmarmor und einfarbige 
gespritzte Papiere, sodann die ganze Herstellung von ge- 
drucktem Buntpapier. Diese geschichtlich, wie technisch 
hochinteressante Sammlung wurde dem Deutschen Buch- 
gcwcrbevcrcin zum Ankauf für sein Buchgewerbcmuscum 
angeboten. Leider konnte an eine Erwerbung aus eigenen 
Mitteln nicht gedacht werden, weshalb sich das Buch- 
gewerbcmuscum mit den in Betracht kommenden Interes- 
senten in Verbindung setzte und um Beihilfe zur Erwerbung 



der Sammlung bat. Die Bitte fand Gehör bei Herrn Kom- 
merzienrat Max Kraus« in Berlin, der in großherzigster 
Weise die Angelegenheit zu seiner eigenen machte und 
bei den Mitgliedern des Paplerindustrievereins und des 
Vereinsdcr Buntpapierfabrikanten zu Beiträgen aufforderte. 
Seinen thatkräftigen Bemühungen gelang es, bei 34 Zeich- 
nern bis jetzt den Gesamtbetrag von M. 4150 aufzubringen, 
so dass zu hoffen ist, der ganze Kaufbctrag werde durch 
freiwillige Beiträge gedeckt. Bevor aber der Deutsche 
Buchgewerbeverein noch Nachricht von dem vorge- 
nannten Ergebnis erhalten hatte, musste er sich in aller 
Schnelle und kurzer Hand entschließen, die Sammlung 
älterer Buntpapiere sofort rür sein Buchgewerbemuseum 
anzukaufen, da die Gefahr vorlag, dass die Buntpapiere 
in das Ausland gehen würden. Herr Dr. Seegers, dem 
daran lag, dass die Sammlung der deutschen Industrie 
erhallen bliebe und in Leipzig zur Aufstellung gelange, er- 
mäßigte den Kaufpreis von M. «000 auf M. 5500, wofür 
ihm auch hier Dank gesagt sein muss. Die Sammlung Ist 
nun in den Besitz des Buchgewerbemuseums übergegangen, 
sie wird den Mitgliedern der obengenannten Vereine stets 
ohne weiteres zugängig sein, außerdem aber in den größe- 
ren Städten Deutschlands zur Schau gelangen. Den Herren 
aber, die durch Beiträge uns den Ankauf der Sammlung 
erleichterten, vor allem aber Herrn Kommcrzienrat Max 
Krause in Berlin jetzt schon herzlichsten Dank. Nach Ab- 
schlug» der Sammlung wird der Deutsche Buchgewerbe- 
verein an dieser Stelle den einzelnen Herren noch be- 
sonders danken. 

Der Besuch der Ausstellungen im Deutschen Buch- 
gewerbehausc betrug in der Zeit vom 12. Mai bis 31. De- 
zember 1900 im Ganzen 18757 Personen. Welchen großen 
Anklang die Ausstellungen, vor allem aber die ständige 
Maschinen-Ausstellung immer mehr findet, geht daraus 
hervor, dass der Besuch in dem I. Halbjahr 1901 sich auf 
19071 Personen beziffert. Vomjanuar 1901 an fanden neben 
den ständigen Ausstellungen noch folgende größere oder 
kleinere Ausstellungen statt: Entwickelung der Druckschrift, 
Drucksachen mit Eckmannschrift, Buchschmuck von R. 
(irimm, lufip:ig, Holzschnitte vom 14. bis 18. Jahrhundert, 
Original-Künstler-Lithographien, Bücher, Druckblätterund 
Bucheinbände der Reichsdruckerei, ältere Buntpapiere, 
moderne Bucheinbände von F. Volkmar, moderne Bücher 
und Buchschmuck von S. Fischer, Berlin, Buchschmuck von 
Th. Th. Heine, München. Englische, amerikanische und 
holländische moderne Bucheinbände, Schwarz -Weiß -Aus- 
stellung von Fischer fr Franke, Berlin, dänische Buch- 
umschläge und Accldenzen. »Alte Meister" Dreifarben- 
drucke aus dem Verlag von F. A. Seemann, Leipzig, Oster- 
rness- Ausstellung, Original -Lithographien von Alexander 

I. unois, Buchschmuck von Rudolf & Fia Wille, Berlin, Ent- 
würfe zu modernen Fassaden aus dem Wettbewerbe von 
E. A. Seemann, Leipzig, Arbeiten der Buchdrucker- Lehr- 
anstatt in Leipzig und Gesellenstücke der Buchbinder- 
Innung zu Leipzig. Außer der ständigen buchgewerblichen 
und Maschinen-Ausstellung sohin in sechs Monaten neun- 
zehn größere und kleine Sonder- Ausstellungen, in denen 
die Angehörigen des deutschen Buchgewerbes wohl manche 
neue Anregungen gefunden haben mögen. Auch für das 

II. Halbjahr ist eine Reihe interessanter ; 
lungen in Vorbereitung. 



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II BERIHOLl). A ii KKKI.IN 0 HALT.R * CO , STUTTOART 





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tanuv «yf«r tONPOH K S.'/68 fturMi 



Giro Co-*.ro (?cif^w^iv* 



a Edler fltasnE 



GescrtäFrsbücrxer- Fabrik 

Bocr\ ü ir«irvarucKerei 




Lifhographieu Druck von 

ED|_Er?X_KRlSCHE. HANNOVER. 



..Archiv für Buchgewerbe". 



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mmmvMmvavwvwuMmmi ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Patentwesen, neue Erfindungen und Verbesserungen. 

Mitgeteilt vom Patentanwalt PAUL MÜLLER in Berlin ST. 



DEUTSCHE Patente. Nr. 118896. Verstellbare Wisch- 
vorrichtung für Stabldruckprcssen, Eugene Semple, 
Bradford in Brooklyn. An der verstellbaren Wischvorrich- 
rang für Stahldruckprcssen ist die Wischvorrichtung zur 
Einstellung in winkelige Lagen zur Druckplatte um einen 
festen Punkt drehbar angeordnet, zum Zwecke, den Wisch- 
rahmen bezw. das Wischband nur in einer Linie außerhalb 
der Drehungsachse der Wischvorrichtung mit der Druck- 
platte in Berührung bezw. in Angriff zu bringen, wodurch 



in Berührung. Der Farbtisch und die mit diesem vereinigten 
Verteilerwalzen sind in einem auf und ab bewegbaren 
Rahmen angeordnet. Der Farbiisch kann auf und ab bewegt 
werden, um die Berührung mit den Tischfarbwalzen nur 
wahrend des einen Hubes herzustellen. 

Nr. 118983. Cylinderdruckmaschine zum Bedrucken von 
Papier oder Gewebebahnen, SocUli Parisienne D'lmpres- 
sions in Paris. An der Cylinderdruckmaschine zum Be- 
drucken von Papier oder Gewebebahnen ist der Druck- 




bei der Drehung des Wischrahmens an der Bcrührungs- 
stelle, nach Art der Handwischarbeit, gleichmißige Kreise 
auf der Druckplatte beschrieben werden und ein gründliches 
Reinigen derselben bewirkt wird. 

Nr. 118897. Farbvorrichtung für Cyllnderschnellpressen 
mit Tischfirbung. The Printing Machinery Co. Ltd. in 
London. An derFarbvorrichtung fürCylindcrschncllpressen 
kommen die Tischfarbwalzen ununterbrochen während 
ihrer Arbeitsbewegung, hier aber, da sie in einem mit 
der Bewegung des Bettes übereinstimmenden Sinne um- 
laufen, nur während einer Hubllnge mit dem Farbtische 



cylinder mit zwei pneumatischen Haltevorrichtungen ver- 
sehen, welche derart abwechselnd in und außer Verbindung 
mit einem Vakuumraum gebracht werden, dass zu jeder Zeit 
mindestens eine derselben saugend auf die um den Cylinder 
herumgeführte, zu bedruckende Bahn einwirkt. 

Nr. 119 113. Gegendruckfundament für Buchdrucker- 
pressen, Metwin Linwood Severey in Arlinglon Heights. 
(Mass. V. St. A.) An dem Gcgcndruckfundamcnt für Buch- 
druckerpressen, bei welchem der mit der Druckflicbe in 
Berührung kommende Gcgendruckcylindcr aus, von ein- 
ander unabhängigen, schmalen, unelastischen, rundlau- 



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fenden Bestandteilen, wie z. B. Scheiben a besteht, stützen 
sich diese Bestandteile gegen einen elastischen Cylinder e 
bezw.J, bezw. P, bezw. r, u und üben dadurch einen stets 
gleichmäßigen Druck auf die DruckBiche aus. Die rund- 
laufenden Bestandteile des Gegendruckcylinders sind, wie 
z. B. Scheiben a, centrisch gebohrt und über eine Welle c 
von elliptischem Querschnitt gestreift, wobei der größere 
Durchmesser der Ellipse wagerecht liegt, das Ganze zu dem 
Zweck, den rundlaufenden Bestandteilen eine Bewegung in 
senkrechter Richtung zu geben. Ein Ausbicgcn und Nach- 
geben des elastischen Cylinders c wird dadurch verhindert, 



dass unelastische Gcgcnwalzcn / vorgelagert sind, wobei 
der Gitterträger h für diese Walzen gleichzeitig mit Leit- 
walzen m für den endlosen Abzichbogen ausgestattet sein 
kann. 

Nr. 1 19947. Tiegeldruckpresse mit schwingendem Tiegel 
und Fundament, Fred. Waite in Otley of the Linden* (Eng- 
land. Bei der Tiegeldruckpresse mit schwingendem Tiegel 
und Fundament wird die Druckstellung des Tiegels durch 
einen mittels Schraube einstellbaren Anschlag, gegen 
welchen sich die hintere Kante des Tiegels legt, ge- 
sichert. 



Verzeichnis von Personen und Firmen, 

die im Juni 1901 dem Deutschen Buchgewerbemuseum Schenkungen überwiesen haben. 



E. Wellbrock, Leipiig: Drucksachen und Plakate des 
Norddeutschen Lloyd in Bremen (durch Herrn J. Weher). 

— Victor Hornyansky, Budapest: Magyarorszäg a Parisi- 
VlUgkiallitason 1900. Künstlerkolonie, Darmstadt, Aus- 
stellungsdrucksachen (Hauptkatalog und 7 Heftel. Fr. 
Eug. Köhler, Gera-Untermhaus: Naumann: Naturgeschichte 
der Vögel, 4. Band. Bertiner Secession : Plakat. - Alphons 
Dürr, Leipzig: Sämtliche in der Bibliothek nicht vorhandene 
Verlagswerke (42 Binde, 113 Kunstblätter). - Gustav 
Schmidt, Bertin : Löscher: Leitfaden der Landschaftsphoto- 
graphie; HesdörlTer: Die schönsten Stauden. - Mitos'ke 
Etablissement, Odense: Eine reiche Sammlung von Druck- 
sachen, Plakaten und Büchern. — Prot. Halm, München: 
Börckel : Hessenlands Huldigung und 3 GclegenheitsbUrter. 

— F. Raabe's Nach/., Königsberg: Ein Bogen altes Bunt- 
papier. — Hesse & Becker, Leipzig: 2 Titelblätter (Farben- 
skala). K. k.graphische l*hr- und Versuchsanstalt, Wien: 
Statut. --- Typographischer Verein Concordia, Köln: Bericht 
über die Vereinsjahre 1898, 189», 1900. Festschrift zum 
25jährigen Jubiläum. - Sonnenschein & Co., Lnndon:6Bäe. 



G. P. Putnams Sons, London: 7 Bde. Art Reproduk- 
tion* Co., London: 1 Bd. 2 Kunstblätter. Williams fr Sar- 
gate, London: 8 Bde. D. Natt, London: 35 Bde. J. M. 
Dent & Co., London: 28 Bde. Shanks & Sons, London: 
1 Bd. F. Fisher Unwin, London: I Bd. - Miller & Richard, 
London: I Bd. Haddon t> Co., London: I Bd. — Hynson 
e> Son, London : Papierproben. »'. & A. K. Johnston Ltd., 
London: 4 Bde. Luden Layns, Parin: La librairie ä l'cx- 
position universelle 1900. Graphische Gesellschaft Union, 
Prag: Eine Lithographie nach Jcnnewein. — Joh. Weber. 
Leipzig: 1 Holzschnitt nach Leighton. - Greiner & Pfeiffer. 
Stuttgart: Posthandbuch 1901. —J. Moser, Leipzig: Mäser- 
Westram: Der Titelsatz. Robert Wapler, Magdeburg: 
Fest-Programm. Schweizerischer Buchhändler -Verein, 
Zürich: Satzungen und Obereinkunft. Dr. Josef Mantaani, 
Wien: Mantuani: Der Beginn des Notendruckes. — D. Bert- 
hold, Bertin; The Caxton Type foundry, London. Druck- 
proben. 

Allen freundlichen Gebern sagen wir auch an dieser 
Stelle aufrichtigen Dank. 



Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins. 



Aus den graphischen Vereinigungen. 



Berlin. Am 17. Juni fand in der Berliner Typographischen 
Gesellschaft eine lebhafte Debatte statt über den Vortrag 
des Herrn Spieß, Mitinhabers der Firma Meisenbach, Riffarth 
& Co., den derselbe am 4. Juni in den Geschäftsräumen 
der genannten Firma zu Schöneberg bei Bertin W. über 
Dr. £. Atberts Reliefklischee vor einer stark besuchten Ver- 
sammlung gehalten hatte. Herr Spieß leitete die Diskussion 
mit einigen, seinen Vortrag noch einmal ganz kurz zusam- 
menfassenden Ausführungen ein, an die sodann Herr 
Kommerzienrat Büxenstein die Erläuterungen eines in der 
Druckeret seiner Firma vorgenommenen ausgedehnten 
Versuches knüpfte. Wie den Vortrag des Herrn Spieß, so 
habe ich auch die außerordentlich instruktiven Ausfüh- 
rungen des Herrn Büxenstein in einem besonderen Artikel 
behandelt, kann mich also an dieser Stelle weiterer Bemer- 



kungen darüber enthalten. — Bezüglich der Berliner Bui A- 
£«fer6«4Hi/-Angelegenheit konnte der Vorstand mitteilen, 
dass bereits 2500 M. jährlich fest gezeichnet seien, jedoch 
wären die Bemühungen des niedergesetzten Ausschusses 
nach einem geeigneten Raum bis jetzt ohne Erfolg ge- 
blieben. Bei dieser Gelegenheit weist Herr Kommerzien- 
rat Büxenstein darauf hin, dass nach dem Beitritt des 
Deutsehen Buchgcwcrbcvereins und nach den inzwischen 
abgegebenen Bcitragszusichcrungen einiger anderen Ber- 
liner graphischen Vereinigungen die vorliegende Angele- 
genheit doch nicht mehr allein Sache der Typographischen 
Gesellschaft sei; er würde es deshalb für richtig halten, 
dass der seiner Zeit niedergesetzte Aussthuss in anderer 
Weise zusammengesetzt wird oder aber sich aus Mit- 
gliedern der Beiträge leistenden Vereinigungen ergänze. 



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Der Vorstand verschloss sich der Berechtigung einer sol- 
chen Forderung nicht und wird daher den Ausschu&s in der 
angedeuteten Weise ergänzen. hn. 

Berlin. Im hiesigen „Verein ßr deutsches Kunstge- 
werbe', dem auch eine ganze Reihe namhafter Berufsge- 
nossen angehört, hielt kürzlich Herr Dr. Loubier einen 
inhaltreichen Vortrag über moderne Einbände für Verlags- 
werke. In seinen einleitenden Ausführungen wies der Vor- 
tragende auf die Wechselbeziehungen hin, die zwischen der 
Bestimmung und dem Inhalt des Buches einerseits und 
der Gestaltung und Ausführung des Einbandes anderer- 
seits bestlnden. wobei besonders im frühen Mittelalter der 
oft unschätzbare Wert und erhebliche Umfang der Bibel- 
handschriften und Messbüchcr bestimmend auf die künst- 
lerische Behandlung der Einbinde einwirkten. So bildeten 
die für die in oft jahrzehntelanger mühevoller Arbeit ent- 
standenen, in künstlerischer Vollendunggeschriebenen und 
ausgemalten Pergamentfolianten bestimmten Einbände 
starke Holzdeckel, welche mit dünnen Coldplatten, Elfen- 
bein und Edelsteinen ausgelegt wurden. Diese Arbeiten 
gaben der Entwicklung der kirchlichen Kleinkunst in den 
Klöstern eine gewisse Richtung, die aber wiederum ver- 
aachte, als die Entstehung und das Wachstum der Univer- 
sitären das Bedürfnis nach Büchern erheblich steigerte. 
Deshalb ging man bald bei den Büchern geringeren Wertes 
zur Benutzung des Leders für den Einband über, das auch 
noch für die ersten Druckwerke in Anwendung kam und in 
der mannigfachsten Weise durch Prägungen und Pressungen 
verziert wurde. Für die kleineren Formate wurde besonders 
im 16. Jahrhundert das Schweinsleder mit allerlei Orna- 
menten geschmückt verwendet, wahrend das 17. Jahrhun- 
dert den vollkommen glatten Schweinsleder-Einband vor- 
zog. Die darauf folgende Zeit brachte den Halbfranzband 
und die Cartonnage in Anwendung, denen sich dann im ver- 
flossenen Jahrhundert der Leinwand-Einband anschloss. 
Die Veranlassung zur Anwendung dieser billigeren Art des 
Einbandes war das Herabgeben der Verkaufspreise für die 
Bücher selbst, und zwar war es besonders England, das 
schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts den Leinwand- 
band allgemein einführte. Als Vorläufer der modernen 
Masseneinbinde bezeichnete Herr Dr. iMnbierdie Arbeiten 
des Anton Koberger in Nürnberg, dessen Buchdeckel in 
Kalbleder mit Blindpressung ausgeführt waren und als Or- 
nament einen aufstrebenden Greif in einer Rautenumrah- 
mung trugen. In gleicher Weise wirkten ErHardt Grapolt 
in Augsburg und spater noch Pasdeloup, der Hofbuchbinder 
Ludwigs XV. von Frankreich, der die für den König be- 
stimmten Folioeinbändc durch Pressung mit zehn zu einem 
Muster zusammengesetzten Prägestempeln verzierte und 
zwar in Gold auf rotem Leder. Indem Herr Dt. Loubier nun- 
mehr die Technik der modernen Masseneinblndc besprach, 
wies er darauf hin, dass durch die Verteilung der Einrich- 
tungskosten für das Dessin des Einbandes auf eine große 
Zahl von Einzeleinblnden der Verleger in der Lage sei. 
zur Herstellung des Entwurfes geeignete künstlerische 
Krifte heranzuziehen. Allerdings sei der heutige Bücher- 
markt noch nicht frei von Erzeugnissen zweifelhafter Art, 
bei denen die Ausführung des Motivs oft mehr die Ge- 
schicklichkeit des Buchbinders erkennen lasse, als sie die 
Gestaltungskraft eines geläuterten Geschmacks zeige; doch 
sei auch auf diesem Gebiete, ihnlich wie bei der Druck- 
ausstattung, der Einfluss gereifter Künstler zu erkennen. 



Als solche Künstler seien zu nennen: In England Ruskin, 
Morris, Walter Crane, Reil und Haußmann ; in Dinemark 
Tegner, Lernen, Heymann und Frölich, die besonders für 
den Küsierschen Verlag in Kopenhagen arbeiten; in Hol- 
land ist es van de Velde; in Deutschland besonders Klinger, 
Lechler, L. v. Hoffmann, Beck u. s. w., deren Erzeugnisse 
den Unternehmungen von S. Fischer und Fontane in Berlin, 
Cotta in Stuttgart, Teubner und Sperling in Leipzig u. a. m. 
zu gute kommen. — Unterstützt wurde der Vortrag durch 
eine reiche Auswahl ganz vortrefflicher Einbinde aus den 
Bestinden des Kunstgewerbemuseums und durch neuere 
Erzeugnisse der beiden Berliner Firmen CoUin und LäderiU 
& Brauer. — Aus der Debatte, die sich dem Vortrage an- 
schloss, will ich nur noch die Ausführungen des Hofbucb- 
bindermeisters Franz Vogt kurz hervorheben, der auf die 
oft ganz verunglückte Ausführung der Verzierungen des 
Buchrückens aufmerksam machte, und zwar bezüglich der 
Schrift sowohl, als auch des Ornaments. Es ist ja zuzu- 
geben, dass die meistens sehr beschränkte Fliehe autter- 
ordentlichc Schwierigkeiten darbiete, doch sei anzustreben, 
dass gerade deshalb der Buchrücken gegennüber den 
beiden Deckelflichcn nicht zurücktrete, die harmonische 
Wirkung des ganzen Einbandes würde dadurch nur ge- 
hoben, hn. 

Leipzig. In der Sitzung vom 27. MIrz d. J. der Typo- 
graphischen Gesellschaft referierte Herr H. Schwarz über 
den vor kurzem erschienenen neunten Band des Muster- 
austausches. Nach einer kurzen historischen Erliuterung 
und einigen statistischen Hinwelsen über die Entwicklung 
des Unternehmens erfolgte eine eingehende Besprechung 
des Werkes selbst. Dabei wurde etwa folgendes, auch 
für weitere Kreise Bemerkenswerte ausgeführt: Seit 1883 
findet ein auffallender Rückgang der Tcilnchmerzahl am 
Austausch statt, der vorliegende neunte Band weist nur 
l72Bcitrigc von ca. 130 Fi rmen auf. Diese Thatsache dringt 
die Frage in den Vordergrund, ob der Musteraustausch 
noch eine Existenzberechtigung hat oder nicht. Es würde 
außerordentlich zu bedauern sein, wenn es den jetzigen 
Unternehmern, dem Deutschen Buchgewerbeverein, die für 
die Herausgeber der ferneren Binde ganz neue Gesichts- 
punkte aufzustellen das Bestreben haben, nicht gelingen 
würde, die Binde umfangreicher zu gestalten und das 
gsnze vom idealen Standpunkte gewiss zu unterstützende 
Unternehmen zu erhalten. Die Typographischen Gesell- 
schaften sind mildem Unternehmen des Musteraustausches 
in gewisser Beziehung enger verknüpft, als es den Anschein 
hat, denn außer den Teilnehmern am Austausch resp. den 
Beitragenden, ferner wenigen Bibliotheken und Fach- 
schulen, sind es in der Hauptsache diese graphischen 
Körperschaften, die dem ganzen Wesen des Austausches, 
insbesondere aber dem Inhalte der Binde von der tech- 
nischen Seite aus die entsprechende Würdigung und Auf- 
merksamkeit angedeihen ließen. In diesen Kreisen dürfte 
der Austausch auch fast ausschließlich eine gewisse er- 
zieherische Wirkung ausgeübt haben und noch ausüben, 
indem dort von berufenen Fachmännern eine kritische Be- 
sprechung der einzelnen Blitter erfolgt und dabei auf die 
Mingel sowohl wie auf die Vorzüge einzelner Blitter ent- 
sprechend hingewiesen wird, also eine Verarbeitung des 
ganzen Inhaltes stattfindet. Von den vorgenannten Vereini- 
gungen bat insbesondere die Leipziger seit Jahren auch 
die organisatorische Seite des Unternehmens im Auge 

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behalten und zu verschiedenen Zeilpunkten ihre Vorschübe 
in Vortragen gemacht und Anregungen zur Ausgestaltung 
gegeben. 

Die Leipziger Typographische Gesellschaft hat bereits 
1893 einen zweijährigen Erscheinungsmodus angeregt, der 
dann im Jahre 1895 durchgeführt wurde. Bei spaterem An- 
lasse wurden dann, anlisslich der Beschränkung der Mög- 
lichkeit zur Teilnahme, resp. bei der Verschärfung des 
Reklameparagraphen, eine Anzahl für das gedeihliche Fort- 
bestehen des Unternehmens nicht unwichtiger Fragen be- 
rührt, die auch beute noch volle Beachtung verdienen; es 
sei darum auf dieselben zurückgegriffen und das Haupt- 
sächlichste davon wiedergegeben. In einem damaligen 
Vortrage hiefl es u. a.: 

1. Entspricht der Musteraustausch in seiner jetzigen Ge- 
stalt und Zusammensetzung den Anforderungen und Er- 
wartungen, die man an ihn stellt, resp. ist er das geworden 
was sich die Gründer und Teilnehmer von ihm versprachen ? 

Man kann nicht zögern zu behaupten, dass der Gedanke 
der Errichtung eines > JHuster > austausches ein idealer ist 
und bei dessen sachverständiger Durchführung die ein- 
zelnen Binde Marksteine der Graphik werden müssen. 
Die (1895) vorhandenen 7 deutschen Binde umfassen eine 
ganz außerordentliche Arbeitsleistung in technischer wie 
auch geistig-schöpferischer Hinsicht, ungeachtet der Opfer 
an Mühe und Geld, die mit der Herstellung der Beitrlge 
verknüpft waren. Der Austausch soll einesteils eine Summ 
lung mustergültiger Arbeiten sein, anderseits soll er aber 
wieder ein Spiegelbild geben, von dem durchschnittlichen 
Stande der Graphik überhaupt. Inwieweit eine Verschmel- 
zung dieser beiden Gesichtspunkte möglich Ist, dies fest- 
zustellen ist nicht leicht, berechtigt ist aber sicherlich das 
eine ebenso wie das andere. Der Austausch soll auch 
international sein wie die Kunst — , dies ist er aber (1895) 
noch keineswegs. Es fehlt Amerika mit seinen charakte- 
ristischen Reklamedrucken, schönen Autotypien, England 
mit seinen vollkommenen Buchseiten, Frankreich mit 
seinen prlchtigen Farbendrucken, Dänemark, Holland u. a. 
Es scheint schwer zu hallen, die Anstalten dieser 
Länder heranzuziehen, aber die Eigenart des Unternehmens 
bedingt die Mitwirkung der ausländischen Graphik, sollen 
die Binde nicht ein spezifisch deutsches Gepräge erhallen. 
— Die Gesamtbeteiligung ist nicht groß genug. Was will 
es sagen, wenn von den mehreren tausend Druckereien 
Deutschlands um nur von diesen zu sprechen nur 
durchschnittlich 200 sich sm Unternehmen beteiligen. Die 
zulässige Gesamtsumme müsste wenigstens erreicht 
werden (1895: 400). Dann wäre das Gesaratbild des Inhalts 
der Bände schon ein anderes. Der Ausschluss einzelner 
Branchen - etwa der Farbenfabriken von der Beteili- 
gung ist nicht gutzuheißen, es muss jedermann freistehen, 
einen guten Beitrag zu liefern. 

2. Wäre es nicht vorteilhaft, wenn sich mehr als bisher 
Faktare, Gehilfen und Lehrtinge am Aaslausche beteiligten? 

Diese Frage ist von der Typographischen Gesellschaft 
schon in früheren Jahren (18901 berührt worden und auch 
heute noch in gewissem Sinne zu bejahen, wenn auch vor- 
läufig undurchführbar. Es wird in Deutschland im Gegen- 
satz zu Amerika und Frankreich mit besonderer Ängstlich- 
keit vermieden , dass der Gehilfe oder Lehrling, die Schöpfer 
einer Arbeit, durch Namenaufdruck auf derselben zur Gel- 
tung kommen, vermutlich in der Annahme, dass eine 



solche Bekanntgabe des Personals einen Stellenwechsel 
fördern könnte. Die erbeblichen finanziellen Opfer für 
eigene Beiträge selbst zu tragen Ist den Angestellten aber 
nicht möglich." 

3. IVem nützt der Austausch und wie kann er nützen? 
.Eine große Anzahl der jihrlich verbreiteten Binde bringt 

keinen Nutzen, denn viele derselben wandern nach ober- 
flächlicher Durchblätterung des Inhaltes in die Privat- 
bibliotheken, die durch die Bände lediglich eine umfäng- 
liche Bereicherung erfahren. Um diese Exemplare ist es 
schade, in den Händen des Setzer- oder Druckerpersonals 
würde der Nutzen zum hundertfachen für den Besitzer 
werden, und darum muss fortdauernd die Forderung ge- 
stellt werden, dass den Angestellten, den wirklich Schaffen- 
den, die Binde zum Studium und zur Verwertung bei der 
Arbeit übergeben werden resp. zur Verfügung stehen. Das 
Lesen subjektiver Kritiken nützt keinem etwas, am wenig- 
sten aber denen, die die Beiträge nicht zu Gesiebt be- 
kommen. 

4. Ist es gut, dass der Austausch in zweijährigen Ab- 
ständen erscheint? 

Sicherlich, denn wohin soll es führen, wenn ein Band 
dem andern gleicht wie ein Ei dem andern und zuletzt 
die Durchsicht nur langweilt. Auch sind die Opfer für 
jährliche Beiträge zu groß, die Zeit für das sachgemäße 
Studium der Bände zu kurz." 

Der Hauptinhalt vorstehender älterer Ausführungen hat 
auch heute noch volle Berechtigung, und es äußert sich 
darin das Interesse, das die Typographische Gesellschaft 
dem Unternehmen jederzeit entgegenbrachte. Inzwischen 
sind wieder 6 Jahre verstrichen, es hat sich manches gc- 
indert und auch hinsichilich desMusteraustsusches könnte 
man heute neue Betrachtungen anstellen. Es soll aber 
davon Abstand genommen werden, du das Unternehmen 
jetzt in ganz andere Hinde, in die des Deutschen Buch- 
gewerbe-Vereins übergegangen ist. Derselbe wird das 
Ganze, wie aus dem Vorwort zum 9. Bande hervorgeht, 
mehr von der künstlerischen Seite anfassen und damit 
vermutlich einen Zug in die Binde bringen, der von den 
Vorgingern, die die technische Seite in den Vordergrund 
stellten, wohl weniger beabsichtigt war. In der Hauptsache 
wurden die bisherigen Binde nach der technischen Seile 
hin geprüft und bewertet, es dürfte daneben die stärkere 
Betonung des Künstlerischen in den Beitrigen auch ein 
anderes Gesamtbild des Inhaltes zeitigen. - - Der vor- 
siehende Umstand entkräftet die vor kurzem zum Ausdruck 
gekommene Anschauung der Bertiner Typographischen Ge- 
sellschaft, dass sich das Unternehmen des Austausches 
überlebt habe. Es ist den jetzigen Unternehmern durch 
andere Aufgaben leider unmöglich gewesen, den 9. Band 
so zu gestalten, wie es die Leipziger Typographische Gesell- 
schaft im Jahre 1898 in einem Kommissionsberichte vor- 
geschlagen hatte, d. h. in erweiterter Form an Stelle der 
von der Berliner Typographischen Gesellschaft in Aussiebt 
genommenen Herausgabe eines sog. Jahrhundertwerks. Es 
ist sehr zu bedauern, dass der damalige Vorschlag, aus 
den im Vorwort des 9. Bandes angeführten Gründen nicht 
zur Durchrührung kam, denn es hätte eine Blattsammlung, 
wie sie ein stärkerer Band des Mustcraustausches ver- 
körpert, eine in der deutschen buchgewerblichen Abteilung 
der Pariser Weltausstellung unstreitig vorhanden gewesene 
Lücke auf das vorzüglichste ausgefüllt und dort auch ein 



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MW ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE MNS 



Bild von der in Deutschland und den anderen Staaten vor 
allen Dingen technisch so hoch entwickelten buebgewerb- 
lichen Kleinkunst gegeben. 

Nach der Auffassung des diesjährigen Referenten der 
Berliner Typographischen Gesellschaft soll das Unter- 
nehmen des Musterauslausches nicht mehr existenzberech- 
tigt sein und besonders durch die mit zahlreichen Beilagen 
angerollten Fachblitter wertlos gemacht werden. Inwieweit 
das zutrifft, mag hier unerörtert bleiben, jedenfalls darf 
man aber sagen, dass das Konglomerat von Satz-, Druck- 
und Reklamebeilagcn, wie es leider von mehreren Fach- 
zeitschriften geboten wird, ein ziemlich fragwürdiger Ersatz 
für den abwechselungsreichen und gediegenen Inhalt des 
Musteraustausches bildet. Nach dieser Richtung hin be- 
darf es dringend der Rcmcdur bei einzelnen Fachblattern, 
die aber mangels genugenden finanziellen Rückgrates aus- 
bleiben dürfte. Dass der Deutsche Buchgewerbe -Verein 
alle Anstrengungen wird raachen müssen und auf neue 
Ideen zu sinnen haben wird, wenn er den Musteraustausch 
für die Dauer will lebensfähig erhalten, darüber ist sich 
jeder klar, der die vorliegenden 9 Binde genau kennt und 
der sich bewusst ist, welcher unaufhörlichen Rührigkeit 
des Ausschusses es stets bedurfte, um die erforderliche 

diese Rührigkeit aber entfaltet werden wird, davon glebt 
der vorliegende neunte Band, dessen rechtzeitiges Zu- 
standekommen durch die s. Z. erfolgte Verlegung nach 
Stuttgart beeinträchtigt wurde, schon den Beweis. Der 
9. Band enthalt bereits eine groOe Anzahl schöner und 
mustergültiger Blatter. Dieselben wurden im .Archiv* be- 
reits von anderer Seite einer sachgemäßen Besprechung 
unterzogen und mSgen hier nur noch einige Andeutungen 
gegeben sein, nach welcher Richtung hin der Austausch 



deren Unternehmen übertroffen werden dürfte. 

Da haben wir z. B. beim Herausgreifen der illustrativen 
Blatter aus dem letzten Bande eine außerordentlich inter- 
essante, sich von selbst ergebende Nebcneinanderstcllung 
fast aller Druckverfahren: Tiefdruck, Flachdruck, Hoch- 
druck. Neben Heliogravüre, Kupfer- und Stahlstich sehen 
wir Lichtdruck, Lithographie, Algraphie vertreten, der Ein- 
und Mehrfarben-Holischnitt tritt ebenso wie die Autotypie 
in Kunstblättern erster Ordnung auf. Der typographische 
Farbendruck von hochgeärzten Druckplatten, wie er heute 
durch den Zwei-, Drei-, Vier- bis Zehnfarbendruck aus- 
geübt wird, ist im Austausch vertreten. Welch lehrreiches 
Material bieten schon diese zumeist aus Staats- und ersten 
Privatanstalten stammenden Blatter! Welches Fachblatt 
vermag eine solche Sammlung seinen Abonnenten zu 
bieten! Der 9. Band enthalt auch eine große Zahl muster- 
gültiger Accidenzdruckc, in der Vorführung schöner Buch- 
seiten liegt noch eine dankbare Aufgabe für die demnich- 
stigen Teilnehmer. - Ob auf anderem Wege, als dem der 
bisherigen freien Beteiligung bessere Resultate zu erzielen 
sein würden, muss dahingestellt bleiben, jedenfalls kann 
man aus dem verbrauchten Mittel der Preisausschreiben 
wenig Ersprießliches erhoffen. Eine energische Initiative 
und Heranziehung tüchtiger Firmen zur Teilnahme dürften 
, um den Band umfänglich und qualitativ zeitgemäß 



zu gestalten, d. h. eine Sammlung mustergültiger Arbeiten, 
die ein Spiegelbild der Leistungsfähigkeit deutscher Gra- 
phik geben, entstehen zu lassen. 

Dem Deutschen Buchdrucker -Verein gebührt für seine 
unermüdliche Thitigkeit um das Zustandekommen der 
ersten acht Binde vollste Anerkennung und der Dank der 
Fachwelt. Es ist begreiflich, dass der Deutsche Buch- 
drucker-Verein, dessen Programm mehr und mehr ge- 
werblich-soziale Fragen zu umfassen hat, das Unternehmen 
in die Hinde des Deutschen Buchgewerbe -Vereins legte. 
Mit diesem Herausgeberwechsel ist aber sicherlich auch, 
wie bereits oben angedeutet, eine wesentliche Ausgestal- 
tung des ganzen Unternehmens verknüpft, die um so voll- 
kommener und nutzbringender sein wird, je mehr sich das 
Verstindnis für gute Druckausstattung ausbreitet. Es mag 
darum auch der Hoffnung Ausdruck gegeben sein, dass es 
gelingen möge, den zehnten Band zu einer denkbar voll- 
kommen und abwechselungsreichen Sammlung guter 
Druckerzeugnisse und zwar nicht bloß Deutschlands zu ge- 
stalten, die unstreitig ebenso wie die bisherigen Bände 
nicht nur mannigfache Anregung und Belehrung gehen 
wird, sondern auch den Stand der Graphik zu 
sieren vortrefflich geeignet ist. 

An den Vortrag schloss sich eine lebhaft 
bei der hauptsichlich die Frage der Zweckmäßigkeit von 
Preisausschreiben Besprechung fand. Es wurden für die 
Verallgemeinerung des Austausches verschiedene Vor- 
schläge gemacht, man konnte sich mit denselben aber 
nicht befreunden. Insbesondere wurden die Schattenseiten 
der Preisausschreiben ventiliert und deren Wert ange- 
zweifelt. -»-. 

München. In der letzten gut besuchten Sitzung der 
Typographischen Gesellschaft referierte Herr Hermann 
Röder, Stempelschneider der Schriftgießerei E.J. Genzsch, 
über die Herstellung von Stempeln und Originalen für ßueh- 
drucktypen. Nach kurzer Darstellung der Entwickelung 
der früher von den Schriftgießern selbst ausgeübten Stem- 
pelschneidekunst zum selbständigen Handwerk schilderte 
Redner in anschaulicher Weise den Arbeitsvorgang hei 
der Herstellung von Stablstempeln, von der Übertragung 
der Zeichnung an bis zum Hirten und Einprägen des fer- 
tigen Stempels. In gleicher Weise wurde auch die Be- 
arbeitung der für Schriften und Ornamente größeren 
Grades gebräuchlichen Originale aus Schriftzeug beban- 
delt, von welchen Matrizen auf galvanischem Wege ge- 
wonnen werden. Auch die Besonderheiten der Arbeits- 
weise an der Bohrmaschine und an der neuen Stempel- 
graviermasebine fanden Erwihnung; insbesondere wurde 
die von letzterer Maschine mit ihrer zunehmenden Ein- 
führung in Deutschland für den Stempelschneider zu er- 
wartende Konkurrenz gewürdigt. Mit einer Auseinander- 
setzung über das Musterschutzgesetz in seiner Anwendung 
für Schriftgießerei -Erzeugnisse und der Schutzlosigkeit 
der letzteren gegenüber den von einigen sogenannten 
Hausgießereien geübten Praktiken wurden die Ausfüh- 
rungen geschlossen, die deshalb von großem Interesse 
waren, weil sie eine Materie behandelten, über welche in 
Buchdruckerkreisen noch vielfach sehr unklare Vorstel- 
lungen zu finden sind. 



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mnmMtMMnmii archiv für Buchgewerbe 



Schriftgießerei - Neuheiten. 



• Eine äußerst praktische Neuheit, welche in keiner 
Druckerei fehlen sollte, bilden die hiersclbst dargestellten 
„Einhängcfächcr für Schriftkästen" von Scheller & Giesecke 
in Leipzig. Es sind das kleine Typen-Behälter, welche auf 
die Querleisten der Schriftkasten aufgcklcmmt werden 
können und zur Aufnahme besonderer im Schriftkasten sonst 




nicht vertretener Buchstaben, wie fremdländischer Accente, 
mathemalischer und andererZeichen und dergleichen mehr 
dienen. Der Setzer hat die besonderen Schriftzeichen dann 
gleich zur Hand und spart so Zeit und Mühe. 

* Die allgemeine Beliebtheit, welche die geschwungene 
Linie unter verschiedenen Bezeichnungen bis jetzt in 
Buchdruckerkreisen erfahren hat, veranlasste die Schrift- 
gießerei Julias Klinkhardt in Leipzig neben ihrem Zier- 
material Serie 9fi „Secession" und Secessions- Einfassung 
Serie 100, noch Moderne Linien-Ornamente Serie 101, die 
in drei Sortimente geteilt, zu schaffen. Wie aus den hier 



abgebildeten Figuren ersichtlich, bieten dieselben neben 
angenehmen Formen eine vielseitige Verwendbarkeit. Die 
Figuren sind auf das Genaueste systematisch gegossen, 
haben passende Anschlüsse und es erfordert daher ihre 
Zusammensetzung nur den denkbar geringsten Aufwand 
an Satzzeit. 




Verschiedene Eingänge, Zeitschriften- und Bücherschau. 



• Die xylographische Kunstanstalt von Köhler & Lipp- 
mann in Braunschweig hat uns mit einem in bekannt vor- 
nehmer Weise bei A. Wohlfeld in Magdeburg gedruckten 
Musterbuch von Holzschnitten erfreut, das sich ganz be- 
sonders durch die Qualität des Gebotenen auszeichnet. 
Der Nachfrage entsprechend enthält es meist technische 
Illustrationen, deren vorzügliche Ausführung durch den 
feinen zum Teil farbigen Druck voll zur Geltung kommt. 

• VonJ. G. Schelter & Giesecke in Leipzig erhielten wir 
sechs verschiedene auf der Windsbraut hergestellte groß- 
artige Muster-Drucke zugesandt, welche für die Leistungs- 
fähigkeit dieser Schnellpresse gewiss ein beredtes Zeug- 
nis ablegen, zugleich aber auch als Erzeugnisse dieser 
Kunstanstalt, aus welcher die Druckplatten hervorgegangen 
sind, sich darstellen, welche die höchste Anerkennung ver- 
dienen. Als besonders schlagender Beweis fürdie Leistungs- 
fähigkeit der „Windsbraut"-Schnellprcsse sind die aus den 
einzelnen Musterdrucken ersichtlichen hohen Druckge- 
schwindigkeiten anzusehen, mit denen der Druck der 
letzteren erfolgt ist, sowie das genaue Register, welches 



trotzdem die Dreifarbendrucke aufweisen. Das Epitheton 
.großartig" wird auch durch das große Format der Kunst- 
blätter i-IH-.U». 52:30 Bildfliche), welches die Schwierig- 
keil der Herstellung wie des Druckes wesentlich vermehrt, 
vollauf gerechtfertigt. Dieselben stellen dar „Minerva 
medica" (Halbton- und Strichätzung), Dampfer .Fürst Bis- 
marck" (Kreuzraster- und Umdruckätzung), 2 Porträts nach 
photogr. Aufnahmen (Halbtonitzung), sowie drei Reproduk- 
tionen von Malereien und Naturaufnahmen orientalischer 
Teppiche in Dreifarbendruck. Gerade jetzt bei den Be- 
strebungen die Kunst als Volksbildungsmittel energisch 
heranzuziehen, dürften diese Verfahren, von welchen uns 
die erwähnten Musterblätter höchst prägnante Proben 
geben, eine bedeutende Rolle spielen. 

0 Der Deutsche Photographen-Verein hat mit dem Fest 
seines 25jährigen Bestehens (12. bis 16. August d. Js. in 
Weimar) eine Ausstellung photographischer Erzeugnisse und 
Gebrauchsgegenstände verbunden, für welche die Räume 
der Baugewcrkcschulc überlassen worden sind. Das groß- 
herzogliche Ministerium hat vier silberne und achtbronzene 



Ä« 274 «ft 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Postbuch für den Verkehr im Deutschen Reiche, i 
wegen seiner absoluten Lückenlosigkeif und größten Zu- 
verlässigkeit. Allen denen, welche Zeit, Mühe, Verdruss 
und oft viele Mark Porto sparen wollen, wird dieses Buch 
unentbehrlich sein. (Verlag von Greiner & Pfeiffer, Hof- 
buchdrucker in Stuttgart.) 



Staatsmedaiillen und einen Geldbeitrag zur Verfügung ge- • Kürzlich erschien, alle neuen Bestimmungen bis Ende 
stellt. Weitere namhafte Geldpreise sind von Freunden Juni enthaltend, in elfter Auflage Oherpostsekretär Hettler* 
und Gönnern des Vereins gestiftet worden. Auskunft erteilt 
der Vorsitzende des Deutschen Photographenvereins, //. K. 
Schwier in Weimar. 

• Katalog27. Bilderhandschriften und illustrierte Bächer. 
Mit 97 Abbildungen und 12 Lichtdrucklafeln. München, 
Jacques Rosenthal. Die Zeiten, dass Antiquariatskatalogc 
nur ephemeren Wert hatten, sind vorbei. 
Wenn auch ihre Bestimmung leider die ist, 
das Ihrige zu thun, die betr. Bibliothek mög- 
lichst nach allen vier Windrichtungen zu zer- 
streuen, schon wegen ihrer sorgfältigen biblio- 
graphischen Bearbeitung, der ihnen beigege- 
benen Faksimiles verdienen sie eine dauernde 
Würdigung. Im vorliegenden Kataloge sind 
zuerst 80 Bilderhandschriften aus dem \2. bis 
zum Is.Jahrhundcrt (im Verkaufspreis von zu- 
sammen 278000 M.), zum Teil mit den prach- 
tigsten Miniaturen und Initialen geziert be- 
schrieben , deren vollendete künstlerische 
Ausführung die Lichtdruck -Reproduktionen 

uns veranschaulichen. Von .Illustrierten 
(nlmlich mit Holzschnitten Büchern 
1000 verzeichnet, darunter Seltenheiten 
Ranges, auf die sich die ansehnliche Anzahl 
von phototypischen Abbildungen beziehen. 
Wir können natürlich auf alle Raritäten nicht 
einzeln aufmerksam machen. Nur Nr. 697 »Ein 
new getruckt model Büchli* u. s. w. (o. o. und 
Drucker) 1529 möchten wir besonders erwäh- 
nen, da dasselbe — in keinem zweiten Exem- 
pllr weiter bekannt auf dem Titel zwei Zel- 
len enthält, die mit der Tewrdancktype ge- 
druckt sind (vergl. nebenstehende Abbildung). 
Sammler, Bibliophilen auch Vorbildersamm- 
lungen, überhaupt alle Freunde der graphi- 
schen Künste, werden bei dem Katalog sicher 
ihre Rechnung finden. 

• Dass die K. /(.Graphische Lehr- and Ver- 
suchsanstatt in Wien hauptsächlich in Folge 
der nie erlahmenden fachkundigen Thätigkeit 
ihres Leiters, auch was ihre materielle Aus- 
stattung und Einrichtung anbetrifft, geradezu 
mustergültig dasteht, ist ja bekannt. Allein 
dass dieselbe in der Lage war, ein sehr statt- 
liches Schriftprobenhuch, das jeder größeren 
Druckerei Ehre machen würde, herausgeben 
zu können, das dürfte doch manchen über- 
raschen. Die verschiedenen Spezialtitel sind 
Schülcrarbcitcn der Buchdruck-Abteilung aus 
den letzten Jahren, die alle Anerkennung ver- 
dienen. 



c 1 * % f 
Xinnerogettucftmo 

nnrtfen jmn t>cr 

((mngam 
gejieii 

ahctfungt)crfc{)cn(iafe 




K«i.k. s 77. *«acA«. Jacqan • 



Mannigfaltiges. 



• Für den Maschinenmeister. Die Fälle, wo der Drucker 
freien Anteil an der Ausstattung von Accidenzen erhält, 
sind selten. Gewöhnlich ist seine Kunst aurgutes Zurichten 



und tadelloses Herausbringen vorgeschriebener Farben- 
töne beschränkt. Obwohl dies Aufgaben sind, die oft nicht 
leichter wiegen als die vorbereitende Thätigkeit des Setzers, 
so ist esdoch wünschenswert, dass dem Drucker gelegenilich 



M 275 SA 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



. w . * ; jt ,sr » » ar . ir aar sr 



Arbeiten zufallen, bei denen er ohne 
einengende Vorschriften ganz aus sich 
heraus schaffen kann. Solche Aufgaben 
liegen im Illustrationsdruck, mehr noch 
im Dreifarbendruck, der ja heute in 
vielen Anstalten des Reiches gepflegt 
wird. Eine besondere Art des Drei- 
farbendruckes ist bei einem Verfahren 
angewendet worden, das die Haus- 
druckerci der Firma Bert hold -Berlin 
kürzlich bei einer ihrer zahlreichen 
russischen Drucksachen mit solchem 
Erfolg versuchte, dass wir uns freuen, 
eine Seite daraus in unserer heutigen 
Beilage wiedergeben zu können. Es 
handelt sich hier um den Druck der 
Farben Gelb, Rot und Blau von einer 
unveränderten Platte oder Form, die 
geschlossen in der Maschine bleibt, und 
bei der nach einem vorgefassten Plane 
gewisse Teile durch Ausschneiden auf 
der Zurichtung im Abdruck ganz fort- 
bleiben, wahrend andere „schmieren", 
d. h. nur leicht mitdrucken. Auf diese 
Weise können verschiedenartige Misch- 
töne, Ähnlich wie beim autotypischen 
Dreifarbendruck, erzielt werden; die Farben herbstlichen 
s, reifer Früchte, briunlicher Ranken lassen sich in 
ligfaltigen Variationen ziemlich richtig herausbringen. 
Das Verfahren kann selbstverständlich keinen Anspruch auf 
große Genauigkeit machen, weil die durch , 




Mctallechnin SM! Turrecnrmata. Mcdltatlones, Alb 
Kstslog Zi, Mänctien, 



manche Teile unbeabsichtigt mitdrucken. Die Farben : 
deshalb in unserer Beilage so matt gehalten, dass die un- 
vermeidlichen Fehler kaum auffallen, jedenfalls nicht unan- 
genehm wirken. Oberginge einer Farbe in die andere sind 
sogar noch schöner zu erzielen als beim herkömmlichen 
Dreifarbendruck, wo das dreifache Netz sandig wirkt und 
oft auch Muster bildet, die nicht in di 



und in Verbindung mit dem schwarzen Textdruck ao fein, 
dass daa Verfahren ernathaft zu nehmen ist und wohl em- 
pfohlen werden kann. S. 

• Die Leitung der Königlichen Akademie für graphische 
Künste und Bachgewerbe in Leipzig hat vertretungsweise 
Herr Professor Seifert übernommen. Der Amtsantritt des 
zum Direktor der Anstalt ernannten Herrn Professor Max 
Seeliger in Berlin erfolgt am I. Oktober d. J. 

* Die neuen Schüleraufnahmen für die Sektion für Buch- 
und Illustrationsgewerbe in dtr K.K. Graphischen Lehr- und 
Versuchsanstalt in Wien VII Hnden am 16., 17. und 18. Sep- 
tember 1. J. wlbrend der Vormittagsstunden in der Direk- 



ea 7. 

Geleitwort an die Mitglieder des Deutschen Buchgewerbe- 
vereint. — Bekanntmachung. — Pflegschaften des Deut- 
schen Buchgewerbevereins. - - Die Mode in den Buch- 
Schriften. Zeichenkünstler im Dienste der graphischen 
Kunst. — Das stindige internationale Verlegerbureau in 
Bern. - Der künstlerische Bucheinband in alter und neuer 
Zeit. - Dr. E. Alberts Reliefklischee in der Praxis. Ober 
deutsche und österreichische Bibliothekzeichen (Exlibris). 

Die chinesisch-japanische Schriftsetzerei in der Deut- 
schen Reichsdruckerei. — Der geplante deutsche Skizzen- 
austausch. — Dr. E. Alberts Klischee-Relief. Aus dem 
Deutschen Buchgewerbeverein. - Patentwesen, neue Er- 
findungen und Verbesserungen. - Verzeichnis von Per- 
sonen und Firmen, die im Juni 1901 dem Deutschen Buch- 
gewerbeverein Schenkungen überwiesen haben. — Aus den 
graphischen Vereinigungen. — Schriftgießerei -Neuheiten. 

Verschiedene Einginge, Zeitschriften- und Bücherschau. 
— Mannigfaltiges. — 12 Beilagen. 




Pnu: M. 12.-. ■•Kr Kreuzband direkt M. 

Lindern M. U.M. Einzelnummern M. I 31. 
Anittgm: Prell der drelgcapsltcnen Petlrzclle oder deren Ravm fQr Jtif- 
fiitdtr des Deutschen Buchges-erbevrrvjns 25 Pf. , für b'lcktmttgtirder 
35 Pf. Stellengesuche für Mitglieder und Nlchtmltgtkdcr IS Pf. für die 
drcigcspsltene Peiiticilc. Betritt vor Abdruck zu zahle«. Ale SW/r 
H 




Brilagr*: Fiir des einfache Quartblatt M. 20.-. ITir daa doppelte M. 30. . 
Gröbere Beilagen unterliegen besonderer Vereinbarung. 

Bar Airrur: Alle den tcttrlk-hcn Teil des .Archiv rsr Buchgewerbe" be- 
treffenden Briefe und Sendungen sind an die Adresse der Schrift- 
leltung: Leipzig, Dtutithr* ßiutte«wtrt*knu% zu richten, den Anzeigen- 
teil betreffende und andere geschäftliche Anfragen u. s. sr. dagegen an 
die CnrM/tiifeHr dri Druficnr« Bachgtwtrrevtrrin. Isaf 



276 



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mm>mMLmMmjmmmfW> ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrjrarjrjrjrjrjr^rarjr 



Die Beilagen, Illustrationen 
und Satzproben zum 7. Heft 
des Archiv für Buchgewerbe. 

Cher da» thataichlichc Resultat de* IV. Inter- 
nationalen Verlegcrkoagrcaae* in Leipzig haben m ir 
■ChM S. 2?J berichtet. Die Portrlta der erachlc 
nrnen r'e*Jgii<*tr in einer Gruppenaufnahme der 
PhatailtuttraluM % Harns Frank* fr Co. in Berlin, 
BftSgM wir n- erster Stelle. Die gar vorzüglich 
Krlungcnr AuintypEe »lammt aua der bekannten 
Kunatanatalt von J. C. Schelter fr Gtetecke, wahrend 
vif den udclli>«n, Muhem Druck den Herren 
Hüchel fr Tre/tt* in Leipsig verdanken. Im gleichen 
Verlag «lad erschienen : die Hlenart>luung, Fent- 
Sanken (Palmcngarten, Lcipntt, Featmahl (Zoolo 
K »eher Ciarien, Berlin) und Gruppe au» dem Hallet- 
Divcnifcfccment .l'aaere Tlachwtlne" a M. 2W. 

Ober die Beilage, den Abdruck eine» uns freund- 
lichst von Herrn Dr. f. Albert In München Uber- 
lataenen IfHlltlM fttlatfl VtfffJ. S.JIB 

Die Buch und Steindruckerei voa Edler fr Krisch* 
m Hannover <rfrxvtt una mit xwel MerkaatllLllho- 
graphien, von Jenen wir heute eine beilegen. Vir 
werden auf beide Im nächsten Heft zurückkommen. 

Die Lichtdrucken! 0. Kuhlen In M. Gladbach 
verdankt ihren weil verbreiteten Ruf unter andern 
dem Dmck •ran lllustrtrlonen zu Galerirkatalogen. 
Auch unsere Beilice. eine tt'aldaceae Im Vinter, 
entstammt einem Milchen. Ihrem Motiv aaeh ab- 
kühlend, ihrer Techalk as?h erwärmend, wird sie 
allen unsern Lesern sicherlich hochwillkommen sein. 

Bei dem jährlichen „Kantateesstn* la Leipzig 
herrscht die löblich« Gepflogenheit, den Teil- 
nehmern ander den materiellen Genüssen auch 
allerhand Reil ruckte Oberrawhungen zu bieten. 
Aach beim diewilhrlgcn war jeder durch die Opfer- 
Willigkeit erster deutscher Kunaunatalicn in den 
Staad gesetzt ein atattllches Packchen mit nach 
Haus zu nehmen. Ohne jemand nahe treten zu 
«alten, die mir lebhaftestem Beifall begriiOfe .Auf- 
merksamkeit" war akher die von der Berliner 
Buehbiuderei Wippen fr Co.. G. ra.b. H-, Berlin SW. 
gespendete HrlefUache mit Kalender, deren reiche, 
vornehm geschmackvolle Innere wie äußere Au* 
stallung dieselbe als ein hochmodernes aber dabei 
doch nicht au fdringlkhe» kunntgew erbliches Meister- 
sitsek erscheinen Hell. Vena wir auch von dem 
hochoriglnellen. künstle riachen Vorsatzpapier In 
dessen Fabrikation diene Firm« besonders brilliert 
xur Zell unsern Lewern noch keine Probe vor- 
führen können, so werden sie una doch zu leb- 
haftem Dank verpflichtet sein, daas wir Ihnen 
einen Einblick In den von N r . Büxen$t*in In be- 
kannter tadelloser Weise gedruckten Kalender ver- 
schaffen. Das eigentliche Kalendarlum iai natürlich 
in Eckmannschrift gedruckt, dem jedesmal ein den 
betr. Monat In *ecr**iivni*tl*cher Auffassung per- 
so«l fixierendes Bild gegenübergestellt Isi. AuOer 
Hamm Anker, dem Schopfer unserer Beilage haben 
mich Max Schluktimg, Hau* Schute* und Albert 
Kunn Ihre Meisterschaft dabei beihiiigi. Vir 
können dieser jungen Firma zu dleaee Glanz- 
leiacung nur gratulieren. 

Die Satzbellagen sind unsern Lesern gewlaa 
willkommen als technisch gute Vorlagen für Satz 
und Druck. 

Einige praktische Arbeilen in dreifarbigem Druck 
vereinigt die Beilage, welche uns die Dr. Huat'teh* 
Druckerei in Mannkeim freundlichst spendete - 
einen Ouartbriefkopf und dir Titelselten zweier 
Festkarten. Für die beiden letzteren w urden Edel- 
Haien von Scheiter fr Oietecke in Leipzig, Eck- 
mannschrift der ßtaJharJ%cken Gkeferei in Offen- 
bach a. M, und eine Musik Vignette von A. Sum 
nch fr Co. In Leipsig zur Verwendung herange- 
zogen, Der Briefkopf weist In seiner Ausführung 



ebenfalls Edelllnlen, verbunden mit gewöhnlicher 
und schmaler halbfetter Romanisch der erstgenann- 
ten Firma auf. Die Farbenwahl dieaea Mu»ter 
hlattes Ist eine awOerst gute. Der Druck verdient 
die Note .«ins*. 

Der biftchdruckeeel Hermann Brick*r in Berlin- 
Friedenau unsere besondere Anerkennung auszu 
sprechen, war schon in dem vorigen Heft unsere 
angenehme Phicht. Diesmal sind wir nieder in 
der angenehmen Lage einen Beitrag, modern in 
Farbe und Papier, dieser rührigen, künstlerisch 
geleiteten Druckerei dankend quittieren zu kennen 
Die Umrahmung dazu entstammt dem Mcitter 
Cht, t emmen. 

Das von den vereinigten Sehrt ftgirDcreien H 
Berlhotd In Berlin und Bauer fr Co. in Stuttgart 
heigegebene Blatt, gesetzt aus der schönen klaren 
.Lateinisch", russische Ausg-ahe, findet ebenso wie 
seine besondere Herstellungsart gerechte V linilguag 
unter dir Rubrik .Für den Maschinenmeister*. 

Schließlich noch zwei Beilagen der Farbenfabrik 
von Berger fr Wirth in Leipzig. Diese beiden 
Produkte. Gcranlum-Karmin konzentriert und blau 
lieh sind von hervorragender Reinheit der Nuance. 



1 vorzüglicher Druckfähigkeil, gmöer Ergiebigkeit 
und sehr guter LicMhckUndlgkclt, in der ale nur 
von «enigrn Farben, wie z. B. den absolut echten 
1 Krapplacken, ubertroffen werden, AI« besonderer 
1 Vorzug kommt, namentlich für Steindruck, in Kr 
trachi,d***Gcraaium Karmin lackierfahtg und auch 
aas »erecht, ela Tonen also voltig ausgeschlossen >*f. 



ünfercife 

finden gute Verbreitung im 

„Hrdiiu für Buchgewerbe". 



BERGER nWlRTH 



Farben 
* Fabriken 

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es« 277 «£> 



««MMMnMMnMMI ARCHIV FÜR BUCHGüWERBB ararjrarjrar.1rjrjr.sr3r 



1 CCHNELLPRESSEN- 
* ^i* FABRIK WORMS 




Gegründ. 1869 

Tclegr.-Adresse: 

Schnellpresse 

Worms. 



Ehrenhard & Gramm, Act.-Gesellschaft, Worms (Rheinhessen). 



5« «N« 




„Special-Schnellpresse*', D. R. G. M. 

mit 4 Schlittenbahnen , doppelseitigem Antrieb des 
Farbewerks, doppelseitige Auffanggabeln des Druck- 
cylindcrs. Doppelcxccntcr und Doppclexcentcr-Zug- 
stange, für feinsten Autotypie- und Chromotypie- 
druck, geeignet für allerschwersten Druck in allen 
Größen. 

Schnellpresse „Siegfried", D. R. G. M. 

4 mit Schlitten- und Eisenbahnbewegung, doppcl- 
seifigem Antrieb des Farbewerks, doppelseitige Auf- 
fanggabeln des Druckcylinders. Doppelexcenter und 
tfp 1 Doppelexcenter-Zugstangcn, für feinen schweren 
Farben-, Accidcnz- u. Werkdruck, in 8 resp. 4 Größen. 



Einfache Schnellpressen 

mit Eiscnbahnbcwcgung, Cylinderflrbung 
zu 2 Auftragwalzen, doppelseitigem Antrieb 
des Farbewerks, für schwersten Farben- 
und Werkdruck, in allen Größen. 

Illustrations-Schnellpressen 

mit üisenbahnbewegung, Cylinderflrbung 
zu 4 Auftragwalzen, doppelseitigem Antrieb 
des Farbewerks, für feinsten Illustrations- 
und Farbendruck, in allen Größen. 

mmm „Wormatia" mmm 

Accidcnz-Schnellpressen mit Eisenbahn- 
bewegung, Cylinderfärbung und Sclbstaus- 
leger, in 8 Größen. 

Universal-Doppelschnellpressen, 
D. R. P. 

zum Drucken «Her Formate für Tabellen, Werk- 
und Zeitungsdruck, in 4 Größen. 



Tür I, 2 und 3 Brach. 

Zweifarben -Maschinen, mm 
mm Transmissions-Anlagen. 



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mit einem Tische für Motorbetrieb, vollständig automatisch arbeitend. * 



mit zwei Tischen 
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Musterdecken und Referenzen stehen zu Diensten. 

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| -p«*. KARL KRAUSE - LEIPZIG. 



278 



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«««««««ot««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrararjrarjrjrjrjrarar 



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Hliä^iL Schriftai«53 «reien. 

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WHRnuns 

nfolcje der vielfachen nadiahmungert unserer )■)! 

£ckmann=Schritt 1 

sehen wir uns genötigt zu erklären, dafj jede 
nachbildung der lEdtmanm*, sei es nun durch 
Zlnkdtjung oder Lithographie oder durch irgend ein anderes 
Oarstellungsperlahren nicht zulässig ist, und dah wir ohne 
Rücksicht gegen solche nachahmungen vorgehen werden.' 
Vollständige Probe der Schritt nebst Schmuck ist erüchlenen! 

RudhardTdie Sle&erel in Offenbadilll 







LEHRER 

für die Kunstgewerbe- 
und Handwerkerschule 
in Magdeburg gesucht. 

Zum I. Oktober d. J. sind an der 
Kunstgewerbe- und Handwerkerschule 
zwei neugeschaffene Lchrcrstcllcn zu 
besetzen. Gesucht werden: 

1. cin Fachlehrer für Buchdrucker 
und Lithographen. Die Jahrcscnt- 
Schädigung betrigt 3300 M. wihrend 
der zweijährigen Probezeit. Da eine 
erste künstlerische Kraft gewonnen 
werden soll, so werden voraussichtlich 
mit dieser Stelle nicht unerhebliche 
Ncbencinnahmcn verbunden sein. 

2. ein Mutterzeichner für die neu zu 
errichtende Schülerinnen -Abteilung 
gegen eine Jahresentschädigung von 
3300 M. wihrend der zweijährigen 
Probezeit. 

Mit der etatsmäßigen Anstellung hei- 
der Lehrer ist der gesetzliche W'oh- 
nungsgdd-Zuschuss und Ansprach auf 
Ruhegehalt, Wittwen- und Waisen Ver- 
sorgung verbunden. 

Nach den Grundsitzen für die Be- 
soldung der festangestellten etatsmiQi- 
gen Lehrer beträgt das Gehalt: 

im Anfang 2700 M. 
nach 3 Dienstjahren 3200 „ 
„ 6 „ 3600 . 

_ 9 . 4000 „ 

„12 . 4400 „ 

. 15 , 4800 , 

neben dem Wohnungsgcld-Zuschuss 
von 060 M. Auswärtige Dienstzeit im 
Lehramte kann eventuell angerechnet 
werden. 

Gesuche sind unter Darlegung des 
Bildungsganges und Beifügung von 
Zeugnissen und Zeichnungen, sowie 
unter Angabe der Gehaltsansprüche 
baldigst an den unterzeichneten Vor- 
stand einzureichen. 

Magdeburg, den 28. Mai 1901. 

Der Vorstand 
der gewerblichen Lehranstalten 
Fischer. 







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Sl.-Gtadbuch, den JO.Juni 1901. 

An die 

Mergenthaler Setzmaschinenfabrik, Berlin. 

Nachdem ich Ihre Zuvi>u<-AsiUcVn-Linotypc- 
Setzmaschine i.Simple\~t über ein halbes jähr 
in Gebrauch und /war in fortwährendem Ge- 
brauch — gehabt habe, freut es mich, nur Gün- 
stiges darüber berichten zu können. Keine 
meiner Erwartungen sind enttäuscht worden. 
Von vornherein gewann ich den liindruck, es 
mit einem Kunstwerk ersten Ranges zu thun zu 
haben. »Kinderkrankheiten- habe ich damit 
nicht durchzumachen gehabt. Von Anfang an 
ging die Arbeit an Ihrer Maschine ihren ste- 
ten Gang. Gute Dienste hat sie mir geleistet, 
sowohl in ihrer Hauptarbeit, bei Herstellung 
der Zeitung und einer Wochenschrift, als auch 
bei Schnelllieferung von Druckschriften und 
dergl. Der Schriftabdruck. namentlich auf bes- 
serem Papier, ist elegant und findet bei meinen 
Kunden Beifall. Eins ist allerdings nötig: 
strenge Befolgung der von Ihrem Instruktor ge- 
gebenen korrekten Anweisungen, vor allem 
aber gewissenhafte Reinlichkeit. 

Hochachtungsvoll 

gez. W. Hüner. 




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Gemischter Satz 
für die Setzmaschine 

naiurlli.il nicht für rede, »nndern ein/ 
.LINOTYPE", Jeron ./« rihuchklahra . 
»teltung Je« elnfach-geminchtrn Sauet, 

ohne Handmatrizen, 
d. h. ohne Zeitverlust 

rmmclichl. Ein Hchcldru-rk im Samm<l*vhlitlen genügt, um 
rinrn Buchstaben., eine Silbe» c*ntc Worte oder ginrc Zeilen 
in Fettdruck hcr*t.<irruhebcn ; 

ohne Raumverschwendung, 

Jean der remi»cMr Sm der .LINOTYPE* lauft am Lei* Hur 
hreirer ni, geaohnlirheT. wohl aber erheblich »cnmaler aK ge- 
sperrter SM!, Zacibuchatahenaarr IM gleich verwendbar and 



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in Zeitungssatz, Adressensatz, 
Werksatz. 

V ir sind gern bereit, au eingesandte Arbelten auf deren 
Hcratellharkelt dur;h die _Z»eibuch»l«ben ■ LINOTYPE- >u 
prüfen und verlangte dleaheiugllche Kalkulationen umgehend 
auszuführen, denn uns neuen si nutcnJe Erfahrungen zahl 
reicher Ue<nter von .ZnelhuchsUben LINOTYPES* herein 
tu (Schote. Eft iat nämlich 

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data, obwohl vir untere erate .Zvelhachitahen LINOTYPE* 
v -t kaum Jahresfrlat auf dea Markt brachten, wir iainlacben 
über 

zweihundert „Zweibuchstaben- 
LINOTYPES" 

verkauft aad »um groBlen Teile hereil» geliefert haben, «uOer 
rund 40 Z»eihuch»fahcn Einrichtungen. die nachträglich an be- 
reit» vorhandene Einbochstabca-Linoltpe» angebracht aerden 
musalcn , nachdem »Ich unsere vereheten Abnehmer von dem 

enormen Vorteil der „Zweibuch- 
staben LINOTYPE" 

überzeugt hatten, der »ich für alle nur denkbaren gemischten 
►hne »eitere« und unbedingt crglcbt. Sehen Sie die 
«ftd Textspalten unserer ersten Zeitungen und Zell- 
in Nord und Sud. O*. und Wen, sehen Sie die 
von Llnofyfeaat/ Vi erkbanden , die seitdem die 



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schritten 
Hunderte 
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Zeugal»heft mit ausführlicher Rcfrrcnrliar* . sowie un»ere 
Schnfiprobeahcfle, die iedern Reflektanten auf Anfrage grati» 



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vollkommenste, leistungsfähigste und ren- 
tabelste Setzmaschine der Welt. Die Zahl 
der tagtäglich benutzten „LINOTYPES' 4 
übersteigt die Zahl derjenigen alter anderen 
Setzmaschinen - Systeme zusamti 
men um Uber das Zehnfache. 



Mergenthaler 

Setzmaschinen-Fabrik 

Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 

BERLIN N. 4 Cn.ia.aee».«!!, Nr. 17 18. 



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<M<*fc«,«.*(.*fc«.<«,*C,<K*e. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




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Oründung der firma 
im Jaljrc 1833 



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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein. — Verantwortl. Schriftleiter: Hans von Weißenbach. 
Druck: Breitkopf & Härtel. Sämtlich in Leipzig. 

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3«ies; *'Qr.i*ie^:'rtrjiN4 wird kofrenfrelerleiitdurdi die 3e[*flftsO-?ned«sO«yri(f.inBa*9ewtrbwerelni 

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BESRünDGT pon aiiexanoeR whudow . BGRausseGeBen vom 

oeuTSBen BU<sseweRBeueRem 




38. BHI1D 



Bekanntmachung. 



In den Deutschen Buchgewerbeverein zu Leipzig 
aufgenommen worden: 

1. Eugen Twietmeyer, Buchhändler, Leipzig. 15. 

2. Gustav Herrmann, i. Fa. Rödiger & Quarch, 
Leipzig. 16. 

3. Geh. Hofrat Dr. Carl Lampe -Vischer, Rasch- 
witz-Ötzsch b. Leipzig. 17. 

4. Desire Zilahi, Direktor-Stellvertreter des Bu- 18. 
dapesti Hirlap, Budapest. 

5. Carl Leszik, Buchbinderei, Budapest. 10. 
0. Dr. Ludwig Gero, General-Direktor derBuch- 

drucker A.-G. „Pallas", Budapest. 20. 
7. Hofrat Gustav R. v. Emich, General-Direktor 

des „Athenaeum", Budapest. 21. 
H. Ge"za Horväth, Direktor der Fa. Konyves 

Kaiman, Budapest. 22. 

9. Richard Molling, i. Fa. A. Molling & Co., 23. 
Kommandit-Gesellschaft, Hannover. 

10. Kommerzicnrat Edmund Schmidt, Alten- 24. 
bürg, S.-A. 

11. Julius Meyer, i.Fa. H.Meyer's Buchdruckerei, 25. 
Halberstadt. 26. 
Otto Lychenheim, i. Fa. Werner & Hörnig, 
Lübeck. 27. 
Hermann Scheibler, i.Fa.Fabritius & Sonner, 
Christiania. 28. 

14. Carl Steinseifer, Buchdruckereibesitzer, Let- 29. 
mathe. 



12 



13 



sind im Monat Juli 1901 folgende Mitglieder 

Alfred Sparbert, i. Fa. Dresdener Schnell- 
pressenfabrik, Dresden-Coswig. 
Wilhelm Bessel, i. Fa. W. Bessel & Co., 
St. Petersburg. 

Eugen Revai, i. Fa. Gebr. Revai, Budapest. 
Julius Benkö, Direktor des Franklin- Vereins, 
Budapest. 

D. Hühn, i. Fa. Ernst Hühn, Hofbuchhand- 
lung, Kassel. 

Adolph Winser jun., i. Fa. A. Winser, Buch- 
druckerei und Verlag, Berlin. 
Johannes Dienz, Direktor von Carl Flem- 
mings Verlag, Glogau. 
0. Edler, i. Fa. Edler & Krische, Hannover. 
Paul Schelosky, Direktor der Verlagsanstalt 
vorm. G. J. Manz, München. 
Wilhelm Karras, i. Fa. Ehrhardt Karras, 
Halle a.S. 

Johann Pabst, Buchdrucker, Wien. 

Karl Hahn, i. Hause Rudhardsche Gießerei, 

Offenbach a. M. 

Emil Schirmer, Korrespondent i. Hause Rud- 
hardsche Gießerei, Offenbach a. M. 
Albin Maria Watzulik, Altenburg, S.-A. 
C. Wagner, i. Fa. C. Wagner'sche Buchhand- 
lung, Schwiebus. 



285 ift 



37 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arjrararararjrjrararjr 



30. Dr. Allmers, i.Fa. Ad. Allmers, Buchdruckerei, 
Varel. 

31. August Schuler, Chemigraph. Kunstanstalt, 
Stuttgart. 

32. Carl Lauser, Geschäftsbücherfabrik, 
Stuttgart. 

33. Gustav Fuchs, Buchdruckereibes., Danzig. 

34. William Meinhold, i. Fa. C. C. Mcinhold & 
Söhne, Königl. Hof-Buchdruckerei, Dresden. 

35. Ansgar Schoppmeyer, Privatdozent an der 



Königl. Technischen Hochschule, Schöneberg 
b. Berlin. 

36. Carl Max Müller, i.Fa. T. E.Wachsmuth, 
Leipzig. 

37. Hermann Costenoble, i. Fa. Hermann Coste- 
noble, Verlagsbuchhandlung, Jena. 

38. Alfr. Wagner, i. Fa. R. Wagner, Buchdruk- 
kerci, Weimar. 

39. Kais. Rat Jg. Burkart, i. Fa. W.Burkart, Buch- 
druckerei, Brünn. 



Leipzig, den 31. Juli 1901. 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Arthur Wotrnltin, Getchlftsführer. 



Die moderne Illustration. 

Von JOSEPH PENNELL. 



OBGLEICH die schönsten Bücher, die 
deutsche Pressen erzeugten, zu Leb- 
zeiten Dürers erschienen, so blieb dessen 
Thätigkeit als Illustrator doch merkwürdig be- 
schränkt, wenn man die Masse von Arbeiten, die 
er in Schwarz und Weiß geliefert hat, in Betracht 
zieht. Er illustrierte nicht mehr als drei oder 
vier Bücher, und von diesen ist nur das Gebet- 
buchMaximilians völlig ausgearbeitet. Die großen 
Italiener haben nie etwas von Bedeutung geschaf- 
fen, wenn wirßotticWZ/s Zeichnungen ausnehmen, 
die nie vollendet wurden. Velasquez hat nichts 
hinterlassen, ebensowenig Rembrandt. Einige 
wenige Skizzen von Rubens fürTitelblätter werden 
in Antwerpen aufbewahrt. Dürers mannigfaltige 
dekorative Entwürfe haben sich als eine wahre 
Fundgrube erwiesen, aus der die untergeordneten 
Künstler die größten Spitzbuben, die wir haben 
noch immer schöpfen, die dann recht be- 
trachtet unrichtig und ungerecht als große 
Illustratoren gepriesen werden. Dürers graphi- 
sche Kunsterzeugnisse wurden in Wirklichkeit 
als Einzelblätter oder als Bildermappen, obgleich 
ein wenig Text dabei war, verkauft, aber nicht 
als illustrierte Bücher. So war es auch mit den 
Zeichnungen von Rubens, während Rembrandts 
Radierungen alle einzeln veröffentlicht wurden. 
Holbein ist fast die einzige Ausnahme, welche 
die Regel bestätigt, dass die großen Künstler der 
Vergangenheit nicht Bücherillustratoren waren. 



Ebenso ging es mit den Werken der älteren Ita- 
liener. Nur an einem der schönsten Bücher, der 
Hypnerotomachia, war ein großer Künstler thätig, 
dessen Namen nirgends genannt ist. 

Dafür, dass die bekanntesten Künstler nicht die 
bedeutenden Bücher ihrer Zeit illustriert haben, 
lassen sich, wie es scheint, zwei Hauptgründe 
anführen. Zunächst ist es ziemlich sicher, dass 
der Holzschneider, wenn er überhaupt Erfolg, 
einen Namen hatte, der Inhaber einer großen 
Werkstatt war, in der der Künstler wie der eigent- 
liche Formschneider nur notwendige Übel waren. 
Der Eigentümer nahm ohne Zweifel für sich alle 
Ehre und wahrscheinlich auch den Löwenanteil 
des Gewinnes in Anspruch. Der zweite Grund 
aber, warum ein großer Künstler wie Dürer keine 
Bücher illustrierte, liegt wahrscheinlich darin, 
dass die Zeichnungen nicht anständig bezahlt und 
dass sie verschnitten wurden. Alle Holzschnitte, 
die nicht unter der unmittelbaren Aufsicht oder 
dem Einflüsse Dürers entstanden sind, sind nicht 
allein durchaus charakterlos in der Linie, sondern 
man findet auch nicht ein einziges gedrucktes 
Buch der früheren Zeit, in dem die Illustrationen 
anständig gedruckt sind. Kaum in einem kommt 
ein solides Schwarz vor (einige Drucke Ratdolts 
sind auszunehmen). 

Wenn man diese Thatsachen in Betracht zieht 
die von einer kleinen Gesellschaft von Künstlern 
sorgfältig ignoriert werden und den gewöhnlichen 



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Kritikern und Autoritäten in Sachen der frühen 
Drucke natürlich vollständig unbekannt sind, so 
werden uns zwei Dinge klar: Erstens, dass die 
großen Künstler der Vergangenheit nicht illu- 
strierten; zweitens, dass sie es nicht thaten, weil 
ihre Zeichnungen weder anständig geschnitten 
noch gedruckt wurden. 

Als Bewick, Stothard und Blake auftraten, war 
der Zustand der Illustration in England auf seiner 
tiefsten Stufe. Es gab eine wahre Revolution, als 
Gays Fabeln, die Allgemeine Geschichte der Vier- 
füßler und die Britischen Land- und Wasservögel 
herauskamen, alle mit Bewicks Holzschnitten 
illustriert. Es kann nicht oft genug wiederholt 
werden, dass Bewick kein bloßer Holzschneider 
war, der die Arbeiten anderer Leute übertrug, 
die er nur halb verstand und würdigen konnte. 
Er that für sich selber das, was den neuen mecha- 
nischen Reproduktionsverfahren beinahe gelingt 
für die heutigen Illustratoren zu thun. Für 
ihn gab es weder Schwierigkeiten noch den 
Jammer des Zeichners, der seine Entwürfe 
auf den Stock gezeichnet hat und sie nun 
rücksichtslos verdorben sieht durch einen 
unfähigen oder leichtfertigen Holzschneider, 
und der dann nichts übrig behielt als den 
Abdruck, dem man nicht ansehen konnte, 
was für eine elende Karikatur der ur- 
sprünglichen Zeichnung er in Wirklichkeit 
war. Der wichtigste Erfolg Bewicks war 
aber die Entstehung einer Schule ausge- 
zeichneter Holzschneider in England: 
Clennell, Branston, Harvey und Sesbit, die 
Thompsons, die Williams und Orrümith. 
Diese Holzschneider versuchten anfangs 
dieselbe An von Arbeiten hervorzubringen, 
welche heute von der sogen, amerikanischen 
Holzschneiderschule gemacht werden. Man 
braucht nur Stothards Illustrationen zu Ro- 
gers Foems anzusehen, die von Clennell 
geschnitten sind, um ein Beispiel des Fak- 
similcholzschnittes nach Federzeichnung zu 
haben. Aber für gewöhnlich bemühten sich 

diese Leute, die Eigentümlichkeiten des 
Stahlstiches oder der Radierung nachzuah- 
men, weil Stahl- oder Kupferstiche in den 
vielen Taschenbüchern, Almanachs und Al- 
bums eine kolossale Popularität genossen; 
sodann, weil sie genötigt waren, vorzugs- 
weise alte Stiche zu kopieren, da es selbst 
nur wenige Künstler verstanden auf Holz zu 
zeichnen. 



Mit Bewick trat eine wunderbare Wandlung 
ein ; es wurde möglich, mit Feder, Stift oder Pinsel 
auf die weißgetönte Stirnfläche eines Buxbaum- 
stockes ein Bild zu zeichnen oder malen, welches 
von dem Holzschneider mit absoluter Treue ge- 
schnitten werden konnte. Die Holzschneider zu 
Bewicks Zeit und bis 1835 waren echte Kunst- 
Handwerker, welche wussten, dass es ihre Auf- 
gabe war, die Zeichnung des Künstlers so genau 
als möglich zu schneiden, denn was die letzteren 
verlangten, war ein genaues Faksimile ihrer Ar- 
beit aber keine Unterschiebung des Holzschnei- 
ders. In den fünfziger Jahren war der Künstler 
indes entweder ganz gleichgültig gegen die Art 
und Weise, wie seine Arbeit ausgeführt wurde, 
geworden, oder er stand ganz in der Gewalt des 
Holzschneiders. Sein ganzer Stil, all seine Eigen- 
tümlichkeit wurde dem Interesse des Geschäftes 
geopfert, mit dessen Firma versehen die Holz- 




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Gatt. Dort. Au»: L'Eipaurr. H«li*chnilt von Brünier. 
Am: Pennetl. Moderne tlluMratmn. Verlag » im Hrrmann .Wmjnn Haehfotgfr in Ltiftiz- 



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mmwwmmmmmrmm, Archiv für bichgfwi rbf jt.it jr^>.w-.tr.sr 



schnitte nachher in die Welt gingen. Der Inhaber 
der Finna, dessen Signatur sie trugen, hatte nicht 
einen Strich daran gethan. Seihst ein Mann von 
so starker Individualität wie Charit* Kcenc wurde 
dadurch völlig gehrochen, obgleich es ihm viel- 
leicht nicht zum Bewusstsein gekommen ist. Es 
musste so gezeichnet werden, dass die Holz- 
schnitte die wenigste Zeit, Mühe und Ausgabe 
verursachten. 

Die Kunst des Holzschnitts war im Begriff' in 
den Klauen des Holzschneiders zu sterben, als 
ihr ein ganz kunstloser Prozess zu Hilfe kam. 
Denn in diesem kritischen Augenblick wurde ent- 
deckt, dass man eine Zeichnung in jeder Technik, 
auf jedem Material, in jeder Größe (soweit sie 
in richtigen Verhaltnissen blieb), auf den licht- 
empfindlich gemachten Holzstock in umgekehrter 
Lage photographieren könne Die Wichtigkeit 
dieser Entdeckung ist einleuchtend, denn vorher 




il M t i . ./ ..Fertig zum Aumreifen." H"l'»ihnttt von f. Colt. 
Aui dem Century Mag«*)». Au«: Ptuntlt. Moderne lllustratitin. 
VerUc v "n Hrrmtnn &MMMI Sdi-hfolfer In L*tp:ig. 



musste der arme Künstler sein Bild, das rettungs- 
los zerstört wurde, genau in der Größe des künf- 
tigen Holzschnittes zeichnen, und selbst um- 
kehren. Bei Anwendung der Photographie konnte 
die Zeichnung in jeder beliebigen Größe herge- 
stellt werden; sie wurde mechanisch umgekehrt, 
das Original blieb erhalten und der Künstler war 
frei. Damit verschwand der Holzhacker, der 
Mann, der selbst keinen Strich zeichnen konnte 
und doch am liebsten behauptet hätte, seine me- 
chanischen, mit Lineal oder Stichel hergestellten 
Linien seien wertvoller als die des Künstlers, und 
der keinen Augenblick zögerte, die ganze Kom- 
position umzugestalten, wenn sie ihm nicht gefiel. 
An seiner Stelle erhob sich die neueste Schule 
des Holzschnitts, deren Arbeiten wenigstens 
immer korrigiert werden konnten, da das Ori- 
ginal erhallen blieb. 

Die Ursache der Lntwickelung der modernen 
Illustration zu erkennen ist nicht schwer. Die 
Verwendung der Photographie bei der Illu- 
stration der Bücher und Zeitschriften stellte 
die Illustrationskunst auf einen ganz neuen 
Boden. Wie die Erfindung des Buchdruckes 
der Illustration den ersten bedeutenden An- 
stoß gab, so empfing sie ganz sicher den 
zweiten, viel mächtigeren durch die Erfin- 
dung der Photographie. Der Abstand zwi- 
schen den frühen illuminierten Manuskrip- 
ten und Hulbt ins Totentanz ist sicher nicht 
größer als derjenige zwischen den Taschen- 
büchern und Almanachs und den illustrier- 
ten Zeitschriften wie z.B. Century Magazine 
und The Graphic. 

Die Daseinsbedingungen haben sich voll- 
ständig geändert. Man hat sowohl größere 

Leichtigkeit in der Wiedergabe, größere 
Schnelligkeit und größere Arbcitsersparnis 
erreicht, wie auch größere Freiheit für den 
Künstler und größere Treue bei der Nachbil- 
dung seiner Zeichnungen. Infolge davon hat 
die Illustration an Beliebtheit gewonnen, denn 
die verhältnismäßige Billigkeit der Herstel- 
lung hat sie dem Volke erreichbar gemacht, 
das von jeher Freude an der Kunst gehabt 
hat, von den Tagen an, wo alles Schreiben 
noch ein Bildermalen war. Sie hat aber auch 

künstlerisch gewonnen, da die Treue der 
Wiedergabe jetzt manchen genialen oder be- 
deutenden Künstler bewogen hat, sich ganz 
der Schwarz- Weiß-Kunst zu widmen. Wenn 
somit die Popularität auf der einen Seite die 



I 288 1 




Dreifarben -Autotypie von Meisenbneh Riffarth tV Co., Leipzig. 
Beilage rum Archiv für Buchgewerbe. Druck von Hugo Münstcrm.inn, Hannover. 



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mmmmmmmmmmm archiv für Buchgewerbe jrjrar^jrjrjrjrjr.sr,* 



Illustrationskunst zu entwürdigen droht, indem 
erwerbsgierige Verleger und thörichte Heraus- 
geber die Welt mit billigen, schlecht illustrierten 
Büchern und Zeitschriften überschwemmen, so 
verspricht andererseits der künstlerische Gewinn 




Thomm Swlurj. Am 
Holiwkaltl von Clntult. A« 
VtrUf von Htrmaa» Sttmanm 



(London. Cdtlll. 
trne lllunn 



ihre Rettung zu sein, denn selbst zu Dürem 
Zeiten ist kein so großer Prozentsatz wirklich 
guter Arbeiten erschienen. 

Vom Standpunkt des Holzschneiders giebt es 
nichts Eintönigeres als die mechanische Repro- 
duktion. Deren Bestreben ist, wie das einiger 
der besten Holzschneider, die Tusch- oder Farben- 
wirkung aufs treueste wiederzugeben, ihr liegt 
an der Wiedergabe der Zeichnung selbst, und das 
ist in den meisten Fällen gerade das, was der 
Künstlcrwünscht, welcher naturgemäß die genau- 
este Wiedergabe seiner Zeichnung der Auslegung 





vorzieht, die ihr ein anderer giebt. An einer 
Mittelsperson, einem Dolmetscher liegt ihm nichts. 
Diesen vernünftigen Wunsch beginnt die mecha- 
nische Reproduktion zu erfüllen. Gegen die Auto- 
typie wird der Einwand erhoben, dass nament- 
lich bei großen Reproduktionen das Muster des 
Rasters einen mechanischen Eindruck hervor- 



bringt, der guten Holzschnitten fehlt, denn bei 
diesen bringen die mit dem Stichel gezogenen 
Linien Abwechslung hinein. Ausschlaggebend ist 
aber, dass selbst der beste Holzschneider, der 
eine Tonzeichnung zu schneiden hat, genötigt ist, 
diesen Ton durch Linien und Punkte wieder- 
zugeben, also in der That statt der Fläche Linien 
zu geben, die ursprünglich nicht vorhanden sind. 
Wenn es ihm auch gelingt, die wirklichen Werte 
des Originals wiederzugeben, so hat er doch das 
ursprüngliche Aussehen der Arbeit vollständig 
verändert. Man wirft der Autotypie (dem Netz- 
druckverfahren) vor, dass sie nur ein mecha- 
nischer Notbehelf sei. Aber es ist doch klar, dass 
der Holzschnitt als 
Wiedergabe getusch- 
ter Zeichnungen 
noch weit mehr ein 

Notbehelf ist. Es 
giebt keine Möglich- 
keit, Töne im Holz- 
schnitt wiederzuge- 
ben, ja selbst die 
Wiedergabe eines 
Striches auf dem 
Stock erfordert zwei 
Striche mit dem Sti- 
chel, während das 
mechanische Ver- 
fahren ihn auf ein- 
mal wiedergiebt. Mir 
scheint danach, dass 
die Einwände, die 
gegen die mecha- 
nischenVerfahren 

gerichtet werden, weit eher auf den Holz- 
schnitt passen. Jetzt, wo der Holzschnitt zur 
Übertragung aller und jeder Art von Zeich- 
nungen verwandt wird, ist er ganz aus seinen 
natürlichen Grenzen herausgetreten. Fast alles 
kann mit Holzstock und Stichel erreicht wer- 
den, aber es muss doch einleuchten, dass ein 
großer Abstand ist zwischen dem, was mög- 
licherweise erreicht werden kann, und dem, 
was vernünftigerweise erstrebt werden sollte. 
Der Holzschneider ist genötigt, sein Ich zu unter- 
drücken und auszulöschen, seine einzige Aufgabe 
ist, das Original getreu zu übertragen, so viel als 
möglich von der Eigenart des Künstlers zu er- 
halten und so wenig wie möglich von seiner 
eigenen dazu zu thun. Dass dies für viele äußerst 
drückend und verbitternd ist, ist einleuchtend. 



William H*rv#y. 
Holzschnitt atch 0. R. HuvJon. DrnMfus. 
Aufcfrchaitt. Au«: PrnntU , Moderne 
llliiUfftiiftfi. Verlag voi Hermanm Stt- 



mcx'K'K'K'K'Kii'K'K ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrarjrjrjrjrararararjr 



Aber es ist thöricht, sich dagegen aufzulehnen; 
es ist für den Holzschneider ebenso unverant- 
wortlich, sich mit dem Original des Künstlers 
Freiheiten zu erlauben, wie für einen Heraus- 
geber, das Manuskript eines Schriftstellers zu 
ändern, nachdem derselbe die letzte Korrektur 
aus den Händen gegeben hat. 

Während der letzten drei Viertel des vorigen 
Jahrhunderts ist die deutsche Illustration aus- 
schließlich von Menzel beherrscht worden. Er 
war nicht allein der führende Geist in seinem 
eigenen Lande, ob er nun ursprünglich von Meis- 
sonier beeinfiusst war oder nicht, sondern er 
selbst beeinHusste dieganze Weltderlllustratoren. 
Seine Zeichnungen wurden von den Künstlern 




(j. lt. Srrnomr. Au«; TbC nusa/inc uf Irl jLontloa, CnftncMr. 
Ptnnrlt, Modern« Itluttraiio«. Verlif von Htrmann Stemjn* Sti€kfolgrr 
In Lfiptig. 



mit Entzücken und Beifall begrüßt, wo immer sie 
gezeigt wurden. Und, was das Interessanteste ist, 
er hat sich sein Leben lang als ein Mann gezeigt, 
der vollkommen fähig war, sich jedem Wechsel 
und jeder Entwicklung, die die Reproduktions- 
verfahren und der Druck erfahren haben, anzu- 
passen. Mit der Lithographie beginnend, zeich- 
nete er die große Folge von Uniformen der Sol- 
daten Friedrichs des Großen. Dann wandte er 
sich zum Zeichnen auf Holz und führte den 
ausgezeichneten Faksimileholzschnitt in seinem 
Vaterlande ein, indem er bei den Zeichnungen zu 
den Werken Friedrichs des Großen sich die Holz- 
schneider Un:elmann, Bentworth und die Vogels 
selbst heranbildete. Später zeichnete er in viel 
kühnerer und flottererManier die Illustratio- 
nen zu dem zerbrochenen Kruge, die frei in 
Holzschnitt von Käseberg und Oertel wie- 
dergegeben wurden. Und jetzt hat er seine 
schönen Bleistift- und Kreidezeichnungen 
so einncrichtet, dass sie durch die photo- 
mechanischen Reproduktions-Verfahren 
vollständig getreu wiedergegeben werden. 
Er ist auch der Mann, der es vollkommen 
einsieht, dass wir in der Kunst nie an ein 
Ende kommen, und dass wir, wenn wir nicht 
unablässig vorwärts streben und nach Ver- 
vollkommnung ringen, sehr leicht selber ein 
Linde nehmen können. 

Vor fünfundzwanzig Jahren, zu der Zeit, 
als in England thatsächlich die besten Ar- 
beiten gemacht wurden, wurde in Amerika 
nichts Nennenswertes hervorgebracht. Erst 
das Jahr der Centennial- Ausstellung 187fi 
setzte die amerikanischen Künstler, Xylo- 
graphen, Drucker und Verleger in stand, 
sich von dem, was in Europa geleistet wurde, 
einen Begriff zu machen. Zu derselben Zeit 
kehrte eine glänzende Schar junger Männer, 
die im Auslande studiert hatten, nach New- 
York zurück. Ihrer Rückkehr und der För- 
derung, welche ihnen intelligente und weit- 
blickende Verleger gewährten, sowie den 
Künstlern und Holzschneidern, die schon 
in Amerika auf Beschäftigung harrten, ist 
es zu danken, dass sich die amerikanische 
Holzschnittschule.wie sie jetzt genannt wird, 
zugleich mit der amerikanischen Illustration 
und dem Buchdruck entwickelte. Die Art 
aber, wie sie sich entfaltete ist höchst inter- 
essant und rechtfertigt eine eingehendere 
Besprechung. (Schiuss folgt.) 



ea» 290 «ft 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrjrar^rjrjr 




I. Allgemeines. 

IN dem Worte „Kunst - Handwerk" 
sind zwei Begriffe zu einem verbunden, die 
einander ausschließen. Denn die Kunst ist 
kein Handwerk und das Handwerk ist keineKunst. 
Zweck und Ziel der Kunst ist das Schöne, des 
Handwerks das Nützliche. Schönheit ist prak- 
tisch ohne jeden Nutzen, und das Praktisch-Nütz- 
liche braucht nicht schön zu sein, um seinen 
Zweck auf das vollkommenste zu erfüllen. 

Trotz dieser Ausschließlichkeit ihrer Bedeu- 
tungen liebt es die deutsche Sprache, aus zwei 
solchen Worten ein drittes zu bilden, weil sie die 
Fähigkeit besitzt, diese Worte durch ihre ganz 
äußerliche und unveränderte Zusammenfügung 
in eine grammatische Beziehung zu setzen, die 
das Verhältnis des einen zum anderen näher be- 
stimmt. Dieses Verhältnis kann je nach Art und 
Bedeutung der Worte ein sehr verschiedenes sein. 
In dem Ausdruck „Kunst-Handwerk" nun ist das 
Verhältnis, in das die Kunst zum Handwerk ge- 
bracht wird, ein lokatives, örtliches, d. h. es kann 
und soll die Kunst an den vom Handwerk er- 
zeugten Gebrauchsgegenständen örtlich und 
äußerlich zur Erscheinung gebracht werden, ohne 
ihre praktische Zweckdienlichkeit zu beeinträch- 
tigen und zu beschränken. Denn das Praktische, 
dem besonderen Zweck Dienende, dessentwegen 
sie erfunden wurden und gemacht werden, ist bei 
ihnen das allein Wesentliche und Wichtige, die 
künstlerische Form und Zuthat hingegen stets das 
Unwesentliche, Unwichtige und darum Unter- 

Anmerkang der Schriftleitung. Obwohl das „Archiv für 
Buchgewerbe" es als seine Hauptaufgabe betrachtet, in 
Text und Illustration für die Förderung der neuzeitlichen 
künstlerischen Bestrebungen aur allen buchgewcrblichcn 
Gebieten als Vorkämpfer einzutreten, glaubt es doch als 
völlig unparteiisches Fachblatt auch einen von etwas ande- 
rem Standpunkt aus geschriebenen Aufsatz zum Abdruck 
bringen zu sollen, zumal ja die neueren Bestrebungen das 
gute Alte in jeder Weise anerkennen. 



geordnete. Wo dieses natürliche, weil 
durch die Begriffe von Kunst und Hand- 
werk bestimmte Verhältnis gestört, die Schönheit 
auf Kosten, also zum Schaden der Nützlichkeit 
erstrebt wird, da verfehlen beide ihren Zweck, 
die Kunst, weil sie einen Gegenstand zu ihrem 
Vorwurf erwählt, der ihr nicht erlaubt, die Schön- 
heit nach ihren Gesetzen zu entfalten, da er nicht 
Träger einer künstlerischen Idee ist, das Hand- 
werk, weil es der Erfüllung seiner auf die Nütz- 
lichkeit und das Praktische gerichteten Aufgabe 
um eines ihm fremden Zweckes willen entsagt. 

Was nun vom Kunst-Handwerk im allgemeinen 
gilt, das gilt selbstverständlich auch von der 
Kunst-Typographie im besonderen. Denn die Ty- 
pographie ist ihrem Wesen nach ein Handwerk 
so gut wie die Schmiedekunst, die Kochkunst und 
die Gartenbaukunst. Darüber darf man sich nicht 
täuschen. Eine Kunst nannte man im Mittelalter 
jede praktische Berufsthätigkeit, deren kunst- 
gerechte Ausübung gewisse ihr eigentümliche 
Kenntnisse und Fertigkeiten verlangte. Und wie 
man schon das Schreiben eine Kunst (ars scri- 
bendi) genannt hatte, so ehrte man gleichermaßen 
die große Erfindung des Druckens mit gegossenen 
Lettern, die das Schreiben ersetzte, mit diesem 
Titel und nannte sieBuchdruckerfcunst (ars impri- 
mendi). Auf den Titel einer Kunst im höheren 
Sinne hat dleTypographle darum keinen größeren 
Anspruch als irgend ein ähnliches Gewerbe. 

Diese kurze allgemeine Kennzeichnung der 
Typographie und ihrer Stellung zurKunst ist mir 
nicht überflüssig erschienen, da Künstler und 
Kunstgelehrte jetzt auch auf sie und den ganzen 
Umkreis ihrer Erzeugnisse einen beherrschenden 
Einfluss zu nehmen beginnen und ganz natur- 
gemäß von ihrem Standpunkte aus, wenn sie sich 
mit der Kunst-Typographie beschäftigen, auf den 
ersten Teil des Wortes einen stärkeren Ton zu 
legen geneigt sind, als auf den letzten. Künstler 



291 



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und Kunstgclchrtc interessiert ja selbstverständ- 
lich die Typographie nicht an sich, sondern ihre 
Fähigkeit, künstlerische Formen und Zuthaten an- 






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Abb. 1. I»li»lxht Huiittchrin r«m Jahr* UM, 

und aufzunehmen, nicht dieTechnik, sondern das 
Ornament. Wie bei den Erzeugnissen der übri- 
gen Handwerke, wollen sie auch bei denen der 
Typographie zu ihrer Nützlichkeit die gefällige 
künstlerische Form und Zier noch hinzufügen, sie 
auch äußerlich als einen Bestandteil unserer Kul- 
tur, unserer Sitten, Lebens- 
anschauungen und Bedürf- 
nisse kennzeichnen. Und in- 
sofern betrachten sie dieTy- 

pographie als ein für die 
Kunst und zwar für die mo- 
derne Kunst zu eroberndes 
Gebiet. Diesemoderne Kunst 
zielt nun in allem auf dekora- 
tive Wirkungen. Ihre Motive 
entnimmt sie vornehmlich 
englischen, japanischen und 

altdeutschen Vorbildern. 
Möbel, Teppiche, Tapeten, 
Bilder. Ofen, Lampen, Gläser 
u. s. w. sind schon diesem 
neuen dekorativen Stil ange- 
passt worden. Auf die Er- 
zeugnisse der Typographie 
soll ja dieser dekorative Stil 
zur Zeit ebenfalls übertragen 



werden, und nicht bloß auf die Accidenzen, son- 
dern auch auf das Buch. Auch im und am Buche 
soll alles, Großes und Kleines, Schrift, Papier, 
Druck, Ornament und Ein- 
band in Form und Farbe aus 
dem Gesichtspunkte dieses 
neuen dekorativen Stils um- 
geschaffen und zu einer ein- 
heitlichen dekorativen Wir- 
kung ineinander gefügt 
werden. Und es soll hinfort 
nicht mehr der Typograph, 
sondern der Künstler den 
Plan des Buchgebäudes ent- 
werfen und seine Ausführung 
bis ins kleinste vorzeichnen 
und richten. Etwa wie der 
Architekt außer dem Grund- 
riss und Aufriss eines Ge- 
bäudes, einer Kirche oder 
eines Palastes,auch alles, was 

Steinmetz, Tischler und 
Schlosser, Stuckateur, Maler 
und Dekorateur zu seiner 
äußeren und inneren Aus- 
schmückung zu thun haben, selbst entwirft und 
bestimmt. Freilich ist der Künstler nicht Archi- 
tekt, aber er ist auch nicht Typograph. Auch die 
Typographie besitzt eine gewisse Tektonik, denn 
auch im Buche baut sich alles folgerichtig auf 
auf einem festen Grundriss nach ihm eigentüm- 



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Abb. 2. Druuuhc Hanilt.-krlfl ilt* 14. Jahrhundert». 



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liehen, logischen und künstlerischen Gesetzen. 
Diese Tektonik und diese Gesetze muss der 
Künstler wie der Typograph genau kennen und 
beherrschen, wenn er nicht beständig Gefahr 
laufen will, sie zu verletzen. Sie kennen zu lernen, 
giebt es nur einen Weg, den der Geschichte. 
• 

Welche Absicht verfolgte man bei der Erfindung 
des Buches, was war sein Zweck? Auf diese erste 
Frage, mit der die Geschichte des Buches beginnt, 
kann man sicher und bestimmt antworten: man 
beabsichtigte die darin niedergelegten Gedanken 
des Verfassers anderen vollständig, genau und 
übersichtlich mitzuteilen. Sein Zweck war also 
ein rein litterarischer. Mit der Kunst hatte dem- 
nach das Buch ursprünglich und hat es auch heute 
noch an sich nichts zu schaffen. Schon das Manu- 
skript des Verfassers konnte und kann, wenn es 
deutlich und übersichtlich geschrieben ist, seinen 
litterarischen Zweck vollkommen erfüllen. 

Schon sehr früh jedoch wurde die Kunst mit dem 
litterarischen Zweck des Buches verbunden. Der 
groOeWert, den man den Büchern beilegte, ihr 
Gebrauch bei feierlichen und heiligen Handlungen 
sowie die hohe Lebensstellung derjenigen, die 
sie anfertigen ließen, führten ganz von selbst dazu, 
der Kunst einen Anteil an ihrer Herstellung zu 
verschaffen. Immer aber vollbrachte der Schreiber 
zuerst seine Arbeit unter Beobachtung gewisser 
Normen, die für die einfachsten Bücher wie für 
die kostbarsten dieselben waren, bevor der Künst- 
ler, der Maler, das Buch empfing, um seinen Text 
durch farbige Überschriften, Initialen, Paragra- 
phenzeichen, Bilder und Leisten für den Leser 
übersichtlich zu machen und zu schmücken. Und 
es war nun dem Maler keineswegs erlaubt, seine 
Kunst frei und ungehemmt zu entfalten, vielmehr 
wurde er durch den Schreiber gezwungen, sich in 
den Grenzen zu halten, die dieser ihm vorgezeich- 
net hatte. Denn der Schreiber bemaß die Gestalt 
und Größe der Räume fürÜberschriften, Initialen, 
Bilder und Paraphierung nach ihrer jeweiligen 
Bedeutung für das Verständnis des Textes und 
nach eignem Ermessen. Selbst die Leisten zwang 
er den Maler den meist an allen vier Seiten un- 
gleichen Breiten der Ränder anzubequemen, denn 
niemals schränkte er die Kolumne ihretwegen im 
mindesten ein. DieNormen aber,die derSchreiber 
bei seiner Arbeit befolgte, waren außerordentlich 
einfach. Sie ergaben sich unmittelbar aus der 
Anlage des Buches, eines Bandes von Blättern, 
deren Flächen er von der ersten bis zur letzten 



zwischen Kolumnen und Ränder ganz gleichmäßig 
teilte. Er erreichte dies, indem er Größe und 
Stellung der Kolumne auf der ersten Seite genau 
feststellte, an den vier Ecken dieser Kolumne das 
ganze Buch mit einer feinen Nadel durchstach und 
die Löcher auf jeder Seite durch gerade Linien 
miteinander verband. Die so entstandenen, fest 
umgrenzten Räume der Kolumnen wurden ihm zum 
unverrückbaren Grundriss des Buches, den er 
weder oben noch unten, weder rechts noch links, 
weder nach innen noch nach außen, ohne dazu 
durch besondere Umstände gezwungen zu sein, 
jemals verließ. Innerhalb dieser Grenzen haben 
sich Schreiber und Künstler während des ganzen 
Mittelalters ausgezeichnet vertragen und mit dem 
genauesten Verständnis für ihre beiderseitigen 
Aufgaben zahllose Bücher geschaffen, die nicht 
nur den litterarischen Zweck, dem sie dienen 
sollten, vollkommen erfüllten, sondern zugleich 
Kunstwerke waren, die wir als unerreichte 
Meisterwerke ihrer Art mit Recht noch heute be- 
wundern. 

Dieses Verhältnis des Künstlers zum Buche 
hat die Typographie bei ihrer Erfindung durch 
Gutenberg unverändert übernommen, nur dass 
hier der Setzer an die Stelle des Schreibers ge- 
treten ist, der Typenschreiber an die Stelle des 
Federschreibers. Denn auch der Setzer bestimmt 
Größe und Stellung der Kolumnen auf dem Papier, 
füllt die Kolumnen und Spalten von links nach 
rechts und von oben bis unten vollständig mit 
seinenZeilen.ordnet die Räume fürÜberschriften, 
Initialen und Paraphierung im Anschluss an die 
logische Gliederung des Textes nach seinem Be- 
lieben und der Künstler ist gezwungen, seinen 
Weisungen wie früher denen des Schreibers zu 
folgen. Die Geschlossenheit des Satzbildes, seine 
„Block"wirkung, die man heute wie eine Offen- 
barung anstaunt, ist also nicht eine Wirkung 
der Kunst des Typographen, sondern der Kunst 
seines Lehrmeisters, des mittelalterlichen Schrei- 
bers, es ist lediglich mittelalterliche Schreibkunst 
ins Typographische unmittelbar übertragen. Die 
Gebundenheit des Schreibers durch Feder und 
Tinte, die den Text nicht frei und symmetrisch 
zu gruppieren gestatteten, weil sich das einmal 
Geschriebene nicht mehr umordnen ließ, band 
noch den Typographen, ihm selbst unbewusst, an 
die überkommenen Formen. Die Formen aber, 
in denen der Schreiber allein sich bewegte, waren 
naturgemäß die des Rechtecks, denn die stets 
rechtwinkelig aufeinander stoßenden Begren- 

38 



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zungslinien der Kolumnen, Spalten und Zeilen 
waren für die Formierung des Textes seine ein- 
zige Stütze. Erst wo der Setzer von dieser Ge- 
bundenheit des Schreibers sich zu entbinden, sich 
frei zu machen entschließt, beginnt die im engeren 
und eigentlichen Sinne so zu nennende typo- 
graphische Kunst. Und eine der ersten und 
wichtigsten Wirkungen dieser Befreiung ist der 
Übergang vom Rechteck zum Dreieck, zu der Form 
der Spitzkolumne. Diese bildet einerseits einen 
schönen Gegensatz und Abschluss des Rechtecks, 
aus dem sie bei der Typographie sich durchaus 
einfach und natürlich entwickelt, und ist anderer- 
seits die vorzüglichste und unentbehrlichste Form 
für Gruppenbildungen bei den Kapitelüberschrif- 
ten und namentlich beim Titel. Darum habe ich 
sie schon vor fünfzehn Jahren in die Typographie 
wieder einzuführen versucht, wie ich zu meiner 
Freude sehe, nicht ganz ohne Erfolg. 

Aus diesen Erörterungen ergiebt sich, dass die 
Kunst-Typographie in zwei streng auseinander 
zu haltende Gebiete zerfällt. Nämlich in die Kunst 
des Typographen, der die Größe und Stellung der 
Schriftkolumne bestimmt, sowie die Schriften für 
Text, Anmerkungen, Auszeichnungen, Titel, Ka- 
pitelüberschriften u. s. w. auswählt und diese so 
ordnet, dass die logischeStruktur des Inhalts über- 
sichtlich und zugleich in gefälligen, organisch und 
harmonisch sich ineinander fügenden Formen 
hervortritt; und in die Ornamentik des Künstlers 
(Zeichners, Malers), der das Werk des Typo- 
graphen mit Initialen, Leisten, Bildern u. s. w. 
schmückt. Hierbei ist es selbstverständlich ganz 
einerlei, ob der Künstler seine Ornamente eigen- 
händig mit Feder und Pinsel anbringt, oder ob er 
sie für die Vervielfältigung durch den Schrift- 
gießer entwirft; auch in diesem Falle ist es seine 
Aufgabe, sich nach der soeben gekennzeichneten 
„Kunst des Typographen" zu richten, sich ihr an- 
zupassen und unterzuordnen, die zweckentspre- 
chende Anwendung seiner Ornamente aber dem 
Typographen zu überlassen. 

• 

II. D»s Format. 
Die soeben an einem allerdings stark in die 
Augen fallenden Beispiel erläuterte Abhängigkeit 
der ersten Typographen von den Kunstschreibern 
des Mittelalters zeigt, dass man beim historischen 
Studium der typographischen Kunst auch noch 
in manchen anderen Stücken auf die Handschrif- 
ten zurückgreifen muss. Ich will das hier zunächst 
an einem Teile des Buches erweisen, dessen Be- 



handlung für die Erscheinung jedes Buches von 
fundamentaler Bedeutung, jedoch von den Typo- 
graphen, namentlich des letztvergangenen Jahr- 
hundens, je länger je mehr verkannt und verfehlt 
worden ist. Ich meine die Größenverhältnisse 
der Schriftkolumnen und ihre Stellung innerhalb 
der sie umgebenden weißen Ränder, der Stege. 

Jeder Typograph weiß, dass heute allgemein 
die Kolumne annähernd in die Mitte der Seite 
gestellt wird. Zwargiebt man beim Formatmachen 
am Kopf-, Seiten- und Fußsteg ein, zwei bis drei 
Cicero zu, durch das Beschneiden beim Einbinden 
gehen sie indessen auf die Breite des Bundstegs 
(ich spreche hier immer von den Stegen einer 
Seite, meine also von den wirklichen Stegbreiten 
nur die zu einer Seite gehörenden Hälften) un- 
gefähr wieder zurück. Schlägt man ein solches 
Buch auf, so zeigen die beiden Hälften (Seiten) 
nichts, was darauf hinwiese, dass sie zusammen 
ein Ganzes bilden sollen, dass jede von ihnen, 
wie die beiden Schalen einer Nuss, die notwendige 
Ergänzung der andern ist, dass die eine nur mit 
und wegen der andern besteht, mit einem Wort, 
dass sie niedere Einheiten sind, durch deren An- 
einanderfügung erst die höhere Einheit, das 
Ganze, in dem sie aufgehen sollen, entsteht. Dem- 
nach ist ja wohl klar, dass bei der heute üblichen 
Art des Formatmachens von Kunst nicht die Rede 
sein kann. 

Ein ganz anderes Bild entwickelt sich vor un- 
seren Augen, wenn wir eine Handschrift des 
Mittelalters öffnen. Da sehen wir sogleich, dass 
die Randbreiten vom Bundsteg zum Kopfsteg, 
vom Kopfsteg zum Seitensteg und vom Seitensteg 
zum Fußsteg deutlich und meist sehr beträchtlich 
zunehmen. Die hier beigegebenen Abbildungen 
aus zwei Handschriften können, obschon stark 
verkleinert, dieses eigentümliche Anwachsen der 
Randbreiten noch ganz gut veranschaulichen. Bei 
der ersten in Großfolio (45x34 cm), einem Vege- 
tius (De re militari), in Italien im 14. Jahrhundert 
(1332) geschrieben, beträgt nämlich die Breite der 
Stege (in der oben angegebenen Reihenfolge) 
20 : 32 : 48 : 70 cm; bei der zweiten in Kleinquart 
(17x12 cm), einer Summa iuris canonici, in 
Deutschland ebenfalls im 14. Jahrhundert ge- 
schrieben, 12 : 17 : 28 : 30 mm. 

Es liegt nahe, den Grund dieser auffallenden 
Erscheinung in einem uralten Schreibergesetz zu 
vermuten.dessen Formel zwar nicht jedem Mönche 
oder Studenten, der einmal ein Buch abschrieb, 
ja nicht einmal jedem berufsmäßigen Schreiber 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE JTJrJTMNSrjrjrjr JTJT 



genau bekannt war, dessen ungefähre Verhältnisse 
aber jedem beim Lesen von Handschriften Fest 
sich eingeprägt hatten und daher unwillkürlich, 
so gut man es vermochte, nachgeahmt wurden. 
Für sie war, wie für jeden litterarisch Gebildeten , 
die Vorstellung, dass die Ränder eines Buches 
nach jenem Verhältnis sich verbreitern müssten, 
ebenso selbstverständlich, wie für uns die Vor- 
stellung, dass die Breite aller vier Ränder nahezu 
gleich sein muss. So groß und so überzeugend 
war und ist die Macht der Gewohnheit. 

Genau dieses bei den Handschriften zu be- 
obachtende stark anwachsende Breiteverhältnis 
der Stege finden wir nun auch in den ältesten 
Drucken. Die wenigen hier beigefügten Proben 
aus Frühdrucken genügen schon, um das zu sehen. 
Und das ist kein Wunder, wissen wir doch, dass 
es Gutenbergs heißestes Bemühen war, die ge- 



schriebenen Bücher treu nachzubilden, die Kunst 
der Schreiber, wie ich mich oben ausdrückte, in 
die Typographie unmittelbar zu übersetzen. Hatte 
er darum doch einen intelligenten Buchschreiber 
zum Gehülfen genommen, Peter Schöffer, der, be- 
vor er 1450 nach Mainz kam, in Paris den Ruf 
eines geschickten Illuminators genoss. 

Nichts wäre nun erwünschter oder interessanter 
als das oder die Formatgesetze der mittelalter- 
lichen Buchschreiberwieder zu finden. Allein das 
ist nicht so leicht wie es manchem vielleicht 
scheinen mag. Ich bemerkte schon, dass viele 
Schreiber die Formel überhaupt nicht kannten, 
viele wichen aus Gleichgültigkeit, andere absicht- 
lich mehr oder minder stark von ihr ab. Dazu 
sind die meisten Handschriften beschnitten, viele 
verschnitten. (Schiuss folgt.) 



Der künstlerische Bucheinband in alter und neuer Zeit. 

N«ch Vortrigen von Dr. JEAN LOUB1ER im Berliner Kunstgewerbemuseum. 

III. 



DAS 17. und 18. Jahrhundert zeigt einen 
allgemeinen Rückgang in der Kunst des 
Bucheinbandes, und im Vergleich zu dem 
16. Jahrhundert ist äußerst wenig Bemerkens- 
wertes, selbst in Frankreich, zu finden. Zunächst 




sind es dort noch Werke von Le Gascon und 
Florimond Badier, die eine bedeutende Kunst 
verraten; es tritt sogar bei diesen Sachen noch 
ein neuer Zierstempel, die Linie in nebeneinander 
stehende Punkte aufgelöst „pointillc-" hinzu, 
welcher einen überaus zarten Eindruck macht 
und mit Riemenwerk und anderen Stempeln zu- 
sammen ein reizendes Ganzes bildet. Auch noch 
andere neue Stempelformen finden Anwendung. 




Roter Miroqainhind au» dem 17. Jahrhundert. (Ciucl, L»nde«hibliothck.| 
Aus: „Allgemeiner Anzeiger für Buchbindereien". 



Unter M»n*|uint«Md tut der imelten Hälnc de» l»,J«hrn. (Stift Slmhu* ) 
Au»: ..Allgemeiner Anzeiger für Buchbindereien' 4 . 



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«.«'«.•«-««.«.«•»f.*.'!«. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE .»jrjrjrarjrjrjr.sr.ir.sr 




Entwurf , »n '«erA.irJ Hrilmam. IH:I7 cra) 
Au»: „Arcn.t für Hutnbindcm", I Ji Heft V 

Verla« mii W'tlA. Kttjpr in 't a. 5. 

Durch die Vorliebe fürSpit/en an den Klei- 
dern werden die Spitzenstempel „ä la den- 
tcllc" hervorgerufen, andere werden den 
zarten Gold- und Silber- Filigranarbeiten 
nachgebildet. Die F.inbände für Ludwig XI V. 
sind verhältnismäßig einfach. Viele haben 
nur einen Rand und in der Mitte das Wap- 
pen oder Doppel-Monogramm. Unter Lud- 
wig XV. zeichneten sich noch die Werke der 
Buchbinderfamilie Paäeloup aus; eine Art 
Verlegerband erschien bereits aus ihrer 




Werkstatt. Ls kommt dann noch eine zierliche 
Stempelart in dieser Zeit hinzu „ü reventail", 
Fächerartige Bildungen in den Ecken, in der 
Mitte sich zu Rosetten schließend. Im Ganzen 
ist aber auch hier ein sichtbarer Verfall und eine 
allgemeine Autlösung der Form zu bemerken, 
wenngleich noch manche Bibliotheken, wie die 
des Cardinais Mazarin, selbst noch einzelne sehr 
schöne Einbände zeigen. Neben diesen Leder- 
bänden sind auch, besonders in Frankreich, zu 
Gebetbüchern Metalleinbände benutzt. 

Ende des ls. Jahrhunderts in der Empirezeit 
sind die Bucheinbände überall von der künst- 
lerischen Höhe herabgesunken. Ein Künstler in 
diesem Fache darf jedoch nicht übergangen 




Entwurf von J. I»\ (iltrm H'Ailr. (.£>,.«: if. cml 
Au»: „Archiv für Buchbindern". Jihnrini I, Heil 3. 
Verla« vom la'iM. A'ajnf In Wjfl» j. S. 



Entwurf tun f.. r. Hefnann. e. * t£ cm) 
Au»; „Archiv für Hu.'hhiailerri". 1. Jahrgang, Heft X 
Verlan von H'iJA. A'iwry- in Hallt J. S. 

werden, der Engländer Roger Payne, der mit 
großer Hingabe und äußerster Sorgfalt arbeitete. 
England bewahrte die guten Traditionen noch 
am längsten und es war auch das Land, welches 
zuerst wieder Wert und Sorgfalt auf den Buch- 
einband verwandte und zwar ist es dort ein 
Deutscher, Zaeh Ilsdorf, der Einbände von künst- 
lerischem Werte lieferte. In Frankreich versuch- 
ten verschiedene Meister zu fast gleicher Zeit 
die Kunst des Bucheinbandes neu zu beleben. 
Für Österreich waren die von Wunder in Wien 
mit Handvergoldung und Ledermosaik herge- 
stellten Bände von großer vorbildlicher Bedeu- 
tung. So erstand allmählich überall eine wirkliche 
Kunst auf diesem Gebiete. 

Der Neuzeit stehen eine Menge Dekorations- 
mittel zur Verfügung, neben den verschiedenen 
Arten der Pressung, die heute natürlich die 
Maschine vollbringt, die Handvergoldung und 
neben dem farbigen Ledermosaik, die verschie- 
dene Buntfärbung des Lcders vermittelst Beizens, 



«s« 296 sVb 



Beilage zum „Archiv für Buchgewerbe" 




UnirahmuHK K2M 



Kunstanstalt für Reproduktionstechnik von JULIUS Kl.lNKHARDT, LEIPZIG. 



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SOMMERFEST 




DER HR.MA 



HERREN KARTE 



HARTMANN & VOGEL 

AM SONNABEND, DEN 17. AUGUST DJ. 
ES GOLDENE KRONE, L.-CONNEW1TZ fi 



IMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII 



miniiiiiiiiiiiiiiiiii 



KONZERT- UND FESTORDNUNG 

ERSTER TEIL 1. Kadetten-Marsch aus „Capricciosa" . . . Raida 

_ 2. Ouvertüre .La Dame de Coeur" Duval 

3. Zingana „Valsc espagnolc" Erichs 

= 4. Für Jung und Alt, Potpourri Schreiner 

ZWEITER TEIL 5. Ouvertüre z. Op. »Die weiße Dame" . . . Boildieu 

_ 6. Paraphrase über .Spinn, Spinn* Hermann 

7. Ernst und heiter, Potpourri Gounod 

Ü 9. Tolle Streiche, Galopp Hartmann 

Ausgeführt vom Neuen Leipziger Orchester; Direktor: Herr ROBERT SCHUPPKE. 

Belustigungen für Kinder, bestehend in Vogelschießen, Würfeln, Spielen. 
Für Herren: Schießen und Kegeln; für Damen: Lotterie, Ballwerfen u.s. w. 
Bei eintretender Dunkelheit: Laternenpolonaisc. «-* ABENDS FESTBALL. 



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IIIIIIMIIIIIIIIIIIIMII 




v. Siub»iln- tun .Ar;hi» fir Btich(cvcrbc*. Dr»ck »o* Hitttkorf t- HirUI it Ltiftif 



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in der als der Ersten einer der Berliner Hof- 
buchbindermeister Coltin Großartiges leistete. 
Verleger wie Sortimenter nehmen sich in letzter 
Zeit in dankenswerter Weise, unter Zuhilfenahme 
der Künstlerschaft, der Bewegung für künst- 
lerischen Bucheinband an. Oft wird für solche 
Verlegerbände die gleiche Zeichnung in verschie- 
denen Farbenzusammenstellungen ausgeführt. 
Natürlich muss dann dem Künstler die getroffene 
Farbenwahl wieder zur Begutachtung vorgelegt 
werden. So schuf 0. Eckmann zu den Ibscnschcn 
und Hauptmannschen Werken die schönen und 
doch einfachen Entwürfe, die, ohne Rücksicht auf 
den Inhalt, die Einbanddecken als solche mit be- 
wegten Linien schmückten. Auch unsre bedeu- 
tendsten Figurenmaler stellen gelegentlich ihre 
Kunst in den Dienst des künstlerischen Buch- 
einbandes, deren figürliche Darstellungen dann 
meist Bezug nehmen auf den Inhalt, z. B. Max 
Klingers Einbanddecke für seine Brahmsphan- 
tasie. L.v. Hofmann versuchte an einem Ein- 
bände für den „Pan" beide Deckel samt dem 
Rücken als eine Fläche zu betrachten und durch 
eine fortgehende Komposition zu schmücken; 
seinem Geiste gelang, woran viele Andere schei- 
terten. 

Sehr anregend für Schaffung einfacher und 
doch angenehmer Bucheinbände wirkten England 
und Nordamerika, die es zuerst ermöglichten, 
Bücher für verhältnismäßig geringen Preis sich 
anschaffen zu können. Für die kleinen Haus- 
bibliotheken wünschte man dann natürlich auch 
ein möglichst wohlthuendes Außere. England 
zuerst gebührt das Verdienst, in seiner Textil- 
industrie Leinen- und Baumwollstoffe für den 
einfachen Bucheinband geschaffen zu haben, 
welche mit angenehmen Farben große Dauer- 



haftigkeit verbinden, worin die deutsche Industrie 
wenigstens zur Zeit in keiner Weise zurücksteht. 
Ebenfalls sehr Tüchtiges liefert das kleine Länd- 
chen Dänemark. In Frankreich werden heute 




Einwurf riin Walirr Cm». IJK: IH,Ä cm) 
All»: „Archiv Tür Buchbinderei", l.jihix<n(, Heft 3. 
Verl«» von Wah. A~a<w in Hall» a. S. 

noch die meisten Bücher in Papierumschlägen 
broschiert verkauft und fallen daher die künst- 
lerisch dekorierten Verlegerbände fort. 

Wenn nun auch nicht jeder Buchbinder künst- 
lerische Entwürfe für seine Werkstatt verwerten 
kann, so müsste sich doch jeder verpflichtet 
fühlen, nur gutes Material zu nehmen und die 
äußeren Einbanddecken, Rücken, Vorsatzpapier, 
Schnitt und Kapitalband in möglichste Harmonie 
ZU bringen. Marie Panten. 



t£5 

Die Schrift im Buchdruck. 

Von ANSGAR SCHOPPMEYER. 



I. Allgenctne Gctlchupuakic beim Seifen. 

DIE infolge der .modernen" Bewegung auf dem Gebiete 
der Kunst wie des Kunstgewerbes in den letzten drei 
Jahren so hochgehenden Wogen haben sich etwas beruhigt. 
Von den beiden gegnerischen Parteien hat die eine einge- 
sehen, dass man durch das im Übereifer beliebte Verfahren, 
alles bisher Geleistete zu diskreditieren, zu negieren und 
durch die schroffsten Extreme zu ersetzen, Obers Ziel hin- 
ausgeschossen und damit der eigenen guten Sache den Sieg 
nur erschwert hat. Die andere Partei ist endlich ebenfalls 



zur Überzeugung gekommen, dass man den sich immer 
mehr bahnbrechenden neueren Anschauungen nicht länger 
a la Vogel Strauli gegenüberstehen darf. Auch auf dem 
Gebiete der Typographie ist Manches, sehr Vieles, nicht nur 
verbesserungsfähig, sondern wirklich verbesserungsbe- 
dürftig. Daher ist es wohl nicht überflüssig, in möglichst 
objektiver Form und gedrängter Kürze eine Übersicht zu 
geben über besonders strittige Fragen und deren versuchte 
Lösungen. 

Sehen wir uns irgend ein Druckwerk an, so wird zuerst 



r-# 297 tflh 



««««««««.«/•ry« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararjrarararaearjrarjr 



die Frage nach dem Ccsamlcindruck interessieren. Eine 
allgemein anerkannte Grundbedingung ist hier stets in 
erster Reihe die bequemste und angenehmste Lesbarkeit 
gewesen. Ebenso wichtig ist für das ästhetisch geschulte 
Auge die ruhige Gesamtwirkung eines Textblattes, doch 
gehen schon die Ansichten über diesen Begriff sehr weit 
auseinander. Wahrend die „moderne" Richtung einen ge- 
druckten Text nur als möglichst gleichmäßige Flache gelten 
lassen will, erklärt die Gegenpartei, dass die Schrift doch 
kein „Webemuster" oder „ Anstreichniche" sei. Der 
Schwerpunkt liege nach wie vor darin, dass jedermann die 
Schrift leicht lesen und auch zugleich den Sinn des Textes 
schnell erfassen könne. Auch hier ist die goldene Mittel- 
straße der richtigste Weg, die als solcher ja schon immer 
anerkannt wurde (vergl. Fischer, Anleitung zum Accidenz- 
satz). Man wird immer den konkreten Fall im Auge behal- 



Dan rail „forma* die Druckform gemeint ist. 
ht-.ei»l die 1474 »na tignamlae gedruckte Oe 
schichte der Phpste, worin es nelDf: 

Jacob genannt Guteabcrg und ein rwcilcr, Fun. 
kundig Buchstaben tut Pcrgameet .tum nsrtal- 
ticis forenls" zu drucken, »lad dadurch bekannt, 
dass sie im Tirc jeder 300 Blatter machen. 

Die i'hcrsetiang von form« mit Matrize ist um 

t. Gewöhnlicher Sau. 
Mit Einzog und Ausiang. 

In der hei Ehrhard Katdolt aus Augsburg I4K.I 
tu Venedig gedruckten .Chronik de* Eusebius" 
hciOt es bei dem Jehfc l*S7 : t> z*Z>- • z>-- ->■ •-*■ 
Von Johann Calenberg, einem Ritter zu Maint, 
Ut mit emsigem Geiste die Kunst des Buchdruckes 
1440 erfunden worden. Dan gante Altertum wird 
um billige« Geld gekauft und in zahllosen Baaden 
gelesen. - ■ *: ~ • - -.> -.. u- •• . 

4. Ohne Einzug. Fullstücke des Ausgange* 
von gleicher SUrhe »ie da« Schriftbild 



ten müssen, d. h. bei litterarischen Tagesprodukten, die 
des Geschaltes wegen schnell gelesen werden müssen, 
wird man logischerweise die Flächenwirkung viel weniger 
berücksichtigen dürfen als bei der künstlerisch ■ formvoll 
ausgestatteten schönen Litteratur, der man der Zerstreuung 
halber also mit viel größerer Muße sich hingieht. Bei diesen 
will und soll man auch dem Auge einen Genuss bereiten, 
bei ihr ist die brutale Lesbarkeit nicht der einzig ausschlag- 
gebende Moment. Stellt man aber letztere in den Vorder- 
grund, so wird man zugeben müssen, dass eine gelegent- 
liche Unterbrechung des Textes das Lesen bedeutend er- 
leichtert. Jeder Jurist weiß, wie ungemein die Leserlich- 
keit eines Protokolls durch Absätze gewinnt. Dass freilich 
hierbei Übertreibungen auf jeden Fall vermieden werden 
müssen, ist selbstredend, denn zu häufige Unterbrechungen 
gestalten das Ganze unruhig und erschweren das Lesen 
ebenfalls. Die Freunde der „Schrift als Fläche" verweisen 
immer auf die Gleichmäßigkeit der frühen Drucke des 
15. Jahrhunderts. Allein sie verschweigen einerseits den 
ziemlichen Unterschied in der Größe der Typen, anderer- 
seits bedenken sie nicht, dass diese Drucker die Beein- 
trächtigung der Lesbarkeit wohl empfunden haben und ihr 
dadurch abzuhelfen bemüht waren, dass man bei Beginn 



neuer Sätze das bekannte Anfangszeichen <*r[) rot oder blau 
cinmalte und häutig auch noch die Majuskeln (Versalien! 
mit einem senkrechten roten oder blauen Strich schmückte. 

Das Lesen war damals ebenso wie das Schreiben eine 
Kunst des Gebildeten. Heutzutage ist beides das Axiom 
jedes Elementar -Unterrichtes. Deshalb ist Deutlichkeit 
selbst jedes einzelnen Buchstaben die Hauptforderung, 
welche man an eine Drucksache zu stellen berechtigt ist. 
Freilich standen dem glücklichen Erwerber einer direkt 
aus der Presse gekommenen Inkunabel nicht immer wei- 
tere Mittel für eine sofortige Handausmalung durch den 
Rubrikator zur Verfügung, oder er vergaß es — und ein- 
mal aufgeschoben, war auch hier gleichbedeutend mit aur- 
gehoben. Außerdem bildete das lesende Publikum fast aus- 
schließlich der Gelehrtenstand, und das die heutige Welt 
regierende Motto: „Time is moncy" hatte damals glück- 



>- Die Thatsachen. »eiche von der Linde gegen 
Osler vorgebracht, reichen vollauf hin. die Er 
tindung der Bachdruckkunal dureh einen ge- 
wissen Costcr als eine Gescnhchtafiüachung zu 

Zu den mißlungenen Versuchen, andere Er- 
ander als Gutenberg aufzustellen, geh6rt auch 
der der Czevhcn, welche Guteabcrg für elaen 

X FiillsiUeke de* Rinxuge» und Ausgang« 
leichter wie das Schriftbild. 



— Peter Sch6ITcr» Sohn Johann bezeichnete sei- 
nen Großvater Johann Fuat als den Erfinder, so 
auch in der Schlussscbrift zur Chroelk des 
Trithetnius: .<.-»- 

— Gedrackt 151» In Mainz von Jon. Schotter. 
Eakel des ehrbaren Mannes weiland Johann 
Fun, des ersten Lrhebers der würdigen Kunst 
welcher die Kunst des Druckens 1450 angefangen. 

Diese Schlussschrlft beweist, dass man selbst 
gedruckten Zeugnissen gegenüber sehr vorsichtig 

ti. Koroprcsaer Satz. 
Eintug und Ausgang mit einer Linie auagerulit, 



licherweise keine Geltung! Diese beiden Momente dürfen 
aber bei Beurteilung früherer Drucke nicht außer Berück- 
sichtigung gelassen werden. 

Ebenso wie die Forderung der leichten Lesbarkeit bei 
unserer überhastenden Zeit auf den Einzug bei allen 
wissenschaftlichen, kommerziellen, politischen u. s. w. 
Werken nicht verzichten kann, so kann man auch der 
ganzen Füllung der Ausgänge mit Ornamenten aus glei- 
chem Grunde nur bedingt zustimmen. Bei einem neuen 
Probe -Verzeichnis einer der bedeutendsten Schriftgieße- 
reien sind im Text die Zeilen derart ausgefüllt, dass das 
gewählte Ornament dieselbe Lichtfülle zeigt wie der Text 
selbst; der gewünschte Zweck ist auch vollkommen er- 
reicht, die Flächenwirkung ist vorzüglich, aber — sobald 
mun einige Zeilen gelesen hat, flimmert es vor den Augen. 
Für dieses Verfahren werden neuerdings gern als Beispiel 
die Handschriften des 14. bis 15. Jahrhunderts angeführt 
(in Typendrucken kommt es überhaupt sehr selten vor und 
auch da nur als Handmalcrcil. doch waren jene gemalten 
Zeilenfüllungen eben stets farbig, meist sogar auf Relief- 
Goldgrund ausgeführt. Die Schreiber jener Zeit mit ihrer 
großen Handschrift empfanden die vorhandene Leere det 
Ausgangszeilen schon störend und bedienten sich deshalb 



Neben der Schnelligkeit u&d der dadurch be- 
dingten Killigkeil wird aber auch die Schönheit de* 
Buchdruckes gelobt. Bonus Accurslus schrieb 
an Clchus Simnnela am 5. Juni 1475 von Mai- 
land tun : 

Du musst den Druck wegen seiner kunstreichen 

Schönheit ganz besonders hochschätzen. 

Auch im Kulnfibon de«. Katholikin durfte mit 

2. Ohne F.inzug roll Ausgang. 



Bcsondrts wird die durch die Pres« entstan- 
dene Schnelligkeit des Druckes von de« da 
maligen Schriftstellern gerühmt. So sagt Niko 

i.„. iv, „„,: VYVYWaTTOTatVWYYtV 

Ich uh, du* km In einem tliwlgen T*([e »o 
viel pttJrucki wurde, wie sonst in Jahrtifmt von 
mehreren üium Ktat-hrittH-n »erden kunnlr ljjW 
Di« Folg« der Schnelligkeit de» Drtic-kea«. **r 

y Oha« E.nrupt. 
Hil.Miickc dt* Aiiw-irc» tu krifii«. 



cQ* 298 V± 



. äWTa. 



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v.««*««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



des schmückenden Ornaments in echt künstlerischer Frei- 
heit, eine Druckschrift dagegen ist an andere Gesetze und 
zwar an die ihrer Technik gebunden. 

Die kunstfertigen Klosterbrüder bezw. die Bricfmalcr 
hatten mit ihren prächtig gemalten Ausgangsfüllungen 
allerdings den beabsichtigten Erfolg, nimlich die einzelnen 
Abschnitte trennend hervorzuheben und leichter lesbar zu 
machen. Will man also heute die leeren Fliehen vermei- 
den, andererseits aber auch die Lesbarkeit nicht erschwe- 
ren, so muss man mangels Farbunterschiedes die Licht- 
stirke der Füllungen heller oder dunkler halten als die Zeile 
selbst. Bei den gemalten Beispielen wirkt die Füllung an- 
scheinend stets kriftiger und etwas dunkler als die Zeile. 
Ob aber die Anwendung hellerer Zeilenfüllstücke oder 
dunklerer vorzuziehen sei, das ist (letztere ergeben doch 
schwarzgedruckt zweifellos stets dunkle, störende Flecke) 



und dadurch auch eine Art Zeilendurchschuss zu schaffen, 
wird keinem guten Setzer einfallen, denn dies Verfahren 
hat gerade den entgegengesetzten Erfolg. Man erzielt da- 
mit eine Art marmorierter Fliehe, bei welcher der Durch- 
schuss in Zickzacklinien von oben nach unten läuft und 
die Lesbarkeit nur bedeutend erschwert. Anstatt dem 
Publikum die Zeilen ohne jeden Durchschuss zu bieten, 
sollten die Künstler dem Buchdrucker vielmehr mit Auf- 
stellung von Regeln zur Hand gehen, bis zu welchem 
Durchschuss man bei den einzelnen Schriften gehen kann, 
ohne den Eindruck einer Fliehe zu zerstören. 

ökonomisch wird also hier kein Vorteil geschaffen, das 
ästhetische Gefühl wie das Auge aber verletzt. Sehr er- 
freulich ist es daher, dass der Zeilendurchschuss immer 
häufigere Anwendung findet. Übrigens muss die bedauer- 
liche Thatsache konstatiert werden, dass beim Publikum 



+ Ei« Autoritär im Buchdruck und seiner Ge- 
schichte «teilet die Behauptung auf! 
+ Da» Orocsan hst Gutrnttcrg nicht erfunden. 
Die Presse ynd sonstige technische Htlfssninel 
sind für unsere Frsgc Nebensache, flfi 
9» Er meinte, dessen Erfindung habe cinrig und 
•Hein In der Herstellung von SlahlatempcJa, 



In den Rechnungen de» Druckerei Im Kloster 
Sin Jacopo di Ripoll in Floren« sus den Jahnen 
1474 14 werden sl« Bestandteile der Buchdrwk- 
kerfarbe aufgerührt: r*s 
Leinöl. Terpentin. Harrpech, ochwanxs Pech, 
Schacfclkies, Zinnober. Harr, r»icr ood flüssiger 
Flrnla, Gallapfel, Vitriol, Schellack. W 
: er mit den 



mit einem >u (raten Füllstuek ausgefüllt. 



Mit Elnrug. Am Ende de. 

glel. 



Welcher dleaer drei Johann < 
Erfinder der Buchdruckerkuasl? 0 Vun dem 
■raten Johann GansScisth, dem Alteren, wissen 
wir aar nichts als dass er 144.1 den Hör zum 
Jungen mietete. #> War dieser Johann ein Sohn 
de« Vorigen insbesondere der Katharina Rer- 
nait'r Das rissen vir nicht. Auch der Um- 
stand, dsas er den Hot 



Am klarsten hat sich Guillsume Flehet in einem 
Briefe von I4?2 an Raben de Caguin auage- 
sprachen : In Mal« ist ein gewisser Johsane* 
Gutennerg gewesen, der als der erste von sllen 
die Buchdruckerkuo« «uagedeebt hat, wodurch 
nslt tnelallaen (Oerels) BuchalaSrn die Bischer 
gebildet werden und iwsr schneit, gefällig und 
schon, caw» Dleaer Brief war der Orthographie 

10. % ie Beispiel 51. Ornsmcnt aber gleichstark 

wie Schrlfthlld. 



In der gleichen Verlegenheit befindet min sich 
gegenüber der Familie Ganaltelach-Guleuberg. 
Um die Mim des 15. Jahrhundert! Anden wir 

urkundlich :ö^ i:-^V/ v "> , > 1 >?>i^M r ^S^ 

1. Johann Gsnsrlcisch den Alien &>1r^Vk& 

2. Johann Gutenberg, den Sohn VrVvVyf^fJ 
J. Jobann von Sorgenloch gen. Gänsflciaeh, 

den Enkel des Hcnchlu ru Gudcnbcrg. 

II. Mit EJn.og .od ..felnsnder folgenden 
mit Ornamenten talacbgefullcen Ausgängen. 



Ein EsenipJsr des Dialogs des Papstes Gre- 
gor (um 1470 von Eggeslein In SlraOtiurg 
gedruckt) In der Bibliothek des Grafen von 
Pcmbrokc. hat die Schlusssrhrlft: Presens 
hoc opus factum est pcrjflhsn. Gunenhergium 
spud Argentlnum MCCCCLVIII. Diese 
Schluaaachrift ist aber eine Fälschung und 
mit der Hand apalcr eingedruckt. Die Buch- 

12. Ohne Einzug und Ausgang. 
Zu weit geseilt. 



Sache des guten Geschmacks. Zur besseren Beurteilung 
mögen vorstehende kleine Beispiele dienen, an denen man 
am besten sieht, welche Anordnung der Schönheit und 
Lesbarkeit zugleich am besten Rechnung trägt. 

Eine weitere Frage bildet die Anwendung des Zeilen- 
durchschusses. Hier wird die Notwendigkeit cinerÄndcrung 
aber nicht erst in den letzten zwei bis drei Jahren betont, 
sondern seit langer Zeit ist von verschiedenen Seiten darauf 
hingewiesen worden, wie wünschenswert es sei, das in 
Deutschland von den Verlegern gewünschte Zusammen- 
drängen eines möglichst großen Textes auf den denkbar 
kleinsten Raum endlich fallen zu lassen und mehr der be- 
sonders In Frankreich gebräuchlichen Praxis zu huldigen, 
einen langen Text durch Zeilendurchschuss leichter lesbar 
und dem Auge angenehmer zu machen. Die Zweckmäßig- 
keit dieser Forderung wird man sofort einsehen, sobald 
man denselben Text ohne und mit Durchschuss neben 
einander stellt. Den Ausweg einzuschlagen, die Räume 
zwischen den einzelnen Worten überaus groß zu halten 



noch immer die Billigkeit das ausschlaggebende Moment 
ist, dass es also lieber den tausendfachen Betrag für Hei- 
lung kranker Augen opfert als ein paar Pfennige für bes- 
sere Schriftausstartung mehr ausgiebt. 

Es wäre höchst interessant, einmal statistisch nachweisen 
zu lassen, wieviel von all den ihrer gewählten Schriftgat- 
tung und Ausstattung wegen schwer lesbaren Büchern, 
trotz ihres oft ja ganz ausgezeichneten Inhaltes, von An- 
fang bis zu Ende auch wirklich durchgelesen werden. Bei 
wie vielen das Fleisch schwach war und der Versuch nach 
den ersten Seiten aufgegeben wurde? Bei der enormen 
Produktion müssen alle für die Geschäfts- wie die Gelehr- 
tenwelt bestimmten Werke mit solchen Typen und in sol- 
cher Anordnung gesetzt sein, dass das Auge befähigt ist, 
nach einem flüchtigen Blick über die Diagonale einer Seite 
den Inhalt der letzteren dem Gehirn zuzuführen. Das 
Schlagwort der brutalen Lesbarkeit klingt zwar nicht schön, 
ist aber darum doch nicht weniger richtig. 

(Fortsetzung folgt.» 



olÜV tt& tf£ a& Afe ti& 

** 299 tfe 



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ift^e<K'9K«.'«.'M'«C'K'«£« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arar^r jt xr s? w- *r *r *r 





Die Herstellung von Stempeln 
für Buchdrucktypen. 



Von H. KÖDER in MüneliL-ti. 



OOLL eine Schrift oder Einfassung Beschnitten werden, 
O so muss zuerst eine Zeichnung vorhanden sein, die 
entweder von einem Künstler oder vom Slempelschneider 
selbst herrühren kann. Im erstcren Falle muss dem Künst- 
ler ein genau im Punktsystem vorgedrucktes Netz als Unter- 
lage gegeben werden, damit seine Zeichnung richtige Ein- 
teilung erhält und durch die photographische Verkleinerung 
der gewöhnlich größeren Zeichnung keine Änderung der 
Zeichnung durch den Stcmpelschneider bedingt wird. Denn 
eine Figur z. B. von 48:54 Punkten um die Hilftc ver- 
kleinert, ergäbe eine Größe von 24:27 Punkten, die aber 
nicht existiert. Sie müsste also auf 28 Punkte gebracht 
werden, wenigstens wenn es sich um eine Figur handelt, 
die den ganzen Raum einnehmen muss. wie es bei Ein- 
fassungen mit Anschlüssen der Fall ist. Soll von einer 
schon in kleinerem Grade vorhandenen Schrift ein größerer 
geschnitten werden, so wird einfach ein Alphabet abge- 
druckt und photographisch vergrößert. 

AI* Material für die Stempel wird bester englischer 
Stahl verwendet, welcher in kleinen Stilbchen von 5 6 cm 
Lange geglüht wird, damit er möglichst weich wird und sich 
gut bearbeiten lässt. Nachdem das Stahlstäbchcn etwas 
zurechtgefeilt ist, wird die obere Flüche poliert und der zu 
schneidende Buchstabe, das Ornament oder Einfassungs- 
stück, das sog. .Bild", aufgezeichnet. Das Aufzeichnen ge- 
schieht entweder aus freier Hand oder mit Hilfe des Durch- 
pausens bez. Überdruckens. Bei jenem zieht man zuerst 
die Zeichnung mit Bleistift auf Pauspapier genau nach 
und legt dann die Pause mit der Bleistiftseite auf 
die mit weißem Lack dünn überzogene polierte Fläche des 
Stahlstäbchens. Hierauf setzt man die polierte Fläche aur 
einen glatten Holz- oder Bleiklotz und schlügt mit einem 
Hammer auf das andere Ende des Stahlstäbchens, wo- 
durch sich der Graphit vom Pauspapier ablöst und am 
Lack haften bleibt. Beim Überdrucken wird ganz analog 
verfahren. Schließlich werden die Umrisse mit der Nadel 
oder dem Messerstichel nachgezogen. Die Zeichnung kann 
auch mit dem Pantographen übertragen und eingeritzt 
werden. Ist das Bild nunmehr aufgezeichnet, so graviert 
der Stempelschneider mit verschiedenen Sticheln die inne- 
ren Räume heraus, welche nicht mit drucken sollen, oder 
er macht sich aus Stahl einen sog. Punzen, der diese Ver- 
tiefungen erhöht zeigt und schlägt ihn gehärtet in das 
weiche Stahlstäbchen ein. Die Punzen oder vertieften 
inneren Räume, werden möglichst tief graviert, weil der 
gegossene Buchstabe dadurch ein schärferes Relief er- 
hält und sich beim Drucken nicht so leicht abnutzt oder 
breit wird. Hierauf feilt der Stempelschneider zuerst 



im Schraubstock und dann in der Hand das umgebende 
Metall mit verschiedenen eckigen, runden und halbrunden 
Feilen so lange weg, bis nur das Bild erhöht stehen bleibt. 
Auf diese „ Vorarbeiten" folgt das „Fertigmachen". Zu- 
nächst wird das Bild auf einem Ölstein glatt geschliffen, 
mit Benzin gereinigt und auf Kreidekarton abgedruckt, um 
es mit der Zeichnung zu vergleichen. Zu diesem Zwecke 
wird der Stempel in der Flamme einer Kerze oder eines 
kleinen Pctrolcumlämpchcns angerußt und vorsichtig auf 
den Karton abgedruckt. Es wird hierzu der feinste Kreide- 
karton verwendet, welcher keine Poren und Unebenheiten 
hat. Besondere Messinstrumente, sog. Lehren- und Linien- 
malSe, ermöglichen das genaue Messen der Größe sowie 
der geraden und schrägen Linien. Beim Messen der Größe 
muss auch das Schwinden beim Gießen berücksichtigt 
werden ; dieses entsteht dadurch, dass sich das heiße Schrift- 
metull im Erkalten zusammenzieht, wodurch der Abguss 
um ein Geringes kleiner wird als der Stempel. Daher 
müssen namentlich Einfassungen, welche beim Zusammen- 
setzen Anschluss haben sollen, immer etwas größer ge- 
halten werden, und dieses um so mehr, je größer der Kegel 
ist. Das Abdrucken und Messen, sowie das Vergleichen mit 
der Zeichnung wird so lange fortgesetzt, bis das Bild des 
Stempels mit der Zeichnung genau übereinstimmt. Um 
möglichst genau arbeiten zu können, wird bei der ganzen 
Arbeit die Lupe benutzt. Am Stahlstcmpcl, wenn zu viel 
weggeschnitten wurde, lassen sich sehr schwer Korrekturen 
machen. Kann der Fehler nicht durch Treiben gehoben 
werden, so muss das ganze Bild abgeschliffen und, weil da- 
durch sämtliche Striche an Feinheit verlieren, natürlich 
auch wieder nachgeschnitten werden. Ist der Stempel fertig, 
so wird er in Holzkohlenfeucr glühend gemacht und durch 
schnelles Abkühlen in Wasser gehärtet. Hauptsache ist, den 
richtigen Hitzegrad zu treffen. Denn wird der Stempel zu heiß 
gemacht, so .verbrennt" der Stahl. Das Bild zeigt Löcher, 
welche sich sehr schwer oder auch gar nicht entfernen 
lassen und der Stempel wird unbrauchbar. Ist dagegen die 
Hitze nicht stark genug, so bleibt der Stahl zu weich. Der 
Stempel biegt sich beim Einprägen, ist also ebenfalls un- 
brauchbar. Nach dem Härten wird der Stempel durch Ab- 
schmirgeln bezw. durch Abreiben mit einem Holzspan 
mittels Öl und Pariser Rot gereinigt. Zuletzt wird er auf 
einer heißen Platte nochmals erhitzt, bis er gelb anläuft, 
um dem Stahl seine Sprödigkeit zu nehmen und so sein 
Zerspringen durch den starken Druck beim Einprägen in 
Kupfer zu verhüten. 

Bei den größeren Graden, welche in Schriftmctall (Zeug) 
geschnitten werden, trägt der Slempelschneider eben- 



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BEILAGE ZUM „ARCHIV FÜR BUCHOEWERBE" 



O). Cdandcrcr & Kunst-Dandlung 



begründet iH^O 



V. IV ,; 




pe rmanente Ausstellung von Oelgcmäldcn 
M Aquarellen * Radirungen j& 
j» Stahl- und Kupferstichen j& 



fernsprechtr 114 



Rechnung 



für 



JVlüncben, den 



«9 




«Mbelm Büttel 

Buch- und Kunot- Druckerei 



LtcfcruriLi von 

Ttsttcnttartcn - - 
Btnladungsltartrn 
H<suchttbarttn 
Ocsdiäftehartcn 
Bpcixnh arten 
CUcin- Preislisten 
f ormuUrirn für 
geschaftl. Bedarf 
f amilienanzctgen 
.fhtien, Coupons 
Chcdtformularen 
Pfandbriefen mm 



franhfurt'M. 

«I l.mJ.l . ■ , a. 

6rneralc»rtreter 

Ot»cr<ärt»büch(r- 
f abrih • Buoh- • • 
u. StcindruchcrcC 
Chromolithogr. • 

Kunst ■ Hnstalt 

< ■ von • ■ 

% C. König &i 
== Ebbardt 

hannover 





Hnton Ketteier 

(Dein -Grosshandlung 
Gmfswald 

Neue Königetr. 6 



Olnjrjmtn -SJrmir ftTttSpTtltltT 

* INo. 78 



Ulcinkrttcltr 



Spccialitit: 

Gehtc französisch« 

Schaum -ölcfnc 





DRUCK VON J. C. K< )NKi IV EBHARDT, HANNOVER 



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*™<*m.^*toiM.<wmm ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ac**arararjrjr3rar.)r3r 



falls zuerst die Zeichnung auf, indem er die Umrisse durch 
das Pauspapier hindurch auf die polierte Oberfläche 
einritzt. Bei Umdrucken wird der betr. Abdruck auf chine- 
sischem Papier auf die dünn mit weißem Lack überzogene 
polierte Fliehe gelegt und mit dem Falzbein angerieben. 
Das Papier wird mit Wasser abgeweicht. Auch hier 
werden die Umrisse mit der Nadel nachgezogen. Zuerst 
wird das Innere des Buchstabens ausgraviert und dann außen 
das Oberflüssige mit der Hobelmaschine wcggebobclt. Hier- 
aufwird das noch stehen gebliebene umgebende Metall mit 
verschiedenen Sticheln weggestochen. Das Abschleifen der 
Fliehe geschiebt auf einem sogenannten Graustein mit 
Wasser. Im Übrigen wird so wie bei den Stahlstempeln ver- 
fahren. Das Probeabdrucken geschieht wie beim Holzschnitt 
mit dem Falzbein auf chinesisches Papier. Korrekturen 
lassen sich an den Zeugoriginalen leichter ausführen. Ist 
zuviel weggeschnitten, so wird die betreffende Stelle ge- 
lötet, geschliffen und nachgeschnitten. Von den Zeug- 
originalen werden auf galvanischem Wege Matrizen ge- 
macht, wobei sie aber durch das Kupferbad mehr oder 
weniger leiden. Da bei llngerem Stehen das Lot einflllt, 
wodurch die gelötete Stelle liefer, also auch in der Matrize 
sichtbar wird, so müssen die gelöteten Sachen möglichst 
schnell in den galvanischen Apparat gebracht werden. Man 
vermeide ja Schnelllot, das Wismuth enthilt, zu verwenden. 
Es kommt vor, dass beim Abnehmen des Kupfcrnieder- 
schlagsdie^r/öfrtf Stelle sich ganz schwarz und zerfressen 
zeigt und das daran angesetzte Kupfer so porös ist, dass es 
sich mit dem Fingernagel wegkratzen lisst. Entweder liegt 
die Schuld an dem im Lörwasser enthaltenen Zink, das 
sich mit der Slure in der Batterie nicht verträgt, oder 
auch an der falschen Behandlung seitens des Galvano- 
plastikers durch zu starken Strom. Jerzt wird auch statt des 
Kupfernicdcrscblags ein Niederschlag von Nickel und 
Kupfer hergestellt, wodurch ein sehr hartes Metall und 
damit auch sehr dauerhafte Matrizen erzeugt werden. 

In früherer Zeit als die Galvanoplastik noch nicht er- 
funden war, musste man sich auf andere Weise helfen. 
Damals wurde das Original in eine möglichst harte, d. b. 
stark mit Regulus durchsetzte Bleilegierung geschnitten 
und dann in Weichblei eingeprigt. Von diesen Bleimatrizen 
haben sich in alteren Gießereien noch einige erhalten. 
Natürlich hielten sie nicht so viel aus, wie die heutigen 
Kupfcrmatrizen. Überdies musste sehr langsam aus ihnen 
gegossen werden, damit sie nicht zu heiß wurden und 
schließlich anschmolzen. 

Kleine Sachen werden dann in Schriftmetati geschnitten, 
wenn nur wenige Abgüsse bestellt sind und genügend Zeit 
zur Herstellung der galvanischen Matrize vorhanden ist, 
was mindestens drei bis vier Tage in Anspruch nimmt. Ist die 
Bestellung eilig, so wird ein Stempel geschnitten. Dessen 
Anfertigung ist allerdings teurer als die eines Zeugorigi- 
nals, allein die Matrize selbst kann durch Einprägen in 
Kupfer schneller hergestellt werden. 

Allzugroße Grade in Stahl zu schneiden ist nicht vorteil- 
haft. Erstens zieht sich ein großer Stempel beim Hirten 
so, dass die Bildfläche hohl wird, zweitens federt das Kupfer 
beim Einprägen und zwar entgegengesetzt, wodurch die 
Bildfläche in der Matrize gewölbt wird. Durch alles dies 
wird aber bewirkt, dass das Bild des gegossenen Buch- 
stabens ziemlich hohl ist, was beim Druck nicht gerade 
vorteilhaft erscheint. Bei der galvanischen Abformung 



wird dieses vermieden ; da setzt sich das Kupfer ganz genau 
an das Original an, wodurch die Bildfläche in der Matrize 
genau so eben wird, als die des Originals. Dass beim Guss 
das Metall beim Erkalten in sich zusammenfällt, lässt sich 
freilich in keinem Falle vermeiden. 

Soll eine Antiquaschrifi geschnitten werden, so schneidet 
der Stempelschneider zuerst Versal H und O und gemeines 
n und o. Nach diesen vier Buchstaben richten sich dann 
alle anderen in Bezug auf Größe und Fette. Würde der 
Versal O in derselben Größe geschnitten werden wie das 
H, so würde es, wenn es zwischen zwei geraden Buchstaben 
(z. B. H und D) zu stehen kirne, zu klein erscheinen. Es 
muss deshalb um so viel größer gehalten werden, dass es 
genau so groß wie das H erseheint. Ebenso ist es mit den 
Grundstrichen, welche bei den Rundungen ebenfalls stärker 
gehalten werden müssen als bei den geraden Strichen. Hat 
der Stempelschneider dieses Verhältnis richtig getroffen, 
so wird die Schrift ein ruhiges Ausseben erhalten. Hat er 
dagegen die runden Buchstaben zu groß oder zu klein oder 
die Rundungen zu fett oder zu mager gemacht, so ist die 
Schrift unruhig. Hierbei wirken noch andere Umstinde 
mit; so müssen z. B. die Spitzen bei Versal A oben und V 
unten auch größer gehalten werden, weil die betreffenden 
Buchstaben sonst zu klein erscheinen würden. 

Die Accente, welche zu einer Schrift gehören, werden 
ebenso wie die Stempel in Stahl geschnitten und mit diesen 
zusammen eingeprägt. Wird Jedoch ein außergewöhnlicher 
Accent verlangt, so macht man von dem betreffenden Buch- 
staben, über den derselbe zu stehen kommt, einen Abguss, 
lötet ein wenig Lot darüber und schneidet den Accent dar- 
aus; oder man lötet ein Bletklötzchcn an den Abguss und 
schneidet in dieses den Accent. Um das irgerliche Weg- 
brechen der überhängenden Accente beim Druck zu ver- 
hindern, wird bei den in Schriftmetall geschnittenen Origi- 
nalen zwischen Buchstaben und Accent ein kleiner Steg 
(Punzen) zur Verstärkung stehen gelassen; bei den ein- 
geprägten Matrizen dagegen wi'd dies ganz einfach durch 
Wegschneiden des Kupfers an der betreffenden Stelle 
erzeugt. 

Matrizen werden auch mit der Bohrmaschine nach 
Schablonen in Kupfer gebohrt. Da sich dieselbe aber 
nicht als sehr praktisch erwiesen hat, so ist deren Anwen- 
dung immer eine beschränkte geblieben. Außerdem hat 
man beim Stempel den Vorteil, dass er immer wieder ein- 
geprägt werden kann, während die gebohrte Matrize, wenn 
sie unbrauchbar wird, durch eine neu gebohrte ersetzt 
werden muss. 

In letzter Zeit ist dem Stempelschneider auch ein eiserner 
Kollege erstanden und zwar ist dies die Bentnnscbt Stem- 
pelgraviermaschine, welche nach einem Artikel im Journal 
für Buchdruckcrkunst" den Stempelschneider nicht nur er- 
setzen, sondern durch Genauigkeit, Sauberkeit und nament- 
lich auch Billigkeit übertreffen soll. Der Erfinder der Ma- 
schine ist S. W. Benton in Milwaukee, welcher von den 
achtziger Jahren an Schriften mit der Maschine geschnitten 
hat. In Deutschland ist die Maschine noch wenig einge- 
führt; in Amerika iedoch sollen viele Schriftgießereien da- 
mit arbeiten, vor allem die Linotype-Gesellschaft, welche 
sie zur Herstellung von Stempeln zum Prägen ihrer Ma- 
trizen benutzt. Der Stempel wird mittels der Maschine 
nach einem galvanisch hergestellten, plastischen Modell 
in Stahl gebohrt. In den Beschreibungen über die Maschine 



ei» 301 «ft 



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*&«&'K'K<M'K'K-M'v,'««t ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE «MMr-itr.warwarar» 



ist immer ein Buchsube abgebildet, der an den Konturen 
ganz ausgefranst und zerfressen ist. Von diesem Buch- 
Stäben wird gesagt, dass er die Vergrößerung eines, von 
einer Schriftgießerei gelieferten Petit-Buchstabens dar- 
stellt. Gleichzeitig ist eine Schablone der Maschine abge- 
bildet, deren Konturen schöne ganze Linien zeigen. Man 
könnte nun denken, dass sämtliche von Schriftgießereien 
gelieferte Buchstaben so schlecht waren, wie der abge- 
bildete. Dieser Fall kann nimlich nur eintreten, wenn aus 
„ Sparsamkeitsrücksichten* der Stempelschneidcr gespart 
wird. Nimmt man nimlich von einer schlecht und un- 
brauchbar gewordenen Matrize da das fortwihrende 
starke Hineinspritzen des heißen Bleis das Kupfer anfrisst 

einen Abguss, der auf einem Stein wieder glatt geschliffen 
wurde, und macht davon auf galvanischem Wege eine neue 
Matrize, so muss sich durch das Abschleifen auf dem Stein 
an der Bildfllchc des Buchstabens ein .Grat" angesetzt 
haben. Diesen Grat entfernt natürlich ein Stempel- 
schneider, bevor er den Buchstaben zum galvanischen 
Abformen giebt, was aber der Schriftgießer nicht kann. 
Wird nun ein Abguss aus einer solchen Matrize vergrößert, 
so sieht man allerdings, wie an manchen Stellen der Grat 
ausgebrochen ist und es zeigt sich in der That ein solches 
Bild, wie es in den Beschreibungen verbreitet wird. Würde 
man dagegen einen Abguss aus einer Original-Matrize ver- 
größern, so würden die Linien auch ganz glatt und gleich- 
mißig erscheinen. 

Von großer Bedeutung für die Stempelschneiderei, 
namentlich auch in Bezug auf den Schutz des geistigen 
Eigentums, war die Erfindung der Galvanoplastik, welche 
1837 von Jacabi und von Spencer erfolgte. Wie Hermann 
Smalian in Berlin, Seite 125 und 160 des .Archiv für Buch- 
gewerbe" 1890, ausführte, musste früher jeder, der eine 
Schrift oder Einfassung nachahmen wollte, auch die dazu 
nötigen Stempel schneiden. Das war letzt freilich nicht 
mehr nötig; man brauchte nur ein Alphabet der nachzu- 
bildenden Schrift resp. einen Satz Figuren der Einfassung 
sich zu verschaffen, um auf galvanischem Wege Matrizen 
herstellen zu können. Dagegen suchten sich natürlich die 



Schriftgießereien, welche die Originalstcrapel besaßen, zu 
wehren. Es wurde Verschiedenes versucht; unter anderem 
wurde die Ausdehnung des Gesetzes gegen unbefugte 
Kopien von litterarischen und Kunstwerken auch auf die 
Erzeugnisse der Stempelschneiderei verlangt. Als das ab- 
gelehnt wurde, wollte man einen Verein bilden, dessen Mit- 
glieder sich verpflichten sollten, keine neuen Erzeugnisse 
anderer Schriftgießereien auf galvanischem Wege nachzu- 
machen. Es wurde jedoch nichts daraus und als spater, 
1857, die Gründung des .Vereins deutscher Stempel- 
schneider und Schriftgießer* stattfand, konnte derselbe 
auch nichts ausrichten. 1858 richtete die Ed. Haenelsche 
Gießerei eine Petition an das preußische Abgeordnetenhaus, 
in der um Schutz der Erzeugnisse der Stempelschneider 
und des Stichs in Holz und Metallen gleich den Werken der 
Kunst und Wissenschaft ersucht wurde. Eine größere An- 
zahl Interessenten richtete 1861 zu demselben Zweck eine 
neue Petition an beide Hluser des preußischen Landtags 
ohne jedoch ihren Zweck zu erreichen. Im Jahre 1870 
wurde im Norddeutschen Reichstage bei den Beratungen 
über das Urheberrecht von Schriftwerken u. s.w. der Antrag 
gestellt, es solle dem nichsten Reichstag ein Gesetz vor- 
gelegt werden, welches die Werke der Kunstindustrie und 
die gewerblichen Muster und Modelle gegen unbefugte 
Nachbildung schütze. Am 11. Januar 1876 ist denn auch 
vom deutschen Reichstage endlich das Musterschutzgesetz 
erlassen worden. 

Zum Schlüsse sei noch eine Spezlalitit mancher Stempel- 
Schneidereien erwähnt Es ist dies die Anfertigung von 
Stempeln für den Notenstich. Die sogenannten gestochenen 
Noten werden mit diesen Stempeln vom Notensteeber in 
eine Zink- oder Zinnplatte hineingeschlagen. Auch die 
Schlüssel, Pausen, Vorzeichnungen u. s. w. werden mit 
Stempeln eingeschlagen, nur die Taktstriche, Notenstriche 
und Verbindungsbogen werden gestochen. Diese Noten- 
stempel sind aber nicht wie die Stempel für den Buchdruck 
verkehrt geschnitten, sondern zeigen das Bild richtig; auch 
sind die Stahlstlbchen ungefähr 7 -8 cm lang, damit man 
sie gut anfassen kann. 



Der Elektrotypograph, System Meray Rozär. 



UNTER den zahlreichen neueren Versuchen, das 
Problem des Setzens auf mechanischem Wege zu 
lösen und dadurch eine Ersparnis an Zeit und Arbeitskraft 
zu gewinnen, nimmt der Elektrotypograph eine hervor- 
ragende Stellung ein. Drei Hauptpunkte sind ihm charak- 
teristisch: 

1. Die Maschine gießt Einset-Bachstaben unter Verwen- 
dung von Einzelmatrizen nach Art einer Komplett -Gieß- 
maschine ; 

2. der Wechsel der Matrizen wird durch einen durch- 
lochtcn Papierstreifen verursacht, welcher auf einem von 
der Gießmaschine vollstindig getrennten, nach Art einer 
Schreibmaschine ausgebildeten Apparat hergestellt wird; 

3. das Ausschließen der Zeilen erfolgt vollkommen selbst- 
thitig mit der größten erreichbaren Genauigkeit. 

Eine kurze Beschreibung der Maschine wird diese Eigen- 



schaften naher erliutern und zugleich Ihre Vorzüge hervor- 
treten lassen. 

Zur Verrichtung der eigentlichen Setzarbeit dient, wie 
angedeutet, eine Schreibmaschine (Abb. 1), welche zum Her- 
stellen des gelochten Streifens noch mit besonderen er- 
ginzenden Vorrichtungen ausgerüstet ist. Sie unterscheidet 
sich nach ihrer Bauart von den gewöhnlichen Schreib- 
maschinen nur dadurch, dass die Wirkungen des Tasten- 
spieles nicht beim Niederdrücken der Taste, sondern erst 
beim Wiederloslassen derselben eintreten. Diese Wir- 
kungen sind dreifacher Art. Zunächst wird das der be- 
treffenden Taste entsprechende Zeichen auf Papier nieder- 
geschrieben wie bei jeder Schreibmaschine. Gleichzeitig 
wird aber in einem Papierstreifen eine Kombination von 
Löchern hergestellt, welchedasniedergeschrtebene Zeichen 
darstellt. Ferner wird ein Zihlwcrk, welches den bereits 



At 302 «Ä 



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>MmmmA*>'*L'*L'*L'1*mm, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



ausgefüllten Teil der Zeile misst, in Bewegung gesellt und 
um einen der Letternbreite entsprechenden Betrag weiter- 
bewegt. Sobald die Zeile bis auf ein gewisses kurzes Stück 
ausgefüllt ist, macht ein von dem Zählwerke verursachtes 
Zeichen den Operateur aufmerksam. Dieser kann jetzt die 
Zeile sofort schließen, oder noch einige zur Herstellung 
eines passenden Zeilenschlusses erforderliche Buchstaben 
hinzufügen. Die Linge der so unter vorläufiger Voraus- 
setzung normaler Wortspatien gebildeten Zeile darf bis 
5 mm unter oder über dem normalen ZeilenmaQe betragen 
Um alsdann die Zeile auf die normale Länge zu bringen, 
wird das überschüssige oder fehlende Stück auf die Wort- 
spatien verteilt durch entsprechende Vergrößerung oder 
Verkleinerung derselben. Die Regelung dieser Verteilung 
und die Einfügung entsprechender Lochzeichen in den 
Papierstreifen geschieht selbsthitig durch die Maschine 
und erfordert von Seite des Operateurs nur die einmalige 
Bedienung eines einzigen und zwar immer desselben Hebels. 

Der auf der Schreibmaschine durchlochte Papierstreifer, 
wird in die GieOmaschine (Abb. 2) gebracht, wo die Loch- 
kombinationen den Guss der ihnen entsprechenden Zeichen 
in einer einzigen Gießform bewirken. Die Matrizen für 
sämtliche Buchstaben und sonstigen zur Verwendung kom- 
menden Zeichen sind auf 30 Ringen (Abb. 3i untergebracht, 
und zwar enthält jeder Ring drei Matrizen. Die Ringe werden 
von Armen getragen, welche in einer Reihe nebeneinander 
auf einem Schlitten angeordnet sind, der sich beständig 
hin und her bewegt. 

Der Vorgang beim Gusse ist folgender: Der Arm, welcher 
den zu benutzenden Matrizenring trägt, springt aus der 
Reihe der übrigen vor und zwar immer an derselben Stelle 
der Schlittenbahn. Der Zeitpunkt aber während der Hin- 
bewegung des Schlittens, in welchem dies geschieht, ist 
verschieden und wird durch die gerade an einer Reihe von 
Fühlhebeln vorübergeführte Lochkombination des Papicr- 
streifens bestimmt. Die Wirkung der Löcher besteht darin, 
dasssie durch das Herunterfallen derFühlhebcldenSchluss 
von Stromkreisen bewirken, in welche Elektromagnete ein- 
geschaltet sind. Durch letztere werden Mechanismen in 
Thätigkeit gesetzt, welche den Zeitpunkt der Auslösung des 
Matrizenarmes beeinflussen. Nachdem der Arm vorge- 
sprungen ist, stößt bei der Weiterbewegung des Schlittens 
der Ring mit der in der Mitte befindlichen Öffnung auf 
einen Stift, auf welchem er sitzen bleibt, worauf er auf die 
Gicsform zu bewegt wird. Je nachdem die mittlere Matrize 
oder eine der beiden seitlichen zur Wirkung kommen soll, 
behält der Ring während der Bewegung zur Gießform seine 
Stellung bei oder er wird im einen oder anderen Sinne ge- 
dreht. Die genaue Einstellung des Ringes vor der Gieß- 
form, auch wenn infolge von Abnutzung ein Spielraum 
zwischen dem Stifte und den Scitenwänden der RingöfTnung 
entstehen sollte, ist durch zwei Anschläge gesichert, 
zwischen denen der Ring vor der Form sitzt (Abb. 4\. Der 
obere derselben ist fest, während der untere federnd an- 
geordnet ist und den Ring gegen den oberen andrückt. 
Die Einstellung der Gießform für verschiedene Lettern- 
stärken geschieht durch einen beweglichen Schieber, 
welcher die eine Wand der Form bildet und sich unter dem 
Drucke einer Feder dergegenüberliegenden Wand zu nähern 
sucht. Mit dem Schieber ist ein Stift verbunden, welcher 
in eines der drei in Abb. 3 sichtbaren Löcher des Matrizen- 
ringes eindringt. Die Tiefe dieses Loches, die je nach der 



Buchslabenstärke verschieden ist, bestimmt die Grenze, 
bis zu welcher der Stift vordringen kann und regelt so die 
Einstellung der Gießform. Der fertig gegossene Buchstabe 
wird auf allen Seiten durch Messer bearbeitet und darauf 
in einen Kanal geschoben, in welchem die Zusammen- 
stellung der Zeilen erfolgt. Die Maschine unterscheidet 
sich also von einer Komplett-Gießmaschiee nur darin, 
dass die für den Guss verwendeten Matrizen beständig 
wechseln. 

Gegenüber älteren Einrichtungen bietet der Elektrotypo- 
graph folgende Vorteile: Die Durchlochung des Papier- 
streifens durch einen Apparat, der zugleich eine Schreib- 
maschine ist und das Manuskript in gewöhnlicher Schrift 
niederschreibt, bietet die Möglichkeit, in jedem Augenblicke 
leicht das bereits Gesetzte zu kontrollieren. Die Manipu- 
lation zum Zwecke des Ausschließens der Zeilen ist höchst 




Abb. U SshreiliniMchlBC. Aaalckl von link». 

39» 



<*» 303 Wm 



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WIHMiimniimt««, ARCHIV FÜR BUCHGEWF.RBF. jrjrjrjrjrjrÄvsrjrjrir 



einfach und giebt bessere Resultate wie durch Handarbeit. 
Die Herstellung von besonderen Korrckturabzügcn mit 
Hilfe de» fertigen Satzes ist unnötig; das Schreibmaschinen- 
Manuskript dient vielmehr zugleich als Korrekturabzug und 
kann während des Gießens der Lettern durchgesehen 
werden, worauf die Anbringung der Korrekturen im Satze 
sofort nach Fertigstellung derselben erfolgen kann. Ein 
Zeitverlust durch Lesen der Korrektur findet daher nicht 
statt, ein Vorteil, der besonders für den Druck von Zei- 
tungen Bedeutung hat. Bei größeren Änderungen können 
die Streifen nach Belieben zerschnitten und ganze Zeilen 
herausgenommen oder neue Wörter eingeklebt werden 
u. s. w. 

Die Bedienung der Gießmaschine ist die denkbar ein- 
fachste, weil sie sich auf wenige leicht und schnell auszu- 
führende Operationen beschränkt. Eine Verstellung des 
Hebels h (Abb. 4) gestattet das gefüllte Satzschiff f zu ent- 
fernen und durch ein leeres zu ersetzen. Ein Wechsel der 
Schriftart wird in einfachster und kürzester Weise durch 
Auswechselung der Matrizenringe bewirkt; nicht minder 




Ab», l. 

M*lri><i>rln|. Niltirllclw CrOOt. 




Abb. 2 Getamuniicht der GleOmascblne. 



leicht ist die Einstellung der Gießform für einen anderen 
Schriftkcgcl auszuführen. 

Die Arbeitsweise der Maschine erleichtert ungemein die 
Anbringung von Korrekturen, auch beim fertigen Satz. 
Wlhrcnd bei den Zeilen- 
gießmaschinen ein vollstän- 
diges Ncugicßcn der betref- 
fenden Zeile, unter Umstün- 
den sogar mehrerer Zeilen, 
erforderlich ist, bedarf es 
hier nur der Auswechselung 
einzelner Buchstaben. Des- 
gleichen bietet es keinerlei 
Schwierigkeit, in den Satz 
einzelne Abschnitte mit an- 
deren Schriftarten einzu- 
fügen. 

Auch an sich bietet das 
System der Trennung des 
eigentlichen Setzens von dem Gusse der Lettern bedeu- 
tende Vorteile. Dadurch, dass «Ich 
die cigentlicheSetzarbeit auf einer 
Schreibmaschine vollzieht, werden 
geübte, teuer bezahlte Arbeiter, 
wie sie beim Handsetzen oder bei 
älteren Setzmaschinen erforder- 
lich waren, entbehrt; jeder Ma- 
schinenschreiber ist vielmehr zu- 
gleich auch ein fertiger Setzer. Die 

Leistung der Gießmaschine be- 
tragt ic nach Kcgclstärkc 5000 bis 
MOO Buchstaben in der Stunde. 
Rechnet man für die Schreibma- 
schine ISO Buchstaben pro Minute, 
eine Leistung, die jeder einiger- 
maßen geübte Schreiber mit Leich- 
tigkeit zustande bringt, so genügt 
eine einzige billige Arbeitskraft, 
um Material für zwei Gießmaschi- 
nen zu liefern. Da nun die Gieß- 
maschine selbst wenig Bedienung 
erfordert, so ist die Ersparnis an 
Arbeitslohn eine wesentliche. 

Den Zeitungsdruckcrcien ist die 
Möglichkeit beschleunigter Her- 
stellung der Zeitung geboten, da 
der Elcktrotypograph den Redak- 
teuren gestattet, gleichzeitig mit 
dem Niederschreiben ihrer Artikel 
dieselben setzen zu lassen. Der 
für die Aufstellung einer Schreib- 
und Gießmaschine nötige Platz 
(ca. 1 qm für jede, ist viel kleiner 
als der entsprechende einer Hand- 
setzerei. 

Durch den Elektrotypograph ist 
die Herstellung einer Neuauflage 
mit Hilfe der aufbewahrten Papier- 
streifen jederzeit ohne nennens- 
werte Kosten ermöglicht. Die bis- 
herige große Kapitalinvcstition für 
Papier und Stereotypplatten bei 



I 304 S 



Boom (t mmatttm It btuit be b bitall! i 
et vn-nr aiar a grant pulftancv er gcno Ic 
qn 1 1 contraint 1 ee tnrjang be reculer pui» 
eil pari« 

<t>; $op ie m ce ötc ne Stfftrier 
par aiav qui fozt ßp6 ton rme ntt 
fl)ate ie men UueiP acfle m tner 
(Encontre Cup Pa Szouf? fa nf e 
pour Pap tirer & 6omu- enf ente 
i)ne faiette au fooif 8u rueur 
Jlttifi que fe frij en Pa pParrte 
tfxicfittfts par grant tieftonneur 

Lo:e grtrra la fagcttt contrt aiar et Ic 
naarrra et fc commencera Li batattlc plus 
fbitpoig Iii? bitatar 

pari« i»rte f u maß naure 



<&e ta fäfefte Summnf 
<gf f ?ER? mc n f q u e k nau ftl p 
3amais & mozf rerouuremenf 
0)at6 auanf que ft na 6Pettient 
Ct) enfer me faffö? &/renoze 
Tu fzae f out pzermerement 
Car Mit P mc f et) fattrott Seffent« 
•En Srfpi'e & Pa fauPce r3efrne 
pour Paqucffe me fauPf mourcr 
Je f e ferap & m«t $i&me 
jHner /ans auPcun ferourtr 
Car i'Pefl fempe & &j»rft'r 
Ton cozpß Sc famour &(FopaÖe 
par qui au lourSup fauPf tent'r 
CQaintte tarnte flefue« en faflfe 

loiefrappera parie et Ir tucra puig eit 




puiö que fuie tfenge & er Pup 
•t-ui ma ßaifft ße coup mozfef 
3e fcap 8? tfzap que mo2f iefap 
€ane oppofiaon neappef 



6i requter au Si'eu immozfeP 
CtuiPapt pi>»e 8e mee enffane 
Cr 8u pzemeer qut efi ft 6eP 
«D.ui na pas encorea 6iv an« 



Tod von Ajax und Paris. 

Seilt tut: i'i»rofr« it It intntUm it Tnyt ta Graut. Gedruckt 1484 In Attlitr it r/auf» Sal.it ■ ChriittipSort. 
Noch dem Erempler der K(J. Oltdiilkhra BlblkHkek la Druden. — Am - .Hinein it riaprlmcrie er. Franc**. 



Bella«* >u dem AnlM • .DK NttlotuMruckeral I* Pari* u.a.».' 



Druck to« BrtWuipf e> llirttl la Ltlftit. 



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TlMl itt W.rk«. : tumpcii .( Kalairitr in BtrtUn. Cedrutki 1500 ,oa Omy H*nh*»t In AWi. 
Aati „Hiirolrt dt l'Impriir.rr:* tu Fmot*. 



^*L&»**Lmmmmmm ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arjrar^rjrarjrjrjrjrjr 



Durchwehter Pjp.eretrc f<n 



großen Auflagen wird also vermieden. 
Durch die vollständige Trennung der 
Selzarbeit von dem Gusse der Lettern 
können beide Maschinen an ganz ver- 
schiedenen Orten aufgestellt werden. 
Für eine kleine Druckerei, die nicht im 
stände ist, das für die Beschaffung 
einer Setzmaschine notwendige An- 
lagekapital aufzubringen und zu ver- 
zinsen, genügt die Anschaffung einer 
Schreibmaschine, während eine beson- 
dere Anstalt, die als Satzfabrik be- 
zeichnet werden kann, die Aufstellung 
von Gießmaschinen und den Guss des 
Satzes übernimmt. Auch die kleineren 
Druckereien sind so in den Stand gesetzt, 
in der Auswahl von Schriftsorten mit 
den grOOten Betrieben zu konkurrieren, ohne große Auf- 
wendungen für Letternmaterial machen zu müssen, da 
ja die Satzfabriken natürlicherweise Matrizen der verschie- 
densten Schriftarten in größter Reichhaltigkeit auf Lager 
haben werden. 

Der Elcktrotypograph wird von der Elektri;U.its -Aktu-n- 
grsellsehaft vormals Schuckrrt fr Co. für xwei Leipziger 
Firmen fabriziert und wird voraussichtlich zu Anlang des 
nächsten Jahres auf den Markt gebracht werden. 




Abb. 4. Sttllun* de» .Miirirrnrincrn biim C«<w <ler 1 eure. 



jj^- ^p- ^j^- JA 



Die Nationaldruckerei in Paris und ihre neuesten Prachtwerke. 



Von ALBIN MARIA WATZULIK. 



VON hervorragenden Sachkennern wurde in IctztcrZeit 
sowohl in der Fachpresse als in Vortrigen öfters dar- 
auf hingewiesen, dass bezüglich der künstlerischen Buch- 
ausstattung Frankreich an erster Stelle genannt zu werden 
verdiene. Dem kann jeder, der die in den letztverflossenen 
Jahrzehnten und besonders auf der Weltausstellung zu Tage 
getretenen Schöpfungen der französischen Buchdrucker- 
kunst in Augenschein genommen hat, nur beistimmen. 

Es dürfte angebracht sein, etwas über den Entwickelungs- 
gang der Nationaldruckerei zu Paris von ihrem Beginn an 
bis auf die Gegenwart hier mitzuteilen, welche ihren Ur- 
sprung von der im Jahre 1640, unter der Regierung Lud- 
wigs XIII., gegründeten königlichen Druckerei herleitet. 
Neu eingerichtet im Jahre II der Republik, bestätigt durch 



ein Dekret vom 24. März IMf.l, hat sie seit 1808 das Hotel 
Penthievre innegehabt, das indes bald der Bank von Frank- 
reich überlassen wurde. Man verlegte sie 1806 in das ehe- 
malige Hotel Rohan, auch Hotel de Strasbourg oder Palais 
Cardinal genannt. Seitdem durch bauliche Veränderungen 
nach und nach erweitert, erreicht ihre Totalfläche jetzt fast 
10000 Quadratmeter; ihre Werkstätten zählen zur Zeit 1400 
bis 1420 Personen, darunter 370 weibliche. 

Bisher besorgte die Nationaldruckcrci die Veröffent- 
lichung der „Gesetzsammlung", der .Sammlung der Ent- 
scheidungen des Kassationshofes*, der zahlreichen Druck- 
sachen, die die verschiedenen Ministerien und die meisten 
öffentlichen Verwaltungen benötigen, sowie von auf Staats- 
kosten herausgegebenen Werken der Wissenschaft und 



ex« 305 tft 



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'W.WK'K'K'WK'M'M'M'M ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararararJTJr jtjt jt-s«- 




Du linke Bild 



Kunst und von Spczialdokumenten. Beauftragt mit der offi- 
ziellen Publikation der Gesellte ist sie dem Justizministe- 
rium beigeordnet. 

Die Nationaldruckcrei stellt für Rechnung von Privat- 
personen nur solche Werke her, die Anwendung fremder, 
in den Privatdruckercien nicht vorhandenen Schriften nötig 
machen. Nachdem ein Dekret von IHM ihr die ehemaligen 
königlichen Sammlungen fremder Schriften zugewiesen, 
richtete sie eine Werkstatt für orientalische Typen ein; 
diese wurde seitdem gepflegt durch die Studien dieses 
Faches, welche sich an die Entdeckung der alten Civilisa- 
tion Ägyptens, Indiens und Assyriens knüpften. 

Das Etablissement hat nie gezögert, Aufwendungen für 
Gravieren und Gießen zu machen; es folgt stetig den Be- 
dürfnissen der Wissenschaft, wodurch sich seine Samm- 
lungen unaufhörlich vermehren. 

Die .Orientalische Sammlung" und die Veröffentlichung 
des „Corpus Inscriptionum Semiticarum", das alle phönizi- 
schen, hebriischen, aramäischen, palcnyrenischcn, naba- 
tenischen, himyaritischen, äthiopischen, sowie einige der 
alten syrischen oder arabischen Inschriften umfnsst, be- 
weist zur Genüge den Reichtum an ausländischen Schriften. 
Eine Werkstatt für Lithographie, Photographie, Phototypie, 
Heliogravüre, Holzschnitt, Stahl-, Kupfer- und Zinkätzung, 
Chromotypographie, eigentliche Lithographie, Pyrostcrco- 
typic vervollständigt ihre Ausrüstung. Außerdem besitzt 




die Anstalt eine Werkstatt für Galvanoplastik. Da sie ihre 
Schriften selbst schneidet und gießt, erreicht sie eine 
Gleichmäßigkeit, die mit wenigen Ausnahmen nirgends 
sonst zu finden ist. Ihr Material repräsentierte bei der 
letzten Inventur-Aufnahme im Jahre 1893 einen Schät- 
zungswert von 8157507 Francs. 

Die Typen der im Besitze der Nationaldruckerei befind- 
lichen Schriften umfassen 823 verschiedene Kegel, davon 
353 französische und 270 fremde. Die Zahl der gebrauchs- 
fähigen Schlagstcmpel beträgt 314 812, diejenige der Ma- 
trizen 131 710. Die Schriften aller im Gebrauch befind- 
lichen Kegel besitzen ein Totalgewicht von 3 507092 kg im 
annähernden Werte von 4209590 Francs. 

Die Ausrüstung der Werkstätten umfasst 44 Buchdruck- 
schnellpressen, 3 Rotationsschncllpressen, 3 Zwillings- 
Rotationsschncllprcsscn, 16 Handpressen, 23 lithographi- 
sche Schnell- und Handpressen, ferner 101 diverse Hilfs- 
maschinen. 

Selbstverständlich hat die Nationaldruckerei allen tech- 
nischen Neuerungen oder Erfindungen fortlaufend Auf- 
merksamkeit zugewendet und die meisten derselben adop- 
tiert. Der seit 1895 an der Spitze der Leitung stehende 
Direktor Christian hat es verstanden, unter Ausnutzung 
aller Konjunkturen herrliche und kostbare Druckarbeiten 
aus der Nationaldruckcrei hervorgehen zu lassen. 

Die Reorganisation und Vereinfachung der Verwaltung, 



Zvel Sellen 111s einem Livra d'neurea nu der legende von den drei Talen. 
da» Original iu «um dem Druck von Jan da f*rt. da« revhlc die Kopie au* dem Druck von Antotn* Caülant, beide in Pvnt. 
Die Initialen »ind in den Oririnalen mii der Hand einfemall. Aua: „Hliiolre de l'lmprimeric en frnnce". 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



besonders die Anpassung an die Ansprüche der modernen 
Technik, haben die Anstalt seit 1885 bedeutend gehoben. 
Um so empfindlicher machte sich das Bedürfnis nach einer 
baulichen Erweiterung geltend, denn das alte Gebäude mit 
seinen zahlreichen engen Räumen bietet dem arbeitenden 
Personal nicht alle Vorbedingungen für eine großartigere 
Entwickelung des Betriebes, wie solche z. B. die Staats- 
druckerei in Wien oder Berlin aufzuweisen vermag. Dies 
berücksichtigend, hat nun die französische Kammer un- 



wartungen recht wenig entsprochen haben. Die Ansicht, 
dass irgend eine deutsche leistungsfähige Firma zu Ehren 
des Altmeisters Gutenberg ein nationales, monumental ver- 
anlagtes Jubiliumswerk darbieten würde, hat sich nicht er- 
füllt ; ist indes von der Reichsdruckerei in Angriff genommen 



Um so größer war daher die Überraschung, als unlingst 
drei neue hochbedeutsame Werke aus der Nationaldruckerci 
in Paris erschienen 











I In .VI« iln 



Au* : „H i -ic-irt de 



i von J,in J. Pr, I 



lingst den Neubau der Nationaldruckerei auf einem i 
20000 qm umfassenden Grundstück beschlossen. 

Die graphischen Künste in Deutschland haben besonders 
in den letzten 20 Jahren durch ihre ganz außerordentlichen 
Leistungen ja bewiesen, dass bei uns vo 



Aber auch unsere westlichen Nachbarn, die Franzosen, 
sind nicht müßig geblieben : Das von Marius Vachon heraus- 
gegebene und in den Vereinigten Druckereien von May fr 
Motteroz hergestellte Werk »Lea Ans et les Industries du 
Papier en France" begann den Reigen. Es behandelt auf 
246 Quartseiten alle graphischen FIcher unter Vorführung 
von begleitenden Illustrationen aus den ersten graphischen 
Etablissements Frankreichs. 

Ferner erschien 1887 im Verlage von Per-Lamm in Paris 
ein eigenartiges Werk unter dem Titel «Les Programme«, 
Illustre« des Theätres et des Cafis-Concerrs, Menüs, 
Carte« d'Imitation, petites Estampes, etc.* Ein recht bunt 
zusammengewürfelter Inhalt! Bei näherem Hinblick fand 
sich indes, dass die Wiedergabe der Visitkarten berühmter 
Persönlichkeiten aus der ersten Revolutionszeit und der 
Zeit Napoleons I., ferner der iltesten französischen Ge- 
, Menüs, Theaterprogramms u.s.w. das Werk 
r und wertvoll macht. 
Die vorjährige Gutenbergfeier brachte noch eine Anzahl 
von Festschriften, die jedoch alle den auf sie gesetzten Er- 



nügen, den hoben Stand der französischen Graphik aufs 
neue zu konstatieren. Es sind dies die Werke: 

1. Histoire de rimprlmerie en France au XV' siede et au 
XVI« siecle par A. Claudia, laurtat de 1 Institut. Tome Pre- 
mier, Paris, Imprimerie Nationale. MDCCCC. 

2. Origine» de rimprlmerie en France. Conferences falte« 
les 25 juillet et 17 aoüt par M. A.Christian, Directeur de 
rimprimcrie Nationale, Paris. MDCCCC. 

3. A la Memoire de Jean Gutenberg. Hommage de l'Im- 
priraerie Nationale et de ta Bibliotheque Nationale. Paris, 
Imprimerie Nationale. Juin MDCCCC. 

Das erstgenannte Werk, das die Buchdruckerkunst in 
Frankreich im 15. und 16. Jahrhundert zum Gegenstand bat. 
wurde mit Genehmigung der Regierung herausgegeben, um 
die Leistungsfähigkeit der Nationaldruckerei vor Augen der 
auf dem vorjährigen Weltausstellungsplatz aus aller Herren 
Länder zusammenströmenden Nationen zu dokumentieren. 
Leicht gelbliches, halbkartonstarkes Büttenpapier aus den 
berühmten Fabriken von Rives, Dep. Isirt, mit den Wasser- 
zeichen .Imprimerie Nationale B F K Rives" verleiht dem 
Werk ein äußerst vornehmes Aussehen. Die von Garamond 
geschnittene, in der Nationaldruckerei noch vorhandene, 
sogen. Type «de l'Universit«" wurde durch Neuschnitt re- 
produziert, neugagossen und zum Vorwon de« Werkes an- 
gewendet. Dieselbe wurde ursprünglich auf Befehl Franz L 
bei Gründung de 



307 



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««'M«'K'KW««W ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrarjrjrjrjrarjrjrjrjr« 



gleich zur Ablösung der gotischen Type benutzt. Zum 
Text selbst wurde der ebenfalls neugeschnittene Frühere 
Schriftcharakter genommen eine Mediäval von Grand- 
jean, die von 1093 bis zum Ende des I" Empire in der 
Nationaldruckerei mit Vorliebe verwendet wurde und erst 
durch die Didot'sche Antiquatype abgelöst wurde. Bemer- 
kenswert ist, dass diese Schriften trotz ihres 400jlhrigen 
Alters schön und in unserem Sinne modern aussehen. 
Jeglicher Buchschmuck, auch eine etwaige Hervorhebung 
einzelner Zeilen durch Rotdruck, mit alleiniger Ausnahme 
des Haupttitels, ist völlig vermieden worden, was in Rück- 
sicht auf die überaus zahlreichen Faksimiledrucke von 



bonne, woselbst die erste Druckerei Frankreichs begründet 
wurde. Es wurde 1470 von drei Deutschen: Ulrich Gering, 
Martin Crantz und Michael Fribarger gedruckt. 

Die kostbarsten Blltter sind sicherlich die beiden Kunst- 
beilagen zum Werk „Valerius Maximus", das von Pasqaier 
Bonhomme 1476 gedruckt wurde. Die eine Beilage stellt 
einen öffentlichen Platz dar (Mtniaturc aus dem vierten 
Buch des genannten Werkes), wahrend die andere die Wir- 
kungen der Unmäßigkcit veranschaulicht (Miniature aus 
dem sechsten Buch des gleichnamigen Werkes). Diese 
wenigen Beispiele dürften genügen, um darzuthun, dass für 
das Werk mit reicher Ausstattung nicht gegeizt wurde. Von 



a 15 c E) * s * 3 * ®> $> o P JP öl * s z V J£ T 3 



abcdbefgbtjklmnopqrif stuvjcyj ffipcHTfi ITrtt» .//-() * r -^-^V 

(»ofmAr Typ* tat der Zrit nach dem Jahre 1471 ( HaJt. 
r.cm-hnhwn und •nt*»»n<l! von M. Fnbarrtr. LUnch Gering un4 *. Oanfi in der Druckerei Rue Sl. Jlcnur» tu M>:dl J/or. 

Aus: .Hi.loire dt l'lmprlmtrie en Fr»nc«-. 



Schriften, Holz- und Metallschnitten im Text ja völlig ge- 
rechtfertigt erscheint. 

A. Ctaudin, der hervorragende und für seine Studien über 
den Ursprung der Buchdruckerkunst mehrmals preisge- 
krönte Bibliograph, wurde Autor des Werkes und A.Christian, 
Direktor der Nationaldruckerei, also ein gewiegter Fach- 
mann, wurde ihm zur Seite gegeben. Claudin bereiste, 
um das Material zur Publikation des Werkes zu sammeln, 
ganz Frankreich, Holland und Deutschland; hauptsächlich 
wurden dabei die Drucke französischen Ursprunges aufge- 
sucht. Christian selbst verstand alle Vorteile, die die mo- 
derne Technik bot, für das großartig veranlagte, in seiner 
Art einzig dastehende Werk zu verwerten mit so glück- 
lichem Erfolg, dass alle Tafeln desselben mit den Meister- 
reproduktionen unserer Reichsdruckerei gut konkurrieren 
können. 

Das Prachtwerk wird bei Vollendung des letzten Bandes 
ca. 3000 Faksimiles der französischen Schriften aus dem 
15. und le.Jahrhundert enthalten. 

Der erste Band, der bis fetzt vorliegt und dem noch vier 
bis fünf gleichstarke Binde folgen sollen, ist 7 kg schwer 
und enthilt auf 490 Seiten 57Typenproben aus dem lS.Jahr- 
hundert, 145 Textseiten ohne, 127 mit ein- und 03 mit mehr- 
farbigen Illustrationen, ferner II vollständige Initial-Alpha- 
bete, 123 zum großen Teil mehrfarbige Vollbilder und 
9 Kunstbeilagen. Sämtliche Illustrationen sind tadellos ge- 
druckt und zwar mit einer einzigen Ausnahme auf typogra- 
phischem Wege. Die kostbaren Kunstbeilagen, die Mini- 
aturmalereien wiedergebend, werden nicht verfehlen, bei 
Sachkennern die höchste Bewunderung zu erregen wegen 
der meisterhaften Druckausführung; unter andern mögen 
hier nachstehende Blltter namentlich angeführt werden: 
Erste Seite des ersten in Paris gedruckten Buches unter 
dem Titel „Gasparini Pergamensis epistolarum opus in 4", 
mit Einfassung von den Illuminatoren der berühmten Sor- 



Guy Marchant sind Im Buch 37 Bilder vom ersten franzö- 
sischen „Totentanz* wiedergegeben, und zwar aus dem 
Jahre 1490. 

Einen annähernden Begriff vom illustrativen Reichtum 
des Werkes geben die hier beigegebenen Abdrücke der 
von der Nationaldruckerei gütigst zu diesem Zweck zur 
Verfügung gestellten Klischees. Für ausübende Künstler 
und Verleger bietet das Buch Gelegenheit, sich in den Geist 
des 1 S.Jahrhunderts zu vertiefen und Anregung Ähnliches, 
aber in modernem und gediegenem Gewand, zu schaffen. 

Das zweite Werk: „Origines de rimprimerie en France" 
im Format von 27x34 cm, hat der Direktor der National- 
druckerei, A. Christian, verfasst. Es enthilt auf 208 Seiten 
dessen Vortrige, die er während der vorjährigen Welt- 
ausstellung an der Internationalen Ausstellungsschule 
vom 25. Juli bis 17. August gehalten hatte. Beigegeben sind 
84 Bilder, lauter kostbare und gerreue Reproduktionen der 
französischen Frühdrucke. Zum Text wurden die von Gara- 
mond geschnittenen Typen genommen. Unter anderm 
bringt das Buch in getreuen Abbildungen die erste Affiche 
.Der große Ablas« Unserer lieben Frau von Notrc de Dame", 
die ersten Straßenanzeigen, die erste Zeitung in Paris u.s.w. 

Das dritte Werk: „A la memoire de Jean Gutenberg etc.* 
hat die gleiche Ausstattung und Formatgröße wie das erst- 
genannte Prachtwerk. Der Verfasser, Leopold Drlisle, hat 
auf Grund der beigegebenen 23 Bildertafeln (Auszüge aus 
den ersten Pariser Drucken Gutenbergs und Urkunden) in 
104 Seiten die Unanfechtbarkeit des Ruhmes Gutenbergs, 
der Erfinder der Buchdruckerkunst zu sein, nachgewiesen. 

Noch mögen die Preise der drei genannten Werke hier 
angegeben werden : das erste Buch kostet 250 Francs, das 
zweite und dritte je 100 Francs. 

Die französischen Buchdrucker haben mit diesen drei 
Werken zu rechter Zeit unserem Altmeister Gutenberg ein 
unvergängliches Denkmal gesetzt. 



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Zur l der unseres diesjährigen 
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der \ eier des 500jährigen Geburts- 
r.igcs loh.inncs (Jutenbergs erlauben wir 
uns Sie nebst Ihren werten Angehörigen einzuladen. 

GRAZ, 15. Juni 1900 h \S I i STC( > V/7/ 



ÜniLh der HiuMlnKkcfTi 
Beil irr fum »Archiv für Buchgewerbe*. 



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• uns, Ihnen die Mitteilung 
von dem erfolgten Ausscheiden 
unseres seitherigen Prokuristen 

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zu machen, welcher aus Gesund- 
heitsrücksichten seinen Abschied 
nahm. Wir verlieren in dem Aus- 
tretenden einen durchaus treuen 
und eifrigen Mitarbeiter, dem wir 
gerne ein dankbares Andenken 
bewahren werden. Hochachtend 
Essen, I.Mai 1900 is> /B is> ß> fs> ß> 
ifi> ß> O /S> EISENWERK ESSEN 




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Hiermit beehren wir uns, Ihnen die Nach- 
richt zu übermitteln, dass wir von heute ab 
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übernommen haben und halten wir uns Ihren 
geschätzten Aufträgen bestens empfohlen 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararararararararararar 



Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein. 



IN dem Deutschen Buchgewerbemuseum Ist in Stelle 
der Originallithographien von Alexandre Lunois nun- 
mehr eine Ausstellung von Nachbildungen von Buchein- 
binden alter und neuer Zeit getreten. Die Ausstellung 
giebt eine nahezu vollständige Obersicht über die Ge- 
schichte des Bucheinbandes an der Hand von durchwegs 
sehr guten zum Teil farbigen Kopien. Die vornehme Ein- 
fachheit des alteren italienischen Handbandes, die Pracht 
des französischen handvergoldeten Bandes im 17. Jahr- 
hundert lässt sich ebenso genau studieren, wie die Ge- 
schichte des deutschen und englischen Geschmackes, die 
allmlhlichc Verwilderung hier und das Fortleben gedie- 
gener Technik anderswo. Abgesehen vom historischen 
bietet die Ausstellung auch einen unmittelbar praktischen 
Vorteil; Einbinde, wie die wunderbar vornehmen des 
englischen Bücherliebhabers des 18. Jahrhunderts sind 
unmittelbar vorbildlich. Unter den Nachbildungen von 
Einbinden des 19. Jahrhunderts fallen besonders die fran- 
zösischen auf. Neben ganz tollen, wenn auch unbestreitbar 
echt künstlerischen Entwürfen, finden sich da zahlreiche 
ganz vortreffliche Arbeiten. Die Ausstellung wird erginzt 
durch eine Auslage alter und neuer Originalbinde. Unter 
den ilteren ragt ein köstlicher persischer Band aus dem 
16. Jahrhundert (Neuerwerbung der Königlich Bibliogra- 
phischen Sammlung) hervor. Unter den modernen Binden 
begrüßen wir, neben den wunderschönen, immer wieder 
durch den Reichtum der Ideen und der Schönheit des Ent- 
wurfes überraschenden englischen Lcinenbindcn auch 
zahlreiche recht gute deutsche Arbeiten. Die ganze Aus- 
stellung ist aus den Sammlungen des Deutschen Buch- 
gewerbemuscums gebildet. Möge diese Ausstellung Anlass 
geben, dass die Blattsammlung des Buchgewerbemuseums 
von den Interessenten recht hiuflg zu Rate gezogen werde. 

Die in Schaukasten befindlichen dauernden Auslagen 
des Deutschen Buchgewerbemuseums sind neu erginzt 
und vervollständigt worden. Die moderne Abteilung ins- 
besondere dürfte nicht verfehlen, in ihrer neuen Gestalt 
Eindruck zu machen. 

Die Sichtung und Ordnung der Bestinde des Deutschen 
Buchgewerbemuseums schreitet rüstig vor. In letzter Zeit 
wurde die Neuaufnahme der Plakatsammlung vollendet 
Ein alphabetischer Zettelkatalog nach Künstlern ist aus- 
gearbeitet, der über 730 Nummern umfasst. Desgleichen 
wurde eine Sammlung von kleinen Drucksachen aufgestellt, 
die sich irgendwie durch künstlerische Haltung auszeichnen. 
Außer Weihnachtsnummern verschiedener in- und aus- 
lindischer Zeitschriften umfasst diese Sammlung alle Arten 
von Prospekten, Katalogen, Geschiftsanzeigcn, Gedenk- 
und Festdrucksachen, Programmen, Privatdrucken, Kalen- 
dern u. s.w. Diese oft höchst reizvollen Kleinigkeiten sind 
in 30 Kisten von vier verschiedenen Größen untergebracht 
Allen Angehörigen des Buchgewerbes empfehlen wir das 
Studium auch dieses Teiles der Sammlungen, der erfreu- 
licherweise stindig wichst. 

Die künstlerische Belebung des kleineren Privatdruckes 
tder Visitenkarte, des Briefkopfes, der Verlobungs- und 
Geburtsanzeigen u. s. w.» hatte eine auf Anregung des 
Deutschen Buchgewerbcmuscums stattgehabte Bespre- 
chung von Buchdruckereibesitzern und Künstlern zum 



Gegenstand. Die auf Grund dieser Besprechung sich er- 
gebenden Arbeiten sollen der Öffentlichkeit zugingig ge- 
macht werden. 

Die Ausstellung von Originallithographien von Alexandre 
Lunois, die in einer solchen Vollständigkeit in Deutschland 
zum ersten Male im Deutschen Buchgewerbehause gezeigt 
wurde, hatte einen vollen Erfolg. Von Kunstfreunden und 
Sammlern wurden Blatter für den Gesamtbetrag von 
Francs 1400. — erworben. 

Die Kommission für die deutsche Buchgewerbe- Aus- 
stellung in Paris 1900 hat nach nahezu vierjähriger Tbärig- 
keit nunmehr ihre Arbeiten erledigt. Die Einnahmen und 
Ausgaben balancieren mit M. 86941.43. Der größte Teil 
der Ausgaben entfällt auf das Ausstellungsmobiliar und 
die Ausstattung, die rund M. 43000 erforderten. Für Ver- 
rund M. 10000, für Gehalte der Ausstellungsbeamten in 
Paris M. 12500 aufgewendet werden. Für direkte Verkäufe 
wurden an die Aussteller M. 4000 gezahlt, außerdem aber 
noch für etwa M. 3000 Verkäufe vermittelt. Der Erfolg der 
Deutschen Buchgewerblichen Ausstellung war ein sehr 
guter, da von 142 Firmen, die an der Preisbewerbung teil- 
nahmen, 134 mit Preisen ausgezeichnet wurden. 

Der nächste Band des Musteraustausches gelangt im 
Dezember 1902 zur Ausgabe. Gegen Ende Juli wurde an 
das gesamte Buchgewerbe folgendes Rundschreiben ver- 
sandt: .Hiermit beehren wir uns, Sie zur Teilnahme an 
dem X. Bande des Musteraustausches des Deutseben Buch- 
gewerbevereins, begründet vom Deutschen Buchgewerbe- 
verein, ganz ergebenst einzuladen. In erster Linie ist der 
Musteraustausch berufen, durch seinen Inhalt den wei- 
testen Kreisen des Buchgewerbes zur eigenen Anregung 
eine Blattsammlung, sowie ein Bild von der Leistungs- 
fähigkeit des gesamten Buchgewerbes zu bieten. Welter 
soll der Musteraustausch aber auch für alle Angehörige 
des Buchgewerbes ein hervorragendes Bildungsmittel für 
gewerblichen Kunstsinn und Geschmack sein. Unser Be- 
streben muss daher noch mehr wie bei dem letzten Bande 
dahin gehen, nur gediegene Druckblitter aufzunehmen, 
damit der Musteraustausch seinen Zweck erfüllen kann. 
Wir gestatten uns daher die Bitte an die Teilnehmer zu 
richten, je nach ihren Kräften bestrebt zu sein, in ihren 
Beiträgen nur Mustergültiges zu bieten, damit die einzelnen 
Beiträge unter sich In einem gewissen Wertverhältnisse 
stehen. Jeder Freund und Angehörige des Buchgewerbes 
wird die Wichtigkeit des Musteraustausches zu schätzen 
wissen. In der Sommerszeit dieses oder des nächsten 
Jahres wird sich such vielleicht den vielbeschäftigten 
Firmen Gelegenheit zur Anfertigung eines geeigneten Bei- 
trages bieten. Der X. Band des Musteraustausches gelangt 
spätestens Ende Dezember 1902 zur Ausgabe und Verteilung, 
der äußerste Zeitpunkt zur Ablieferung der Beirrige ist 
deshalb der 3t. August 1902. Eine Verschiebung der Aus- 
gabe soll und muss vermieden werden, daher ist es dringend 
nötig, dass die Einlieferungsfrist von den Teilnehmern ge- 
nau eingebalten wird. Die Teilnehmer-Bedingungen finden 
Sie nebenstehend. Ganz besonders wollen Sie beachten, 
dass alle Zuschriften und Sendungen an die Geschäftsstelle 
des Deutschen Buchgewerbevereins, Leipzig, Deutsches 



•aft 300 «* 



40 



«««WM«'««.'»!««. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arar 3r ar ar ar sr jt jrsr sr 



Buchgewerbehaus, zu richten sind. Zum Schlüsse erlauben 
wir uns noch, Sie zu bitten, unser Rundschreiben auch 
Ihren Angestellten vorlegen zu wollen, da sich gewiss ein- 
zelne unter ihnen bei entsprechendem Entgegenkommen 
von Ihrer Seite gern an dem Musteraustausch beteiligen 
werden. In der Hoffnung, dass Sie unsere dem gesamten 
Buchgewerbe dienenden Bestrebungen gern fördern wer- 
den, sehen wir Ihrer Anmeldung auf beiliegender Karte ent- 
gegen." Die Theilnehmerbedingungen werden auf Wunsch 
von der Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbe- 
vereins kostenlos und postfrei ubersandt. 

Zur Zeit ist der Besuch des Deutschen Buchgewerbe- 
hauses und seiner Einrichtungen von Seiten auswärtiger 
und ausländischer Fachleute ein äußerst reger. Die Ge- 
schäftsstelle des Vereins hat allen denjenigen Herren, die 
sich bei ihr meldeten, einen Führer durch das Geblude 
mitgegeben, der ihnen auch die Einrichtung der Samm- 
lungen und die Bibliothek, die dem öffentlichen Besuche 
nicht freistehen, eingehend zeigte und erläuterte. Alle An- 
gehörigen des Buchgewerbes, die nach Leipzig kommen, 
werden gebeten, in der Geschäftsstelle vorzusprechen, da- 



mit auch ihnen die der Öffentlichkeit nicht zugingigen 
Einrichtungen gezeigt werden können. 

Voraussichtlich dürfte im Monat September der Besuch 
von Mitgliedern der .United Typothetae of Amerika* er- 
folgen, die das Deutsche Buchgewerbehaus und seine Ein- 
richtung, das Deutsche Buchhindlerhaus, sowie verschie- 
dene buchgewerbliche Geschifte in Berlin und Leipzig 
besichtigen wollen. Die Führung der amerikanischen Fach- 
genossen übernimmt der Deutsche Buchgewerbeverein. 

Im September rindet in dem Deutschen Buchgewerbe- 
hause eine Ausstellung buchgewerblicher Erzeugnisse der 
österreichisch-ungarischen Kronländer statt, in der solche 
Werke und Blatter ausgestellt werden sollen, die nach 
irgend einer Seite ein bemerkenswertes technisches oder 
künstlerisches Interesse für das Buchgewerbe bieten. Da 
bis jetzt die Mehrzahl der großen und angesehenen Firmen 
von Österreich-Ungarn ihre Beteiligung zugesagt haben, 
so dürfte die Ausstellung ein wenn auch nicht vollständiges, 
so doch gutes und übersichtliches Bild von der gegen- 
wärtigen Leistungsfähigkeit des Buchgewerbes der Öster- 
reichisch-ungarischen Kronländer bieten. 



Verzeichnis von Personen und Firmen, 

die im Juli 1901 dem Deutschen Buchgewerbemuseum Schenkungen überwiesen haben. 



ß. Kocy, Prag: Stara Praha. Lief. 20 24. F. Volckmar, 
Leipzig: 5 Bde. in Volckmarschen Leinenbinden. K.k. gra- 
phische Lehr- und Versuchsanstalt, Wien: Schriftproben. 
B. O. Teubner, Leipzig: Lexikon der griechisch-römischen 
Mythologie. Kaiser Wilhelm- Museum, Krefeld: Katalog 
der Emil Orlik- Ausstellung. — Schweizer. Buchhändler- 
Verein, Zürich: Jahresbericht 1900.— Oberbürgermeister 
Dr. Gassner, Mainz: Gutenbergfest 1900 (Festschrift). — 
Salden er Co., London: I Bd. — T.C. er E. C.Jack, Edin- 
burgh: 2 Bde. Clarendon Press, Oxford: 7 Bde. Förster 
&Borrics, Zwickau: Führer für Pilzfreunde, Bd. II. A.Ba- 
gel, Düsseldorf : Die Rheinlande. Dir. Deneken, Krefeld: 
Katalog der Ausstellung von Schulbildcrn im Kaiser Wil- 
helm-Museum (Krefeld» und Plakate. - Rainer Af. Rilke, 
Bertin: Original -Lithographien von Orlik und Cissarz. 
Kleinsche Druckerei, Krefeld: Ausstellung japanischer Far- 
benholzschnitte in Japan. Otto Harassouitz . Leipzig: 
Bauch: Geschichte d. Leipziger Frühhumanismus; Milkau: 
Centralkatatoge und Titcldruckc; Rcichhart: Beiträge zur 



Inkunabclkundc. Fritdr. Vieweg fr Sohn, Braunschweig : 
Andree: Braunschweiger Volkskunde. - Büxenstein, Berlin : 
Mus£e retrospectiv. S.Hirzel, Leipzig: I Original-Ra- 
dierung von Oldc. A. Derkinderen, Laren: I Original- 
Lithographie. Ferd. Wulff, Hamburg: Ed : Geschichte des 
Buchdrucks; Lappenberg: Zur Geschichte d. Buchdrucker- 
kunst in Hamburg; Die Buchdruckerkunst In Hamburg-Al- 
tona. E. F. Thienemann, Gotha: Mahmann: Andreas 
Reyhcr. - Breitkopf er Härtel, Leipzig: Buchgewcrbticbe 
Großbetriebe, Leipzig; Leipzig zu Beginn des 20. Jahrhun- 
derts; Verschiedene Drucksachen. Arthur Woernlein, 
Leipzig: Mehrere Bücher. Exlibris von Emil Orlik (Ori- 
ginal-Lithographie oder Original-Radierung); Schölermann, 
Kiel; Dr. Salus, Prag (und von H. Steiner); Prof. Dr.Zoufal, 
Prag; Dr. Wien, Prag; Prof. Dr. Lehrs. Dresden. Plakate 
von Emil Orlik (Original-Lithographien); A. Haast, Prag; 
Bohemia, Prag; Potolowsky, Berlin. 

Allen freundlichen Gebern sagen wir 
Stelle aufrichtigen Dank. 



Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins. 



Patentwesen, neue Erfindungen und Verbesserungen. 

Mitgeteilt vom Patentanwalt PAUL MÜLLER in Berlin SW. 

DEUTSCHE PATENTE. Nr. 119242. Vorrichtung an Unregelmäßigkeiten in der Papierzuführung ist der Druck- 
Druckmaschinen zum Abbebcn des Druckcylindcrs cylinder 9 in schwingenden Lagern 23 angeordnet und auf 
vom Formcylinder bei Unregelmäßigkeiten in der Papier- seiner Achse mit Scheiben ZS versehen, welche auf ihrem 
Zuführung, H.Hölscher in Lengerich i.W. An derVorrichtung Umfange eine Erhöhung besitzen und gegen kreisrunde, 
zum Abheben des Druckcylindcrs vom Formcylinder bei ebenfalls in schwingenden Lagern 28 angeordnete Scheiben 



«s* 310 tfe 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE sr sr sr sr sr m- jt jt <** 



29 anliegen, damit, je nachdem die einen oder anderen 
dieser Lager an ihren unteren, elastisch verbundenen Enden 
restgehalten werden, entweder die kreisrunden Scheiben 29 
im gegebenen Augenblick ausweichen und das Bedrucken 
erfolgt, oder der Druckcylinder 9 sich von dem Formcy- 
linder abbewegt und das Bedrucken unterbleibt Die schwin- 
genden Lager des Druckcylindcrs 9 oder der kreisrunden 
Scheiben 29 werden von Doppelankern 32 festgehalten, die 



34, 36 in solcher Stellung sichert, dass dasselbe die Doppel- 
anker 32 in Eingriff mit den schwingenden Lagern 23 des 
Druckcyllnders 9 erhält, und das Bedrucken der Papier- 
slcke oder dergleichen erfolgt. Der bei 35 drehbare Vinkel- 
hebel 36 gleitet mit einer Rolle seines wagerechten Armes 
auf einer Scheibe 38, die eine Vertiefung 39 besitzt, damit, 
wenn bei einem durch die Greifer 13 bewirkten Strom- 
schluss die Elcktromagncte 42 ihren Anker 41 anziehen 




auf einer gemeinsamen Achse 31 sitzen und in ihrer Stel- 
lung durch Elcktromagnete 42 beeinflusst werden, die in 
einen Stromkreis eingeschaltet sind, der geschlossen wird, 
wenn dem Druckcylinder kein Papiersack zugeführt wurde, 
und die Greifer 13 zwei ebenfalls in den Stromkreis einge- 
schaltete und in der Brücke 14 gelagerte Kontaktstifte 48, 
49 berühren. Der Anker 41 der Elcktromagnete 42 trigt 
eine Stütze 40, welche bei regelmäßiger Papierzuführung 
und demgemäß unterbrochenen Stromkreis ein mit der 
Welle der Doppelanker 32 verbundenes Hcbelsystem 33, 



und dessen Stütze 40 das Hebetsystem 36, 34, 33 freigiebt, 
der wagrechte Hebelarm sinken kann, und die Doppelanker 
in Eingriff mit den schwingenden Lagern 2H der Scheiben 29 
kommen, um das Bedrucken zu verhindern. 

Nr. 119496. Rotationsmaschine zur Herstellung von 
Mehrfarbendruck, William Henry ReyntU Tay« in Phila- 
delphia. Bei der Rotationsmaschine zur Herstellung von 
Mehrfarbendruck sind die den sich dauernd in einer Rich- 
tung bewegenden bandartigen Papiertrlger führenden und 
antreibenden Rollen in einem Hülfsrahmen angeordnet, 



«s« 311 M 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



welcher auf den Vellen der zeitweise angehobenen Druck- 
cylinder aufliegt und mit ihnen gehoben wird, zum Zweck, 
das Auftreten einer schidlichen Spannung im bandartigen 
Papiertriger zu verhindern. 

Nr. 119552. Punkturvorrichtung mit beweglichen Punk- 
turen für Rotationsmaschinen zum Bedrucken von Papier- 
oder Gewebebahnen in mehreren Farben, Gaston ElieRouvet 
und Edouard Albert Fix in Paris. An der Punkturvorrich- 
tung mit beweglichen Punkturen für Rotationsmaschinen 
zum Bedrucken von Papier- oder Gewebebahnen in meh- 
reren Farben werden mit Punkturen versehene Stege, auf 
denen die Punkturen in veränderlichem Abstand befestigt 
werden können, mit einer der Papier- beiw. Gewebege- 
schwindigkeit genau gleichen Geschwindigkeit bewegt. Die 
die Punkturen tragenden Stege bestphen je aus zwei mit 
Längsaussparungen versehenen und durch Zugfedern h mit 
einander verbundenen Stangen b f, von denen die eine / 
die mittels Schieber e der Papierbahnbreite entsprechend 
einstellbaren Punkrurspitzen a trlgt, die Stege aber in 
gleichem gegenseitigen Abstände auf Ketten, Drahtseilen 



oder Stahlbändern aufgesetzt sind und in Längsausspa- 
rungen d in einer Führungswalze / für das Papier bezw. 
Gewebe einzutreten vermögen, wobei eine zweite Walze r 
zur Zeit, wo das Papier bezw. Gewebe die Punkturspltzen 
verlassen soll, die letzteren m die Stange b zurückdringt. 

Nr. 119646. Tiegeldruckpresse mit besonderer Vorrich- 
tung zum Festhatten des Papierbogens, Fred. Watte in Otley 
of The Lindens (England). Bei der Tiegeldruckpresse mit 
besonderer Vorrichtung zum Festhalten des Papierbogens 
trigt der aus der wagerechten Lage in die senkrechte Druck- 
stellung schwingende Tiegel an seiner Vorderkante eine 
abbebbare, über denselben hinweg reichende, mit Aus- 
zum Eingreifen für die Ablegcgrcifer 47 ver- 
Crciferlciste, welche den angelegten Bogen am 
Tiegel festklemmt, wobei eine Verschiebung des Bogen^ 
auf dem Tiegel in der Druckstcllung dadurch verhindert 
wird, dass ein am Maschinengestell drehbar gelagerter, un- 
abhängig von der Bewegung des Tiegels durch Hebel 25, 
28, 30 von der Daumenscheibenwelle J3 bewegter Rahmen 
sich auf den Bogen legt. 



Aus den graphischen Vereinigungen. 



Bertin. In einer offiziellen Sitzung der Berliner Typo- 
graphischen Gesellschaft sprach Herr Rudolf Schmidt über 
das Thema: Der moderne buchhtndleriscbe Verkehr. Nach 
cinerSchitderung der gescbiftlicbenVerhiltnisse des Buch- 
handels, wie sie sich seit langen Jahren unter der Führung 
des Börsenvereins der deutschen Buchhändler entwickelt 
haben, ging der Redner auf das Verhältnis des Verlegers 
(Grossisten! gegenüber dem Sortimenter (Detaillisten), und 
des letzteren wiederum gegenüber dem Käufer (Konsu- 
menten) näher ein, wobei er daraur hinwies, dass einmal 
das gesteigerte Lesebedürfnis der überdies rapid gewach- 
senen Bevölkerung, dann aber auch die Leistungsfähigkeit 
der vervollkommneten Druckpressen den Buchhandel 
ebenso wie andere Gewerbe gezwungen hätten, sich dem 
modernen Geiste des geschäftlichen Verkehrs anzupassen. 
Riesengeschäfte, wie die .Union" und die „Deutsche Ver- 
lagsanstalt*, seien sprechende Beispiele dafür. Allerdings 
wickele sich der innere Verkehr im deutschen Buchhandel, 
d. h. also zwischen Verleger und Sortimenter, im großen 
Ganzen noch in den gleichen Formen ab wie seither. 
Leipzig bilde in dieser Beziehung als Hauptauslieferungs- 
ort noch immer die Centrale des deutschen Buchhandels 
und werde sich dieses Vorrecht auch so leicht nicht 
nehmen lassen. Hier finde sowohl der Warenaustausch 
durch die Kommissionäre, als die alljährliche Abrechnung 
zur Ostermesse statt. Je weiter entfernt nun ein Buch- 
händler von dieser Centrale seinen Wohnsitz habe, um so 
erheblicher wären natürlich die Transportspesen für die 
Bücher und Journale. Deshalb müsse vor allen Dingen zur 
Erleichterung des buchhändJerischen Verkehrs zwischen 
derartig weitab gelegenen Orten dahin gestrebt werden, 
dass entweder eine Verbilllgerung des jetzt üblichen Min- 
destsatzes von 50 Pfg. Postgebühr für weitere Entfernungen 
auf 25 Pfg. eintrete, oder aber ein Zwischengewicht von 2' . 
bis 3 kg bei entsprechend ermäßigtem Portosatz für lit- 
terarische Erzeugnisse zur Einführung gelange. Eine sol- 



che billigere Versandgelegenheit würde den direkten Ver- 
kehr erheblich fördern und dadurch die oft umfangreichen 
Auslieferungslager bei den Kommissionären entlasten. — 
Wenn die Materie des Vortrags den Mitgliedern der Typo- 
graphischen Gesellschaft auch etwas fern lag, so nahmen 
die Zuhörer die Ausführungen des Herrn Schmidt doch 
mit lebhaftem Interesse entgegen; nur war man der Mei- 
nung, dass von einem „modernen* Geist im buchbändle- 
rischen Verkehr eigentlich noch sehr wenig zu verspüren 
sei! — Ein lebhafterer Meinungsaustausch der Mitglieder 
entwickelte sich dagegen bei der Erörterung der nun fol- 
genden technischen Fragen: Zunächst erörterte ein Be- 
richt der Wiener graphischen Gesellschaft das Thema: 
Linien aas Blei oder Messing? Mir kommt das ebenso vor. 
als ob mich jemand fragen würde: „Fahren Sie Omnibus 
oder Elektrisch?" Denn die Zeiten, in denen sich der 
echte „Accidcnzcr" noch mit dem Bleilinienschneiden be- 
fassen musste, wobei gewöhnlich die Innenfläche der Dau- 
menkuppe bedenklich in Mitleidenschaft gezogen wurde, 
sind glücklicherweise in dem Zeitalter streng systema- 
tischen Materials untergegangen, und für das moderne 
Material kommt die Bleilinic nur noch bei größeren Kegel- 
stärken in Betracht. Eine andere für weite Kreise wich- 
tige Frage lautete: Ist es statthaft, sich ivn selbstgefertigten 
Arbeiten Muster anzueignen? Diese Frage berührt vor allen 
Dingen die Interessen der Accidenzsetzer und der Illustra- 
tions- und Farbendrucker, da es für diese bei einem Stellen- 
wechsel in erster Linie heißt, Proben ihrer Leistungsfähig- 
keit vorzulegen. Solange nun Proben und Muster verlangt 
werden, so wurde ausgeführt, muss es auch gestattet sein, 
solche zu entnehmen, jedoch ausschließlich mit Genehmi- 
gung der betreffenden Geschäftsleitung. Diese könne aber 
in Fällen, in denen es sich um Wahrung gewisser Geschäfts- 
geheimnisse oder anderer Interessen handele, mit Recht 
verweigert werden, und dann sei es unstatthaft, sich die 
gewünschten Proben oder Muster anzueignen. Dieses 



312 



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««««««««*«« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararjrararjrjrarwarar 



Thema zeitigte eine solche Fülle von Anschauungen und 
Fragen, dass es in einer besonderen Sitzung, vielleicht im 
Anschluss an einen einschlägigen Vortrag, ausführlicher 
behandelt werden soll. 

Hannover. Typographische Vereinigung. Dem Beispiele 
anderer größerer Druckorte folgend, wurde auch hier vor 
ca. 1 Vi Jahren eine typographische Vereinigung gegründet, 
welche das Ziel verfolgt, durch Vorträge und Aussprache 
über technische Fragen, durch Lehrkurse im Skizzieren, 
Kolorieren und Tonplattenschnitt auf alle vorwärtsstreben- 
den Kollegen anregend und belehrend zu wirken. Hatte 
auch die junge Vereinigung im Anfang mit mancherlei 
Schwierigkeiten zu klmpfen, um alle die Bedenken zu zer- 
streuen, die von vielen Seiten gegen ihre Existenzberech- 
tigung geltend gemacht wurden, so schritt sie doch un- 
entwegt weiter und wusste durch einen trefflich geleiteten 
Skizzierkursus, durch Vortrige über .Unsere Aufgaben in 
der Typographie" (Herr Könitzer, Berlin), „Über Ton- 
plattenschnitt" (Herr Faktor Hoffmann), ferner durch eifrige 
Mitarbeit anlisslich der typographischen Ausstellung in 
den Räumen des Cewerbevereins, sowie durch Preis- 
bewerbe (Johannlsfestkarte, Mitgliedskarte und Neujahrs- 
karte) das Interesse der alten Mitglieder zu festigen und 
neue zu gewinnen. Im neuen Jahre begann ein Kolorier* 
kursus für neueingetretene Mitglieder, der sich reger Be- 
teiligung zu erfreuen hatte. Das gute Einvernehmen mit 
dem «Drucker- und Maschinenmeister-Verein" bot unseren 
Mitgliedern Gelegenheit, zwei interessanten Vorträgen bei- 
zuwohnen und zwar am 13. Januar einem solchen .Ober 
Farbendrucke" «Herr Schilde, Celle) und am 24. Februar 
einem über .Die Theorie der Farben" (Herr Dr. Klinkhardt), 
welch letzterem sich ein Referat des Herrn Faktor Sietzsch- 
mann über den seitens der Firma Edler & Krische in zuvor- 
kommender Weise zur Verfügung gestellten internationalen 
„Musteraustausch des Deutseben Buchgewerbevereins" 
anschloss. Zur Erlangung von Entwürfen für das Pro- 
gramm zum 15. Stiftungsfest des .Drucker- und Maschinen- 
meister-Vereins" hatte derselbe für unsere Mitglieder 
einen Preisbewerb veranstaltet und zu diesem Zwecke 
einen Geldpreis gestiftet, dem die Typographische Ver- 
einigung ihrerseits zwei weitere Preise hinzufügte. Von 
den eingegangenen 22 Entwürfen wurden diejenigen der 
Herren Schreyer, Wandelt und Vogel prämiiert. Möge 
dieses freundnachbarliche Verhältnis beider Vereine er- 
sprießliche Resultate zeitigen! Am 5. März hielt Herr 
Wissel einen beifällig aufgenommenen Vortrag .Ober 
Zinkätzung*. Das Bestreben, mit anderen Vereinigungen 
zwecks Austausches von Skizzen und Drucksachen in Ver- 
bindung zu treten, hatte insofern Erfolg, als unser Neu- 
jahrskarten-Wettbewerb der .Graphischen Vereinigung 
Altenburg" zur Kritisierung übermittelt wurde, wofür die- 



selbe sich mit Einsendung von Wettbewerben für einen 
Briefkopf, Glückwunschkarte und Titel zu einem Statut 
revanchierte. Ebenso erfreuten uns die .Typographische 
Gesellschaft München* durch Obersendung der Entwürfe 
zum Umschlag ihres Jahresberichts und der aus dem 
Unterricht des Herrn Steinlein hervorgegangenen Zeich- 
nungen und der Verlag des „Deutschen Buch- und Stein- 
drucker" durch eine Kollektion Neujahrskarten und aus- 
ländischer Drucksachen. Dass ein derartiger Austausch 
von ganz eminenter Wichtigkeit ist, bedarf keiner beson- 
deren Hervorhebung; wünschen wir, dass diesem Beispiele 
recht viele Vereinigungen folgen! Am 4. April fand eine 
gemütliche Zusammenkunft zu Ehren unseres von uns 
scheidenden Vorsitzenden, des Herrn Karl Nietzschmann, 
statt, welche einen recht animierten Verlauf nahm. 
Mitgliederstand zur Zeit 45.- Der Vorstand setzt sich wie 
folgt zusammen: Aug. Erfurt, Vorsitzender; Wilh. Wandelt, 
Kassierer; Rob. Remnitz, Schriftführer; Franz Vogel und 
Paul Scholwin, Bibliothekare. Alle Anfragen und Sen- 
dungen sind an Herrn Aug. Erfurt, Lessingstraße 9, zu 
richten. y. 

Stuttgart. Der vom Graphischen Klub im Frühjahr ins 
Leben gerufene Zeichen- und Skizzier-Unterricht, speziell 
für die Praxis berechneter Entwürfe im modernen Stil, hat 
vorläufig seinen Abschluss gefunden. Msn kann mit den 
erzielten Resultaten sehr zufrieden sein, wovon sich jeder 
bei einer demnächst stattfindenden Auslage der angefer- 
tigten Arbeiten überzeugen kann. Die weitere Thätigkeit 
des Klubs beschränkt sich bis zum Eintritt der kühleren 
Jahreszeit auf die jeweiligen Lesezirkel, welche auch stets 
angemessen besucht werden. Wie in den meisten großen 
Druckstädten macht sich auch für Stuttgart immer mehr 
das Bedürfnis fühlbar, der Errichtung einer Buchdrucker- 
Fachschule näher zu treten, absonderlich in gegenwärtiger 
Zeit, wo man auf graphischem Gebiet fast täglich Neue- 
rungen zu gewärtigen hat. Es hat sich deshalb aus Mit- 
gliedern des Graphischen Klub und des hiesigen Faktoren- 
Vereins eine Kommission gebildet, welche es durchsetzen 
will, dass eine Fachschule für Buchdrucker entweder einer 
der städtischen Gewerbeschulen angegliedert oder vom 
Staat ins Leben gerufen wird. Es ist nicht zu zweifeln, dass 
alle maßgebenden Behörden dieses Projekt nach Kräften 
fördern werden, da ja die Stadt ihre Entwickelung und 
guten Ruf auf dem Weltmarkte zum größten Teil dem 
hohen Stand ihrer graphischen Künste zu verdanken hat. 
Allein es bedarf aller Anstrengungen, dass Stuttgart sich 
seine hohe Stellung der Konkurrenz gegenüber wahrt. Je- 
denfalls darf es hinter München, das jetzt sieb eine Lehr- 
und Versuchsansialt für graphische Gewerbe errichtet, 
nicht zurückbleiben. 



Mannigfaltiges. 



Geschäftliches. 
• Die Firma R. Oldenbourg in München hat unter der 
Leitung des Herrn Wilhelm Oldenbourg und ihres langjähri- 
gen Mitarbeiters und bisherigen Berliner Vertreters, Herrn 
Max Bierotte, denen zu diesem Zwecke Gesamt- Prokura 



erteilt wurde, eine Zweigniederlassung in Berlin errichtet. 
Die Firma wurde in Leipzig gelöscht. Die Auslieferung des 
Verlages, sowohl für das Münchner Stammgeschäft als für 
die Berliner Zweigniederlassung, wird wie bisher in IMpzig 
durch E. F. Steinacker bethätigt werden. 



At 313 SS» 



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««mW«««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararararararararaerw- 



• In die Firma Rudolph Becker in Leipzig ist Herr Harn 
Beeker als Teilhaber aufgenommen und gleichzeitig den 
Herren Oscar Kirchner und Alfred Eiste Kollektivprokura 
erteilt worden. 

Jubilten. 

• Dem Schriftgießerei-Veteranen Herrn Hermann Heyer 
in Friedenau wurde aus Anlass seiner 60jährigen ununter- 
brochenen Thltigkeit in der von Herrn A.Jürst seit 1864 
geleiteten Wilhelm Grwuwschen Schriftgießerei in Schöne- 
berg (früher Berlin) von S. M. dem Kaiser das Verdienst- 
kreuz I. Klasse verliehen, nachdem Herr Hermann Heyer 
erst im vorhergehenden Jahre durch das allgemeine Ehren- 
zeichen ausgezeichnet worden war. 

Verschiedene*. 

• Im Dezember v.J. verschied in Frankreich eine Dame, 
deren Uneigennützigkeit gewiss verdient erwähnt und an- 
erkannt zu werden (vergl. Archiv S. 60). Dass Personen, 
welche über materielle Mittel verfügen, diese zum öffent- 
lichen Besten verwerten, ist weniger eine Seltenheit, als 
jemandem zu begegnen, der auch seine Intelligenz und 
Thatkraft dem Gemeinwohle ausschließlich weiht. Dies 
that eben die jüngst dahingeschiedene !A\\e. Maria Pellechet^ 
seit einer geraumen Anzahl von Jahren war dieselbe ein 
liglicher Gast und Arbeiter in der Pariser National-Biblio- 
thek. Regelmäßig erschien sie da bald nach Eröffnung der 
Pforten und nahm in der sogenannten „Reserve" Platz, wo 
nur die bevorzugten Besucher Aufnahme finden, um da- 
selbst sich einer Arbeit zu widmen, die ungemein viel Aus- 
dauer in Anspruch nimmt und gewöhnlich auf Kosten irgend 
einer Behörde und gegen billige Vergütung unternommen 
wird. Mlle. Pellechet war aber auf eigenen Antrieb daran 
gegangen, einen rationellen Katalog aller in den Samm- 
lungen der National -Bibliothek von Paris befindlichen 
Inkunabeln abzufassen. Die Frucht ihrer Arbeit überließ 
sie der Anstalt und ihre einzige Belohnung war, dass man 
ihr schließlich den Titel als „honorarius" der Bibliothek 
verliehen hatte. Wie bedeutend das Unternehmen sein 
musste.mag man daraus entnehmen, dass nach langjähriger 
unablässiger Thätigkeit der Abschluss bei Lebzeiten der 
Verfasserin doch nicht erreicht ward. Ein starker Band von 
dem Werke liegt indes vor, und in ihrem kürzlich er- 
öffneten Testament wurde der National-Bibliothck noch 
außerdem die Summe von 60000 Franken vermacht, die der 
Fertigstellung dieses Katalogs dienen soll. Aber die Für- 
siebt und das Interesse für die wertvollen Sammlungen der 
Bibliothek seitens der Erblasserin erstreckt sich noch weiter. 
Sie setzt in einem Kodicill zwei Preise von je 1000 und 
500 Franken aus, die denjenigen zugeschrieben werden 
sollen, die das zweckmäßigste Mittel angehen können, 
Bücher und Manuskripte vor dem Angriffe schidlicher In- 
sekten, als da sind Milben, Würmer, Motten u. a. m. zu be- 
wahren. Und wie dies häufig der Fall, so hat das Beispiel 
der edlen Dame schon Nachahmung gefunden. Ein Lieb- 
haber von Büchern, der indes nicht genannt sein will, stellt 
1000 Franken demjenigen zur Verfügung, der das Wesen 
und Sein der erwähnten Insekten studieren will und in zu- 
friedenstellender Weise darstellen wird. Vielleicht dürfte 
ein Mittel, welches die Sparkassen in Brüssel schon seit 
Jahren eingeführt haben, auch gegen diese Schmarotzer 
gut sein, vorausgesetzt, dass die benutzte Substanz nicht 
doch etwa auf die Dauer das Papier angreift. Die Spar- 
kassenbücher in Brüssel werden nämlich, sowie alle Schrift- 



stücke derselben Anstalten, von Zeit zu Zeit stundenlang 
den Dämpfen des Formyl -Aldehyds ausgesetzt, und zwar 
namentlich zu dem Zwecke, die Mikroben ansteckender 
Krankheiten zu beseitigen. Es soll übrigens öffentliche 
Banken geben, die das gleiche mit dem cirkulierenden 
Papiergeld tbun. In England bat man sich endlich dazu 
entschlossen, das Exemplar der Bibel, welches jeder, der 
vor Gericht einen Eid abzulegen hat, mit den Lippen be- 
rühren muss, desinfizieren zu lassen. Die Geistlichkeit in 
Frankreich, die man konsultiert hat, giebt es ebenfalls zu, 
dass die Weihwasserbecken in den Kirchen mit sterilisie- 
renden Mitteln einer Reinigung unterworfen werden. 

E. La Forgue, Paris. 

• Unlauterer Wettbewerb im Zeitungswesen. Eine Ent- 
scheidung des Kammergerichts Berlin, dass Nachdruck von 
Inseraten als unlauterer Wettbewerb anzusehen sei, hat 
kürzlich das Reichsgericht bestätigt. In Y erscheinen zwei 
Zeitungen, von denen die eine, das X- Blatt, vom Publikum 
zum Inserieren mehr benutzt wird. Die andere Zeitung, die 
X-Zcitung, hat nun eine große Anzahl von Wohnungs- und 
Arbeits -Inseraten des X- Blattes aufgenommen, ohne von 
den Inserenten dazu beauftragt zu sein. Der Verleger des 
X- Blattes forderte den Herausgeber der X-Zeitung «uf, 
diesen Nachdruck zu unterlassen, und als letztere ihr Ver- 
fahren fortsetzte, erhob er Klage. Das Landgericht wies 
die Klage ab. Auf die beim Kammergericht eingelegte Be- 
rufung wurde das angefochtene Urteil aurgehoben und dem 
Klageanspruch gemäß erkannt, da das Publikum annehmen 
müsse, dass eine mit Annoncen wohlgefüllte Zeitung ein 
weites Verbreitungsgebiet und einen großen Leserkreis habe 
und deshalb für die Aufnahme von Annoncen besonders ge- 
eignet sei. In dem Abdruck jener Inserate sei kein straf- 
barer Nachdruck zu finden, wohl aber eine Veranstaltung 
im Sinne des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb 
$ I Absatz 4. Gegen dieses Urteil hatte der Beklagte Re- 
vision beim Reichsgericht eingelegt, welche aber aus den- 
selben Gründen zurückgewiesen wurde. J. S. 

• Von 64 auf das Preisausschreiben vom 5. Juli 1900, 
betreffend eine zweckmässige Schutzvorrichtung an Tiegel- 
druckpressen, eingegangenen Entwürfen hat der Vorstand 
der Deutschen Buchdrucker-Berufsgenossenschaft dem Ent- 
wurf des Herrn Chr. Oeffken, in Firma Chr. Geffken & Co. 
in Bremen, den Preis von 1000 M. zuerkannt. Der Vorstand 
hat ferner in Anerkennung, dass der Entwurf der Firma 
J. G. Schelter & Oiesecke in Leipzig die Frage des Schutzes 
des Arbeiters wie der Arbeit überhaupt in sinnreicher Weise 
zu lösen versucht, beschlossen, der Verfasserin zu dem 
Bau der Schutzvorrichtung eine Beihilfe im Betrage von 
500 M. zu gewähren, unter der Bedingung, eine Presse mit 
Schutzvorrichtung im Deutschen Buchgewerbehause in 
Leipzig auszustellen. Des weiteren hat der Vorstand be- 
schlossen, den Entwürfen der Herren Franz Franke (Gu- 
tcnberg-Haus Franz Franke in Berlin- Schöneberg}, Albert 
Rodel in Bruchsal, Paul SchSnheimer in ß^Wi'n NO., J. Zin- 
kan in Wien IX, J. Markmann in Hamburg, Ph. N agier in 
Lengerich i. W., Ernst Wittenbecher in Leipzig, Theodor 
Schreurs in Halberstadt, Paul Weinlich in Berlin und den 
Bewerbungen mit den Kennworten »Kolumbus Ei", .Ein- 
fach und sicher", „Händeschützer" und .Colonia" eine lo- 
bende Anerkennung auszusprechen. 

• Eine für das gesamte Buchgewerbe höchst wichtige 
Neuheit ist die Anordnung einer aus einzelnen Ringen be- 



eö» 314 UA 



m mm mmm mß tmmm Archiv für Buchgewerbe arararar ar^r.»«^.»;* 



stehenden Leckwalze an Farbdruckpressen. Diese der Firma 
Kart Krause in Leipzig durch D. R. G.-M. Nr. 157111 ge- 
schützte Walze besteht aus einer Stahlwclle, auf welche 
verschieden breite, mit Walzenmasse umgossene Holzringe 
aufgesteckt werden. Die Hinge entsprechen mit ihrer Breite 
der auf die Gravur aufzutragenden Farbe, während da, wo 
keine Farbe entnommen und weitergegeben werden soll, 
Holzringe ohne Walzenmasse-Obcrzug zu sitzen kommen. 
Simtliche Ringe, sowohl die mit, als die ohne Walzenmassc, 
werden vor dem Einlegen der Walze in ihre Lager durch 
eine Mutter zusammengezogen, in axialer Richtung eine 
Walze mit unterbrochener Oberfläche bildend. Eine solche 
Walze kann von der Farbkastcnwalze nur an den Stellen 
Farbe entnehmen, an welchen jene mit dieser in Berührung 
kommt. Dieses stellenweise Farbccntnehmen suchte man 
bisher dadurch zu erreichen, dass man der Dcckcncinfär- 
bung entsprechend den Farbkasten mittels eingepasster, 
verschiebbarer Trennungsstücke in einzelne Fächer teilte. 
Die Farbe überzog jedoch bald die ganze Oberfläche der 
Farbkastenwalze, von welcher die gewöhnliche I.cckwalze 
in ihrer ganzen Länge die Farbe entnahm und an den Färb- 
cylinder weitergab; vom Farbcylinder wurde nun die Farbe 
von den Auftragwalzen entnommen und auf die Gravur 
übertragen. An den Stellen der Auftragwalzen, an welchen 
keine Berührung mit der Gravur erfolgte, wurde keine Farbe 
abgegeben: dieselbe sammelte sich infolgedessen an, wobei 
die Walzen an den betreffenden Stellen immer stärker im 
Durchmesser wurden und schließlich ein richtiges Ein- 
färben der Gravur gänzlich unmöglich machten, wenn nicht 
ein rechtzeitiges Reinigen der Auftragwalzen erfolgte. Da 
ja sehr häufig nur auf einem Drittel der Berührungslinie 
Farbeentnahme stattfand, während der größte Teil un- 
benutzt auf den Auftragwalzen sich ansammelte, so war 
eine Vergeudung der teuren Farben die unmittelbare Folge. 
Diese Obclstände werden durch Verwendung der aus ein- 
zelnen Ringen bestehenden Leckwalze vermieden. Wenn- 
gleich die Farbkastenwalzc der Breite nach auf ihrem ganzen 
Umfange allmählich mit Farbe sich bedeckt, so kann die 
Farbschicht eine gewisse Dicke doch nicht überschreiten, 
da der eingestellte Abstreicher die überschüssige Farbe 
wieder entfernt und behufs weiterer Benutzung auffängt. 
Die aus einzelnen Ringen bestehende Lcckwalze kann jedoch 
Farbe zur Weiterverarbeitung an den Farbcylinder nur ab- 
geben an den Stellen, an welchen sie solche von der Farb- 
kastcnwalze mittels der Masseringe entnimmt. Die Auf- 
tragwalzen erhalten dann vom Farbcylinder gerade soviel 
Farbe, als sie zur Einfärbung der Gravur benötigen. 

• Bei Autotypien in Verbindung mit Strichzeichnung 
kann man die Wirkung erhöhen, wenn man in letztern an 
geeigneten Stellen einen Ton einkopiert. Dies geschieht, 
indem man nach dem Kopieren der Strichzeichnung die- 
selbe nicht gleich entwickelt, sondern in der Dunkelkammer 
die immer noch lichtempfindliche Platte einer weiteren 
Behandlung unterwirft, indem man mit Tusche oder ge- 
färbter wässeriger Gummilösung alles dasjenige zudeckt, 
was keinen Ton erhalten soll und dann die Platte noch ein- 
mal mit einem Punkt- oder Strichnetz kopiert. Bei der 
nachfolgenden Entwicklung löst sich auch die Gummi- 
deckung. Das Ganze ist also nur ein Kopierverfahren, bei 
welchem man die lichtempfindliche Platte mehrere Male 
kopiert. Besonders bei Klischees nach Gewebestoffen ist 
das Verfahren geeignet die Zeichnung wirkungsvoll her- 



vorzuheben (vergl. die Abbildung}. Das Verfahren wird 
bei der Firma Edm. Caillard seit Jahren angewandt. 




• Das Gutenberg-Museum in Main: wurde am 23.Juni er- 
öffnet. Es ist, wie bekannt, vorläufig in der dortigen Stadt- 
bibliothek untergebracht worden. Der bisherige Ausstcl- 
lungssaal im ersten Stock ist zu einer Erinnerungsstätte an 
Gutenbergs Person eingerichtet. Hier sind die auf Guffn- 
berg bezüglichen Urkunden, die ältesten Zeugnisse für 
Gutenberg und die Erfindung in Mainz, Porträts, Denk- 
mäler, Wirkungsstätten in Bildern aller Art, die Festschrif- 
ten und Drucksachen der vorjährigen Feier und von frühe- 
ren Jubiläen aufgestellt. In drei großen Glaskästen sind 
die zahlreichen, oft prächtigen Kranzschleifen vom Huldi- 
gungsaktc am Denkmal vereinigt, ferner sind einige da- 
selbst überreichte Diplome angebracht, z. B. das typogra- 
phische Meisterwerk der Wiener Buchdruckerschaft auf 
Pergament, schwarz gedruckt mit Verzierung in Rot und 
Gold und einer Miniatur, sowie die fast einen Meter 
hohe prachtvolle und kostbare Adresse des Prinzipalvereins 
der Budapester Buch- und Steindrucker. Neben einer von 
dem Maler N. Hirsch Nelly ausgeführten, in prächtiger 
Weise dargestellten Huldigung Gutenbergs, durch allegori- 
rische Figuren der Wissenschaft , Kunst und Arbeit läuft 
der in Golddruck recht sauber ausgeführte Text In unga- 
rischer und deutscher Sprache. Bemerkenswert ist ferner 
die Adresse des Plantin Moretus-Museums in Antwerpen 
(Gutenberg „den man, die die roem aan zync medeburgers, 
en licht aan zyne medemenschen bracht"). Unter den Fest- 
schriften ragen besonders hervor die der Nationalbiblio- 
thek und der Nationaldruckerei in Paris. Die deutschen 
und ausländischen Denkmünzen auf Gutenberg füllen zwei 
Glasschränke. Im Treppenhaus, das den Aufgang in die 
typographische Ausstellung im zweiten Stockwerk vermit- 
telt, sind die Originalpläne zu dem von Napoleon I. ge- 
planten Umbau des Stadtteils um den jetzigen Gutenberg- 
platz zur Errichtung eines Gutenbcrg-Dcnkmals, eine große 
Anzahl von Drucksachen zur Johannisfeier 1900 und eine 
Zusammenstellung der besseren (etwa 50) Cutenhcrg-Post- 
karten untergebracht. Ebenda ist eine plastische Nach- 
bildung des Gutenbcrg-Dcnkmals mit seiner Umgebung im 



«a» 315 »ft 



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««««««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ar ar ar ar ar ar ar ar .sr j»t i«r 



Festschmuck, von einem jungen Mainzer Künstler Nie. 
Oöbel ausgeführt. Auf dem oberen Treppenplatz befindet 
sich ein bis in die kleinsten architektonischen Einzelheiten 
ausgeführtes Diorama des allen Mainz zur Zeit Gutenbergs 
von demselben Künstler. Den Treppenaufgang selbst 
schmücken die prächtigen Originalzeichnungen Conrad 
Sutters zum Festzuge und eine Anzahl photographischer 
Aufnahmen vom Feste. Im zweiten Stockwerk wird in 
großer Reichhaltigkeit die Enrwickclung der Druckkunst 
gezeigt. Wir sehen da Proben von Zeugdrucken, Stempel- 
druck an Bucheinbinden, Holztafeldrucke (Ars moriendil 
und Blockbücher, ferner einige Ncujahrswünschc. Es 
folgen Handschriften des 13., t4. und 15. Jahrhunderts mit 
Miniaturen, darunter eine große Bilderbibel. Die Nebcn- 
einanderstellung eines handschriftlichen Psalters und eines 
von Fust und Schöffer gedruckten zeigt, wie sich die Form 
der Typen eng an die Handschrift anschloss. Zur Dar- 
stellung der Entwickelung der schwarzen Kunst von ihren 
ersten Anfängen an ist so viel vorhanden, dass nur ein Teil 
zur Auslage kommen kann. Wechsel der Ausstellungs- 
gegenstände und Sonderausstellungen sind daher geplant. 
Von den ausgelegten Schützen erwähne ich nur das Catho- 
licon von 1400, ein Exemplar der lateinischen Bibel von 
Fast und Schöffer (1462» auf Pergament, Düren Unter- 
weisung der Messung mit Zirkel und Richtscheit, den 
Theuerdank (auf Papier). Es folgt alsdann die Buchillustra- 
tion und der Buchschmuck. Vir sehen die Illustrationen 
von H. S. Bekam, Albrecht Durer u. ».. Titelbordurcn alter 
Drucke u. s. w.; Chodowiecki fehlt nicht; dann kommen die 
„illustrierten Prachtausgaben" von Ramberg, Pletuh u.s.w. 
Gelegenheit zur Bewunderung des Neuen und Schönen ist 
reichlich geboten durch Ausstellung der schönsten Drucke 
der Gegenwart und Jüngstzeit. Daran schließt sich eine 
sehr interessante Übersicht der graphischen Künste. Die 
verschiedenen Herstellungsarten: Holzschnitt, Kupfer- 



stich, Lichtdruck, Radierung, Autotypie in Farben und in 
Schwarz, Algraphie u.s.w. werden in prächtigen Bildern 
vorgeführt, z. T. in den verschiedenen Stadien der Her- 
stellung. Die Entwickelung des Accidcnzdruckes vom Ende 
des 18. Jahrhunderts bis jetzt wird an zahlreichen Druck- 
sachen, Liederheften u.s.w. zu Gutenbergfeiern gezeigt. 
Die Herstellung der Typen und die Materialien zur Aus- 
übung des Druckverfahrens sind in natura vorhanden, 
Druckpressen und Druckerei-Einrichtungen alter Zeit, wie 
Schnellpressen neuesten Systems werden in guten Abbil- 
dungen dargestellt. Die ganze Ausstellung ist so geordnet, 
dass jede Abteilung in historischer Entwickelung vom Alten 
bis zum Neuesten vorgeführt wird; durch diese Darstellung 
entsteht ein lehrreiches und anschauliches kulturgeschicht- 
liches Bild, gleich interessant dem Fachmann wie dem 
Laien. Aus der kurzen Skizze, die im Vorstehenden ge- 
geben wurde.gcht klar hervor, dass das Gutenberg-Museum 
seine Aufgabe, neben seiner Bedeutung als Erinnerungs- 
stätte an den Erfinder der Typographie ein anschauliches 
und möglichst umfassendes Bild der Entwickelung der 
Druckkunst zu geben, durchaus erreicht hat. Wem es 
nicht möglich war, den schönen Festtagen im vergangenen 
Jahre beizuwohnen und bei dieser Gelegenheit die Aus- 
stellung zu besichtigen, der möge nicht versäumen, der 
Gutcnbcrgstadt jetzt einen Besuch abzustatten — er wird 
dafür reichlich belohnt werden. Das gute Einvernehmen 
zwischen dem Gutcnbcrgmuseum und dem Deutschen 
Bucbgewerbeverein ist übrigens auch äußerlich dadurch 
zum Ausdruck gebracht worden, dass der erste Vorsteher 
des letzteren, Herr Dr. L. Volkmann, in den wissenschaft- 
lichen Beirat des Gutcnhergmuseums und in den Vor- 
stand der neugegründeten Gutenberggesellschaft gewählt 
wurde. 

Berichtigung. Auf Seite 250 ist statt .Monographien zur 
Weltgeschichte" zu lesen: , Kulturgeschichte*. 



Inhalt des 8. Heftes. 

Bekanntmachung. Die moderne Illustration. Kunst- 
Typographie. Der künstlerische Bucheinband in alter 
und neuer Zeit. Die Schrift im Buchdruck. Die Her- 
stellung von Stempeln für Buchdrucktypen. Der Elektro- 
typograph, System Meray-Kozär. - Die Nationaldruckerci 



in Paris und ihre neuesten Prachtwerke. — Aus dem Deut- 
schen Buchgewerbeverein. — Verzeichnis von Personen 
und Firmen, die im Juli 1001 dem Deutschen Buchgewerbe- 
museum Schenkungen überwiesen haben. — - Patentwesen, 
neue Erfindungen und Verbesserungen. Aus den graphi- 
schen Vereinigungen. — Mannigfaltiges. — 14 Beilagen. 



Die Bellagen, Illustrationen 
und Satzproben zum 8. Heft 
des Archiv für 



Der *. *. (iraphiichr* Lettr- nnd Vrnucltidnstall 
in Wltn, von der wir Stil« J7S nur Rühmendes m 
> «Ir die mn Kunst- 



risebe <*'ir*unz wesentlich gehoben wurde 
eine lithographische Tonplsltc. hei der. um das lur 
Gesamtwtrkung mit erforderliche Papterkora nicht 
iu jefslurcn, eur ein sehr Klincfarr Druck an- 
gewendet wurde. Bemerken«« ert int, Jim» das 
avsgvteirhneec Blatt In der Anstalt selbst Auf der 
&h»ellprc»»c gedruckt wurde. 

Die Drelfnrbcn Autotypie von McifnUvh, Hif- 
ftrtH fr Co. in Lripiif, eine Sie« von dem Fi 
tnsh eine* Jagdrennens, besticht ebensosehr durch 
die feine Komik Ihres Suie!* wie durch den vor- 
ersutidnlsvollen Druck durch Mufo 



-tfüarUrfltdun In Hannovrr. der Ii bekanntlich In erfolgreich gepflegte Spezialität dieser Kunst- 
Farbendrucken ganr Brillantes leistet. druckerri. Es i»i nchwer fu entscheiden . welcbc 

egt Ihm der Vierfarbendruck (mit 



Platten von Anftrrr Ceichl In Wim I von 
Flicht, <V \r,ttit in Le, r !>C. eine gl. 



ist V»l*«gr» * 



wilhelm Gronaus 



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No. 15 in zwölf Graden, Reform [Rutsch und CJVÜA 1_> L, l\ L.I l\ W." 
Reichs-Dcutsch. Stets sehr grosses Lager. CpuAMpDCpr. 

Best« kbrlmetall. EXPORT. Muster Ju t).tn»ten. O^ll \J IN C D C l\\J. 



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Illustrationen e* gewiss ium rroQcn Teil ruzu- 
whrc Kt Ist, dasa sie »Ich eine so weile Verbrei- 
tung gesichert haben. 

Von der Ausstellung de« Verlags van Fitcher 
£• Frauke in Berit» im Deutschen Buchgewerbe- 
haus haben vir S, 1113 schon ausführlich hcrivhtet. 
Durch Zuvorkommenheit der Verleger nie des 
Druckers. Emil Herrmmnn trvior in Lsiptig, sind 
vir in den angenehmen Stand i tr*ctft, um alt dem 
schiinen und hervorragenden Buchschmuck wenig- 
stens zwei Seiten von den Meistern Stessen und 
von ColAoBttan aus dem Jungbrunnen unseren 
l eitern zeigen zu «Annen. 

Djc sauberen schonen Steingravuren, ausgeführt 
und gedruckt hei F.dler & Krüche in Hannover 
(vergl. auch die Beilage im vor. Heft), verdienen 
die höchste Anerkennung nicht bloß ihrer verständ- 
nisvollen Strinatrung sondern auch des gut gc- 
lungenen Umdrucke« und der vornehmen Farben- 
lusammenatellung «regen. Der anheimelnde rei- 
zende Gcsamteindruck dieser auOergcwöhnllch 
feinen MerkantUarbelien wird durch den geochlckt 
gewählten Hintergrund wesentlich gehoben. 

Ein zu Herzen sprechendes sehr duftig erhal- 
tene* Kunstblan ist jedenfalls der Beilrag der 
Kunatanstah für Reproduktionstechnik von Julias 
KUnkharJt in Leipzig, eine Autotypie nach einer 
Photographie. Die Wirkung «ird nicht unerheb- 
lich veralArkt durch die fein dazu abgestimmte 
umrahmende Tonplane. 

Dieser Anzahl musterhafter lllustratlonsprohen 
und KunsidruckbeiUgen reihen sich ebenbürtig 
sieben Satzbeilagen von bester Ausführung an. Als 
erste erwähnen vir dir Beilage v. geselrl und er- 
drückt hei Beeitknpf & Härtet in Lei? : ig. Wir 
kommen gerade noch rechtzeitig genug, um damit 
die Saison der Sommerfestc bcschhcOca zu helfen. 
Jedoch durften beide Satzpmhcn bef entsprechender 
Texunderung auch als KatalogumschUge und für 
Drucksachen anderer An gute Verwendung finden. 
Das dazu benötigte Material entstammt der ftuJ- 
hardschen Gießerei In Öffentlich a. M. (Letale). 
W. Wöttmer in fiVrirn tOrnamemct und der Schrift 
gicQcrri dm: tch & Heyt* in Hambarg (Römische 
Antiqua). 

Ein Im Entwurf und Satz mustergültig ausge- 
führtes Kalenderblatt verdanken wir der Firma 
J. C. König & FbharJt in Hanm>ref. Die gute 
Raumverteiluag, die frischen mit dem Papberton 
bestens harmonierenden Farben geben dieser Bei- 
lage in Verbindung mit der gefälligen Vignette ein 
vornehmes Gepräge. Ais originell dürfte die 
Gruppierung der beiden Monatsfcldcr zu bezeich- 
nen sein, temmannschrift Jrr BuJhatJuhen t tiefer et 
In Offemb&ch a, M. und Edelllnten von Scheiter 
& Giettcke In Leipzig fanden hierbei Verwendung. 

Von besonder« kräftiger und farbiger Wirkung 
Ist die Beilage der Farbenfabrik Chr. Hoitmanm in 
Celle. Das Blan i Je- UmschLag Ihrer Preisliste) 
soll außer Gold die Anwendung von sechs Farben 
genannter Firma »eransehaullchen. Der Satz und 
iufterst saubere Druck wurde von M. ÜmMont 
Schömberg in K6la hergestellt. Besteller und 
Drucker gingen rur Schaffung eine» so packenden 
Erzeugnisaes Hand In Hand. 

A. Snmrick e> Co., Schriftgießerei in Leipzig, 
gehört zu den Firmen, die ein rasiloses Arbeiten 
und Vervollkommnen ihrer Erzeugnisse mit grobem 
Erfolg sich zur Aufgabe gestellt haben. Die von 
ihr beigelegten zwei Musterblätter sind ein leuch- 
tendes Beispiel der vielseitigen Verwendbarkeit 
ihrer koraana Artist! ks sowie ihrer von Künstler- 
hand entworfenen Vignetten. 

Di« bekannt« Gravicr-Ansialt und Mcaainc- 
Schriftgietierei von Edm. Koch Co. in Magde- 
burg gtebt auf einer Beilage Anwendungen eine« 
von Pamf Kenten entworfenen und bewmdcf» für 
Buchbinder berechneten Buchschmuckes. Ca 



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durfte »oKl »ehe« vorkommen, da*» derarrge Zkr- 
«Iwckc I - •■ Buchdruck wiedergegeben werden 
und Treuen »ir um> darum dlcfce für untere 
.Schwager* bestimmte Neubeil hier reifen zu 
Meinen. 

Kopftri*ien n •.! r . Kichmng veran»? haullchi 
C. Jacobtent Kmnittiutatl In Attenturg. 5. A., auf 
einer diesem Hefic hergegebenen Beilage und «er- 
den dieselben manche Freunde finden. Freilich 
wurde cw *k\i empfehlen, da sie. wenn auch ori- 
ginell rntw-nrfcn , für gewöhnliche S. hrifr K iaJr 
doch mtiat xu ir.»«.vig in der Wirkung »Ind. die- 
selben durch entsprechende Schraffierung oder 
Punkt t-runr, leichter xu machen wa« wich i* 
leicht bewirken Uui. 



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alrrvrlietdendcr Druck er zielt wird, 
das mit keinem anderen \ landnuninir- 
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^Vorrichtung, »rrtolol »Ichei wirkend 
i .1 < AugenhlKk «tatcibir. I'alen- 
rleb-voriKhturii: Au-.»err>rdenl- 

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lieh ans Suhl. I ewhtc» f iewiebt, dabei 
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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein. — Verantwortl. Schriftleiter: Hans von Weißenbach. 
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?adenneffmaraiInen,PapferrdmeIdemafdiincn^^ 

mafdiinen, Sreinfdilelfmafdilnen, Iilnllerapparafe u. I w. Don den Finnen: 

Hkflengefelirdiaff für binilerapparafe, Paf. Gro&e, Leipzig 

Gebrüder Brehmer, Leipzig 

Fifdier & Krecke, G. m. b. R, Berlin 

Ferd, Emil Uagenberg, niafdiinenfabrik, Dudeidort 

König & Bauer, ITlardiinenfabrib, Klolfer Oberzell b. warzburg 

Karl Kraule, rnafchinenfabrik, beipzig 

Leipziger Schnellprellenfabrik Dorm. Sdimfers, Werner 

& Stein, beipzig 
3. mössner, beipzig, Königifra^e 5, 
Preuige & Comp., Illafchinenfabrlk, beipzig 
3. G, Scheiter & Gieiedie, niafdiinenfabrik, beipzig 
Schnellprelfenfabrifc Frankenfhal, HIberf & Co., EL-G., 

Frankenthal 

Schnellprelfenfabrik Worms, Shrenhard & Gramm, fl.-G., 
Worms 

Pereinigfe IIMchinenFabriken ßugsburg und ülaldiinen- 
baugefellfdinft üürnberg, B.-G., Ilürnberg. 

SedegewOnfdite Auskunft wird koffenfrei erteilt tiur* clte*3efdtaf£sffclia d:sDeutIdienBudio 

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L. Lurunz, rnd. 



Kuiwtbeilau« 'um Archiv fUr Buehssworbe. Kupftrdrurk Gl««*.-!»«* ;>pvri»tu, LMprlj 



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Bekanntmachung. 



In den Deutschen Buchgewerbeverein zu Leipzig 
glieder aufgenommen worden: 

1. Ferdinand Carl, i. Fa. Loewes Verlag Ferdi- 6. 
nand Carl, Stuttgart. 7. 

2. Gustav Fischer, i. Fa. Maschinenfabrik Gustav h. 
Fischer & Co., Berlin. 

3. Otto W. Hoffmann, Lithographische Anstalt, 9. 
Leipzig. 

4. Victor Hornydnski, i. Fa. Victor Hornyänski, 10. 
K. K. Hofbuchdruckerei, Budapest. 

5. Max Westphal, i. H. Maschinenfabrik Gustav II. 
Fischer & Co., Berlin. 

Leipzig, den 31. August 1901. 



sind im Monat August 1901 folgende Mit- 

Dr. Ulrich Thieme, Privatgelehrter, Leipzig. 
OttoSchlotke, Schriftsteller, Gr. -Lichter felde. 
S. Rosenbaum, Vertreter der Rudhardschen 
Gießerei, Frankfurt a. M. 
Carl Kühler, Verlagsbuchhandlung und Buch- 
druckerei, Wesel. 

Arthur Revai, i. Fa. Revai & Salomon, Buch- 
druckerei, Budapest. 

Carl Walcker, i. Fa. Chr. Belsersche Verlags- 
handlung, Stuttgart. 



Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 



Arthur Woernlein, Geschlftsführcr. 




ä! 325 tss 



42 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




Die Lehranstalten für graphische Künste. 

IV. Die königl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig. 




IURCH den Kurfürst Friedrich 
Christian und die Kurfürstin 
Maria Antonia von Sachsen 
wurde nach Beendigung des 
7 jährigen Krieges in Leipzig 
eine „Kunstakademie" gestif- 
tet, die dann 1765 in einem 
Flügel des Schlosses Pleißen- 
burg wirklich ins Leben trat. 
Nachdem sie stiftungsgemäß 

sich der Pflege der graphi- 
schen Künste in der Haupt- 
sache widmen sollte, wurden 
für diesen speziellen Zweck 
auch namhafte Lehrkräfte ge- 
wonnen, unter andern die be- 
rühmten Kupferstecher Gcyser und Baust: Unter 
Künstlern wie Adam Friedrich Ocscr, Hans Veit 
Schnorr v. Carolsfeld unter dem 1813 1815 
die Akademie suspendiert war, da man ihre Lehr- 
räume als Lazarett benutzte nahm das Kunst- 
institut einen gedeihlichen Aufschwung, trotz- 
dem es unter der Ungunst seiner aufs äußerste 
beschränkten Räumlichkeiten sehr zu leiden hatte. 
Zudem war das alte 1213 als Zwingburg angelegte 
Schloss nicht nur Arti sondern mehr noch Marti 
gewidmet, da es seinen Hauptteilen nach als Ka- 
serne diente. Diese kriegerische Nachbarschaft 
musstc trotz aller Zuvorkommenheit der betref- 
fenden Truppenteile und ihrer Kommandeure 
doch mannigfache Unbequemlichkeiten zur Folge 



Hochätzung von £. Olime. 
unter Leitung von 
Prof. Dr. AarltnJ, 



haben, in die man sich aber zu finden wusste. 
Einem von der Sächsischen Ständeversammlung 
1871 ausgesprochenen Wunsche gemäß, „beson- 
ders den in Leipzig blühenden Gattungen des 
Kunstgewerbes förderlich zu sein", wurde unter 
dem Direktorate von Geh. Hofrat Dr. Nieper mit 
der Vervollständigung des neuen Organisations- 
planes energisch vorgegangen und 1874 außer 
der Pflege der Malerei und Architektur, auf die 
man sich bis zu dieser Zeit beschränkt hatte, auch 
die Plastik in Anwendung der Kunst fürs Ge- 
werbe, Aquarell-, Dekorations- und Glasmalerei, 
landschaftliches StafTagezeichnen, Perspektive, 
Stil- und GeFäßformenlehre der Antike und Re- 
naissance in das Lehrprogramm aufgenommen. 
Männer wie Carl Werner, Professor Dr. Anton 
Springer, Professor Dr. Overbeck wirkten lange 
Jahre als Lehrer an der Akademie. 

Außerdem wurden auch graphischcWerkstätten 
für Kupferstich, Holzschneidekunst und Litho- 
graphie nebst Druckerei eingerichtet. Allein mit 
dieser Ausgestaltung und Vergrößerung bezw. 
Veränderung der gesteckten Ziele standen die ver- 
fügbaren Räume nicht ganz in Einklang. Wenn 
die Akademie auch in den siebziger Jahren nach 
und nach sich zur Alleinbewohnerin des ganzen 
Flügels aufgeschwungen hatte nachdem sie sich 
HX) Jahre lang nur mit Teilen des Parterre und 
zweiten Stockwerkes hatte begnügen müssen — 
und wenn auch durch sparsamste Ausnutzung 
aller Räume ein wirklicher Platzmangel wenig- 



es« 326 tft 



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mmmmmmmmmmm Archiv für Buchgewerbe 



siens seil 1880 nicht empfindlich fühlbar wurde, Akademiegebäude. Der vom königl. Landbauami 
so gestalteten sich doch die Verhältnisse zu ent- ausgeführte Prachtbau, dessen Portal in goldenen 




Am dem »Ersten Bericht* von IMU. Falttlfnllehotifcchniti von 2&rnitz. unier 1 ri:unc von Prof. forthntJ. 
(Vergrouerunf einer Kopfleiste aus der tttitnnficbtn Drmckerti in Airis, nach IMO.k 



schieden unerträglichen hinsichtlich des Lichtes. 
Durch das ReHexlicht eines der Südsonne aus- 
gesetzten Neubaus wurde der Wert des absolut 
notwendigen, an sich zur Verfügung stehenden 
Nordlichtes völlig illusorisch gemacht. 

Im Januar 1886 schlug die Regierungdcr Stände- 
versammlung in Hinblick auf die Raum- und 
Lichtverhältnissc der Akademie einen gemein- 
samen Neubau für diese und die Baugcwerken- 
schule vor. Die Stände gingen bereitwilligst dar- 
auf ein. Und so entstand im schönsten Teile 
Leipzigs zwischen den Monumentalbauten des 
Reichsgerichts, der städtischen Gewerbeschule, 
der Universitätsbibliothek, des Gewandhauses 
und des Konservatoriums für Musik das jetzige 




Lettern die Worte: Königliche Akademie und 
Kunstgewerbeschule trägt, wurde 1891 bezogen. 

Nachdem jedoch eine königl. Akademie für bil- 
dende Künste sowie eine Kunstgewerbcschule in 
Dresden, eine königl. Industrieschule in Plauen 
i.V. insbesondere für Textilindustrie schon be- 
steht, konnte sich das Ministerium des Innern der 
Erwägung nicht verschließen, dass die Leipziger 
Kunstanstalt in noch größerem Maße, als bisher 
geschehen war, vorzugsweise mit demjenigen 
Zweig des Kunstgewerbes, welcher in Leipzig prä- 
dominiert, also mit dem Buchgewerbe Fühlung zu 




riUimilctmlztchnin \o* Küm*\. J, unter Leitung von Prof. Brrthoiä. 



Schtbrcichnunj; von W. Klmiimaan. Hociuttung von £. Qttmt, 
onrer LtitaTtR von Prof, Honegi[tr unJ Prof. Dr. AarUnJ. 



«Ät 327 «ft 



42" 



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<v.*m.*i0.'sf,<wi.it.*t0.T0_.i0.'t0,i0, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE j»j»jrarjrjr3rjrjrjrjr 




Aus der Fetischrlfl voa 1H8U. Tonholifti'naln von R. Apitiich, unier Leitung von Prof. BfrlholJ. 
ntt-h einer Zeichnung von Prof. Htinrjrjrer. 



nehmen habe, dass also allmählich aus ihrem 
Lehrplan alle die wenigen Fächer ausgeschieden 
werden möchten, welche dem in den Vordergrund 
zu stellenden Zwecke: »Förderung der graphi- 
schen Künste und des Buchgewerbes* zu dienen 
nicht geeignet seien. Anderseits verkannte man 
nicht, dass in letzterer Hinsicht doch noch man- 
ches geschehen könne. 

Gewissermaßen als amtliche Vertretung der 
technischen wie künstlerischen Interessen nicht 
bloß des sächsischen, sondern des gesamten deut- 
schen Buchgewerbes wurde der Deutsche Buch- 
gewerbeverein zu den sich notwendig machenden 
Erörterungen über die zweckmäßigste Lösung 
dieser Frage als beratender Sachverständiger je- 
weilig zugezogen. Und so hat dieser allerdings, 
wenn von einem gewissen Einfluss auf die end- 
gültige Entschließung betr. Erweiterung und Um- 
wandlung überhaupt die Rede sein kann, einen 
solchen nach dieser fortschrittlichen Richtung hin 
geltend gemacht. Hatte derselbe doch bei seiner 
Gründung 1884 als Punkt 5 seines Programms auf- 
gestellt: 

„Die Errichtung einer buchgewerblichen Hoch- 
schule, womöglich unter Anlehnung an die königl. 
Kunstakademie in Leipzig." 

Obwohl der Verein nie Leipziger Sonderintcr- 



cssen verfolgt, lag es doch näher, das in dem hi- 
storisch erwachsenen Mittelpunkt des deutschen 
Buchgewerbes, der Leipzig seit langem nun ein- 
mal ist, schon vorhandene Kunstinstitut, das so 
wie so seit über 100 Jahren die graphische Kunst 
höchst ersprießlich gepflegt hatte, für die Auf- 
nahme der Typographie in sein Lehrprogramm 
zu gewinnen, als an einem beliebigen dritten Orte 
von Grund aus ein ganz neues Institut ins Leben 
zu rufen. 

In freier Erwägung der thatsächlichen Verhält- 
nisse und in klarer Erkenntnis der praktischen 
Bedürfnisse des Buchgewerbes beschloss denn 
auch die kgl. Regierung, den fortgesetzten Wün- 
schen der Fachkreise zu entsprechen. Seit dem 
Mai 1000 führt das Institut den officiellen Namen: 
Königliche Akademie für graphische Künste und 
Buchgewerbe. Ist auch ihr Wirkungskreis natur- 
gemäßvorwiegend ein sächsischer, da ja lediglich 
Sachsen es ist, welches die sämtlichen Mittel dazu 
gewährt, so kommt doch ihre befruchtende Thätig- 
keit jetzt wie früher ebenfalls den nichtsächsischen 
Landen Deutschlands zu gute. 

Über Stand und Entwicklung der Akademie 
giebt neben den alle zwei Jahre erscheinenden 
Schulberichten die beste öffentliche Rechenschaft 
der 1881 erschienene, von W.Drugulin, Leipzig ge- 



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Kunstbeilage zum „Rrchiv für Buchgewerbe". 




Ton-Facsimileholjschnill 
von M. Bundesmjnn, unter Leitung von Prof Berthold 

h«h /p-(hnur^ Jon Virk«l| 



*.■».•..>':■• AMp »n Carl i*r-«.leif- "> Obtntiniiii^«« Vtrtirlrr Edm Obll. Uipjij 8«'lin 0>wtw vnn ' »chrr c Wili.g ,11 Iripxig 



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«««««•«'»'«'»Me,'*, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arjrarjrjrarjrjrjrjrjw 




druckte „Erste Bericht", dem 1890 aus derselben 
Offizin ein zweiter folgte, der zu Ehren der Über- 
siedelung nach 125 jährigem Bestehen — in das 
neue Gebäude herausgegeben wurde. Während 
die Ausstattung des ersteren derZeitströmung ent- 
sprechend noch im klassischen deutschen Renais- 
sancestil gehalten war, wurde die zweite Fest- 
schrift mit Original-Kopfleisten und Illustrationen 
neuesten Stiles geschmückt, welche von der in 
erster Linie an die graphischen Künste zu stellen- 
den Forderung: „Rückkehr zur Natur, dem Ur- 
sprung und der nie erschöpflichen Quelle des 
Schönen" ein Zeugnis in Wort und Bild ablegen 
sollten. Leider sind beide Werke nur in kleiner 
Auflage gedruckt worden und im Buchhandel 
nicht zu haben. Dadurch haben sie die verdiente 
Verbreitung nicht gefunden. Deswegen sind wir 
um so mehr erfreut, dass wir von der hohen Lei- 
stungsfähigkeit der Akademie in der Jetztzeit un- 
sern Lesern treffliche Beweise vor Augen führen 
zu können in der höchst glücklichen und ange- 
nehmen Lage sind. 

Die beiden Radierungen, die von Schülern der 
Anstalt gezeichneten Porträts Ihrer Majestäten 
des Königs und der Königin von Sachsen wieder- 
gebend, liefern den Beweis, dass man sich dort 
bestrebt, die höchste graphische Kunst, den ander- 



wärts arg vernachlässigten Tiefdruck, nach wie 
vor liebevoll weiter zu pflegen, weil eben geeignete 
Lehrkräfte vorhanden sind. Es ist dies um so 
schätzenswerteres ja die Künstler auf diese nicht 
so schwer erlernbare und doch dankbarste Art 
ihre Ideen zu vervielfältigen jetzt mehr und mehr 
zurückgreifen. Es würde sich schwer rächen, 
wenn man einseitigem Drängen nachgebend den 
Kupferstich mit allen seinen reizvollen Techniken 
aus dem Lehrplan streichen wollte. Bei den an- 
dern Kunstbeilagen in Holzschnitt, Lithographie, 
Hochätzung und Autotypie ist die Art und Weise 
wie diese Platten und zwar ausnahmslos von 
Schülern selbst hergestellt wurden, das ausschlag- 
gebende Moment. Nach genauer Durchsicht der- 
selben wird sich jeder überzeugen, dass nicht 
bloß alle graphischen Techniken, auch die aller- 
neuesten, in der zweckförderndsten Weise gelehrt 
werden, sondern dass die Schüler auch sie völlig 
theoretisch wie praktisch zu beherrschen befähigt 
werden. Auch von den in der unlängst errichteten 
Abteilung für Buchornamentik und typographi- 
sches Zeichnen erzielten Fortschritten geben die 
Beilagen (ein Titelblatt und ein Notenumschlag) 
ein ungefähres Bild. 

Den Leistungen entsprach der rasche Auf- 
schwung, den die Akademie genommen hat: im 



r 329 t- 



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mmfWmmmtmmmmm Archiv für Buchgewerbe »»»»»»»»^mh» 



Jahre 1871 halte sie nur 41 Schüler und außer 
dem Direktor nur einen interimistischen Lehrer, 




Zinkiulolypic tM A. Rtnkwil:. unler l.cilunr. von Prof. Dr AtirljmJ. »ich einer PKnintrtphie 



während sie jetzt über 300 Schüler mit 20 Leh- 
rern zählt. Von Ostern 1871 bis 1. Dezember isflfl 
besuchten die Akademie nicht weniger wie 3072 
Schüler, wovon 931 Lithographen, 286 Xylo- 
graphien, 126 Kupferstecher und Graveure, 284 
Schriftsetzer, Buchdrucker und Buchbinder, 62 
Photomechaniker und Photographen waren, mit- 
hin gehörten 1689 mehr als die Hälfte, den 
graphischen Künsten und Buchgewerben an. 
Außer diesen besuchten 7. J s Zeichner und Maler 
und 158 Universitätsstudenten die Akademie. 
Diese Zahlen sprechen für sich selbst, sie er- 
klären es aber zugleich, warum die Akademie, 
obwohl sie doch erst vor 1 1 Jahren ein neues 
Heim bezogen hat, jetzt 
schon mit Platzmangel zu 
kämpfen hat und der 
Wunsch nach einer Ver- 
mehrung der Räume sich 
geltend macht. 

Es unterliegt wohl kei- 
nem Zweifel, dass die zu- 
ständigen Stellen dem 
baldigst Rechnung tragen 
werden, und wenn denn 
einmal Wünsche geäu- 
ßert werden sollen, so 
sei noch erwähnt, dass 
auch die Lehrmittel, ins- 
besondere nach der Seite 
der praktischen Druck- 
einrichtung hin, einer 
dem Wachsen derAnstalt 
entsprechenden Vermeh- 
rungbedürfen. Von selbst 
wird sich dann mit der 
Zeit auch die Leipziger 
Akademie gleichzeitig zu 



einer Versuchsanstalt entwickeln, wie man sie in 
Wien und München besitzt. Die Vorbedingungen 
hierfür sind gerade in Leipzig 
die allergünstigsten, denn ge- 
rade hier ist die dem Buch- 
gewerbe so dringend nötige 
Verbindung zwischen Kunst 
und praktischer Technik in 
besonderer Weise erleichtert. 

Das ganze Buchgewerbe ist 
j.i seinerNatur undEntwicke- 
lung nach auf eine erfolg- 
reiche Verbindung zwischen 
Künstlern und Fachleuten 
angewiesen. Bei allen andern graphischen Lehr- 
anstalten ist nun die praktische Kunst, selbst so- 
weit sie sich in den Dienst des Buchgewerbes 
stellt, völlig ausgeschlossen. Den Künstlern fehlt 
daher oft die Technik und den Technikern die 
Kunst. Einzig und allein bei der Leipziger Aka- 
demie sind die beiden wahlverwandten Gruppen 
vereinigt, die an sich wesentlich verschieden, 
doch auf das innigste Zusammengehen, auf gegen- 
seitige Unterstützung, auf einen Austausch der 
Ideen angewiesen sind. Nur in Leipzig ist es 
fertigen und angehenden Künstlern, welche sich 
dem Dienste des Buchgewerbes ganz oder teil- 
weise, dauernd oder vorübergehend widmen 




FakiimllcboliBchnitt von M. Eiffltr. unter Leitaaf von Prof. flerftoJi, 
«•cli elarr ttftdlerune, von M. SehwinS. 



e»« 330 M 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE »»»»»»»»»»» 




n»th tiMt Ztlcbnunc van Prof. Haiufttr, 



wollen, so leicht gemacht, sich nicht allein nach 
der künstlerisch-wissenschaftlichen Seite (in Per- 
spektive, Zeichnung, Farbensinn, Anatomie, Ästhe- 
tik, Naturkunde, Ornamentik u. s. w.) völlig aus- 
zubilden, sondern sich auch über die durch 
die Eigentümlichkeiten des Materials bedingten 
Schwierigkeiten und sich ergebenden Vorteile, 
welche die einzelnen graphischen Techniken dar- 
bieten, gründlich und erschöpfend zu informieren 
und sich so vor späterer nutzloser Zeit- und Geld- 
verschwendung zu schützen. Ein möglichst enges 
Zusammenarbeiten der einzelnen Abteilungen der 
Akademie wird also im Interesse aller Teile be- 
sonders im Auge behalten werden müssen. 

Wie bekannt, wurde vor kurzem Herr Prof. Max 
Seliger zum Direktor der Akademie berufen. Der 
Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins 
glaubte seine Freude über diese Berufung nicht 
besser ausdrücken zu können, als indem er dem- 
selben die Vertrauensstellung eines Vorstands- 
mitgliedes übertrug. Damit hat er aber zugleich 



deutlich zu erkennen gegeben, dass eben so wie 
er mit nie ermüdender Energie bisher sich be- 
müht hat, die wahren sachlichen Interessen der 
ihm so sympathischen, ganz denselben Zwecken 
dienenden graphischen Akademie möglichst zu 
fördern, er es in gleicherweise als seine notwen- 
wendige Aufgabe betrachtet, mit dem Lehrkörper 
selbst in engstem harmonischen Konnex, auf 
freundschaftlichem Fuße zu stehen. Damit ist ein 
gedeihliches sich gegenseitig ergänzendes Zu- 
sammenwirken beider buchgewerblichen Institute 
verbürgt, damit ist die Erhaltung des hohen 
Standes der graphischen Künste wie des eigent- 
lichen Buchdruckes in der Stadt, die auf eine 
Buchhändlerbörse, auf ein Deutsches Buchge- 
werbehaus, auf eine Gutenberghalle mit Recht 
stolz ist, gesichert. Möge es dem neuen Direktor, 
der demnächst sein Amt antritt, vergönnt sein, die 
altehrwürdige Anstalt unter den neuen Verhält- 
nissen zum Segen unseres deutschen Buchgewer- 
bes zu leiten. 





331 



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mmmmmmmmmmm archiv für Buchgewerbe 




Au« drr Festschrift *o« 1HW. TooboJischaitt von R. Afitstch. unter Leituni »on Pr«f fUriholj, 
nt.h einer Zetcnauog voa Prof. Honew. 



Das Druckerei- und Buchgewerbe in Russland. 

Von Dr. D. FEITELBERG in BERLIN. 



DIE Buchdruckerkunst nahm nach Russtand 
| ihren Weg durch Polen. 1525 gründete 
ein Pole, namens Skorina, die erste 
Druckerei in Wilna. Das erste Buch, welches 
die hiesige Presse verließ, war eine Apostel- 
geschichte. 

Bevor er nach Russland kam, besaß er eine 
Druckerei in Prag, wo er bereits Psalmbücher 
und Bibeln in russischer Sprache herstellte. 

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts 
sehen wir eine ganze Reihe von Buchdruckereien 
im Norden und Nordwesten Russlands entstehen, 
wo sie namentlich in dem großen Kirchenkampf 
nutzbar gemacht wurden, den die griechisch- 
katholische Orthodoxie gegen die katholische 
Union führte. 

Im Zarenreich Moskau selbst war die Nach- 
frage nach Büchern um jene Zeit zwar ziemlich 
bedeutend, allein die Abschreiber widersetzten 
sich, aus Furcht ihr Brot zu verlieren, der Er- 
richtung von Druckereien. Daher kam es, dass 
die erste Buchdruckerei in Moskau nicht früher 
als im Jahre 1553 entstand. Ihre Aufgabe lag zu- 
nächst darin, bei dem Neudruck der Schriften die 



Fehler zu entfernen, welche durch die Unwissen- 
heit der Abschreiber hineingekommen waren. 
Das erste Buch, das in der Moskowitischen 
Druckerei hergestellt wurde, war ebenfalls eine 
Apostelgeschichte; es folgten dann einige Breviere. 
Man muss anerkennen, dass die Buchdrucker- 
kunst bereits in diesen ihren Anfängen recht be- 
achtenswerte Leistungen aufwies. Allein diese 
Anstalt bestand nur kurze Zeit. Die Abschreiber 
und das Volk hassten die Druckerkunst als ein 
Teufelswerk. Die Druckerei selbst wurde von 
den wütenden Volksmassen angegriffen und in 
Flammen gesetzt. Die ersten Buchdrucker mussten 
sich nach Litauen flüchten. Erst mit dem Jahre 
1589 beginnt in Moskau ein regelmäßiger Buch- 
druckereibetrieb. 

Der Inhalt der Bücher umfasste meist das 
Kirchenzcrcmoniell und die Heilige Schrift. 
Unter der Regierung des Zaren Alexis Michailo- 
witsch wurden die ersten weltlichen Bücher ge- 
druckt. Unter Peter dem Großen endlich werden 
die für profane Bücher noch heute gebräuchlichen 
Charaktere geschaffen. Das erste Laienbuch, das 
eine russische Druckerei verließ, war ein Hülfs- 



ci* 332 *o 



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k'upfcrautotypic von E. Oppen unter Leitung von Herrn Prot Dr. AarUnd 

n.iili vinvr KoMe-ZHcfcMMg von Vtllgd, 



- 1:-; i r: Litt- «lim ..Aiclm lur K«chße»rrhr". Druck viwi I r I Vi i In I rifüg 

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'«'««.«.'■t,«.*** ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arar-srarsrar jrar» «r 



buch der Geometrie, das 1708 in Moskau herge- 
stellt wurde. 

Die erste Druckerei in Sankt -Petersburg war 
die noch jetzt bestehende Offizin des Heiligen 
Synodes. Später folgten auch noch andere offi- 
zielle Druckereien, so die des Kadettenkorps, 
der Landarmee und der Marine, des Senats und 
der Akademie der Wissenschaften. 1771 ent- 
stehen auch Privatbetriebe und 1783 wird das 
vom Staat einzuholende Privilegium zur Errich- 
tung einer Druckerei aufgehoben. Von nun an 
dürfen Privatpersonen das Gewerbe in allen 
Städten des Reiches ausüben. Die Folge hiervon 
ist eine schnelle Verbreitung der Buchdrucker- 
kunst über das ganze Reich. 

Das Wachstum der Anstalten drückt sich in 
folgenden Zahlen aus: Im Jahre 1810 existierten 
in Russland 75 Druckereien, im Jahre 1855: 96, 
im Jahre 1864: 181. Diese Anstalten druckten im 
Jahre 1825:583, 1855: 1020 und 1864: 1836 Werke. 

Mit der Druckerei entwickelten sich zugleich 
die anderen typographischen Künste. Am I. Jan. 
1898 zählte man 1857 typographische Anstalten, 
von denen sich 256 in Petersburg befanden. Es 
folgen 212 typographische Anstalten in Moskau, 
143 in Warschau, 22 in Wilna, 33 in Kiew, 40 in 
Riga, 50 in Tiflis, 18 in Charkow und 59 in 
Odessa. Zu diesen Beirieben kommen noch 58 
Schriftgießereien, 15 Stereotypieanstalten, 147 
Fabriken, die Apparate und Zubehör für das 
Druckereigewerbe herstellen und 1328 photo- 
graphische Ateliers. 

Das russische Buchdruckereigewerbe ist wohl 
organisiert und unter seinen Vertretern findet 
sich mancher Name, der mit Fortschritten auf 
diesem Gebiete inZusammenhanggenannt werden 
muss. Die bedeutendsten Druckereien sind mit 
Rotationsmaschinen versehen und befinden sich 
hinsichtlich der ganzen technischen Ausstattung 
auf einer dem gegenwärtigen Stand des Gewerbes 
entsprechenden Höhe. So nimmt die „Expedition 
für die Herstellung der Staatspapiere" in Betreff 
ihrer Einrichtung und ihres Betriebes eine der 
ersten Stellen in Europa ein. Sie besitzt eigens 
konstruierte Maschinen, deren Zusammensetzung 
und Bedienung als Geheimnis gewahrt wird. 
Die Druckerei der Akademie der Wissenschaften 
ist bekannt wegen ihres großen Reichtums an 
orientalischen und slavischen Charakteren. 

Beachtung verdienen in Russland auch bereits 



die kartographischen Anstalten und die Drucke- 
reien für Musiknoten. 

Unter den Hilfsgewerben und Künsten, die mit 
der Buchdruckerei im Zusammenhang stehen, 
nimmt die allererste Stelle die Photographie ein. 
Die Kaiserlich technische Gesellschaft hat seit 
1879 eine eigene Abteilung geschaffen, die sich 
ausschließlich mit der Photographie und deren 
Anwendung befasst und bereits viel zur Vervoll- 
kommnung dieses Gewerbes beigetragen hat. 
Die genannte Gesellschaft veranstaltet photo- 
graphische Ausstellungen, hält praktische und 
theoretische Kurse ab, beruft Kongresse ein und 
ist auf ihrem Spezialgebiete nach Jeder Richtung 
hin fördernd und belehrend thätig. In gleicher 
Weise wirkt die in Moskau bestehende Vereini- 
gung zur Verbreitung der technischen Künste. 
Ahnliche Verbände existieren außerdem in an- 
deren großen Städten, wie in Riga, Charkow, 
Tiflis, Jaroslaw u. a. m. Eine Vervollkommnung 
photographischer Kenntnis erstreben ferner viele 
Zeitschriften und Revuen, die in Russland er- 
scheinen, so die „Photographische Revue", „Der 
Amateur-Photograph", „Nachrichten für Drucke- 
reien" u. s. w. 

Eine ganz besondere Eigenart weist das 1892 
in Petersburg eröffnete photographische Labora- 
torium zur Untersuchung gerichtlicher Doku- 
mente auf. Die Photographie hat sich hierbei als 
ein ganz vorzügliches Hilfsmittel erwiesen. Der 
jährliche Umsatz der lithographischen und typo- 
graphischen Anstalten kann auf ungefähr sechs 
Millionen Rubel geschätzt werden. 

Wie sehr man sich eine Vervollkommnung des 
Buchdruckergewerbes in Russland angelegen sein 
lässt,geht auch daraus hervor, dass in Petersburg 
die Kaiserlich technische Gesellschaft 1884 eine 
Buchdruckerschule errichtet hat. Die Schüler 
sind Druckerlehrlinge, die in zweijährigem Kur- 
sus meistenteils in den Abendstunden für ihren 
Beruf vorgebildet werden. 

Die erste Buchdruckereiausstellung, die 1895 
in Petersburg stattfand, hat den thatsächlich hohen 
Stand dieses Gewerbes erwiesen. Seine weitere 
Vervollkommnung erstrebt die im Jahre 1899 in 
Petersburg gegründete Vereinigung der Buch- 
drucker, welche sich zur Aufgabe gesetzt hat, die 
Bedürfnisse der russischen Buchdruckerei zu 
prüfen und die Mittel, diese zu erfüllen, ausfindig 
ZU machen. (Fortsetzung folgt.» 



333 tft 



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mmmmmmmmmm/m archiv für Buchgewerbe jrjrjr^rjrjrjrjrjrjrjr 




Zeichenkünstler im Dienste der graphischen Kunst. 

VIII. LINA BURGER. 



DIE Kunstgeschichte lehrt uns, dass zu 
keiner Zeit die Frauen, sondern stets nur 
die Männer das Allerhöchste in der bil- 
denden Kunst erreicht haben. Wenn wir die end- 
lose Reihe der Kunstbeflissenen aller Länder und 
Zeiten bis auf den heutigen Tag nach dem posi- 
tiven Kunstwert ihrer Leistungen in Klassen 
einteilen wollten, würden wir in den obersten 
Klassen die holde Weiblichkeit nur wenig ver- 
treten sehen. Allein deswegen sind wir durchaus 
nicht berechtigt den Schluss zu ziehen, dass die 
Schuld etwa in einer von Natur aus mangelnden 
Befähigung des weiblichen Geschlechts liegen 
müsse. Die thatsächliche bisherige künstlerische 
Inferiorität war nur durch die sozialen Verhält- 
nisse bedingt. Die Künstlerinnen der vergangenen 
Zeiten konnten ihre Ausbildung nur im Kampf 
gegen unzählige Vorurteile der Welt erringen. 
Hierzu kam noch ein anderes gewichtiges Moment. 
Ein Meister kann in langsamer stufenweiser Ent- 
wicklung nur dann etwas Großes vollbringen, 
sein ganzes Können zeigen, sich einen gefeierten 
Namen erringen, wenn erdasGlück, das Verdienst, 
die Protektion hatte, mit den entsprechenden Auf- 
trägen betraut zu werden. Vor dem Wagnis, die 
Ausführung größerer monumentaler Arbeiten in 
zarte weibliche Hände zu legen, schreckte man 
wohl mit Recht zurück. Allein auch sonst wurde 
der Frau wenig Gelegenheit gegeben, an dankens- 
werteren, schwereren Aufgaben ihre künstlerische 



Befähigung, die ihr innewohnende Kraft zu er- 
proben und zu stählen. Daher dürfen wir an die 
bisherigen Resultate, welche Männer wie Frauen 
in der bildenden Kunst erzielt haben, nicht den- 
selben Maßstab anlegen. 

Allein seit einem Menschenalter ungefähr sind 
die Hemmnisse, welche sich früher einer systema- 
tischen Kunstausbildung entgegenstellten, durch 
Staats- und Privatakademien, Damenateliers we- 
sentlich geringer geworden. Der Eintritt durch 
das ziemlich verschlossene Portal in den Kunst- 
tempel, der früher als nur Reserverecht den 
Töchtern der sog. besseren Klassen vorbehalten 
war, ist jetzt völlig frei. Zu den vielen Berufen, 
welche in der Neuzeit der Frau sich eröffnet 
haben, hat sich die Kunst gestellt. Dass die Frau, 
von einigen Ausnahmen abgesehen,wenigNeigung 
verspüren wird, sich der Architektur, welche ja 
eine ganz gründliche langjährige Schulung voraus- 
setzt, zu widmen, ist einleuchtend. Bei dieser ist 
überdies eine unausgesetzte Berührung mit aller- 
lei Handwerkern, mit der Öffentlichkeit, auch ein 
gewisses Vertrautsein mit dem praktischen Leben, 
mit den Marktpreisen unerlässlich. Die Frau zieht 
daher naturgemäß das ruhigere Atelier vor und 
wird sich lieber der Bildhauerei und mehr noch 
der Malerei, den dekorativen Künsten zuwenden. 

Dass das weibliche Element ganz besonders in 
den Liebhaberkünsten, die ja seine bevorzugte 
Domäne sind, am produktivsten sein würde, war 



334 «Ä 



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Aus= Hoch/ciualhura (Fatnülen-Chronikl. 



Gcielctmet von Lina Burgtr. 
Illustriert von (hkar filuhm, Lina Burgtr, Amg. Gaget, Verlag von AUxanätr Koch in l)jrm%tjjt. 



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«.««.'Km«.-«'«'«'«.'» ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE .».w.jr.sr.^jr.sr.srjrjrjr 




Gezeichnet von Lina Barg/r. 



vorauszusehen. Allein es muss doch auf den 
ersten Blick Befremden erregen, dass die Frau 
bisher sich verhältnismäßig so wenig mit den ver- 
vielfältigenden Künsten, die doch so dankbar sind, 
befreunden konnte. Die Technik zu erlernen ist 
doch nicht gar so schwer. Als Hofporträtmale- 
rinnen haben sich zwar früher mehrere in der 
Radierkunst versucht. Auch sonst noch sind 
Damen in dieser thätig gewesen. Eine Doris Raab 
hat sich durch sie ihren Weltruf begründet. Allein 
in der eigentlichen Buchillustration, im Buch- 
schmuckwirklich ausgezeichnet haben sich eigent- 
lich nur wenige Auserwählte. Der Grund liegt 
wohl nur darin, dass eine gewisse Kraft, eine feste 
Hand welche der zur Nervosität leicht geneig- 
ten Dame in der Hauptsache versagt ist hier 
die erste Bedingung ist oder doch sein sollte. Mit 
einer zimperlichen, ängstlichen Zeichnung weiß 
keine Reproduktionstechnik etwas Rechtes anzu- 
fangen. Den erforderlichen absolut sicheren Strich 
aber sich anzueignen, setzt wieder eine Ruhe, eine 



Ausdauer, eine Energie voraus, mit welcher eben 
nicht jede Künstlerin von der Mutter Natur be- 
glückt wurde. 

L'nter den Künstlerinnen der Jetztzeit, welche 
sich mit Erfolg in den Dienst der graphischen 
Künste, speziell der Typographie gestellt haben, 
dürfte die aeclimatisierte Leipzigerin Frau Lina 
Bürger an hervorragender Stelle zu nennen sein. 

Ihre Schule, ihre Lehrmeisterin ist immer die 
Natur geblieben. Bei ihren ernsten Naturstudien 
bediente sie sich absichtlich nicht des üblichen 
Bleistiftes, der Aquarellfarben u.s.w., da hierbei 
die Leichtigkeit Abänderungen jeder Art vorzu- 
nehmen der Angewöhnung einer prima korrekten 
Zeichnung nicht förderlich ist, sondern gleich der 
Feder. Dadurch wurde sie gezwungen, sich von 
allem Anfang an einen richtigen, genau sitzenden 
Strich anzueignen. Auch mit dem Pinsel hat sie 
in ein oder zwei Tönen Pflanzenstudien ausge- 
führt, so wie Hamburger Künstler es unter dem 
Einfluss von Liberty Tadd zu thun anfangen. So 
gelangte sie nach kurzer Lehrzeit zu ihrer eigen- 
tümlichen, überaus bestimmten, klaren, sich we- 
niger Mittel bedienenden, der Technik aber aufs 
innigste entsprechenden Ausdrucksweise, zu der 
hoch anzuschlagenden, von nicht übermäßig vie- 
len erreichten Befähigung mit wenig Strichen 
viel darzustellen. Eine Reihe dieser ihrer ersten 
Feder - Naturstudien sind in den „Liebhaber- 
künsten" veröffentlicht worden. Die vortreffliche 




Gezelcfcael »im Uru Bürger. 



«et 33Ö *h 



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Entwurf von Lina Bürger. 

el: „ZeichenkGostler Im Diensie der graphischen Kunst*. Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE J*M*r3r3*»3*JCMrara* 



exakte Charakterisierung, der flotte Strich, lässt 
freilich auf Erstlingsarbeiten nicht schließen. 
Der Erfolg ermutigte Lina Burger tiefer in die 



zwar für Buchillustration geworden ist, ihre Viel- 
seitigkeit, ihre Lorbeern auf diesem engeren Ge- 
biete werden sie sicher nie bereuen lassen, sich 




fär de« Verl.» von Fr. W. Gramm in Ltiptlt. 



Kunst einzudringen und aus sich selbst heraus zu 
schaffen. Es entstanden nunmehr die phantasie- 
reichen Illustrationen für ein Kinderbuch (Verlag 
von Max Hesse in Leipzig), für 
„Friedesinchens Lebenslauf* 
von Sohnrey (Verlag von G. H. 

Meyer in Berlin), die von 

feinem Humor durchwehten 

Monatsbilder und Umrah- 
mungen für das Hochzeits- 
album (Verlag von Alexander 
Koch in Darmstadt) und an- 
dere mehr, als Beweis, dass 
die Arbeit ihr — dank der 
gründlichen Vorstudien und 
einer großen Gedankenfülle 
leicht von der Hand ging. 
Es war ja ganz naturgemäß, 
dass die Künstlerin infolge 
ihrer engen sozialen Bezie- 
hungen zu allen Kreisen des 
buchgewerblichen Lebens in Leipzig unwillkür- 
lich beeinflusst wurde, in der Hauptsache sich 
nur der „schwarzen Kunst" liebevoll zu widmen. 




nicht in die weite Welt der höchsten Kunst, der 
Historienmalerei begeben zu haben. 
Ihre Schöpfungen auf ornamentalem Gebiet für 
das Buchgewerbe sind in allen 
Händen, da es die Welthäuser 
Breitkopf & Härtel, bezw. 
Schelter & Giesecke waren, 
welche ihrer Zoologie für 
Buchdrucker, wie ihren Edel- 
linien, ihrenVignetten (allerlei 
Zierrat) u. s. w. die weiteste 
Verbreitung verschafften. 
Allen diesen Erzeugnissen 
wird besonders von den Set- 
zern die ungemeine Vielseitig- 
keit ihrer Verwendung nach- 
gerühmt. Die vielen Titel- 
blätter, Plakate, Bucheinbände, 

Vorsatzpapiere, welche in 
stattlicher Zahl gleichzeitig das 
Atelier verließen.alle hier ein- 
zeln aufzuzählen, würde den mir zur Verfügung 
stehenden Raum zu sehr überschreiten. Trotz 
der großen Produktivität finden wir auch nicht 




Gezeichnet von Lina Bmrgtr (ur den Verlan von Fr. W. Cirvnoir in Ltipiig. 



Diese weise Beschränkung, ursprünglich viel- 
leicht nicht beabsichtigt, hat aber, wie der Erfolg 
gelehrt, ihr nur zum Vorteil gereicht. Zugegeben, 
dass dadurch Lina Burger nur Spezialistin und 



ein Blatt darunter, welches von minderwertiger 
Qualität wäre. Allen gemeinsam aber ist eine 
frische neuzeitliche Empfindung und eine merk- 
liche Neigung nach dem Modern-Englischen. Um 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE »»»JTMMrarjrjrjrjr 




Nach der Natur fereichncl von Lima Bargt?. Studie tu dem Buchstaben ¥ 
de« Fraktur-Alpfcabelca d« Fr. W. Graiteavachen Verlag* in Ltipiig. 



so mehr musste es überraschen, als durch eine 
Reihe von Leisten für den Verlag von Fr. W. 
Grunow in Leipzig der Beweis geliefert wurde, 
dass die Künstlerin auch mit den alten Meistern 
und deren Verzierungsweisen in ganz gründlicher 
Weise sich vertraut gemacht hatte. Die Vermutung 
liegt nahe, dass die reiche Einzelblattsammlung 
des Buchhändlerbörsenvereins hier die Bekannt- 
schaft vermittelt hat. Auch dürfte ihr Schwieger- 
vater, der Illustrator und Maler Ludwig Burger, 
der eigentlich alle vervielfältigenden Künste mit 
gleicher Virtuosität beherrschte, nicht ohne Ein- 
fluss geblieben sein. 

Der Auftrag, für denselben Verlag ein Fraktur- 
alphabet zu entwerfen, führte zur wiederholten 
Porträtierung fast der gesamten Kinderwelt von 
Oetzsch einem Stadt-Dorfe bei Leipzig, wo- 
selbst das Atelier aufgeschlagen ist — , da die sich 
selbst streng richtende Künstlerin immer und 
immer wieder an ihren Skizzen etwas auszusetzen 
hatte. So musste schließlich ein Werk entstehen, 
welches nur den einen Wunsch erweckt, bald auch 



ein /fnfi^ua-Kinderalphabet aus gleicher Meister- 
hand hervorgehen zu sehen. 

Auch einer Reihe von ziemlich naturalistisch 
gehaltenen Blumen-, Kopf- und Schlussleisten: 
Taubnessel, Nelke, Löwenzahn, Erdrauch u. s.w. 
in Zweifarbendruck, ebenfalls für den Grunow- 
schen Verlag, sei hier besonders gedacht, da 
sie es durch ihre geschickte Linienführung und 
Farbenverteilung verstehen, die bei rein vegeta- 
bilischen Motiven so gewöhnliche Klippe der 
Langweiligkeit zu umschiffen. 

Eine stattliche Anzahl von Exlibris (auch in 
Radierung) und Signeten ist ebenfalls in dem Zeit- 
raum der letzten Jahre entstanden, von denen 
wir nur einige hervorheben können. Dasjenige 
des Fürsten Otto von Bismarck ist im Auftrage 
des Vereins der Leipziger Buchhändler geschaf- 
fen worden und wurde dem Altreichskanzler zu 
seinem SO. Geburtstag überreicht. Das Exlibris 
für Frau Dr. Alphons Dürr enthält Anspielungen 
auf deren Heimat (Hessische Landleute und die 
Elisabethkirchc in Marburg). Es sollte im Stil 
Ludwig Richters gehalten sein, was der Künst- 
lerin auch vortrefflich gelungen ist. Das Exlibris 
des Verlagsbuchhändlers Fischer in Jena ist ur- 
sprünglich als Signet gezeichnet und nur durch 
Ersetzung der Devise durch das Wort „Exlibris* 
in ein solches umgewandelt worden. Mit dein 
Exlibris des Herrn Dr. Volkmann in Leipzig — 




Geieichnel von Lima Umrgrr. 



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*,««,«««*«««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararararjrjr.sr.sr.srjr.sr 



im Stil der Kleinmeister des 16. Jahrhunderts 
hat die Künstlerin aufs neue bewiesen, wie sehr 



wir schon im letzten Heft des vorigen Jahrganges 
gebracht. Wir dürfen wohl verraten, dass noch 








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GcfcU-hnct von Liaa Burgtr für den VrH«c von fr. hV. 'jraaoir In Lttpsig. 



sie, obwohl in der Hauptsache auf modernem 
Boden stehend, verstanden hat zu ihrem Vorteil 
in den Geist unserer Altvordern einzudringen. 
Ihr eigenes Exlibris und das ihres Gatten haben 



eine weitere Reihe ganz prächtiger Arbeiten sich 
unter der Feder bezw. Radiernadel befindet, über 
die es uns eine angenehme Pflicht sein wird 
seiner Zeit zu berichten. 



fflfä w/s fflfä w& fflfä w& wßw& 

JZ^^SL BP^B fiy^B aS^^SL BP^B BP ^B BP ^B £S^^23L BP ^B BP ^B BP^B 



Die moderne Illustration. 

Von JOSEPH PENNELL. 
II. 



VON der Zeit an, wo *4. W. Drake und später 
Z.<?wi's Fräser das Century herausgaben 
(mit dem Titel: Scribners Monthly), be- 
trachteten sie es als ihre Aufgabe, junge Künstler 
zu unterstützen und zu ermutigen. Noch früher 
gab auch Charles Parsons, der die Kunstabtei- 



lung von Harper Brothers unter sich hatte, vielen 
jungen Künstlern so freundlichen, verständigen 
und praktischen Rat, dass sein Name allen un- 
vergessen bk-ihen wird. Brak» war selbst ge- 
schulter Künstler und Holzschneider und sowohl 
er wie Fräser pflegten ihre Ansichten denen des 



Ät 339 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararjrjrjrarjrjrjrjrar 



Publikums nicht unterzuordnen, ohne sich für 
unfehlbar auszugeben, was auch die litterarischen 
Herausgeber nicht thaten. Die Folge davon war, 
dass die amerikanischen Zeitschriften unter den 
anständigen Publikationen die meiste Verbrei- 
tung gewonnen haben. Vom Holzschneider wurde 
nicht verlangt, eine Zeichnung in konventioneller 
Manier zu reproduzieren, sondern sowohl so ge- 
treu wie möglich nicht nur den Gegenstand der 
Zeichnung wiederzugeben, als auch die Eigenart 




der Technik durchfühlen zu lassen, in der sie aus- 
geführt war. Daraus entstand die sogen, ameri- 
kanische Faksimile-Holzschnittschule, welche bis 
zur Einführung der mechanischen Verfahren die 
beliebte Zielscheibe aller Kritiker war, welche 
über Kunst zu schreiben versuchten. Jetzt in- 
dessen, wo sie glauben, dass der amerikanische 
Holzschnitt im Begriff sei, vor der Autotypie 
zu verschwinden (obgleich nicht die geringste 
Gefahr vorhanden ist, dass sich so etwas ereig- 
net), stimmen sie vorzeitige Klagelieder über 
seinen Untergang an, der in Wirklichkeit über- 
haupt nicht kommen wird. 

Auch beim Druck wurden von Anfang an mit 
Farbe, Papier und Presse Versuche angestellt. 
Obgleich das steife, glänzende Kunstdruckpapier 
das Resultat dieser Experimente ist, so wird es 
doch nur benutzt, weil sich ja auf keinem anderen 



Papier so gute Drucke erzielen lassen. Wenn 
doch nur einige der Leute, die über dieses Papier 
jammern, etwas besseres hervorbringen wollten! 
Ich bin sicher, dass sie für ihre Mühe reichlich 
belohnt werden würden, denn alle die großen 
Zeitschriften würden es sofort in Gebrauch 
nehmen. 

Ein weitererGrund für den Erfolg und dieTüch- 
tigkeit der amerikanischen Illustratoren ist der, 
dass die Herausgeber der großen Zeitschriften, 
wie des Century, Harpers, Scribners Magazine, 
so klug waren einzusehen, dass wenn man von 
einem Manne gute Arbeit haben will, man diese 
auch bezahlen und dann ordentlich reproduzieren 
und drucken muss. Naturgemäß sind dieKünstler 
selbst stolz auf den Erfolg der Zeitschriften, mit 
denen sie in Verbindung stehen; ihr Interesse 
macht sich in manchen Fällen stärker bemerklich, 
als das der Verleger. Sie haben mit den Holz- 
schneidern und Druckern zusammen gearbeitet; 
sie haben sich die Geheimnisse der Reproduk- 
tionstechnik und des Druckens zu eigen gemacht. 
VerschiedeneDrucker undRcproduktionskünstler 
haben auch mit den Künstlern zusammen gear- 
beitet, und in vielen Fällen hat sich dabei ein 
besseres System echter Meisterschaft entwickelt, 
als es in den ewig belachten Gilden des Mittel- 
alters bestand. 

Wenn Amerika, wie allgemein zugestanden wird, 
das beste Beispiel einer illustrierten Zeitschrift 
hervorgebracht hat, die die Welt aufzuweisen hat, 
so ist es nicht schwer, den Grund dafür aufzu- 
finden. Die Verlsger haben sich die Dienste der 
besten einheimischen Künstler gesichert und sind 
bereit, die Arbeiten von Ausländern zu benutzen. 
Auch viele der besten Holzschneider und Repro- 
duktionstechniker arbeiten für diese Zeitschriften, 
und im Maschinendruck hat Theodore de Vinne 
der ganzen Welt ein Vorbild aufgestellt. Wenn 
diese Männer Meister geworden sind, so ist es, 
weil sie zuerst ihre Kunst gründlich studierten 
und dann die praktischen Anforderungen und 
technischen Bedingungen kennen lernten, wie 
Zeichnungen am besten für die Druckseitc repro- 
duziert und wie diese Druckseiten dann am besten 
gedruckt werden können. 

Neuerdings ist nun auch ein Versuch gemacht 
worden, den Holzschnitt wieder zu beleben, nicht 
allein in Frankreich, sondern fast in der ganzen 
Welt ausgenommen in England, wo man von 
irgend einer Verbesserung oder Wiederbelebung 
erst lange Jahre nachher zu hören pflegt, nach- 



- -r 340 <*- 




Titelblatt entworfen von hmil Hecht unter Leitung von Herrn Professor Honejjjjer. 



Zinkhothat/unx aus dVr Abteilung für photomcchanischir VcrviclfSltii;un>:svert.ihrcn 
von Herrn Prot. Dr. A.irl.md. 



Kunst beilade zum Archiv für Buchgewerbe 



Druck von Metzger * U'illi);. Leipzig. 



Papirr von K«rd Flilncli 



««««*&K*ft*£*tvt*K ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE **,v*»*ar**»^ 



dem die ganze Sache überall sonstwo Fertig und 
abgethan Ist und in Amerika, wo man alle An- 
strengungen macht, die photomechanischen Ver- 
fahren zu vervollkommnen. Aber diese Wieder- 
belebung kommt nur von der Bereitwilligkeit 
guter Holzschneider her, sehr billig zu arbeiten, 
einfach um die Mittel zum Leben zu haben, und 
vom Überhandnehmen des Klischeegeschäftes. 
Es wird ein großer Handel mit Galvanos nach 
Holzschnitten zur Wiedergabe Inden illustrierten 
Zeitschriften getrieben ; aber ich habe gehört, dass 
Verleger, welche zum Preise von so und so vielen 
Pfennigen für den Quadratcentimeter die Ge- 
danken anderer Leute ausnutzen wollen, keine 
Galvanos von Ätzungen, sondern nur solche von 
Holzstöcken kaufen aus Gründen, die nur ihnen 
selbst bekannt sind. Indessen ist es ganz gut 
möglich, dass diese Wiederbelebung des Holz- 
schnitts zu selbständigem Vorgehen ermutigt und 
eine neue Periode vornehmer Originalholzschnittc 
die Folge davon ist, so wenig auch diejenigen, 
welche diesen Erfolg herbeiführen, ein Interesse 
daran haben dürften. 

Nun noch einige Worte über die Männer und 
über die Bücher, welche sie illustriert haben. Der 
Künstler, welcher vor zwanzig Jahren am meisten 
hervortrat, war Gustave Dort. Dass Dort ein 
Mann von erstaunlicher Phantasie war, wird nie- 
mand bezweifeln ; dass seine Phantasie vollständig 
mit ihm durchging, ist ebenso wahr. Er hat auf 
nichts Einfluss gehabt als auf die allerbilligste 
An des Holzschnitts. Obgleich es leicht ist, seine 
Beliebtheit zu begreifen, so ist es doch schwer, 
in Anbetracht der vielen, wirklich guten Arbeiten, 
die er machte, zu erklären, warum er als Künstler 
völlig unbekannt geblieben ist. Es ist gar keine 
Frage, dass einige seiner Kompositionen ausge- 
zeichnetsind, selbst wenn alleGestaltcn undTypen 
darin in einem schrecklichen Grade manieriert 
und abgebraucht sind. Die einzige Erklärung, 
die wir für seinen vollständigen Misserfolg finden 
können, ist, dass er durch das Lob seiner Freunde 
verdorben wurde. Dort fing als Lithograph an 
und führte die Traditionen seiner unmittelbaren 



Vorgänger und Zeitgenossen, Daumier und Ga- 
varni, Raffet und Charlet, fort; er ging jedoch 
bald zum Zeichnen auf den Holzstock über und 
überschwemmte die Welt mit seinen Arbeiten. In 
Bezug auf Beliebtheit hat ihn niemand erreicht, 
aber seine Zeichnungen auf den Stock können 
ebensowenig mit denen Meissoniers verglichen 
werden, wie seine Lithographien mit denen Ga- 
varnis, der einige köstliche Zeichnungen zu dem 
Artiste in dessen erster Zeit beisteuerte. 

Anmerkung der Schriftleitung. Joseph Pennell gehört zu 
jener Gruppe angelsächsischer Künstler, die in allen Sit- 
lein gerecht mit gleichem Geschick die Feder wie den 
Zeichenstift zu handhaben wissen. Seine bewunderns- 
wert feinen architektonischen und landschaftlichen Zeich- 
nungen sind wohlbekannt. »Sie suchen*, wie Walter Creme 
in seinem Buche über die dekorative Illustration des Bu- 
ches sagt, »ihresgleichen an Frische und Lebendigkeit der 
Zeichnung und an origineller Behandlung. Sie geben 
äußerst bestimmt die Hauptzüge des topographischen und 
örtlichen Charakters wieder (mit einer glücklichen, wenn 
auch oft seltsamen Wahl des Standpunktes und der male- 
rischen Umgrenzung)". Besonders glücklich ist er in der 
malerischen Wiedergabe der alten Bauwerke Englands und 
der Normandie. Als Schriftsteller hat er nicht wie G. Da 
Kaarier Romane, oder wie Howard Pyle Märchen und Sa- 
gen geschrieben, sondern wie Waller Crane Kunst und 
kunstgeschichtliche Themen bearbeitet. Am bekanntesten 
ist wohl sein schon in zweiter Auflage vorliegendes Werk: 
Pen drawing and pen draughtsmen (London, Macmillan 
and Co.) und sein großes Werk über die Lithographie (Litho- 
graphy and Lithographers. Some chapters in the history 
of the art. London 1898, Fol.) Als Gegenstück zu Walter 
Cranes Buch über die dekorative Illustration hat er un- 
längst ein Buch über die moderne Illustration für die Ex- 
libris-Scries (London, George Bell and Sons) verfasst, das 
soeben in deutscher Obersetzung im Verlage von Her- 
mann Seemann Nachfolger in Leipzig herausgekommen ist. 
Pennelt giebt darin nach einer längeren Einleitung, in der 
er seinen Standpunkt klarlegt, von dem er das Thema be- 
handelt hat, im ersten Kapitel einen allgemeinen Oberblick 
über die Illustration, bespricht im zweiten Kapitel die heu- 
tigen Illustrationsmethoden, ihren Ursprung und ihre Ent- 
wickclung und schildert dann den Zustand der modernen 
Illustration in Frankreich, Deutschland, Spanien u. s. w., in 
England und in Amerika. Durch das liebenswürdige Ent- 
gegenkommen der Verlagshandlung sind wir in die Lage 
versetzt worden, unsern Lesern aus diesem geradezu 
spannend geschriebenen Werke einige Ausschnitte mit 
Illustrationen geben zu können. 




Die Techniken des Tiefdrucks. 



N' 



[ICHT nur im großen Publikum, sondern auch in den 
berufenen Fachkreisen Ist es oft mit einer gründ- 
lichen Kenntnis sämtlicher zahlreicher Tiefdrucktechniken 



ziemlich schlecht bestellt. Die früher erschienenen Werke 
darüber sind veraltet, da sie die mannigfaltigen in neuerer 
Zeit aufgekommenen Kniffe nicht enthalten. Deshalb war 



341 



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««m«««'«;'«'«;«« ARCHIV FÜR BUCHGtWIiRBE jrarjrjrarjrjTjrjrjrjr 




AulMyrik-hc KrpruJuktuia eint» In SluBJurcliJrUclncrUhKn 

lic: I.II UllCICt. 

cs eine zwar schwierige aber Joch höchst dankbare Aufgabe, 
ein für Kupfcrstichsammlcr wie für Künstler berechnetes 
Werk (Die Techniken des Tiefdrücken, mit besonderer Be- 
rücksichtigung der manuellen, künstlerischen Herstellungs- 
verfahren von Tiefdruckplattcn icder Art. Zur Benutzung 
für Graphiker, Malerradierer und Kunstfreunde heraus- 
gegeben von Walter Ziegler. Verlag von Wilhelm Knapp in 
Halle. 191 Seilen. Mit Hfl Illustrationen und zwei Kupfcr- 
druckbeilageni herauszugeben, welches in leicht fasslicher, 
knapper Form mit den verschiedenen Verfahren der Erzeu- 
gung einer Ticfdruckplattc, Manipulationen ihres Druckes, 
wie mit den erforderlichen Chemikalien und Materialien 
vertraut macht. 

Die Theorie wie die Praxis werden für die Beurteilung 
wie für die Herstellung von mittels Tiefdruckes herge- 
stellter Kunstblätter ganz erheblichen Nutzen ziehen aus 
diesem Buch, cs ist für beide geradezu unentbehrlich. Ge- 
rade deswegen ist die graphischen Veit dem Verfasser, der 
bekanntlich außer der Feder auch den Stift und die Radier- 
nadel meisterhaft zu führen versteht, äußerst dankbar, dass 
er seine Aufgabe so vorzüglich gelöst hat. Es wäre sehr 
zu wünschen, wenn Verfasser und Herausgeber zu einer 
Prachtausgabe sich entschließen würden, welche von allen 
besprochenen Techniken ausnahmslos wenigstens ie einen 
instruktiven Originaldruck enthalten raüsstc. Für alle 
Kupferstichkabinelte, Universitätslehrkanzeln u. s. w. wie 
für alle Privatsammlcr ist ja ein solches Werk geradezu 
ein dringendes Bedürfnis. Das buchhindlcrischc Risiko 
dürfte kaum ein großes .sein. Einstweilen begnügen wir 
uns mit dem wirklich Guten, was uns geboten wurde! Bei 
einer zweiten Auflage ist zu hoffen, dass die Strich- und 



Tonproben nicht wieder der Billigkeit wegen auf 2 Tafeln 
zusammengedrängt, sondern präciscr auseinandergehalten 
werden. 

Ober unsere Abbildungen entnehmen wir dem Buche 
auszugsweise folgende interessante technischen Notizen: 

Die Gatvanographie basiert darauf von einem durch den 
Auftrag dickerer oder dünnerer Farbschichten erzeugten 
Relief ein plastisches Negativ herzustellen, bei welchem 
die dunkelsten Töne, die auf dem Original das höchste 
Relief zeigten, am meisten vertieft erscheinen. Wird eine 
solche Negativplatte mit Farbe versehen, so ergiebt sie 
nach den Prinzipien des Tiefdruckes einen dem Original 
entsprechenden Abdruck. Man verwendet versilberte 
Kupferplatten, auf die man mit einer aus Ocker, Terra di 
Siena oder Eisenrot mit Leinöl unter Zusatz von Dammar- 
ßrnis. Wachs und Terpentinöl hergestellten Farbe ein 
Relief aufmalt. Nach der Trocknung überpinselt man das- 
selbe mit Graphit bez. Silbcrbronzc. wie im vorliegenden 
Fall und macht von ihm im Galvanobad einen Kupfer- 
abschlag, der zugleich die spätere Druckplatte bildet. Da 
dieselbe aber nur eine schwache Körnung zeigt, erlaubt 
dieselbe ohne manuelle Nachhilfe nicht sehr kräftige 
Tiefen zu drucken. 

Für das viel zu wenig bekannte Durchdruckverfahren 
nimmt man am bequemsten einen weichen Ätzgrund. So- 
dann wählt man einen Stoff von knotenfreiem Gewebe aus, 
wie Leinwand, Seide, Battist u. s.w., von dem man ein 
Stück in Plattengröße zuschneidet. Wird nun dasselbe auf 
die grundierte Seite der Platte und dann darüber festes aber 
weiches Papier gelegt, so presst sich nach irgend einem 
starken Druck das Gewebe in den Atzgrund ein. Dort 




Aulalipovhc Kcpmluklkm lincr tialvanofraphlc. 
Du Orifinil iclp die Mangrl einer nichi rclBuckieft«« Pliltt. 



m 342 •* 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERRF: 



wo die Webefiden sich kreuzen, wird je ein Punkt freigelegt. 
Das ganze Webmuster des aufgelegten Stoffes wird also 
auf der grundierten Platte matt sichtbar sein. Wie bei der 
Aquatinta kann nun jede beliebige Zeichnung durch wieder- 
holtes abwechselndes Auftragen von Deckflrnis und Atzen 
mit Eisenchlorid in eine Tiefdruckplatte umgewandelt wer- 
den. Das Verfahren kann nach entsprechender Reinigung 
auch mit einem zweiten Durchdrückegrund und mit An- 
wendung anderer Stoffe wiederholt werden. Durch richtige 
Kombinierung des verschiedenen StofTkorns, durch ver- 



nünftiges Abdecken und vorsichtiges Ätzen können alle 
möglichen Töne erzeugt und jede Kraft erzielt werden. 
Hauptslchlicb bei größeren Platten hat das durchgedrückte 
SioffXorn einen prickelnden Reiz, welcher nichts mit dem 
durch Aquatinta erzeugten eintönigen Korn gemein hat. 
Man kann auch auf die grundierte Platte Stoff und darüber 
dünnes aber festes Papier breiten und mittels stumpfen 
Bleistiftes auf dasselbe zeichnen und so durchdrücken, wo- 
durch das Wegdecken vermieden wird. 






Die Specialkurse an der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. 



DIE an der Jt. k. Graphischen Lehr- and Versuchsanstalt 
In Wien für die Mitglieder der Wiener Graphitchen 
Gesellschaft errichteten Kurse über «Skizzieren von Druck- 
sachen" und „ Schneiden von Tonplatten* sind nunmehr in 
ihren Anfingerkursen geschlossen, um im September d. J. 
ihre Fortsetzung in den Kursen für Fortgeschrittene zu 
finden. Dank dem Entgegenkommen des Leiters der ge- 
nannten Anstalt war die Graphische Gesellschaft in die Lage 
gesetzt, ihrem Bestreben, ihren Mitgliedern die weit- 
gehendste Fortbildungsmöglichkeit zu gewahren, wieder in 
etwas gerecht zu werden. Es ist hocherfreulich, die Ziele 
und das Wirken der Gesellschaft von kompetenter Seite 
richtig gewürdigt zu sehen. Als es sich darum handelte, 
zu entscheiden, welche von den ins Auge gefassten Kursen 
die für die Setzer aus welchen sich die Mitgliedschaft 
der Gesellschaft derzeit zum größten Teile rekrutiert 
wichtigsten, vorerst notwendigsten seien, konnten selbst- 
verständlich nur die beiden »Skizzieren von Drucksachen" 
und .Schneiden von Tonplatten" in Betracht kommen, für 
welche als Leiter die Herren Franz Wiskocil und Heinrich 
Feige bestimmt wurden. 

Der Lehrplan des Skizzierkursus war: Die Grundzüge der 
typographischen Fläcbcneinteilung — Das Ornament und 
seine Anwendung im Buchdruck Skizzieren von Buch- 
titeln und einfarbigen Drucksachen. Nachdem derselbe von 
praktisch thltigen Gehülfen besucht ward, welchen die 
Regeln des Satzes geläufig sind, so wurde sowohl davon, 
als auch von der Besprechung der einzelnen »Richtungen* 
und Arten des Titclsatzes Umgang genommen, schon weil 
die Zeit zu kurz war. Es wurde deshalb das Hauptaugen- 
merk auf die moderne, sich immer mehr Bahn brechende 
Gestaltungsart des Titclsatzes gerichtet und dies als die 
Grundlage der Übungen des Skizzierkurses, wenn er seinen 
Zweck eben zeitgemäß erfüllen solle, betrachtet. 

Weil nun aber in der Praxis wohl nicht immer, d. h. nicht 
in jedem Falle, die moderne Satzart Anwendung findet oder 
finden kann - sei es aus Mangel an richtigem, zum mo- 
dernen Satze notwendigem Material oder auch aus noch 
nicht abgelegtem Konservatismus des Bestellers in dieser 
Beziehung so fanden die Übungen in der Weise statt, 
dass jedes Beispiel an derTafet in den an sich verschiedenen 
Arten des Titelsatzes (symmetrisch, freie Richtung und 
moderner Rechteck- oder Dreiecksatz) zur Darstellung ge- 
bracht wurde. Dem Lehrplan folgend, wurde deshalb auch 
die Gruppierung des Satzes vorerst allein geübt, nur mit 



dem unbedingt nötigen Schmuck. Nachdem diese Übung 
auf möglichst viele Arten von Drucksachen: Buchtitel, 
Karten für diverse Gelegenheiten, Briefköpfe, Fakturen. 
Programme, Cirkulare u. s.w. ausgedehnt war, wurde zu 
der richtigen und zweckentsprechenden Anwendung des 
Ornamentes übergegangen. Dabei wurde mehr oder weniger 
auf die zur Zeit in Wien übliche Art der Ausstattung von 
Drucksachen Linienzüge als Schmuck Bedacht ge- 
nommen. Mit Fragmenten (Schmuckteilen) beginnend und 
ihre Zusammensetzung mittelsLinienführung übend, wurde 
hierdurch Gelegenheit geboten, in der selbständigen Ge- 
staltung dieses Schmuckes Fertigkeit zu erlangen. Es ge- 
schah dies nicht in der Absicht, etwa für den »Wiener Stil* 
Propaganda machen zu wollen, sondern um damit zu zeigen, 
dass es immerhin mit einiger, durch fleißige Übung er- 
langten Findigkeit ganz gut möglich ist, mit dem ziemlich 
einfachsten Buchschmuckmaterial rasch herstellbare und 
doch wirksame Drucksachen zu produzieren. 

Der Kurs über »Schneiden von Tonplatten für Buchdruck- 
zwecke* musste sich naturgemiß mehr der Praxis, dem 
eigentlichen Tonschneiden, zuwenden. Die ersten Stunden 
waren einer kurzen Übersicht über den Wert und Zweck 
der Tonplatte überhaupt und deren Verwendung bei den 
verschiedenen Arten von Drucksorten gewidmet. Hierauf 
folgte die theoretische Einführung in die Vorginge des Um- 
drucks, wie der Bearbeitungsmethoden der gebräuchlich- 
sten Tonplattenmateriallen, als welche angeführt wurden: 
Holz, Blei, Karton, Cclluloid und Aföserschc Platten. Der 
folgende praktische Unterricht wurde nur in letzteren ge- 
geben, in der Voraussetzung, dass zur Mehrzahl der in der 
Praxis vorkommenden Tonarbeiten infolge der bedeutend 
leichteren und müheloseren Arbeltsweise wohl nur die- 
selben verwendet werden. Von dem einfachen geradlinigen 
Konturschnitt angefangen, wurde hierauf zu Kreis- und 
Palmettenformen übergegangen, um so die Teilnehmer an 
den richtigen Gebrauch von Graviernadel, Stichel und 
Messer zu gewöhnen. Als weitere Übung folgte die Herstel- 
lung kleiner Fliehen mit der Graviernadel, wie auch Punk- 
tieren von verlaufenden Tönen, dem sich das Zeichnen von 
Ornamenten in der Tonplatte angliederte. Während das 
erste Beispiel hiervon nur mittels der Graviernadel ein- 
gezeichnet und die esumgebcndcTonfliche punktiertwurdc, 
ist bei dem weiteren Beispiel bereits zum Schabmesser, 
dem ureigensten Werkzeug bei der Herstellung von Tönen 
aus Märschen Platten gegriffen worden. Der anfangs 



•C« 343 «ft 



44* 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



nur kurz erwähnte Umdruck wurde nunmehr auch praktisch 
geübt, Insofern jeder der Kursteilnehmer Gelegenheit hatte, 
denselben für die folgende Obungsplsitte selbst vorzu- 
nehmen. Diese letztere war so angelegt, dass auf ihr alle 
bis nun durchgenommenen Praktiken des Kitzens, Schnei- 
dens und Schabens nochmals durchgenommen wurden. 

Bei jedem, der Gelegenheit hatte, den Fortgang dieser 
Kurse zu beobachten, machte sich die Oberzeugung gel- 
tend, dass bis jetzt viel zu wenig Verl auf die Kenntnisse 
des Zeichnens und auf Zeichcntalent überhaupt, speziell 
bei Aufnahme von Lehrlingen, gelegt wurde, da einen 
vollen Erfolg in beiden Fiebern wohl immer nur der des 



Zeichnens Kundige erlangen wird. Das Bestreben der Ge- 
sellschaftwird infolgedessen dahin gehen müssen, bei einer 
möglichen Erweiterung dieser Kurse für ihre Mitglieder 
auch in erster Linie einen Freizeichenkurs ins Auge zu 
fassen. Nicht etwa, um Zeichenkünstler heranzuziehen, 
um den Accidenzsetzer zum selbständigen Entwerfen von 
Ornamenten zu veranlassen, was eine völlige Verkennung 
des eigentlichen Zweckes wire, sondern um das Auge an 
Formenschönheit zu gewöhnen, um mindestens allen 
denjenigen, welche hierzu Lust und Liebe haben, Gelegen- 
heit zu geben, sieb die Fertigkeit des Zeichnens überhaupt 
anzueignen. 




Handprobe der Amerikan Type Founders Co. 



IN den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat sich die 
Buchdruckerei und besonders das Zeitungswesen rapid 
entwickelt; der Zeitungsreichtum Nordamerikas wird von 
keinem Lande übertroffen. Daraus erklärt sich denn wohl 
auch die dortige Art der Buchdruckcrci-Einrichtungen, alle 
Bedürfnisse thunlichst von einer Firma zu beziehen, um 
einheitliches Material auf kürzestem Wege zu erhalten. 
Dementsprechend liefern nun die Schriftgießereien Nord- 
amerikas nicht nur die Typen, sondern auch alle Utensilien, 
HilfsmaschinenundSchnellpressen.und ihre Probenbücher 
enthalten alle diese Gegenstinde. 

Die meisten nordamerikanischen Schriftgießereien haben 
sich 1882 zu einem Kartell unter dem Namen „American 
Type Founders Co." vereinigt und zwar mit einem Kapital 
von 9 Millionen Dollars (ca. 38 Millionen M.K Die damit 
erreichte Einheitlichkeit in der Verwaltung. Fabrikation und 
im Verkaufe machte ein Eingehen aller bisherigen Proben 
der Einzelfirmen und die Herstellung einer einheitlichen 
Gesamtprobe des Kartells notwendig. Es erschienen meh- 
rere Ausgaben davon in Quart, und im Februar 190t) ist 
nun auch eine Handprobe herausgekommen, ein „Dcsk 
Book of Type and Printing Matcricl", welche Gegenstand 
dieser Zeilen ist. 

Dem Kartell waren 23 Firmen in 12 Städten beigetreten. 
Zwecks Vereinfachung wurden die Gießereien desselben 
Platzes zu einem Betriebe vereinigt und an geeigneten 
Plltzen neue Filialen errichtet. Dadurch verfügt die Com- 
pagnie gegenwärtig über 17 Filialen in folgenden Städten: 
Baltimore, Boston, Buffalo, Chicago, Cincinnati, Cleveland, 
Denver, Kansas City, Los Angclos, Minncapolis, Newyork, 
Philadelphia, Pittsburg, Portland Orc., San Francisco, 
St. Louis und Spokane. 

Leitender Grundsatz der amerikanischen Schriftgieße- 
reien ist, ihre Proben so auszustatten, dass auch ein we- 
niger intelligenter Fachmann und selbst ein Laie sich einen 
sicheren Voranschlag über die Kosten etwaiger Anschaf- 
fungen machen kann. Dieser Grundsatz spricht ebenfalls 
aus der vorliegenden Handprobe. Es war natürlicherweise 
keine leichte Aufgabe, die Stempel, Matrizen und Lager- 
schriften aller 23 Firmen in den gemeinsamen Verwaltungs- 
apparat so einzureihen, dasu beträchtlichen Entwertungen 
vorgebeugt und doch auch Doubletten vermieden wurden. 



Nicht minder schwer war die Zusammenstellung dieses ge- 
samten Typenmatcrials aller Firmen zu einer Probe. Der 
praktische Sinn der Amerikaner bat sich aber auch hier 
wieder bewährt. 

Im Format von 14:21 cm enthält diese .illustrierte Preis- 
liste" auf 1 182 Seiten alles, was der Buchdrucker an Typen, 
Utensilien, Apparaten, Hilfs- und Druckmaschinen, an 
Bronzen, Farben und Laugen braucht; nur wegen des Pa- 
piers muss er sich an einen zweiten Lieferanten wenden. 
Sie zerfällt in 22 Abteilungen. Dir 15 ersten enthalten die 
Brot-, Titel-, Zier-, Schreibschriften, Noten, Zeichen und 
Einfassungen; in den folgenden Abteilungen sind die Ini- 
tialen, Polytypen, Vignetten, Messinglinien und auch Holz- 
schriften vorgeführt, und den Schluss bilden die Utensilien, 
Apparate und Maschinen. Jeder Schrift ist der Preis des 
Minimums beigedruckt, und die Zahl der A und a zeigt 
dessen Umfang an. Für die Brotschriften von 3','j bis 
IS Punkten ist ein dreistufiger Preiscourant vorgesehen für 
Quantitäten von25bis500,500bis 1000 und über lOOOPfund. 
Durch ein dreifaches Register, und zwar eins für die 
Typen, ein zweites für die Vignetten und ein drittes für 
die Utensilien und Maschinen, kann man mit der größten 
Leichtigkeit jeden Gegenstand finden und seinen Preis fest- 
stellen. In einer gedrängten, ungefähr 40 Seiten umfassen- 
den alphabetischen Preisliste ist außerdem nochmals der 
Name, Kegel, Umfang, Preis und das Kabelwort für tele- 
graphische Bestellungen der Sortimente zu finden. Eine 
besondere Abteilung enthält .Nützliche Informationen für 
den Buchdrucker", welche er bei Erteilung von Aufträgen 
berücksichtigen soll. 

Im großen und ganzen lehnt sich dieses Desk-Book an 
voraufgegangene Handproben an und ist nur umfangreicher 
und noch viel übersichtlicher zusammengestellt. Dagegen 
hat es die Voranschläge (Estimates) für kleinste Buchdruk- 
kercien, welche in den alten Proben vorhanden waren, nicht 
mit binübergenommen. Diese Voranschläge lauteten z.B.: 
Estimate für eine vierseitige Zeitung im Formate von 
22:31 Zoll, sieben Spalten 4 13 Pica (Cicero» breit, mit 

Handpresse ca. Dollar 500. 

Estimate für eine Druckerei zur Herstellung von Acci- 
denzen bis zum Formale von 18:23 Zoll, mit zwei 
kleinen Accidenzpressen . . . . ca. Dollar 1500. 



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Kreidezeichnung auf Stein. 

Aiutrfähri tob Emil HtcM »m<r Ulla«» du Uli'cr» A. Schritt'. H»»dprt«««driick d<r KvMigtictir* Akaitmit fir graphische KlmU u»d Itticltgtttfrtc In Ltirilc. 



Kunstbcilagc zum .Archiv für Buchgewerbe" 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBH 



Allem Anschein nach werden diese Voranschläge den 
Reflektanten in losen Bllttern zugesandt und sind daher 
aus dem Probenbuche ausgeblieben. 

Venn auch durch Errichtung von 17 Filialen im ganzen 
Lande für manche Druckerei der kleinen Stidte die Be- 
zugsquelle niher gerückt ist, so giebt es doch noch viele 
Stidte, welche fernab vom großen Verkehr liegen. Für diese 
ist daher ein derartig ausgestattetes Probenbuch eine unbe- 
dingte Notwendigkeit. Ohne großes Nachdenken kann der 
Auftrag mit der Beruhigung erteilt werden, dass er richtig 
verstanden und in kürzester Zeit geliefert wird. Diese zu- 
nächst für den nordamerikanischen Verkehr berechnete 
praktische Zusammenstellung der Probenbüchcr kommt 



aber den dortigen Schriftgießereien auch im Verkehr mit 
dem Auslande zu gute, speziell in den Lindern, wo die 
Buchdnickerei noch aur einer niederen Stufe steht und 
nicht immer von Sachverständigen ausgeübt wird. Dort 
sind derartige praktische Probenbücher außerordentlich 
willkommen, und die Gießereien Deutschlands, welche auf 
dem Weltmärkte mit den nordamerikanischen Kolleginnen 
in Wettbewerb stehen, werden gut thun, die Praxis der 
Amerikaner nicht aus dem Auge zu lassen. Es trigt stets 
Früchte, wenn man bei der Zusammenstellung der Proben 
darauf rechnet, dass auch weniger intelligente Buchdrucker 
und Laien damit umgehen und sich zurecht Hnden können. 

Hermann Smalian. 



Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein. 



DAS Buchgewerbemuseum hat im August vor allem 
die Ausstellung graphischer Erzeugnisse aus Öster- 
reich-Ungarn ins Werk gesetzt und am 8. September eröffnet. 

Hier soll nur in aller Kürze berichtet werden, dass diese 
Ausstellung den Erwartungen durchaus entspricht und des 



und Gesellschaften. Das Schwergewicht liegt 
den Absichten der Direktoren entsprechend — auf den 
Erzeugnissen der Reproduktionstechnik. 

Neben den altbekannten Namen, die auch in dieser Aus- 
stellung nichts an gutem Klang verlieren: Artaria, Jasper, 
Angerer & GöscHl, Paulussen, Gesellschaft für vervielfäl- 
tigende Kunst begegnen uns von Wiener Anstalten im 
Deutschen Buchgewerbchause zum ersten Male mit um- 
fänglicheren Darbietungen: Die Gesellschaft für graphische 
Industrie, Albert Berger, Die graphische Union, Patzelt Gr 
Krampolok. Die erstgenannte Gesellschaft bringt neben 
Dreifarbendrucken, guten Plakaten, allerlei hübsche kleine 
Drucksachen, an bemerkenswerten Erscheinungen beson- 
ders Bogen eines neuen Kinderbuches (von Diez illustriert, 
bei Gerlach 6- Co. in Wien), Künstlerzeichnungen aur Stein- 
papicr und Blitter aus der .Quelle*. Albert Bergen Proben 
seiner Nachbildungen des Gebetbuchs Kaiser Maximilians, 
die wir unbedenklich für die herrlichsten Reproduktionen 
des klassischen Werks, ja für Meisterarbeiten der Repro- 
duktionstechnik überhaupt erküren, die Graphische Union 
und die zuletzt genannte junge Anstalt allerlei Proben ihrer 
sehr bemerkenswerten Leistungsfähigkeit in den verschie- 
densten Verfahren. 

Außer diesen sind noch zahlreiche Wiener Verleger mit 
neueren Erscheinungen ihres Verlages vertreten. Hervor- 
heben können wir heute nur das Vorgehen des Hauses 
Franz Leo & Co. in Wien, das zahlreichen Werken einen 
wirklich künstlerischen Einband am Geprige verliehen 
hat: Die Entwürfe sind von Koloman Moser. Die Ausstel- 
lung ist eine gcsamtöstcrreichischc. So rehlen dann auch 
die namhaften Anstalten außerhalb Wiens nicht: die Lan- 
desdruckerei in Sarajewo (fremdsprachliche Drucke!), 
Revai es Salamon & Hornyanszky in Budapest, die Universi- 
tätsbuchdruckerei und die Polnische Verlagsgesellschaft in 
Krakau, endlich die innerhalb und außerhalb Prags (unsere 
Auflihlung folgt der Aufstellung). Diese Gruppen bieten 



am meisten Überraschendes. Satz und Druck in den 
Werken aus Krakau und Budapest sind mehrfach geradezu 
mustergültig, ausgezeichnet! Und die Höhe der Repro- 
duktionstechnik, wie des allgemeinen künstlerischen Lebens 
im böhmischen graphischen Gewerbe ist überaus bemer- 
kenswert. Da ßnden wir Plakate, Bucbumschlige, Illu- 
strationen, Schmuck von einer Frische und Selbstindigkeit, 
die sehr zu denken geben. Des ganz Guten ist überall nur 
wenig. Aber auch das findet sich hier. Wir erwähnen nur 
dreierlei: die Zeitschrift der Gesellschaft Manes, die 
dem Studio ihnlich die künstlerischen Kräfte Böhmens 
zu sammeln scheint, die Dreifarbendrucke z.B. in dem 
Werk .Alt- Prag- der UnieWlim) in Prag, und die Nach- 
bildungen aller Miniaturen mittels dreier Färb- und einer 
Goldplatte von demselben Hause, die eine vorzügliche 
technisch: Leistung darstellen. Wir können diesen glän- 
zenden Erzeugnissen gegenüber, denen eine überraschende 
Fülle weiterer guter Erscheinungen zur Seite steht, nur 
sagen: Die Ausstellung war jedenfalls nicht überflüssig. 
Am Donnerstag, den 19. September 1901, fand durch die 
Ausstellung eine Führung statt, bei welcher der Direktor 
des Deutschen Buchgewerbemuscums einen erläuternden 
Vortrag hielt. Außer einer großen Anzahl Vereinsmit- 
gliedern und Angehörigen des Buchgewerbes war auch der 
Vertreter des kaiscrl. und königl. österreichischen Konsu- 
lates anwesend, der mit großem Interesse den Ausfüh- 
rungen folgte. 

In der Bibliothek des Buchgewerbemuseums werden die 
Ordnungsarbeiten fortgesetzt. Zur Zeit werden die Schrift- 
gießereiproben, soweit sie nicht als Gesamtproben ge- 
bunden vorliegen, nach Anstalten in Kästen geordnet 
aufgestellt. 

In Paris ist ein Komitee zusammengetreten, das im Früh- 
jahr 1902 eine internationale Holzschnittausstellung ins 
Leben rufen wird. Nachdem der Direktor des Deutschen 
Buchgewerbemuseums und der Vorsitzende des Muscums- 
ausschusses, Herr Dr. Graut, in dieses Komitee gewählt und 
um die Bildung der Deutschen Abteilung für jene Ausstel- 
lung ersucht worden waren, hat der Deutsche Buchgewerbe- 
verein es gern übernommen, durch sein Museum eine 
Abteilung .Deutsche Holzschneidekunst" zusammenzu- 
stellen und nach Paris zu senden. Die Gruppe wird vorher 



345 



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mt«m««««««M ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE Mur.w.w-vjrarjrjrar.«? 



oder nachher auch im Deutschen Buchgewerbehause in 
Leipzig gezeigt werden. 

Auch die Leitung der I. Internationalen Ausstellung für 
moderne dekorative Kunst in Turin hat an den Deutschen 
Buchgcwerbevercin die Bitte gerichtet, die Durchführung 
der Abteilung für modernes Buchgewerbe des Deutschen 
Reiches zu übernehmen. Der Deutsche Buchgcwerbevercin 
hat sich geneigt erklart, die betreffende Gruppe durchzu- 
führen, im Falle die mit dem Verbände Deutscher Kunst- 
gewerbe vereine schwebenden Verhandlungen von Seiten 
der Turiner Ausstellungsleitung zu einem Abschlüsse 
führen, ferner die Abteilung modernes deutsches Buch- 
gewerbe innerhalb der Ausstellung des vorgenannten Ver- 
bandes, sowie unter den ihm eingeräumten Bedingungen 
Aufstellung flndet. Der endgültige Entschluss, der dem 
Vorstande vorbehalten bleibt, hängt ab von dem zustim- 
menden Entscheid der Ausstellungsleitung in Turin, sowie 
den Ergebnissen der Beschlüsse des am IS. September in 
Leipzig stattgehabten Kunstgewerbetages, dem der Direktor 
des Buchgewerbemuscums beiwohnte. 

Am 20. August wurde die Ausstellung von Kalendern, 
Neujahrs- und Glückwunschkarten eröffnet, die am 25. Sep- 
tember geschlossen werden wird. Die technische Aus- 
führung der Glückwunsch- und Neujahrskarten ist durch- 
weg eine völlig einwandfreie, leider kann man aber nicht 
sagen, dass der künstlerische Wert der Gegenstände dem- 
jenigen der Technik entspricht. Hier und da findet man 
wohl das Bestreben etwas Künstlerisches zu bieten, im 
großen und ganzen aber merkt man die Absicht, der 
grollen Menge das weitgehendste Entgegenkommen nach 
alltäglichen süßen, weichlichen, nichtssagenden Motiven 
zu zeigen. Von besserer Wirkung sind viele der in Buch- 
druck (Dreifarbendruck» ausgeführten Karten, aber auch 
hier macht sich das Vorgesagte noch deutlich bemerkbar. 



R.v. Larisch, Wien: Beispiele künstlerischer Schrift. 
Fr. v. Baetticher, Dresden: Malcrwcrkc des Ifi.Jahrhunderts. 
— J. Huber, Frauenfeld: Schweiz. Idiotikon, IV. Bd. F.Hirt 
er Sohn, Leipzig: Bohnemann: Kunstgeschichte. Per 
Lamm, Paris: Repertoire hibliographique 1899. W.Spe- 
mann, Stuttgart: Ben hold: Bücher und Wege zu Büchern. 

G. Westermann, Braunschweig : Irmisch, Wörterbuch der 
Buchdrucker. Schafstein fr Co., Köln: Knecht Ruprecht. 

- Otto Spamer, Leipzig: Buch der Erfindungen, 6 Bde. 
Rütten fr Lonnig, Frankfurt: Allg. Künstler -Lexikon. - 
Gebr. Stiepel, Reichenberg: Kuntze: Siedelung Mad. Camp. 

Williams Cr Norgate, London: Hart: Notes on a Century 
of typogr. — S. Flacher, Berlin: 9 Bände, 7 Einbanddecken, 
div. Umschläge. Albert Langen, München: Etzel-Ewers: 
Fabclbuch. Graßherzogl. Museum , Darmstadt: Katalog 



Als entschiedene Gcschmackvcrirrungen aber sind die 
Klappkarten, die Blumen, Schiffe, Häuschen u.s.w. in natür- 
lichem Zustande nachahmen wollen, zu bezeichnen, zumal 
auch hier die Farbcngebung alles andere als schön zu 
nennen ist. Möge die Glückwunsch- und Neujahrskarten- 
Industrie sich an anderen Zweigen des Buchgewerbes ein 
Beispiel nehmen, die. wenn auch langsam, so doch all- 
mählich, immer mehr die Kunst im Verein mit der Technik 
pflegen. Ober die Kalender, vor allem die Volkskalender, 
kann nur gesagt werden, dass auch hier eine Wandlung 
zum Besseren sehr von Nöten ist. 

Am 27. September wird an Stelle der vorgenannten Aus- 
stellung eine Ausstellung japanischer Farbendrucke (Holz- 
schnitte) treten, die ein sehr interessantes Bild über die 
Entwickclung des japanischen Farbcnholzschnittcs von 
1750 bis 1850 geben wird. Die ausgestellten Blätter sind 
verkäuflich, worauf wir Sammler, wie Fachleute, denen 
die Blätter wertvolle Winke auf den Farbendruck geben 
können, jetzt schon aufmerksam machen. 

Nach längerer Vorbereitung sind die Arbeiten für die 
Ausstellung »Die Kunst im Leben des Kindes" abge- 
schlossen, so dass am 5. Oktober 1901 die Eröffnung vor 
geladenen Gästen stattfinden kann. Die Ausstellung wird 
etwa vier bis fünf Wochen in Leipzig zur Schau gebracht 
und dann in verschiedene Städte Sfiddeutschlands und 
Österreich-Ungarns als Wanderausstellung weitergeführt 
werden. Vom April 1902 an wird sie dann in verschiedenen 
Städten von Mittel- und Norddeutschland zur Aufstellung 
gelangen. Während der Schaustellung in Leipzig werden 
wöchentlich zwei bis drei volkstümliche Führungen durch 
die Ausstellung mit erläuternden Vorträgen, sowie Füh- 
rungen für Schulkinder veranstaltet werden. Die gleiche 
Einrichtung wird auch in den anderen Städten, wo die Aus- 
stellung aufgestellt wird, getroffen werden. 



haben. 

der Ausstellung japanischer Farbcnholzschnitte. - O.May, 
Chemnitz: Mitteilungen des Vereins für Chemnitzer Ge- 
schichte. Mainzer Verlagsanstalt, Mainz: Quetsch: Zci- 
tungswesen; Fischbach: Buchstaben Gutenbergs. Köstl- 
iche Buchhandlung, Kempten: Hößle: Geschichte der alten 
Papiermühlen . Carl Krabbe, Stuttgart ; 6Bde. Ed. War- 
tigs Vertag, Leipzig: Prem: Goethe. J.J. Vrieslander, 
Leipzig: Überbrettl-Mappe. Verlagsanstalt F. Brackmann, 
München: Ein Dokument deutscher Kunst. Fr. KoH, Prag: 
Alt Prag, Lief. 25. — Allen freundlichen Gebern sagen wir 
auch an dieser Stelle aufrichtigen Dank, und bitten, dem 
Buchgcwerbcrauscum auch künftig Druckarbeiten aller 
Art, Bücher, Einzelblätter, Clrkulare und andere Acci- 
den/en, soweit sie technisch oder künstlerisch von Interesse 
sind, überweisen zu wollen. 




§y5 




Verzeichnis von Personen und Firmen, 

die im August 1901 dem Deutschen Buchgewerbemuseum Schenkungen überwiesen 



Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins, 
«at 346 V» 



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^^m.'m^tmmmm.'MmL ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrdrjrjrjrdrarararjr^r 



Patentwesen, neue Erfindungen und Verbesserungen. 

PAUL MÜLLER in Berlin NW. 



DEUTSCHE Patente. Nr. 119908. 
tung für das Bett von Cylinderschnellpressen. Robert 
Mithle in Chicago. An der Bewegungsvorrichtung für das 
Bett von Cylindcrsch neilpressen Ist das abwechselnd in 
zwei Zahnstangen des Bettes eingreifende Zahnrad c ver- 
schiebbar auf einem feststehenden, als Führung für die 
Kurbelwelle dienenden Holzzapfen d angeordnet und wird 
durch die Kurbelwelle j in Umdrehung versetzt. Ein an der 



Matrize versehen, während eine unterhalb des Matrizen- 
behilters gelagerte, durch den Tastcnanschlag bewegte 
Spindel mit einem Lappen durch einen Ausschnitt der 
anderen Breitseite des Matrizenbehälters hindurchtretend 
die unterste Matrize durch die gegenüberliegende Öffnung 
hindurch zum Austritt aus dem Behälter veranlasst und 
die gleichzeitig nachrückende Matrizensiule 
des Lappens vorübergehend auffangt. 






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A 








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Kurbel befestigter Mitnehmerstift / greift in eine ent- 
sprechende Aussparung des Kades c ein, um dieses in 
Drehung zu versetzen. 

Zwecks gleichmäßiger Abnutzung der Zihne des Zahn- 
rades c besitzt letzteres eine doppelte Zahnreihe, von denen 
die eine in die Zahnstange für den Hingang, die andere in 
die für den Rückgang des Bettes eingreift. 

Nr. 120146. Vorrichtung zum Auslösen der Matrizen bei 
Matrizensetzmaschinen. Paul Martin und William Fleron 
in Paris. An der Vorrichtung zum Auslösen einzelner Ma- 
trizen aus dem Magazin von Matrizensetzmaschinen ist der 
unten durch einen Boden bezw. Anschläge begrenzte Ma- 
trizenbehilter auf einer Breitseite vom Boden aufwärts mit 
einer die ganze Breitseite einnehmenden Öffnung für den 
Durchtritt der untersten sich auf den Boden stützenden 



Die seitliche Öffnung des Behälters für den Austritt wird 
etwas niedriger gehalten als die Matrize, derart, dass die 
unterste Matrize gegen unbeabsichtigtes Austreten ge- 
sichert ist. 

Die Spindeln zur Auslösung der Matrizen sind mit nach 
unten ragenden Führungslappen für die herabgleitcndcn, 
ausgelösten Matrizen verschen. 

Nr. 120284. Platte für Tiegeldruckpressen. Theophield 
Danglade Oalcley in Cindnnati (Ohio, V. St. A.). Die Platten 
für Tiegeldruckpressen werden durch Einschicben ihrer 
nach unten spitz zulaufenden Führungsleisten D in die 
entsprechend gestalteten Nuten C einer Grundplatte A in 
letzterer festgestellt, und in der Grundplatte A durch Ein- 
greifen von an der Tiegelplatte B befestigten Federn H in 
Stifte K gesichert, welche Federn H durch Verlängern ihrer 



*■ 347 tft 



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««««««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE warwww«3rjrjr«r w- 



Enden über die Ticgclplattc hinaus gleichzeitig als Hand- 
haben zum Herausnehmen der Tiegelplatte dienen. 

Nr. 120522. Sperrvorrichtung für die Drehcinstellung 
der Typencylinder an Schreibmaschinen. Charles Thomas 
Powers in Brisbane (Colony of Queensland!. An der Sperr- 
vorriebtung für die Dreheinstcllung der nach zwei Rich- 
tungen drehbaren Typencylinder an Schreibmaschinen ist 
ein mit dem Typencylinder in bekannter Weise sich be- 
wegendes Sperrrad mit von einer Zahnlücke ausgehenden, 
nach zwei Richtungen verlaufenden Sperrzihnen versehen, 
deren nach der Dreheinstellrichtung gelegene Zahnflanken 
senkrecht zu dieser verlaufen, so dass sich das Rad durch 



eine von den Tasten aus verschiebbare Klinke stets sicher 
entgegen der zur Einstellung der jeweiligen Type erforder- 
lichen Drehrichtung sperren l&sst, und ein der genannten 
Zahnlücke diametral gegenüberstehender, aus der Bahn 
der Zihne vorstehender Zahn ein Drehen des Typencylin- 
der« über die Endstellung hinaus sicher verhindert. 

Die Sperrklinke ft< sitzt zum sicheren Eingreifen in das 
Sperrrad K an einem Sperrstück H, welches mit Hilfe eines 
Schleifbogens H> und einer unter demselben ruhenden 
Nase G' bei der Drehung eines Daumens Fund dem da- 
durch veranlassten Anheben der Nase C ! und des Schleif- 
bogens H> in die Zähne des Sperrrades ff eingedrückt wird. 



Ferdinand Schlotke. f 



AM 16. September d.J. starb in Berlin • Lichterfelde der 
.langjährige Buchdruckereibesitzer und Herausgeber 
des Journal für Ruchdruckerkunst", Herr Ferd. Schlotke. 

In ihm scheidet ein Mann aus der Reihe der Angehörigen 
des graphischen Gewerbes, der nicht allein als eine echte 
Buchdruckernatur genannt zu werden verdient, sondern 
auch eine Persönlichkeit von lauterem Wesen, die wie 
leider nur wenige in der vollkommensten Pflichterfüllung 
im Berufe ihre Lebensaufgabe erblickte. Neben seinen 
eigenen Berufspflichten verfolgte der Verewigte auch in 
hervorragender Weise ideale Ziele, sowohl durch litterari- 
sche wie erfinderische Thitigkeit und seine die Graphik 
fördernde Mitwirkung bei beruflichen Fragen jedweder Art. 
Leider sind ihm, wie so manchem Verdienten, nicht immer 
goldene Früchte aus seiner Thätigkcit erwachsen, was ihn 
indessen nicht abhielt bis zu seinem Lebensende seine 
Kräfte dem Berufe voll und ganz zu widmen. Einige biogra- 
phische Notizen über den Verstorbenen dürften gewiss 
allgemeineres Interesse haben und mögen diese daher 
folgen: 

Am 27. Mai 1835 zu Nienburg i. H. geboren widmete sich 
Ferdinand Schlotke der Buchdruckerkunst, die er in Berge- 
dorf bei Hamburg erlernte. Nach mehrjähriger Thätigkeil 
etablierte er sich 185« ebendort und brachte sein Geschäft 
zu ansehnlicher Höhe, denn im Jahre 1884 liefen in seiner 
Offizin, die stets auf guten Druck hielt, bereits 4 Schnell- 
und 2 Tiegeldruckpressen, daneben noch 2 Zinkdruck- 
Schnellpressen, 4 Stein- und Zinkdruckhandpressen neben 
einer größeren Zahl Hilfsmaschinen. 

Wie bereits angedeutet, gehörte Schlotke auch zu den 
Erfindern. So gelang ihm 1W4 die Erfindung der Satinier- 
maschinen, womit der Anstoß zum Bau der späteren Ka- 
lander gegeben war. Später befesste er sich eingehend 
mit der Erfindung der Zinkdruckschnellprcssc*), einer Ma- 
schine, um deren Stuhle) linder Zinkplattcn derart ange- 
bracht wurden, dass Vorder- und Rückseiten der Bogen 
gleichzeitig bedruckt wurden, mit einer Drucklcistung von 
1000 pro Stunde. Den Bau der Maschinen übernahmen 
Klein, Forst & Bahn \achf. 

•) Siehe 0.lrrrelchl«ht Buckdiuckcr-Ztliuna l"HO. Nr. 2. Jourml für 
B. Nr.M. »'«Ido.« tncycl«r.M!r. p.670. 



Im Jahre 1879 übernahm Schlotke, nachdem Th.Goebel 
die Redaktion des von Dr. Heinrich Meyer begründeten 
Journals für Buchdruckerkunst niedergelegt hatte, die Re- 
daktion desselben. 1881 ging dann das Blatt in das Eigen- 
tum Schiotkei über, der es ganz im Sinne des Begründers 
in sachverständigster Weise weilerrührte und sich auch bis 
in die Neuzeit bestrebte, demselben seinen altbewährten 
Charakter zu erhalten. C.B.Lorck bemerkt in seinem Hand- 
buche der Geschichte der Buchdruckerkunst mit Recht: 
„Das Journal' bleibt die wichtigsteQuelle f ürdie Geschichte 
der typographischen Entwicklung in dem letzten halben 
Säkulum, in dessen Gewirr es einer späteren Generation 
schwer werden würde, sich ohne seine Hilfe zurechtzu- 
flnden.- 

Außer im Journal" bethätigte Schlotke sich auch fach- 
littcrarisch. Sehr interessant sind u.a. seine .Berichte über 
die Buchdrucker kunst auf der Pariser Weltausstellung 1867* 
im .Archiv für Buchdruckcrkunst* und im Journal* vom 
gleichen Jahre; das von ihm 1871 herausgegebene viel- 
verbreitete prächtige Sencfcldcr-Album darf als eins der 
schönsten Werke über den Steindruck bezeichnet werden. 
In Folioformat gedtuckt enthält dasselbe auf ca. 200 Seiten 
eine eingehende Darstellung der Lithographie seit ihrer Er- 
findung. Neben einem Porträt und dem Autograph Sene- 
feldcrs enthält dasselbe 18 schöne Tafeln. Aus diesen we- 
nigen Angaben erhellt bereits, welch vielseitige berufliche 
Thätigkcit Schlotke entwickelte. 

Sein Domizil hatte der Verstorbene bis vor einigen Jahren 
in Hamburg, seine Buchdruckerei, die sich auch mit dem 
feineren Accidcnzdruck befasstc, ging an Paul Conström 
über, während er selbst nach Berlin-Lichterfelde über- 
siedelte, um dort mit der Herausgabe und der Redaktion 
des Journals- und beruflich weniger angespannt seinen 
Lebensabend zu verbringen. Es Ist wohl anzunehmen, dass 
sein Sohn, Herr Otto Schlotke, der sich ebenfalls dem gra- 
phischen Berufe gewidmet hat und seit langer Zeit Haupt- 
milarbeiter des Journals* ist, dasselbe im Geiste des Ver- 
storbenen fortführen wird, und dürfte dieser wie alle Fach- 
genossen das immerhin zu frühe Scheiden des Verewigten 
tief beklagen. Friede seiner Asche! 

H. S. 



«a» 348 SS» 



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Ä • Jlnmricb $ Co • Ecipzig 




LEIPZIG 

Im Mär/ 1901 




Jfcnheiten: 

Rotnana Artijtica 
Acctdcttz- und Reclatne 

Ornamente mit BarocKlitiien 
und BciwcrK 



An die 

Herren DruckereMnhaber! 

Es ist eine Thatsachc, dass die moderne 
Geschmacksrichtung die einfache glatte 
Linie immer mehr aus der Druckerei ver- 
drängt und an deren Stelle die „bewegte" 
in mehr oder weniger barocker l'orm setzt. 
Dieser modernen Linie fügt man neuerdings ein 
Ornamenten-Material bei, welches der Linie einen 
besonderen Reiz verleiht — eine Combination, 
mit welcher sich die verschiedensten originellen 
Satzgebilde auf schnellste und nutzbringende Art 
herstellen lassen. Mit unseren 3 neuesten Serien 

Accidenz- und Reclame- 
Ornamente 

nebst Barock-Linien und Beiwerk 

von welchen die zwei kräftigeren Serien II und III, 
des besseren, soliden Anschlusses wegen, durch- 
weg in Messing geliefert werden, bieten wir Ihnen 
ein wirkungsvolles, praktisches Begleitmaterial, 
welches sich voraussichtlich gar bald in jeder 
leistungsfähigen Druckerei einführen wird. Die 
beigedruckten Anwendungs-Blätter werden den 
Setzern zweifellos ein vielseitig verwendbares 
Vorlagen-Material bieten. 

Wir dürfen wohl auf günstige Aufnahme auch 
dieser Novität rechnen und zeichnen 

Hochachtungsvoll 

A. NUMRICH $ C2 





^ mm .A/oMv fi»r Bochttwcrtw*. 



Digitized bu^^^H 



gle 



Maschinen- und Motoren-Fabrik 

Heinrich Egkersdorf-T^egensburg 



5ilberne Medaille 
München 1888 




Goldene Medaille 
Bremen 1892 



Speisen 

Soupc ä la reine 
Rhcinlachs 

mit 

Stangenspargel 
Filetbraten 

mit 

jungen Schoten 
Metzer Hühner 
Kompot • Salat 
Makronen 
Früchte 



Reclam e-Ornamente 

OrfciiMPCrMMieiiiM <@<@ SERIE II @@ (teeulkii bmcMui 

A-NUMRICH 8< CS <§ LEIPZIG 



HEINZE^BEGER 



BERLIN 

Prinz Mcinrichpl.it/ LS 



Einbände für den Verlag 
Einbände für Preislisten 
Einbanddecken 



DEUTZ 

Ale\andcr-Str.-.ssc 20 

Sammelbüchcr aller Art 
Ansicht*- Karten- Albums 
Dokumenten-.Mappen 



Tanze 
« 

Polonaise • Polka 
Walzer 
Rheinländer 
Contre 
Polka- Damenwahl 
Walzer 
Tyrolienne 
Quadrille alacour 
Walzer 
Quodlibet 
<& 



Kammgarn-Spinnerei Charlottenburg 




-Vi 



SCHRIfTGIESSEREI 



A- NUMRICH $ C9 



i 



MESSINGLINIENFABRIK LEIPZIG MESSINGTYPENFABRIK 




Original' 
Erzeugniss 

4 



&»IU|t mm „Archlr für Buchgewerbe". 



ANWENDUNGEN 

UMSF.RF.R 

ACCIDENZ* UND 
g g RECIAME- g @ 
g ORNAMENTE g 

MIT BAROCKLINIEN 
G4 UND BEIWERK @@ 

IN DER DRUCKPRAXIS 



Gesetzlich 
geschützt 




A _ GALVANOPLASTIK • GRAVI RAN STA LT 





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CT* 



L KUNSTVERLAG RICHARD MENZER 
BERLIN LEIPZIG 



Hyazinthen -Seife j 




ACCIDENZ'@ 
ORNAMENTE 



Xaiscr-Cigarcttcn 

I fet*) [ 



@ SERIE I 6 

Original* t r/eugnlM 




Franz Dietrich, jtaabnrg U 



ANUMRICH^C? 

LEIPZIG 



l\ TabaKfabriK Alfred 
// Strasjbnrg i. 




|^ Telegramm- Adresse: 

Patent Hamburg 



Patent'Bureau 



Hamburg • Stuttgart 



Tclesfjmm- Adresse 

Patent Stuttgart 



k Gebrüder Neuendorff ^ //, .,> ^-fe/ .&^./ 



^■//rl^n/ln/.r ^//fffA/j/fff// 





Violinen • Zithern 




Instrumenten -Handlung 

Reinhold Dankmuth 

Sondershausen 

/>C Wilhelmstrasse 4 Ecke Karlsplatz 9% 

jfay M „ ^ 




Noten •• Utensilien 



oogle 



mm 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Aus den graphischen Vereinigungen. 



Berlin. Ihre leiite Sitzung vor den Ferien hielt die Typo- 
graphische Gesellschaft am 2. Juli ab, in weicher Herr Kulbe 
in Form eines Rückblickes auf da» zurückgelegte ereignis- 
reiche Sommerhalbjahr einen kurzen, aber ansprechenden 
Vortrag Ober .die Erfolge des modernen Accidenzsatzes" 
hielt. Venn auch die Kunst des Accidenzsetzers gegenüber 
dem leichter in die Augen springenden Schaffen des Plakat- 
künstlers mehr als ein bescheidenes Veilchen, das Im Ver- 
borgenen blüht, zu betrachten ist, dessen Vorzüge dem ver- 
ständnisvollen Beobachter aber nicht unbekannt geblieben 
sind, so hat doch die moderne Accidenzkunst darin unleug- 
bare Erfolge aufzuweisen, dass sie das künstlerische Niveau 
der Druckerzeugnisse aller Art gegenüber früheren Jahr- 
zehnten ganz bedeutend gehoben hat. Schon an dem ver- 
änderten Handwerkzeug des heutigen Accidenzsetzerskenn- 
zelchnet sich der Fortschritt: der Linienbiegeapparat, der 
Accidenzhobel und die mannigfachen Hilfsmittel fürSchräg- 
und Bogensatz sind überwundenes Rüstzeug; dafür hand- 
habt er um so eifriger das Winkelmaß, den Zeichenstift und 
die Pinzette. Woher hat nun aber die neue Accidenzkunst 
die Anregung zu ihrem verfeinerten Schaffen genommen? 
Von der Beteiligung berufener Künstler an der würdigen 
und geschmackvollen Ausstattung wertvoller Bücher, wozu 
sie von den betreffenden Verlegern in richtiger Erkenntnis 
der Anforderungen einer neu heraufziehenden Kunstepoche 
herangezogen wurden. Aus diesen ursprünglich vereinzelten 
künstlerischen Betätigungen ist mit der Zeit eine ganze 
.Richtung" entstanden, deren Erzeugnisse auch bereits 
einen Namen haben : man umfasst sie mit der Bezeichnung 
Buchschmuck'. Und aus diesem Buchschmuck in seinen 
vielgestaltigen Formen gewinnt der strebsame und künstle- 
risch empfindende Accidenzsetzer immer neue Anregung. 
Da sich nun der Künstler in seinem Schaffen an das ge- 
gebene Rechteck des Buches halten muss, so folgte auch 
der Accidenzsetzer diesem Bestreben und damit war der 
sogenannten „ freien Richtung" der siebziger und achtziger 
Jahre der Todesstoß gegeben. Der Japanismus mit seinen 
frei auf der Fläche stehenden stilisierten Tierfiguren und 
Pfianzenornamenten, seinen regellosen Zeilenanordnungen 
war endgültig beseitigt. Und das ist sehr gut. Wesentlich 
unterstützt in der Entwickelung der modernen Accidenz- 
kunst nach dieser Richtung hin wurden unsere Satzkünstler 
natürlich von den Schriftgießereien, die nicht allein mit 
dem entsprechenden Linien- und Ziermaterial, sondern auch 
mit den dazu passenden Schriftcharakteren sofort bei der 
Hand waren. Das markanteste Beispiel in dieser Beziehung 
bildet einmal die sogenannte „Edcllinic", auch .Künstler- 
linie" genannt, und dann die allerdings ganz eigenartige 
Schrift des Professors Eckmann. Ich weiß nicht, ob es 
auch anderen Leuten so gegangen ist, aber mir wollte die 
Eckmann-Schrift zuerst gar nicht gefallen, da ihr Charakter 
mir unbestimmbar und schwerfällig erschien; bei wieder- 
holtem Betrachten kann ich mich allerdings ihren Vorzügen, 
größere Deutlichkeit und eminent sauberer Schnitt, nicht 
verschließen, aber ich wünsche im stillen immer dabei, es 
möge bei dieser einen .Eckmann" sein Bewenden haben. 
Die Zahl ihrer Lobredner steigt ja noch von Tag zu Tag, ich 
halte mich aber trotzdem für verpflichtet, als gewissenhafter 
Berichterstatter mit meiner gegenteiligen Meinung nicht 



hinter dem Berge zu halten, und das um so mehr, als ich 
weiß, dass ich in Fachkreisen damit nicht allein stehe. Be- 
liebt hat sich die .Eckmann" schon in den weitesten Kreisen 
zu machen verstanden; denn beinahe geht es jetzt schon 
nicht mehr ohne sie. Dabei sind wir an charakteristischen 
Schriften und besonders wirksamen Initialen u. s. w. gar 
nicht so arm, denn die Dürer- und Holbeinschen Motive 
sind neuerdings in wirkungsvollen neuen Schnitten vielfach 
wieder aufgenommen worden und lassen sich sehr vorteil- 
haft verwenden. Bei allem Reichtum ist das moderne Acci- 
denzmaterial aber doch viel einfacher und vor allen Dingen 
viel einheitlicher ausgestattet gegen früher, so dass das 
Verwenden möglichst zahlreicher Schriftarten zu ein und 
derselben Arbeit jetzt zu den Geschmacklosigkeiten gehört. 
Der darin liegende Vorteil kommt gleichermaßen dem 
Prinzipal und dem Setzer zu gute, denn der letztere spart 
dadurch viel überflüssige Arbeit und gewinnt dem erste ren 
kostbare Zeit. Herr Kulbe war in der Lage, seine Ausfüh- 
rungen mit einigen gelungenen Entwürfen von Schülern aus 
der Facbklasse für Buchdrucker an der Berliner Hmui- 
werkerschule zu unterstützen, welche zeigten, dass auch der 
junge Nachwuchs rüstig an seiner Ausbildung arbeitet. 
In der Debatte entwickelte sich eine lebhafte Aussprache 
über typographisches .Stilgefühl" und richtige Wahl der 
Schrift. Dabei wies Herr Smalian in treffender Schilderung 
auf den ewigen Wechsel in der Geschmacksrichtung hin, 
von dem das Stilgefühl ja abhängig sei. Im Anfang 
des 18. Jahrhunderts schnitt der englische Schriftgießer 
Caslon eine leichte breite magere Mediäval, die allge- 
meinen Anklang fand, auch vielfach nachgeschnitten m'urdc 
und sich etwa bis in die achtziger Jahre hinein hielt; da 
kam ein anderer englischer Schriftgießer, Thorne, und 
brachte eine kräftig gehaltene Antiqua auf den Markt, die 
die Caslonsche Mediäval vollständig verdrängte; ja die 
Amerikaner gingen darin sogar so weit, dass ihre damalige 
Brotschrift unserer heutigen fetten Antiqua vollkommen 
glich. Diese .Fett"sucht dauerte etwa bis 1830, als die 
Schriftschneider Bauer und Mai ihre bekannten klassisch 
schönen Antiquaschriften einführten, und jetzt ist man 
wieder drauf und daran, wie auch die Eckmann-Schrift be- 
weise, die kräftiger geschnittene Type vorzuziehen. So 
wechselt unaufhörlich der Geschmack und mit ihm auch 
das Stilgefühl. Lebhafte Aufmerksamkeit erregte eine An- 
zahl russischer Plakate, die sich in ihrer Mehrzahl jedoch 
in den bekannten Bahnen bewegten, wie sie besonders von 
den französischen Maitrcs de l'affichc vorge2eichnet worden 
sind, also mit Ausnahme der Schriftzeilen nichts spezifisch 
Russisches erkennen ließen. Mag das vielleicht daran 
liegen, dass sämmtliche ausgehängten Plakate aus ein und 
derselben Kunstanstalt, Robert Golicka in Petersburg, 
stammten. Bei dieser Gelegenheit fand auch das Plakat 
der Darmstädter Ausstellung für Flächenkunst, von Pro- 
fessor Olbrich gezeichnet, eine ziemlich heitere Beurteilung. 

Die Wiederaufnahme der Arbeiten wurde für Anfang 
September in Aussicht genommen. hn. 

Breslau. Anfang Mai wurde auch hier endlich eine 
Typographische Gesellschaft gegründet, welche sich die 
Verbreitung von Fachkenntnissen in Berufskreisen zum 
Ziele gesteckt hat. Leider erstreckt sich die Mitgliedschaft 

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v.v/WL-mAvmvvvim.'WK ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararsrarjrararjrararar 



nicht auf die ganze graphische Familie, und du nur Mit- 
glieder des Verbände» aufgenommen werden, so sind die 
verschiedenen graphischen Berufszweige sowie die Prinzi- 
pale, Faktore und viele strebsame Berufsgenossen vor- 
läufig ausgeschlossen. Ob dieser einseitige Standpunkt 
die Bezeichnung einer Typographischen Gesellschaft recht- 
fertigt und die Vereinigung vorwärts bringen wird, muss 
die Zukunft lehren. Wir glauben, dass wir es vorläufig nur 
mit einer Accidenzsetzcrvcreinigung zu thun haben. Im 
hiesigen Faktorenverein der graphischen Gewerbe hielt in 
der letzten Monatsversammlung der Obcrlithograph der 
Kunstanstalt C. T. Wiskatt, Herr Beck, einen zweistündigen 
durch viele Muster erläuterten Vortrag über „Lithographie 
und Steindruck", dessen Einzelheiten hier wiederzugeben, 
zu weit führen würde. Im Kunstgewerbemuseum sprach 
Herr Direktor Brinkmann aus Hamburg über »Neue Be- 
strebungen im Ornament 1 *. Der Vortragende schilderte 
eingehend die verschiedenen neueren Stilarten und be- 
tonte, dass der jetzige „Jugend'stil nur auf japanische 
Vorbilder zurückzuführen sei, auf welche die Künstler 
durch die Weltausstellungen zu Paris 1S67 und Wien 1873 
zuerst aufmerksam gemacht worden waren. Der Redner 
nannte noch die hauptsächlichsten Vertreter dieser neuen 
Kunstrichtung, vor allem Professor 0«» Eckmann in Berlin, 
dessen vielfache hervorragende Arbeiten schon viel An- 
erkennung gefunden. Am 19. Mai hielt der Kreis IX des 
Deutschen Fakturenbundes, welcher jetzt ca. 1200 Mitglieder 
zählt, in Liegnitz seine dritte Kreisversammlung ab, 
zu welcher sich die meisten Mitglieder aus Breslau, Bunz- 
lau, Clogau, Grünberg, Kattowitz, Liegnitz. Posen, Schweid- 
nitz, Steltin und Waldenburg eingefunden hatten. Nach 
Erledigung interner Angelegenheiten wurden nachfolgende 
Herren für die durch Urwahl zu wählenden Vorstands- 
mitglieder empfohlen: Winter-Breslau, Vorsitzender, Hen- 
del-Breslau, Schriftführer, Spiekenheuer-Breslau, Kassierer, 
sowie Beck-Breslau, stellv. Vorsitzender, KühnetGlogau, 
stellv. Schriftführer, Marggraf - Breslau , stellv. Kassierer, 
Schmidt-Stettin und Reichling-Kattowit: , als Beisitzer. Mit 
diesem Kreistage war eine Ausstellung moderner Druck- 
sachen verbunden, welche von den Herren Blaschke- 
l.iegnit;, Beck und Hendel-Breslau arrangiert war. Fast 
alle besseren Plakate der Kunstanstalt C. T. Wiskatt in 
Breslau waren ausgestellt, von der Buchdruckerei Carl 
Scyffarth in Liegnit: sehr sauber gedruckte, geschmackvoll 
und modern arrangierte Accidcnzcn, auf über 200 Kartons 
waren moderne Arbeiten aus verschiedenen anderen Offi- 
zienen zur Schaustellung gebracht. Auch der „Wcrbcbricf" 
des Deutschen Buchgewerbevereins und der neueste Band 
des deutschen Musteraustausches kamen zur Auslage und 
der zahlreiche Besuch der Liegriitzcr Buchdrucker bewies, 
dass diese Schaustellung ein glücklicher Gedanke war. 

Brunn. Dem Beispiele anderer Städte folgend, ergriffen 
auch hier mehrere für gute und schöne Buchdruckarbeilen 
begeisterte Accidcnzsctzcr die Iniative zur Gründung eines 
fachlichen Klubs, um den Brünner Kollegen Gelegenheil 
zu bieten, sich in ihrem Berufe fortzubilden, da hier jeder 
strebsame Jünger Gutenbergs mangels einschlägiger Bil- 
dungsanstalten auf Selbststudium angewiesen ist. Das 
vorgesteckte Ziel sucht die Vereinigung, welche den Namen 
Brünner Graphische Gesellschaft führt, durch Veranstaltung 
von Vorträgen, Preiskonkurrenzen, Ausstellungen, Exkur- 
sionen und Anschaffung von Lehrbüchern, Fachblüttern 



und Schriftgießerei • Neuheilen zu erreichen. Im ver- 
flossenen Vcrcinsjahre wurden nachstehende Vorträge ab- 
gehalten: Die Anwendung des typographischen Ornamente» 
{Fr, Riiha); die Buchdruckerkunst in Norwegen (E.JaAnl; 
die Pariser Ausstellung {A. Zt antat). Weiler wurde unter 
Leitung des Kollegen Rziha ein Tonplattenschnittkurs ab- 
gehalten, bei welchem vorwiegend Mäserplatten zur Be- 
nutzung gelangten. Zur 500jihrigen Wiederkehr des Ge- 
burtstages unseres Altmeisters Gutenberg ward eine Guten- 
bergfeier und daran anschließend eine Drucksachen -Aus- 
stellung veranstaltet, und zwar unter lebhafter Teilnahme 
der Berufsangehörigen. Schließlich wurden zwei Preis- 
konkurrenzen ausgeschrieben und zwar: 1. zur Erzielung 
von Skizzen zu einem Quart -Briefkopf für die Brünner 
Graphische Gesellschaft (prämiiert wurden die Kollegen 
A. Stiepanek, Fr. Rriha); 2, zur Erzielung von Skizzen zu 
einem Plakat für den Typographen-Sängerbund (prämiiert 
Kollege Fr. Rziha). 

Leipzig. Typographische Gesellschaft. Eine der letzten 
Sitzungen brachte einen interessanten Vortrag über das 
.Lesen fremdsprachlicher Handschriften". Der Referent, 
Herr Korrektor H\ Hellwig. deutete zunächst darauf hin, 
dass sich aus den Handschriften gewissermaßen auch der 
Volkscharakter erkennen lasse, so deuten bei den Eng- 
ländern die energischen, oft harten Züge auf das kühl Ge- 
schäftsmäßige, bei den Franzosen der abgerundete Duktus 
wieder mehr auf die gewandten und höflichen Umg:mj;->- 
Formen hin. An der Hand zahlreicher Beispiele legte Vor- 
tragender dar, dass für den ungeübten Leser in der ab- 
sonderlichen Schreibweise einzelner Buchstaben oder in 
der Schein-Ähnlichkeit verschiedener Wortformen beach- 
tenswerte Fehlerquellen liegen. Die handschriftliche Wie- 
dergabe z. B. von englischen Q, T, J, P ist wesentlich anders 
als bei uns und kann zu Verwechselungen führen, während 
Worte wie englisch out mil französisch ont vermengt, on 
oft für ou gelesen wird und anderes mehr. Ferner bieten 
flüchtige Zusammenziehungen bestimmter Buchstaben- 
gruppen reichlichen Stoff zu Erörterungen über Lesefehler. 
Nach Untersuchung einer Reihe der geläufigen romani- 
schen, germanischen und slavischcn Sprachen gelangte 
Redner auch zur Besprechung der griechischen Schreib- 
schrift. Sie kommt in Deutschland selten vor, weil sie die 
Gelehrten selbst nicht kennen, sondern in ihren geschrie- 
benen Druckvorlagen sich einfach einer mehr oder weniger 
flüssigen Nachahmung der Druckschrift bedienen. Anders 
aber, wenn die Handschriften von Schreibern griechischer 
Nation herrühren, die sich natürlich ihrer gewohnten, teil- 
weise stark abweichenden Kurrentschrift bedienen. Wenn 
auch gesagt werden muss, dass bei fremdsprachlichem 
Satz schon durch lange Routine und gutes Einlesen ein ver- 
hältnismäßig zufriedenstellendes Satzresultat erzielt wird, 
so bleibt doch die Thatsache bestehen, dass sich die Setzer 
durch Erlernung fremder Sprachen am besten in die Eigen- 
heiten derselben einleben und kommt ihnen dies in erster 
Linie selbst zu gute. Nach kurzer Besprechung und di- 
versen Erläuterungen des Gehörten fand der animiert ver- 
laufene Vortragsabend seinen Abschluss. Am 19. Juni 
hielt Herr Haering einen Vortrag über das Thema: „Mehr 
Deutsch weniger Künstelei." Die Betitelung ließ vorerst 
zwar nicht recht klar werden, wes Inhaltes der Vortrag sein 
sollte, doch war der letztere selbst gut durchdacht und 
stellenweise von gutem Humor durchwürzt. Herr Haering 



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<Mm.wmmmm.mmmn* ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arar jt jt jrarar *r w- «- «- 



zog gegen die vielfach in den diversen Accidenz -Arbeiten 
grassierende Deutschverderberei zu Felde und nahm ins- 
besondere die vorjährigen Gutenberg- Festdrucksachen, 
sowie den letzten Band des Musteraustauscbes aufs Korn. 
Wendungen wie: .Zur Feier mir Gesang. Konzert und Ball", 
„Einladung zur Johannifcier", «Lager von Spiege/ und 
Bilder" seien nichts weniger denn geschmackvoll und 
ließen sich mit Leichtigkeit verbessern. Dem Deutschen 
nicht gelegene und daher oft unbeholfen deklinierte Worte, 
wie Notas, Albums, seien wenn angingig durch Umschrei- 
bung oder Verdeutschung auszumerzen. Wie sehr die 
Sprach- und Stilverwirrung eingerissen, zeige sich selbst 
in den besten Kreisen. An die durch mannigfaltige Bei- 
spiele illustrierten Ausführungen schloss sich eine lebhafte 
Debatte an; so trat die Ansicht zu Tage, dass der Titel vor- 
liegender Zeitschrift eigentlich auch nicht richtig sei, er 
müsse lauten: „Archiv für das Buchgewerbe"; so, wie er 
jetzt laute, könne man annehmen, dass es mehrere Buch- 
gewerbe gebe. Im weiteren machte sich der Diskurs über 
die unvermeidliche „Speisenkarte" breit. Es wurde ge- 
wünscht, dass bei von uns arrangierten Drucksachen-Aus- 
stellungen das Augenmerk auch auf die textliche Korrekt- 
heit gerichtet werde. Unter Geschäftlichem wurde der 
Versammlung bekannt gegeben, dass uns die Münchener 
Typographische Gesellschaft gelegentlich ihres Preisaus- 
schreibens für Herstellung einer vierfarbigen Mitglieds- 
karte um Ausübung des Preisrichteramtes ersucht. Dem 
wird, vorbehaltlich der weiteren Maßnahmen, bereitwilligst 
zugestimmt. Für den Vortragsabend am 3. Juli hatte 
Herr Maetschke das Referat über „die Herstellung von 
Autotypien und deren Verwendung" übernommen. Nach 
einem historischen Überblick wurde das Gitterraster-Ver- 
fahren bei Herstellung von Einfarben- wie Dreifarbendruck- 
platten geschildert, ebenso des neuen Kornraster-Ver- 
fahrens gedacht, welches freilich zur Zeit noch nicht zu 
einer wünschenswerten Vollkommenheit gelangt ist. Im 
zweiten Teil des Vortrags wurde die Anwendung und Stel- 
lung der Autotyp-Klischees im Satz besprochen, wobei der 
Unterschied zwischen geschlossener und olfener Autotypie, 
ferner die Textschrift des Werkes und die Unterschrift be- 
züglich der Raum verteilung um das Bild herum zu beachten 
sei. Wesentlicher Anteil an dem guten Aussehen der Auto- 
typie insbesondere bei Farbendrucken, um die dem Bilde 
entsprechende Farbentönung richtig herauszufinden, ge- 
bühre dem Drucker. In die an den Vortrag sich anschlie- 
ßende Debatte griff Herr Marggraff, vom Hause Meisen- 
buch Riffarth & Co., wesentlich ein. Auch die Dr. Ätheri- 
schen Relief-Autotypien wurden lebhaft besprochen. Trotz 
mancher Zweifel wurde von Vertretern des Druckerfaches 
betont, dass dieselben eine bedeutende Zukunft haben 
würden. Schließlich wurde in Erinnerung gebracht, dass 
allen Mitgliedern einer graphischen Gesellschart, welche 
dem Deutschen Buchgewerbeverein korporativ beigetreten 
ist, das „Archiv für Buchgewerbe" zum Preise von M. 5. 
p.a. ab I.Juli zuginglich ist. Die Typographische Ver- 
einigung Weimar besuchte unter Führung der Leipziger 
Kollegen am 23. Juni die im Deutschen Buchgewerbehaus 
befindlichen Ausstellungen und Sammlungen. Ktt. 

Leipzig. Typographische Gesellschaft. In der Sitzung 
vom 28. August hielt Herr Max Ptllnitz einen Vortrag über 
den „Einmaligen Viclfarbcndruck'.cin Verfahren, das heute 
wieder beginnt, von sich reden zu machen, nachdem die 



langjährigen Versuche abgeschlossen sind. Nach einem 
kurzen Abriss der geschichtlichen Entwicklung ähnlicher 
Versuche, das Drucken mehrerer Farbtöne zu vereinfachen, 
ging der Vortragende auf sein Thema ein und führte etwa 
Folgendes aus: „Es handelt sich bei diesem Verfahren 
um den Mosaikdruck und dasselbe dürfte schon in weiten 
Kreisen bekannt sein. Da man bis jetzt aber noch wenig 
greifbare Resultate zu sehen bekam, war das Urteil meist 
auch ein schiefes. Ein großer Fehler seitens des Erfinders 
Greth war auch, dass er sein Verfahren mehr für künst- 
lerische Zwecke nutzbar machen wollte, während es doch 
nach Lage der inneren Verhältnisse, wenigstens so weit 
dies sich bis jetzt überschauen lässt, in der Hauptsache 
den praktischen Tagesbedürfnissen des Plakatdruckes und 
einfacheren Farbendruckes dienen wird und hier auch that- 
sächlich sehr geeignet erscheint. Von diesem Standpunkt 
geht auch die Gesellschaft aus, welche aus einer Anzahl 
Heidelberger Herren besteht (unter anderen sind beteiligt 
die Direktoren der Schnellpressenfabrik A. Hamm, A.-G.l 
und die Finanzierung dieser Erfindung in die Hand ge- 
nommen hat. Sollten Technik sowie Wissenschaft es mit 
der Zeit ermöglichen, dem Verfahren auch das rein künst- 
lerische Gebiet zu erschließen, so werden dann die in- 
zwischen gesammelten Erfahrungen sehr gute Dienste 
leisten. Nun zum Verfahren selbst Vorausgeschickt sei, 
dass das ganze, aber auch ängstlich gehütete Geheimnis 
der Erfindung in der chemischen Zusammensetzung der 
Farbe besteht. Diese Farbe Ist flüssig, erstarrt aber sehr 
rasch zu einem leicht zu modellierenden Teig, der seiner- 
seits ebenso leicht wie gleichmäßig die Farbe abgiebt, 
sehr ergiebig ist und sich jahrelang, ohne irgend welche 
nachteilige Veränderungen aufzuweisen, aufbewahren lässt. 
Das Beschneiden und Herstellen eines Farbblockes ist 
so einfach, dass von einer anstelligen Person mit gutem 
Farbenverstlndnis die Manipulation In wenigen Wochen 
erlernt werden kann. Es sind im ganzen zehn verschiedene 
Farbtöne notwendig, die zu allen vorkommenden Nuancen 
ausreichen. Das Bild kann natürlich in beliebig viel Farben 
ausgeführt werden und ist in seiner Dimension nur an die 
Größe der Maschine gebunden. Der Arbeitsvorgang ist fol- 
gender: Man macht von der Zeichnung eine Pause, welche 
ganz genau sämtliche Farben und Farbnuancen des Origi- 
nals enthält. Diese Pause wird in einen Rahmen gespannt, 
der sich bequem an der Arbeitsplatte, auf welcher der Block 
entstehen soll, auf und nieder klappen lässt. Daneben legi 
nun der Bearbeiter des Blockes die Originalzeichnung. 
Auf der Arbeitsplatte wird ein mehrere Centimeter hoher 
Rahmen befestigt, der die Größe des herzustellenden 
Blockes hat und in welchem dieser Aufnahme findet. Nun 
beginnt die Manipulation des Gießens. Zu einem Pla- 
kate sind also etwa 20 Farben nötig, welche vorher sorg- 
fältig gemischt werden. Diese Farben befinden sich In 
ebensovielen Töpfen, welche ständig unter einer bestimm- 
ten Temperatur erhalten werden müssen. Nun beginnt der 
Blockmacher mit irgend einer Ecke. Er nimmt den Topf 
mit der hierzu nötigen Farbe, setzt ein Winkeleisen um den 
Raum, den etwa die betreffende Farbe im Bild beansprucht 
und gießt dieselbe in den Raum hinein. Da die Farbe so- 
fort steif wird, kann er sofort weiter arbeiten. Er legt also 
die Pause auf den Block und zieht sorgfältig alle Konturen 
nach; hierauf wird der Deckel zurückgeschlagen und nun 
schneidet der Arbeiter mit einem sog. Winkelmesser, einem 

45» 



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ARCHIV FÜR BUCHGEU HRBF. 



genau rechtwinkelig stehenden scharfkantigen Instrumente, 
die Umrisse nach. Die herausgeschnittene Farbe wird 
wieder zum Flüssigwerden in den Topf zurückgethan. Diese 
Arbeit wird nun bis zum Ende fortgesetzt. Ist der Farbblock 
fertig, so wird er mittels eines messerförmigen Schncidc- 
apparates glatt gestrichen. Dieses Messer, welches durch 
Rollenführung über den Block hin und her geführt wird, 
schneidet denselben in allen seinen Teilen glatt zu. Der 
Block kann in beliebiger Starke, der Höhe der Auflage ent- 
sprechend, angefertigt werden. Da man auf den Centimeter 
5000 Abzüge rechnet, so lässt sich auch die Stirke des 
Blockes mit Leichtigkeit berechnen. Weil sich derselbe, wie 
schon erwähnt, leicht jahrelang aufheben lässt, so kann 
man jede beliebige Auflage je nach Bedarr drucken. Auf 
den fertigen Farbblock wird ein Stück Gaze mit feinem 
Netz gespannt, durch welche beim Druck jedesmal gerade 
soviel Farbe tritt, als zu einem Abdruck nötig ist. Durch 
diese Gaze wird der Farbblock außerdem vor äußeren Ein- 
wirkungen geschützt, da die Farbe andernfalls leicht ge- 
quetscht werden könnte. Soll der Block für spätere Drucke 
zurückgestellt werden, so umgießt man ihn mit einer meh- 
rere Millimeter starken Fettschicht, wodurch er vor den 
zerstörenden Witterungseinftüssen geschützt ist. Zur An- 
fertigung eines etwa 20farbigcn Blockes in der üblichen 
Plakatgrößc gehört ein Zeitraum von circa drei Wochen. 
Da aber an so großen Flächen sehr gut zwei Personen 
arbeiten können, so verringert sich die Zeitdauer unter 
Umständen bedeutend. 

Der Druck erfolgt auf einer besonders konstruierten Ma- 
schine. Das Fundament, auf welchem der Farbblock ruht, 
steht fest, bewegt sich indessen automatisch nach oben, 
und zwar ganz allmählich, in demselben Tempo, wie die 
Farbeabgabe erfolgt. Der Druckcylindcr, eine Kautschuk- 
walze, läuft über den Block und wird im gegebenen Mo- 
mente durch schräge Keile gehoben resp. gesenkt, so dass 
er die Farbscbicht nur ganz leise berührt. Diese Kaut- 
schukwalze überträgt die so aufgenommene Farbe auf den 
Papierbogen, und zwar beim Vorwärts- wie beim Rücklauf, 
so dass eine ausreichende Einfärbung statthat. Auf dieser 
Maschine können etwa SOODruckc stündlich erzielt werden. 
Fasst man nun aus dem Vorgetragenen das Wesentliche 
zusammen, so ergehen sich bedeutende Vorteile, welche 
für das Verfahren sprechen. Vor allem die verhältnismäßig 
rasche Herstellung des Blockes, ferner der Druck aller 
Farben mit einem Male, die große Zeitersparnis, der Fort- 
fall der großen Steinlager. Schließlich sei noch bemerkt, 
dass die Konturplattc, welche dem Druck die Kraft, die 
Obergänge giebt, sowohl auf einer Buchdruck- wie auch 
auf einer Steindruckprcssc hergestellt werden kann." Der 
interessante Vortrag, zu welchem sich sehr viel Fachleute 
eingefunden hatten, wurde sehr beifällig aufgenommen; 
die zahlreichen ausgestellten Druckmuster trugen wesent- 
lich zum Verständnis bei. Der Vortragende war eifrig 
bemüht, an Hand derselben das Wesen des Verfahrens zu 
erläutern. Wir möchten dieses Referat nicht schließen, 
ohne den Schlusswortcn des Vortragenden Ausdruck zu 
geben, welcher sehr richtig an die deutsche Geschäftswelt 



appellierte, die Erfindung genau zu prüfen und sich nicht 
erst auf dem Umwege über das Ausland dafür zu interes- 
sieren, wie dies leider so oft bei deutschen Erfindungen 
der Fall sei. Herr Maler Carl Römer in Leipzig gab sodann 
aus seiner eigenen Erfahrung eine Reihe höchst inter- 
essanter technischer Aufschlüsse und erkannte dabei rück- 
haltlos an, dass ihm nunmehr das Problem, an dem schon 
so viel Erfinder und auch er gescheitert seien, gelöst 
schiene, schon aus dem Grunde, weil der Druck nicht mehr 
von dem Farbenhlock selbst - wodurch derselbe stets ver- 
quetscht worden sei sondern erst von der Farbe über- 
tragenden Gummiwalze erfolge. - Diesem hochinteressan- 
ten Vortrag ging eine kurze Besprechung der Eckmann- 
schrift voraus, zu welcher Herr Wagner das Wort ergriffen 
hatte und der zur Erläuterung die Originalzeichnungen 
Prof. Eckmanns zu dieser Schrift, sowie eine Menge präch- 
tiger, unter ausschließlicher Verwendung dieser Schrift 
hergestellter Druckarbeiten verschiedenster An zur Aus- 
lage gebracht hatte. -n-. 

MQnchen, Anfang September. Die Typagraphitche Ge- 
Seilschaft beschäftigte sich schon gelegentlich der im Juli 
d. J. stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung 
sehr eingehend mit der Frage des korporativen Beitritts 
zum Deutsehen Buchgewerbeverein. Vor allem war es die 
Vergünstigung für die Mitglieder der Gesellschaft, das 
.Archiv für Buchgewerbe" zum Preise von jährlich 5 M. 
beziehen zu können, welche der Generalversammlung die 
Erwerbung der korporativen Mitgliedschart als sehr wün- 
schenswert erscheinen ließ. Doch war man sich auch der 
weiteren Vorteile wohl bewussi, die der Anschluss an den 
Deutschen Buchgcwcrhcvercin mit sich zu bringen ge- 
eignet sei: so die leihweise Überlassung der verschiedenen 
Sonderausstellungen des Vereins oder einzelner Stücke 
aus den Sammlungen desselben; alles Dinge, die der För- 
derung und Erweiterung rachlicher Kenntnisse dienlich 
sind und nutzbringende Anregungen verschiedenster Art 
zu geben vermögen. So liegt es im eigensten Interesse der 
typographischen Gesellschaften, die Bestrebungen des 
Deutschen Buchgewerbevereins nach Kräften zu unter- 
stützen, der Nutzen wird dann beiden Teilen zu gute kom- 
men. Nachdem seitens der Vorstandschaft des Deutschen 
Buchgewerbevereins der Typographischen Gesellschaft in 
entgegenkommendster Weise eine den geringen Mitteln 
derselben entsprechende Ermäßigung des zu leistenden 
Jahresbeitrags zugestanden worden war, fand am 4. Sep- 
tember eine außerordentliche Generalversammlung statt, 
welche den korporativen Beitritt zum Deutschen Buch- 
gewerheverein mit einemjahresbeitrage von tOOM.beschtoss. 
Um den Mitgliedern den Bezug des Archiv zu erleichtern, 
wird für die Abonnenten desselben der Wochenbeitrag von 
10 aur 20 Pfg. erhöht. Die Hefte sollen direkt an die Ge- 
sellschaft geschickt werden, welche die Portokosten trägt 
und die Verteilung besorgt. Es steht zu erwarten, dass eine 
große Anzahl unserer Mitglieder von dieser Gelegenheit, 
zu billigem Preise ein anerkannt gediegenes und in seinem 
Urteile unabhängiges Fachjournal zu erwerben, Gebrauch 
machen werden. 




«s« 352 



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«, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararjrjrjrarjrarwww 



Verschiedene Eingänge, Zeitschriften- und Bücherschau. 



• Die rühmlichst bekannte Kunstanstalt von Brend'a- 
mour, Simhart & Co. in München übermittelte ihren Gc- 
schiftsfreunden bei Gelegenheit der Errichtung ihres 
ersten Zweiggeschäftes zu Düsseldorf ein nicht zu umfang- 
reiches aber qualitativ um so bedeutenderes, wirkliches 
Musterhett. Es enthalt zuerst eine im modernsten Ge- 
schmack reich illustrierte Obersicht über die Anstalt und 
ihre Einrichtungen, dem sich dann eine Reihe von tadel- 
losen, ganz frappanten künstlerischen und merkantilen 
Blittern, sämtlich in Autotypie ausgeführt, anschließen. 
Aus unangebrachter Bescheidenheit hat sich der Drucker 
dieses kleinen Prachtalbums nicht genannt, wir dürfen wohl 
verraten, dass es aus der Offizin von A. Wohlfeld in Mag- 
deburg hervorgegangen ist. Es dürfte auch interessieren, 
dass die beiden Dreifarbenitzungen (nach einem Ölbild 
bezw. direkt nach der Natur) auf einer Schnellpresse der 
Victoria -Werke, A.-G. in Nürnberg bei einer Geschwindig- 
keit von 1200 Bogen per Stunde (800 Abdrücke mit zwei- 
maliger Einfirbung, Satzgröße 48:68 cm) gedruckt wurden. 

• Illustrierte Maschinen- und Utensilien- Preisliste von 
J. G. Schelter & Giesecke in Leipzig. Im Anschluss an den 
unlingst herausgegebenen I.Band ihrer Gesamtprobe ver- 
sendet die genannte Firma eine illustrierte Preisliste von 
Maschinen. Apparaten und Utensilien, welche mit wenigen 
Ausnahmen eigene Erzeugnisse derselben sind. Der statt- 
liche Band von 260 Seiten passt sich nicht nur im Format, 
sondern auch in der Ausstattung obigem Probenbande an, 
so dass er bequem neben den letzteren plaziert werden 
kann. Sodann ist seine praktische Anordnung zu rühmen. 
Die erste Abteilung enthalt Regale und Kisten. Diesen 
folgen die Scrzutensilien, wie Maßstibe.Höhcnstibe.Zeilen- 
messer, Winkelbaken, Setzlinien, Schiffe, Ahlen, Biegc- 
Apparate, Linienschneider u. s. w. In der dritten Abteilung 
werden die Druckutensilien vorgeführt: Formatstege und 
Untersitze aus Eisen, SchlieOzeuge, Walzenmasse, Koch- 
apparate für dieselbe, Walzengestelle, Farbemesser, Farbe- 
reiber, Waschtische, Trocken regale, Papier- und Formen- 
wagen u. s. w. Abteilung IV und V enthilt ausführliche 
Beschreibungen und illustrierte Vorrührungen der beiden 
Accidenzdruckmaschinen, welche J. G. Schelter & Giesecke 
bauen, der Schnellpresse .Windsbraut" und der Tiegel- 
druckpresse .Phönix". Die instruktive Schilderung ist 
selbst für denjenigen interessant zu lesen, der nicht die 
Absicht hat, eine dieser Maschinen zu kaufen. Hieran 
schlicHt sich Abteilung VI: Stereotypie -Einrichtungen, 
und Abteilung VIII: Transmissionen. Trotz dieser wohl- 
geordneten Gruppierung aller Utensilien und Apparate ist 
am Ende noch ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis an- 
gelangt, welches die leichte und schnelle Auffindung eines 
jeden Gegenstandes ermöglicht. Berücksichtigt man nun 
noch, dass bei jedem Gegenstande der Preis bemerkt ist, 
und nicht erst in einer besonderen Liste nach demselben 
gesucht werden muss, so dürfte es, alles in allem, kaum 
etwas Vollkommeneres wie diese Preisliste geben. Für die 
Güte aller Maschinen, Apparate und Utensilien garantiert 
die Firma auch dadurch, dass sie dieselben in der Haus- 
druckerei bei Herstellung der Schriftproben und sonstigen 
Drucksachen auf ihre Zweckmäßigkeit und praktische Ver- 
wendbarkeit durch Ingebrauchnahme erprobt. Dass die 



Ausstattung im Satz, Druck, Papier und Einband eine 
mustergültige, brauchen wir nicht erst besonders zu er- 
wibnen. Sie ist daher bestens zu empfehlen und wird über- 
all willkommen sein. -rl-. 

• Bücher and Wege zu Büchern. Ein eigenartiges Werk, 
hinsichtlich seines Inhaltes und seiner Ausstattung ist es, 
das unter obigem Titel bei W. Spemann in Berlin und Stutt- 
gart erschien und uns vorliegt. Das ca. 5O0 Seiten um- 
fassende Buch wurde herausgegeben von Arthur Berthold 
unter Mitwirkung von Elisabeth Förster-Nietzsche, Peter 
Jessen und Philipp Rath. Gedruckt hat das Werk Otto von 
Holten in Berlin. Der Titel des Werkes kennzeichnet den 
Inhalt bereits und sei nur erliuternd bemerkt, dass wir 
zuerst Aphorismen über Lektüre, Schriftstellerei, Litteratur, 
Urteil, Beifall und einzelne Autoren begegnen. Die Aus- 
wahl ist gut getroffen. Es flndet sich in diesem Citaten- 
schatz viel Beherzigenswertes und Köstliches. Sodann 
folgt eine stattliche Zusammenstellung von Bücherlisten 
aus allen Literaturen, nach Materien geordnet wobei 
aber die deutsche Belletristik übersehen wurde. Den 
Scbluss des Werkes bildet eine Betrachtung über Friedrich 
Nietzsches Bibliothek von Elisabeth Förster -Nietzsche, 
rerner eine solche über das Buch als Kunstwerk von Peter 
Jessen. Besonders die Abhandlung Jessens, in der die von 
ihm in den letzten Jahren in Vortragen zum Ausdruck ge- 
brachten Anschauungen über Buchausstattung nochmals 
festgelegt wurden, ist lesens- und beherzigenswert. In 
höhcrem Maße muss den Buchdrucker dieses Buch inter- 
essieren, das ihm durch Inhalt und Ausstattung Belehrung 
in technischer und künstlerischer Hinsicht zu geben mit 
bestimmt ist. Dem Inhalte zufolge haben Setzer und Drucker 
voll und ganz den künstlerischen Empfindungen der be- 
teiligten Autoren zu folgen gehabt und deren Anschauungen 
über Buchausstattung in dem Werke Gestalt gegeben. Sehen 
wir uns das aus mehreren Teilen bestehende Werk niher 
an, so kommen uns hinsichtlich der Zueckmißigkeit der 
ganzen Anordnung einige Zweifel. Es fehlt dem Buche, das 
doch an sich eine trockene Materie behandelt und mehr 
Katalog als Werk ist, die Übersichtlichkeit. Da es undenkbar 
ist, dass jemand das Buch von Anfang bis Ende durchliest, 
so wird die Benutzung desselben mehr oder weniger in 
einem Herausgreifen oder Heraussuchen von Einzelheiten 
bestehen. Das ist aber infolge dergewihltenSatzanordnung 
und des Fehlens eines Sachregisters sehr erschwert. Be- 
sonders gilt dies von dem Teil, der Nietzsches Bibliothek 
registriert. Warum fast im ganzen Werke alle Ausgangs- 
zeilen mit einem monoton wirkenden und sich daneben 
noch unrichtig entwickelnden resp. aneinanderreihenden 
Ornament ausgefüllt wurden, ist nicht verständlich. Es 
tritt dadurch eine die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit des 
Stoffes stark beeinträchtigende Unruhe ein. Auffilliger- 
weise scheint sich Jessen in seiner im Werke enthaltenen 
Abhandlung diese Schnörkelchcn, die im ersten (Gedicht-) 
Teil des Werkes geradezu unschön und störend wirken, ver- 
beten und den Quadraten den Vorzug gegeben zu haben. 
Alles in allem genommen besteht ein Fünftel des Werk- 
inhaltes aus diesem an die Setzmaschinen-Ornamentik er- 
innernde Beiwerk. Dem Setzer hat dieses Aneinanderreihen 
von Gevierten gewiss keine Freude gemacht und beson- 



c&f 353 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



deren Kunstempfinden war dazu wohl kaum erforderlich. 
Muss man in manchen Punkten die Satzausführung loben, 
z. B. im Ausschließen , so liegt doch in der verschiedenen 
Anordnung der einzelnen Teile des Werkes nicht jene Ein- 
heitlichkeit, die ein Buch aufweisen sollte, das mit seiner 
Ausstattung den Buchdrucker belehren will. Im ersten Teil 
keine Einzüge und mit unnötigem Schnörkelballast aus- 
gefüllte Ausginge, im zweiten Teil dagegen gewönlicher 
Katalogsatz mit reichlichen Einzügen und ausgefüllten 
Ausgingen, endlich acht Cicero breiter Spaltensatz, 
dessen Anwendung sich durch nichts motivieren lisst. 
Wimmelt das ganze Werk bereits von ganz beliebig vorge- 
nommenen, oft unverstindlichen Abbreviaturen terml- 
nus technicus: verstümmelten Wörtern so wird dieser 
Obelstand durch den Spaltensatz noch erhöht. Sehr oft 
wurde ibbre viert, damit noch ein Platz fand (!). Wozu 
das? Wenn man soweit ging, das I z. B. bei III. durch JH. 
zu verdeutlichen, so musstc auch an undeutlichen Ab- 
kürzungen etwas weniger des Schlechten gethan werden. 
So kommt u. a. vor: | Augustus u. d. flav. Geschlecht | 
| Die Aristokr. d. Geistes | als Lösung d. social. Frage \ 
u.s.w. u.s.w. Auf dem Haupttitel finden wir Elisab., als 
Unterschrift Elisabeth. Wortteilungen wie BtBLIO- THEK 
in mehrzelligen Rubriken sind nichts seltenes. Kleine, sehr 



oft vorkommende Inkonsequenzen wie .(.Vbersetzt" und 
.Cbersetzt", „Goerhe's und Nitzschcs* seien außer nicht 
immer einheitlicher Orthographie nur nebenbei vermerkt. 
An den Titeln des Werkes, die in ihrer Schriftanordnung 
und im Ornament lltcre Vorbilder kopieren, und deren 
Rahmen (Faksimiles von Bernh. Salnmon gezeichneter Um- 
rahmungen zu Ovids Metamorphosen. Lyon Jean deTournes, 
IfÄll klecksig wirken, wird dcrAccidenzsetzer wenigFreudc 
haben. Der Umschlag endlich wurde recht stiefmütterlich 
behandelt, man beschrinkte sich auf das Aufkleben eines 
Zettclchens in die rechte obere Ecke des Buchdeckels. 
Die Anordnung des Zetteltcxtes | Bücher | und Wege | zu 
Büchern | ist jedenfalls besser als die des Rückenzettels: 
| Bücher und Wege zu ; Büchern | . Nach alledem kann man 
das Buch nicht ganz befriedigt in den Bücherschrank ein- 
reihen, es fehlt ihm manches, das der Fachmann erklir- 
lichcrwcise an einem solchen Buch sucht und schitzt. 
Wenn die satztechnische Seite dieses Buches etwas ein- 
gehender geprüft wurde, so ist das gewiss berechtigt. Ein 
Buch von solcher Tendenz muss einwandfrei sein. In der 
sorgfältigen Korrektur, der Konsequenz des Sattes und der 
Beobachtung der vielen technischen Eigenschaften liegt 
auch ein Teil Buchkunst, die zu bethitigen heute leider oft 

S. 






Mannigfaltiges. 



Geschäftliche». 

• Die Buchdruckerei A. Wahlfeld in Magdeburg hat ihrem 
bewährten Mitarbeiter, Herrn Fr, Strauch .Prokura erteilt. 

• An Stelle des durch den Tod ausgeschiedenen lang- 
jährigen Seniors der Firma Ramm & Seemann in Leipzig, 
des Herrn J.Ramm, ist Herr Julius Ramm, der Sohn des 
Verstorbenen, als Teilhaber In das Geschärt eingetreten. 

Verschiedene««. 

• Die Bibliothek des großen Tempels zu Mppur, der 238 
v. Chr. zerstört wurde, ist von Prof. Hilprecht aus Penn- 
sylvania bei seinen jüngsten babylonischen Ausgrabungen 
wieder aufgefunden worden. Sie umfasst ca. 16000 Doku- 
mente, welche sich auf Astronomie. Theologie und Sprachen- 
kunde beziehen und ca. 5000 Briefe amtlicher und privater 
Natur, simmtlich in Ziegelstein eingedrückt. 

• Die Königliche Akademie für graphische Künste und 
Buchgewerbe zu Leipzig beginnt am 3. Oktober ihr Winter- 
semester mit folgendem Lehrplan. Projektionszeichnen 
und Scbatlcnkonstruktion, Architektur-, Formen-, Stil- und 
Gc fä3formenlehre: Architekt Lamprecht. Malerische Per- 
spektive, Ornamentik und Entwerfen malerischer Dekora- 
tionen: Maler Delitzsch. Modellieren, Mcdaillieren und 
Ciselieren : Bildhauer Lehnen. Proportionslehre und Zeich- 
nen nach graphischen Vorlagen bezw. Gipsornamenten: 
Prof. Seifert, Prof. Mohn und Lehrer Klepzig. Zeichnen 
nach der Antike, Naturabgüssen und anatomischen Präpa- 
raten: Prof. Dietrich und Prof. Winterstein. Aquarellmalern, 
Farbenlehre und landschaftliches Staffagezeichnen: Prof. 
Bourdet. Zeichnen und Malen nach Stillleben, Entwerfen 
von Buchornamenten, Diplomen und Plakaten: Prof. Hon- 
eggf- Typographisches Zeichnen: Prof. HonegKtr. Zeich- 



nen und Malen nach dem Akt und farbigen unbeweglichen 
Körpern: Prof. Seliger. Skizzierübungen und Abendakt- 
zeichnen: Prot. Dietrich. Dekorationsmalcn: Maler Wint her. 
Lithographie: Prof. Schelter. Xylographie: Prof. Berthold. 
Kupfer- und Stahlstcchen, Radieren: Prof. Seifert. Glas- 
und Porzellanmalen: Glasmaler Schreyer. Photographie 
und photomechanische Vervlelfiltigungs- und Druckver- 
fahren: Prof. Dr. Aarland. Mythologie und Archäologie : 
Prof. Dr. Studniczka. Kunstgeschichte und Geschichte der 
graphischen Künste: Dr. Kurzm-elly. Anatomie des Men- 
schen: Prof.Dr.WrW. Tier- und Pflanzenkunde: Dr. Zürn. 

Typographen sind besonders auf den unter der Leitung 
des Herrn Prof. Honegger stehenden Kursus für typogra- 
phisches Zeichnen aufmerksam gemacht, welcher an zwei 
Wochenabenden von 7 9 Uhr stattfindet. 

Erklärung. Der Seite 283 und 284 abgedruckte Artikel : 
.Die chincsisch-iapanischcSchriftsctzcrci in der deutschen 
Reichsdruckerei" wurde von Herrn Fritz Hansen in Berlin 
eingesendet mit dem Vermerk: .Nachdruck verboten". 
Diese Worte wurden, da wir gegen etwaigen Nachdruck 
unserer Artikel im Interesse der Sache nichts einzuwenden 
haben, in .Nachdruck vom Verfasser verboten" abgeändert. 
Wir werden nunmehr von Herrn Taeschner, Betriebsinspek- 
tor der Rcichsdruckerei in Berlin freundlichst darauf auf- 
merksam gemacht (vergl. auch „Freie Künste". Seite 268», 
dass der Artikel zum größeren Teile ein fast wörtlicher Ab- 
druck seiner eigenen Abhandlung ist, welche im «Archiv 
für Post und Tclegraphic" und in .Ostasien* 1889, Seite 
306 308 schon erschienen ist, was uns zu unserm lebhaf- 
testen Bedauern unbekannt geblieben war. 

Die Schrifthitung des .Archiv für Buchgewerbe". 



354 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararjrjrjrjrjrjrjr^r 



Bekanntmachung. Die Lehranstalten für graphische 
Künste. Das Druckerei- und Buchgewerbe in Russland. 

Zeichenkünstler im Dienste der graphischen Kunst. 
Die moderne Illustration. Die Techniken des Tiefdrucks. 

Die Specialkurse an der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt 
in Wien. Handprobe der Amerikan Type Founders Co. 

Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein. Verzeichnis 
von Personen und Firmen, die im August 1901 dem Deut- 
schen Buchgewerbemuseum Schenkungen überwiesen 
haben. — Patentwesen, neue Erfindungen und Verbesse- 
rungen. Ferdinand Schlotkc. + - Aus den graphischen 
Vereinigungen. Mannigfaltiges. IS Beilagen. 



ngen flir das Archiv n. s. w. 



Bezugsbedlngu 

In 12 Monaiaaef 

dere roitstimJigt Btilaten. kann aur den vor Erscheinen de» J. Hefte» 
ganzjährig Abonnierenden garantiert werden. 
Pnü: M. 12- . anter Kreuzband direkt M. 1X20, nach ümferienttclttn 

Lindern M. 14.40. Einzelnummern M. 1.20. 
An:rietn: Preis der dreigespalfrnen Petitteile oder deren Raum für .Hit- 
g/tedVr de» Deutschen Buchgewcrbcvcrcln» 25 Pf. , für Nicklmilglieder 
.» Pf. Stellengesuche für Mitglieder und Nktninitglicdcr 15 Pf. für die 
asv Andruck z« zahlen. Ala Brltt 
auf Verlaufen gegen Vergütung von 
Portos peaen. 

Ktihrilen von selbständigen Schriftgießerei-Erzeugnissen können in Inhalte 
oder auf den Beilagen abgedruckt Verden. Die Bezugsquellen der Neu- 
heiten werden auf Anfrage durch die Geschäftsstelle des 
Buchgewerbevereins unentgeltlich und bereitwilligst mitgeteilt. 




Dl« Beilagen, Illustrationen 
um 9. Heft 

des Archiv für 



Dnnk der überaus anzuerkennenden Zuvor- 
kommenheit des Lehrkörpers der Ataätmit fir 
rraptiUehr Kimtte and ßucfrjczwvrrr in Leiptig 
kennen wir heule unsern Lesern eine recht elatt- 

i wte 

ra Beilagen vor A 

fuhren. Freilich ist, um 

nahmilos nicht von 
angehenden graphlsct 
der genannten Anstalt anter Leitung der betreifen- 
den AbicHangsvoratändc gefertigt wurden. Ein 
sichtbarer Beweis, wie 
bemüht, die hohen 
lieh auch zu erreichen. 

Die beiden Radierungen auf Kupfer, die 
I. M. I. M. des erlauchten Herrscherp »sre« 
Sachsen 
Im 

schmuck höchst willkommen sein. Die Wirkung 
der Bildnisse selbst wird durch die schlicht • edle 
Einfassung ganz außerordentlich gesteigert. Die 
Drucke seihst wurden vom Tvpogrsphischcn In- 
stitut von Girierte cV IWvtttnl in Leipzig suf 
Kupferdrackpapler von Siefer er 1'ogW in Leipzig 
in bekannter künstlerischer Welse tadellos aus- 



Von den beiden Holzschnitten, deren fein em- 
pfundenen Kunstdruck wir den Herren WhfnW O 
Wittig In Leipzig verdanken, steht der erster» 
seiner Technik nach gewissermaßen in der Mitte 
zwischen dem reinen Faksimile- und dem Ton- 
holzschnitt, wahrend der andere ganz in letzterer 
Manier ausgeführt ist. Beide stehen auf der Hohe 
der Situation und lassen mit Sicherheit hoffen, 
daas der Holzschnitt als graphlache Kunxt von 
der Autotypie nicht v-6Uig verdrängt werden wird. 

Freilich wird ihm der Kampf schwer gemacht, 
wie die beiden Autotypien (aur Kupfer und Zink» 
zeigen. In gewohnter Welse sauber und mit feinem, 
liebevollen Sachverständnis gedruckt von Fr, 
Richter In Leipzig. 

Die beiden Beilagen aus der lithographischen 
Abteilung wurden auch von derselben auf einer 
Handprrsse gedruckt- Ausführung wie Druck, 
dir such einer strengeren Kritik Sund hallen, 
lassen in der Tbat erkennen, dass wir hier .bessere 
Schülerarbeiten* vor uns haben. 




)«eKunfl imßud)druck 

können 8ie pflegen mit unseren 
durchaus prahtifdjen neurjeiten für 
die gefamte moderne Typographie, 
prächtige Bud)- und ftccidenz-8d)riften. forvie 
eigenartiges ©ehorations-fttaterial nad) Zeich- 
nungen bedeutender Kün|»ler. proben verfendet 

ftudl}ard*fd)e ©iefcere. 
in Offenbad) am ffoain 





BERGER &W.RTH 

LEIPZIG 

Filialen: ' 



Farben 
* Fabriken 

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ZS^EM&EZiZZ SCHÖNEBERG. 



cS» 355 ■» 



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ARCHIV FÜR BUCHGH WHRBIi 



Der NoEentitd wurde mir 4 Platten — von 
C. Grumbach in Leipzig, der Buchtitel von Mttig.tr 
& Wittig in Leiptig gedruckt. Beide Druckereien 
haben ihren gerade durch den lllustralioaadnick 
begrundeeen Ruf damit auf« neue gerechtfertigt. 




Auf dem Vorsatipapler von Brritknff •"- Härtel 
in Lriptig. entworfen »ob Lima ßurgrr. begegnen 
vir dem Bär, de i> der Begründer diene« Hauac» 
im .Haren* Auf der L'aiverftltifM'rafie «eine Oftiiln 
aufschlug und denaelben in »ein Sigoet nahm. 

Bei der Beilage von J. G. Scketter er Gititckt in 
Leipzig, einiges Material Tür moderne Druckau»- 



geHchicktef Veise durch 



Bei der in ichanem lebhaften .Brillantrot I' 
von Kalt c? Ehinger in Stuttgart uns freundlich«! 

Farbcnprubc «räre besonder* hervue- 
n. das* dir Farbe Uckierbar uod gut licht- 



Oher die beiden Beilagen der SchrlftgleOerel 
A.Sumrick e> Co. In Leiptip haben wir ta 
im letzten Heft rühmend ausgesprochen. 



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Typograph » ROMANA • Schelter & Giesecke. 

Die von der Setzmaschinenfabrik Typograph, G.m.b.H., erworbene Schelter & 
Gieseckesche Romana geht ihrer Vollendung entgegen. Gegenwärtige Original-Maschinen- 
satzzeilen, welche, um den Durchschuss zu ersparen, auf Cicerokegel gegossen sind, bil- 
den den ersten Abdruck von No. 20 und 22 Garmondkegel. Die zu No. 20 ge- 
hörende Kursiv befindet sich im Schnitt und wird in kurzem vollendet sein. Ausser auf 
10 Punkte werden die Grade auf 9 und 8 Punkte geschnitten werden. 

Wir benutzen die Gelegenheit, den geschätzten Lesern ein neuestes Zeugnis 
der Firma C. A. Günther Nachf.. Zwickau, datiert vom 31. Juli er., zu unterbreiten: 

„Wir nehmen hiermit gern Gelegenheit, über die beiden von 
Ihnen vor ein bezw. cinunddreiviertel Jahren bezogenen Typo- 
graph-Setzmaschinen zu berichten, und teilen Ihnen höflichst mit, 
dass wir mit den Leistungen, wie auch mit der Beschaffenheit, 
insbesondere der einfachen Konstruktion der Maschinen, sehr zu- 
frieden sind. Bei beiden Maschinen haben sich grössere Repara- 
turen nicht erforderlich gemacht, vorgekommene kleinere Stö- 
rungen konnten von den betr. Setzern selbst beseitigt werden. 

Bemerken wollen wir noch, dass uns die Setzmaschinen durch 
die schnelle Satzlicfcrung viele schätzenswerte Annehmlichkeiten 
gewähren. — Durchschnittsleistung pro Stunde 5500—7000 Buch- 
staben." 

Wenn es mehr nach unserem Geschmack wäre, könnten wir — besonders auch 
mit Rücksicht auf die hörhste mit Setzmaschinen zu erzielende Rentabilität — den Typo- 
graph als die „anerkannt vollkommenste, zuverlässigste und leistungsfähigste Setz- 
maschine der Welt" bezeichnen, — doch überlassen wir ein solches Urteil besser der 
mit den Maschinen arbeitenden Fachwelt. 

berlin, August 1901. Typograph, G.m.b.H. 

S.W. 81, Gitschinerstraße 12 13. „ 

Setzmaschinenfabnk. 



<e» 361 «*> 



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««««««««««fM ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ara*<4*4*>a*JrMMr jrjr 

t «Ab «Ab itu «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab «As «Ab «Ab «Ab «Ab «Ab j 

> r^f ryp r^» f^» r^» f^i t^y» «^» rjr» t^f» ryn r^f cyp r^t t^i typ r^yv r^t cypr^tt 

Das neueste 

I Linotype-Zeugnis! 



Dresden-Blasewitz, den 12. September 1901. 

Verehrl. Mergenthaler Setzmaschinen -Fabrik, Berlin N. 

Nachdem die von Ihnen im April 1900 erhaltene Linotype-Setzmaschine 
anfangs täglich 8 Stunden, später bei Doppelschicht 16 Stunden und seit 
einiger Zeit bei dreifacher Arbeitsschicht von Je 7< i Stunden, insgesamt 
also täglich 22' j Stunden in Betrieb ist, teile ich Ihnen zu meinem Ver- 
gnügen mit, dass dieselbe bisher tadellos funktioniert hat, ich mit den 
darauf erzielten Leistungen ganz zufrieden bin und diese meinen Er- 
wartungen vollkommen entsprechen. 

Die Maschine arbeitet vorausgesetzt, dass sie sauber gehalten und über- 
haupt vorschriftsmäßig bedient wird exakt und zuverlässig, und da einige 
kleine Defekte immer sofort behoben werden konnten, so hatte ich auch da- 
durch bisher keine nennenswerten Zeltverluste. 

Besonders kommt mir die Maschine für den Satz meiner Tageszeitung 
.Sachsens Elbgau-Presse" und der gleichfalls in meinem Verlage erscheinen- 
den „Illustrierten Reise- und Bäderzeitung", wie auch bei einigen für fremde 
Rechnung erscheinenden Fachzeitungen sehr zu statten; doch habe ich auch 
schon verschiedene Werke darauf hergestellt und Infolge der stets 
gleichm8sslg sauberen Schrift Ehre damit eingelegt. 

Ober die Satzleistungen wird genauest Buch geführt und sind danach von 
i der drei Setzer 



im Juli d. J. 8280 Buchstaben Durchschnitt pro Stunde 
im August d.J. 9289 „ „ 

korrigierten Satzes bei 7< j stündiger Arbeitszeit geliefert worden. 

Von den beiden anderen Setzern, von denen der eine erst seit Anfang 
dieses Jahres bei mir angelernt wurde, wird diese Leistung s. Z. allerdings 
noch nicht erreicht, doch ist auch bei diesen eine stetige Erhöhung der Leistung 
zu verzeichnen. 

(gez.) Alwin Arnold. 



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Picforia-Werke, EL-G., Ilurnberg 

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Farbcnholzschnitt nach Originalzeichnungen von E. Sachsse. 

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Kunstbeilage zum Archiv für Buchgewerbe. Farbendruck von C. C. Meinhold & Söhne, Dresden. 

Papier von Berth. Sicglsmund, Leipzig. 



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KUNST-TYPOGRAPHIE. 

Von GUSTAV MILCHSACK. 



IL (Siehe H 

4 LS ich mich vor 20 Jahren eingehend mit 
Untersuchungen über die typographische 
A »Technik der ersten Drucker befasste, war 
es mir auch nicht eigentlich darum zu thun, die 
ursprüngliche Form ihrer Formatgesetze nachzu- 
weisen. Der Zweck meiner Studien war vielmehr, 
diejenigen ihrer technischen Mittel, Grundsätze 
und Regeln kennen zu lernen, worauf die hohe und 
eigenartige Schönheit ihrer Bücher beruht, und 
diese Grundsätze und Regeln unserer typogra- 
phischen Technik zurück zu gewinnen, sofern und 
soweit sie sich mit den von Grund aus verän- 
derten, unendlich vielgestaltigen und verfeinerten 
litterarischen Bedürfnissen unserer Zeil noch ver- 
tragen. Denn das war ja unmittelbar klar, dass 
unsere Bücher, welcher Art sie auch sein mögen, 
nicht auf die Form und Einrichtung jener Früh- 
drucke, also der Handschriften des Mittelalters 
zurückgebracht werden können. So unschön 
unsere Bücher vom Standpunkt wahrer typogra- 
phischer Kunst und des Künstlers den Wiegen- 
drucken gegenüber in jedem Betracht genannt zu 
werden verdienen, so besitzen sie doch eine ganze 
Reihe wichtiger und für uns unentbehrlicher prak- 
tischer Vorzüge vor diesen, die wir niemals und 
um keinen Preis wieder aufgeben werden. Darum 
gehören alle bloßen Nachahmungen alter typo- 



eft 8, Seite 291.) 

graphischer Meisterwerke, auch die bewunde- 
rungswürdigen und künstlerisch vollendeten eines 
Morris, in das Gebiet dilettantischer Repristina- 
tionen. Nicht nachahmen sollen wir die alten Mei- 
ster, sondern von ihnen lernen. Nur der Schüler 
ahmt nach, nicht wer selbst ein Meister ist. So 
sind wir Schüler und Nachahmer «//fr alten Kunst- 
handwerke geworden, um ihre uns verloren ge- 
gangenen Techniken und Kunststile zu lernen und 
zu beherrschen. Nachdem wir sie aber gelernt 
hatten, sind wir sogleich unbedenklich über sie 
fortgeschritten, haben wir ihre Techniken vervoll- 
kommnet, ihre Kunstformen unserem Geschmack 
und unseren praktischen Anforderungen ent- 
sprechend geändert. Nur aus diesem Gesichts- 
punkt betrachtet, haben die Nachahmungen Morris' 
und die Nachahmungen seiner Nachahmer für die 
künstlerische Umgestaltung der modernen Typo- 
graphie eine Berechtigung und einen Wert. In 
diesem Sinne hat Morris für die F.rneuerung der 
alten typographischen Kunst Großes, für die 
künstlerische Umgestaltung der modernen nichts 
geleistet. AuUer Einem. Fr hat bewiesen, dass 
die moderneTechnik und Kunst Werke zu schaffen 
vermögen, die jenen der besten alten Meister 
nicht nur ebenbürtig sind, sondern sie an Vor- 
nehmheit, Feinheit und Exaktheit der Erfindung 



M 365 «-^ 



47 



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imww«*.*.**« 1 « ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrarjrararar3rarjrvirM< 



und Zeichnung weit übertreffen, und er hat gerade 
dadurch den modernen Typographen und Künst- 
lern einen Anstoß gegeben, durch und über die 
Kunst der alten Meister hinaus eine unseren litte- 
rarischen Zwecken und unserem Geschmack ge- 
recht werdende Umformung ihrer gesamten Tech- 



Di« BOdtrr kirn nodi Erfindung 
der BaAdnidterkiiiüt traf tn kct> 
n»n Tlfcl- D«( B»A beairtnl nll 
«in paar dunfcatfceneJen, *•* l fl ' 
hall des Budto crttultredra Zel- 
le«, an welche »* nnmlrlelkar der 




; h einkdira Tlltl» kmu- 
I boten, ntia wetltt wlilta. 
wen In dem Backe enthalten, and 
(alchc* uirhfwnEndtdcs tVSahr- 
fcancteTtj<IW7>eln in Venedig nll 
er dem leparaten Titel oedmAtei 
B»dti. Back ITlarokrem war der 
Brjrjidnidter Ertint RaidoM 0* Vt . 
nedlgi der , 



Zur Seldiidife 
des Citeliutjes 

r\IE ftcbsnej dei Backgeverbei. 
™» we'rfic Initrn teilen 
ten, kwelt et lieh um 



l^pographlfdien SA 
handelte, bemerkbar wurde, ge- 
Idioh unter Beiern Blnwel» dnroul. 
dim liniere Vc-rliilire n bedeurend 
mehr Pcrttdadali 10t die Begriffe 
der Kdnlt gehabt hdlten eis dht 
gegenwärtige Senemrkrv Es flort 
dotier nicht Wunder nehmen, wrnr. 



Könnens und zielsicherer Gegensätzlichkeit des 
Wollens neidlos auf die Meisterwerke früherer 
Epochen zurückblickt. Auch die Typographie 
wird die Zeit des Tastens und Suchens nach dem 
rechten Wege bald überwinden. 
Natürlich hat ein so feinfühliger und scharf- 
blickender Künstler wie W. 
Morris das schrittweise An- 
schwellen der Stegbreiten 
und seine ästhetische Bedeu- 
tung nicht übersehen. Dass 
das Maß dieses Anschwellens, 
dieDifferenz der Stegbrei ten, 
aber ursprünglich nicht will- 
kürlich gewählt, sondern ein 
gesetzmäßiges war und in 
jedem einzelnen Falle nach 
einer festen Regel bestimmt 
wurde, blieb ihm verborgen, 
weil er seine Beobachtungen 
und Untersuchungen nicht 



rt m UtbiNj 



Abb. 3. Okliv. Sietbrelten noch dem Heupljeeelr 

nik zu erstreben, dessen Bedeutung gar nicht laut 
und nachdrücklich genug anerkannt werden kann, 
obgleich seine Wirkungen bis jetzt allzusehr noch 
in maß- und verständnisloser Bewunderung und 
in oft seltsamen Missgriffen und Missgeburten sich 
offenbaren. 

Dieses manchem gewiss zu hart erscheinende 
Urteil über die in neuen typographischen Formen 
und in neuen Weisen der Ornamentik erschie- 
nenen Bücher, soll und kann selbstverständlich 
die Verleger und Künstler, die sich daran versucht 
haben, nicht treffen. Kaum ein anderer ist im 
stände, ihre opfermutigen Bemühungen besser zu 
würdigen und freudiger anzuerkennen, als ich. 
Denn die Reform, für die auch ich über ein Jahr- 
zehnt und fast ohne die Hoffnung eines Erfolges 
im stillen gearbeitet habe, geht nun durch sie mit 
schnellen Schritten der Erfüllung entgegen. Vor 
Missverständnissen und Missgriffen ist ja keins 
unserer Kunstgewerbe bewahrt geblieben, das 
heute von der Höhe vollendeter Meisterschaft 
und getragen von dem Bewusstsein eigenen 



über die Wiegendrucke hin- 
auf auf die Handschriften er- 
streckte. Auch ihm, wie so 
manchem vor ihm und nach 
ihm, wurde nicht klar, dass 
die Kunstgesetze der ersten 
Typographen die von den 
mittelalterlichen Buchschrei- 
bern geübten und überliefer- 
ten waren. Vielleicht hat Morris nach diesen 
Kunstgesetzen auch nicht gesucht. Denn er war 
kein Kunstgelehrter, dessen Aufgabe es ist, die 
Geschichte der Kunst und der Kunstwerke nach 
der in ihnen waltenden Gesetzmäßigkeit zu be- 
greifen ; erwarMaler, der das Schöne seiner selbst 
wegen suchte, um es schöner nachzubilden . Morris 
genügte es zu wissen, was an den Wiegendrucken 
schön ist, wir dagegen, wenn wir dieses Schöne 
auf unsere Bücher übertragen wollen, müssen 
auch noch fragen wozu? und wie? Wozu, um be- 
urteilen zu können, ob es den veränderten litte- 
rarischen Zwecken unserer Bücher, der von uns 
geforderten bequemeren Lesbarkeit und Über- 
sichtlichkeit, nicht widerspricht, sie nicht schä- 
digt oder vereitelt. Wie, um genau und bestimmt 
dieRegeln angeben zu können, wonach es gemacht 
wurde und heute wieder gemacht werden kann. 

* 

Darum habe ich, als es mir nicht gelang, das 
ursprüngliche Formatgesetz der mittelalterlichen 
Schreiber zu entdecken, darauf gesonnen, ein 



es* 366 ft* 



mm ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE «Mrarj^ararararararw 



Formatgesetz zu finden, das erstens in seiner Wir- 
kung jenem ursprünglichen möglichst nahe kommt, 
das zweitens für moderne Bücher jeder Art und 
Ausstattungsweise (splendide, normale, kom- 
presse) sich eignet, und drittens von jedem Buch- 
drucker leicht behalten und angewandt werden 
kann. Dieses Formatgesetz hat eine Hauptform 
und zwei Nebenformen. Das Hauptgesetz lautet 
(ich setze gleich einige Beispiele in benannten 
Zahlen hinzu): 





halber 


Kopfsieg 

(halb. Krearst.) 


Seltenste«; 
(hslb. Mittelst.) 




1. 


a 


3a 

• • 

' 2 * 


2a : 


*?H 


2. 


20 


: 30 : 


40 


60 mm 


3. 


14 


: 21 : 


28 : 


42 mm 


4. 


11 


: 16,5 : 


22 : 


33 mm 



(halb. Kreuiat.) (halb. Mittelst.) 

3. 14 : 21 : 35 : 42 mm 

4. 11 : 16,5 : 27^5 : 33 mm 

In Worten: der Kopf Steg ist eineinhalbmal, der 
Seitensteg zweieinhalbmal, der Fußsteg dreimal 
so breit als der halbe Bundsteg. Diese Neben- 
form unterscheidet sich also vom Hauptgesetze 
nur dadurch, dass der Seitensteg um ein Viertel 
des ganzen Bundstegs breiter ist als dort. Die 
Wirkung dieses Verhältnisses der Stegbreiten 
zeigen Abb. 7 und 8. Es eignet sich besonders 
für reiche und vornehme Buchausstattungen, 
namentlich größerer Formate, sowie für Bücher 
mit umfänglicheren Marginalien. 
Die zweite Nebenform des Hauptgesetzes lautet: 



Wie man sieht, bilden die ersten drei Glieder 
dieses Verhältnisses eine genaue arithmetische 
Progression, die Differenz zwischen dem ersten 
und zweiten Gliede ist derjenigen zwischen dem 

zweiten und dritten gleich, nämlich ; die Diffc- 



2' 





halber 


KorfsK* 


Seltenste« 




Bundsief. 41 


ialb. Krtuut.) 


(halb. Mittelst.) 


1. 


3 


'? 


: 2a : 


2. 


20 : 


30 


40 : 


3. 


14 : 


21 


: 28 : 


4. 


11 : 


16,5 


: 22 : 



5a 
_2 

50 mm 
35 mm 
27,5 mm 



renz zwischen dem drit- 
ten und vierten Gliede 
ist dagegen doppelt so 
groß als zwischen den 
ersten dreien, nämlich 
a. Mit andern Worten: 

der Kopfsteg ist ein 
einhalbmal, der Seiten- 
steg zweimal, der Fuß- 
steg dreimal so breit als 

der halbe Bundsteg. 
Das Gesetz ist also sehr 
leicht zu merken und an- 
zuwenden. Seine Wir- 
kung zeigt Abb. 6. Es 
eignet sich am besten 

für alle normalen 
Buchausstattungen, wo 
weder ängstlich gespart 
noch ein besonderer 
Aufwand und Reichtum 
gezeigt werden soll. 

Die erste Nebenform 
des Hauptgesetzes lautet: 



Xa Sil (14 um bn Sitfjbiutf 


e< etilen« (a (a)arl »Ir atogllA 


labrüaabcrtrlang abgcariibt. ja im/ 


iitrtbllaV« tan«, tn »inylne 


Zitrlblittrc >a l(W> Hub blt Jfaitft 


Y*8ihtttrl liegt mit bnibrrl anbetrtt 


be« lüdtottf laimn arbr ju ort 


7>Bd)litiln im GlhaKfenfirr obft 


oolltoaicntrii. Qim gares 2itrlblati 


aa< bn ?abtllatf( Xa gilt ca. io 


(jtbort tu bin Kbmirtigflen Wut- 


(4.(0. »ir tnogl.cn mit ri«(m Iii' 


gobeti be« «lafabt«. Sie »tib 


»igen flieJ. bif Kf l TOlbjtlgftni *>■ 


tMbl in Irtan I rudrrri brm £t«n 


««Meile jebeHitiH ittflbrritbtn: 


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bnaiufcaSc (anfügen jSinMbrqep 


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laltrflrn bat. )U rrtm Viiotbanng 


bat iebr» 1ur fta> fafert (na flnge 


btianbrt» (friiii« ■»> bflcnbm 


((•ringt. Xrabatb ftnb bie heften 


«rlibmoa «rlibtt. Hat t*ia »iflot 


litel bie TilrttMm. ble, in brern 


ttd) tri iiianotenZitelblbtirra leibe 


brt ."Inhalt b« »iKbr« mit mag- 


grirtegti Kcctbrmfron »l<bt |o 


Um t»enig Wottra Rfa)«sR. »litt 


UrHra ?ci eitle» gattn Zilelblnil 


Iura) langatmige «tbm- «ab Un< 


tematt alle» »pra.l ai. bat rao« 


jeitilel \u rinttn 3it(K>Ufbrrwia>. 



Abb. (. Ostsv. 



nach tleen ersten Nebenpseti. 



bainer 
Bundste* 



1. 

2. 



20 



Kopfs tri; 
(halb. KrcuMU 

3a 

: 2 • 
: 30 : 



Sei fechtet 
«halh. MitteUi.l 

5a 

2 ' 

50 : 



60 mm 



In Worten: der Kopfsteg ist eineinhalbmal, der 
Seitensteg zweimal, der Fußsteg zweieinhalbmal 
so breit als der halbe Bundsteg. Die vier Glieder 
dieser Nebenform bilden also eine korrekte arith- 
metische Progression, ihre Differenz beträgt ge- 
nau die Hälfte des halben Bundstegs, und sie 



«a« 367 «ä 



47» 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE JTJr *r *r w w «■ *r 



unterscheidet sich vom Hauptgesetz nur durch 
die Verschmälerung des Fußstegs um diese Diffe- 
renz. Die Wirkung dieser Nebenform zeigt 
uns Abb. 8. Diese Nebenform soll vornehm- 
lich für kompresse Ausstattungen dienen, wo es 





Ku+wn-a '4; «wun 




Ivil ffVi'fllTIl ^.ld'rll Ivi- 
t.'iiiiiiiii mit Olf.iYn l.ir.iun 


tficiifißtrr Öffcr! 


Kit- td'i> ,KH\i<lt, mit sin'rf. 
UVidwn ivrf>Tlii«ot, irii'iv.-l 


JJ*. 'timuai id' mld' in £ ruf 


id' inid' irlir (l>r trn Kliw 


Ihi.Kii (iifiiiihtcl. II»." 1 I\U< 


tortin i«f l'r.iti.l'fii Um' . Ii 11 


t,uiinii - n (rrv , v iiVvitlid> ivr- 


iVMvo ri>-li- ^mlirr iiad' rin 


iiuttvl, n'Jii mir l'civiirt, f.tp 


.•.llj.f ili'tlli'l-i ll , l'at-f uli td 


firi'.rKTrlutvn miintintMirn 


iVII'itfll llllllKll '."••llllKUT Bf 


Kumt vfli>U JUihw mit iirrtr 


iVIvn, tcr mir and» (K.uit 


Mi Hintun . ■iiiWiK» um* ihr 


UNiffMc* MVnfBril illii>f(.««ii 


»lir llllil'l Uli.' ^d'.HI.V Bf- 


aN<nMI'itU 4 t, t.imit foiurd' 


r<id\l, t.ti> l'iihc id» and' Ih' 


tir lliicrfarirrirn ;-rfnUl id? wn 


ilJ'tit, ivrKvTiiit. r»> rrrrtr 


IiurriKV :*jj»ini iii.'ti'tvniir- 


icldjii' nirindiit iitvl »mtiurh- 


IfUrl mit niitcrrid'h-t n\r 


iiu-ii, to kv t.-ini (tir« ter 


ten , '.lll.'HMV.'ll Jffrtibijr, tat! 


Kiiiiii'. M> ton. veat fVili 


tir rirlvn Errata mip Untre 


im.- trtur n"t, nid'tCiirt iu-d> 


Umvi.Triil'ril utiMliKTfal'rrti 


«i.W Hisit. unf allt-hi tri" 



AbK -V Okiiv. Sir»Si«:ini nai-h <l«m i.ritrn Ncbcnaocti. 



darauf ankommt, die Papierfläche möglichst aus- 
zunutzen. 

Zu einem schönen Format gehört außer dem 
guten Verhältnis der Ränder selbstverständlich 
auch eine Ihnen angemessene Form der Schrift- 
kolumne, und zwar: 

1. das Verhältnis der Höhe zur Breite der 
Schriftkolumne, den Kolumnentitel stets in diese 
eingerechnet. Hierfür gilt die Regel: die Höhe 
soll sich zur Breite der Schriftkolumne verhalten : 
bei Oktav wie 5:3 (goldener Schnitt), bei Quart 
wie 4 : 3, bei Folio wie 3:2; 

2. das Verhältnis der Fläche, die von der 
Schriftkolumne bedeckt wird, zu der Summe der 
sie umgebenden Randflächen. Hierfür gilt die 
Regel: die Schriftkolumne soll niemals weniger 
als ein Drittel der Papierseite einnehmen, nie- 
mals mehr als zwei Drittel (natürlich im un- 
beschnittenen Zustande des Buchs). Das Normale 
ist also, wenn die Fläche der Schriftkolumne halb 
so groß wie die der Papierseite oder die Summe 
aller SchriftkolumnenHächen halb so groß wie die 
Papierfläche des Druckbogens ist; je nach dem 



Zweck des Buches, seines Inhalts, und den Ab- 
sichten seines Verlegers bleibt nach beiden Seiten 
hinreichender Spielraum, die Schriftkolumne 
über das Normale hinaus bis zu den angegebenen 
Grenzen zu vergrößern oder zu verkleinern. 

Auch diese Regeln sind, 
wie man sieht, einfach ge- 
nug, von jedem Lehrling 
behalten und angewendet 
zu werden. 

Nachdem wirso das Wie, 
d. h. die Gesetze und Re- 
geln kennen gelernt haben, 
die beim Formatmachen 
zu beobachten sind, bleibt 
noch die Frage Wozu? zu 
beantworten, und zwar, 
wie ich oben (S. 367) 
auseinandergesetzt habe, 
ästhetisch und praktisch: 
sind die nach diesen Ge- 
setzen und Regeln einge- 
richteten Formate schön? 
und schädigen oder ver- 
eiteln sie nicht die von un- 
seren modernen Büchern 
verlangte größtmögliche 
Lesbarkeit und Übersicht- 
lichkeit ihres Inhalts? 
Bezüglich des Ästhetischen erinnere ich den 
Leser nochmals an die schönsten Handschriften 
und Frühdrucke. Man braucht nur einen solchen 
Band aufzuschlagen und die Einteilung des Rau- 
mes ruhig auf sich wirken zu lassen, um zu em- 
pfinden, eine wie außerordentlich schöne und 
künstlerische Wirkung hier erreicht ist(vgl. Abb. 1 
bis 5). Da ordnen sich die vor dem Betrachter 
ausgebreiteten schwarzen und weißen Flächen 
von selbst zu einem harmonischen, in sich ge- 
schlossenen und gleichsam architektonisch sich 
aufbauenden Ganzen. Die breiten weißen, außen 
rings herum laufenden Ränder fassen die beiden 
schwarzen kräftig hervortretenden Schriftkolum- 
nen energisch zusammen, so dass diese, was sie 
ja auch wirklich sind, als die beiden gleichen 
Hälften eines Ganzen sich darstellen, ein Ver- 
hältnis, das ähnlich, aber noch augenfälliger bei 
den beiden durch einen kräftigen Zwischenschlag 
geschiedenen Spalten jeder Kolumne hervortritt. 
Der Fußsteg, als der breiteste, giebt die starke, trag- 
kräftige Basis; die etwas schmäleren Seitenstege 



bilden gleichsam Lisenen und verhüten, weil 

368 



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Linoleum -Teppich. 

Ertragnis iler Hrcmer Imolciimwerke- Delmenhorst -Sihlüwl-. Marke- in Delmenhorst. 
Dreifarben-AtUotvpie von J. ü. Scheiter ft (iiesccke, Ldpdg. 
Beilage zum Archiv für Buch^cnerhc. Druck von Httgo MftllftO'liUM, Hannover. 

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Kiiiflg« zum Hrdllv tür Hudlticwcrbc. Drudi der Z. Z. nerbcrt'idicn noibuchdrudferei. Curmitadt 

Umrohmunu, ou< „Peutidie Kunit und Ci'ltcratlon- • Pcrlou. von Slexundcr Kcii, Curmitadt. 



PROGRflmm. 



1. Fcil-marich 

2. Prolog, , ..er -'vn M rruulcin Peternann. 

3. Chor: .Ständchen - 

4. Fehrede: In Suuwtiicher W«n:cl au« liu<luiu.«haien. 

5. Chor: .3m Walde" £rk. 

t>. .Die beiden kleinen Finken-, Polka mil Solo 

für zwei Crompeten Ch. 3lmer 

7. Soloicene: .Der verlieble ßausknedif. 

(Vorgetraiien von 5erm Kollegen Hlhert lHlt| 

s. Sologeiang i a) .fleh In die Ferne" | 
b) .Waldcsgrufr | 

(Fergen von ftenn Kollegen Ftenrl Sdimlir.) 
9. Zithervcrtrag: .3n Crcue feit", [Tlarldi 

(Husgciührt vom Zirherquartclt Hunniiadt.) 

10. Chor: .rTlargrelh am Chore* .... 

11. Violinfolo i .Grofjmütterdieti'Iiandler" . . 

(PotgetruiKn von fiertn Kollegen Karl Sdimidt ) 
13. Deklamation. <>;. , . • .., u . n ven frln. Böhme u. frlii. Sdinahcl.» 

13. Sologeiang: .Zigeuner-Ballade" .... Sachs. 

(Vorgetragen von fierrn Kollegen iienri Sdimitl.) 

14. Soloicene: ."Johannes Blaiemann". 

(Vorgetragen von Renn Kollegen Mlliert Fleche.) 

15. Zllheri'ortrag: .Frohe Launen*, Concert-Polka 3. Liandgraf 

(Bmgeiührt vom litherguuricll Darmitudt.) 

1C\ Chor: .Zwaa Sterndlan" 3. Schwär« 



Kalliwoda. 

K. Striftinger. 

fiohlield. 
i?. banger. 



Cheater-Hufführung: 
„DER VERWECHSELTE BRIEF". 

tsuitlplel In Carmllddtcr ITIundari wn Robert ^dineldct. 
Perlenen i 

Kall Weriälfett, Sdici van de .Erlte Parmslddrer. 
frankierter Wöridtterldier-faurik . ... 

Scttctie. icl beiler ßdlh 

Kall, eh Seh vun<cn 

Rnna (TlQller, cm Kall iel Pahdlinlhj .... 
Relna Kncrrn, flnanraiblrant un KalK freund . . 
frcileln Stuwwewedel, no* :u hawwe .... 

Iielm. Rentner . 

Kdldic, Dlenllmdddic bei'« Rerr KorlditietH . . 
Phlllppdie Kambell). M bei's Rerr Vorldilferts . 

Zelt : nienlau.smera.cns. 
Ort der Randluna, : In'? Rerr Werlditlerts ihrnc 

BHfcb. 



Sonntag, den 30. Suni 1901 

nfltö?Ei€R: Spaziergang nach Arheilgen. 

Duielbit gelelllge Unterhaltung, Perloolung für Kinder etc. 
im Saale des ßerrn 3. GRZGRÄBCR, Frankfurterltrafoe. 

flbmarlch mit ITIulik riadimlttaa.s 2 Uhr vom Ellenbuhn. 
überiiunu. (Ciebura.crftraf)«). • Kei uni|ünltlgcr Witterung 
abfahrt J34 tlodirnittaj» mit der Dampliuortenhahn ab 



Rerr Rlldcbeiitel. 
frdulcin Petermonn 
Rerr [Hohr, 
frdulcin Rehme. 
Rerr Wlemer. 
Fräulein Krüh. 
Rerr Ernl. 
frduleln Sdinohel. 
Rerr Kun:. 

gute Stuhb. 



THnz-ORDnuns 



für Samitag, den 29. 9uni 1<)01. 



Polonaiie mit Walzer. 
Sdioliiidi. 
Polka-niazurka. 
Walzer. 

Sdiottiidi (Damenwahl). 
Rheinländer. 



FadaM'Polonaiie. 
Kreuz-Polka. 

Rheinländer (Damenwahl). 

Schotilldt. 

Walzer. 

oalopp. 




3. C. HeRBERT SCHE 
HOFBUCMDRLieKtRei 
III DaRmSTflDT. *g 



**L<*L>*L<*L<*L<m,<m,'*L>*L<mM, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrarÄ\srar.sr;>r.»rararjr 



l)a> Buch «I» Kunstwerk 

Ja, der Sau und die Stlier! H»t>r Ihr 
einmal einen Schriftsteller gesprochen, der 
EsinAndunt. für win Boch besitzt und um 
die Einzelheiten der Anordnung mit dem 
Setzer gekämpft hat? Glaubt nur, rr ior 
ein Held, bei der Wahl der Schrift ijrht 
der Kampf an. Hat er da obfeaiegi und 
wirklich eine gesunde, lehcnsfrlacbc Typ* 
durchfeiern, hal er ferner erreicht, das» 
diese Typ« auch richtig 
»Ird, dai helfJt, da*, die 
nah stehen, dass sie In 
noch so weit, dass die Seite wie eine Reihe 
von nebeneinander stehenden Leitern aas- 
sieht, so kommen die Auszeichnungsschrif- 
ten, die kcyJssc Worte im Texte heraus- 
heben »ollen. Da wird der Setier in neun 
Fallen von zehn eine feite, gequetschte 
Type bringen, die das ganze Druckbild zer- 



jedc von ihnen mindestens doppelt so breit ist, 
als die auf der Innenseite die Kolumne begren- 
zende Hälfte des Bundstegs, das seitliche Aus- 
einanderstreben der beiden Kolumnen; der wie- 
der etwas schmälere Kopfsteg, der ja gar nichts 
zu tragen und zu 

stützen hat, 
schließt oben den 
Aufbau leicht und 
elegant ab. Indem 
die weiOen Ränder 
solchergestalt von 
unten nach oben 
an Breite abneh- 
men, bringen sie 
eine Verjüngung 
hervor, die den 
perspektivischen 
Verkürzungen in 
der Architektur 
entspricht, aber 
auch der eigenar- 
tigen Konstruktion 
des Buches voll- 
kommen gemäß 
ist. Denn bei einem 

Buche, in dem 
die Außenränder 
fast gleich breit 

sind und nur etwa halb so breit als der Bundsteg, 
müssen die Kolumnen bei jeder Bewegung links 
und rechts aus dem Buche zu stürzen oder dem 
Leser vor die Füße hinabzugleiten scheinen, weil 
die tragenden und stützenden Teile (die Ränder) 
zu schwach sind die getragenen (die Kolumnen) 
in ihrer Lage zu erhalten. Schön ist daher die 
Verteilung der Fläche zwischen Kolumnen und 
Rändern in den Büchern der alten Meister, weil 
jeder Teil die ihm durch seinen Platz zuge- 
wiesene Funktion auszuüben fähig erscheint, weil 
diese Teile, ihren Funktionen folgend, zwei in 
sich zwar unharmonischen niederen Einheiten, 
den Seiten, zustreben, deren eigentümliche Sym- 
metrie aber jede, um ein harmonisches Ganzes 
zu bilden, auf die andere als die ihr dazu not- 
wendige Ergänzung hinweist. 

Ganz die gleichen ästhetischen Vorzüge wer- 
den nun auch die nach meinen Formatgesetzen 
eingerichteten Bücher aufweisen. Das zeigen 
einerseits die in Abb. 3- 8 vorgeführten Bei- 
spiele, das zeigt andererseits aber auch ein Ver- 
gleich mit zahllosen Handschriften und Wiegen- 



drucken, Ich stelle hier nur das Verhältnis der 
Stegbreiten von Abb. 1 u.2mit den entsprechenden 
Zahlen meiner Formatgesetze untereinander: 
Abb. 1 ... 25 : 32 : 48 : 70 mm 
Hauptgesetz 25 : 37,5 : 50 : 75 mm 



Da« Räch «tu KaB*>rw«rt..r-cci«-*'j> 

fcrtin; e* l*f nicM einmal «ine Schuld, 
denn die Druckereien bcn.tmfi nctien Aus 
«■cjchflunguchrifica. die «irklich in feinem 
Gleichgewicht mr TcxtAchr.lt Meh.cn. Hai 
man sJcti Auch da geholfen, hei latelsiftchef 
Schrift vielleicht durch Versal iarc, der Ji 
in deutschen Typen bisher leider nicht les- 
bar Ist, vo getiTs an die Cberschriiten. Der 



allcrverschicdenstcn Gattungen in demsel- 
ben Buch. i«. a«r derselben Seile: Fraktur, 
SchwabJvhcr, Gortwh, fc« <md WW. »ic 
r* gerade rur Hand a!» männe er eine 
Muaeerkarte seine« Schrificnbewtande« ge- 
hen. Endlich hat der Amur auch da* über- 
wunden. Nun bleibt nur noch der Kolum- 
nentitel (die Zelle oben am Kopf) und dt* 
Selirruahl, dlc*c f**t Immer zu groß, selten 



28 
30 



36 mm 
36 mm 



Abb. 6. Quart. Stegbrrltcn nach dem Haupfgesetz. 



Abb. 2 ... 12 : 17 

1. Nebenges. 12 : 18 
Die Differenzen sind, wie man sieht, recht wenig 
bedeutend. Bei vielen anderen Handschriften 
und Drucken sind sie natürlich beträchtlicher. 
Häufig nähern sich die Randverhältnisse meinem 
ersten, später mehr meinem zweiten Nebengesetz, 
und das ist einer der Gründe, weshalb ich das 
Hauptgesetz durch die beiden Nebenformen er- 
gänzt habe. 

Ich wiederhole noch einmal, dass keins meiner 
drei Formatgesetze weder in dieser noch in einer 
ähnlichen Formulierung von den Kunstschreibern 
des Mittelalters bewusstermaßen irgendwo und 
irgendwann als Regel für das Formatmachen auf- 
gestellt und befolgt worden sein muss. Aber das 
liegt am Tage, dass die Tendenz, die Randbreiten 
nach der Art dieser drei Formatgesetze zu be- 
messen, bei ihnen geherrscht hat und dass sie 
sich dieser Tendenz klar bewusst waren. Und 
ebenso gewiss ist, dass diese Tendenz von den 
ersten Druckern bewusst übernommen wurde, 
dass sie später durch die Einführung und miss- 



ed» 369 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jra*v 



verständliche Behandlung der Kolumnentitel und 
Marginalien starke Einbußen erlitt, jedoch in 
ihren Nachwirkungen noch bis zum Auftreten der 
Schnellpressen und des fabrikmäßigen Buch- 
druckereibetriebes verfolgt werden kann. 

Irgend einen Modus, nach dem sie die verschie- 
dene Breite der Ränder berechneten, werden die 
Kunstschreiber aber doch gehabt haben müssen. 
Eine derartige Tendenz pflegt sich durch viele 



anfingen, die trennende und verbindende Kraft 
wohl abgestimmter leerer Räume für die Grup- 
pierung logisch zusammengehörender Teile des 
Textes weise und künstlerisch zu benutzen. Die 
massenhafte Verwendung der einfachen geraden 
Linien zu diesen Zwecken, nicht bloß als Notbe- 
helf, denn sie haben den Raum gleichzeitig sinnlos 
vergeudet, ist eine Geschmaklosigkeit, der sich 
erst die Drucker in neuerer Zeit schuldig gemacht 



Einzug der Anfangszeilen. 

Bei der gegenwärtigen Bewegung für 
eine künstlerische Neubelebung der 
Druck&uMtettung ist euch der Etntug 
der Absätze schon wiederholt Gegen- 
stand von Melnungsverechiedenheiten 
gewesen 

V Die Modernsten wollen d, 
gänzlich im der Welt schaffen, l 



ginnen liiun; minder Moderne laeeen 
den Einzug bestehen, bepflastern aber 
die durch ihn verursachte Lücae im 
Satibilde mit einem Ornament; und 
eine dritte Gruppe will den Einiug auf 



, d. h. ohne vieles Nachdenken, 
ein, so wie man es Im gegebenen Falle 
gerade für gut befindet. Jedenfalls 
handelt es sich hier aber um eine 
Frage, deren Besprechung nicht ganz 
jnzeitgemäse Ist. Die Idee, den Ein- 
zug im glatten Satze überhaupt zu be- 
n, ist wohl von keinem Buch- 
- ausgegangen, denn ao lange 
wie Bücher gedruckt werden, besteht 
die Regel, dass ein neuer Absatz kennt- 
lich zu machen ist. In den 
Oruckwerken findet man 
ginge freilich selten und dann nur am 
Schlüsse von grosseren Abschnitten, 
die regelmässig mit einem Initial be- 



. 7. Quart. Sirglirtlnii »ich 



Jahrhunderte und bei mehreren großen Völkern 
so scharf ausgeprägt nicht zu erhalten, wenn sie 
von einer handwerksmäßig formulierten und an- 
gewandten Regel nicht unterstützt wlrd.DieseVer- 
mutung wird durch die Linien-Vierecke, die man 
auf den weißen Rändern von Abb.l um dieKolum- 
nen herumlaufen sieht, wirklich bestätigt. Dass 
sie nicht zur Verzierung, als Ornament, dienen 
sollen, ist jedem Kenner mittelalterlicher Schreib- 
kunst ohne weiteres klar. Die einfache gerade 
Linie ist überhaupt gar kein Ornament und sie 
ist daher von den Kunstschreibern und den älteren 
Druckern alsOrnamcnt niemals verwandt worden, 
weder auf den Rändern noch auch im Texte. Wo 
sie ein derartiges Ornament brauchten, da ge- 
stalteten sie es zu einem schmalen, durch Zeich- 
nung und Farben verzierten Band. Die Drucker 
aber lernten, als sie sich nach einigen Jahrzehnten 
von der Gebundenheit der Schreiber zu befreien 



haben und ein deutliches Kennzeichen des Tief- 
standes der typographischen Kunst. 

Die Linien, die sich in Abb. 1 um die Kolumnen 
herumziehen sind Hilfslinien für das Format- 
machen. DieaußerenLinien teilenFußsteg,Seiten- 
steg und Kopfsteg in je zwei gleich breite Streifen. 
Die inneren Linien teilen die Ränder so, dass die 
inneren, der Kolumne anliegenden Streifen in be- 
stimmte Beziehungen zu einander gesetzt werden. 
Und zwar ist der innere Streifen des Fußstegs et- 
was breiter als wie die Hälfte des Bundstegs, der 
innere Streifen des Seitenstegs so breit wie die 
Hälfte des Kopfctcgs (letzteres bei den vorlie- 
genden Seiten nicht ganz genau). Die innere Linie 
am Kopfsteg ist also eigentlich überflüssig; sie 
ist einerseits zur Vervollständigung der Symme- 
trie mit den beiden andern, andererseits zur Ein- 
schreibung des Kolumnentitels gezogen. Eine 
beachtenswerte Eigentümlichkeit des hier vorlie- 



ä* 370 tft 



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«wk«.<kwm««.M& ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE »»«»www»»»» 



genden Verhältnisses der Ränder ist noch, dass 
der Seitensteg doppelt so breit ist als der halbe 
Bundsteg, der Fußsteg doppelt so breit wie der 
Kopfsteg. Es ist also ganz unzweifelhaft, dass sich 
in der Art, wie die Linien gezogen sind, ein Ver- 
fahren, eine Regel des Schreibers dieser Hand- 
schrift kund giebt, die dazu diente, die Breiten der 
Ränder in ein bestimmtes Verhältnis zu setzen. 
Dass dieses Verhältnis mit denjenigen meiner 



heutigen typographischen Technik, ihrer Mittel 
und ihrer Absichten, sondern auch eine für den 
Laien nicht ganz leicht zu erwerbende praktische 
Erfahrung. Allgemeine Hinweise auf dies, das und 
jenes in den Drucken der alten Meister, was schön 
und nachahmenswert ist, können recht wenig 
nützen und damit sind unsere Typographen in den 
letzten Jahren überschüttet worden. Aber wie 
viele haben sie gelesen, studiert und praktisch 



ZUR GUTEXBKRG- FEIER 
M.D.CCCC. 

KRI'iE F.rfofhChilag Jtr Anfange 
tlcr gru.«f-n Knlilrrkuagen 
vergangener Ta*e wird Wiin»t- 
In'hen unH natürlichen Schwierig/ 



krnrn gedruckt, tunirlnr Individuen, Sudte, 
ja ganre WUer haben von jeher vertuen!, 
die r'hrc, eine gn»«.«- I.rfmilung ujrr Ent- 
deckung grnkachf r« halfen , widerrechtlich 
an «ich tu reiv.en, Kt al>*r einmal eine 
»eiche faUche B-hauplut« aufgeMelll. dann 
naden «ich immer l-eute, welche mit dem 
Aufgeld alle« Scharfaiim» die Wahrheit tu 
bevtreiten und mit den (adcnvtheinigttrn 
tirunden da» l'nrecht »ti verteidigen bereit 
lind, liaa» toli-h« rintitcllungcn de, Inal- 
■il^erhatjpt möglich »inil, hat je- 
«eine natürlichen tiriiaiLe. Nicht immer 
«ich die Anfänge gm«»rr Kntdek- 
klinge« In ein 1'tink«), dai nicht mehr au r - 
juhellen i»t, und von *;ru«»en Erfindungen 
aelbn yrrl,L»..e» nicht Inner, wenn auch 
häufig, die Namen der Krfmdrr M>. da.« ihn» 



7VX Iii TKNHEKG FK1EK JI.O.CXVC. } 

kein« hlu.-mchc Erforichnng beikcronien 
kann. I>ie Schwierigkeit liest vieiraehr dar* 
in, daa« ein und die*e)l>« Entdeckung gleich« 
rcltig vivn mehreren gemacht wird, (Hier Sirelt 
darüber herrxrht, wa» da« letrte N'r^jc und 
Au««chtaggcl>eivde an <,ner Krfindung ;(*r- 
len »ei, und wer denn dieaes iu dem «chon 
Vorhandenen oder r.cwutnj« hiarugethaa 
Kahe. Bciite-.. die Streitigkeiten »iber dir 
Priorität einer h rfindnng rwiache n mehreren 
und über das, war daf Weten dertelben au»- 
tna^he. gehen im tirunde von einer Vrtacbe 
an» 

Kein« gr' «»eEntdri lMUii; «pringt wieAlhene 
aus dem Kopfe dea Zeu» unvermittelt und 
vollkommen autfebiUlet an da* I-irht de» 
Tara, Sir tif vielmehr da« Produkt etiler 
Kntwickelung, welche in der Regel er»t nach 
mehrfachen Schwankungen und r'ehUchJageo 
auf ihr Ziel loaceht. Dieae» klar ru erfaaaen 
und rtl erreichen iu da« Werk » 
Men«rhrn. der damit niai Kntdrcker , 
neuen Wahrheit. ru<n Irheber < 
Erfindung wird, l.t nun eine I 



Abb. K. Quart. Siegbrelna nach dem iwtlttn Nebengeaeti. 



Formatgeseue nah übereinstimmt, habe ich oben 
bewiesen. 

Dieses Verfahren ist für unsere moderne Typo- 
graphie wegen seiner Umständlichkeit und des 
darin nicht klar ausgedrückten Verhältnisses zwi- 
schen Bund-, Fuß- und Kopfsteg natürlich nicht 
zu gebrauchen. Nichts kann gerade heute schäd- 
licher sein, als Umständlichkeit und Unsicherheit. 
Sie würden nicht nur nichts nützen, sondern die 
Verwirrung vergrößern. Was unsere Setzer jetzt 
vor allem nötig haben, das sind einfache, klar und 
bestimmt formulierte Regeln und Gesetze für 
die typographische Behandlung jedes wichtigern 
Teiles im Buche, des Titels, der Widmung, des 
Inhalts, der Vorrede, der Anfangs- und Schluss- 
kolumne, der Kolumnentitel, der Anmerkungen, 
der Marginalien, des Gedichtsatzes u. s. w. und 
Beispiele. Dazu aber sind erforderlich nicht bloß 
die eingehendste Kenntnis der früheren und der 



versucht? Sieht man näher zu, so sind es fast nur 
diese Theoretiker selbst, die ihre Theorien in 
praxi erprobt haben. Der Erfolg liegt am Tage! 

Die zweite Frage, ob die Randverhältnisse, die 
meine Formatgesetze vorschreiben, auch für 
unsere modernen Bücher noch passen, brauche 
ich des näheren wohl nicht zu erörtern. Dass da, 
wo man das Buch beim Lesen mit den Händen 
hält, an den Seiten und namentlich unten, die 
Kolumnen zurücktreten müssen, damit die Schrift 
von den Fingern des Lesenden nicht verdeckt wird, 
ist man doch bei unsern Büchern wohl so be- 
rechtigt zu verlangen, wie bei den alten. 

Man darfauch nicht furchten, dass die Ordnung 
der Randbreiten nach meinen Gesetzen mehr 
Papier erfordere, als die heute üblichen Formate, 
also kostspieliger wäre. Das ist nicht im gering- 
sten der Fall. Die Flächen werden durch meine 
Gesetze nur anders verteilt: es wird lediglich 



«a» 371 



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das Papier, das an den Kopfsteg und besonders 
an den Bundsteg nutzlos verschwendet wird, zu 
den Seiten- und Fußstegen geschlagen und erfüllt 
hier einen ästhetischen und praktischen Zweck. 

Die Art des Formatmachens, die Manipulation, 
ist bei Anwendung meiner Gesetze dieselbe wie 
die heute geübte. Man zeichnet auf die erste 
Seite eines in das gewünschte Format (Oktav, 
Quart, Folio) gebrochenen Bogens die Kolumne 
(5:3, 4:3, 3:2) so auf, dass der Kopfsteg ein- 
einhalbmal, der Seilensteg zweimal, der Fußsteg 
dreimal so breit ist als der halbe Bundsteg. Passt 
die Papiergröße für das Hauptgesetz nicht, so 
kann man das erste oder zweite Nebengesetz 
nehmen. Auf einige Millimeter (1 3) mehr oder 
weniger kommt es überdies, wenn die Ränder 
nicht ganz schmal genommen werden, beim 
Mittelsteg und den Außenstegen nicht an, die 
Breite des Bundstegs und des Kreuzstegs muss 
dagegen genau sein. Dem Maschinenmeister 



muss die Breite des Bund-, Mittel- und Kreuz- 
stegs genau in Cicero angegeben werden. 

Beim Falzen der fertigen Druckbogen ist na- 
türlich darauf zu achten, dass die Seitenzahlen 
sich scharf decken, andernfalls ist die Mühe um- 
sonst. Ein Buch, dessen künstlerische Ausgestal- 
tung Verfasser, Verleger, Setzer und Drucker 
mit wahrhaft unendlicher Sorgfalt zu stände ge- 
bracht haben, so zu verfalzen, dass die Kolumnen 
einen Hexentanz darin aufführen, ist eine Bar- 
barei. Das Publikum freilich sieht und empfindet 
das nicht, wie es überhaupt keinen Blick und kein 
Gefühl für die eigenartigen und feinen Formen 
typographischer Kunst hat. Das aber kann doch 
in der That niemand zum Trost und zur Ent- 
schuldigung gereichen. Der gewissenhafte Typo- 
graph, wie jeder gewissenhafte Künstler, sucht 
nicht zuerst das Publikum, sondern sich selbst 
zu befriedigen. Auch für ihn heißt es: Finis 
coronat opus! 



Die Erkennungszeichen der verschiedenen Drucktechniken. 

Von JOHANN PABST in Wien. 



BEI dem Anblick eines Druckerzeugnisses, 
dessen Herstellungsweise weder bekannt 
noch angegeben ist, entsteht wohl die 
Frage: welchem Verfahren verdankt dasselbe 
seine Entstehung? Der Umfang, den die Druck- 
techniken heute angenommen haben, lässt es oft 
ungemein schwierig erscheinen, die besondere 
Art derselben in einem gegebenen Falle sicher 
festzustellen. Eine Übersicht über die Gesamtheit 
der Druckverfahren soweit sie in der Neuzeit 
noch zur Anwendung gelangen, vom Standpunkte 
der Zusammenfassung ihrer charakteristischen 
Merkmale und unterscheidenden Kennzeichen 
aus, wird darum gewiss am Platze sein. 

Wie bei allen umfangreichen Disziplinen han- 
delt es sich dabei vor allem um eine klare, syste- 
matische Einteilung. Allgemein gültig ist die- 
jenige in drei Hauptgruppen: Hoch-, Tief- und 
Flachdruck, von denen der letztere neuen, selbst 
neuesten Datums ist. 

Nachdem für verschiedene photographische 
Kopierverfahren die Bezeichnung »Druck* (z. B. 
Silber-, Pigment- und Gummidruck) üblich ge- 
worden ist, könnten dieselben, weil auf chemi- 
schen Vorgängen beruhend, etwa als „chemischer 
Druck» die vierte Gruppe bilden. 



Der mechanische Vorgang bei der Herstellung 
eines Abdruckes ergiebt bei jedem der drei Ver- 
fahren ganz charakteristische, ziemlich untrüg- 
liche Kennzeichen. Beim Hochdruck ist es die 
Einpressung der erhabenen eingefärbten Form- 
teile, welche immer Spuren hinterlä'sst, die sich 
auf der Rückseite des Papiers als „Schattierung- 
bemerklich machen, und die sich mehr oder we- 
niger ausgequetscht erweisende Farbedeckung. 
Beim Tiefdruck tritt besonders bei breiten Linien 
die „Schattierung" in negativer Weise auf, das Pa- 
pier presst sich an den tieferen Stellen ein, was 
dann auf der Rückseite deutlich zu erkennen ist. 
Bei stärkerem Papier und seichter Gravüre (wie 
bei den modernen Photogravuren) ist dies nur 
wenig bemerkbar. Das Hauptmerkmal des Tief- 
druckes bildet daher immer der pastose Farbauf- 
trag. Die in die Vertiefungen der Platte eingerie- 
bene Farbe wird beim Druck aus diesen heraus- 
gehoben und lagert sich auf das Papier auf als 
sichtliches Relief, welches meist schon durch ein 
Darüberwegstreichen mit den Fingerspitzen, un- 
bedingt aber durch die Lupe wahrnehmbar ist. 
Wird ein Werkzeug zur Erzeugung der Vertie- 
fungen angewendet, so entstehen neben diesen 
durch das Beiseitedrücken beziehungsw. Indie- 



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HUtnersbucb 

Herausgegeben oon Professor Dr. Cudioig Braeutigam 

3n t)albfranjl>jn5 gebunden mil niclcn Kuuslh-üaacn 
Dur* jede Buchhandlung zu beziehen 

Preis 10 mark 




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'K*c*(.<K*r:*e.<at*»VM*&*t ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE araririrarArarjrjrarsr 



höhesteigen des nicht elastischen Metalls Rau- 
higkeiten, der sogenannte Grat, welche ebenfalls 
benutzt werden, um die auf die Platte gebrachte 
Farbe festzuhalten. Der Flachdruck charakteri- 
siert sich durch seine tadellose Fläche, ungestört 
weder hinsichtlich des Papiers noch der Farbe. 



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Flachdruck 

Au* der Zeltwtmft .Rcprnduktion^tcchAik", l*«JU. 
Verl»» von Will). Knapp In Hallt * S. 

Die Farbkomplexe sind bei ihm reiner, an den 
Rändern nicht das Weggequetschtsein des Hoch- 
druckes aufweisend. 

Bei Produkten des Hochdruckes, welche Schrift 
enthalten, entstehen die Fragen, ob Handsatz, 
Maschinensatz, Stereotypen oder Galvanos vor- 
lagen. Dass man es mit einem »Satz" und nicht 
mit Holztafeldrucken zu thun hat, lässt sich, ganz 
einerlei, ob es sich um alte oder neue Drucke 
handelt, vor allem durch die in Schnitt selbst 
wenn zum Aufzeichnen eine Schablone benutzt 
wurde — nicht zu erreichende Gleichförmigkeit 
der Buchstabenbilder entscheiden. Hier kann 
man sich leicht täuschen. Die aus Initialen be- 
stehende Überschrift BIBLIA in einigen Bibeln 
der Sterne in Lüneburg zeigt eine so haarscharfe 
Übereinstimmung der beiden B und I auf, dass 
jeder auf gegossene Initialen schwören würde. 
Und doch ist die ganze Überschrift in Holz ge- 
schnitten denn die betr. Holztafel ist im Lüne- 
burger Museum noch vorhanden. 

Für die Frage: Ob Maschinen- oder Handsat: 
vorliegt, kommen nur die Zeilengießmaschinen 
in Betracht, denn ihre Vorgängerinnen lieferten 
ja Buchstabensatz mitHandausschluss, also nichts 
vom Handsatz wesentlich Verschiedenes. DicVer- 
gleichung des betr. Schriftbildes mit den Schrift- 
probenheften der Linotype, Monoline und des 
Typograph wird zu keinem absolut sichern Re- 
sultat führen, da die Maschinenschriften oft Gie- 
ßereischriften nachgeschnitten, also auch in den 
Gießereiproben zu finden sind. Bis zu einem ge- 
wissen Grade wird der gleichmäßige Ausschluss, 



doch nur bei breiteren Formaten, wo die Zahl der 
Spatienkeile bezw. -ringe eine genügende ist, um 
eine Nachhilfe unnötig zu machen, einen Anhalts- 
punkt gewähren. Es giebt außerdem noch meh- 
rere Kennzeichen, die vereinzelt oder insgesamt 
auftreten können. Man vergleiche u. a. spati- 
inierte Stellen. Die Maschinen (ausgenommen der 
Typograph) verwenden Zweipunktspatien, wäh- 
rend beim Handsatz das Einpunktspatium Regel 
ist. Auch die Interpunktionszeichen (vor allem 
die Divise) geben vielfach Anhaltspunkte. Bei 
Handsatz sind sie oft aus verschiedenen Schriften 
zusammen gemischt, beim Maschinensatz aus- 
nahmslos gleichmäßig. Immer wiederkehrende 
lädierte, hoch- oder tiefstehende Buchstaben und 
vor allem die .Spieße" (kaum merkbare haarfeine 
Strichelchen) sind untrügliche Merkmale eines 
vorliegenden Maschinensatzes. 

Ob ein Druck von Stereotypen vorliegt, wird 
nicht immer ganz leicht zu entscheiden sein. Die 
frühere Gipsstereotypie ergab in Flächen einen 
ziemlich glatten Guss. Die jetzige Papiermater 
wird denselben stets etwas durch ihre Struktur 
beeinflusst zeigen, was bei der neuesten Trocken- 
stereotypie noch auffälliger wird. Im allgemeinen 
wird also der Druck von Stereotypen insbesondere 
in größeren Flächen grauer und auch bei Ver- 
wendung guter Farbe mangelhaft gedeckt er- 
scheinen und zwar natürlich um so mehr, je ab- 
genutzter die Platten werden. Einen Anhaltspunkt 
im Vergleiche mit Satz ergiebt auch das nicht 
unbeträchtliche Kleinersein der Stereotypen, das 
Schwinden derselben. Galvanos vom Satze liefern 
so tadellosen Druck, dass die Unterscheidung wohl 
meist zur Unmöglichkeit wird. Eine Betrachtung 
zweier fraglicher Drucke durch das Stereoskop 
giebt ein zur Erkennung von Nachahmungen aller 
Arten Drucke überhaupt zu benutzendes absolut 
sicheres Mittel. Entsprechend nebeneinander- 
gelegt werden zwei Drucke, die von einem Satze 
oder von einer Platte herrühren, sich beide in 
ein Flächenbild vereinigen. Drucke von Satz und 
einer Stereotypplatte desselben Satzes zeigen eine 
gleichmäßige Abweichung entsprechend der 
Größendifferenz derselben durch das Schwinden. 
Nachsatz von einem Drucke aber zeigt sofort die 
geringsten ganz unvermeidlichen, sonst aber gar 
nicht festzustellenden Abweichungen dadurch, 
dass die betreffenden Teile vor oder hinter die 
Bildfläche gerückt erscheinen. 

Bildliche Darstellungen in Hochdruck teilt man 
in gleicher Weise wohl auch am besten nach der 



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SchrrtMatt aus einer Pas.ion ChfiiH um 14«». 
Ana : Kauioc 100 Je» littwit RVtrn'Adfackc» Anifcqoarlal« in Mftd W. 



Herstellungsart der Druckformen ein. Es ist für 
die letzteren jetzt allgemein der Ausdruck Kli- 
schee üblich, völlig falsch, denn sinngemäß ist 
„Clichc" nur der Abklatsch eines Holzschnittes, 
einer Ätzung u. s. w. in Schriftmetall. Die Druck- 
form kann ihre Entstehung der Handarbeit oder 
einem mechanischen, chemischen beziehungsw. 
photomechanischen Verfahren verdanken. Nach 
der ersteren Richtung ist es der Holzschnitt, der 
vornehmlich in Betracht kommt. Es wurden und 
werden wohl auch noch manches Mal in Metall 
und anderen geeigneten Stoffen Hochdruckplatten 
mit der Hand hergestellt, doch ist die Eignung 
des Holzes für diese Zwecke schon in der Wiegen- 
zeit der Druckkunst als am besten erkannt worden, 
wenn es auch erst der neueren Zeit vorbehalten 
blieb, diesem Materiale wirklich künstlerische 
Seite abzugewinnen. Das Langholz, in das man 
einstens schnitt, ist dem Hirnholz, in das man 
nun sticht, gewichen und der Charakter der alten 
Holzschnitte darum ein von den neuen gänzlich 
verschiedener. Die bewunderte Markigkeit jener 
ist wohl zum großen Teile in der groben Technik 
gelegen, die Material und Werkzeug bedingten, 
deren Mangelhaftigkeit dennoch so vieles Schöne 



entstehen ließ. Die Eigenschaften diesesMaterials, 
des Langholzes, gegenüber dem damals einzig 
möglichen andern, dem Metalle, müssen nun die 
Anhaltspunkte geben für die Beurteilung, ob 
irgend ein alter Formenschnitt insbesondere die 
sogenannten Schrotblätter, die wir in einem be- 
sondern Artikel behandeln werden, von dem oder 
jenem Materiale herrührt. Für heute verweisen 
wir auf die Abbildungen, auf denen die unfrei- 
willig mit abgedruckten Köpfe der Nägel, mit wel- 
chen die Metallplatte auf dem Holzstock befestigt 
war, zu sehen ist. Ein Schnitt in Metall wird 
immer härter sein, schon die Werkzeuge, die man 
für dieses Material verwenden muss, bedingen 
dies, und Scharfkantigkeit in allen Partien liegt in 
der Natur desselben. Holz aber wird Weichheit, 
Rundheit in den Kanten vermöge seiner Nach- 
giebigkeit aufweisen und bei seiner Faserigkeit 
auch wohl ausgesprungene Stellen finden lassen, 
die derart in Metall unmöglich sind, weil Verlet- 
zungen in diesem gänzlich verschieden aussehen. 

Blasius Höfel hat auch £//enf»cmstiche für den 
Hochdruck angefertigt. Dass aber sonst noch je- 
mand dieses kostbare Material für Druckplatten 
benutzt hätte, ist nicht bekannt geworden. 




Schroiblaii IM eine» pMtiN ChiUli um 1440. 
Au«: Kai>lo( 10) den UJ-ti- Raumitolvhn AmiquarUr. la 

Seite iU. 



374 M 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararjrjrjrwjrarjrjrjr 




„Die «.itfhcnrc Pticr in Ägypten" um U Kout yfttl Martin, von Biaiiut Ho/tt In Elfen 
heia (etchnlnea. PhiHotvpUchr heproduklian. Au»: „Wiener HtKhdruckerfescblchlc" 



Der Faksimileholzschnitt und die Ätzung nach 
einer SrnV/tzeichnung können in manchen Fallen 
miteinander verwechselt werden. Ein scharfes 
Auge (oder die Lupe) zeigt jedoch sofort den Un- 
terschied zwischen der geschnittenen und der ge- 
ätzten Linie. Die erstcre ist scharf und glatt, die 
letztere rauhrandig und in ihren Enden nicht spitz 
verlaufend sondern stumpf. Für den mit dem 
Stichel gearbeiteten Holzschnitt war es bis vor 
kurzem charakteristisch, dass die Konturen, um 
den Schnitt zu erleichtern, ganz fein umstochen 
waren, was freilich in der rein malerischen Rich- 
tung nicht mehr gestattet ist. Nur um den Vor- 
dergrund energisch vom Hintergrund abzuheben 
ist eine weiße Trennungslinie erlaubt. Gaber in 
Dresden glaubte die großartigen, eleganten Linien 
eines Schnorr (in dessen Rihelillustrationen) mit 
der Punte (einem Messer mit dünner Stahlblcch- 
klinge) auf einer Seite vorschneiden zu müssen, 
allein der Strich wurde dadurch zu kalt, zu glatt, 
er verlor an malerischem Reiz. Deswegen ist der 
heutige Holzschnitt davon abgegangen. Schon bei 
Ludwig Richter verließ Gaber das Umschneiden, 
denn dessen schlichte Linie hätte das nicht ver- 
tragen. Am besten wird der Unterschied des 
Striches der beiden Illustrationsmeister charak- 
terisiert durch ihre Kopfbedeckungen: Der Hof- 
mann Schnorr trug stets einen hohen glatt gebü- 
gelten aristokratisch-ceremoniellen Cylinder, der 
einfache Richter einen flotten, genial gestalteten 
bürgerlich -künstlerischen Schlapphut. Linien, 
welche von andern mehrfach gekreuzt werden, 
stimmen weiterhin, insbesondere wenn sie gehäuft 
vorkommen als Kreuzlagen, in den Fortsetzungen 
nicht immer äußerst genau. Das Ausheben der 



kleinen Rhomben und Rechtecke, deren 
lintfernung mittels des Stichels eben die 
Kreuzlagen beim Holzschnitte erfordern, 
geht auch bei der aufmerksamsten Be- 
handlung nie ganz tadellos vor sich. Ge- 
kreuzte Strichlagen, wie sie so leicht und 
rein mit der Feder und in der Tiefgravur 
in einemZug sich herstellen lassen, haben 
unter der Lupe im Schnitt etwas Zick- 
zackartiges, weil hier eben die Zwischen- 
räume stückweis ausgespart und ausgeho- 
ben werden müssen. Es lässt sich aller- 
dings auf glattem oder mit vorgedruckten 
Linien versehenen Schabpapier so zeich- 
nen, dass der Abdruck der danach ge- 
ätzten Platte den Eindruck eines Schnittes 
hervorruft. Auf dem Kreidegrund dieses 
Papiers kann man mit Zahnmesser, Schaber und 
Nadel fast ähnlich wie beim Holzschnitte arbei- 
ten. Von der Virtuosität des Künstlers auf diesem 
eigenartigen, doch immerhin ziemlich störrigen 




Ho!<h.-hnitt ton H. tiitttHti. na.h einer Zeichnung von O. Pltlich. 
Verti( von .1.; Dürr. ASJfu.k min Orir.in«lholr»tock. 



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Zelchenmittel hängt natürlich einzig der Effekt ab. 
Allein wenn auch der Maßstab der Zeichnung ge- 
genüber der Reduktion ein großer ist, so kann 
doch eine Verwechslung nicht stattfinden. Außer 
dem schon genannten Unterscheidungsmerkmal 
der geschnittenen gegenüber der geätzten Linie 
ist die Unterscheidung vom Schnitte sofort klar 
durch die gleichmäßigeStärke und paralleleRich- 
tung der den Hauptton bildenden Strichlage. 

Nachätzungen nach Holzschnitten sind natür- 
licherweise jedesmal in kleinerem Maßstab wie 
die Originale angefertigt, denn sonst hätte man 
einfacher und billiger zur Klischierung gegriffen. 




Autulypkn von Edm. Gaillari, vcrjl. S. JI». 



Dem Tonholzschnitte, der die treue Wieder- 
gabe einer Zeichnung, das Faksimile, der Hoch- 
ätzung überlassen hat, sind die willkürlichen, nach 
den verschiedensten Richtungen verlaufenden 
Strichlagen (besonders die überhaupt sein Cha- 
rakteristikon bildenden weißen Linien) des Künst- 
ler- Xylographen eigentümlich, mittels deren er 
Stimmungen, ja gewissermaßen farbige Eindrücke 
so treu wiederzugeben vermag, wie dies kein an- 
deres Verfahren, zum wenigsten die Autotypie, 
im stände ist. Der moderne Tonholzschnitt ähnelt 
scheinbar in manchen Partien der letzteren, in- 
dem Kreuzungen weißer Linien vorkommen, also 
mehr oder minder große Punkte stehen bleiben. 
Diese sind aber durch ihre Form und die wech- 
selnden Richtungen der sie scheidenden lichten 
Linien und Stellen so gänzlich verschieden von 
dem starren Rasternetz der Autotypie, dass eine 
Verwechslung unmöglich ist. 

Die dem Tonholzschnitt allerdings jetzt em- 
pfindliche Konkurrenz bereitende Autotypie steht 
weit hinter diesem zurück und kann selbst dann 
nicht zu Verwechselungen Anlass geben, wenn, 



wie bei der sogenannten Holzschnittauwtypie, 
durch geeignete Blenden bei der Aufnahme die 
Rasterpunkte scheinbar linienähnlich zusammen- 
geschlossen werden und außerdem noch die Ar- 
beit des Xylographen in Anspruch genommen 
wird, der die Platte insbesondere in den Lich- 
tern holzschnittartig behandelt. Das regelmäßige 
Rasternetz bleibt ja doch in allen anderen Bild- 
partien erhalten und lässt auch das unbewaffnete 
Auge eine „nachgeschnittene" Tonätzung von 
einem Tonholzschnitte leicht unterscheiden. 

Bei dem Farbenholzschnitte ist es die stets 
dem Künstler überlassene Zerlegung der Farben, 
welche ihn außer der nicht zu verkennenden Holz- 
schnitttechnik noch von der Farbenautotypie be- 
sonders unterscheidet. Bei dieser ist es die Schei- 
dung in die drei Grundfarben, die jedem zu repro- 
duzierenden Originale gegenüber gleichmäßig in 
Anwendung kommt, der Xylograph aber, der die 
Töne nicht in Punkte, sondern nur in Striche auf- 
zulösen vermag, kann mit nur drei Stöcken nicht 
auskommen. Das von Knöfler geschnittene Titel- 
bild zum /?«/?schen Missale, eine Musterleistung 
des damaligen Holzschnittes, dessen Farbenskala 
1878 von Baron W. herausgegeben wurde, erfor- 
derte z. B. nicht weniger wie 15 Platten. 

Die modernen Buchdruckaccidenzarbeiten las- 
sen manchmal vielleicht die Frage auftauchen nach 
der Herstellungsart der dabei oft verwendeten 
Tonplatten. Diese können aus Holz, Karton, 
Celluloid,KreideschichtenmitChromlelm(Af<iser- 
sches Patent), oder aus Metall und zwar Blei 
{Rziha in Brünn!), oder aus Zink sein. Im letz- 
teren Falle können sie außer der Handarbeit auch 
der Ätzung ihre Entstehung verdanken, was man 
am fransigen Strich mit oder ohne Lupe er- 
kennenkann. Bei klarem Druckund reinerWieder- 
gabe der Farben wird die Präsumtion für Cellu- 
loid, Karton und Zink (nach der Fähigkeit, die 
Farbe gut an- und abzugeben, geordnet) vorliegen. 
Tonplatten aus Kreidemasse sind an dem porösen, 
etwas unruhigen Abdruck herauszufinden, wel- 
cher Nachteil freilich in der Praxis der leich- 
teren und schnelleren Bearbeitung jener gegen- 
über nicht von Belang ist. Ein Kennzeichen der 
gewöhnlichen Bleiplatten ist immer der fleckige 
unangenehme Schein, der sich besonders bei 
hellen Tonplatten recht sichtbar macht. Sind sie 
freilich vernickelt, dann drucken sie so gut wie 
Kupfer. (Schluss folgt.) 



tsfe ts&ufe t5fetafe tsfetste tstetste tstet^ ufe ufeubtsfe tsfetjfe ufetsfe tsfetsfe ui& tsfe 



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[Dille fictj in Tljat unb fcböner 6röfie 
erbebt. Cm bober Gelft erkannte 
bas, baß über allen Künften eine 
Kunft ftebt, bie Kunft perfteben unb 
genießen beißt. Das Illelfterllcbfte, 
bas es geben kann: Kunft genießen 
In bem Sinn, baß alles Eeben 
Sdjönbelt rolrb, unb Scbönbelt 
l'ebesCeben glebt.Dle melfterllcbfte 
unb Im Großen fd)öpferlfd)e Kunft. 
ein bober Fürft Ift beute ülelfter 
biefer königlichen Kunft. e*i 
es Ift in jebem künftlerlfctjen IDerke, 
bas entftebt, fo klein es fei, ein gött= 
lieber Gebanke, unb nur bie Innige 
Tiefe bes6ebankensglebt bie Größe 
eines ÜJerkes kunb, boeb troß ber 
Größe feines IDertbes kann es 



««'M'KWKWafc«« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararjrjrarararjr«-*- 



Das Druckerei- und Buchgewerbe in Russland. 



Von Dr. D. FEITELBERG In Berlin. 



IN gleicherweise ist die Petersburger Vereini- 
gung der Buchdrucker darauf bedacht, die 
Hilfsgewerbe der Buchdruckerei zu vervoll- 
kommnen ; sie bethätigt sich außerdem als Schieds- 
richter bei allen Streitigkeiten zwischen ihren 
Mitgliedern. Sie unterstützt die Verbreitung der 
technischen Spezialkenntnisse und sorgt für eine 
Verbesserung der Lage ihrer Arbeiter. Die Setzer 
ihrerseits besitzen in Petersburg, Saratow und an- 
deren großen Städten Hilfskassen, die ihren Mit- 
gliedern im Falle der Not und der Arbeitsunfähig- 
keit Unterstützung gewähren. 

Der Buchverlag beginnt in Russland zwar erst 
unter der Regierung Katharina II., nimmt aber 
dann schnell an Bedeutung zu. Der wachsende 
Umfang dieses Geschäfts in den letzten 15 Jahren 
lässt sich sehr leicht nach den Daten der kaiser- 
lichen Bibliothek feststellen, an die laut Gesetz 
ein Exemplar jedes in Russland erscheinenden 
Buches geliefert werden muss. Im Jahre 1880 
erschienen 10660 Werke In 1 1 264 Bänden, wäh- 
rend 1895 schon 17895 Werke in 18265 Bänden 
zur Ausgabe gelangten. 

Die Vielsprachigkeit im Reiche verleiht in 
Kussland dem Verlagsgeschäfte ein eigenartiges 
Gepräge. Ein Viertel aller erscheinenden Bücher 
ist in den mannigfachen Sprachen, die das Reich 
selbst aufweist, verfasst, während die übrigen 
drei Viertel fast alle Kultursprachen Westeuropas 
aufweisen. Es kommen daher Bücher auf den 
Markt in polnischer, französischer, englischer, 
italienischer, schwedischer, finnischer, deutscher, 
lettischer, litauischer, esthnischer, armenischer, 
georgischer, hebräischer und tatarischer Sprache. 
13°/ 0 dieser Werke sind religiösen Inhalts. Die 
anderen verteilen sich auf Medizin, historische 
Wissenschaften, Politik, Nationalökonomie, Fi- 
nanzwissenschaft u. s. w. 

Die erste periodische Zeitschrift erschien in 
Russland 1703 unter dem Titel „Militärische und 
andere Nachrichten, wert gekannt und dem Ge- 
dächtnis eingeprägt zu werden". Dieselbe bald 
in Petersburg, bald in Moskau gedruckt, wurde 
1728 in die .Petersburger Nachrichten* umge- 
wandelt und gleichzeitig das Organ der Akademie 
der Wissenschaften. 1755 folgten dann die .Mos- 
kauer Nachrichten", und am Ende des 18. Jahr- 



ii. 



hunderts waren im ganzen 119 periodische Zeit- 
schriften vorhanden. 

Das 19. Jahrhundert mit allen seinen Fort- 
schritten auf wissenschaftlichem, technischem 
und kulturellem Gebiete hat natürlich auch seinen 
Einfluss auf das Entstehen neuer periodischer 
Publikationen in Russland geltend gemacht. Am 
I . Juli 1899 existierten in Russland (ohne Finn- 
land) 994 periodische Zeitschriften, von denen 
304 in Petersburg, 100 in Moskau, 92 in War- 
schau, 78 in den Provinzialhauptstädten er- 
schienen. 161 dieser Zeitungen wurden täglich 
ausgegeben, 216 wöchentlich und 225 monatlich. 
Die periodischen Zeitschriften behandelten eben- 
sowohl allgemeine Fragen wie fachwissenschaft- 
liche Themata. 

Eine bemerkenswerte Erscheinung in der Ent- 
wicklung der russischen Presse ist das Aufblühen 
der Provinzialzeitungen während der letzten 
35 Jahre. Die lokalen Blätter haben sich inner- 
halb dieses Zeltraums zu einer beachtenswerten 
Bedeutung emporgeschwungen, dank dem Um- 
stände, dass sie die örtlichen Interessen ihres 
Gebietes eingehender pflegen konnten, als es der 
Residenzpresse möglich war. Die Provinzial- 
presse ist eine Schöpfung der Regierung, die als 
erste zur Zeitungsausgabe schritt. Wenn man 
eine bereits 1786 in Jaroslaw erscheinende litte- 
rarische Zeitung außer Acht lässt, so können wir 
als erste tägliche Zeitung die „Kasanschc Neuig- 
keiten" (1818 1820) ansehen. Sie wurde von 
der Universität herausgegeben und behandelte 
politische und litterarische Fragen. Einen neuen 
Aufschwung nahm die Provinzpresse erst 1838 
durch die Kaiserliche Verordnung, dass die Gou- 
vernementsregierungen offizielle Organe heraus- 
geben sollten. Der nicht offizielle Teil dieser 
Zeitungen war der Geographie, Geschichte und 
Ethnographie des Bezirkes gewidmet. 

Im Jahre 1861 beginnen auch Kirchenzeitungen 
zu erscheinen. Von den gegenwärtig von Privat- 
unternehmungen herausgegebenen Zeitungen sind 
manche an Umfang und Ausstattung der Residenz- 
presse gleich, so die Odessaer, Kiewer und Char- 
kower Zeitung. Unter den illustrierten Zeitungen 
nimmt die erste Stelle die „Niwa" ein, die einmal 
wöchentlich in starker Auflage erscheint. Von 



«s* 377 «ft 



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^^^^-s*^^^^rs**fc ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE »,«• w- *r w •»sr*r.ir.jr.«*r 



den lüglichen Zeitungen sind die bekanntesten 
in St. Petersburg die „Birshewija Wjedomosti" 
(Börsennachrichtcn),die„Nowosti" (Neuigkeiten), 
der „Swjet* und die deutschen: „Herold" und 
„St.PetersburgerZeitung", inMoskau die„Mos- 
kauische* und die „Russkija Wjedomosti- (Russi- 
sche Nachrichten). 

Wenn auch das Bedürfnis nach einer populären 
Presse in Russland recht fühlbar ist, so wird das- 
selbe gegenwärtig eigentlich nur durch die Re- 
gierung befriedigt, welche die Gouvernements- 
zeitungen und die landwirtschaftlichen Zeitungen 
zu sehr geringem Preise unter das geradezu lese- 
begierige Volk bringt. 

Eine besondere Eigenart weist auch die Ent- 
wicklung des russischen Buchhandels auf. In 
dem Russland Peter des Großen waren Bildung 
und Wissen sehr wenig verbreitet, so dass man 
sich lediglich auf den Vertrieb religiöser Bücher 
beschränkte. In den ersten Jahren des IS. Jahr- 
hunderts, als die europäische Aufklärung auch 
nach Russland zu dringen begann, waren Bücher 
mehr begehrt. Allein die Nachfrage bezog sich nur 
auf russische, nicht auf fremdsprachliche Werke. 
Diese gelangten ins Land durch Vermittdung von 
Kommissionären oder durch ausländische Buch- 
händler,die in Russland domizilierten. Die kleinen 
Werke, welche Russland selbst druckte, wurden 
entweder durch die Druckereien oder durch die 
amtlichen Bureaus verkauft. Unter der Regierung 
Katharina II. kam der Buchhandel in mehr geord- 
netere Bahnen, zumal Verleger auftraten, denen 
es im Ernst darum zu thun war, die Wissenschaft 
zu verbreiten. So eröffnete ein gewisser Nowikow 
Bücherniederlagen und Lesebibliotheken, um die 
Lust an Lektüre zu wecken und ließ Agenten nach 
dieser Richtung hin in der Provinz thätig sein. 

In jüngster Zeit ist die populär-wissenschaft- 
liche Publikation sehr gewachsen, weil von vielen 
Seiten versucht wird sowohl einheimische als 
ausländische Bücher, deren Inhalt eine Verbrei- 
tung verdient, unter das Volk zu bringen. Man 
schritt zu dem Zwecke zur Übersetzung der be- 
kannten deutschen Sammelwerke, wie des Brock- 
hausschen Konversationslexikons u.s. w. 

Die Semsrwos (Landschaften) haben ihrerseits 
Bibliotheken errichtet, was für kleine Ortschaften 
von großer Bedeutung ist, wo kaum jemals ein 
Buch hingelangt, wenn nicht ein Kolporteur zu- 
fällig dorthin verschlagen wird. Die Regierung 
ist ihrerseits bemüht der Bücherverteilung Vor- 
schub zu leisten. Die Volksschullehrer haben da- 



für zu sorgen, dass mit der Schule eine kleine Bi- 
bliothek verbunden ist, um den betreffenden Ort 
mit nützlicher und guter Lektüre versehen zu 
können. Von ähnlichen Gesichtspunkten geht 
auch ein Gesetz vom 2K. Mai 1888 aus, welches 
dem Rat der Kirchenschulen vorschreibt, an den 
Schulen der Haupt- und Filialkirchen Bücher- 
sammlungen anzulegen. Gegenwärtig ist man 
sogar damit beschäftigt, auf den Bahnhöfen in Si- 
birien Bibliotheken anzulegen, zumal auf dem ge- 
samten Eisenbahnnetz Russlands derartige Ein- 
richtungen bereits getroffen sind. 

Eine besonders rege Thätigkeit nach der eben 
gekennzeichneten Richtung hin bekundet die in 
Russland bestehende .Gesellschaft zur Verbrei- 
tung der heiligen Schrift". Im Jahre 1899 ver- 
kaufte diese Gesellschaft 50000 Exemplare der 
heiligen Schrift und seit ihrem Bestehen (186.*) 
hat sie nicht weniger als 2 Millionen Exemplare 
verbreitet. In der Verteilung dieser Bücher sehen 
die damit beauftragten Personen vielfach einen 
Akt gottgefälliger Bethätigung und werden hier- 
zu nur Leute angestellt, deren Kenntnis der hei- 
ligen Schrift, Eifer, Frömmigkeit der „Gesell- 
schaft" bekannt sind. 

Die Gesamtzahl der Buchhandlungen Russlands 
beträgt etwa 3000; hiervon befinden sich 366 in 
Petersburg, 219 in Moskau und 183 in Warschau. 
Seit dem Jahre 1883 besteht in Petersburg eine 
, Gesellschaft russischer Buchhändler und Ver- 
leger", die ihrerseits eine Buchhändlerzeitung 
herausgiebt. Wie diese Zeitschrift haben auch 
andere Publikationen die Aufgabe, Neuerschei- 
nungen auf dem Büchermarkte anzuzeigen und 
bibliographische Nachrichten zu bringen. Seit 
dem Jahre 1889 existiert auch in Moskau eine 
„Bibliographische Gesellschaft". 

Ein Bild von der Ausdehnung und dem Stand 
des Buchgewerbes in Russland geben auch die 
Bibliotheken. Die ältesten Nachrichten über das 
Bibliothekenwesen Russlands sind freilich sehr 
ungenügend. Allein man wird, ohne fehlzugehen, 
behaupten dürfen, dass nach Einführung des 
Christentums die Kirchen eine Sammlung von 
religiösen Büchern anlegten. Diese Bibliotheken 
unterhielten Abschreiber, welche selbst nach Ein- 
führung der Buchdruckerkunst ihre Thätigkeit 
fortsetzten. Den Anfang und die Einrichtung 
mancher noch gegenwärtig existierenden Biblio- 
theken kann man bis in das 15. Jahrhundert ver- 
folgen, allein zu Ansehen gelangten die Biblio- 
theken erst im 17. Jahrhundert. Dank der reli- 



<*f 378 Sfe 



m.'mm.^'mmmLmwmtm. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



giösen Tendenz und der Unterrichtsweise zu jener 
Zeit sind die bedeutendsten Bibliotheken jener 
Epoche diejenigen der Klöster, der Kathedralen 
und Kirchen. 

Viel später erst gelangen profane Bücher in die 
Bibliotheken und zwar mit dem Beginn einer An- 
näherung Russlands mit dem Westen, namentlich 
mit Polen. In der Folge wurden die Kloster- und 
Kirchenbibliotheken reich mit Schenkungen der 
Moskauischen Zaren bedacht. Der Großfürst 



Wassili Iwanowitsch und der Zar Iwan IV. be- 
saßen außerdem selbst große Bibliotheken. Eben- 
so zeichnete sich die Büchersammlung des ersten 
Zaren aus dem Hause Romanow durch Reichhal- 
tigkeitaus. DieseBücherei enthielt bereits eine An- 
zahl weltlicher Bücher. Unter Peter dem Großen 
begann die Regierung profane Bücher und histo- 
rische Dokumente zu sammeln; seit der Zeit ent- 
stehen die weltlichen Bibliotheken. 

iSchluss folgt.) 



Zum neuen Urheber- und Verlagsrecht. 



IN seinem Kommentar der Gesetze, betreffend 
das Urheber- und das Verlagsrecht (Leipzig, 
Rossberg & Berger), hat Robert Voigtländer die 
Bestimmungen des neuen Gesetzes einer gründ- 
lichen praktischen und wissenschaftlichen Erör- 
terung unterzogen, deren Bedeutsamkeit einer- 
seits begründet Ist in dem aktiven Anteil, den der 
Verfasser als langjähriges Mitglied der verschie- 
denen Vorbereitungskommissionen an der Ent- 
stehung des Gesetzes gehabt hat, andererseits in 
der theoretischen und praktischen Erfahrung, die 
dem Verfasser als bewährtem Schriftsteller auf 
dem Gebiete des Autoren- und Verlagsrechtes und 
als erprobtem Verleger zur Seite steht. Diese Vor- 
züge befugten und befähigten den Verf., in erster 
Linie auf die praktische Tragweite des Gesetzes 
sein besonderes Augen- 
merk zu richten. In 
dieser praktischen Seite 
liegt denn auch der be- 
sondere Vorzug des 
Buches. In juristisch- 
technischen Fragen hat 
sich der Verfasser als 
Nicht-Jurist einer gro- 
ßen Zurückhaltung be- 
fleißigt und sich viel- 
fach darauf beschränkt 
in Form der Hypothese 
dem Juristen vom Fach 
Anregungen zu geben, 
für die ihm aufrichtiger 
Dank gebührt. Ich will 
dieser Anregung folgen 
und zwei Punkte her- 
ausgreifen, in denen ich 



die vom Verfasser in Zweifelsform aufgestellten 
juristischen Ansichten nicht teile, zwei Fragen, 
deren Bedeutsamkeit für den Buchhandel wohl 
nicht zu unterschätzen sein dürfte. 

1. In seinen Erörterungen zu $ 10 des Urheber- 
rechtes (S. 66) wirft Voigtländer die Frage auf, ob 
ein an Exemplaren eines Werkes der I.itteratur 
oder Tonkunst erworbenes Pfandrecht auch das 
Recht in sich schließe, die verpfändeten Exem- 
plare zu verkaufen. 

Voigtländer meint, dass ein solcher Verkauf 
ohne besondere Einräumung des Verbreitungs- 
rechtes seitens des berechtigten Autors bezw. 
Verlegers dem durch $ 11 des Urhebergesetzes 
gewährleisteten ausschließlichen Verbreitungs- 
rechte widerspreche; Voigtländer zieht die spezi- 



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eile Konsequenz, dass ein Buchbinder die ein- 
gebundenen Exemplare, an denen ihm für seine 
Forderung ein gesetzliches Pfandrecht gemäß 



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itm Pnjxtnffinroin 



Druck von Orr« r. Holltn in 8rr/i«. PhMoilaliofvplc von W.ZuikrUuta in Otirrrw*. 

$ 647 des Bürgerlichen Gesetzbuches zusteht, zur 
Realisierung seines Pfandrechtes nicht ohne wei- 
teres veräußern könne. 

Dieser von Voigtländer allerdings mit großer 
Reserve aufgestellten Ansicht kann nicht beige- 
pflichtet werden. Dagegen sprechen folgende Er- 
wägungen: Unbedenklich hat der Verleger das 
Recht Exemplare zu verkaufen und damit dem 
Käufer als Eigentümer das Recht zu geben, über 
die gekauften Exemplare frei zu verfügen. (Ent- 
gegenstehende Abmachungen zwischen Autor und 
Verleger und die Wirksamkeit solcher Ab- 
machungen sollen hier außer Betracht blei- 
ben.) Wie der Verleger verkaufen kann, so 
darf er selbstverständlich auch vertrags- 
mäßig Exemplare verpfänden mit der im 
Wesen des Pfandrechtes liegenden Wirkung, 
dass die Bücher beim Verfalle des Pfandes 
zur Befriedigung seines Gläubigers veräußert 
werden. Ist aber ein vertragsmäßiges Pfand- 
recht mit diesem Inhalte möglich, so ist kein 
Grund abzusehen, warum der Erwerb eines 
gesetzlichen Pfandrechtes mit gleichem In- 
halte wie es eben nach § 647 des Bürger- 
lichen Gesetzbuches den Buchbindern zu- 
steht ausgeschlossen sein sollte oder zu 
seiner Realisierung noch einer besonderen 
Zustimmung bedürfte. In der Veräußerung 
seitens des Pfandberechtigten liegt ebenso- 



wenig eine unbefugte Ausübung eines Verbrei- 
tungsrechtes wie in derWeiterveräußerung durch 
einen Käufer, der ein oder mehrere Exemplare 
vom Verleger erstanden hat. 
Denn bezüglich der ver- 
pfändeten beziehungsweise 
veräußerten Exemplare ist 
das dem Verleger aus- 
schließlich zustehende 
Verbreitungsrecht eben 
durch die Verpfändung 
beziehungsw. Veräußerung 
konsumiert und dem Käufer 
als Eigentümer ohne wei- 
teres das Recht der Verfü- 
gung über die gekauften 
Exemplare eingeräumt 
worden. Eine Kollision mit 
den Autor- resp. Verleger- 
rechten kann deshalb in dem 
Pfandverkaufe der Buch- 
binder nicht erblickt wer- 
den. 

2. Eine gewisse Verwandtschaft mit diesem Falle 
zeigt der Fall des Pfändungspfandrechtes, den 
Voigtländer bei $ 28 des Verlagsgesetzes (S.235) 
erörtert. Dort bemerkt Voigtländer: »Das Recht 
desVerlegers, seinVerlagsrecht im engeren Sinne, 
unterliegt der Pfändung. Die Bedingung der 
Übertragbarkeit ist vorhanden, denn das Verlags- 
gesetz, $ 28, Satz 1, macht diese zur Regel und 
Sau 2 enthält nur die Ausnahme. Doch ist der 
Pfändende kaum ohne weiteres zur Verbreitung 
berechtigt, sondern muss sich das Recht hierzu 



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von W. OrwU» in Uirtig. Pholo«inl«irv P * von W. Zjrarfiwn In 



380 •* 



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mmmmmmmmmmm Archiv für Buchgewerbe jrjrjrjrjrar^rjrjrjrjr 



besonders übertragen lassen." Das Pfandrecht, 
von dem Voigtländer hier spricht, hat allerdings 
einen anderen Gegenstand als das Pfandrecht der 
Buchbinder: hier handelt es sich nicht um die 
Pfändung einzelner Exemplare, sondern um die 
Rechte aus dem Verlagsvertrag. (Vgl. auch die 
zutreffende Bemerkung Voigtländers, Seite 235, 
Zeile 8.) Aber trotzdem leidet die Bemerkung 
Voigtländers an einer Ungenauigkeit. Nicht zur 
Verbreitung allein bedarf es der Zustimmung des 
Verfassers, sondern die ganze Wirksamkeit der 
Pfändung ist abhängig von der Zustimmung des 



kommen hat, der die Zwangsvollstreckung in das 
Verlagsrecht im Gegensatz zum Entwurf wesent- 
lich beschränkt, indem er die übertragbarkeit des 
Verlagsrechts in den gedachten Hüllen von der Zu- 
stimmung des Verfassers abhängig macht und da- 
mit zugleich dieZulässigkeit der Zwangsvollstrek- 
kung. Ist aber einmal die Pfändung durch die 
Zustimmung des Autors wirksam geworden, so 
hat dcrPfänder das Verbreitungsrecht kraft seiner 
Pfändung, nicht kraft der Zustimmung zur Ver- 
breitung. Denn die Pfändung erfolgt gemäß der 
$$857, S35 der Civilprozessordnung, d.h. das Ver- 




Siora Hamakantlca in Göteborg. Zinkaulolypic ron Z«rftrr»»M In Oöltborg. 



Autors, sofern es sich um das Verlagsrecht an 
einzelnen Werken handelt oder die Übertragbar- 
keit in concreto ausgeschlossen ist. Denn nur so- 
weit die Übertragbarkeit gemäß $ 28 des Verlags- 
gesetzes geht, reicht die Pfändbarkeit. Mit dieser 
Auffassung stimmen auch Voigtländers eigene Er- 
örterungen, S. 235, überein. Sein Citat der Mo- 
tive zum Urhebergesetz (S. 65, Zeile 24), das ein 
unbeschränktes Zwangsvollstreckungsrecht gegen 
den Verleger giebt, passt allerdings nicht mehr, 
nachdem $30 des Entwurfs des Verlagsrechtes in 
der Fassung des $ 28 einen anderen Inhalt be- 



lagsrecht und als integrierender Teil desselben 
das Verhreitungsrecht wird dem Gläubiger zum 
Zwecke der Ausübung übertragen, um sich durch 
den Erlös aus der Verbreitung bezahlt zu machen. 

Auf diese Art dürfte in beiden Fällen, beim 
gesetzlichen Pfandrecht der Buchbinder wie bei 
der Pfändung des Verlagsrechtes, ein der Billig- 
keit entsprechendes Resultat gewonnen sein und 
die in Voigtländers Äußerung liegende Frage an 
die Fachjuristen ihre Antwort gefunden haben. 

Dr. juris Ludwig Beer, 
PriTirdoicai in der Unirtraiiii Lcipiin,. 



Handbuch der Lithographie und des Steindruckes von Georg Fritz. 



DER als erste Autoritlt in allen Fachkreisen bekannte 
Autor ist bei diesem Werke mit einer Gründlichkeit 
vorgegangen, welche seine alles umfassende Kenntnis des 
reichen Materials im vollsten Made bekundet. Die Folge- 



richtigkeit der vorgeführten Darstellungsartcn sind in so 
logischer Weise gezeichnet, dass nicht bloß der Fachmann, 
sondern auch der Laie ohne Mühe dem Gebotenen folgen 
kann, um so mehr als zahlreiche ganz vorzüglich gewühlte 



ea» 381 «2> 



49 



>*L'm,'ai'aL'aL'aL'%L<af*L'*L'*i ARCHIV FÜR BL'CHGF.\X"ERBE jr-srarjrararjrjrjrjrjr 



und ausgeführte Abbildungen das Verständnis wesentlich 
erleichtern. Für jedermann wird ein aufmerksames Ver- 
tiefen in dieses unentbehrliche Handbuch. Verlag von tt'ilh. 




AulogranhlKhe Zeichnung tul Kornpipler Sr. 0. 



Knapp in Halle a. S., von dem bis jetzt der I. Rand in drei 
Heften abgeschlossen vorliegt, nur von großem Nutzen 
sein. 

Nach kurzer Berührung der eigentlichen Geschichte der 
Erfindung charakterisiert der Autor zuerst die bestehenden 
Druckmethoden und das eigentliche Wesen der Litho- 
graphie. Das technische Prinzip der letzteren wie des 
Steindrucks ist bis heute im wesentlichen immer dasselbe 
geblieben, mit Ausnahme der auf der Photographie basie- 
renden Methoden. Mit Stolz kann die Lithographie darauf 
verweisen, dass es eine Zeit gegeben, in welcher sie gegen 
Kupferdruck und Holzschnitt, als leistungsfähigste Repro- 
duzentin für Kunstzwecke aller Art das Feld siegreich be- 
hauptete. Künstler wie Adolf Menzel u. s. w. haben Vor- 
treffliches auf diesem Gebiete geleistet; auch Frankreich 
hat viel Schönes geboten. Mit Recht ist man daher neuer- 
dings wieder bestrebt die überausdankbare und vielseitige 
Technikder Lithographie mehr in den Dienst der wirklichen 
Kunst zu stellen. Wesentlich gefördert werden diese Be- 
strebungen vor allem durch die vom Deutschen Buch- 
gewerbeverein veranstalteten Ausstellungen. 

Aber was die Lithographie zur Zeit des scheinbaren 
Niederganges an künstlerischem Werte verlor, gewann die- 
selbe durch wunderbare Ausgestaltung des Chromofaches 
und ihrer Leistungsfähigkeit auf merkantilem Gebiete. 

Nach Erörterung der Wirkungen der Feltsubstan/en und 
diversen Chemikalien (Tusche, Cummi. Atze u.s.w.) werden 
die Lage und Einrichtung des lithographischen Ateliers, 
Heizung, Beleuchtung, aber auch diverse Einriehtungs- 
gegenstlnde als Werkzeuge, Utensilien u. s. w. eingehend 
besprochen. Es mag dieses manchem Kollegen als mehr 
oder weniger nebensächlich erscheinen, die persönliche 



Leistungsfähigkeit und das eigentliche Können ist und 
bleibt ja immer die Hauptsache, aber jedenfalls sind 
Winke eines so bewährten Praktikers über eine gute Ein- 
richtung mit größtem Dank anzunehmen. Spielt dieselbe 
doch ebenso wie gute Lithographiesteinc und deren Ersatz- 
mittel für den lithographischen Druck eine große Rolle, um 
die Erzeugnisse den jetzigen gesteigerten Ansprüchen ent- 
sprechend ausführen zu können. Gutes Material zeitigt 
gute Resultate. Noch immer dürfte der Stein selbst den be- 
sten Ersatzmitteln vorzuziehen sein, wenn es sich nur um 
den künstlerischen Wert des Druckes selbst handelt. Denn 
so wie es sich nur um die Kostenfrage, die Leichtigkeit der 
Behandlung und Aufbewahrung handelt, geht seine U'ag- 
schalc bedenklich in die Höhe. Gerade in den letzten 
Jahrzehnten hat man Vieles versucht, um den Stein zu ver- 
drängen, man hat künstliche Lithographiesteine und Glas- 
druckplatten erzeugt, Zinkplatten mit einer dünnen Schicht 
überzogen, reines entfettetes Zink, neuerdings Aluminium 
mit gutem Erfolg verwendet, alles in den verschieden- 
sten Behandlungsmethoden auch der Erfinder schon und 
ein gew isser Eberhard 1 1822) haben Versuche mit Metall- 
platten angestellt, allein ob sich der Naturstein verdrängen 
lassen wird, kann nur die Zukunft lehren. 

Speziell dem Drucker wird es sehr wünschenswert sein, 
dass am Schluss des ersten Heftes das so wichtige Atzen 
des Steines ausführlich erörtert wird. Hierbei werden 
manche höchst schätzenswerte Winke und Rezepte zum 
besten gegeben. 

Aus dem zweiten Heft, das uns die lithographischen 
Zeichnen- und Graviermanieren schildert, erhellt ganz bc- 




A«t"it'irlii'".hc Zeichnung »ut Kornpipler Nr. I. 

sonders die überhaupt große vielseitige Verwendbarkeit 
unserer vervielfältigenden Kunst für künstlerische, tech- 
nische, kommerzielle und administrative Zwecke. Es ist 
für den Fachmann von großem Interesse sich die Ergeb- 



-r .\\2 i 



■v^'M^.it.-M^^'m^'mL ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ***w**«-Kr»«r« 



nisse so reicher Erfahrungen zu eigen zu machen, um 
rationell thätig sein zu können und im heutigen Kon- 
kurrenzkämpfe siegreich zu bestehen. Je gründlicher er 
die diversen Techniken beherrscht, desto leistungsfähiger 
wird er in der Beurteilung der Herstellungskosten und 
Arten und ihrer jeweiligen Anwendung sein. Es ist meines 
Erachtens nach unumgängig notwendig, sich mit allen den 
Elementen der hier so leicht fasslich dargestellten, ver- 
schiedenen Methoden vertraut zu machen. 

DerV'erfasser behandelt die zwei grollen Gruppen Flach- 
druck und Tierdruck in seiner bekannten Weise kurz aber 
erschöpfend. Der erstcre umfasst die vielen Arten der 
Kreide-, Feder-, Pinsel-, Punktier- und Spritzmanieren in 
den mannigfachsten Abarten und manch Beherzigenswertes 
ist in klarster Weise geschildert. Hieran schließt sich der 
Im druck, und zwar der Negativ- und Positiv-Umdruck, der 
interessante Viktoriadruck sowie viele andere wichtige 
Übertragungsarten. Von besonderem Interesse ist auch 
der Überdruck mittels Kautschukvcrfahicns resp. Reduk- 
tionsapparates insbesondere für ungleichmäßige Vergrö- 
ßerungen und Verkleinerungen. 

Das Kapitel .Tiefdruck* wird mit der Handgravur er- 
öffnet, welche in der idealsten Form vor allem eine bis 
an die äußerste Grenze gehende präcisc Wiedergabe der 
Zeichnung ermöglicht. Mit dieser Manier ist man freilich 
nicht in der Lage, solche malerische Wirkungen wie mit 
der Kreide, dem Pinsel zu erzielen, viel eher mit der aus- 
führlich besprochenen .Radierung auf Stein* 1 . In welcher 
Vollendung man in dieser Art thitig sein kann, zeigt am 
besten eine Wiedergabe aus der .Pflanze" von Gerlach & 




Autofrapnitche Zeichnung luf Kornptpler Nr. 2. 

Schenk. Hierauf folgt die Herstellung von Raster- und 
Punktiertönen mittels Atzung und die Maschinengravur, 
welche erst durch die wichtige Erfindung des Lithographen 
Bernhard Dondorf ', den Diamantsplittcr in geeigneter Art 

■ *• 3 



zu fassen, ihren heutigen Höhepunkt erreichte. Mit diesem 
Verfahren stehen in innigstem Zusammenhang die höchst 
komplizierten Relief- und Guillochiermaschinen wie die 




AtlMiet'tphife'bc Zrlk'knunt aut Kompipicr Nr. 3. 



einfacherenWellen-,Strahlen-,Kreis-undLiniiermaschinen, 
welche für die Herstellung von Wertpapieren, Aktien u.dgl. 
geradezu unentbehrlich sind. Die verwickeltsten mit der 
freien Hand zwar nicht herstellbaren Komplikationen kön- 
nen auf diese Weise mit Leichtigkeit erzeugt werden. 

Im dritten Hefte werden .die lithographischen Farben- 
druckmanicren" behandelt. 

In einer Zeit, wo die photomcchanlschen Hochdruck- 
verfahren die Lithographie arg bedrängen, ist eine so 
gediegene, umfassende und so klar und umsichtig ge- 
schriebene Abhandlung, wie die vom Rcgicrungsrat G. 
Fril: über dies Thema ein wahres Bedürfnis. Nachdem 
die unumgänglichen Vorbedingungen besprochen sind, 
wird die Herstellung der Tonplatten in den verschiedensten 
Arten erörtert, namentlich das Rastrierverfahren. Diese 
Manier mit der Gelatinefolie, sowie mittels Umdruck ver- 
dient auch wirklich in Hinsicht der gefälligen Töne sowie 
der Vcrbilligung der Herstellung derselben, die vollste 
Würdigung, nicht nur für die Tonplartcnlithographic, son- 
dern für die Herstellung der Farbplatten überhaupt. Es 
lassen sich auf diese Weise nicht nur Linientöne, sondern 
punktierte und sonstige Töne aller Art mit wenig Mitteln 
und einiger Geschicklichkeit in den stärksten Nuancen er- 
zielen. 

Dies scheint überhaupt der einzige Wegzusein.um imSteln- 
druck dem Dreifarbenbuchdruck erfolgreich zu begegnen. 
Wenngleich mit dem Steindruckrasterverfahren im allge- 
meinen mit der Beschränkung auf drei Farben bei weitem 
nicht so viel erreicht wird, wie milden autotypischen Platten, 
da eben die Farbverteilung durch die Natur denn doch eine 
feinere Ist als durch die geübteste Hand eines Zeichners, 



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nBe,«,«,«.'K'K'«,'W.'ac'«,«, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararjrjrjrjrjrarjrjr 



so können doch immer recht gute Resultate erzielt werden, 
besonders zu dekorativen Zwecken und kartographischen 
Arbeiten. 

Ganz anders wirken die in freier künstlerischer Weise 
hergestellten Tonplatten, wo alte Kunstgriffe zulässig sind, 
wo Pinsel, Feder, Kreide und Schaber miteinander wett- 
eifern um die beabsichtigte malerische Wirkung zu er- 
reichen. Im Gegensatz dazu möchte ich die äußerst feine 




Umdruck von der LlchtdruckpUlte mittels L'mdruckpapicr» auf gekörntem Stein. 
Nacb einem Negativ der k. k. Graphischen Lrhr- und VcrsttchMtmaH in Wien. 



Art der Herstellung der wissenschaftlichen Arbeiten bei 
anatomischen und mikroskopischen Werken erwähnen, 
deren exakte Genauigkeit der absoluten Originaltreue noch 
heute durch Dreifarbendruck keinesfalls zu erreichen ist. 

Höchst wichtig für die Gegenwart ist die Verbindung der 
Chromolithographie für die Farbplattcn mit einem mecha- 
nischen Druckverrahren für die Konturplatte. Namentlich 
die Autotypie hat in neuerer Zeit eine ziemliche Bedeutung 
im Steindruck erlangt. Auch die gelungenen Erzeugnisse 
namhafter Kunstanstalten, welche die auf der Lichtem- 



pfindlichkeit des Asphalt beruhenden Verfahren kultivieren, 
bekunden zur Genüge, welch prächtige Resultate bei ge- 
botener billiger und rascher Massenproduktion zu erzielen 
sind. Allerdings ist diese Reproduktionsart noch einer Be- 
schränkung insofern unterworfen, als sich nicht jedes Ori- 
ginal und noch weniger eine direkte Naturaufnahme zur 
Wiedergabe eignet, jedoch bei unserm emsigen Wciter- 
streben und fortgesetzten Experimentieren werden ja auch 
diese Schranken bald fallen. 

Die ungemein praktische Wichtigkeit 
der Verbindung von Chromolithographie 
mit Lichtdruck bezw. Heliogravüre be- 
dingte eine längere Ausführung dieser 
äußerst vornehme Wirkungen erzielen- 
den Reproduktionsarten. Den Schluss 
der bis jetzt fertigen drei Hefte des 
1. Bandes bilden für den ernsten Fach- 
mann sehr beherzigenswerte Winke be- 
treffs der Farben und Farbenlehre. Es ist 
unerlässlieh für den Lithographen so- 
wohl wie für den Drucker sich gründ- 
liche Kenntnisse über die Farbstoffe, 
deren Ursprung, technische Eigenschaf- 
ten, Empfindlichkeit u. s.w. anzueignen 
inj dazu bietet dies Werk die bequem- 
ste, beste Gelegenheit. 

Allen Heften sind eine ganz erkleck- 
liche Anzahl ganz herrlicher Tafeln bei- 
gegeben, welche sämtliche in der Litho- 
graphie und im Steindruck vorkommen- 
den Techniken in zweckdienlicher Weise 
veranschaulichen. 

Betrachtet man nun die Fülle des Dar- 
gebotenen im ganzen, so gewinnt man 
die Überzeugung, dass das vorliegende 
Prachtwerk sein Thema in einer noch 
nicht dagewesenen Gründlichkeit und 
Fachkenntnis erschöpft. Der Zweck des- 
selben, dem Fachmann wie dem Laien 
ein nie im Stich lassender Ratgeber zu 
sein, wird ebenso durch die klare, durch- 
aus leicht verständliche Art der Dar- 
stellung wie durch die vielen Illustra- 
tionen wesentlich gefördert. Der durch- 
schlagende Erfolg desselben wird unaus- 
bleiblich sein. Es ist zu hoffen, dass die 
darin erläuterten Theorien, die zum Teil 
nicht überall bekannt sind, in der Praxis 
verständnisvolle Anwendung und Ver- 
breitung finden werden. Ein besseres Denkmal konnte 
Seneftider nicht gesetzt werden. 

Allen Jüngern der „Lithographie" ist bekannt, dass der 
Verfasser mit seinen vorzüglichen Fachkenntnissen wesent- 
lich dazu beigetragen hat. die Kunst Alois Senefelders wei- 
teren und größeren Zielen zuzuführen, das Niveau ihrer 
Technik zu heben. Mit Spannung sehen wir dem II. Bande 
entgegen, der Steindruck, Photographie, Lichtdruck, Zink- 
und Aluminiumdruck enthalten wird. 

Leipzig. Direktor C. Schlieper. 



cJ» 384 Ito 



Diaiti 



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Johannisfest-Drucksachen. 



WEM Gelegenheil geboten ist, die anlässlich der dies- 
jährigen Johannisfeiern hergestellten Drucksachen 
einer näheren Betrachtung zu unterziehen, wird die Wahr- 
nehmung machen, dass die .Moderne Richtung" nunmehr 
in die meisten Tempel Gutenbergs ihren Einzug tu halten 
sich ernstlich bemüht. 

Lisst die ästhetisch richtige Anwen- 
dung des neuen Ziermaterials trotz der 
zahlreichen belehrenden und aufklären- 
den Abhandlungen sowie der vorbild- 
lichen Satzhcispiclc in der Fachpresse 
noch viel zu wünschen übrig, so ist dies 
zum großen Teil darauf zurückzuführen, 
dass dem Accidenzsctzcr resp. Drucker 
in manchen Orten wenig oder gar keine 
Möglichkeit gegeben ist, mit seinen Kol- 
legen anderer Offizinen in technischen 

Meinungsaustausch zu treten, um auf 
diese Weise Anregung zu neuen Ideen so- 
wie frischer Schaffenskraft zu erhallen. 

In verschiedenen Druckstädten haben 
die Fachgenossen diesem Bedürfnis be- 
reits Rechnung getragen und sich zu 
fachtechnischen Vereinen zusammenge- 
schlossen. Neben den vier ältesten und 

angesehensten derselben, zu Berlin, 
Leipzig, München und Stuttgart, haben 
sich in den letzten Jahren noch mehrere 
derartige Vereine gebildet, so dass ihre 
Zahl gegenwärtig in Deutschland etwa 
15 betragen dürfte. Der bildende und 
fördernde Einfluss, den derartige Gesell- 
schaften auf ihre Angehörigen ausüben, 
dokumentiert sich augenfällig auch an 

den diesjährigen Johannisfcst-Dmck- 
sachen. Gerade diejenigen, die ihre Ent- 
stehung den Wettbewerben unter Mit- 
gliedern typographischer Vereinigungen 
verdankten, müssen wir als die gelungen- 
sten bezeichnen. 

Die trefflichen Resultate, welche diese 
Preisausschreiben gezeitigt haben, dürf- 
ten für manche Ruchdrucker- Korpora- 
tion ein gutes Beispiel sein. 

Gerade die Johannisfest -Drucksachen 
dürfen als Merkstcinc der fortschreiten- 
den Entwickelung der deutschen Typographie angesehen 
werden, wird doch bekannterweise auf ihre Herstellung die 
größte Sorgfalt unter Benutzung des neuesten Materials 
verwendet. 

Man kann die Fesldrucksachen zurCedenk-Fcicr unseres 
Altmeisters in sieben Gruppen einteilen: I. Einladungs- 
Cirkulare, 2. Teilnehmer- resp. Fcstkartcn, 3. Programme, 
4. Festlieder, 5. Festzeitungen, 6. Erinnerungsblätter, 7. Fest- 
Postkarten. Welch' eine Fülle von Anschauungsmaterial 
für den strebsamen Selzer wie Drucker weist eine Samm- 
lung dieser Arbeiten auf. Wenn man zwischen ihnen Ver- 
gleiche anstellt, so wird man oftmals die Wahrnehmung 
machen, dass Arbeiten, in zehn und mehr Farben gedruckt. 



trotz ihres farbenschillcrnden Gewandes bei weitem nicht 
die Wirkung erreichen, die andere, mit nur zwei Farben 
auf einem getönten Papier, hervorbringen. Auch in Be- 
zug auf die moderne Zeilcngruppierung muss konstatiert 
werden, dass nurwenige Drucksachen nach dieser Richtung 




Direkter l.'mdruck van einer mit Kuntelkarn präparierten Lichtdrurkplaltc. 
Nach einem Negativ der k. k. Graphit«)»» Lehr- und Veraucheanilall in Wien. 



bin wirklich Gutes aufweisen. Die Mehrzahl kann sich eben 
immer noch nicht von der von alters her üblichen Titelform 
trennen. Andererseits aber sucht man unter Anhäufung 
von Zeilenfüllstücken sowie schlechter Wortieilungcn den 
Text in eine viereckige Form zu zwängen, was jedem 
Schönheitsgefühl Hohn spricht. Einige ganz vortreffliche 
Leistungen der vorliegenden Johannisfest -Drucksachen 
mögen namhaft gemacht werden. 

Von den Programmen verdient das Darmstädter die Zen- 
sur 1. Umrahmung violett und grün; Text (aus der„Eckmann" 
gesetzt) braun. Der von Paul Lang in Obertürkheim stam- 
mende Entwurf ist Heft 10 von .Deutsche Kunst und Deko- 
ration" entnommen. (Druck: J. C. Herbertsche Hnfbuck- 



<f4t 385 M 



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-i*^-s^-tt.~*.-v,^-*,m<m ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE »J^,w\».Jr.»\«\^,ie.«-3* 



druckerei in Darmstadt). Dieser Drucksache ebenbürtig 
ist das Görlitzer Festprogramm, ein stattliches Heft in 
kl. 4" mit wirkungsvollem Umschlag. Originell und schön 
ist der Gedanke, dass man dem Text die Abbildungen der 
Gutenberg-Denkmäler zu Frankfurt, Straßburg und Wien 
(weshalb nicht auch das Mainzer?» sowie Ansichten von 
Görlitz in sauber gedruckten Autotypien beigefügt hat. 
Auch der Text, durchweg aus einem Scbrifteharakter. ist 
von äußerst ruhiger, vornehmer Wirkung (Entwurf: Faktor 
Th. Bikel; Druck: Hoffmann lr Reiher in Görlitz!. Eben- 
falls in Heftform, iedoch in Querformat, präsentiert sich 
das Programm des Essener Buchdruckervereins, dessen 
Titelseite eine effektvolle Leiste in Dreifarbendruck ziert 
(Druck: Boeckling fr Müller, Essen). Als letztes unter den 
Programmen möge das Mannheimer wegen seiner guten 
Wirkung bei größter Einfachheit in der Satztechnik hier 
angeführt sein. Edellinien-Umrahmung oliv, Schrift rot 
auf hellgrünem Papier «Druck: Dr. Haassc he Druckerei in 
Mannheim). 

Dass die Jünger Gutenbergs allerorts den edlen Gesang 
pflegen, bezeugen die auch diesmal wieder zahlreich vor- 
liegenden Festlieder. Breslau hat deren allein 6 aufzu- 
weisen, die zudem sämtlich eine mehrfarbige moderne Aus- 
stattung zeigen, was von den übrigen Liedern aus anderen 
Orten nicht zu berichten ist. Ihre technische Ausführung 
ist zumeist eine nüchterne, um nicht zu sagen dürftige, und 
entspricht keineswegs der Bedeutung des Tages, für welchen 
sie bestimmt sind. Eine rühmliche Ausnahme macht noch 
das den zum Görliizer Johannisrest versammelten Buch- 
druckern seitens der Filiale Warnsdorf i. B. gewidmete 
Tafellied, das wegen seiner besonders gefälligen modernen 
Ausstattung wohl jeder Drucksachensammlung gern ein- 
verleibt zu werden verdient (Druck: Ed.Slrache, Warns- 
dorf i. B.). 

Auch die Johannisfest 'Zeitungen weisen gar nichts Ori- 
ginelles in der technischen Herstellung auf. Sie liegen 



meist in Quart-Format vor und machen durchgängig den 
Eindruck eines Provinzblättchens, nur dass ihr Satz (viel- 
mals wohl infolge Stoffmangels) splendider gehalten ist. 
Und doch ließen sich auf diesem Gebiete, sei es bezüglich 
des Formates oder des Satzarrangements, ganz andere Re- 
sultate erzielen. Schon ein eigenartig entworfener Zeitungs- 
kopf trägt viel dazu bei, diese Art Festdrucksachen aus dem 
Alltäglichen hervorzuheben. 

Wer den Festtcilnchmern ein Erinnerungsblatt widmet, 
muss damit etwas ganz Besonderes bieten, andernfalls 
würde es wohl niemand der Mühe wert halten, diese 
Souvenirs, die meist nur Angaben über Ort und Datum 
des Festes, sowie eine Widmung, manchmal auch alszwcites 
Blatt ein auf die Johannisfeier bezügliches Gedicht ent- 
halten, aufzubewahren. Zwei prächtige Arbeiten dieser 
Kategorie sind die altdeutsche, vom Braunschweiger Be- 
zirksverein im V.d.D.B. gestiftete Erinnerungskarte (Druck: 
George Westermann, Braunschweig), sowie das moderne mit 
Dreifarbendruckbildchen gezierte Erinnerungsblatt der Mit- 
gliedschaft Zittau (Druck: Moritz Böhme, Zittau). 

Nach dieser kurzen Besprechung einiger hervorragender 
Druckerzeugnisse gelegentlich des Johannisrestes sei noch 
auf das neuerdings immer mehr um sich greifende Be- 
streben mancher Accidenzsetzer hingewiesen, vorliegende 
Schriftgießerei -Erzeugnisse, als Ornamente, Vignetten 
u. s. w. mittels des Tonplattenschnittes zu kopieren. Was 
wohl ein Schriftgießerei -Besitzer beim Anblick solcher 
stümperhafter Nachbildungen seines oft unter Aufwendung 
heträchtlicherGeldkosten hergestellten Vignetten-Materials 
empfinden mag? Eine derartige Vcrwcndungdes Tonplatten- 
schnitts geht entschieden zu well und ist meistenteils ge- 
eignet, die Wirkung einer sonst tadellosen Drucksache zu 
verderben. Da auch unter den Johannisfest-Beiträgen Nach- 
ahmungen in der angeführten Weise anzutreffen sind, er- 
schien es angebracht, diesen Übelstand einmal zur Sprache 
zu bringen. A.-Z. 




Die Erfindung der Galvanoplastik. 



ZUM 21. September, dem 100. Geburtstage Moritz Her- 
mann v.Jacobis, des Erfinders der Galvanoplastik, 
hat die ^Galvanoplastik', G. m. b. H. in Berlin ihren Ge- 
schäftsfreunden eine von Herrn Otto Schlotke verfasste 
Broschüre gewidmet. Die äußere Ausstattung in modernem 
Gewände wie der Satz - auf der Monoline-Zeilen-Gieß- 
maschinc hergestellt — lässt nichts zu wünschen übrig. 
Aber auch der Text verdient unsere aufrichtige Anerken- 
nung. Wir entnehmen demselben folgende interessante 
Stelle: 

.Sehr eifrig beschäftigte sich um die Zeit Id. h. 1840» mit 
galvanoptastischen Versuchen der bekannte Gründer und 
Herausgeber des Journal für Buchdruckerkunst* Dr. Hein- 
rich Meyerin Braunschweig, der in dem Jahrgang IS4I seines 
Bialtes eine ausführliche Schilderung seiner Erfahrungen 
giebt. Diese Folge von Artikeln, welcher auch eine Probe 
der erzielten Galvanos in Gestalt eines Weinetiketts und 
einer Schriftzeile beigedruckt ist, darf als die erste fachzeit- 
schriftliche Publikation auf diesem Gebiet gelten und die 



im .Journal" abgedruckten Galvanos sind wohl mit als die 
frühesten in Deutschland überhaupt angefertigten galvano- 
plastischen Reproduktionen für Buchdruckzwecke zu be- 
zeichnen. Es ist charakteristisch für den weiten Blick 
Meyers, dass er neben den Vorteilen, welche die Galvano- 
plastik dem Gewerbe bringen musste, schon damals auch 
die Schattenseiten gleich erkannte. Er sagt nämlich dar- 
über: ,Wenn auf der einen Seite ohne Zweifel den Schrift- 
gießereien die Möglichkeit gegeben Ist, auf eine billige 
Weise ihre Zierschriftcnsortimcntc, welche ihnen gerade 
die meisten Kosten verursachen, zu vergrößern, so hat die 
Galvanoplastik auf der anderen Seite freilich im Gefolge, 
dass der Graveur bei dem Nichtvorhandensein ausreichen- 
der Gesetze über Kontre-Facon der Reproduktion seiner 
Erzeugnisse auf galvanischem Wege gänzlich preisgegeben 
ist, und dieser wird er in Zukunft nur entgehen können, 
wenn er sich bei einer neuen Arbeit durch Subskription 
sicherzustellen weiß.' In der That stand später ja der 
Raub durch Galvanoplastik bei einem Teil der Schrift- 



«a» 386 *2» 



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mm,'*L'*L'*L'*L'*i'*L'*mm, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararararjrarjrarirArjr 



gießereien, die ein .Minimum neuer Schriften kauften und 
dieselben dann abgalvanisierten, längere Zeil an der Tages- 
ordnung, bis das .Musterschutzgesetz diesem .Missbrauch 
ein Ende machte. Heute wirkt die Galvanoplastik auch auf 



diesem Gebiet nursegensreich und hat sich für den Schrift- 
gießer zu einer unentbehrlichen Hilfstechnik entwickelt, 
die wesentlich zu einer Verbilligung der größeren Orna- 
mente und Schriften beigetragen hat." 



Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein. 



DAS ßuchgewcrbcmuscum hat im September außer 
der schon erwähnten Ausstellung künstlerisch be- 
handelter kleinerer Privatdrucksachen neue Ausstellungen 
nicht gebracht, dagegen sind größere Erwerbungen für die 
Bibliothek und die Sammlungen zu verzeichnen. Von Lunois 
wurden eine Anzahl der interessantesten Blätter erworben. 
Und auch aus der Orlikausstellung konnten wichtige Ar- 
beiten dem Besitz des .Museums eingereiht werden. 

Die Ausstellung graphischer Erzeugnisse aus Österreich- 
Ii ngarn, die am 10. September unter Führung des Direktors 
von einer stattlichen Anzahl der hierzu eingeladenen Mit- 
glieder des Deutschen ßuehgew erbevercins und sonstiger 
Freunde des Buchgewerbes besichtigt wurde, hat in Fach- 
kreisen großen Beifall gefunden. Eine gute sachliche 
Würdigung findet sich im Börsenblatt Nr. 227 128. Septem- 
ber 1901). Was das dort erwähnte Fehlen einiger wichtiger 
Anstalten, insbesondere der k. k. Hof- und Staatsdruckerci 
anlangt, so können wir verraten, dass dies besondere 
Gründe {Zusammentreffen mit der Ausstellung in Weimar 
und anderes) hatte, dass aber insbesondere die k. k. Hof- 
und Staatsdruckerei, die 

den Bestrebungen des 
Deutschen Buchgewerbe- 
Vereins sehr sympathisch 

gegenübersteht, bereits 
eine gelegentliche Sonder- 
ausstellung ihrer Erzeug- 
nisse im Buchgewerbe- 
hause zugesagt hat. Er- 
freulicherweise konnte 
auch von dieser Ausstel- 
lung ein wesentlicher Teil 
in den Besitz des Muse- 
ums überführt werden, 
wovon später zu berichten 
iti. 

Mit dem 1. Oktober ist 
am Museum Herr Dr. //uns 
Michael als wissenschaft- 
licher Hilfsarbeiter einge- 
treten, so dassnun begrün- 
dete Aussicht besteht die 
letzten noch notwendigen 
Ordnungs- und Ergän- 
zungsarbeiten im Laufe 
Je«, Winters bewältigen zu 
können. Mit dem Beginn 
des Herbstes traten an den 
Verein auch wieder ver- 
schiedene Anfragen nach 



Montt Htrmjnt r. Jecokt. 
f-linJrr dtr Galvionplastik. Geb. *m 21. IX. IN». get, ,m 10. III. IS74. 



Vortrügen heran. Der Deutsche Buchgewerbeverein be- 
fruchtet es als eine seiner Hauptaufgaben auch in dieser 
Hinsicht möglichst nach allen Seiten zu wirken. Soweit es 
immer geht, soll den Wünschen der graphischen und der 
Kunstgewerbe-Vereine entsprochen werden. So sprach der 
Direktor des ßuehgewerbemuseums in Elberfeld vor dem 
Verein für lateinloses höheres Schulwesen über: „Neuen 
künstlerischen Wandschmuck für die Schule". Vorträge in 
Leipzig, Berlin, Halle, Ottenbach, Frankfurt, Danzig, Kö- 
nigsberg sind in Aussicht genommen, ja großenteils schon 
fest zugesagt. 

Am 22. September wurde die in dem letzten Hefte bereits 
erwähnte hochinteressante Ausstellung von japanischen 
Farbendrucken eröffnet, die ein ziemlich abgeschlossenes 
Bild über die Entwickelung des japanischen Farbenholz- 
Schnittes von 1675 1850 giebt. Die Blätter sind zum 
größeren Teil aus den Sammlungen des Herrn S. Hing in 
Paris, einige Drucke stammen aus den Sammlungen des 
Kaiser-Wilhelm-Museums in Krefeld. Leider konnte die Aus- 
stellung nur auf 4 Wochen erfolgen. Wir werden über die- 
selbe im Weihnachtshcft 
ausführlich berichten. 

Am 5. Oktober wurde vor 
einem engeren Kreise Ge- 
ladener die Wander- 
ausstellung des Deutschen 
Buchgewerbe Vereins:. Die 
Kunst im Leben des Kin- 
des" eröffnet. Der I. Vor- 
steher, Herr Dr. L. Volk- 
mann, begrüßte die Anwe- 
senden, unter denen sich 
Vertreter der Behörden, 
der Lehrer- und Künstler- 
Schaft, sowie des Buchge- 
werbes befanden, und be- 
tonte, dass der Deutsche 

Buchgewerbeverein 
gerade auf diese Aus- 
stellung besonders großen 
Wert lege, da er glaube, 
mit dieser Veranstaltung 
in eine Frage von hoher 
kultureller Bedeutung ein- 
greifen zu können. Die 
Ausstellung sei im März 
d. J. zuerst in Berlin von 
einem Ausschuss durch- 
geführt worden und habe 
dort einen überraschend 




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wmmmmmmmmtmmm Archiv für Buchgewerbe arararjrjrarjrjrjrjrjr 



durchschlagenden Erfolg in allen ihren Teilen aufzuweisen 
gehabt. Der Deutsche Buchgcwcrbcvcrein habe sie in er- 
weiterter Form als Wanderausstellung neu eingerichtet, 
um sie von hier aus nach anderen Städten Deutschlands und 
Österreich-Ungarns weiterzuführen und so den weitesten 
Kreisen zugänglich zu machen. Für die wohlgelungene 
Veranstaltung gebühre vor allem den Herren des Berliner 
Ausschusses, '-«.w ie den Verlegern, die sich Ii erbei be- 
teiligten, der herzlichste Dank. Nachdem der Redner noch 
über die Frage der künstlerischen Erziehung des Kindes 
gesprochen, sowie darauf hingewiesen hatte, dass wöchent- 
lich volkstümliche Führungen durch die Ausstellung für 
Erwachsene und Kinder stattfinden. lud er zur zwanglosen 
Besichtigung der ausgestellten Werke ein. Die Anwesenden 
besichtigten mit reger Anteilnahme die einzelnen Blätter, 
Bücher und Kinderzeichnungen, dabei über das Gebotene 
ihre volle Anerkennung aussprechend. Die hochinteressante 
Schaustellung enthält 202 deutsche, 2ii englische und 32 
französische Blätter, die sich in erster Linie als künst- 
lerischer Wandschmuck für Schule und Haus geeignet er- 



weisen. Besondere Beachtung fanden neben den fran- 
zösischen und englischen Bildern, deren Güte schon längst 
bekannt ist, die künstlerischen Steinzeichnungen (Original- 
lithographien) aus dem Verlage von fl. Ii. Teubner und 
R. l'oiglländer in Leipzig. Aus Deutschland liegen 1 A3 
Bilderbücher und Bilderwerke vor, unter denen manches 
Gute zu finden ist. Leider aber muss unser Vaterland 
gegenüber den englischen (74) und französischen OD 
Bilderbüchern doch noch sehr zurückstehen. Auch Däne- 
mark. Holland. Norwegen, Österreich und Schweden sind 
mit prächtigen Kinderbüchern vertreten. Den Schluss der 
Ausstellung bilden 2M) Kinderzeichnungen, die zum Teil 
die Beobachtungsfähigkeit und Bcobachtungswillcn des 
Kindes zeigen, zum Teil Anregung zu einem neuen Zeichen- 
unterricht geben sollen, zum letzten Teil aber die Schädlich- 
keit des Zcichcnnctzcs beweisen. Ein ausführlicher Ka- 
talog liegt vor und ist käuflich zu haben. 

Am 10. November 1901 wird die diesjährige Wcihnachts- 
ausstcllung eröffnet werden, auf deren Beschickung und 
Zusammenstellung wir noch zurückkommen werden. 



Patentwesen, neue Erfindungen und Verbesserungen. 

Mitgeteilt vom Patentanwalt PAUL MÜLLER in Berlin NW. 

DEUTSCHE Patente. Nr. 120723. Typenablegevorrich- richtung, bei welcher die abzulegenden Typen mittels eines 
tung, bei welcher die abzulegenden Tvpen mittelscines durch Typentasten bewegten Auswerfers nach einander in 
durch Typentasten bewegten Auswerfers nach einander in einen Abführungskanal geführt werden, ist dadurch gekenn- 




einen Abführungskanal geführt werden. The Tuhometer F.ngi- zeichnet, dass jedeType zunächst in eineTypengruppierungs- 
neeringC.ompany Limitcdin London. EincTypcnablcgcvor- Vorrichtung geführt wird, welche mit Weichenzungen ver- 



388 



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-»r,*,-w,-w J -ai-i*'W,~, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jr»ww.irM*r3r;)rarar< 



sehen ist, die zwar durch die Tasten gestellt werden, aber 
nicht /wangläufig mit ihnen verbunden sind, und durch 
welche die ausgeworfenen Typen in Gruppen geteilt und 
alle zu einer Gruppe gehörigen Typen in eine feststehende 
Trennungsvorrichtung geleitet werden, die sie selbstthätig 
voneinander sondert, so dass man jede Typentaste loslassen 
kann, gleich nachdem die ausgeworfene Type in den in der 
Gruppiervorrichtung für sie bestimmten Kanal gelangt ist, 
wodurch ein schnelleres Arbeiten der Vorrichtung mit Er- 
folg ermöglicht ist. 

Die Hauptgruppierungsvorrichtung ist mit Weichen- 
zungen S versehen, die mit Bezug auf die Typentasten / so 
angeordnet sind, dass sie nur bei der Abwirtsbewegung 
der Typentasten bewegt werden, sodass die Weichenzungen, 
nachdem sie durch Drucken einer Typentaste in die zur 
Bildung des Hauptablegekanals 4 nötige Stellung gerührt 
sind, durch den Rückgang derTaste nicht becinflusst werden. 

Die feststehende Typentrennungsvorrichtung hat eine 
Reihe von Hauptcinlasskanälcn 9, welche für den Eintritt 
der verschiedenen voneinander zu trennenden Typen jeder 
Gruppe dienen und in verschiedenen Teilen ihres Verlaufes 
verschiedene, den Dicken der zu trennenden Typen ent- 
sprechende Tiefen haben, und welche mit Zweigkanälen, 
die von dem Hauptkanal an Punkten ausgehen, woselbst 
die Kanalliefe sich indert, sowie mit Ablenkvorrichtungen 
zwischen den Haupt- und Zweigkanälen versehen sind, wo- 
durch die in die Vorrichtung eingeführten Typen jeder 
Gruppe beim Hindurchfallen selbstthltig voneinander ge- 
trennt und in gesonderte Kanäle geleitet werden. 

Nr. 120726. Vorrichtungan Druckmaschinen zum Ablegen 
einzelner Bogen aus Papier, Pappe, Metall oder dergl. 



Bohnfr Herber in Wäriburg. AnderVorrichtunganDruck- 
maschinen zum Ablegen einzelner Bogen aus Papier, Pappe, 
Metalt oder dergl. schließt sich an eine feststehende Aus- 
führbandleitung eine den Ablegetisch teilweise überragende 
schwingende Bandleitung an, welche letztere in gesenkter 
Lage den Ihr von der feststehenden Bandleitung zugeführten 
Bogen weiterführt und das dabei frei überschießende, er- 
forderlichenfalls gegen einen Anschlag geführte vordere 
Bogencndc teilweise ablegt, während das hierbei auf der 
Bandleitung noch verbleibende hintere Ende des Uogcn^ 
behufs Ablcgens des ganzen Bogens dadurch frei wird, dass 
die schwingende Bandleitung hochschwingt und sich dabei 
unter dem hinteren Ende des zurückgehaltenen bezw. vor- 
geschobenen Bogens vorzieht, derart, dass der Bogen um- 
gewendet und auf der obersten Seite unberührt von der 
festen Bandleitung auf den Ablegetisch gelangt, welcher er- 
forderlichenfalls nach Maßgabe des sich auf ihm eventuell 
unter Durchschießung mit Makulaturbogen sammelnden 
Stoßes allmählich gesenkt wird, um die Bedingungen für 
das gleichförmige Ablegen dcrcinzclnen Bogen unverändert 
zu erhalten und Abschmutzen zu verhindern. 

Nr. 120728. Vorrichtung an Cylinderschnellprcssen zur 
Erziclung eines genauen Registers durch die Vordermarken. 
Firma Koenigs Bogenanleger, G. m. b. H., in Guben. Eine 
Vorrichtung an Cylinderschnellprcssen zur Erzielung ge- 
nauen Registers ist dadurch gekennzeichnet, dass während 
des Stillstandes des DruckcylindcrsdieVordermarkenstange 
mittels zu beiden Seiten angeordneter Arme G fest an An- 
schläge E des Druckcylinders gestützt wird, so dass die 
Vordermarken immer die genaue Stellung auf dem Cylinder 
einnehmen müssen. 



Aus den graphischen Vereinigungen. 



Berlin. In der Sitzung der Typographischen Gesellschaft 
am 10. September wurde zuerst des Hinscheidens zweier 
verdienter Männer, des Ingenieurs Herrn Ernst H'entscher 
und des Herrn Dr. Ernst Voget gedacht. Der erstcre war ein 
langjähriges Mitglied der Gesellschaft und weiteren Kreisen 
des Buchdruckgcwerbcs auchdurch seine Versuche bekannt, 
einen brauchbaren automatischen Anlegcapparat zu bauen; 
der letztere wirkte durch seine anerkannten Arbeiten auf dem 
Gebiete der Photographie in hervorregender Weise bahn- 
brechend für die Technik des Dreirarbendruckes, worüber 
er auch in der Typographischen Gesellschaft einen instruk- 
tiven Vortrag gehalten hat. Dem typographischen Kunst- 
gewerbe stand er übrigens auch dadurch näher, dass er 
Teilhaber der auf chemigraphischem Gebiete angesehenen 
Firma Georg Büxenstein fr Comp. war. Die Versammlung 
ehrte die Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. 
An Eingängen sollen der Bericht üher die vorjährige Guten- 
bergfeier in Mainz und eine Festschrift des Berliner Rudcr- 
vercins genannt werden: die letztere, aus Anlass des 
25jährigen Bestehens des genannten Vereins von dem 
Mitgliede desselben Herrn Buchdruckereibesitzer Maxi- 
milian Mori: verfasst, war in geschmackvoller Ausstattung 
von der Berliner Firma Morit& Kummer ausgerührt worden. 



Über die Berliner Buchgewerbesaal - Angelegenheit 
konnte berichtet werden, dass die Summe der für die 
nächsten fünf Jahre zugesagten Beiträge bereits auf 3140 M. 
jährlich angewachsen sei, so dass das Unternehmen voll- 
kommen gesichert ist. An Stelle eines Vortrages, der 
durch Behinderung des betreffenden Mitgliedes zurück- 
gestellt werden musste, brachte der Vorsitzende auszugs- 
weise ein umfangreiches Manuskript eines Herrn David 
Haering aus Leipzig zur Verlesung, das sich unter dem 
Motto .Mehr Deutsch weniger Künstelei" mit dem 
allerdings oft jämmerlichen Deutsch befasst, das in den 
mancherlei Accidenzarbeiten, Zeitungsinseraten. Buch- 
händlcrcirkularen, Festdrucksachen u. s. w. leider viel- 
fach anzutreffen ist. Der Verfasser bringt dafür zahl- 
reiche Beispiele zur Sprache, die dem Zuhörer oft ein 
mitleidiges Lächeln erwecken. Nun kann man der geübten 
Kritik in allen jenen Fällen rückhaltlos zustimmen, in denen 
der Drucker für die Sprachsünden allein die Schuld trägt, 
muss jedoch diejenigen Fälle ausschalten, wo der Wille 
des Auftraggebers entscheidend ist. Ein besonders drasti- 
sches Beispiel brachte dafür ein Redner in der anschließen- 
den Diskussion zur Kenntnis der Mitglieder, wonach ein 
alter Generalarzt a. D. für ein von ihm verfasstes Werk eine 

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Vorrede schrieb, die bei einem Umfang von 42 Zeilen 
Korpus Antiqua auf 6 Konkordanz aus einem einzigen Sali 
bestand, der natürlich aus einer sinnverwirrenden Zahl von 
Perioden zusammengesetzt war. Der Verfasser bestand 
darauf und so wurde das Monstrum denn auch wirklich ge- 
druckt. — Unter .Technische Fragen" gelangten der neue 
Kleim & Ungerscbe Bogenanlcgcapparat, dann eine von der 
Maschinenfabrik A.Hamm A.-ü. in Heidelberg gebaute Viel- 
farbendruckmaschine nach Gr*7Aschcm System, wobei 
ein auf dem Fundament montierter Farbenblock so vielerlei 
Farben, als er enthält, an eine Gummiwalzc und von dieser 
an das zu bedruckende Papier abgiebt, und schlieUlich die 
von der Deutschen Buchdrucker- Berufsgenossenschaft 
prämiierte Schutzvorrichtung an Tiegeldruckpressen zur 
Erörterung, wobei besonders die letztgenannte Preisver- 
teilung einiges Kopfschütteln erregte, da die Anbringung 
der prämiierten Schutzvorrichtung einen völligen Umbau 
der Tiegeldruckpressen herbeiführen würde; auch wäre 
noch abzuwarten, ob die Gefahr dann nicht eine höhere 
sein würde, als bisher. Oic Praxis hat hier das letzte 
Wort. 

Die zweite Scptembcrsitzung brachte eine Fülle tech- 
nischer Neuheiten und Anregungen, trotzdem ein selb- 
ständiger Vortrag auT der Tagesordnung fehlte. Zunächst 
nahm Herr Stadthagen, ein anerkannt tüchtiger Fachmann 
und langjähriger technischer Leiter der bedeutenden 
Sittenfetdschcn Buchdruckcrci in Berlin, Veranlassung, 
über die von ihm erfundene und ihm patentierte „Kombi- 
niertc Schnellpresse zum gleichzeitigen Druck von der 
Rolle und zum Anlegen einzelner Bogen" einige Erläute- 
rungen zu geben. Wie die vorliegenden Abbildungen 
zeigen und wie auch der Name besagt, handelt es sich 
um eine Schnellpresse, und zwar eine Zwcitourcn-Ma- 
schine, die in der Weise .kombiniert* ist, dass zwei ver- 
schiedene Flachdruckformen nebeneinander auf dem Fun- 
dament angeordnet sind, wobei der einen Form als Schön- 
druck das Papier automatisch von einer Rolle zugeführt 
wird, während die Bogen für die andere Form als Wieder- 
druck mit der Hand angelegt werden müssen. Der Druck 
erfolgt für beide Formen gleichzeitig von einem Cylindcr, 
woraus hervorgeht, dass gegebenen Falls auch das Papier 
für den Schöndruck mit der Hand angelegt werden kann. 
Die erste der kombinierten Schnellpressen, in welche jede 
Zweitouren -Maschine durch die Firma KAnig t> Hauer für 
etwa 4000 M. umgebaut werden kann, arbeitet schon seit 
längerer Zeit ohne Störung in der Stffcn/WJschen Offizin. 
Ein neues Prinzip hat Herr Stadthagen mit seiner kombi- 
nierten Schnellpresse nicht aufgestellt, vielmehr hundelt 
es sich im wesentlichen um eine in Drucksälen allerdings 
stets willkommene Ersparnis an Arbeitskräften; auch da- 
für gebührt ihm Dank und Anerkennung. — Unter Hinweis 
auf die Debatte über Schutzvorrichtungen an Tiegeldruck- 
pressen in der letzten Sitzung wurde weiter von einer neuen 
Art von Tiegeldruckpressen berichtet, die jüngst hier in 
der Buchdruckerei von Brinkmann im Betrieb vorgeführt 
wurde. Wie Teilnehmer an der Besichtigung versicherten, 
erscheint die neue Tiegeldruckpresse berufen, die Frage des 
Schutzes der gesunden Gliedmaßen der Arbeiter und Ar- 
beiterinnen an Tiegeldruckpressen mit einem Schlage und 
auf die gründlichste Weise zu lösen. Es ist nämlich ge- 
lungen, diese neue Tiegeldruckpresse mit einem Apparat 
auszustatten, der die Bogen (zunächst bis zur Quartgröße) 



sclbstthätig ein- und ausführt. Das Einlegen der Bogen er- 
folgt nach der bereits bewährten Methode des Ansaugens 
und Kniehebelführung, während das Auslegen vermittelst 
Greifer und Bänderführung bewirkt wird. Dabei ist die 
Leistungsfähigkeit dieser Tiegeldruckpresse eine erhöhte, 
denn sie wird auf 2500 — 3000 Druck in der Stunde ange- 
geben. Im Interesse der gesunden Gliedmaßen unserer 
Arbeitnehmer ist dringend zu wünschen, dass sich diese 
guten Nachrichten bestätigen, denn die Tiegeldruckpressen 
gehören bekanntlich zu den gefährlichsten Maschinen un- 
seres Gewerbes. Zum Schluss mögen noch einige neue 
Abziehapparate Erwähnung finden, die durch Zwangs- 
führung der Druckwalzc vermittelst Zahnstangen und eines 
Systems von Zahnrädern eine Verbesserung dieser Hilfs- 
apparatc herbeizuführen suchen. Wie weit dies ihnen ge- 
lungen ist, muss die Praxis ergeben; es giebt nämlich 
zumal unter den alten Buchdruckern Skeptiker genug, 
die immer noch die alte „Nudclwalzc" und die gewöhnlichen 
Handpressen als die besten und bewährtesten Abzieh- 
apparatc betrachten, und so ganz Unrecht haben sie darin 
nicht. Schließlich wurde bekannt gegeben, dass nunmehr 
in dem Hause des Kommerzienrats l.ädecke, Friedrich- 
straße 231. 2.HofI, geeignete und preiswerte Räume für 
den schon lange geplanten Berliner Buchgewerbesaal ge- 
funden worden sind. Die Ausstattung desselben soll der- 
artig beschleunigt werden, dass seine Einweihung noch in 
diesem Jahre erfolgen kann. Endlich! Und nun geht's 
eifrig an die Sammlung für ein Berliner Buchgewerbehaus 

Glück aur! hn. 

Mannheim. Eine Graphische Ausstellung großen Stils, 
wie wir eine solche in derartigem Umfange hier noch nicht 
zu sehen bekamen, veranstaltete im August der Graphische 
Klub Mannheim-LuJwigshafen, und die sich eines kaum ge- 
ahnten Andranges sowohl seitens der Berufsangehörigen 
als auch des großen Publikums zu erfreuen hatte. In einem 
Dutzend wohlgcordnetcrGruppen wurde ein Überblick über 
die Fortschritte und den derzeitigen Stand der graphischen 
Gewerbe im allgemeinen und des Buchdrucks im beson- 
deren gegeben. Beim Eintritt in das Ausstcllungslokai 
überzeugte schon der erste Blick von dem Schönheitssinn 
und guten Geschmack der Arrangeure. In Gruppe I fanden 
wir eine große Anzahl der von den Mitgliedern des Gra- 
phischen Klubs angefertigten Zeichnungen, die größtenteils 
geschmackvoll und sauber ausgeführt waren und seitens 
der Fachleute größtes Interesse erweckten. Hier begeg- 
neten wir auch zum ersten Male mehreren durch das Licht- 
pausverfahren vervielfältigten Zeichnungen. Gruppe II 
hatte der Maschinenmeister-Klub mit einer reichhaltigen 
Sammlung von Illustraiionsausschnitten und im Besitze 
desselben befindlichen künstlerisch ausgeführten Tableauv 
in Dreifarbendruck u.s. w. belegt. Diese Gruppe erfreute 
sich ebenfalls der größten Aufmerksamkeit und wurden die 
klaren Erläuterungen einiger Maschinenmeister mit Ver- 
ständnis entgegengenommen. Auch ein Rclicfklischcc von 
Dr. Alberl nebst einigen ohne Zurichtung gemachten Ab- 
drücken, die ein klares, in allen Einzelhelten deutliches 
Bild zeigten, war hier zur Auslage gelangt Mit großem 
Interesse, namentlich seitens der hiesigen Geschäftswelt, 
wurde Gruppe III, die die Erzeugnisse der Mannheimer 
Druckereien enthielt, in Augenschein genommen. Wollte 
doch jeder, der Druckarbeiten zu vergeben hat, die Lei- 
stungsfähigkeit der einzelnen Druckereien am Orte kennen 



<3C 390 aVj 



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^'»m'mmi*VMr»mrmm ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



lernen, und man kann wohl ruhig sagen, dass die von unse- 
rer heimischen Druckindustrie hergestellten Arbeiten in 
jeder Beziehung sich mit den auswärtigen Erzeugnissen 
messen können. In sauber, ja zum Teil künstlerisch aus- 
geführten Accidenzarbelten boten Jean Gremm, Dr. Haas- 
sehe Druckerei, Ferd. Steinhardt und J. Ph. Walt her eine 
reichhaltige Auswahl, während Carl Beiz und die Hofbuch- 
druckerei Max Hahn €r Comp, uns durch eine Anzahl Ak- 
tien bezw. mehrfarbige Diplome und Mcrkantilarbeiten er- 
freuten. Die Mannheimer Vereinsdruckerei (JuI.Bensheimer) 
stellte außer farbigen Plakaten eine Anzahl ihrer Verlags- 
werke und Zeitschriften aus. Die Lithographische Anstalt 
J. Weiß war mit einigen Diplomen und recht eleganten Ge- 
schäftskarten vertreten. Gruppe IV umfasste moderne 
Buchumschläge. Dreifarbendrucke, Lichtdrucke u. s. w. 
Unter den Dreifarbendrucken, von denen einige in den ein- 
zelnen Farbenskalen ausgestellt waren, um den Laien mit 
der Hcrstellungsweise dieser farbenprachtigen Arbeiten 
bekannt zu machen, fiel besonders eine von der Schnell- 
pressenfabrik A. Hamm in Heidelberg ausgestellte Samm- 
lung auf, die die Leistungsfähigkeit der von dieser Firma 
hergestelltenAutotypiepressen in bestem Lichte erscheinen 
ließ. Gruppe V enthielt die Erzeugnisse und Proben von 
Schriftgießereien, Maschinen- und Farbenfabriken. Außer- 
ordentlich reichhaltig waren vertreten die Schriftgießereien 
J. G. Scheiter & Giesecke, Julius Klinkhardt und Heinrich 
Hofmeister in Leipzig, Bauer fr Co. in Stuttgart und die 
Rudhardsche Gießerei in Offenbach a. M., ferner die Ma- 
schinenfabriken A.Hamm in Heidelberg, König & Bauer 
in Kloster Oberzell b.Würzburg und die Farbenfabrik Berger 
fr Wirth in Leipzig. Von den Ausstellern wurden dem Gra- 
phischen Klub die Ausstellungsobjekte zum größten Teil 
als Eigentum überwiesen. Hier befand sich auch ein von 
der Ersten Mannheimer Holztypenfabrik Sachs & Co. aus- 
gestellter, elegant ausgestatteterTypenstlnder mit diversen 
Plakatschriften, sowie ein sauber gearbeitetes Accidenz- 
rcgal. Die diesjährigen Johannisfest- Drucksachen waren 
in Gruppe VI untergebracht. Bei der Betrachtung der- 
selben war man einigermaßen enttäuscht; es hat fast den 
Anschein, als ob die deutsche Buchdruckerschaft infolge 
der großen Anstrengungen, die im vorigen Jahre allent- 
halben gemacht wurden, heute noch ermüdet ist, denn der 
diesjährige Austausch bleibt hinter demjenigen der letzten 
Jahre, mit einigen Ausnahmen beträchtlich zurück sowohl 
bezüglich der Quantität als auch der Qualität. Das in 
Gruppe VII von der Maschinenfabrik A. Hamm in Heidel- 
berg ausgestellte „Einmalige Vielfarbendruckvcrfahrcn", 
welches in dieser Ausstellung zum erstenmale an die 
Öffentlichkeit trat, war in kleineren Plakatformaten demon- 
striert. Dieses Verfahren besteht darin, dass aus anfangs 
strengflüssigen Farben je nach Auflageerfordernis in ent- 
sprechender Höhe mit Hilfe eines besonderen Apparates 
auf einer Eisenplatte ein mosaikartig zusammengesetzter 
Block hergestellt wird. Die Farben sind derartig präpariert, 
dass ihre Konsistenz unveränderlich gleich bleibt, um ge- 
nügend satte Abzüge auf einen elastischen Cylinderübcrzug 
abzugeben, die dann direkt auT das Papier übertragen 
werden. Die malerische Wirkung dieser Abzüge wird dar- 
auf durch das Überdrucken einer Egalisierungs- bezw. 
Konturplatte in Hochätzung oder Lithographie erhöht; der 
Bogen passiert also nur zweimal die Presse. Es waren 
Farben- und Konturabzüge sowie fertige Drucke ausgestellt 



in unzähligen Farben und allen möglichen Motiven, deren 
imponierende Wirkung unter Berücksichtigung der höchst 
einfachen Hcrstellungsweise verblüfft und zu der Annahme 
berechtigt, dass wir mit Einführung dieser Methode an 
einem Wendepunkt des Farbendruckes, insbesondere des 
billigen Plakatdruckes, stehen werden. Die Entstehung 
einer Autotypie veranschaulichte in Gruppe VIII die Firma 
Sachs tr Co. in Mannheim. Es wurde hier dem Beschauer 
die Autotypie in allen Enrwickelungsstadien, von der Nega- 
tivplatte bis zum druckfertigen, auf Holzfuß montierten Kli- 
schee nebst den jeweiligen Abdrücken vor Augen geführt, 
während in Gruppe IX besonders das neue, in allen Staaten 
patentierte Glasradierverfahren von Müller & Siefert In 
Mannheim interessierte, mit dessen Hilfe es ermöglicht 
wird, in bedeutend kürzerer Zeit als dies seither möglich 
war, druckfertige Zinkätzungen herzustellen. Je eine Ste- 
reotypplatte nebst dazu gehöriger Matrize des Mannheimer 
General-Anzeigers und des Mannheimer Tageblattes, Ma- 
schinensatz der Setz- und Zeilengießmaschinen .Linotype* 
und „Typograph". sowie einige Zeilen Hebräisch und Musik- 
notensatz der Mannheimer Vereinsdruckerei fanden wir in 
Gruppe X bei bester Darstellung. Herr Ingenieur Henry 
Welte aus Frankfurt a. M. zeigte in Gruppe XI das Modell 
einer Fraismaschine für galvanoplastische Anstalten sowie 
ein elektrolytisches Bad zum Galvanisieren von Klischees. 
Den anziehendsten Punkt für das große Publikum bildete 
Gruppe XII. Die Schnellprcssenfabrik A. Hamm in Heidel- 
berg stellte hier eine Miniatur- Schnellpresse I 1 '-.-Größe 
ihrer bekannten „F.xcelsior") zum Drucken zur Verfügung, 
so dass die Besucher eine .Erläuterung der Ausstellung" 
frisch von der Presse weg überreicht erhalten konnten. 
Genannte Firma fabriziert bekanntlich die Flachdruck-Rota- 
tionspresse .Ideal», die bereits in einer Reihe von Drucke- 
reien des In- und Auslandes sich im Betrieb befindet. Eine 
Anzahl der auf dieser Maschine gedruckten Zeitungen in 
diversen Formaten und Falzungcn, die in der Ausstellung 
aufgelegt waren, beweist, wie mannigfaltigen Anforde- 
rungen die für den mittleren Zeitungsdrucker bestimmte 
Presse genügt. Die Ausstellung kann als eine in allen 
Teilen wohlgelungene bezeichnet werden, und durch die 
Arrangierung derselben hat der erst kurze Zeit bestehende 
hiesige Graphische Klub bewiesen, dass es ihm mit der 
Durchführung seines Programms ernst ist. z. 

München. In der letzten Versammlung hielt Herr 
R. Bammes einen Vortrag über den Werksatz, dessen Inhalt 
in kurzen Umrissen wiedergegeben sei. Vielfach findet man 
in den Kreisen der Werksetzer eine gewisse Zurückhaltung 
gegenüber den Bestrebungen der Fachpresse und der typo- 
graphischen Gesellschaften. Man ist der Meinung, dass 
alles, was in diesen verhandelt werde oder in jener zu lesen 
sei, doch nur für den Accidcnzsetzer oder Maschinenmeister 
Interesse habe und dem Werksetzer nichts nütze. So irrig 
diese Meinung auch ist, so findet sie doch ihre einfache 
Erklärung. Während der Accidcnzsatz, den Wandlungen In 
der Geschmacksrichtung der letzten zwanzig Jahre folgend, 
fortwährend in der Weiterbildung begriffen war und an den 
Setzer die Anforderung stellte, mitzugehen und für das sich 
stets verändernde Material immer neue Anwendungsformen 
zu suchen, wandelte der Werksatz in den gleichen Bahnen 
weiter. Der Werksetzer arbeitet auch heute noch nach 
denselben alten Regeln, die ihm schon in seiner Lehrzeit 
beigebracht worden sind. Nur im Tempo der Herstellung 

SO» 



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TK'at.'Ät. -*-s*.'»fc ARCHIV FÜR BUCHGUWIiRBE arjrsrjrjrarsrjrarjrjr 



ist ein Fortschritt zu verzeichnen. Auch die neueren Be- 
strebungen künstlerischer Buchausstattung sind »n der 
eigentlichen Thätigkcit des Setzers vorübergegangen, ohne 
dieselbe sehr 211 tangieren. Deshalb sehen wir auch oft in 
modernen Werken, die eigens von Künstlcrhand gezeich- 
neten Schmuck aufweisen und sonst in Bezug auf Schrift. 
Druck und Papier den heutigen Anforderungen entspre- 
chend hergestellt sind, das« die Behandlung des Satzes 
grobe Inkorrektheiten aufweist, die entweder in stumpfer 
Anwendung alter Regeln auf neue Verhältnisse oder in 
verwerflicher Nachlässigkeit oder in der Sucht, originell 
um jeden Preis zu sein, ihren Grund haben. Im letzten 
Falle liegt allerdings die Schuld selten beim Setzer, son- 
dern bei dem „Buchkünstlcr", der, ohne das Wesen der 
Typographie richtig zu kennen, Anordnungen trifft, die 
praktisch und ästhetisch unhaltbar sind. Doch sind in 
neuerer Zeit gar manche mustergültige Bücher geschaffen 
worden und diese geben uns Beispiele an die Hand, um 
einmal die alten Kegeln des Werksatzes auf ihre Brauch- 
barkeit unter den heutigen Verhältnissen zu prüfen und 
sie. wo es notwendig erscheint, den neuen Forderungen 
anzupassen. Redner behandelte unter diesem Gesichts- 
punkte die Elementarbegriffe der Sctzcrthättgkeit, das Aus- 
schließen, den Einzug und Ausgang unter Vorführung mar- 
kanter Beispiele. Die Behandlung der Überschrift, des 
Initials, der Kopf- und Schlusslcistcn etc. wird am nächsten 
Vortragsabend erfolgen. Die anschließende Diskussion 
förderte noch manche neue Gesichtspunkte zu Tage und 
bewies das Interesse, welches die Anwesenden an dem 
Gegenstande nahmen. Für das bcvorstchendeWinterhalb- 
jahr ist wieder ein größerer technischer Fortbildungskursus 
ins Auge gefasst, welcher in drei in einander greifenden 
Abteilungen geführt wird und den Mitgliedern Gelegenheit 
geben soll, das in den letzten Jahren durch Zeichenunter- 
richt und Vorträge Erworbene weiter praktisch verwerten 
zu lernen. Die Abteilung für Skizzieren und Entwerfen mit 
rein typographischem Material leitet Herr R. Hammes, die 
für Farbenlehre und Kolorieren Herr Stefan Steinlein, den 
anschließenden Unterricht im Tonplattenschnitt übernimmt 
Herr Ernst Leven. -m-. 

Nürnberg. Der Besuch an den Sitzungsabenden der 
Typographischen Gesellschaft war in den letzten Monaten 
immer ein guter. Der Vorstand ist eifrig bemüht, die Tages- 
ordnung möglichst vielseitig zu gestalten, um das Interesse 
an den Bestrebungen der Gesellschaft unter den Mitgliedern 
wachzuhalten und nach Kräften zu fördern, worin er von 
Prinzipalen wie Gehülfen nach Kräften unterstützt wird. 
DieMitglicdcrzahl ist aufS« gestiegen. Durch Unterstützung 



auswärtiger Freunde der Gesellschaft wurde es möglich, 
die zahlreichen Eingänge geordnet in einem besonderen 
Bibliothekschranke unterzubringen. Die allmonatlichen 
Zusammenkünfte wurden zu einer teilweisen Durchbe- 
sprechung der „Lehre vom Accidenzsatz* benutzt und 
reihten sich daran die Vorübungen zum praktischen Skiz- 
zieren, welche im Herbst fortgesetzt werden. Außerdem 
soll das hiesige Bayerische Gewerbemuseum angegangen 
werden, für die Wintermonalc einen Zeichenkursus für 
Typographen ins Leben zu rufen. In einer der letzten 
Monatssitzungen hielt Herr Fteischmann jr. einen inter- 
essanten Vortrag über: „Wie entstehen unsere Schriften". 
Redner griff zurück auf die Erfindung der Buchdrucker- 
kunst, berührte die Schwierigkeiten, mit welchen ein Buch- 
drucker in früheren Zeiten zu kämpfen halte, der seini- 
Schriften seihst gießen musstc, und versuchte die ver- 
schiedenen Manipulationen an der Hand von Handgieß- 
mstrumenten, alter Stahlstempel u. s. w. zu verbildlichen. 

- Durch das liebenswürdige Entgegenkommen des Herrn 
Buchdruckereibesitzers Reuschs war es möglich, den neue- 
sten Band des Internationalen Mustcraustausches an zwei 
Sitzungsabenden zum allgemeinen Studium auszulegen. 
Herr Wergandt hatte sich der dankenswerten Aufgabe unter- 
zogen, über die einzelnen Blätter eingehend zu referieren, 
wobei er auch auf die Fehler bei den verschiedenen Ar- 
beiten aufmerksam machte und Ratschläge gab. wie leicht 
dieselben hätten vermieden werden können. Herrn Buch- 
druckereibesitzer tieusche gebührt für sein der Gesellschaft 
gegenüber bewiesenes Wohlwollen der beste Dank. — Zu 
Ehren des hier zu Besuch weilenden Herrn Malers Stefan 
Steinlein von München berief der Vorstand eine besondere 
Vorstandssitzung ein, um dessen Ansichten über typo- 
graphische Zeichenkurse zu hören. Die Münchener Typo- 
graphische Oesellschaft kann sich glücklich schätzen, in 
Herrn Steinlein einen Mann gefunden zu haben, der mit 
Leib und Seele sich den modernen Bestrebungen im Buch- 
druck widmet und seine gesunden Ansichten über das typo- 
graphische Zeichnen sind ganz da/u angethan, um dem- 
selben viele Freunde zuzuführen. Aur eine Aufforderung 
hin übernahm die hiesige Typographische Gesellschalt 
neben einer solchen in Leipzig und Stuttgart das Prcis- 
richtcramt über ein von der Münchener Typographischen 
Gesellschaft veranstaltete* Preisausschreiben zur Erlan- 
gung einer Mitgliedskarte. Wenn auch die Sommermonate 
nicht dazu angethan sind, viele Sitzungen abzuhalten, so 
ist doch für den Herbst eine regere Thätigkcit zu erwarten, 
zumal ja auch das erste Stiftungsfest der Typographischen 
Gesellschaft näher rückt. 



Mannigfaltiges. 



Geschäftliches. 

• Der langjährige Prokurist Herr Emil Kuhfuß ist aus 
Gesundheitsrücksichten aus dem Hause Dr. G. Langbein 
6- Co. in Leipzig-Sellerhausen ausgeschieden und an dessen 
Stelle Herrn Dr. phil. Fr. Neubeck Prokura erteilt worden. 

• Die Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart hat ihrem 
Rcdaktionssckrctlr Herrn Hugo Wagner anlässlich seines 
fünfundzwanzigjährigen Geschifts-Jubiläums Prokura er- 
teilt sowie Herrn Carl Jäger anStellc des mit dem heutigen 



Tage in den Ruhestand getretenen Herrn Rudolf Helm in 
Leipzig zum Bevollmächtigten ihrer Leipziger Filiale er- 
nannt. 

• Der Sohn des verstorbenen Kommerzlenrats Bruno 
Klinkhardt, Dr. phil. Victor Klinkhardt, wurde als Teilhaber 
in die Firma: Julius Klinkhardt in Leipzig aufgenommen. 

Sterbefälle. 

• Am 25. September starb nach schwerem Leiden der in 
weiten Kreisen wohlbekannte und allgemein hochgeachtete 



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<K««*</K<K«.'K*t7M<«. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE «urarjrarararjrjrarar 



Kommerzienrat Theodor Wiskott. Mitinhaber der Verlags- 
und Kunstanstalt C. T. Wiskott in Breslau. Der Verstorbene 
war 1843 in Breslau geboren. In Gemeinschaft mit seinem 
älteren Bruder hat er die väterliche, schon von seinem 
Großvater 1806 gegründete Anstalt durch rastlosen Fleiß, 
Ccschäftstüchtigkcit und Pflichttreue zu dem gegenwär- 
tigen blühenden Großbetrieb entwickelt. Auch dem Ge- 
meinwohl widmete der so früh Verstorbene in sehr vicl- 
facherBeziehung und mit dem besten Erfolge seine Kräfte. 
Namentlich beschäftigte er sich in sozial-politischer Rich- 
tung, und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch prak- 
tisch, indem erder beste Berater und Förderer seiner zahl- 
reichen Arbeiterschaft war. Er war längere Zeit Mitglied 
der Breslauer Stadtverordneten -Versammlung, er sali im 
Schiedsgerichte der PapicrverarbeitungsBerufsgenossen- 
Schaft und verwaltete noch eine große Zahl anderer Ehren- 
ämter. Der Charakter als Kommerzienrat wurde ihm, in 
Anerkennung und Würdigung seines vielseitigen Wirkens 
für das allgemeine Wohl. I8öl verliehen. 

• Am Vormittag des 4. Oktober starb, wenn auch nicht 
unerwartet, so doch ganz plötzlich der Oberfiktor der 
W. Büxensteinschen Offizin in Bertin, Herr Adolf Röhn, im 
55. Lebensjahre. Der Verstorbene war eine anerkannte 
Autorität auf dem Gebiete der schwarzen und farbigen 
Accidenz und von allen Fachleuten hoch geschätzt. Ins- 
besondere in früheren Jahren hat er sich mit seinen rei- 
chen Erfahrungen als ein eifriges Mitglied der .Typogra- 
phischen Gesellschaft* betbätigt, die ihn wiederholt zu 
ihrem Vorsitzenden erwählt hat. Nahezu 25 Jahre hat der 
Verstorbene seine unermüdliche Arbeitskraft der Firma 
W. Büxenstein gewidmet, und zu einem nicht geringen Teile 
verdankt diese dem sicheren Gefühl und außerordentlich 
feinem Geschmack Adolf Röhns ihre Erfolge auf dem Ge- 
biete vornehmer und eleganter Accidenz. Wenn auch in 
seinem Gc bahren etwas rauh und eckig, besaß er dennoch 
vortreffliche Charaktereigenschaften, die ihm ein ehren- 
volles Angedenken bei allen denen sichern, welche mit 
ihm geschäftlich oder außergeschäftlich in nähere Berüh- 
rung gekommen sind. Leicht sei ihm die Erde! hn. 

Verschiedene*. 

• Die Bestrebungen, dieGemälde alterund neuerMeistcr 
durch wohlfeile, und doch tadellose Reproduktionen dem 
großen kunstsinnigen Publikum zu leichterem Erwerb an- 
zubieten und dadurch das Verständnis für diese Meister 
und ihre Kunst in weite Kreise zu verbreiten, haben Unter- 
nehmungen entstehen lassen wie die Herausgabc der Ge- 
mälde alter Meister in vortrefflicher farbiger Wiedergabe 
seitens des £. A. Seemann'schen Verlages in Leipzig und 
die Sammlung von Farben-Lichtdruckblättern nach Gemäl- 
den älterer und neuerer Meister aller Nationen seitens der 
.Vereinigung der Kunstfreunde für die amtlichen Publi- 
kationen der Nationalgalerie* zu Berlin. Die Sammlung 
dieser Vereinigung umfasst bereits über 300 Blätter, deren 
Herstellung insgesamt von der als hervorragend leistungs- 
fähig anerkannten Berliner Kunstanstalt Iß. Troitzsch aus- 
geführt wurde, in deren Verlag auch die übrigen Publika- 
tionen der genannten Vereinigung erschienen sind. Um 
nun einem größeren Publikum von den Bestrebungen der 
Vereinigung ein umfassendes Bild vorzuführen, sind sämt- 
liche bisher herausgegebenen Blätter in übersichtlicher 
Anordnung zu einer Ausstellung vereinigt worden, zu der 
der Verein Berliner Künstler seine prächtigen Räume im 



eigenen Hause Bellevuestraße 3 bereitwilligst zur Verfü- 
gung gestellt hat. Die Ausstellung, deren Dauer sich über 
mehrere Wochen erstrecken wird, verdient die Beachtung 
aller graphischen Kreise in hohem Matte, denn da sieb die 
Herstellung dieser Blätter über eine lange Reihe von Jah- 
ren verteilen, so kann man an der Ausführung der einzelnen 
Blätter unschwer erkennen, wie sich die Technik von Jahr 
zu Jahr vervollkommnet hat. Wie vortrefflich auch schon 
die ersten Blätter dieser langen Reihe dem Herausgeber 
gelungen sind, so zeigen doch die neuesten Reproduktionen 
eine ungleich schärfere Charakteristik sowohl in der Wie- 
dergabe der Farbentönc als auch In der Durchführung der 
Zeichnung. In den meisten dieser mit hohem Kunstver- 
ständnis ausgeführten farbigen Lichtdruckbläitern ist die 
dem Originalgemälde der einzelnen Künstler eigentümliche 
Farbenwirkung und auch die Art und Weise des Pinsel- 
Striches in überraschender Ursprünglichkeit getroffen, so 
dass das Bild nicht den Eindruck einer durch ein mechani- 
sches Verfahren erzeugten Reproduktion auf den Beschauer 
hervorruft, sondern wie ein durch den Künstler selbst ge- 
schaffenes Originalgemälde wirkt. Die Vereinigung hat es 
dabei nicht unterlassen, durch die Auswahl der Gemälde 
auch dem iewcils herrschenden Geschmack des großen 
gebildeten und kunstsinnigen Publikums gerecht zu wer- 
den. Neben den alten Meistern der klassischen Periode: 
Lionardoda Vinci, Rafael, Tizian, Guido Reni, Paul Veronese, 
Muritlo. Battoni, sind auch die neueren und neuesten ver- 
treten: Adolf Menzel, Ludwig Knaus, Defregger, Lenbach, 
Böcklin, Gabriel Max, A. v. Werner, Gustav Richter, Achen- 
bach, Henneberg, Graf Harrach, Angeli, Plockhorst, v. Pi- 
toty, Kautbach, Eugen Bracht, Felix Possart und noch 
mancher andere. Wer dieser Ausstellung einige auf- 
merksame Betrachtung gewidmet haben wird, muss die 
Befriedigung darüber mit sich nehmen, dass es der mo- 
dernen graphischen Vcrvielfältigungskunst gelungen ist, 
die Kunstwerke unserer alten und neueren Meister in 
solch' vollendeter Wiedergabe neu erstehen zu lassen, hn. 

• Am 18. Mai waren es 25 Jahre, dass die Herren Hof- 
meister Gottlieb Säther und Schlosscrmcistcr Wilhelm 
Thurig der Maschinenfabrik Karl Krause, Leipzig ihre treuen 
Dienste gewidmet hatten. 

• Die Setzmaschinenfabrik Typograph , G. m. b. H. in 
Berlin hat von der Schriftgießerei J. G. Schelter fr Giesccke 
in Leipzig das alleinige Recht erhalten, die Antiqua .Ro- 
manisch" für den Setzmaschinensatz herrichten zu dürfen. 
Den Besitzern von Typograph-Setzmaschinen, sowie sol- 
chen Firmen, die sich Setzmaschinen anschaffen wollen, 
dürfte diese neueste Vermehrung der Typograph -Schrift- 
proben um so willkommener sein, da die .Romanisch* in- 
folge ihres klaren, kräftigen Bildes und feinen Schnittes mit 
zu den besten Schriften der Jetztzeit gehört, die vor allem 
bei Werksatz gern Verwendung findet. 

• Das Komitee für den internationalen Kongress der 
Historiker 112. 21. April 1902) hat sich in Permanenz er- 
klärt. Der Kongress beginnt in Venedig, wird in Rom fort- 
gesetzt und endet in Pompeii. Mit den Arbeiten der Sektion 
VIII (Allgemeine und diplomatische Geschichte des Mittel- 
alters und der Neuzeit, Diplomatik. Archivwissenschaft und 
Bibliographicl wird eine Ausstellung von Codices und Ma- 
nuskripten aus italienischen Archiven und Bibliotheken und 
eine bibliographische Ausstellung historischen Charakters 
verbunden sein. 



*» 393 13» 



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«•«<».<«.•».<».•»•«.•»/».«, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE *********** 




Inhalt des 10. Heftes. 

Kunst-Typographie. Die Erkennungszeichen der ver- 
schiedenen Drucktechniken. Das Druckerei- und Buch- 
gewerbe in Russland. Zum neuen Urheber- und Verlags- 
recht. Handbuch der Lithographie und des Sieindruckes 
von Georg Fritz. — Johannisfcsr-Drucksachcn. Die Er- 
findung der Galvanoplastik. Aus dem Deutschen Buch- 
gewerbeverein. Patentwesen, neue Erfindungen und Ver- 
besserungen. Aus den graphischen Vereinigungen. 
Mannigfaltiges. 15 Beilagen. 

Anmerkung. Wegen Platzmangel folgt die Liste der Per- 
sonen, welche im September 1901 dem Deutschen Buch- 
gcwcrbcmuscum Schenkungen überwiesen haben, im näch- 
sten Heft. 



Bezugsbedingungen für das Archiv u. s. w. 

CncMal: In 12 ! 

den raHitänJti-e Beilaren, kann nur den vor Erscheinen de» 2. Her»» 

Prm : M. 12. . unter KrenrSand dirckl M. 1.1,». nach tmfei-ltulukn 
Landern M, H.40. fciniclnummern M. 1.20. 

Ameicen: Preis der dre>te»|v»l<rnen Peillieile oder deren kaum für Mo 
tarier dr< Ociiuchcn Bu:lip*erhc>ere.n« 2S Pf., für .Vie*fmilr/i«d«r 
» Pf. MlfSWiaefct für Mllflleder und Nlch. m lt,Ueder IS Pf. fW die 
dreigcupaltcne Pctllielle. 

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für Landkarten, Pläne u. s. w. 
Kunstdruck -Papiere und -Kartons, reichhaltiges 
Sortiment farbiger Umschlag- und Prospektpapiere, 

gepresste Papiere in 8 Dessins, Streifbandpapicre, 
Trauerpapiere, Japan. Serviettenpapiere u.s.w. 

.^^^C^ 



Postpapiere linjiert und unliniiert in reichster 
Auswahl, Schreib- und Konzeptpapiere für Schulen 
und Behörden für Formulare. Geschäftsbücher u.s.w. 
Zeichenpapiere, Aktendeckel und Packpapiere. 
Kartons weiß und farbig, Postkarten-Karton. Ge- 
schnittene Karten, Seidenpapiere, 
u.s.w., U.S.W. 



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wtwcwi*wi/»ewfc'»«.'*cwc/ac ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE wiraw»»»»»»,«- 



83? 



C. KLOBERG 



SCHRIFTQI ESSEREI * LEIPZIG 

MESSINGLINIENFABRIK. 

GALVANOPLASTIK STEREOTYPIE * * 



v v v v v v v Neuheilen in »««««v« 
Schriften: Römisch, schmale halbfette Römisch, 
halbfette Römisch, halbfette Cursiv Römisch, 
Grotesque „Monopol", Cabinet-Circularschrift. 
* Einfassungen: Diclytra, Mohn- Einfassung * 
Moderne Phantasielinien Serien 354-357 

Anwendungiblltter 
«■4 Proben bltt« 
zu (tflinim 





ie Kunjt im Öud) druck 

können 8ie pflegen mit unseren 
durchaus praktifdien neurjeiten für 
die gefamte moderne Typographie, 
prächtige #ucr)- und ftccidenz~8d)riften. fotvic 
eigenartiges Üekorations-Tftaterial nad) Zeich- 
nungen bedeutender Künjtler. proben verfendet 

tludrjard'fcrje ©iefcere. 
in Offenbad) am ?l>ain 





Die Beilagen, Illustrationen 
und Satzproben zum 10. Heft 
des Archiv für Buchgewerbe. 

Au* der Aufteilung .Die Kunst im Lehen de* 
Kindt»", deren Besuch »kh In höchst effreulkher 
Weise tagtäglich steigert, bringen wircinefi Farben- 
holz sc ho in mit ti Platten v»n Werihmanm in fanden 
Cr in dem Mirchcnhuch .Schnceweittchen und 
Rosenrot", Druck und VerUg von C. C. MeiihaU 
fr Sikne in Dresden, II, .\* des Kataloge», ent- 
nommen und beweist *ic unrecht e» in, diese für 
KinderbJIdcrhusrher («I* für Heiligenbilder - 
Heinrich Kntfler in Wien' t mi recht geeignete 
Technik In Deutschland wenigsten» fast ganz in 
Ysrg:*»enhe>t geraten zu laaaen. Dan» dfc 
SdrAsiescben Marchcnzelchnungcn solchen An- 
klang bei der kleinen Veit fanden, verdanken sie 
außer dem echt kjndlkhcn, poetischen Hauch, der 
Ober alk ausgebreitet lai. »esenilich einem kirnst- 
krischen Triuuc. Die menschlichen Figuren sind 
Umrllch In etwa« grauerem MaLUiah aU dk tm- 
gehung, der das Kind |a ahaotui kein I lMlftgM 
entgegenbringt, gezeichnet, wodurch da* Auge 
lediglich auf der Hauptsache, der figurlichen Dar 
Stellung haften bleibt. Die Reproduktion selb*: 
ist vorzüglich. 

Einem Teil der Auflag« liegen Neuiahrsgluck 
•mn^-huficn vor Carl Srttmann, trip? g bei. 
mclchc »ich den rühmend erwähnten Arbeiten von 
i.Jlrr fr Krocht In Nannaur (siehe Hell ? u, M 
würdig iur Seite stellen. 

Auf der von W. Bmrkarl in Brunn gedruckten 
Beilage hat Frans R:\ha seine Fertigkeit im Ton* 
pUitenschnltt iMasersche Plattem bewiesen. 

Die Klischees der beiden Dreifarbendrucke wurde« 
von ./ (i. Scheiter fr CiWeree in Leipzig an- 
gefertigt, Der Druck heider (von dieser Firma 
selbst wie tun Hmgo Müntlermunn in Hanmover. 
vergl. auch S. M6} Ist ganz ausgezeichnet, wie skh 
daa bei dem Ruf dieser Kunsiaastalten i» von 
selbst versteht. Es wäre nur besonder» hervor 
ruheben, dass die Umrahmung wie das Band der 
Kochiriisvigneiee mit den Drcifarbcndruckstcckcn 
zugleich gedruckt wurde. 

Man kann darüber streiten, ob ein Kupfcrslich 
»ich in Lichtdruck reproduiieren Ussi, da Ictrterem 
alt FUcnendruck der paslose Farbauftrag, der dem 
Kupferstich erat seine so maJcrls.-n-kunatlcriachc 
Wirkung verschafft, versagt Inf. Allein, laaaen 
wir diese Kardinalfrage unbeantwortet, so müssen 
wir gestehen, da»» der un» vorliegende Lichtdruck 
von Jmnghantt »- Kcritser, G. m. b. H. in Meiningen 
alle» daa leiste i, was überhaupt In der Technik 
nur mOflkh Ist. Vielleicht Ist es uns vergönnt, 
unaem Lesern später einmal von dieser raaflo» 
t orsch reitenden Firma einen ihrer vorzüglichen 
Lichtdruck« nach Ölgemälden und Naturaufnahmen 
bieten zu können. 

DI« Verlagshandlung F. A. Lallmann in (jaitar 
erfreut uns abermals (vergl. S. .17) mit einer ihrem 
Verlag entnommenen Kunstbeitagc. Dieamal ist 
es ein BuchbändlcrvirknUr von ungewöhnlicher 
Qualität, in welchem sie Ihr „Allmers-Buch*. «ine 
Prachtlclstung «taten Rangen gediegener moderner 
Buchausstattung, für Anzeige bringt. UnserClrkular 
bringt Proben der (lr>) Kunsidrnckbeilagcn und 
de» «igen» dafür gezeichneten Buchschmuckes, und 
macht dessen Druck (besonders der Duple tautet ypk I 
der OfHzm von Jäger fr Sohn In Goslar alle Ehr«. 

Die Buch- und Steindruckfarbenfabrik von 
Michael Haker i n ,*f ü o« Arn rc> gt uns an einer 
Autotypie von BrenJ'amour, Simharl fr Co. mit 
Umrahmung die Leuchtkraft Ihrer Fabrikate iLcht 
tiolcifteck und Echigrunlackr. 

Die Hochatzungen Seite 17t\ .wt» verdanken 
wir Herrn W. Zachriitvn InOiWibo/g. dessen Auf 



Google 



BERGER &W.RTH 



Farben - 

J pABRIKEN 

GceaUnocTiui. 




IPZIG 

Filialen: Qt 

BCIttlN FlIBtNZ LONOON ^ 

«£«-T«a.n.fntKiu«e.anK»ii<. 



mmmmmmmmmmm Archiv für Buchgewerbe »»»».v.vr.w»^» 



MN .BuchJruckrrlrhcn in Schweden" »ir »ejetn 
Kiummani;cU r«r 0h » cihnactitubrft xunickvtcllcn 
muteten. 

Dem mii 13* MwflUn von Hi>1/Hvhniiren, 
T 1.1-1.1:1. r -i, Bucheinbänden u. «. ». reich au»t<- 
tttitrcten. h6rh*t fcorgfj]ii( itrarhriieten KamtuK 100 
tun LmJwig Rotenthat* Aatiamart^t in Jluirrnr« 
entnahmen *ir die ml 5. 21», >*i und .174 *hee- 
Jrtickten Klischee*. Dcrwelhc «Ird >• . l- " »»einer 
Aufc^tÄiiMnc siets bleibenden Wen Ket.it Jen, auch 
wenn die 2027 Werke, die er enthalt. In all« vier 
Winde /er* 1 reut »ein sollten. 

Die auch diorm Hert bcijrrjtrhcnen Sii;heitar,en 
retinae* hielt uml und Minder» durch ihre icch- 
nischeo Fertigkeiten auw. 

Als erste nennen wir das in der J. C. Herben 
sehen Hafbm hJrueketri tu lhirm\UJt gedruckte 
DoppelbUtt zur Johann in feirr (vrrgl. S. JH5|. Ein- 
heitlich aus der ruhmli.hu bekannten ..Eckmann" 
der RuJharJschen Cneferti in Öffeabaeh a, JJ. rc- 
set/t und In drei tut ah*x* 1in *nitcn I arhrn ctdruvki. 
wird aos damit das Beste i-n-m He*trn /um Qa> 
denken Gillenbergs geboten. 

Wir »ind in der angenehmen LMJI unvren Le- 
sern twti Seite». Titelseite und \ < .■ L -.-. de:. 
Textes, aus der r'cvtschrift zur Eröffnung der Auh- 
ttelluAR der Künsttcrkolonie io Darmstadt bieten 
tu kennen. E* in die*, ein Stuck Buchkunst im 
»ahmen Sinne de« Wortes. Der Titel kann aK 
vorbildlich bezeichnet werden. Die grollen Typen 
im Charakter der T*\t*clirin wirken nackig und 
tragen /ur besten w irkung ihren Teil bei. Schrift, 
Initial der Tesiaeire und Llmrahmunren wurden 
von Prof. P. Brhtrat in IWm^tjJt für die f?uJ- 
hardsche Gtefft/ei m Offenbart* 0, M. gezeichnet, 
der wir auch den Sil* verdanken, Druck: Breit- 
kvrf • Härtel In Letp:ig. 

Die Schriftglcücrel Ktinkhardt in Leiptir 

zeigt auf ihrer Beilage einen Briefkopf^ und eine 
Geschäft »karte in Verbindung ihrer Modernen Li- 
nien-Ornamente. Serie IUI. Das Ben omni ee dieser 
Firma ist atlerwäns bekannt und erübrigen *icr 
deshalb diesbezügliche Ausfuhrungen unsererweiin. 

Ein Sitikunststitckchen besonderer Art ist der 
von der Pierettrhea Hofbachdruckerei in Attenbmrf, 
geliefene Neuiahrswunsch. Derselbe verrat seinen 
geistigen IVheher ru gut. Satz und Druck sind 
«hne Tadel. 

Z»el moderne Titelblätter bieten uns Scheitet 
& (iiesecke in Leipzig. Ein guter Beweis der 
vielseitigen Verwendbarkeit ihre» Materials wurde 
damit erbracht. Auch hier ist mit nur zwei Farben 
eine ganz tretTlkhe Wirkung erzielt wurden. 

Die Dr. H tauche Druckerei in Mannheim haben 
mir schtin des oficrn im Archiv lobend erwähnt. 
Die vim ihr dioem Heft beigelegte Beilage reugt 
von gutem Geschmack, technischem Können und 
moderner Ausführung* Schrift: ..Eckmann'* und 
die Ornamente im mittleren Felde entstammen der 
Rudbardsthen tueftetri in Offenback a. M, l>cr 
Druck geschah in drei Farben lobenswert. 

D*s Clrkukr einer Miwliiocnfabrik uberlleu udk 
freundlichst die Buch und Kunsidruckcrel J.Biteg 
in H'rraj. 

SchllcOIich liegt noch ein Prospekt der Schnell 
pressenrabrik Frankeathal, Albert & OV-. Akt.C. 
bei» «eichen wir einer Durchsieht zu unterziehen 
bitten. 



inferierenSie 



Im 



wilhelm Gronaus 



SCHRIFTGI ESSER El 



GALVAN'OPL 
ANSTALT i- 



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Schnellpressen 



für 



S 



Illustration* 



« * 




• • « insbesondere feinsten • • • 

und 



Autotypiedruck ; 




Zwangsläufige Rollenbewegung. 



Ausschliessliche 

TabriKation pon Schnellpressen 

flr 

Buchdruck • Eicbtdruck 
Skindruck • Bkcbdruck 



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|| |![ Rotations- 
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in allen Konstruktionen 
für Zeitungs-, Werk* u. Illustrationsdruck 
für feste oder veränderliche Tormate. 



nS 



J35 



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Allgemein«!. 



' Ansicht der Schnellpresse Nr. 19. ' 

Satzgrösse 780X1110 mm. . Inuorc Kahmengrösse 820X1180 mm. 



Hervorzuhebende Merkmale 

unserer Jllusfrarionsschnellpressen mit zwangsläufiger Rollenbewegung. 

Diese Maschinen können mit hoher Tourenzahl arbeiten und eignen sich infolge ihrer durchaus 
kräftigen Bauart für kompressen Satz sowohl, als auch für Jllustrations- und Autotypiedruck. Sic haben 
sich in dieser Beziehung auf das Beste bewahrt. 

Sämtliche Teile, besonders das Grundgestell, die Seitcngestclle, der Druckcylinder, der Karren, 
die I-aufbahncn, sowie der Mechanismus zum Ingangsetzen und Auffangen des Üruckcylindcrs sind so 
konstruiert, dass die stärksten l'rcssungcn auch bei raschem Gange ausgeübt werden können, ohne dass 
Überanstrengungen dieser Teile zu befürchten sind. 

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Bei leichter Zugänglichkeit zu alten Teilen gestalten sich diese Maschinen wenig voluminös und 
sind in jeder Hinsicht sehr bequem zu bedienen. Der Kraftbedarf ist infolge der wenigen Reibungs- 
widerstände ein geringerer als bei Maschinen mit Kreis- oder Eisenbahnbewegung. 

Der Antrieb ist unter dem Auslcgctisch angeordnet, und die Zahnräder liegen innerhalb der 
Maschine. Dadurch wirkt der Antrieb weder störend und unbequem beim Einhcben der Form und der 
Vornahme von Korrekturen, noch gefahrdrohend durch ausserhalb liegende Zahnräder 

Der Durchmesser des Druckcylindcrs ist genügend gross, um ein sauberes Abdrucken der Form 
bis an das letzte linde zu ermöglichen. Längs- und Qucr-Rippcn versteifen den Mantel derart, dass 
jedes Durchbiegen ausgeschlossen ist; die Zapfen der Cylinderaehse sind stark und haben breite Lauf- 
flächen. Die Cylindcrbrcmsc wirkt momentan und kräftig. Die Befestigung des Bezuges wird vermittelst 
einer leicht handlichen Klappvorrichtung bewirkt. An beiden Seiten des Karrens sind schrifthohe Lauf- 
stege befestigt, um ein möglichst gleichmässigcs Abwickeln des Druckcylindcrs auf der Form zu bewerk- 
stelligen. Diese Laufstege können beliebig entfernt und wieder angebracht werden. 

Entsprechend dem C> linder sind auch Karren und Bahn kräftig konstruiert. I m eine genaue 
seitliehe Geradführung des Karrens herl eizuführen, sind die (.aufrollen mit konischen Spurkränzen 
versehen. 

Bei den grösseren Maschinen ruhen die laufbahncn auf L'nterstützungshöckcn, deren Verteilung 
so gewählt ist, dass ein Nachgeben des Unterbaues, besonders unterhalb des Druckcylindcrs, aus- 
geschlossen ist. 

Durch die Verbindung der Unterstiitzungsböckc mit den Seitcngcstclleii gestaltet sich das ganze 
Maschincngestell zu einem äusserst starren Gefüge. 

Der F.inlegctisch ist bei den grösseren Nummern ausbalanciert, wodurch sehr bequeme 
Handhabung. 

Das Cylinderfarbwerk besteht im wesentlichen aus j aus Stahlrohr gefertigten Schncckcnwalzcn, 
deren Seitwärtsbewegung mit verschiedenartiger Geschwindigkeit erfolgt, wodurch in Verbindung mit 
4 Reibwalzen eine vorzügliche Farbeverreibung erreicht wird. Der Durchmesser der Auftragwalzen ist 
möglichst gross. Das Lineal im Farbkasten ist vierteilig oder federnd nach amerikanischem System, die 
Hebwalze kann so reguliert werden, dass sie bei I, 2 oder 4 Touren Farbe holt. Die Duktorwalzc 
wird durch Räderantrieb in konstante Rotation versetzt. 

Punkturvorrichtung und Greiferexccnter werden durch einen besonderen Excentcr von der 
Kurbelachse aus bewegt, wodurch die Anwendung von Federkraft ganz vermieden ist. Für Farben- 
druck ist bei Verwendung von starkem Papier die Anbringung des automatischen Bogcnschiebapparats 
zu empfehlen. 

Neben dem erwähnten Punktursystem sind die Maschinen noch mit einer Präzisions-Anlegc- 
vorrichtung und verschiebbaren Anlegemarken im Cylmder ausgestattet, wodurch stets gutes Register 



Antrieb 



Druck- 
cylinder. 



Karren und 
Bahn. 



Einlpfletijch. 




excenter. 



Präzisions- 

Anleje- 
vorrlclitunn. 



ÖL 



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fr 



erzielt wird und schnelles Arbeiten möglich ist. Das Punktieren wird dadurch in den meisten Fällen 
überflüssig. 

Die Ausführtrommel ist möglichst dicht am Druckcylinder gelagert, ihr Umfang ist halb so 
gross als derjenige des Üruckcylindcrs, ein Verschmieren des Druckes ist völlig ausgeschlossen, der 
Ausleger legt den Bogen in bekannter Weise auf den Auslegetisch. 




Elektrischer Antrieb. 



Durch den indirekten Antrieb des Kurbclrades, durch ein eingeschaltetes und geräuschlos arbeitendes 
Kädcrvorgclcgc und das dadurch erzielte hohe Übersetzungs-Verhältnis eignen sich die grösseren 
Nummern dieser Maschine sehr gut für elektrischen Antrieb durch direkt mit der Schwungradwelle ge- 
kuppeltem Elektromotor (siehe Abbildung), während bei den kleineren Nummern der Schwungradkranz zur 
Antriebscheibe ausgebildet ist. Die Schwungradbremse liegt innerhalb des Schwungkranzes, so dass der 
äussere Umfang desselben vollständig frei bleibt. (D. R. G. M.) 

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Bei mechanischem Antrieb steht der Ausrücker in Verbindung mit der Schwungradbremse und 
bewirkt beim Abstellen sofortiges Anhalten der Maschine. 

Die Zähne sämtlicher Zahnräder, sowie auch diejenigen der Zahnstangen werden auf automatisch 
arbeitenden Fraismaschinen mit der möglichsten Genauigkeit hergestellt. 

Die Farbcylindcr, Stahlreiber und Gicssftaschcn, ebenso die Rollen der Doppel-Excentcr werden 
auf Specialmaschinen exakt geschliffen, wie Uberhaupt die Bearbeitung aller einzelnen Teile in einer 
anerkannt peinlichst genauen und sorgfältigen Weise unter Anwendung des bestgeeigneten Materials geschieht. 



Meoh. Antrieb 
und Schwang- 

radbremee. 

Arbeit und 
Material. 




' Ansicht der Schnellpresse Nlr. 16 mit zwangsläufiger 

Rollenbewegung. 

Innere Rahmengrösse 820 X ,1K0 mm - 
Satzgrössc 780X1110 mm. ♦ Farbwerk mit 2 Auftragwalzen. 

Für Fälle, in denen es auf allerfcinste Einfärbung nicht ankommt, trotzdem aber eine in jeder Beziehung 
leistungsfähige Schnellpresse gewünscht wird, liefern wir die Maschinen auch mit einfacherem Farbwerk 
und nur 2 Auftragwalzen. Der Preis wird dadurch entsprechend verbilligt. 



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Preise, Maasse und Gewichte 



unserer Buchdruck-Schnellpressen 

für Jllustrations-, insbesondere feinsten Mehrfarben- und Autotypiedruck 

mit zwangsläufiger l^pllenbcwegung. 

Cylindcrfarbwcrk, Punkturvorrichtung, verschiebbare Anlegcmarken im Cylinder, Vorrichtung 
zum Doppeltanlegen, Bogenschneidapparat, Bogenausführtrommel, Selbstausleger, Cylinder- 



Reine Satzgrosse 



Innere 
Rnnmengrow 



Abdrücke 
per Stunde 



Nutwendiger Raum 
excl. Bedienung 



Netto- 
gewicht 

< .1 V- 



Preis 
in 

Reichsmark 



Farbwerk mit zwei Auftragwatzen. 



Einrichtung für mechanischen Antrieb mit Ausrückvorrichtung, selhstthätig fixierbarem Aus- 
rttckhcbel und automatischer Schwungradbrcime, oder Einrichtung für direkten 
Antrieb vom Elektromotor Mark iSr.,-- 

Einrichtung für mechanischen Antrieb nebst komplettem Vorgelege und Stufenscheiben 

für 3 Geschwindigkeiten 300, — 

Einrichtung für zwei Einleger und doppelte Punkturvorrichtung, um zwei Formen neben 
einander zu drucken 

Automatischer liogenschichapparat, für I Einleger 

► > > 2 * 



I20. — 

• tSo,— 

, . . , • 28c,— 

Gratis- Lieferungen : 3-5 Schlicssrahmen, 1 Schliessplatte, doppelter Satz Farbwalzen-Spindrln, 1 Drucktuch, 
2 Schmutztücher, I Lehre zum Messen der Aufzugstärke, 2 Walzcngiesshulsen, Bänder, I grosse 
Punktur, 10 Stahlpunkturcn, Reserve-Lager, -Schrauben und -Muttern, die nötigen Schrauben- 
schlüssel, Schraubenzieher, 1 Ölkanne, I Form-Einhebcbrctt, 1 Wcrkzcugbrctt, t Grcifcrrkhter 



tfM ^ 



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650 


1000 


0*jo 


1070 


1 IOO - 1 500 




2500 


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6900 


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1 1 10 


S20 


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1 000 - 1 400 


4115 


2600 


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8000 


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1 200 


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1 000 — 1 400 


4510 


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6700 


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S60 


1 260 


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1320 


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4630 


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7500 


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1 220 


940 


1 290 


1 rx'O — 1 200 


4S50 


2S00 


7700 


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Farbwerk 


mit vier Auftragwalzen. 






18 


650 


1000 


690 


1070 


1 100—1400 


3650 


2500 


5100 


7600 


18b 


710 


1070 


7 50 


1 1 40 


10011 — 14011 


3 Soo 


25.N0 


6000 


8200 


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7S0 


1 1 10 


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1 ooi — 1 400 


4200 


2600 


6700 


8700 


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1 200 


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5300 


3050 

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12000 



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s«n 5 jakm iMirt« <ir 367 Schnellpressen mit zwaigslM|er RoElenbeweguni, t*in\u& 1 




Aachen 
Achern. 
Alfeld 

Ascherslcben 
Berlin 
Beuthen 

Bielefeld . . . 
Blankenese . . 
Braunschweig . . 
Bremerhaven . 
Breslau .... 
Bromberg . . . 
Bunzlau. 
Bückebiirg. 
Cassel ... 
Chemnitz . 
CoMeni 

Danzig .... 
Darmstadt . . . 
Diesdorf . . . 
Donauwörth 
Dortmund . 
Dresden 

Düsseldorf . . . 
Erfurt .... 
Frankcnthal . . 
Frankfurt a. M. . 
Frankfurt a. d. O. 
Frei bürg i. Br. . 
Glau .... 
Göttingen 
Hamburg . . . 
Hamm .... 
Hanau .... 
Hannover . . . 
Heidelberg 
Heilbronn . . . 

Jena 

Kaiserslautern 
Karlsruhe . . 



Kattowitz . 
Klingenthal 
Köln . . 
Königsberg i. Pr. 



Transport 

Krefeld 
l.ei] «ig 
I.udwigshafcn 
Lübeck 
Mainz 
Mannheim 
Markneukirchen . 
Melle i. H.. . . 
Mülhausen i. Eis. 
München . . . 
Naumburg . . 
Nienburg . . . 
Nürnberg . . . 
Offenbach a. M. . 
Oldenburg i. Gr. 
Osnabrück . . 
Plauen i. V. . . 
Posen .... 
Saarbrücken . . 
Sorau .... 
| Stettin ... 
Strassburg i. Eis. 
Stuttgart . . . 
Thorn .... 
Viersen .... 
Völcklingcn . . 
, Wald-Solingen 

|! Weingarten . . . . 

Werdohl 

Wittenberg 

Zeitz ... 
Zwickau 

B. Ausland. 

Balkanstaaten 

Belgien und Luxemburg . 

Frankreich 

Holland und England . . 

Italien 

Österreich-Ungarn . . . 

Russland 

Schweiz ...... 

Skandinavien 

Spanien und Portugal . 
Überseeisch 



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Transport 1 149 



367 



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Schnellpressenfabrik Frankenthal 
Albert & Co., Akt- Ges. * Fran ( ^ thal 



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Einladung zum Jahresbezug. 

Mit dem vorliegenden Doppelheft (11 12) findet der 38. Band unserer Vereinszeitschrift 

ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

seinen Abschluss, wir bitten daher unsere Leser und überhaupt alle Angehörigen und Freunde des 
Buchgewerbes, die unserem Verein als Mitglied nicht angehören, um baldige Bestellung des neuen 
Jahrganges bei der nächsten Buchhandlung oder bei der Geschäftsstelle des Buchgewerbevereins. 

Die Mitglieder des Deutschen Buchgewerbevereins erhalten für den Jahresbeitrag von M. 15. 
die Vereinszeitschrift kostenlos, jedoch ist von denjenigen, die eine direkte Zusendung wünschen, 
das Porto, Inland M. 2.40, Ausland M. 3.ÖO, bis zum l.Januarl902 an die Geschäftsstelle einzusenden. 

DerBeitritt zum Deutschen Buchgewerbeverein ist infolge des kostenlosen Bezuges der Vereins- 
zeitschrift für alle Angehörigen und Freunde des Buchgewerbes von erhöhtem Nutzen, zumal von 
Beginn des neuen Jahrganges an die einzelnen Zweige unseres Gewerbes noch eingehendere Be- 
rücksichtigung erfahren werden, als dies bis jetzt schon der Fall war. 

Der nunmehr abgeschlossene Jahrgang dürfte den deutlichen Beweis gegeben haben, dass der 
Deutsche Buchgewerbeverein im Archiv ein unabhängiges Fachblatt besitzt, das in selbständiger 
Weise und ohne Rücksicht auf persönliche Interessen das Wohlergehen des Deutschen Buchgewerbes 
fördern soll. Der 38. Band hat im Texte, der bildlichen Ausgestaltung, sowie in der Beigabe von 
Probeblättern wiederum eine beträchtliche Bereicherung erfahren. Das stetige Steigen unseres Leser- 
kreises, sowie zahlreiche anerkennende Zuschriften bezeugen uns den Frfolg unserer Bemühungen, 
was uns auch fernerhin ein Ansporn zu weitcrem sorgsamen Ausbau der Vereinszeitschrift sein wird. 

Zur Erneuerung der Bestellung auf die Vereinszeitschrift »Archiv für Buchgewerbe", oder zur 
Anmeldung als Mitglied des Deutschen Buchgewerbevereins, bitten wir eine der beiliegenden Post- 
karten benutzen zu wollen. 

Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins 

Dr. L. Volkmann, I. Vorsteher. 



Leipzig, Deutsches Buchgewerbehaus, im Dezember 1UUI. 



t 405 1 ■ 



Arthur Woernlein, Geschäftsführer. 



52 



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«w.mmmw.«<M«w ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrjrjrjrarjrdrjrarjcv» 



Die Kunst im kleineren Privatdruck. 



IM Druckgewerbe giebt es ein Gebiet, das von 
den Reformhcstrebungen der letzten Jahre 
noch recht wenig Vorteil gezogen hat, das Ge- 
biet des kleineren Privatdruckes. Gerade hier wo 
persönlicher Geschmack, eine sorgfältig gewählte, 
charakteristische Ausdrucksweise besonders am 
Platze wäre, herrscht Fast ausnahmslos gedanken- 
loserSchlendrian,einestarre,nurim Ungeschmack 
lebendige Tradition. Die Beobachtung dieses 
Thatbestandes hat auf eine Anregung des Unter- 
zeichneten hin einige Druckereien und Künstler 
Leipzigs zu einem Versuche veranlasst, in dieses 
argvernachlässigteFeld desAccidenzdrucks etwas 
künstlerisches Leben zu bringen. Die Absichten, 
die bei diesem Versuche maßgebend waren, die 
Ergebnisse, die er hatte, sollen hier kurz charak- 
terisiert werden. 

Ich beginne mit der Visitenkarte. Wenn wir 
uns umsehen, wie die übliche Visitenkarte heute 
beschatten ist, finden wir allermeist eine steife 
weiße Karte, die auf kreidebleichem Grunde hart 
eine schwarze Schrift zeigt. Die Schrift verrät 
allermeist nichts von persönlichem Geschmack, 
wir haben eine Dutzendantiqua oder dünne, 
faserige Fraktur, wo nicht noch Schlimmeres. 
Wenn's gut geht, ist die Karte in der altdeutschen 
Richtung gehalten. Dann sind wenigstens Schrift 
und Papier an sich erträglich. Aber wir müssen 
doch fragen, wiefern heute noch jene Renaissance- 
kunst irgend Ausdruck unseres Empfindens sein 
kann. Sie könnte es sein, wenn wir sie z.B. mittels 
der Farbe nach unserm Schönheitsgefühl um- 
bilden wollten. Aber das geschieht so gut wie nie. 
Allermeist wird das „Altdeutsche" gewählt, weil 
es „stilvoll" ist, wobei sich niemand etwas denkt. 
Wenn man es sehr gut machen will, so lässt man 
seine Visitenkarte „lithographieren", das heißt, 



man lässt 



len ausgeglichenen unpersön- 



lichen Zügen eines beliebigen Gewerbsschön- 
schreibers herstellen, wieder ein Zeichen dafür, 
wie wenig man darauf bedacht ist, etwas vom 
eigenen Sein und Empfinden in dieses kleine Ding 
zu legen, das doch eben dazu bestimmt ist, uns 
anzukündigen oder zu vertreten. Dagegen er- 
heben wir die Forderung, die Visitenkarte sei 
Ausdruck des individuellen persönlichen Ge- 
schmacks ihres Trägers. Dies zu erreichen bieten 
sich verschiedene Wege, die in derThat auch be- 
reits kühn beschritten sind. Zunächst einmal 



wählt man einen guten Karton oder gutes Papier, 
das irgendwie getönt ist, also nicht das kreidige, 
glasige, spiegelnde Weiß zeigt. Und dazu sucht 
man sich eine Schrift, die kräftig und klar, aber 
auch von besonderem Gepräge ist. Schon durch 
die Wahl der Schrift kann man sehr Verschieden- 
artiges erreichen. Es braucht hier nicht betont 
zu werden, dass es Schriften von durchaus hei- 
terem, festlichem, andere von ernstem Charakter, 
wieder andere von altertümlichem Reize und 
wieder welche von gänzlich neuem, fast voraus- 
sctzungslosem künstlerischem Gepräge giebt. 
Das gilt es zu erfassen und danach kann man 
die besondere Wirkung der Schrift noch durch 
eine entsprechende Behandlung des Satzes und 
der Farbe unterstützen, ja steigern. Der Satz ist 
ja allermeist der denkbar einfachste, es wird nur 
darauf ankommen, die Größe der Papierfläche 
zur Größe des Schriftbildes in ein gutes ange- 
messenes Verhältnis zu bringen. Im ganzen wird 
ein mittleres oder kleineres Format, und dement- 
sprechend nicht zu große Schrift das Richtige 
sein: die Visitenkarte darf nicht wie ein Plakat 
wirken. Werden Zusätze zum Namen gemacht, 
so muss selbstverständlich Schrift eines und des- 
selben Charakters für den ganzen Text gewählt 
werden. Man kann ja in Größe und Fette hin- 
länglich abstufen. Die Schrift ist zusammenzu- 
halten, so dass sie als geschlossene Gruppe wirkt. 
MitSchmuckstücken irgend welcher Art wird man 
sehr bescheiden verfahren, nur so viel als zur 
Abrundung einer Textgruppe notwendig ist, wird 
angebracht sein. Das dürfte etwa den allgemein 
gangbaren Weg bezeichnen. Darüber hinaus giebt 
es nun aber der Möglichkeiten noch viele. Man 
kann sich von einem Künstler einen Rahmen um 
die Schrift oder ein besonderes Schmuckstück 
(Symbol, Devise u. dgl.) zeichnen lassen. Man 
kann den Grund derKarte mit einem feinenMuster 
bedrucken oder farbig marmorieren lassen u. 
s. f. u. s. f. Statt weiterer Ausführung verweise 
ich auf die Beispiele, die in der Beilage zu finden 
sind. 

Ein zweites Stück, das hier in Betracht kommt, 
ist der Briefbogen. Wenn man den Kopf seiner 
Briefe irgendwie schmücken will, kann man gar 
nicht behutsam genug verfahren: zu leicht wird 
der Briefkopf durch Aufschrift oder Schmuck zu 
schwer. Ein gut gezeichnetes Monogramm oder 

-,'1 



406 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



einfaches Symbol von einem Künstler entworfen, 
in feiner zum Ton des Papiers gut abgestimmter 
Farbe gedruckt, wird stets den vornehmsten 
Schmuck abgeben. 

Weiter haben wir da das ganze große Gebiet 
der Anzeigen, als Verlobungs-, Hochzeits-, Ge- 
burts-, Trauer- Anzeigen, Danksagungen, Ein- 
ladungen und sonstiger Mitteilungen aller Art. 
Hier würde es sich abgesehen wieder von der 
sorgfältigen Wahl von Papier, Schrift und Farben, 
vor allen Dingen darum handeln, der Schrift selbst 
eine Anordnung zu geben, die dem Zwecke gemäß 
ist und zugleich künstlerisch wirkt. Wenn nicht 
etwa die Druckerei, der man seinen Auftrag giebt, 
im Besitze wirklich guter künstlerischer Vignetten 
oder Schmuckstücke, Rahmen u. s. w. ist, thut 
man auch hier weitaus am besten, es mit der 
Schrift allein zu versuchen. Eine Gruppe, die in 
ihrer Anordnung das Wesentliche hervortreten 
lässt, ohne es durch fette Auszeichnungsschrift 
noch besonders zu betonen, und die doch zugleich 
geschlossen ist und in einem guten Verhältnis zur 
Größe der Papierfläche steht, kann an sich schon 
ganz vortrefflich wirken. Statt dessen finden wir 
heute sehr oft Anzeigen, die eine wahre Muster- 
karte der verschiedenartigsten Schriften darstel- 
len, durch Hervorheben einzelner Worte mittels 
fetter Schrift fleckig und unruhig werden, infolge 
möglichst weitgehender Abstufung der Zeilen- 
längen gegeneinander und verzettelter Anordnung 
der Schrift geradezu zappelig aussehen, ohne dass 
damit schließlich der Klarheit und Übersichtlich- 
keit des Ganzen irgend wie gedient wäre. Solche 
Anzeigen sind doch nicht da zum Überfliegen 
oder Nachschlagen, man liest die paar Sätze in 
einem Zuge, und wenn der Satzbau vernünftig 
und die Anordnung einigermaßen verständig ist, 
so wird das Wesentliche dem Leser auch ohne alle 
jene Hilfsmittel eindringlich entgegentreten. Eine 
neue, heute besonders stark zu Tage tretende Un- 
sitte möchte ich hier ausdrücklich noch rügen. 
Es ist bei Geburtsanzeigen Mode geworden, den 
künftigen Namen des jungen Erdenbürgers schräg 
oben in eine Ecke der Karte zu setzen. Dass der- 
gleichen ebenso hässlich wie sinnlos ist, braucht 
eigentlich gar nicht weiter begründet zu werden. 
Man kann doch wahrhaftig den Namen, wenn man 
ihn mitteilen will, im Zusammenhang des Textes 



auf eine vernünftige Weise nennen. Auch hier 
verzichte ich auf eine ausführliche Erörterung der 
verschiedenartigen Möglichkeiten, die des wei- 
teren zu Gebote stehen und verweise wieder auf 
unsere Beilagen, die recht wirksame Anregungen 
geben können. 

Mit der Erörterung des Programms (Musik- 
programm, Speisen- und Weinkarte, Liedertext 
u. s. f.) kommen wir schon ins Gebiet der größeren 
Drucksachen, immerhin mag hier darüber wenig- 
stens bemerkt werden, dass es auch auf diesem 
Gebiete nicht nötig ist, viele verschiedene Schrif- 
ten anzuwenden. Man kann mit wenigen Ab- 
wandlungen einer und derselben Schrift und ver- 
mittelst einer sorgfältig überlegten Anordnung 
genau dieselbe Übersichtlichkeit erreichen und 
doch ruhig und gut wirken, wenn man sich nur 
immer vor Augen hält, dass es hier ganz beson- 
ders auf die sorgsame Abschätzung der Flächen 
gegen einander ankommt, und dass man eine An- 
ordnung, die auf einer einzelnen Seite dekorativ 
unwirksam wäre, sofort höchst günstig gestalten 
kann, wenn man nur eben die beiden gegenüber- 
liegenden Seiten als Einheit behandelt. 

Alles in allem: der kleinere Privatdruck setzt 
einen verständigen, künstlerisch empfindenden 
Besteller voraus, dereinen bestimmt ausgeprägten 
Geschmack und den guten Willen hat, ihn in der 
Drucksache zur Geltung zu bringen. Ich weiß 
sehr wohl, dass solche Besteller einstweilen noch 
fast gänzlich ins Gebiet des frommen Wunsches 
gehören. Aber es beginnt zu tagen. Und mehr wie 
je ist es auch hier die Pflicht des Buchdruckers, 
den Besteller anzuregen und zu leiten. Ich meine, 
auch unsere größeren Druckereien sollten sich 
dieser kleinen Aufgaben ernstlich annehmen: der 
übliche Visitenkartendrucker ist meist weder nach 
Geschmack, noch nach seinem Material in der 
Lage, reformatorisch zu wirken. Vielleicht könn- 
ten die Kunstgewerbevereine die Vermittelung 
übernehmen und dem Publikum wirklich fähige 
Druckereien zur Befriedigung höherer Wünsche 
nachweisen. Wie zu allem gehört auch zu dieser 
Sache zumeist nur etwas guter Wille, Zeit und 
Mühe. Dann lohnt aber auch das Ergebnis reich- 
lich und wir haben wieder einen Fuß breit mehr 
Boden für den Aufbau einer künftigen wirklich 
künstlerischen Kultur gewonnen. 

Dr. Rudolf Kautisch. 




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SK-hitcicixi Cc/euhntl »on i>n«r KrnJalf. An«: .Jo»c»dliBd". I. Band. Verl« ton OtbrUir Kitili in Zin'rt. 



Vom künstlerischen Bilderbuch. 




Von WILHELM SPOHR. 



N Deutschland geht das 
Kindcrbildcrbuch besse- 
ren Zeiten entgegen. Eine 
Glanzperiode hat es bei 
uns noch nicht gehabt. Es 
haperte immer an etwas. 
Als sich bedeutende, lie- 
benswürdige Künstler- 
charaktere dem Kinde zu- 
neigten, die auch sorgfäl- 
tige Holzschneider fanden, 
befand sich die Idee vom 
Gesamtkunstwerk des Bu- 
ches leider seit einigen 
Saeculis in Schlummer. 
Dürer und Genossen hätte 
ein Grausen gepackt, wäre 
ihnen im Himmel ein deut- 
sches Buch vom guten 
Durchschnitt in die Hände 
gekommen. Die Künstler 
selber, Schwind und Rich- 
ter wohl nicht ausgenom- 
men, werden nur sehr 
schwach von dieser Idee 
des Buches als Kunst- 
werkgeträumthaben. Zum 
Glück war bei diesen, 
Speckter, Schwind, Rich- 
ter, dann bei Busch, Ober- 
länder, Meggendorf er und 



Cfxrichficl von C. ü#nrfs. Vertue 

von m. Hfimimt n,c*f. i« L,i F »t selbst Thumann, der Aus- 



druck ihrer spezifischen Individualität so stark, 
dass w ir sie noch jetzt voll als Zeichner genießen 
und darüber den Mangel an Harmonie zwischen 
Künstler und Drucker, zwischen Zeichnung, 
Schrift und sonstigem Buchhabitus vergessen. 
Sicher ist: all die Leute, die damals an der Her- 
stellung eines Buches beteiligt waren, vom Künst- 
ler bis zum Bogenanleger und Buchbinder, hatten 
nicht entfernt soviel Arger und Kosten wie die 
strebenden Menschen, die jetzt durch ein kompli- 
ziertes Handinhandarbeiten höheren ästhetischen 
Ansprüchen genügende Bücher uns darzubieten 
suchen. Nur wer durch Mitthäterschaft oder flei- 
ßiges Zuschauen beteiligt war am Werden eines 
guten Buches, hat eine richtige Vorstellung von 
dem Weh, 
das mit sol- 
cher Geburt 

verknüpft 
ist Vor we- 
nigenjahren 
kannte man 

das alles 
noch nicht. 
Heute soll 
sich nun der 

Künstler 
ohne Scha- 
den für sei- 
nen persön- 
lichen Aus- — ^- ~ - 

C.ricu-hnet voa F. Graf Pwcl. Au« : . Fließende Hinter-. 

druck, dem wt; l( »füu^&tui^r m .«»«<>. 




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am gestrigen tage 
wurde uns hin gesundes 

TOCHTERLEIN GEBOREN, 
WELCHES ANNA MARIA 
ELISABETH HEISSEN SOLL j 
DIE GLÜCKLICHEN ELTERN 

ARTHUR KÖRNER . ' 

SOPHIE KORN Ii R 

C,FJ\. Hl'K( 'iF.K 



I KIKDKH I ISU.M U ^V HV\ BKRI.IN 
BÖLsniH STKASSK i; 
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ige rum „Archiv für Buchgewerbe." Poeichel ft Trepte. Leipztg-t.mJ 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




G«ci<aaci von F. Graf Pocci. Au»: .AI« «all nc« Jegcodlledtr-. VcrU« von Atfheni IHrr ia 



drucks bar, fade, oberflächlich, 
mittclwegliebend, moralisch, reli- 
giös, patriotisch — also alles, 
nur nicht künstlerisch! — alle ge- 
heime Liebe im Kinde zum Schö- 
nen und Charaktervollen zu er- 
sticken geeignet waren. Wer sich 
auf die Zusammenhänge in der 
Kultur einigermaßen verstand, 
hätte laut schreien müssen nach 
Neuem, Kräftigem, mochte es 
selbst mal über die Stränge schla- 
gen. Aber erst mit den frischen 
Impulsen in der Kunst und einem 
neuen Aufflackern des Erzie- 
hungsgedankens erwachten auch 
diese Rufe, und seit wenigen 
Jahren kann man von einer wirk- 
lichen Bewegung reden, die der 



Buche anzupassen wissen, im Zwange 
dekorativer Formen soll er frei und 
ungezwungen erscheinen, ein Gent- 
leman, der in die höfische Vcrneigung 
seinen persönlichen Schwung und 
Charakter legt. Und da überrasche 
ich mich mit der Frage: gehört denn 
dies alles, was ich da sage, zum 
Thema „Bilderbuch"? Und ich ant- 
worte: freilich, denn wenn irgend 
wo, so tritt hier die Kunst als Erzieher 
auf, und so gut wie auf litterarischem 
Gebiet verführt hier die Nachlässig- 
keit und der Schlendrian des Künst- 
lers zu Unsauberkeit und Unkorrekt- 
heit im Denken und Fühlen. Es ist 
nicht zu ermessen, was die süßlichen 
Verse von alten Jungfern, die eine 
Zeit lang ausschließlich für unsere 
Kinder reimten, was die seichten, un- 
künstlerischen, nicht von Persönlich- 
keiten geschaffenen Bilderbücher un- 
seren Kindern für Schaden zugefügt 
haben! Glückliche Zeiten möchte 
man sagen, da wir noch stark auf die 
NeuruppinerBilderbogen angewiesen 
waren. Aber es kamen Zeiten, wo 
das berühmte deutsche Weihnachts- 
Prachtwerk im Schwünge war, und 
mit ihm das „bessere" Bilderbuch 
und die „bessere" Jugendschrift, wel- 
che beide, alles persönlichen Aus- 




Gerelcnncl von .H. r. St» wind. Ava : .M&nch«ntr Bilderbogen*. 
VMtJ von Braun fr Sckn,i4,r in Mint»,«. 



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Au«: L. RicMtn ,Tu(UcA Brot*. Verla« von Alftumt Mrt in Leip.-ig. 



Kunst im Leben des Kindes eine Machtstelle 
einräumen möchte. Inzwischen war auch 
etwas sehr Wichtiges geschehen: die Farbe 
wurde sozusagen wiederentdeckt, an der CS 
niemals gefehlt hatte, die man aber etwa 
zwei Jahrhunderte lang nicht sah, bis ganz 
einzelne Künstler kamen, die sie zu sehen 
behaupteten, sie wiedergaben, sich als Toll- 
häusler bezeichnen ließen, indessen doch 

nicht nachgaben, bis sie uns gleichfalls 
sehend gemacht hatten. Alles arbeitete Hand 
in Hand. Wir haben jetzt große Sehnsucht 
nach Farbe. Die Drucktechnik war auch 
nicht faul, sie lernte das ehrliche Bekennt- 
nis des Künstlers zur lebhaften Farbe so gut 
wiederzugeben wie die feinsten Abstufungen 
und Abtönungen in seinen Farben. Und 
endlich: wir haben auch erkannt, wie wich- 
tig es ist, dass wir das Kind nicht stumpf 
werden lassen dürfen der Farbe gegenüber, 
und nicht allein sehen wir in der Erziehung 
zur Farbe und zur Form eine Gewähr für 
unsere zukünftige ästhetische Kultur, son- 
dern wir sehen überhaupt darin eine Stär- 
kung des Willens zum Leben, eine Erhöhung 
des Lebensgenusses und der Vitalität im 



weiteren Sinne. So 
ist die ganze Frage 
des künstlerischen 
Bilderbuchs keine 
Frage des Luxus 
mehr, sondern eine 
der Notwendigkeit 

Hier stehen wir 
mit unserer Erkennt- 
nis, und es stimmt 
zur Freude, dass wir 
sehen, wie auch die 
Praxis uns entgegen- 
kommt. Dass unsere 

deutschen Druck- 
techniker was kön- 
nen, wussten wir 
lange: in herrlichen 
englischen Bilder- 
büchern konnten wir 

hinten das Wort 
lesen: made in Ger- 
many. Wir waren 
etwas ärgerlich dar- 
über, denn diesel- 
ben Firmen, die den 




CtKlCtiMI v«a M. v, jMkWM. 
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE « 




wusst, dass die große Kunst sol- 
chen Regeln wohl siegreich spot- 
ten kann; sie sind auch weniger 
für den Künstler gedacht, mehr 
für den wollenden und tastenden 
Sucher im Publikum, dem auch 
damit nicht das Selbsturteilen 
und dieeigeneWahl abgeschnitten 
werden soll. Vor allem kommt 
aber die Eigenart des Kindes in 
Frage und sein Alter. Manchem 
Kind wird Nahrung für seine 
Phantasie notthun, bei einem an- 
dern wird man es heilsam finden, 
sein vielleicht erregtes Gemüt 
vom Phantastischen ab der Wirk- 
lichkeit mehr zuzuwenden. Wer 
mit Erwägungen solcher Art 



Verl«« 



An.: Rtm, „Für kitlac Utiir- 
Eafn Twittmtytr in Ltiftif. 



Fremden Vorzügliches lieferten, speisten uns mit 
Schund ab. Die Zeit des Jammers ist nun vorbei. 
Tüchtige Künstler,ZeichnerwieMaler, ihre eigene 
Sprache redend und doch verständlich, schaffen 
für das Kind. Bedeutende Verlagsfirmen wett- 
eifern miteinander in der Herausgabe des Besten, 
das im Augenblick verlangt werden kann. Ver- 
mittler und Organisatoren unter den Schrift- 
stellern, Lehrern und Künstlern sind aufgetreten, 
um Kunst und Publikum einander näher zu 
bringen: Ausstellungen, Flugschriften, Bücher 
und Vorträge dienten dem. Als aufmerksamer 
Beobachter und Mitthäter übersehe ich dies alles 
sehr gut und kann sagen: es herrscht eine herr- 
liche Munterkeit, das Eis ist gebrochen, der Be- 
wegung ist nicht Einhalt zu thun, sie wird 
siegen! Und ich meine, wir müssen all dem 
Neuen, das sich da hervorwagt, mit jenem väter- 
lichen Wohlwollen gegenüberstehen, das mit 
Bewusstsein lobt, um zu heben, das tadelt auch 
nur, um zu bessern, das anruft, ermuntert, einen 
kühnen Fehlgriff neben anderm Guten gern ver- 
zeiht und sich aufs nächste Mal vertrösten lässt. 
Krieg nur dem Schlendrian, der Spekulation auf 
Dummheit und Unerzogenheit des Publikums, auf 
außerkünstlerische Momente. 

Es sei mir gestattet, bei der Frage, welche An- 
forderungen ich an ein künstlerisches Bilderbuch, 
an den Künstler und an den ein Buch Auswäh- 
lenden stelle, zu wiederholen, was ich an anderen 
Orten schon gesagt habe. Ich bin mir wohl bc- 




Ceielchncr von O. Pttltch. 



TiKiMan m: .NrtiMkihrn*. 
IKrt in UM 



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Au«: JugriKlltnil' 



Gcickhnri v»n FrJnr Himer. 
I. Hi'.-' Verl«* v<in <,rfrüJrt KituM In Zürich, 



operiert, darf meinem Rat als ernst erwogenem 
folgen. Auch tha'tig Beteiligten, z. B. Verlegern, 
können meine Ausführungen interessant sein, in- 
dem sie Zustimmung oder Widerspruch erzeugen, 
eine Ansicht befestigen oder zur Korrektur auf- 
fordern: „Nur wirkliche Kunst ist brauchbar, 
spezifische Kinderkunst je- 
doch giebt es nicht; darum 

zu Kunst, die auf einen 
kindlichen Ton gestimmt 
ist, muss doch auch der Er- 
wachsene ein genießendes 
Verhältnis gewinnen kön- 
nen; Kunst, die dem Er- 
wachsenen als kindisch und 
läppisch erscheint, ist keine 
Kunst und auch für dasKind 
zu verwerfen; erste Frage 
muss bei einem Bilde sein, 
ob es künstlerisch ist; ist es 
dieses, so ist es brauchbar, 
falls nicht der Inhalt oder 
die Darstellungsweise dem 

Begriffskreise des Kindes 

durchaus fern liegt; wenn 

auch Bilder mit deutlich 

sexuellem Bezug nicht 
brauchbar sind, so darf bei 
derAuswahl doch nichtPrü- 
derie im Spiele sein; das 
Nackte ist nicht ohne weite- 



res ausgeschlossen, im Gegenteil wird der 
Erzieher, der sich auf seine weise Handver- 
lasscn kann, in ihm das beste Mittel gewin- 
nen, die geschlechtliche Unbefangenheit 
beim Kinde zu erhalten; äußerst wichtig für 
den Auswählenden ist es, dass er darauf 
sehe, dass dieBilder «kräftige Umrisse, ener- 
gische Farben" zcigen,dass sie nicht «charak- 
terlos, weichlich, süßlich, kraftlos" sind; 
selten werden Bilder geeignet sein, die ent- 
weder unbestimmte Farbentöne aufweisen 
oder ungeordnet vielerlei Farben nebenein- 
ander vereinigen; entschiedenes Blau, Rot, 
Grün, wie es gute Künstler gegeneinander 
abgetönt zu geben wissen, in großen Flä- 
chen nebeneinander gesetzt, abgegrenzt 
durch energischen Kontur, sind am meisten 
erzieherisch; bei guter Charakteristik steht 
vollwertig die Schönheit gebende Kunst, d.h. 
mutige Schönheit, tiefe, seelische, formori- 
ginelle, nicht konventionelle Modekupfer- 
schönheit, die in Grund und Boden zu verdam- 
men ist. In allem ist natürlich die Altersstufe des 
Kindes zu berücksichtigen. Immer wird das Bild 
einen Zweck erfüllen, wenn es charakteristisch 
ist, oder wenn es Größe und Kraft atmet, oder 
durch die Gewalt der Farbe reizt und bildet, oder 

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Cncichnci von E. Haittr. Aua : .Fliegende BUticr*. Verl»» >on Braun (• SchntUtr In Maacan. 



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wenn es zu milder Farbensymphonie gestimmt 
ist, oder wenn es durch Schönheit zu Schönheit 
zu erziehen vermag, und wenn es den Aufwärts- 
trieb durch ästhetische Mittel anreizt." 

Es sind recht viele deutsche Bücher zu nennen, 
welche einzelnen von den zu stellenden Anforde- 
rungen in hervorragenderWeise entsprechen. Ein 
abgerundetes klassisches Werk haben wir noch 
nicht, wahrend England und die skandinavischen 
Länder, auch Frankreich wirklich Leistungen aus 
einem Guss aufweisen können. Von den aus- 
ländischen Büchern sind wohl bei uns am be- 
kanntesten die englischen. Darunter sind wirk- 
lich ideale Werke doch werden sie immer nur 
das Entzücken des Reiferen oder des Kunst- 
kenners bleiben können, während sie unseren 
deutschen Kindern nicht immer viel bieten wer- 
den. Wer eine Ahnung von fremden Leistungen 
erhalten will, der kann auch zu den Skandinaviern 
gehen. Einen entzückenden Schatz, kostbar und 
verhältnismäßig billig, kann man sich in des 
Schweden Carl Larsson .En Hern" (Das Heim) 
erwerben (Albert Bonniers FÖrlag, Stockholm, 
12 Kronen). Ich muss mir Einhalt thun, dass ich 
nicht anfange zu schwärmen vor deutschen Fach- 
männern, die es nicht gern hören werden. Doch 
ich kann ja zur Beruhigung auch zu meiner 
eigenen -- dabei sagen, dass die Platten zu den 
herrlich wirkenden Bildern auch wieder in 
Deutschland hergestellt sind. Sind vielleicht 
auch die Bilder gedruckt hier? Die Angabe eines 
schwedischen Druckers könnte dem Textdruck 
gelten. Man sehe sich es an, um zu erkennen, 
was sich machen lässt, zumal wenn man einen 
guten Künstler hat. Dass das Buch wegen seiner 
Kostbarkeit und seines Inhalts mehr ein Familien- 
buch ist, dass nur Vater und Mutter oder sonst 
ein Reiferer vorblättern darf, giebt uns zu der 
Bemerkung Gelegenheit, wie wünschenswert ge- 
rade das Familienbuch ist, das schon einmal 
seine Glanzzeit hatte in den jungen Tagen des 
Buchdrucks, das wir wieder haben möchten als 
einen Mittelpunkt für die Familie, während wir 
jetzt im allgemeinen in der Lesekost eine unselige 
Trennung wahrnehmen: auf der einen Seite Alber- 
nes für die Kinder, auf der anderen Schlüpfriges, 
jedenfalls aber »nur für Große" berechnet. 

Große lobenswerte Anstrengungen auf dem 
Gebiete des Bilderbuches macht Schafsteins Ver- 
lag für neudeutsche Kinderkunst (Schafstein & 
Co., Köln a. Rh.). Außerordentlich lehrreich 
ist für uns die Entwickelung des „Knecht Ru- 



precht*. Man kann an den drei Bänden, die je 
zu Weihnachten 1899, 1900, 1901 erschienen sind, 
aufs trefflichste demonstrieren, was nicht statt- 
haft ist bei einem Bilderbuch, und was gelungen 
ist an den Büchern. Der erste Band hat wohl 
einzelne gute Leistungen, im ganzen aber ist er 
noch kein Kunstwerk, die meisten Zeichnungen 
sind noch unsicher und krltzlich, wie wir's an 
den billigen Kalendern kennen, keine entschie- 
dene Linienführung, kein genügend kräftiger 
Strich, der buchtechnisch neben dem Lettern- 
druck erforderlich ist; tonige Bilder in Auto- 
typie-Reproduktion, auch andere Bilder, die gar 
nicht beim Entstehen aufs Buchdasein hinge- 
zweckt werden; viele Bilder „eingestreut"; 
schwächliche Ausläufer von Bildern laufen wie 
Wurzelfäserchen in die Satzkolumne, die an 
solchen Stellen scheu Platz macht; wenige de- 
korative Leistungen, besonders auch unter den 
farbigen Bildern. Der zweite Band vom vorigen 
Jahre war schon sehr viel klüger, er gehört schon 
zu den guten Büchern, besonders auch durch die 
Einheitlichkeit in der Aufmachung. Der dritte 
Band aber zeigt gewaltige Fortschritte. Ich glaube, 
dass hier ein schönes Verhältnis obgewaltet hat 
zwischen einer wohlmeinenden, ratenden Kritik 
und den schaffenden Faktoren. Das Gewand ist 
wieder dasselbe, nur das Vorsatzpapier ist kräfti- 
ger geworden. Umschlag, Vorsatzpapier, Titel- 
blatt, die ersten Bilder und Einrahmungen wieder 
von Fidus, und das bildet ein einheitliches Flui- 
dum für das Sammelwerk, bei dem die schwierig 
zu lösende Aufgabe, das Ganze auf einen Grund- 
ton zu stimmen, die Hauptaufgabe sein musste. 
Bei dem ersten Bande hat der Drucker noch zei- 
gen wollen, dass er mehrere Schriften besitzt; der 
dritte Band zeigt im Text einen edlen, einfachen 
Fluss, es wurde durchgehends die Schrift von 
Georg Schiller angewandt, die zuerst mit dem 
Amtlichen Katalog der deutschen Abteilung auf 
der Pariser Weltausstellung auftrat. Aller Buch- 
schmuck und alle Bilder sind bunt, mit Aus- 
nahme weniger winziger Vignetten. Alles Bild- 
material strebt dekorativen Charakter soweit an, 
als er bei einem Buche erforderlich ist, sei es 
durch die strenge äußere Geschlossenheit der 
Form und die dekorative Farbengebung, sei es 
durch einen energischen Kontur, sei es durch die 
einfache quadratische Form eines in der Farbe 
kräftigen Bildes, sei es durch eine dekorative 
Umrahmung, sei es durch eine einfache, kräftige 
Umrandung. Druck und Papier gut bei dem 



413 «ä 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arjrjrararjrjrjrjrj-rar 




GmMMMI von Wilhelm Buich. 
A>n: .Mietende Blillcr*. Vcrlqt vun Brdin &■ Schneider in Manchen 



Preise von drei Mark. Die Leistungen für sich 
betrachtet: sehr gut, gut, befriedigend, eine unbe- 
deutend, doch nicht verletzend. Wohl uns, wenn 
der Text so gut ist. Mit der bildenden Kunst 
und ihrer Reproduktion steht es jetzt besser wie 
mit der Schriftstellerei für das Kind. Muss auch 
noch kommen. Nur weil die drei .Ruprechts" 
ein für alle so interessantes Beispiel bilden, war 
ich bei ihnen so ausführlich. Das genug gelobte 
und aus außerkünstlerischen Gründen - be- 
kämpfte »Fitzcbutzc" und die »Blumenmärchen" 




Gezeichnet von A. Oberländer. 
Au»: „Fließende Blittef. Vtrlig von Brunn tr Schneider in München. 



von Kreidolf, die in den Schafsteinschen 
Verlag übergingen, seien nur erwähnt. Sehr 
originell sind »Die schlafenden Bäume" von 
Kreidolf, Lithographien, in denen ganz 
eigenartig das Leben in der Natur geschil- 
dert ist, eine Familie von Bäumen mit 
Menschengesichtern, schlafend, vom Sturm 
wachgerüttelt, voll bewegter Leidenschaft 
angesichts eines Feuers imThale.von Regen- 
männern und -weibern aus Kübeln mit 
Wasser beschüttet. Wenige Blätter, aber für 
1 Mark sehr billig. Ein Vorsatzpapier, her- 
vorragend durch phantastische Wirkungen. 
Es ließe sich sehr viel über das Buch sagen. 

Ein größeres Unternehmen tritt uns auch 
in dem von den Zürichern Heim. Moserund 
Ulrich Kollbrunner herausgegebenen »Jugend- 
land" entgegen (Gebr. Künzli, Zürich, München, 
Paris, Turin, Barcelona). Es werden vier Bände 




Gejcichfvcl von L. Megxenjorfer. 
Au»: .FIIeKcniie Bl»ilcf. Verl»» von Braun f- Schneider ia Mtnehen. 



erscheinen, für verschiedene Altersstufen be- 
rechnet. Der erste, für das Alter bis zu acht 
Jahren, liegt vor. Dies Werk tritt auch mit ern- 
sten künstlerischen Absichten auf. Ein großer 
Teil der am »Knecht Ruprecht" beteiligten 
Künstler und Schriftsteller tritt hier auf. Schön 
durch viele vortreffliche Einzelleistungen, unter 
denen namentlich die Bilder von Paul Rieth, 
Kreidolf, Kallmorgen, Eichrodt, Niemeyer, 
Schönberger, vieler, die vorwigend drollig sind, 
nicht zu gedenken. Ich erwarte viel von den 
späteren Bänden, von denen ich einige Bilder in 
vortrefflichen Originalen kennen gelernt habe. 
Da ich wünschte, dass die Herausgeber es in 



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'KWK.'KWM«,«.«,«.« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jr^rjrjrjrjrarjrjrjrjr 



den nun noch folgenden Bänden 
zu hervorragenden Leistungen 
brächten,wi!l unddarf ich in einem 
Fachblatt ihnen meine strengste 
Meinung nicht vorenthalten. Die 
nächsten Bände sollten kein Mu- 
sterbuch von allerhand Schriften 
sein. Mehr Strengheit noch gegen- 
über den angebotenen Leistungen. 
Die Seite 53 thut mir weh. Da legt 
sich ein vom Bilde ausgehender 
gelber Ton über die ganze Breite 
der unteren fünf Sechstel der Seite, 
es laufen Stengel von Wasser- 
pflanzen über die Fläche hin, dar- 
über hin ist der Text gedruckt. Auf Seite 62 ist 
ein Strandbild in weißen Silhouetten auf schwar- 
zem Grunde, die jedoch tonige Einzeichnungen 





Geteichnel von A. Oteriinilrr. 
Verl« von Brau« & 



tragen. Ich fürchte, das Klischee entpricht der 
Negativaufnahme einer Schwarzzeichnung auf 
weißem Grunde, jedenfalls wird ein entspre- 
chend unkünstlerischer Eindruck mit dem Bilde 
erzielt. Das Vorsatzpapier ist sehr schön, der 
Künstler hätte genannt werden dürfen; auch der 
Titel ist einladend. Den Herausgebern ist herz- 
lich Erfolg zu wünschen. 

Einzelne von den lieben Karlsruher Künstlern, 
die bei Teubner und Voigtländer den schönen 
Wandschmuck für Schule und Haus herausgeben, 
haben uns auch ein Bilderbuch in Lithographien 
„Die Arche Noah" beschert (ß. G. Teubner, 
Leipzig). Es sind Eichrodt, O. Fikentscher, 



Haueisen, Hein, Hofer, v. Volkmann, Bertha 
Welte. Die Reime sind von Fritz und Emily 
Kögel. Besonders auf Seite 3, 7, 8, 14, 21, 22, 28, 
28, 30, 31 sind schöne Bilder, die teils künstlerisch 
wirkungsvoll sind, teils Elemente enthalten, die 
namentlich bei Kindern Jubel hervorrufen wer- 
den. Ich möchte die Leute weiter schaffen sehen 
auf diesem Gebiete, weil ich glaube, sie werden 
noch Erfreulicheres uns bieten können. 

In einer Sammlung „Neue Buchkunst", deren 
Bändchen nur 80 Pfennige kosten, gab der Ver- 
lag Voigtländer in Leipzig auch zwei Bändchen 
heraus, die hier in Frage kommen. Ein herziges 
Büchelchen ist: »Aus der schönen weiten Welt", 
Liedchen und Verse 
von Wolrad Eigen- 

brodt, Bilder und 

Buchschmuck von 
dem deutsch-sinnigen 
und deutsch -innigen 
Hans von Volkmann. 
In den Zeichnungen 
der Landschaft ist da 
wie immer bei ihm 
viel, viel Stimmung, 
dazu kommt eineReihe 
von herzlich drolligen 
Leisten und Vignet- 
ten, die Vorgänge aus 
dem Leben der dem 
Kinde besonders be- 
liebten Tiere wieder- 
geben. Mit einfachen 

Mitteln weiß der 

Künstler den ganz 

charakteristischen 

Habitus der Tiere 




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Gcielefcnet van P. 
An«: Bern, »Für klein« Leute". 
Verlag mn tmgm Tmrtmrrrr In Lriptic 



Mt 415 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararjMrarararjrjrarar 



erschöpfend darzustellen. Ein Kunstwerk Für 
den Kenner ist: .Leiden, Sterben und Aufer- 
stehung unseres Heilands Jesu Christi". In den 
Worten des Evangeliums mit siebzehn Bildern 
von Hans Schäuffelin, Buchausstattung von Emil 
Büchner. Über den guten Schäuffelin brauche 
ich nichts zu sagen, nur dass er hier vonDrugulin 
wundervoll gedruckt ist. 

Fischer & Franke bringen mich mit dem vie- 
len Neuen und Schönen, das sie im vergangenen 
Jahr herausgebracht haben, in Verlegenheit. Da 
sind in der allbekannten reich illustrierten Jung- 
brunnen-Sammfang erschienen: Lieder zum 





Aut: Jutcndlinil». |. Band 



Gewlchoct von Ctrl CthrU. 

\tt\»t von GttrUrr KOnsH In Zirtct. 




O«. »» H. y^L Aui: CHmm. Kl^min*,. V t n H v„ Br M * Sck~U.r In Mi.O,,. 

*» 416 tfi» 



Lobe derHeimat,die Jahreszeiten 
in Liedern, Minnesänger-Lieder, 
Volkslieder, Liebeslieder, neue 
Rübezahlmärchen, weitere 
Grimm - Märchen, Tafel- 
schwänke, Hans Sachs, Voss und 
Swinegel von John Brinckmann, 

Burschenlieder, Kinderlieder 
und ein großer Bandzu 4,50Mark: 
„Fortunat und seine Söhne«. 
Ich höre, dass der Kölner Jugend- 
schriften-Ausschuss einen gro- 
ßen Jungbrunnen -Sammelband 
von Märchen für nur 2 Mark her- 
ausgiebt. So kann auch ein bilder- 
reiches Werk zu Ärmeren ge- 
langen. Von „Teuerdank, 
Fahrten und Träume deutscher 
Maler", der eine billige Samm- 
lung von Kunstblättern darstellt, 
liegen mir acht Folgen vor, von 
denen mir als hervorragend und 

teilweise entzückend gelten 
llirzels „Stimmungen", H. von 
Volkmanns „Eifelbildcr", Ernst 
Liebermanns „Allerlei Welten", 
desselben „Alt- München", 
Horst-Schulzen .Einsamkeit". 
Es sind darunter schöne, kräftige 

Blätter, die auch als Wand- 
schmuck für die Stube gute Dien- 
ste leisten. Auch an die älteren 
Jungbrunnen -Bändchen muss 
neu erinnert werden, sowie an 
die Sammelbände der Märchen. 

Ein alter Kinderfreund, Otto 
Spcckter, erscheint auch wieder 
ganz neu bei Alfred Janssen in 




GEZEICMNCT VON »OOLf MUNZER. 

AUS: „KNECHT RUPRECHT" ILLUSTR. JAH 

VERLAO VON SCH, 
KUNSretlLAOE ZUM ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



tflnz utifcSSatts. 

J Don Gcorgr Paul Sylucftfr Cabanis 

}Uultnrrt uon hitXI WUnifr. 

Heinz und Hans warm 6efchwifter. Wenn ihr nun aber 
meint, Heini und Hans feien zwei wilde Buben ge- 
wefen, To irrt ihr euch — ganz gewaltig. 
Heinz und Hans waren Brüderlein und Sdiwefrer- 
lein — , und doch nannte man Tie „Heini und Hans". 
Das kam aber To: 

Hans hiefl eigentlich nicht Hans, fondern Hannchen. 
Weil nun Hannchen ein klein wildes Ding war, weit wilder, 
als mancher Junge, weit wilder uor allen Dingen, als ihr 
eigener kleiner Heini-Bruder, nannte der üater und die 
Mutter ihr Hannchen kurzweg Hans. — Und bald wurde 
fie uon allen, die fie kannten, nicht anders, wie „Hans" 
gerufen. 

Don Heinz und Hans alfo möchte ich euch allerlei er- 
zählen. 

Kam der üater des Mittags nach Haufe, fo liefen Heinz 
und Hans alles flehen und liegen. „6uten lag, lieber 
üater!" fchrien He lachend, fprangen ihm entgegen und um 
fchlangen jeder ein Bein und riefen: „Bitte, bitte, fliegen 
laffen!" Der üater ergriff dann fein Hannchen unter den 
Hrmen, warf es in die Cuft und fing es wieder auf und 
lieft es auf dem Rrm fchweben und tanzen und fang dazu: 

„Seht doch nur mein Mädel an, 

wie mein Mädel fliegen kann! 

Dult, wie fo ein munt'res Ding, 

To ein bunter Schmetterling. 

nicht doch! wie ein Uögelein 

fchwingt fich's in die Cuft hinein. 

Dabei piept es, wie ein Spat), 

zwitfdiert, wie ein Finkenmai 

Halt ioYs nicht am Rödichen fefr, 

fliegt's der Schwalbe nach ins fielt. 

Fliegt mir fort durch Baum und Bufdi 

hin zum Wald. Huihufch, huihufdi". 



Rls Heinz und Hans fich an einem Sonntag-riach- 
mittag wieder einmal müde gefpielt hatten an ihren 
Siebenfachen, drängten fie fleh ganz facht an den üater 
heran, der an feinem Schreibtifch falj und las, und ehe er 
fich's oerfah, hatte er feine beiden Schelme auf den Knieen. 
„Was foll denn nun werden?" fragte er lachend. „Reiten, 
bitte, bitte, reiten laffen V war die Rntwort. 

Heinz und Hans brauchten nicht lange zu bitten, fo 
ging es hopphopp, hopphopp — und der üater fummte 
dazu ein Ciedchen, und die beiden kleinen Reitersleute 
fummten es lachend mit: 

„Hoppla, hoppla, hoppla nah! 

Kommt dem Pferddien nicht zu nah! 

Hoppla, hoppla, hoppla heh! 

tief heut fdion durch Sumpf und See. 

Hoppla, hoppla, hoppla huh! 

Bift mein braues Pferdchen du. 

Hoppla, hoppla, hoppla höh! 

Schütte dir auch frifches Stroh, 



BUCH FÜR KNABEN UND MADCHEN. BAND II 

'STEIN & CO.. KÖLN. 

DRUCK VON ALPHONS BRUCKMANN. MÜNCHEN. 



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Beilage zum .Archiv kor Buchgewerbe.. 





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«««.«.'««.WK'W«, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE »*r,«r*r *r 



Hamburg: in einem prächtigen „Vogelbuch". 
Ist das eine liebe, ehrliche, alte Haut! In 29 
größeren wie kleineren Bildern haben wir da Für 
1 Mark das Hühner-, Gänse-, Enten-, Storch-, 
Raben-, Dohlen- und Rohrdommelleben, dazu 
prächtige Verschen von Gustav Falke, der auch 
schon zum „Katzenbuch" dichtete. Hier muss 
auch an den von Avenarias bei Callwey in 
München wieder herausgegebenen „Gestiefelten 
Kater" erinnert werden , sowie an die Ausgaben 
von Heys Fabeln mit Bildern von Speckter bei 
Perthes in Gotha. 

Eins der besten deutschen Bucherzeugnisse 
haben wir im „Hirzepinzchen", einem Märchen 
von der Ebner- Eschenbach , das reichen Buch- 
schmuck von Robert Weise enthält. (Union 
Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 3 Mark.) 
Eine kostbare Aufmachung zeigt das Buch. Die 
zarten Töne in den Bildern von Weise haben dem 
Druck eine schwierige Aufgabe gestellt, die so 
glänzend gelöst ist, dass das Buch mit den besten 
ausländischen Erzeugnissen konkurrieren kann. 
So etwas haben wir Großen selber gern. - 
Gleichfalls prächtig von innen und außen und 
zumeist auch im schriftstellerischen Teil sind die 
drei 5 Mark-Bände: Heinrich Seidel „Winter- 
märchen", Viktor Blüthgen „Märchen", Wilhelm 
Hauff „Märchen*. Das erstere hat Buchschmuck 
von Carl Rohling, das zweite von Berwald, 
Engels, Heydel, Müller- Schönefeld, Rohling, 
Stassen, L. v. Zumbusch, das dritte von Robert 
Weise. Der Verlag hat auch die billige Andersen- 
Auswahl zu HO Pfg., und dann vor allem zwei 
Wilhelm Busch-Bände für das Kind: 1. Die 





Geieithacl vtn Hstti roa Io/*hijaj!. 
Au»: [IgtnbnJI. Au* der »cMiorn Veiten «'eil. R. VoigtlinJtr, Lnfttf. 



Gcielchnel vun Hunt na Volkmamn. 
Au»: Ciftahiadl, Aua der ..hone» »eilen « eil. K. VaigtlinJtr, triftig. 

kühne Müllerstochter, Der Schreihals, Die Prise; 
2. Hans Huckebein der Unglücksrabe, Das Puste- 
rohr, Das Bad am Samstagabend. Das sind sechs 
prächtige Sachen, die in Text und Bildern zu be- 
freiendem Humor verhelfen. 

Nun, und da wären wir mit Wilhelm Busch zu 
dem an Kinderkunst so reichen Verlage Braun Cr 
Schneider in München gekommen. Die drei Bände 
„Schnaken und Schnurren" sind nicht zu ver- 
gessen, der.Max und Moritz" und„Schnurrdiburr 
oder die Bienen". Ich kann den Ruhm der Bücher 
nicht größer machen, möchte aber doch energisch 
für ihre Brauchbarkeit auf unserm Gebiete ein- 
treten. Dann kommt Meggendorfer, von dem das 
Einfache als das Künstlerischste zu wählen ist, 
nicht die Ziehbilderbücher u. s. w. Besonders 
empfehlend möchte ich nennen „Allerlei nette 
Pflanzen", das schon alt ist, aber vom unerzogenen 
Publikum weniger gewürdigt ist als andere nicht 
so wertvolle Sachen. Dann nenne ich noch von 
mir bekannten Meggendorferbüchern: „Nimm 
mich mit", „Affentheater", „Auf dem Lande". 
Eine Fundgrube besitzen wir in den „Münchener 
Bilderbogen", und ein kostbares Buch in den 
„Kinder- und Hausmärchen" von den Brüdern 
Grimm mit den zahlreichen Bildern von Hermann 
Vogel. Reinickes „Lustiges aus der Tierwelt" 
schafft den Kindern Unbehagen. 

B. Schotts Söhne, Mains, haben uns das vorige 
Jahr bereichert um „Unser Liederbuch", die be- 
liebtesten Kinderlieder.fürKinderstimmen gesetzt 
von Frit: Volbach, mit saftigen, kräftigen Bildern 
im Überfluss von Ludwig von Zumbusch, Litho- 
graphien. Darin ist so hübsche deutsche Art 
alter, gefestigter Richtung. Herrliche Bilder von 
Wald und Feld und aus weiterer Natur. Derselbe 



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mmm.'mmmMmLmmm. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE acurara*a*a*3»arj*jrjr 



Verlag gab heraus „Neue Kinderlieder undBilder* 
von Robert und Erwin Oehme. 

P. E. Lindner in Leipzig hat die Bilderbücher 
von Flinzer, unter denen hervorzuheben sind: 
„Tierstruwwelpeter",, Tierschule", „König Nobel". 

Wenn ich nun noch schnell einige Firmen und 
Titel nennen darf, so hätte ich schier alles ge- 
nannt, das uns von einem strengen künstlerischen 
Standpunkt aus brauchbar für das Kind erscheinen 
kann. Da ist Georg Wigand und Alphons Dürr in 
Leipzig mit dem Schatz von Ludwig Richter- 
Büchcrn, gleich erfrischend für Groß und Klein, 
da ist der Verlag Heinsius in Leipzig mit Richten 
„Aus dem Kinderleben", da ist wieder Wigand 
mit den verschiedenen Ausgahen der Bibel von 
Schnorr von Carolsfeld. Von Oscar Pletsch sind 
fehlerfreie Ausgaben bei Dürr in Leipzig zu haben, 
sowie neuerdings in Loewes Verlag, Ferdinand 
Car/inSrurrgarf,derzunächst„Deralte Bekannte" 
für 1 M. 50 Pfg. statt 6 M. herausgiebt und weitere 
fünf originalgetreue Ausgaben folgen lassen will. 
Und nun noch in reiner Aufzählung das Folgende: 
Grimms Hausmärchen mit Bildern von Richter 
bei Reclam, mit Bildern von Paul Meyerheim 
bei Bertelsmann in Gütersloh, Robert Reinicks 
Märchen-, Lieder- und Geschichtenbuch mit 
vielen Bildern bei Velhagen & Klasing, „Das 
Goldene Märchenbuch", die herrliche Auswahl 
von Dieffenbach, mit Bildern von Carl Gehrts 
bei Heinsius in Leipzig, die drei Bände „Heimat- 
klänge aus deutschen Gauen" (1. Aus Marsch 
und Heide, 2. Aus Rebenflur und Waldesgrund, 
3. Aus Hochland und Schneegebirg) bei ß. G. 
Teubner, mit ihrem frischen, frischen, frischen 
Inhalt, Strasburgers „Lieder für Kinderherzen" 
mit Bildern von Ernst Liebermann bei Ernst 
Hofmann&Co. in Berlin, „Märchen ohne Worte" 



bei Georg Hirth, Paul Thumann: „Für Mutter 
und Kind", Bilder zu Volksreimen, bei Stroefer 
in München und Nürnberg, Paul Meyerheims 
„ABC" bei R. Wagner in Berlin, Röchling- 
Knötel-W. Friedrich „Die Königin Luise", Röch- 
ling- Knötel „Der alte Fritz" bei Paul Kittel in 
Berlin, Pocks „Bilderbuch für die Jugend" und 
die noch nicht allzu bekannten „Bilderbogen für 
Schule und Haus" bei der Gesellschaft für ver- 
vielfältigende Kunst in Wien, einzelne Sachsesche 
Bücher bei C. C. Meinhold Söhne in Dresden, 
„Hänseken" von Frank Wedekind bei Albert 
Langen in München, Maxim. Bern: „Für kleine 
Leute" mit vielen Bildern bei Twietmeyer in 
Leipzig, Blüthgens „Hesperiden" bei der Union 
Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart, wegen 
der schönen Aufnahmen Hecks „Lebende Bilder 
aus dem Reiche der Tiere" in Werners Verlag in 
Berlin, für Plattdeutsche: Fehrs „Ut Ilenbeck" 
mit Bildern von Vogeler bei Lühr & Dircks in 
Garding, Avenarius' „Meisterbilder" bei Call- 
wey in München, „Neue Flugblätter" ä 10 Pfg. 
(darunter Thoma, Steinhausen u. s. w.) bei Breit- 
kopf er Härtel, das große Werckmeistersche 
Porträtwerk „Das neunzehntejahrhundert", oder 
Teile aus ihm bei der Photographischen Gesell- 
schaft in Berlin, dessen Bildnisse einen hoch- 
strebenden Knaben kräftigen können. 

Damit ist eine vollständige Liste des Brauch- 
baren gegeben. Die Vor- und Mitarbeit ernster, 
künstlerischer Kinderfreunde liegt neben neuer 
Arbeit in meiner Aufstellung. Das Streben wäre 
wünschenswert, dass man die Sortimenter mehr 
und mehr hinwiese auf das Gute in der Bilder- 
buch-Litteratur zum Wohle der künstlerischen 
Industrie, die ein wohlbereitetes Absatzgebiet 
haben muss, zum Wohle des deutschen Kindes. 



Gereich nel : 
Fr. Hein. Au« : Anitrun, 
.Der Reliekimertd". 




Verl** 

vihi Füdur]&*Fra*kt 
in Brrtim. 



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?*«,<K'K*£'K'K*c/M.'a&»fc ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararwarjrjrjrjrjr» 



Das Druckerei- und Buchgewerbe in Russland. 



Von Dr. D. FEITELBERG In Berlin. 



III. 



DIE Kaiserin Katharina II., die sich selbst 
mit der Geschichte befasste, kaufte große 
Büchersammlungen aus dem Auslande 
und gründete die noch jetzt bestehende Eremi- 
tagen-Bibliothek. Zu derselben Zeit wurden 
äußerst reichhaltige Privatbibliotheken angelegt. 

Die reichste und vollkommenste Büchersamm- 
lung Russlands enthält aber unzweifelhaft die 
kaiserliche Bibliothek in Petersburg. Obgleich 
eine der jüngeren Schöpfungen auf diesem Ge- 
biet, giebt sie in der Zahl der Werke der National- 
bibliothek in Paris und der Bibliothek des Bri- 
tischen Museums nichts nach. Der Grundstock zu 
dieser Bibliothek stammt aus der Büchersamm- 
lung der Brüder Saluski in Warschau. Als im 
Jahre 1704 Suwarow Warschau eroberte, wurde 
diese Sammlung nach Petersburg gebracht. Sie 
bestand vornehmlich aus Werken über die Ge- 
schichte Polens. Die Bücher wurden in einem 
eigens hergerichteten Räume untergebracht und 
am 2. Januar 1840 mit der kaiserlichen Bibliothek 
vereinigt. Die Bibliothek vermehrte sich außer 
durch die bereits oben erwähnte Bestimmung, 
dass von jedem in Russland gedruckten Werke ein 
Exemplar an die kaiserliche Bibliothek geliefert 
werden müsse, durch freiwillige Zuwendungen 
und große Ankäufe seitens der Regierung. 

Nach dem polnischen Aufstand im Jahre 1831 
erhielt die kaiserliche Bibliothek die Bücher aus 
der Jesuitenakademie zu Polotzk und aus anderen 
polnischen Bibliotheken, sie zeichnet sich gegen- 
wärtig durch eine Manuskripten -Sammlung aus 
dem Gebiete der russischen Geschichte und der 
Kirchengeschichte (letztere namentlich in slavo- 
nischerSprache)aus. Hier sind uralte Evangelien- 
und Apostelgeschichten untergebracht, ebenso 
eine reiche Sammlung von hebräischen Manu- 
skripten; ein seltenes Bibelexemplar, die sogen. 
Sinaibibel, welches durch Tischendorff aufgefun- 
den wurde und den ältesten griechischen Bibel- 
text enthält, ist ebenfalls in dieser Büchersamm- 
lung zu finden. Äußerst reich ist auch die Samm- 
lung von Manuskripten in den orientalischen 
Sprachen, wie persisch, arabisch und hebräisch. 
Es fehlt selbst der Koran nicht, der aus Samar- 
kant hierher gebracht wurde. Viele wertvolle 
Manuskripte haben Abschnitte aus der französi- 
schen Geschichte zum Gegenstand, so die Briefe 



Ludwigs XI., die Korrespondenz Katharinas von 
Medici und andere ähnliche Schriftstücke. Die 
russische Abteilung der Bibliothek enthält end- 
lich fast alle Bücher, die seit der Zeit Peter des 
Großen in Russland gedruckt worden sind. 

Die anderen Abteilungen der Bibliothek, so die 
historische, die juridische, die philosophische und 
theologische, weisen atleWerke in russischer oder 
in anderen Sprachen, die im Lande erschienen 
sind, auf. In der historischen Abteilung befindet 
sich eine äußerst hervorragende Sammlung von 
Werken über die französische Revolution vom 
Jahre 1848. Alle Broschüren und Karrikaturen 
jener Zeit sind hier aufbewahrt; auch die über 
den Kommunistenaufstand in Frankreich vom 
Jahre 1871 erschienenen Schriften sind bemer- 
kenswert. 

Als besonders reichhaltig darf ferner die Ab- 
teilung für Palästinaforschung erachtet werden, 
welche durch Ankauf der Sammlung des bekann- 
ten Palästinäologen Tobler begründet wurde. 

Neben einerKollektion, die Ausgaben und Über- 
setzung des Horaz enthält, verdient die Bibliothek 
Voltaires, die von der Kaiserin Katharina II. von 
diesem Schriftsteller gekauft wurde, Erwähnung. 

Die Zahl der Bände der kaiserlichen Bibliothek 
wird auf 1000000 bis 1300000 geschätzt; dieser 
Bestand vermehrt sich jährlich um ca. 8000 Bände. 
Ein öffentlicher Lesesaal, zum Gebrauch für das 
Publikum bestimmt, enthält 12000 Bände und ist 
wohl einer der besuchtesten Lesesäle in Europa, 
da seiner Benutzung keinerlei Genehmigung vor- 
auszugehen braucht. Die Zahl der jährlich ver- 
abfolgten Entleihungsscheine beläuft sich auf 
15000, während jedoch 355O00Bande ausgeliehen 
werden. 

Wir dürfen an dieser Stelle das vom Kanzler 
Grafen Romanzew gegründete historische Mu- 
seum nicht außer acht lassen, welches eine Bü- 
chersammlung von über 300000 Bänden enthält. 

An hervorragender Stelle ist aber neben der 
kaiserlichen Bibliothek vor allem die Bibliothek 
der Akademie der Wissenschaften in Petersburg 
zu nennen, die eine Schöpfung Peter des Großen 
ist und durch Ankäufe im Auslande begründet 
wurde. Katharina II. ließ sich die Weiterausge- 
staltung dieser Bücherei angelegen sein, indem 
sie neben den vornehmlich vorhandenen theo- 



419 



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tmm. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



logischen, medizinischen und historischen Wer- 
ken auch solche aus anderen Wissensgebieten 
anschaffte. Eine weitere Förderung erfuhr die 
Bibliothek durch den Fürsten Radziwill. Die 
Bedeutung dieser Bücherei liegt weniger in der 
großen Zahl ihrer Exemplare, als in den sehr sel- 
tenen und kostbaren Manuskripten. Im Jahre 1842 
vereinigte man sie mit der Büchersammlung der 
„Russischen Akademie*. Am meisten sind hier 
Mathematik, Naturwissenschaften und Philologie 
vertreten. Nicht minder bedeutsam ist die selten 
große Sammlung griechischer und lateinischer 
Klassiker. Die beiden Abteilungen der Biblio- 
thek (slavonische und russische) erhalten eben- 
falls wie die kaiserliche je ein Exemplar aller in 
Russland erscheinenden Werke. 

Seit dem Jahre 1830 hat das Buchgewerbe in 
Russland auch dadurch einen neuen Impuls er- 
halten, dass auf Initiative der kaiserlich freien 
ökonomischen Gesellschaft öffentliche Biblio- 
theken in der Provinz errichtet wurden. Die be- 
deutendste dieser Anstalten ist die von Wilna 
(100000 Bände). Die Fonds zu derselben lieferten 
die Bibliotheken der Klöster der Umgegend, die 
von der Regierung aufgehoben wurden. Es folgen 
dann die Bibliotheken von Odessa (60000 Bände), 
Tiflis, Kasan, Riga. Letztere ist die älteste Biblio- 
thek Russlands, da sie bereits im Jahre 1553 be- 
gründet wurde; sie besitzt ungefähr 70000 Bände. 

Unter den aus öffentlichen Mitteln seitens der 
verschiedenen Verwaltungen und Körperschaften 
errichtetenBibliotheken verdienen an ersterStelle 
die Universitätsbibliotheken genannt zu werden. 
Die älteste ist die von Moskau (300000 Bände), 
die von Warschau zählt ebenfalls 300000 Bände. 
Auch den Grundstock hierzu lieferten dieBücher- 
sammlungen der im Jahre 1830 nach dem polni- 
schen Aufstande aufgehobenen Klöster. Es ver- 
dienen noch genannt zu werden die Universitäts- 
bibliothek von Dorpat (Juriew), Helsingfors, 
Kasan u. a. m. 

Von großer Bedeutung ist die Eremitage-Biblio- 
thek, welche von der Kaiserin Katharina II. ge- 
gründetwurde, und eine Reihe von Privatbiblio- 
theken, so die von Voltaire, Diderot, d'Alembert 
Büsching,Müller,FürstTscherbatoffund anderen, 
enthält. Viele Werke aus diesen Sammlungen 
wurden jedoch nach der kaiserlichen Bibliothek 
und nach dem vorhin genannten Museum des 
Grafen Romanzew überführt. Sie umfasst da- 
her gegenwärtig nicht viel mehr als 60000 Bände, 
die hauptsächlich das Gebiet der Archäologie, 



der Kunstgeschichte und Numismatik behandeln. 
Auch die kaiserliche Akademie ßr medizinische 
Wissenschaften verfügt über eine Reihe Fach- 
bibliotheken von etwa 100000 Bänden. Neben 
ihr bestehen eine große Anzahl bedeutender Spc- 
zialbibliothekcn. 

Die Büchereien der Kirchen-Administrationen 
bilden eine eigene Kategorie auf diesem Gebiet. 
Die älteste dieser Bibliotheken ist die Synoden- 
bibliothek zu Moskau, deren Anfänge bis zum Be- 
ginn des 16. Jahrhunderts zurückgehen. Sie hat 
einen großen Bestand von Manuskripten religiö- 
sen und geistlichen Inhalts. Weiterhin sind in 
dieser Sammlung in bedeutsamem Umfange ver- 
treten die heilige Schrift, geistliche Bücher, die 
Geschichte der Kirchenväter und ähnliches mehr. 
Das historische Urkundenmaterial ist hier, soweit 
es die kirchliche Entwickelung betrifft, selbstver- 
ständlich ebenfalls sehr reichhaltig. Namentlich 
sind die griechischen Manuskripte eine Fund- 
grube für die Forschung auf dem Gebiete der Ge- 
schichte von Byzanz. Vom 17. Jahrhundert an 
haben alle Gelehrten aus dieser Quelle geschöpft. 
Die in Rede stehende Bibliothek wurde in der- 
selben Zeit (16. Jahrhundert) wie die kaiserliche 
Bibliothek begründet. 

Bemerkenswerte litterarische Schätze besitzen 
auch andere Kirchenbibliotheken, so die der theo- 
logischen Akademien von Kasan, Kiew u.s.w. 

Die theologische Akademie in Petersburg ver- 
fügt ebenfalls über eine große Zahl kostbarer Ma- 
nuskripte und alter Bücher aus der Kathedrale 
der heiligen Sophie zu Nowgorod und des Klo- 
sters Kirillo-Belooserski; diese beiden Stiftungen 
enthielten die reichhaltigsten Büchersammlungen 
des alten Russlands. Die gegenwärtige Bände- 
zahl der Petersburger theologischen Bibliothek 
beträgt 70000. 

Die in Privatbesitz befindlichen Büchersamm- 
lungen sind nicht besonders zahlreich. Von ihnen 
verdienen die Bibliothek des Grafen Uwarow und 
die von Titoff in Rostow erwähnt zu werden. 

Die geringe Ausdehnung der Privatunterneh- 
mungen ist eine Folge der strengen Zensurauf- 
sicht, der auch die Bibliotheken in Russland unter- 
worfen sind. Um eine Bibliothek und Lesesaal 
zu eröffnen bedarf es der Erlaubnis seitens der 
obersten Provinzverwaltung, wobei die Personen 
genannt werden müssen, die die Bibliothek be- 
dienen sollen. Der Minister des Innern kann 
bestimmte Bücher aus dem Betriebe und der 
Verleihung in Privatbibliotheken verbieten. In 



420 



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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe. 




Kupferätzung von C. Angerer $ Goschl, Wien. 

Nach einem üK-Miialtcn I1;itin<lruc1>. 



Aufnahm* von V. Kabith Pruck von Kiichcr \ Wütig in Lcipiif, 



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BEITRAG DER CENTR AI. DRUCKEREI CHRISTIANIA, NORWEGEN 

Direktor Chr. Th«rvild»tn 



tAmt Jrm Sattonatwtrk m Sorw*t*n im t9. JaHrhmnjtrF, Alk. Lammrrmtvtrt Vtrlagf 



Beilage zum Archiv für Bin 



rnnmammmmmmmm. Archiv für Buchgewerbe 



letzter Zeit ist man aber bestrebt populäre Lese- 
hallen zu errichten und dies hat zur Folge, dass 
die gesetzlichen Bedingungen für die Eröffnung 
von Bibliotheken seit dem Jahre 1890 vereinfacht 
worden sind. Im Jahre 1898 w urde vom Unter- 
richtsminister eine Liste der zur Ausgabe in den 
Volksbibliothekcn erlaubten Bücher und peri- 
odischen Zeitschriften herausgegeben. Seit dem 
Jahre 1894 ist man seitens der Semstwos (Land- 
schaften) und der Stadtverwaltungen eifrig damit 
beschäftigt, die Eröffnung neuer Bibliotheken für 
das Volk in die Wege zu leiten. Diese Körper- 
schaften und die ländlichen Gemeinden haben es 
zuwege gebracht, dass im Nordwesten und im 
Süden Russlands eine große Anzahl von Biblio- 
theken eröffnet worden sind. 

Das im Obigen entworfene Bild von dem Stand 
des russischen Druckerei- und Buchgewerbes 
kann freilich nur als ein relativ günstiges bezeich- 
net werden, insofern, als namentlich die letzten 
Jahre erhebliche Fortschritte auf diesem Gebiete 
zu verzeichnen haben. Zieht man die Größe des 
Reiches und die Zahl der Einwohner in Betracht, 
so ergiebt sich deutlich, dass der Bedarf an Druck- 
werken in Russland noch weit hinter dem anderer 



Länder zurücksteht. Trotz des verhältnismäßig 
geringen Bedarfs vermag aber die heimische In- 
dustrie sie nicht ganz zu befriedigen, was freilich 
zum größten Teil nicht Schuld des Druckerei- 
gewerbes sondern der geringen litterarischen 
Produktion ist. Aber auch die polygraphischen 
Gewerbe selbst sind noch nicht im stände eine 
der Nachfrage entsprechende Reproduktion aus- 
ländischer Werke auszuführen. Die Einfuhr von 
Büchern, Karten, Musikalien und Zeitschriften 
steigt daher von Jahr zu Jahr. Speziell aus dem 
deutschen Wirtschaftsgebiete gelangten im Jahre 
1900 nach Russland (mit Finnland) 1367 t dieser 
Ware gegen nur 787 t im Jahre 1889. Hierbei 
ist zu beachten, dass, während Bücher in fremden 
Sprachen zollfrei eingehen, von Musikalien, Kar- 
ten und photographischenVervielfältigungen auch 
der vertragsmäßige Zoll noch 4 Rubel 50 Kopeken 
pro Pfund beträgt. Lästiger jedoch als die Höhe 
des Zolles erweisen sich die Vorschriften über die 
Zensur, welche mit außerordentlichen Spesen und 
Plackereien verbunden sind. Ehe hier eine Er- 
leichterung Platz greift kann sowohl das Inlands- 
geschäft wie der Import zu keiner rechten Ent- 
wickelung gelangen. 



Das Kind als Künstler. 

Von A. HENIG in Leipzig. 



DIE Spezialabteilung „Das Kind als Künst- 
l ler", die einen Teil der großen Wander- 
ausstellung des deutschen Buchgewerbe- 
vereins: „Die Kunst im Leben des Kindes" 
ausmacht, dürfte zu den interessantesten ihrer 
Art gehören, aus dem einfachen Grunde, weil 
der Versuch, Ausstellungen von Kinderzeich- 
nungen zu veranstalten, noch ziemlich neu ist. 

Was aber neu geschaffen ist, wird gewöhnlich 
nicht vollendet sein. Deshalb wird noch einige 
Zeit und weitere Arbeit erforderlich sein, bis uns 
ein abgeschlossenes Bild geboten werden kann 
von dem, was man von vornherein beabsichtigte. 

Es dürfte aus diesem Grunde von Interesse 
sein, einige Punkte besonders hervorzuheben 
und ihnen die Würdigung zuzuweisen, die sie be- 
anspruchen dürften. Daraus wird erhellen, in 
wie weit in den Bilderbüchern, den Wandtafeln, 
kurz in allem, was man den Kindern aus künst- 
lerischen Zwecken darbietet, gefehlt worden ist 



gegen das, was die Kinder auf Grund der aus- 
gestellten Zeichnungen als ihr eigenes Kunst- 
bedürfnis hingestellt haben, oder was ihrem 
Kunstgeschmack eine terra incognita ist und dar- 
um bei ihren Erstlingswerken keine Beachtung 
gefunden hat. 

Zunächst kommt die Perspektive in Betracht. 
Dass die Kinder Arm Verständnis für dieselbe 
haben, erkennt nicht nur der geistreiche Preyer 
in seinem Werk: Die Seele des Kindes, Leipzig 
1900, TA. Griebens Verlag (L. Fernau) an, sondern 
wird auch durch die Zeichungen (Katalog Abt. III, 
Nr. 119 121 der Ausstellung) bekundet. 

Aber den Kindern fehlt sowohl das Verständ- 
nis, wie überhaupt die Fähigkeit, perspektivisch 
richtig zu sehen. Der Begriff der Distanzunter- 
schiede ist ihnen unbekannt; fassen sie doch nach 
dem Mond und nach anderen glänzenden, aber 
verhältnismäßig weit entfernten Gegenständen, 
und erst dem Ende des ersten Jahrzehntes ist es 

54 



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'M^cwx'W.'MW'XWK ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ar^^sr Jrararjrarjrjr 



vorbehalten, Entfernungen richtig einzuschätzen. 
Es ist diese Erscheinung ein Nachteil des Men- 
schen dem Tier gegenüber; denn bekanntlich pickt 
das Hühnchen, welches kaum einige Stunden lebt, 
die Futterkörnchen genau so sicher vom Boden 
auf, wie die alte Henne. 

Aus dieser Thatsache, dass bei den Kindern 
das Verständnis und die Fähigkeit für perspek- 
tivisch richtiges Sehen noch nicht vorhanden ist, 
sind nun einige wichtige Folgerungen zu ziehen, 
die für die praktische Anwendung der Kunst im 
Leben des Kindes von größter Wichtigkeit sind, 
welche ihnen aber bisher von Künstlern und Pä- 
dagogen scheinbar nicht beigelegt wurde. 

Mir wenigstens, trotzdem ich die Ausstellung 
ganz gründlich durchstudiert zu haben glaube 
und auch sonst im Leben (z. B. bei Spielsachen) 
fortgesetzt nach dieser Richtung hin Beobach- 
tungen gemacht habe, ist fast kein Füll zu Ge- 
sicht gekommen, in dem diesen Folgerungen be- 
wusstermaßen Rechnung getragen worden wäre. 
Selbstverständlich nehme ich unsern Altmeister 
Ludwig Richter und alle ihm engverwandten 
Künstler hiervon aus, die es mit überaus glück- 
lichem Feingefühl verstanden haben, diesen For- 
derungen gerecht zu werden. 

Das Kind wird von zwei gleichgroßen Häusern 
das entfernter liegende für kleiner halten und 
folglich auch, wenn es dieselben in richtiger per- 
spektivischer Verkürzung gedruckt vor sich sieht, 
sich nicht vorstellen können, dass beide Häuser 
in Wirklichkeit gleich groß sind. 

Nun bitte ich, die Tierbilderbücher mit mir 
darauf hin zu prüfen; da wird man Hund und 
Schwein, Elefant und Kamel auf ein und der- 
selben Seite des Buches finden und zwar alle 
diese Tiere gleich groß (cf.z. B. II Nr. 190). 

Während das wirkliche Verhältnis derselben 
ein außerordentlich verschiedenes ist (s. Abb. A), 
finden wir sie in den Tierbilderbüchern im all- 



ndn..-h«r Elefam ca. J,«n m : 4,50 m 



2.H1 m : 2,25 m 




Schwein . . . - 



0.75 m : 1.50 m 
O.W m : 0.50 m 



gemeinen in dem Verhältnis von 1:1:1:1 ge- 
zeichnet. Hier dürften die Ausnahmen von dem 
wirklichen Verhältnis von ungefähr 1 :7: 36: 100 
nur gerechtfertigt sein, wenn sie durch die ab- 
sichtliche humoristische Tendenz der betr. Bilder 



bedingt sind (z. B. die Flinzerschen Tierkari- 
katuren). 

Daraus ist mit zwingender Notwendigkeit der 
Schluss zu ziehen, dass das Kind den Hund für 
ebensogroß halten wird wie den Elefanten, das 
Kamel für so groß wie das Schwein, zum minde- 
sten aber wird es namentlich von den Tieren, die 
es nicht aus eigener Anschauung kennt, eine ganz 
verschobene Vorstellung bekommen. Dass ich 
mich hier nicht auf dem Gebiet der Hypothese 
bewege, haben mir praktische Erfahrungen^ oft 
genug erwiesen. So verwechselte ein vierjähriges 
Mädchen in einem Bilderbuche, welches von 
einer Konfektionsfirma gratis verteilt wurde, eine 
weiße Maus mit einenVSchwcin, obwohl es beide 
Tiere in Natur oft genug gesehen hatte. Ferner 
war ein Sperling neben einer grauen Feldtaube 
in falschem Größenverhältnis abgebildet. Ob- 
gleich das Kind auf den alltäglichen Spazier- 
gängen oft genug Sperlinge und Tauben gesehen 
hatte und beide Tiere recht wohl zu unter- 
scheiden wusste, bezeichnete es in diesem Falle 
beide Tiere mit dem Kollektivnamen »Vögel- 
chen*, sichtlich erfreut darüber, diesen Ausweg, 
der es von der vermeintlichen „Blamage" rettete, 
gefunden zu haben. Ein uns befreundeter Kunst- 
ästhetiker (ein Stadtkind) hielt den Storch, den 
er nur aus Bilderbüchern kannte, für doppelt so 
groß, bis er ihn in Wirklichkeit zufällig auf seinen 
Reisen sah. 

Wie sehr auch sonst gegen die Verhältnisse in 
geradezu verblüffender Nonchalance gesündigt 
werden kann, zeigen einige der neuesten Kinder- 
bilderbücher. Ein Stuttgarter Verlag serviert 
uns ein Ei im Becher, gerade so groß wie der 
danebenstehende hohe Kinderstuhl, und ein 
Essmesser länger wie das Schwert des Riesen 
Goliath, von dem zweifelsohne auch jener Haus- 
schlüssel stammt, der an Umfang mit der Platte 
des Ausziehtisches wetteifert. 

Ein anderer Stuttgarter Verlag bringt einen Rad- 
fahrer, der von dem" Panzer erster Klasse, der 
neben ihm durchs blaue Weltmeer segelt, be- 
quem die Mastflagge herabholen könnte. Dort 
sieht man eine Bierflasche, in der der wilde Tiger 
daneben sehr wohl ein nächtliches Unterkommen 
finden würde. Nicht weit davon ist die Kartoffel 
zu sehen, die zehn mal größer als der Tennis- 
schläger ist, während uns ein dritter Verlag mit 
einem Silberfasan überrascht, welcher stolz auf 
die Kunstreiterin hcrabblickt,die auf dem Pferde 
steht. 



M 422 *s» 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrsrjrjrjrarararararar 



Diese Kuriosa sind hauptsächlich auf die Ge- 
dankenlosigkeit zurückzuführen, dass Verleger 
Zeichnungen und Klischees, die ihnen von den 
verschiedensten Seiten angeboten werden, zu- 
sammenkaufen und dann einfach nebeneinander 
abdrucken. 

Schließlich möchte ich noch auf ein großes 
Tierbuch hinweisen, in dem man allerdings erst 
umblättern muss, um konstatieren zu können, 
dass das Karnickel ebensogroß ist wie das Pferd, 
die Ente wie die Kuh! Hier hat der Fehler darin 
seinen Grund, dass jedes Tier die ganze Seite 
füllen musste. 

Um all diese Unrichtigkeiten, die bei den Kin- 
dern zweifellos Verwirrungen hervorrufen müs- 
sen, zu beseitigen, dürfte es sich aus didaktischen 
Gründen wohl empfehlen, ausnahmslos bei figür- 
lichen Zeichnungen die richtigen Größenverhält- 
nisse möglichst zu berücksichtigen. Freilich wird 
dies aus praktischen Gründen nicht immer ab- 
solut durchzuführen sein, aber die Phantasie und 
das Erinnerungsvermögen unserer Kinder ist so 
groß, dass ihnen schon annähernd richtige Ver- 
hältnisse die sichere Erkennung der Zeichnung 
ermöglichen werden. 

Als weitere Frage wäre zu erörtern, ob es für die 
Kinder zweckmäßig sei, ihnen perspektivisch kor- 
rekt gezeichnete Vorwürfe zu 
bieten. Zunächst ist festzu- 
stellen, welchen Zweck die 
Bilderbücher und Wandtafeln 
erfüllen sollen. Haben sie das 
Kind wissenschaftlich zu be- 
lehren, oder sollen sie eine 
einfache, aber die Phantasie 

anspornende Schilderung 
bringen? Wenn wir letzterem 
unsere Zustimmung erteilen 
und uns somit zur Auffassung 

der größten Bilderbücher- 
zeichner aller Zeiten, zu den 
alten Ägyptern denn was 

waren ihre Wandgemälde 
eigentlich anders als Bilder- 
bücher im großen? beken- 
nen, so werden wir eine per- 
spektivisch absolut richtige 
Zeichnung für unnötig, in man- 
chen Fällen sogar für verwir- 
rend halten. Auch die alten 
Ägypter verzichteten freiwillig 
zu Gunsten der Deutlichkeit 



auf die Gesetze der Perspektive, da es doch 
kaum anzunehmen ist, dass die größten Archi- 
tekten und Mathematiker aller Zeiten von diesen 
einfachen Gesetzen keine Ahnung gehabt hätten! 
Sie, die es verstanden, die Stellung der Sterne 
am Firmamente lange Zeit im voraus auf den Tag 
genau zu berechnen und danach den Grundriss 
ihrer Tempelanlagen, die astronomischen Aus- 
gucklöcher in den gewaltigen Pyramiden zu er- 
bauen, sie sollten an der leichten Aufgabe, eine 
l.inearperspektive geometrisch zu konstruieren, 
gescheitert sein? Natürlich waren ihre Wand- 
illustrationen nicht für Kinder im eigentlichen 
Sinne des Wortes bestimmt, sondern für die 
große Masse des Volkes, dem es galt, ein wich- 
tiges geschichtliches Ereignis möglichst einfach, 
aber deutlich und drastisch zu erzählen. Wozu 
da die Perspektive? Insofern haben uns diese 
großartigen Meister den richtigen Weg gewiesen. 
Den Kindern sind und bleiben korrekt perspek- 
tivische Zeichnungen unverständlich, sie werden 
dieselben niemals aus dem Bilderbuch verstehen 
lernen. Erst späteren Jahren, wo das Interesse 
für dasselbe im Schwinden begriffen ist, bleibt es 
vorbehalten, den Kindern begreiflich zu machen, 
warum das weiter entfernt liegende Haus kleiner 
erscheinen muss. Darum glaube ich die Eliminie- 




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• r 423 * 



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««««««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararjrjrjrjrsrsrsr.sr 




Ahl). 2 



rung der richtigen Perspektive aus den Büchern, 
die für Kinder bestimmt sind, welche die Schule 
noch nicht besuchen, befürworten zu sollen, ja 
ich bin so radikal zu behaupten, dass man gegen 
deren Gesetze verstoßen darf und muss, wenn es 
^ gilt, die Deutlichkeit für 
/ ! die kindlichen Augen zu 
steigern. 

Der Würfel ß in Linear- 
perspektive konstruiert 
wird dem Kind ein unlös- 
bares Rätsel bleiben, wäh- 
rend es Abb. Csehr leicht 
als Würfel auffassen wird. 
Bei der falschen Perspek- 
tive des Würfels B stoßen wir Erwachsenen uns 
daran, dass uns die schrägen, genau parallel ver- 
laufenden Linien sogar zu divergieren scheinen. 
Der Eindruck ist also mehr" der einer abgeschnit- 
tenen Pyramide, während das kindliche Auge von 
vornherein dieser optischen Täuschung nicht 
unterworfen ist. 

Es würde dies zwar einen Rückschritt zu einer 
Zeichenmethode bedeuten, die bereits vor Jahr- 
tausenden in Anwendung war, sicherlich aber 
entspricht sie mehr dem kindlichen Auffassungs- 
vermögen als unser modernes Verkürzungssystem. 
Außerdem haben einige Kinderzeichnungen der 
Ausstellung auch einige andere „Hehler" mit den 
ägyptischen gemeinsam, z. B. die Gewänder, die 
einen Durchblick auf die verdeckten Körper- 
formen gestatten (cf. III Nr. 44 u. 44a). Es ist 
diese Beobachtung nur eine Bestätigung der 
/Versehen Aufstellung, dass den Kindern auch 
der Sinn und das Verständnis für die Körperlich- 
keit fehle. So fassen die Kinder nach den Rauch- 
wolken einer Cigarre als einem festen Gegenstand 
und sind erstaunt darüber, wenn ihnen dieselben 
zwischen den Fingern zergehen. 

Abbildung 1 scheint unsere Behauptung, dass 
die Kinder die Perspektive nicht kennen, Lügen 
zu strafen. Dem ist aber doch nicht so. Die Füße 
der Bettstelle u. s. w. sind allerdings zugegeben 
ziemlich richtig verkürzt gezeichnet worden, 
allein der übrige Teil des Bildes zeigt keine Spur 
eines perspektivischen Sehens auf. Nachdem nun 
alle Augenzeugen versichern, dass unsere kleine, 
damals 7jährige Künstlerin stets frei aus dem 
Kopf ohne jede Anlehnung an eine Vorlage 
schafft, so müssen wir hier eine Erinnerung an 
schon gedruckte Darstellungen, also ein unbe- 
wusstes „Nachempfinden' 4 konstatieren. In dieser 



Annahme werden wir durch Abb. 2 bestärkt. 
Dieser primitive Stuhl und Tisch sind einige Zeit 
vorher durch dieselbe Meisterin entstanden 
zwischen beiden liegt der Eintritt in das schul- 
pflichtige Lebensalter und ein intensiveres, ver- 
ständnisvolleres Beobachten des im Bilderbuch 
Gebotenen und der Art und Weise, wie es zur 
Darstellung gebracht wurde. 

Es ist ferner eine vielumstrittene Frage, ob die 
Kinder in den ersten Tagen des Lebens, d. h. ehe 
sie sich mit Hilfe des Tastgefühls vom Gegenteil 
überzeugt haben, die Gegenstände verkehrt sehen 
und demgemäß auch verkehrt hinzeichnen. Preyer 
bezeichnet dies zwar als eine „abenteuerliche Be- 
hauptung", giebt jedoch wenige Zeilen später un- 
umwunden zu, dass sein Knabe Zahlen verkehrt, 
ja sogar teilweise in Spiegelschrift wiedergab. Er 
führt diese Erscheinung allerdings darauf zurück, 
dass dem Kinde die „richtige Bewegungsvorstel- 
lung" noch gefehlt habe. Für diese Behauptung 
bleibt er uns freilich den stützenden Beweis 
schuldig. Thatsache ist jedenfalls, dass Kinder 
gesehene Gegenstände zwischen ihrem zweiten 
und vierten Lebensjahre verkehrt gezeichnet 
haben. Doris L., die Tochter eines bekannten 
Leipziger Arztes, hat mehr als einen Beweis dafür 
geliefert. Das Kind, welches damals 3 Jahre alt 
war, hat Menschen in der üblichen Form (Kreis 
Oval, zwei Striche, die andern zwei Striche für 
die Hände folgten erst später) an einer Wandtafel 
mit Kreide (weswegen dieselben nicht erhalten 
geblieben sind) verkehrt gezeichnet. Als die 
Mutter es darob ausschalt, weinte es, zeichnete 
jedoch die Figuren das nächste Mal gerade wieder 
so. Das Wunderbarste daran ist, dass das Kind 
später „einige Zeit lang", wie die Muttersich aus- 
drückt, die Figuren liegend zeichnete und sie erst 
etwa vom vierten Jahre ab richtig auf die Füße 
stellte. Zufällig anwesende Ärzte können alle diese 
Thaisachen bestätigen. Wir stehen hier vor einem 





psychologischen Rätsel. Es dürfte von außer- 
ordentlichem Werte sein, wenn die weiteren Aus- 
stellungen: „Die Kunst im Leben des Kindes" 
auf die Lösung auch dieses Problems Rücksicht 
nehmen würden. 
Die Abbildung 3 zeigt deutlich, was Kinder- 



424 



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BEITRAG DER CENTRALDRUCKEREI CHRISTIANI A, NORWEGEN 

Direktor Chr. T horvaldwi» 
lAmi ärm Sitienjlwtrk .Sanrtftm im I« . ]ah'l>»nJtttr . 41». Cimmtrmtitn Vettj/t) 

Beilage zum Archiv für Buchgrwi 

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Phantasie zu leisten vermag. Freilich ist auch 
hier eine indirekte Beeinflussung durch das Bil- 
derbuch nicht abzuleugnen, denn einen Storch 
haue das Kind in Natur noch nicht gesehen, wohl 
aber kannte es sein Wesen von den Erzählungen 
der Mutter und schildert nun den , Herrn" Storch 
in äußerst humorvoller Weise. Das Bild stammt 
ebenfalls von der kleinen Doris L., (wie Abb. I 
und 2)aus ihrem 7.bez.6.Lcbensjahrc. Völlig freie 
Komposition, heimlich und in großer Schnellig- 
keit an die Wandtafel gezeichnet. Wie die früh- 



mittelalterlichen Künstler ihren Figuren Bänder 
aus dem Mund gehen ließen, auf denen das ge- 
schrieben stand, was die Figuren sagen sollten, 
so giebt unsere kleine Künstlerin dem Storch ein 
Buch in seinen Fuß, aufdem sein Geschäftsprinzip 
zu lesen ist: „Ich nehme nur artige Kinder an-. 

Das Haus des Herrn Storch ist mit einem Vor- 
legeschloss versehen, während ein großes Plakat 
besagt: .verbotener weg zum gehen*. Im Fenster 
steht ein kleiner Storch, in der Wetterfahne eben- 
falls (als Wappen?), sogar die als Balance die- 
nenden Zierraten sind nicht vergessen. Frau 
Störchin ist am Damenhut und dem Spitzenkragen 
kenntlich. Im Hintergrunde schweben Englein 
mit Flügeln und langen Gewändern über Wolken. 



Gerade dieser „Himmel" scheint uns hier auf 
äußere Einflüsse ganz besonders hinzuweisen. 
Auf dem Storch reitet das Kind, ebenfalls mit 
Flügeln versehen, weil es aus dem Himmel 
kommt. Die Überschrift lautet: und Kind Herr 
Storch (vom Kinde umgestellt). 

Bei der Beurteilung des Kindes als bildender 
Künstler ist zu berücksichtigen, dass durch den 
Verzicht auf jede Perspektive, auf Ähnlichkeit der 
abgezeichneten Personen, auf Stimmungen, kurz 
auf alles, was bei den wirklichen Künstlern das 

— rZ ) 




\ \ 

Kunstwerk ausmacht, der Phantasie des Kindes 
keinerlei Beschränkungen auferlegt werden. Das 
Kind hat somit einen gewissen Vorteil voraus, 
womit einerseits die große Schnelligkeit sich er- 
klärt, einen bekannten Stoff zu Papier zu bringen, 
andererseits der Umstand, dass die Zeichnung um 
so sehlechter und unverständlicher wird, je mehr 
das Kind das instinktivartige Entwerfen verlässt 
und anfängt nachzudenken. 

Allen kindlichen Zeichnungen sind gewisse 
allgemeine Eigentümlichkeiten eigen, von wel- 
chen das kleine Künstlervolk nur sehr schwer 
abzubringen ist, wenigstens so lange noch keine 
Beeinflussung durch das Bilderbuch und die 
Schule stattgefunden hat. Die Arme werden an 




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«««««*««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE »srjrar^jrarjrarjrjr 



ein und derselben Schulter angebracht, die Füße 
stehen nach derselben Richtung, zu einem Hause 
gehört stets ein rauchender Schornstein und meist 
auch ein zu ihm führender Weg oder ein durch 
Striche angedeuteter Boden. Außerdem aber hat 
jedes Kind seine besonderen Eigentümlichkeiten, 
die es immer wieder in Anwendung bringt und 
bis über das erste Jahrzehnt als Heiligtum be- 
wahrt. Als Grund hierfür ist anzuführen, dass 
der kindlichen Phantasie wenige Striche zur 
Kenntlichmachung eines Menschen genügen, da 



es die Zeichnung zunächst für sich oder den 
gleichaltrigen Spielkameraden entworfen hat. Ist 
das Bild für Erwachsene bestimmt, so wird es 
eine mündliche Erklärung hinzufügen oder, falls 
es schon in die Schule geht, darunterschreiben. 
Diese Erscheinung finden wir auch bei allen 
Naturvölkern wieder, die noch auf der Bildungs- 
stufe der Kinder stehen, und so sehen wir, dass 
die Entwickclung des menschlichen Geistes auch 
im allgemeinen in dieser Hinsicht mit der des 
Kindes im speziellen identisch ist. 



Der japanische Farbenholzschnitt. 

Von FRIEDRICH PERZYNSKI in ChiMottenburg. 



EINE höchste technische Vollendung er- 
reicht der japanische Farbenholzschnitt in 
den Werken der Schüler Hökusais: in den 
Surimonos von Hokkei und Gakutei. Diese Suri- 
monos erinnern an eine heimische Sitte vor- 
nehme Japaner übermittelten durch sie einem 
erlesenen Freundeskreise Glückwünsche zum 
Jahreswechsel, die in Gestalteines Uta-Gedichtes, 
keck mit den malerischen japanischen Schrift- 
zeichen über die Fläche geworfen, in die bildliche 
Darstellung hineinragten. Ein förmlicher Suri- 
mono-Sport entfaltete sich zu Beginn der zwan- 
ziger Jahre des 19. Jahrhunderts, als auch Haus- 
konzerte und Theatervorstellungen auf diesem 
sehr künstlerischen Wege angezeigt, als Wett- 
bewerbe um besonders zierliche und originelle 
Stücke ausgeschrieben wurden. 

In diese Zeit etwa fällt die Wirksamkeit der 
Ho/cusat-Schüler. Ihre Arbeiten stimmen den 
Freund Japans froh und traurig zugleich: Diese 
wundersamen Kunststücke, die in jedem Feiner- 
organisierten eine wahre Besitzgier erwecken, 
sind die reifen Früchte einer überreizten Sinnes- 
kultur, tragen alle Male der Erstarrung und der 
Decadence an sich. Ein weiblicher Grundton 
zieht sich süß und wollüstig durch die über- 
ladenen Schöpfungen dieser byzantinernden Ja- 
paner. Ihre farbentrunkenen Phantasien könnten 
auch von jenen eleganten Frauen des Nippon- 
reiches herrühren, die in der Ausübung der 
schönen Künste wie in denen der Liebe gleich 
gut erfahren sind. 

Betrachten wir einige Farbenholzschnitte dieser 
Zeit! Die japanische Malerei ist Teppichkunst ge- 



worden. Gedankliches ist fast ganz ausgeschaltet: 
im engen Kreislauf der Ideen wiederholen sich 
die Sujets drei-, viermal. Hofdamen, Langusten, 
Ratten, Irisblüten, Päonien, Hofdamen, Fische, 
Mume- (wilde Aprikosen) -Blüten und abermals 
Hofdamen in den entzückenden Gewändern der 
klassischen Zeit. Daneben ein Vers: 

Frühlingshauch entströmt 

Deines Ärmels Faltenwurf, 

Regst Du leis den Arm, 

Mahnst mich wie Mume-Baumes Dutt 

An Tokyos Blüccnpracht! 

Aber wie sind diese Hofdamen gemalt und ge- 
druckt! Wie raffiniert sind die Farben gebrochen, 
die Musterungen der Gewänder abschattiert, die 
schwarzen Massen als Kontrastflächen verteilt! 
Mit welcher künstlerischen Intelligenz ist hier 
und dort der neutrale Unterion des matt schim- 
mernden Papiers stehen gelassen, wie decent sind 
diese ausgesparten Flecke durch Blinddruck kon- 
turiert und gegliedert — wie wunderbar geschickt 
hat der Drucker eine zufällige Bildung im Holz- 
stock zu nutzen gewusst! Der Surimono-Druck 
dieser Zeit ist ein Katechismus xylographischer 
Technik. 

Der Druckprozess vollzieht sich nach von euro- 
päischer Praxis wesentlich abweichenden Regeln. 
Nachdem der Künstler die Umrisse seiner Zeich- 
nung (meist auch die dazu gehörige Schrift) 
mittels schwarzer Tusche auf das sehr durch- 
lässige Papier gebracht, klebt der Drucker das 
Blatt mit der bemalten Fläche nach unten - 
auf den Holzstock aus Kirschbaum- oder einem 
anderen nicht sehr harten Langholz. Die durch- 



*9 426 90» 



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'Ä'X,««.«««.'««'«'« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arararjrararjrarjrarar 



scheinenden Umrisse derZeichnung werden nun 
nachgeschnitten, das seitliche überflüssige Holz, 
das keine Farbe annehmen soll, wird mit Meißeln 
entfernt, so dass der Körper der Zeichnung er- 
haben stehen bleibt. Es ist hierbei in Betracht zu 
ziehen, dass der Japaner kcincSchraffierung kennt, 
sondern nurmit der Fläche wirkt. Ist die Platte 
dann von noch anhaftenden Papierteilchen ge- 
säubert und die mit etwas Öl versetzte Was- 
serfarbe mit einer Stielbürste sorgsam auf den 
Stock aufgetragen, so kann mit der Anfertigung 
der Abzüge begonnen werden. 

Das Papier, das zu den Abzügen benutzt wird, 
ist aus dem Bast des Papier-Maulbeerbaums her- 
gestellt und hat sehr bemerkenswerte Qualitäten. 
Es zieht sich in feuchtem Zustand nicht, ist äußerst 
weich und nachgiebig, saugt die Farbe schnell und 
tief in sich ein und ist auf seiner Oberfläche von 
wundervollem seidenartigen Glanz. Graue und 
gelbliche Tönungen werden bevorzugt; für die 
langen und schmalen Pfostenbilder (Kakemonos), 
deren Hauptmeister Koriusai ist, kommt ein ziem- 
lich dunkles Braun überwiegend zur Verwendung. 

Der Druck geschieht nicht mit der Presse, son- 
dern mit der Hand oder dem Reiben Es ist dies 
eine runde, glattgehobelte Holzplatte, die mit der 
Rinde eines Bambussprösslings umwickelt wird. 
Diese wird unweit des Erdreichs abgeschält, weil 
sie dort am weichsten und breitesten ist. 

Wollte man einen farbigen Druck erzeugen, so 
hatte der Künstler auf einer der Zahl der Farben 
entsprechenden Reihe schwarzer Abzüge die ein- 
zelnen Tone einzutragen, für die der Holz- 
schneider dann besondere Platten anfertigte. 
Schon in der Frühzeit des japanischen Farben- 
druckes sann man auf Verbilligung des teuren 
Verfahrens. Um mit möglichst wenig Platten 
auszukommen, druckte man verschieden getönte 
Platten übereinander oder brachte mehrere Farben 
auf einem Holzstock an. Man trug dieselbe Farbe 
bald stärker, baldschwächer auf und erzielte allein 
dadurch reiche Abstufungen innerhalb eines 
Tones; man wischte Tupfen auf die Platte oder 
man verrieb die Farben, so dass sie sanft und 
harmonisch ineinander liefen. Die Modeschön- 
heiten der Utamaro, Toyokuni, Kuniyoshi tragen 
zuweilen Seidenstoffe, die ganz allmählich von 
tiefem Blau in zartes Grau und dann in ein kräf- 
tiges Violett übergehen eine Licenz auf Kosten 
der Wirklichkeit, die das sich steigernde Farben- 
raffinement deutlich zum Ausdruck bringt. 

In geschickter Weise machen die Holzschneider 



von einer spezifisch japanischen Erfindung Ge- 
brauch, die äußerlich unscheinbar, doch einer 
großen Reihe berühmter Farbendruckezuglänzen- 
der Wirkung verholfen hat. Es ist dies die reiche 
Anwendung sogenannter Blindpressungen, farb- 
loser Holzplatten, in deren vertieft geschnittene 
Stellen das weiße, stark angefeuchtete Papier er- 
haben eingepresst wurde. Einer der ersten Künst- 
ler, der den Blindplattendruck geistreich auszu- 
nutzen wusste, war Harunobu, der Erfinder des 
Buntdruckes, der nicht allein die Gewänder sei- 
ner Frauen mit Buntdruckmustern zierte, son- 
dern auch Blindplatten zur Erreichung perspek- 
tivischer Wirkungen verwandte, wie er beispiels- 
weise Schneehaufen durch derartige Pressungen 
konturierte, wodurch der landschaftliche Hinter- 
grund eine gewisse Tiefe erhält. Seine noch etwas 
zaghafte Kunst stellen Koriusai, der auf seinen 
Tierdarstellungen das Gefieder unnachahmlich 
lebensvoll und weich durch Blindpressungen 
abtönt, und die Surimono - Meister Shinman , 
Hokusai, Gakutei, Hokkei, die die Drucktechnik 
zu ihrer Höhe führen, erheblich in den Schatten. 

Der Wunsch nach möglichst kostbarer Aus- 
schmückung, der in der Blütezeit des Surimono- 
Druckes immergebieterischer auftrat, wies metal- 
lischen Tönen, insbesondere Goldund Silber, eine 
hervorragende Rolle in der Dekorierung der 
Blätter zu. Die Schleppgewänder der Hofdamen, 
die Rüstungen der Samurai' (Krieger) und die Ko- 
stümederSchauspieler erreichen in jener Zeiteine 
geradezu märchenhafte Farbigkeit, strotzen von 
Silber- und Goldstickereien deren Effekte der 
Drucker sehr täuschend nachahmt, indem er die 
Metalltöne tiefer als die übrigen Gewandmotive 
einprägt. Kabo Shinman (1788- 1820) führte 
die Liebe zur Kleinarbeit so weit, dass er auf 
verschiedene seiner Farbendrucke (die von den 
enragierten Japansammlern natürlich sehrgesucht 
sind) die Gewandmuster mit bunten Seidenfäden 
aufstickte eineSpielerei, die erfreulicherweise 
nur vereinzelt auftritt und bei dem hochentwickel- 
ten Kunstgeist der Japaner seltsam berührt. 

Aus dem hier geschilderten komplizierten 
Druckprozess, in dem Einfälle des Augenblicks 
das Bild fortwährend verändern, erhellt ohne 
weiteres, dass an ein Gelingen des Druckes nicht 
zu denken war, wenn sich Künstler und Drucker 
nicht gegenseitig in die Hände arbeiteten. In 
einigen Fällen hat sicherlich der ganze Vorgang 
unter der Assistenz des Künstlers stattgefunden. 
War dem Künstler eine Kontrolle nicht vergönnt, 



427 «fe 



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*m^*uw.'WL'MMmmm ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE INNNNMNNMNnt 



so musste er sich auf das feine EmpKnden seines 
Druckers verlassen und er durfte es. Die Zahl 
sauberer, technisch einwandfreier Holzschnitte ist 
geradezu erstaunlich; sie lüsst auf ein sehr hohes 
Geschmacksniveau der japanischen Drucker 
schließen. Der japanische Holzschneider und 
Druckerspielt in der Geschichte des Farbenholz- 
schnittes eine ähnliche Rolle wie die Liard, 
Tasset, Riraud, die berühmten Gießer, Stempel- 
schneider,GraveureinderGeschich(ederneueren 
französischen Medailleur-Kunst. Einige Namen 
haben die Kunsthistoriker des Nipponreiches der 
Nachwelt aufbewahrt: den des Yegdwa Tomekiti, 
der die Holzstöcke für die Mangwa-Büchcr des 
Hokusai, und des Yegawa Santaro, der mit dem 
Vorhergenannten die Holzstöcke der drei Fusi- 
Albums desselben Meisters schnitt. Auf einem 
berühmten Blatte der , Hundert Erzählungen" 
Hokusais folgt hinter dem Signum des Malers 
sofort der Name des Druckers: Tsuruki, ein Be- 
weis, wie hoch Hokusai die Thütigkeit dieses 
Mannes einschätzte. Die engen Beziehungen 
zwischen dem berühmten Meister und seinem 
Holzschneider legt ein Brief klar, den Hokusai 
im Jahre 1834 an seine Verleger richtete. In ihm 
heißt es: «Das ,Buch der Krieger 1 bitte ich Yegawa 
Tomekiti zu geben. Der Grund, weswegen ich 
so strikte daran festhalte, dass Yegawa die Stöcke 
schneidet, ist der, dass sowohl die ,Mangwa- 
Bücher' wie die ,Poesien 4 , so gut die beiden Werke 
geschnitten sind, doch nicht entfernt an die drei 
Bände der «Hundert Ansichten des Fusiyama' 
heranreichen, die Yegawa geschnitten hat. Es 
spornt mich zu weiterer Arbeit an, wenn meine 
Zeichnung einem geschickten Holzschneider in 
die Hände kommt, und wenn das Buch gut wird, 
ist es ja nur zu Eurem Vorteil, denn Ihr verdient 
um so mehr daran. Glaubt nicht, dass ich Euch 
Yegawa so warm empfehle, weil ich etwa den 
Auftrag haben könnte, dies zu thun: was ich suche, 
ist nur Sauberkeit der Ausführung, und Ihr werdet 
damit einem armen Greise, der nicht mehr lange 
zu leben hat, eine große Genugthuung gewähren. 
Was die ,Gcschichte Cakyamunis' (Buddhas) an- 
langt, so wurde mir versprochen, dass Yegawa 
die Schnitte machte, und in der festen Zuversicht 
hierauf habe ich auch die Zeichnungen angefertigt. 
Die eigentümlicheHaartracht der Indier ist schwer 
zu gravieren, nicht minder die Körperformen 
Yegawa ist der einzige, der diese Arbeit ausführen 
könnte . . 

Die Geschichte des japanischen Farbenholz- 



schnittes, soweit er unter die graphischen Künste 
zu zählen ist, umspannt die Zeit etwa von 1700 bis 
1*50. Sie zu verfolgen, ist mit erheblichen Schwie- 
rigkeiten verknüpft, da die Einzelblätter und Far- 
bendruckhefte der bedeutenden Meister über die 
ganze Welt verstreut sind und ein kürzerer, sach- 
lich und temperamentvoll geschriebener billiger 
Abriss nicht existiert. 

Drei Perioden sind schon durch Ereignisse 
äußerer Art scharf voneinander geschieden. Die 
erste, die Zeit der Wiegendrucke (1700 1750) 
enthält die mühsamen Versuche der Moronobu, 
Masanobu und Shigenaga, über die Handkolo- 
rierung ihrer Schwarzdrucke zum Buntdruck zu 
gelangen, ein Problem, das Shigenaga 1743 löst. 
Die zweite Periode (1750 1800) ist die Zeit inne- 
rer und äußerer Bereicherung. Die Technik wird 
vervollkommnet, große künstlerische Persönlich- 
keiten, wie Harunobu, Koriusai, Kiyonaga y Shun- 
sho, Yeishi, Ut am aro treten auf und wissen inner- 
halb des uniformierenden stilistischen Rahmens 
ihre Eigenart kraftvoll durchzusetzen. Die forma- 
listischen Dogmen durchbricht Hokusai, ein zeich- 
nerisches Genie, wie es einer Nation nur alle Jahr- 
hunderte einmal geschenkt wird. Es leitet die 
dritte und letzte Periode (1*00 1850) mit einem 
gemäßigten Realismus ein, der von dem großen 
Landschafter Hiroshige (1797 1858) aufgenom- 
men, aber stark vergröbert wird. Bei der nun 
folgenden Generation artet er vollends in Flüch- 
tigkeit der Faktur und Unsauberkeit der Technik 
aus; mit der Verwendung europäischer Anilin- 
farben verliert der Farbenholzschnitt die letzten 
Ansprüche auf künstlerische Bewertung. 

Die Holzschnitte der Frühzeit geben dem Laien 
sogut wie nichts. Die schwerfällige undgespreizte 
Haltung der Figuren, ihre puppenhaften Köpfe 
mit dem leeren Ausdruck, die unbeholfene Kolo- 
rierung diese Reize der „Primitiven" weiß 
nur der Feinschmecker zu würdigen. Immerhin 
spricht auch aus den Blättern dieser Periode 
schon ein kräftiges Raumgefühl, ein feiner dekora- 
tiver Sinn, der in dem kalligraphischen Schwung 
der Linie, in dem Arrangement der Figuren, in 
der Verteilung schwarzer Flächen dem empfäng- 
licheren Auge aparte Genüsse bietet. 

Eine überragende Persönlichkeit, in deren 
Bannkreis die meisten der zeitgenössischen 
Künstler gezogen werden, ist der in der Mitte des 
18. Jahrhunderts thätige Suzuki Harunobu. Ihm 
wird die Einführung des in Farben und Platten- 
zahl unbeschränkten Buntdruckes zugeschrieben; 



<ot 428 **> 



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Bt itagr zum Archiv für Buchgrurrbr. 




Dreifarbendruck nach einer Aquarellstudie. 

Aulnahmr und Art/unn MMflttM I» <l« MMtCkM I rtir- uml Vmuiltunstall 
\i>n Klimw-h & Co- in Frankfurt a. Main. 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jr.» * ,* .v**,*.» 



seine Farbenskala ist noch klein, aber sie ist bril- 
lant abgestimmt und zeugt von aristokratischem 
Empfinden. Zierlich wie die Mache seiner Bilder 
ist auch der Habitus seiner Gestalten, Liebes- 
paare, die im Frühling des Lebens stehen und 
verträumt und voller glücklicher Illusionen ihren 
schönen Erinnerungen nachhängen. Harunobu 
ist der Maler der Keuschheit, der Kindlichkeit, 
der Freund mimosenhafter Seelen und überfeiner 
Gelenke. 

Den kleinen Körper der Frauen Harunebus be- 
hielt sein Schüler Koriusai bei, ohne sich enger 
an die Auffassungsweise des Meisters anzu- 
schließen. Sein männlicher Sinn geht mehr auf 
das Düstere und Prächtige aus — ein tiefes Braun- 
rot in Verbindung mit reichlichem Schwarz giebt 
seinen breit und kühn hingeworfenen Blättern 
etwas Seriöses und Feierliches. Seine Stärke liegt 
auf dem Gebiet des Pfostenbildcs, der hohen und 
schmalen Kakemonos,aufdenenereine,zwei, auch 
drei Figuren bei irgend einer reizvollen Hantie- 
rung abbildet. Seine virtuosen Tierdarstellungen 
sind bereits an anderer Stelle erwähnt worden. 

Katsukawa Shunsho, der Lehrer Hokusais, re- 
präsentiert das Haupt der Theaterschule. Por- 
träts bedeutenderSchauspieler und Darstellungen 
aus ihrem Leben waren bei dem Volke, das von 
sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends im 
Theater sitzt, von jeher beliebt: Shunsho reißt 
mit seinen temperamentvollen, verblüffend ge- 
zeichneten und geschmackvoll koloriertenTheater- 
szenen alle Popularität an sich. Aus seinem Ate- 
lier ist eines der schönsten japanischen Farben- 
druckwerke: «Der Spiegel der Schönheiten des 
Grünen Hauses" hervorgegangen, das dem heiter- 
bewegten Leben der japanischen im Yoshiwara 
wohnenden Courtlsanen gewidmet ist. 

Die Zahl der Schüler, die dem begehrten The- 
atermaler zuliefen, ist schwer abzuschätzen. Sie 
verlieren sich, obwohl alle recht tüchtig, in dem 
erbitterten Kampf um die künstlerische Hege- 
monie, der mit dem Auftreten von Toni Kiyo- 
naga, Hosoi, Yeishi, Kitagau a, Vüimaro und 
Utagawa Toyükuni im siebenten und achten Jahr- 
zehnt des 18. Jahrhunderts anhebt. Kiyonaga ge- 
winnt schließlich die Oberhand: seine gesunden, 
mittelgroßen, rundlichen Frauen die Frau und 
besonders die Courtisane ist das Thema, das die 
japanischen Maler unermüdlich wie unsere Dich- 
tervariieren mit der ihnen eigentümlichen läs- 
sigen Anmut werden von allen fürden Farbenholz- 
schnitt thätigen Malern jener Zeit nachgeahmt. 



Neben Kiyonaga wirken Yeishi und Utamaro, 
zwei geistesverwandte Naturen, bestimmend auf 
den Zeitgeschmack ein. Vom Jahre 1790 etwa 
beherrschen sie ausschließlich den Markt. Yeishis 
Domäne ist die japanische Aristokratin, sind die 
Überkultivierten, die ihre Empfindungen unter 
der Maske der Blasiertheit verbergen. Zeichnung 
und Farbengebung Yeishis ist äußerst subtil: ein 
blasses, aber sehr reines und duftiges Kolorit 
hebt seine Arbelten aus den tief und reich ge- 
färbten Holzschnitten jener Epoche merklich 
heraus. 

Mit Utamaro, der Yeishi bald überflügelt, hat 
der japanische Farbenholzschnitt den Höhepunkt 
seiner Entwickelung erreicht. Ein blendender und 
feuriger Geist, stets neuen Eingebungen folgend, 
wanderte er nervös in dem Käfig des Formalis- 
mus umher, ohne den Mut zu haben, das Gitter 
der akademischen Disziplin zu durchbrechen. 
Utamaro behalf sich mit Surrogaten: er machte 
aus den kleinen zierlichen Yoshiwara-Frauen der 
Wirklichkeit, die seine ganze Seele hatten, hoch- 
gebaute Elfenkinder von zwölf Kopflängen, deren 
schmächtige Körperlichkeit das andeuten sollte, 
was im Bilde klar und vernehmlich auszusprechen 
ihm unerlaubt schien. Seine Palette weist eine 
verblüffendeMannigfaltigkeit der Farben auf: von 
einer tiefen und üppigen Farbigkeit (in dem ein 
prächtiges Blau den Japanfreund überrascht) ge- 
langte er zu einem gedämpften melancholischen 
Kolorit, das mit seinen gebrochenen und ver- 
waschenen Tönen am ehesten die Stimmungen 
seiner reizbaren Künstlerseele wiedergeben 
mochte. Seine zahlreichen interessanten, oft 
überraschenden Entwickelungsstadien bezeichnet 
ein umfangreiches Werk, dem außer vielen 
schönen Einzelblättern mehrere Bücher natur- 
geschichtlichen Inhalts, Perlen der japanischen 
Illustrationskunst, und verschiedene Bände Ero- 
tlca seltsamer Art angehören. 

Was der nervöse Utamaro nicht wagte, war 
dem gröber organisierten Hokusai vorbehalten, 
der skrupellos alle Fesseln der Tradition zerriss. 
Wohl hat auch er wie seine Vorgänger der japani- 
schen Frau auf vielen anmutig ersonnenen und 
trefflich gedruckten Blättern manche Huldigung 
dargebracht, wohl hat er seine Schüler zu Suri- 
mono-Wunderwerken angeleitet aber den Kern 
seines Wesens berühren diese Arbeiten nicht. 
Vor großzügigen Naturbildern, in denen er den 
Menschen elementarischen Gewalten gegenüber- 
stellte, erlebte Hokusai die ganze Konzentration 



««« 429 



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'WL'iLit.iL+Liae.'W.nf -w -s*« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ar jr ar *r v «■ «■ war ar 



seiner künstlerischen Kräfte. Er war Pantheist. 
Ein philosophischerGeist ringt in diesem schlecht 
erzogenen, harten und von allerlei Elend nieder- 
gedrückten, aber nie bezwungenen Manne nach 
Klärung und Befreiung durch nackte Bild- 
lichkeit. 

Hokusais Holzschnittbüchcr (sie sind ergiebi- 
ger als die Einzelblätter) beweisen schlagend, 
welch heißes, leider zu ungeregeltes Gedanken- 
leben der Künstler führte. Er hat alles gemalt, 
was sich ihm darbot: die Erscheinungen der 
Großstadt, seriöse und karlkaturenhafte, das 
Leben in der Provinz, die rhapsodischen Wasser- 
falle, die pittoresken Brücken, die vielen stillen 
Seen seines Heimatlandes. Er vertiefte sich in 
die Arbeiten der Handwerker, er gab ihnen Vor- 
lagen. Die Mythologie und Geschichte Ostasiens 
durchstöberte er noch als Greis von 80 Jahren; 
für die Poesien japanischer Dichter erfand er 
feinen und originellen Zierat. Und er hat Träume 
gehabt, schwere, zehrende, wie sie nur ein großer 
Künstler erlebt. Seine Nachtstücke (die „Ge- 
spenstergeschichten") und seine tollen eroti- 
schen Phantasien („die jungen Kiefern") erregen 
das Herz; wenn wir mit ihnen in seltenen Stunden 
allein sind, halten wir Einkehr in uns selbst und 
sinnen über unsere unausrottbaren Ängste und 



Begierden. Und wir fühlen das Chaos in uns. 
Was hinter Hokusai, diesem zeichnerischen De- 
baucheur, folgt, ist schaler Aufguss. Einzig 
Hiroshige und Kuniyoshi interessieren noch. Wie 
Hiroshige einen fernen Uferrand mit ein paar 
Strichpunkten angiebt, malerische Bergketten far- 
big abtönt oder die dekorativen Aste der Krypto- 
merien vor den hellen Horizont setzt das zeugt 
von eigenem Sehen, verrät bei aller Buntheit 
ernsten Geschmack und tüchtige Schulung. Auch 
Kuniyoshis dramatisch bewegte Szenen der 
47 Ronin (der Blutzeugen japanischer Vasallen- 
treue) passieren vor dem kritischen Blick. Hier 
ist noch Urwüchsigkeit, Herbheit, überströmende 
Kraft, die sich gern vor große Aufgaben gestellt 
sieht. Aber dann, als sich alles lockert, fehlt die 
überragende Persönlichkeit, die energisch zu- 
sammenrafft und neue Ausblicke giebt und 
so schließt dies ruhmreiche Kapitel japanischer 
Kunstgeschichte mit einem sehr unrühmlichen, 
sehr disharmonischen Finale. 

Die Ausstellung von japanischen Farben- 
holzschnitien, die der Buchgewerbe -Verein im 
Oktobermonat in Leipzig veranstaltete, gab einen 
wertvollen, ziemlich vollständigen Überblick über 
diese künstlerisch und technisch so hoch interes- 
sante graphische Kunst. 



Verzeichnis von Personen und Firmen, die im September, Oktober und November 1901 
dem Deutschen Buchgewerbemuseum Schenkungen überwiesen haben. 



Alphons Dürr, Leipzig: 2 Plakate. Maler Paul Bürck, 
Darmstadt: Einladungskarte. - Genzsch er Heyse, Ham- 
burg: Schriftproben. Julius Otto Gottschald, Leipzig: 
Sammlung Gottschald. Hinrichs'sthe Buchhandlung, 
Leipzig: l Halbjahrskatalog. K. u. k. Militärgeographi- 
sches Institut, Wien: Platten und Drucke zur Veranschau- 
lichung der Heliogravüre mittels Galvanoplastik. Krug 
<Baucr'scbc Buchdruckcrci), Ludwigshafen: 1 Winkelhaken. 
Alberl Langen, München: Heine :Thorhelteii- Album. Ferd. 
Rabes Nachfolger Eugen Heinrich, Königsberg: Marmor- 
papierc. R. Voigtländer, Leipzig: Leiden Christi. J.J. 
Vrieslander.Leipzig: 2S\]in\ise In Schwarz-Weiß. Aktien- 
Gesellschaft für Huntpapier und Leimfabrikation, Aschaffen- 
burg: Musterblätter moderner Vorsatzpapiere; I große 
Kollektion Buntpapiere. Königliche Akademie der Wissen' 
schaffen, Berlin: A. Barnack: Geschichte der König). Preu- 
ßischen Akademie der Wissenschaften. Fritz Amberger, 
Zürich: Schweizerische Blätter für Ex-lihris-Sammler. 
Theodor Beyer, Dresden: Der Altmarkt in Dresden (lithogr. 
Kunstblatt}. Bibliographisches Institut, Leipzig: Merkbuch 
und Literarischer Wegweiser für das Jahr 1902. - Breitkopf 



& Härtel, Leipzig: Verschiedene Drucksachen. -Deutsches 
Theater, Berlin: Plakat, Die Weber von Orlieli. Farster 
& Horries, Zwickau: 1 Serie Glückwunsch- und andere 
Karlen. Richard Grimm, Leipzig: Merkbuch und Lite- 
rarischer Wegweiser für das Jahr 1902. - K. K. Hof- und 
Staatsdruckerei, Wien : I Kollektion Pflanzcnnatursclbst- 
drucke. — Insel-l'erlag, Leipzig: „Die Insel*. III. Jahrgang, 
Heft I -2; 1 Kollektion Buntpapiere. — Beruh, Liebich, 
Leipzig: I Etui-Bibliothek, 22 Bände. — Poeschel & Trepte, 
Leipzig: The Spectator In Germany, a monthly magazine I. 

L. Prang, Hoston: Probeblätter aus dem Werke: Die Wal- 
ters'sche KeramischeSammlung. L.Slaackmann, Leipzig: 
L. Staackmann Barsortiment Katalog 1902. 35. Jahrg. — 
Fr. Theinhardt, Berlin: Album mit Wertpapier- Drucken. 
- Verein „Manes-, Prag: „Volne Smery" Heft l.Zari 1901. 
- Versuchsanstalt für Brauindustrie in Böhmen, Prag: Be- 
richt 1. 2. 3. 4. F. Volcktnar, Leipzig: I Illustrierter Weih- 
nachtskatalog 1901. - Rud. Widmann in München z. Zt. 
Leipzig: Mal • Drucke u. s. w. seines neuen Verfahrens. — 
Allen freundlichen Gebern sagen wir auch an dieser 
Stelle aufrichtigen Dank. 



Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins. 



430 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arara*a»a*a*»3rarar«< 




Zeichenkünstler im Dienste der graphischen Kunst. 



VIII. JOSEF SATTLER. 




IHumtrlert vonj. 



„Rhcinl^he SliJlcki.li.ic-. 

Vcru«:J .A.Stwrit inB«WM. 



rWA zu der- 
selben Zeit 
als unsere 
moderne 
kunstge- 
werbliche 
Bewegung 
in fliegen- 
dem Sie- 
geslauf sich 
den Konti- 
nent er- 
oberte, alle 
traditionel- 
len Funda- 
mente ein- 

riss, umstürzte und Individualität, Naturalismus 
und Impressionismus als neue Programmpunkte 
aufstellte, da erhob sich in Deutschland gegen 
diese revolutionären Tendenzen eine Reaktion, 
die zwar jetzt nicht neu geboren wurde, sondern 
anknüpfte an die letzten Ausläufer der großen 
Renaissancebewegung um die achtziger Jahre. 

Rudolf Seitz stand damals mit an der Spitze 
dieser Bewegung; seinem in Renaissancemotiven 
schwelgenden Stil begegnen wir auch noch in 
neuerer Zeit. Seine Hauptthätigkcit liegt auf 
anderem Gebiet, er entwarf Umschläge für die 
Musterbücher (für Handarbeiten u.s.w.) von Lip- 

Anmerkung der Schriftteitung. Dem unter der Presse 
befindlichen reich illustrierten Werke Otto Grautoffs über 
„Die Entwickelung der neuen Buchkunst in Deutschland" 
entnehmen wir mit gütiger Einwilligung der Verlagshand- 
lung von Herrn. Seemann Nachfolger dasjenige, was der Ver- 
fasser in dem »Die Archaisten- betitelten 7. Kapitel über 
J. Sattler bemerkt. Wir werden nach Erscheinen des 
Werkes mit Vergnügen Gelegenheit nehmen, ausführlich 
auf dasselbe 



perheide, die Wagnerfestschrift .Bayreuth 1886" 
und endlich das zweite Heft der »Jugend" 1806. 

Auch Otto Hupps Stil bildete sich in der Zeit, 
als man sich in Deutsehland auf „unserer Väter 
Werk" besann und die Formensprache der Re- 
naissance zu einem neuen Scheinleben erweckte. 
Es war eine trockene und philiströse Zeit, da man 
Dürer kopierte und in der Nürnberger Schule die 
einzige und höchste Blüte der Renaissance sah; 
hätten diese Nüchternen doch einmal versucht, 
die Gestalten eines Grünewald und Hans Bai- 
dang Grien zu durchleben und ihre psycholo- 
gisch viel tiefere und phantastisch viel kühnere 
und mannigfaltigere Geistesart zu erfassen; sie 
wären vielleicht eher über den kalten, nichts- 
sagenden Kopistenton herausgekommen. 

Der Straßburger Joseph Sattler ist ein Schüler 
von Rudolf Seitz. „Er war mein geheimer, stiller 
Führer das ist doch auch ein Lehrer,* schreibt 
Sattler einmal. Diese respektvolle und warme 
Anerkennung Sattlers für Sit!: zeigt uns, in wel- 
chem nahen Verhältnis Lehrer und Schüler zu ein- 
ander standen, und wie stark und maßgebend 
Seitz' Einfluss auf Sattler gewesen ist. Sattlers 
Stil basiert nicht nur auf dem Stile der Meister 
des sechzehnten Jahrhunderts, sondern gleicht 
ihrem strengen Linienschnitt so vollkommen, dass 
seine Zeichnungen uns fast immer wie Zeich- 
nungen aus jener ersten Glanzepoche deutscher 
Illustrationskunst anmuten. Jenen Meistern aber 
war ihr Stil der Ausdruck ihres Empfindens; ihre 
Naivität, ihre primitive Ursprünglichkeit spricht 
sich in den steifen, kraftvollen und herben Zeich- 
nungen aus. Aber nicht umsonst sind3 Jahrhun- 
derte über uns hinweggegangen; unser Empfin- 
den hat sich gewandelt, entwickelt, ist differen- 
zierter und reicher geworden, so dass unserer 



431 



SB* 



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» -m-m -K,«* ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



heutigen Natur das Ausdruckswesen und die 
Sprache unserer Vorväter durchaus nicht mehr 
entsprechen undgenügen kann. Wirkönnen jenen 
Stil schätzen, verstehen, historisch begreifen, ja 
in seiner wunderbaren Natürlichkeit und Auf- 
richtigkeit lieb gewinnen, aber unser eigener Stil 
kann er nie werden. Wenn also Sattler den Stil 




keit. Und gerade bei seinen figürlichen Komposi- 
tionen empfindet man das Unwahre besonders 
deutlich; er wird ja doch nie und nimmer so em- 
pfinden lernen wie ein Dürer, Burgkmaier, oder 
Cranach; wozu also diese Vorspiegelung ihm 
heterogener Empfindungen. Es merkt ja doch ein 
jeder, der Augen hat zu sehen. Es ist mir nicht 
recht begreiflich, wie ein so fein- 
sinniger und gebildeter Bibliophile 
wie Fedor von Zobel tit- Sattler in 
so übermäßiger Weise schätzen 
kann. 

Entw eder Archaismus oder selb- 
ständige Kunst; beides lässt sich 
schwer vereinen. Meines Erach- 
tens ist es unzweckmäßig und pro- 
grammwidrig, dass sich eine Zeit- 
schrift, die für die Pflege gesunder 
Bücherliebhaberei, für die Inter- 
essen und für die Förderung des 
modernen Buchgewerbes eintritt, 
sich als Titelblatt eine streng ar- 
chaisierende Titclzeichnung zulegt 
wie die Zeitschrift für Bücher- 
freunde im Verlage von Velhagen 
Cr Klasing in Leipzig. Es kommt 
dabei kaum in Betracht und ist wohl 
auch kaum eine Entschuldigung, 
dass Sattler ein eminent geschick- 
ter Kopist der alten Meister und 
fabelhaft begabter Zeichner ist. 
Diese seine ausgezeichnete Bega- 
bung für den Linienholzschnitt hat 
ihm auch zu dem Ruhm und An- 
sehen verholfen, die er zur Zeit in 
deutschen Landen genießt. Daneben 
verfügt er über eine bewegliche 
Phantasie, die sich mit Vorliebe in 
schauerlichen Bildern, in Darstel- 
lungen vom Tode, von den Greueln 



Gciclctincf vom J. Sdtttrr. 

unserer Väter als seinen eigenen ausgiebt, sich in 
ihre unbewusste Primitivität hineinlebt, so macht 
er sich einer schlimmen L'nnatürlichkeit, eines 
zwecklosert Trotzes gegen den Zeitgeist schuldig, 
und seine Primitivität ist bewusst, beabsichtigt, 
gewollt, seine Unkenntnis perspektivischer Wir- 
kungen gesucht, anempfunden, eine Täuschung, 
die Starrheit und Steifheit seiner Gestalten nach- 
geahmt, nicht selbst empfunden, eine Unehrlich- 



der Pest und der Cholera ergeht. 
Dieses phantastische Element in 
seiner Erscheinung rückt seine 
künstlerische Persönlichkeit noch mehr in die 
Renaissance. Seine Phantastik hat durchaus 
das Gepräge jener Zeit; sie hat nichts von den 
schmerzlichen, aus dem Wissen, aus dem Gehirn 
geborenen Gespensterteufeleien modernerKünst- 
lerwie Goya,Rops, Toulouse-Lautrec, Beardsley, 
Heine, die Extrakte eines sexuellen Pessimismus 
und einer Lebensangst sind. 
Und doch illustrierte Sattler einen gerade in 



c^* 432 M 




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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jr\jrj*\srjrj«\s*\sr.sr.sr.sr 



diesem Sinne sehr modernen, krankhaft dämo- 
nischen Dichter Edgar Allan Poe; diese Arbeiten 
gehören in die früheste Periode seines künstle- 
rischen Schaffens. Es liegt in diesen Zeichnungen 
etwas Vorsichtiges, Zurückhaltendes ein Zug 
von Kälte. Ende der achtziger Jahre war Sattler 

xz t r i a 



beiten weit zurück. Die Schattenseiten seines 
Talentes und die berechtigten Einwände gegen 
seinen Stil machen sich in den illustrativen Ar- 
beiten zu Boos recht unangenehm fühlbar und 





Vcrlaic*»iRiic(. Gezeichnet von J. SattUr. 

vorübergehend auch Mitarbeiter der Fliegenden 
Blätter; später siedelte er nach Berlin über, wo 
er die Unterstützung des deutschen Kaisers ge- 
noss. Eine große Zahl von Exlibris, mehrere cy- 
klische Werke wie „Die Harmonie", „Moderner 
Totentanz", „Die Wiedertäufer* u. a. m. ent- 
stammen dieser Zeit; daneben schuf er kleineren 
Textschmuck für den Pan. Diese kleineren, rein 
ornamentalen Arbeiten und besonders seine Exli- 
bris sind das Bedeutendste, was 
Sattler bisher geschaffen hat; hier 
wirkt seine archaistische Technik 
nicht zu aufdringlich, unecht und 
unnatürlich; hier erfindet seine 
reiche Phantasie die seltsamsten 
und entzückendsten Motive, und 
die heraldische Or- 
namentik, die er so 
liebt, ist hier ganz 
am Platze. 

Seine größte und 
am meisten bewun- 
derte Arbelt, die Illu- 
stration des drei- 
bändigen Werkes: 
Boos, „Die Ge- 
schichte der rheini- 
schen Städtekultur" 
(J A- Stargardt, Ber- 
lin) steht gegen seine 
rein dekorativen Ar- 




Scblmturlick au«: Jft'lcdcndufer". Illu«iri«rt v..n J. Sattirr, 
VerUf von J. A. Stargarilt in Btriim. 



Ceielehnet von J. Settltr. Au* ,P«n*. Verlag von »>'. OmjruJin Is LrtfUg. 

treten allzu sichtbar und auffällig in den Vorder- 
grund. Allerdings wird man dagegen einwenden, 
dass der Text, die Entwickelungsgeschichte der 
rheinischen Städte, uns ein Bild von vergangenen 
Zeiten, von der Gründung des rheinischen Städte- 
bundes bis zum 15. Jahrhundert entrollt, also die 
Illustrationen Sattlers nur dem Texte angepasst 
und aus seinem Geiste heraus empfunden sind. 
Da hätte man aber unstreitig viel besser gethan, 
wenn man dem Buche echte 
alte Miniaturen, Holzschnitte 
und Kupferstiche als Illustra- 
tionen beigegeben hätte; 
außerdem aber zeigt Sattler 
sich ja durchaus nicht etwa 
nur hier als Archaist. Tech- 
nisch betrachtet ist 
dieses Werk hohen 
Lobes wert; die Aus- 
führung der Sattler- 
schen Zeichnungen, 

Initialen und Vi- 
gnetten ist von der 
Offizin Otto v. Hol- 
ten in Berlin mit un- 
endlicher Sorgfalt 
durchgeführt; der 
fabelhaft billige Preis 
des Werkes, 10 M. 
pro Band, konnte nur 
durch die edle und 



«S» 433 «Ä 



mtomMM.'mmvMmvM. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrjrjr.sr.jrjr.4rjr jtjtjt 




anerkennenswerte Munificenz des Auftraggebers, 
Herrn Baron Heyl zu Worms erreicht werden. 



Eine neue Arbeit Sattlers ist die Ausstattung 
der „Nibelunge", herausgegeben von der Kaiser- 
lichen Reichsdruckerei in Berlin; der numerisch 
nur geringe Textschmuck von Sattler ist in seiner 
Art sehr bemerkenswert und auf diesem Gebiet 
wohl das Gelungenste, was Sattlers Hand ent- 
stammt, denn es hat den Anschein, als ob Sattler 
sich bemühte, sich über sich selbst zu erheben, 
technisch wie ideell über den Kopistenton hinaus- 
zukommen. Die Auffassung, die diesen Zeich- 
nungen zu Grunde liegt, ist lebendig und aus 
modernem Empfinden herausgewachsen; die 
Starrheit der Linien ist durch eine frische und 
warmeSchwunghaftigkeit 

durchbrochen; in der 
Farbe beobachtete der 
Künstler eine kühle Re- 
serviertheit. Die Reichs- 
druckerei ließ diesem 
Werke eine ganz hervor- 
ragende Sorgfalt ange- 
deihen; die Druckaus- 
führung auf schwerem V J?2T*Z£«, .. 
Büttenpapier feinster 

Qualität ist geradezu musterhaft. Es wird im Ver- 
lag von Amsler& Ruthardt in Berlin erscheinen. 




Die Erkennungszeichen der verschiedenen Drucktechniken. 

Von JOHANN PABST in Wien. 



NOCH unverwechselbarer mit einem Hoch- 
Schnitte ist natürlich die Kornautotypie. 
Ob bei einem Bilde, das die Zerlegung 
der Halbtöne in unregelmäßige Punkte aufweist, 
eine eigentliche Autotypie, d. h. eine Ätzung nach 
einer Aufnahme unter dem Kornraster, oder ob 
eine Kreidezeichnung, eine solche auf Korn- 
papier, ein Umdruck von einem Lichtdruck oder 
einer Zeichnung auf gekörntem Stein vorliegt, die 
der Hochätzung als Grundlage dienten, ist durch 
eingehende Vergleichung des Korncharakters 
ziemlich wahrschein- 
lich festzulegen. 

Die weitere Frage, 
ob ein Druck von dem 
Holzstock selbst her- 
rührt, dürfte sich bei 
der heutigen Vollkom- 
menheit der Klischee- 



II. 




herstellung kaum stets sicher beantworten lassen. 
Schärfer und klarer wird stets der Abdruck eines 
Originalholzstockes sein als von Abgüssen aus 
Gips- oder Papiermatrizen. Allein Galvanos 
werden dem Originale im Druck so nahe kommen, 
dass der Vorzug der „Weichheit", des „Sammet- 
artigen* das bekannte Merkmal eines Druckes 
vom Holzstock! sich schwer nachweisen lassen 
wird. Celluloidklischees, die besonders wegen der 
guten Farbannahme dieses Materials ein Original 
völlig ersetzen, können von Holzstöcken nicht ge- 
macht werden, da sie 

eine Erhitzung auf 
35° bedingen. Die 

Papierstereotypie 
kam auch bei ihnen 
nicht in Frage, da sie 
durch die Anfeuchtung 
und nachherige for- 



434 tft 



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"wnwv "*L<*L*WL'*Lm. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arar jt jt arar jtjt *r *r 



eierte Austrocknung sich „werfen". Die Gips- 
stereotypie, die früher das einzige Vervielfälti- 
gungsverfahren bildete, ist für Holzstöcke durch 
das Galvano verdrängt. Die damit erzeugten Kli- 
schees werden stets ein „Schwinden" aufweisen. 
Durch fortgesetzte Wiederholung von Gipsab- 
und Metalleinguss wurde gegen das Original eine 
ganz erhebliche Größendifferenz (selbst über die 
Hälfte!) erzielt. Die sich mehrende Unscharfe des 
Striches wurde durch Verkleinerung etwas aus- 
geglichen. Bei verschiedenem Feuchtigkeitsgrad 
zeigt das Papier übrigens auch einen verschie- 
denen Zusammenziehungs-Koefficienten, was 
man, um nicht lediglich durch das „Schwinden" 
zu Trugschlüssen veranlasst zu werden, beach- 
ten muss. 

Bei Autotypien und Strichhochätzungen (also 
bei Metall- Platten) 
wird die Unterschei- 
dung, ob vom Origi 
nal oder von einem 
Galvano (also wieder 
von Metall!) gedruckt 
wurde, wohl nur im 
Falle mangelhafter 
Ausführung des letz- 
teren sofort möglich 
sein. Manche An- 
haltspunkte zu einer 
Beurteilung ergeben 
sich jedenfalls auch 
durch einen aufmerk- 
samen Verfolg des 
gesamten Illustra- 
tionswesens, Ver- 
gleich der Klischee- 
kataloge der illu- 
strierten Zeitungen, 
der Handels- und 
Ausleihfirmen und 
Kenntnis der markt- 
gängigen Ware der 

Ätzanstalten und 
Gießereien. Allein 
auch beim Galvano 
zeigen sich Schwin- 

dungsdifferenzen, 
freilich nicht in dem 
Maßstab wie bei der 
(Gips) - Stereotypie, 
die sich, besitzt man 
Abdrücke von Ori- 



ginal und Galvano auf demselben, gleichgefeuch- 
teten Papier, auch nachmessen, also erkennen 
lassen werden. Um dieselben möglichst zu einem 
Incommensurabile zu machen, nimmt der Gal- 
vanoplastiker nach dem Erkalten der Wachsmater 
das sogen. Nachprägen vor. Um nicht mit ver- 
schiedenen Schwindungskoefficienten rechnen zu 
müssen, werden bei Dreifarbenoriginalen alle 
drei Originale mit einem Male geprägt. Wurde 
diese Vorsicht außer acht gelassen, so sind bei 
großen Dreifarbendrucken vom Galvano Pass- 
differenzen zu erkennen. 

Die Unterscheidungszeichen von Schnitt und 
Atzung im einfarbigen Druck gelten in gleicher 
Weise auch für den immergrößeresFelderobern- 
den Farbendruck. Der Farbenholzschnitt und 
seine Charakteristiken wurden schon erwähnt. 




PhoioiypUch« Reproduktion ciac» Rclitfbild» mch dem CoHjiKhen Verfahren von ßljuui Höfel ISIS. 



eB* 435 9*> 



Beilage zum „ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




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mmmmmmmmmmm archiv für Buchgewerbe jr.sr.sr.srjrjr.irar.srjr.jr 




Alt uim n«ih einer Zei.hnunc von J. Patil tut S<.rnfc|>«pier mll torceJru.kten und Mnkrrehl «uf ilics.-lnca 

Minil<eprc*»rrn Linien. 

die Arbeiten der Guillochier- und 
der Relierkopiermaschine. Beide 
sind so eigenartig, dass sie von 
jedem anderen Verfahren sich völlig 

unverwechselbar unterscheiden. 
Die vermittelst der Guillochicr- 
maschine hergestellten Druckplatten 
sind an den aus feinen Wellenlinien 
bestehenden Figuren erkenntlich.bci 
denen sich die einzelnen Linien mit 
großer Genauigkeit und Regelmäßig- 
keit schneiden und verschlingen. Im 
Prinzip besteht die Guillochier- 

maschine aus einem sinnreichen 

Bewegungsmechanismus, der einen 

Gravierstift über die zur Aufnahme 
der Zeichnung bestimmte Platte 

führt, welche auf einem ebenfalls 

mechanisch bewegbaren Tische ruht. 

Je nachdem dieser Tisch in gerader 

Richtung unter dem Stift fortbewegt 

oder um seinen Mittelpunkt gedreht 

oder, sich drehend, hin und her be- 
wegt wird, entstehen bandförmig 
fortlaufende (Abb. 1), kreisrunde 

oder elliptische Guillochenmuster 

(Abb. 2 und 3). Durch Verände- 
rungen der Bewegungsmechanismen 

des Gravierstiftes und des sich dar- 
unter befindlichen Tisches kann 

eine fast unerschöpfliche Mannig- 



faltigkeit in den Guil- 

lochenformen erzielt 
werden. Da auch der ge- 
schickteste Zeichneroder 
Graveur nicht im stände 
ist, mit der Hand die 
komplizierten Muster der 

Guillochiermaschine 
nachzubilden, so ist die- 
selbeein unentbehrliches 
Hilfsmittel bei der An- 
fertigung von Druckplat- 
ten zur Herstellung von 
Wertpapieren geworden. 

Die Reliefkopier- 
maschine, welche von 
A. Collas in Paris im 

Jahre 1K30 erfunden 
wurde, bezweckt nach 
einem Relief eine Druck- 
platte auf mechanischem 




Äuunt n»rh einer Fcdtr;ei*-hnung rot. J. PtHI tat temtlhnllcbem Knrwn. 

m 437 50 



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&mrabM*tMmAV»VHM. ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE jrjrararjrwjrjrjrarar 



Wege so zu gravieren, dass deren Abdruck das 
Bild des Originalreliefs in gleicher Schattie- 
rung wiedergiebt, wobei ein dem RelieF durchaus 




6U Linien per etn 



Auimipien mit lfT)-R«»tern iu verai-hledcnrn Linien« then , brrgctlclll ii 

entsprechender plastischer Effekt erzielt wird. 
Diese plastische Wirkung entsteht dadurch, dass 
auf der Reliefkopiermaschine über das zu kopie- 

r r 



runde Relief und die zu gravierende Platte durch 
einen Winkelhebelmechanismus mit einander ver- 
bundene Stifte in gleichlaufender Richtung ge- 




70 LMM per cm 

der uchn. Lehr- und Vcr»uchMnt(ili von KUnuch & Co. in Frankfurt a. M. 

führt werden. Der über das Relief in geraden 
Linien mit einem bestimmten Abstand geführte 
Stift wird, dem Profil entsprechend, sich heben 

.Vi «£> 



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KU««««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE aNMMMMMMMMW 



und senken. Diese Vertikalbewegung wird dureh ander entfernen, auf welche Weise dem Original- 
die Winkelhebelübersetzung für den Gravierstift reliefentsprechendeLicht-undSchattenwirkungen 
in eine Horizontalbewegung umgesetzt, wodurch entstehen. Seit der Einführung der photomecha- 




. HO Linien per cm ml Linien per *m 



Auiofyplcn mit Lriy RuMcrn in vermiedenen Linien« titen. herjesiclli In der teebn. Lehn und Vcnuchunsinlt von Klimtch fr Co. in Frankfurt t. M. 

dieser auf der zu gravierenden Platte Linien he- nischen Reproduktionsverfahren, welche sich 
schreibt, welche je nach den Erhebungen des ganzbesonderszurWiedergabeplastischerGcgcn- 
Reliefs sich einander nähern oder sich vonein- stände eignen, wird die Relicfkopiermaschine 



* 439 ■ 



56» 



«««t'««'«.'«'«'»'«'« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararararjrarararjrarar 




RttfcrAuioivpie In Mcuing. 
Yn« W, Cronenberg in Pasing. 



Kornoutorypie In Zink. 
Von W. Cronenberg in Paiine. 



hauptsächlich zur Gravierung von Plattenbenutzt, 
die zur Herstellung von Wertpapieren dienen, 
wodurch eine Fälschung erschwert wird, da die 
Collas-Manier durch Handzeichnung schwer 
nachzuahmen ist. Obwohl die vermittelst der 
Collas-Manier hergestellten Drucke so charakte- 
ristisch sind, dass sie kaum mit anderen Druck- 
arten verwechselt werden können, so sind sie im 
Liniencharakter am verwandtesten mit der vor- 
stehend erwähnten Schabmanier, doch besteht 
ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal darin, dass 
die einzelnen Linien der Schabzeichnung gerade 
sind und parallel laufen, während die Linien bei 
der Collas-Manier nur bei ebenen Flächen des 
Reliefsgerade sind, an allen erhabenen oderver- 
tieften Stellen in der einen oder der anderen 
Richtung jedoch von der Geraden abweichen. 

Das auf der PariserWeltausstellung vorgeführte 
Or/o/fsche Druckverfahren, ebenso wie das der 
Österreichisch -ungarischen Bank, welches als 
Passfarbendruck nicht recht zu erklären war, er- 
regte berechtigtes Aufsehen, vergl. den Aufsatz 
darüber S. 224). Das absolute „Passen" und be- 
sonders die nur diesem Verfahren eigene Ent- 
stehung von wirklichen Mischfarben an den über- 
greifenden Stellen sind deren Kennzeichen. Das 
alte Verfahren des ebenfalls einmaligen mehr- 
farbigen Congreve- Druckes, das schon Fust und 
Schöffer bei ihrem berühmten Psalter anwen- 
deten, bei dem die Herstellung durch gesonderte 
Einfärbung nachher zusammenzufügender Platten- 



teile erfolgte, ist gegenüber gesonder- 
tem Drucke der einzelnen Farben 
gleichfalls durch das aus dem Vor- 
gange resultierende unbedingte 
„ Passen" charakterisiert, ebenso wie 
dadurch, dass die Zeichnung so ein- 
gerichtet sein muss, dass sie sich mit 
wenigen ineinandersetzbaren Farb- 
plattenteilen wiedergeben lässt. 

Noch mögen vorübergehend aufge- 
tauchte Arten der Herstellung von 
Hochdrucken erwähnt sein. Das beste 
darunter sind die Leimklischees Hus- 
niks, bei denen die Chromgelatine 
direkt zum Druckstock verwendet 
wurde, dann der Licht-Hochdruck von 
Bolhövener in München. Besondere 
markante Erkennungszeichen für sie 
können wohl nicht aufgestellt werden. 
Ferner ist zu erwähnen der sog. Block- 
druck und der „einmalige Vielfarben- 
der ja S. 351 schon ausführlich be- 
schrieben ist. Dieses Verfahren kann natürlich an 
Klarheit und Schärfe mit andern Farbendrucken 
nicht rivalisieren, es ist auch mehr für Massen- 
auflagen berechnet. Die mit ihm erzeugten Farben- 
drucke charakterisieren sich dadurch, dass die 
Farbtöne in reinen zusammenhängenden Flächen 
aufgetragen sind und dass die Kontur-(Egali- 
sierungs-)Platte meistens Passdifferenzen auf- 
weisen wird. Das Verfahren kommt in neuester 
ZcitwiederfürdenPlakatdruckmehrin Aufnahme. 

Kombinationen des Hochdruckes mit den an- 
deren Druckverfahren kommen natürlich vielfach 
vor, so mit dem Tiefdruck bei den Clairobscurs 
des 17. und 18. Jahrhunderts, bei welchen die 

eine oder die 
mehreren 
Tonplatten 
in Holz ge- 



druck" 




schnitten, die Konturplatten aber radiert waren. 
Eine radierte Kontur ist indes von einer ge- 
schnittenen, schon weil ihr der kräftige, gleich- 



est 440 



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u allen Zeiten, schon in altersgrauer 
Vorzeit, hat der Mensch das Bedürf- 
nifs gehabt, seine Gedanken nieder- 
zuschreiben, um die Erinnerung an 
wichtige Ereignisse zu bewahren 
oder sie Anderen zur Kenntnifs zu 
bringen. Die Schrift ist eine der 
ältesten Künste, deren Spuren sich Jahrtausende zu- 
rückverfolgen lassen. Auf den Felsen, deren Höhlen 
den ersten Menschen zur Wohnung gedient haben, 
auf den in den Hohlen gefundenen Waffen und Ge- 
rätschaften finden wir von richtiger Beobachtung 
der Natur zeugende Abbildungen, welche noch nicht 
eigentliche Schriftzeichen sind, wohl aber dazu be- 
stimmt waren, einen Gedanken oder die Kunde eines 
Ereignisses zu Ubermitteln. 

Mit der fortschreitenden Kultur, mit derEntwicke- 
lung des Handels und Verkehrs entstand auch das 
BedOrfnifs, an Stelle der complicirten Bilderschrift 
einfachere Zeichen zum Austausch der Gedanken zu 
benutzen. So entstanden die Alphabete, deren Ein- 
fachheit gegenüber der Bilderschrift der Alten es 
kaum glaublich erscheinen läfst, dafs sie sich daraus 
entwickelt haben. Welch ein Unterschied zwischen 
den eckigen Zeichen der Runenschrift und den 
krausen Linien der chinesischen Typen, zwischen 
den klaren, edlen Formen der lateinischen Schrift - 
zeichen und den attegyptischen Hieroglyphen. 

Während die uncivilisirten Volker auf der ersten 
Stufe der Schrift stehen blieben, haben andere die 
ihnen eigentümlichen Schriftzeichen bald zu einer 
grofsen Vollkommenheit gebracht, welche ihnen ge- 
stattete, ihre Ideen, ihre grofsen Ereignisse nieder- 
zuschreiben und für die Nachwelt aufzubewahren. 
Es geben die Hieroglyphen der Pyramiden, die mit 
Keilschrift bedeckten Thontafeln und Thoncylinder 
aus babylonischer Zeit, die Papyrusrollen und die In- 
schriften der altgriechischcn Tempelbauten Kunde 
von den Sitten und Gebräuchen der vor Jahrtausenden 
in den Staub gesunkenen Geschlechter, von den 
Göttern und Helden der Vorzeit, von Hafs und Liebe, 
von Krieg und Sieg. 

Die Erfindung der Buchdruckerkunst war von 
grofser Bedeutung für die Entwickelung der Sprach- 
forschungen. Schon in der Wiegenzeit der Buch- 
druckerkunst, im Jahre 1476, druckte Paravisinius zu 
Mailand eine griechische Grammatik und im Jahre 
1475 erschien zu Reggio in Calabrien ein Commen- 
tar zum Pentateuch von Salomon Ben Jizchak mit 



hebräischen Lettern. Paganini von Brescia zu Venedig 
druckte im Jahre 1318 in arabischen Typen den 
Koran, KOnig Franzi, von Frankreich liefs um das 
Jahr 1 520 auf seine Kosten hebräische Schriftzeichen 
schneiden, mit welchen in Paris die Klagelieder Jere- 
miae gedruckt wurden. Die berühmten Buchdrucker 
Eticnne zu Paris und Plantin zu Antwerpen druckten 
gegen Ende des 16. Jahrhunderts syrische Schriften; 
Elias I lütter zu Leipzig vervielfältigte um das Jahr 
1 587 das Neue Testament durch Druck in zwölf 
Sprachen, und in Nürnberg erschien fast zu gleicher 
Zeit eine sechssprachige Bibel. 

Trotz der unendlichen Verschiedenartigkeit der 
Schriftzeichen dürfte es wenige Sprachen geben, 
deren Zeichen nicht schon auf der Buchdrucker- 
presse vervielfältigt worden sind. 

Mit ihrer Hülfe konnten die Ergebnisse der Sprach- 
forschungen weiten Kreisen mitgetheilt werden. Die 
Gelehrten hatten die Genugtuung, dafs sie für andere 
Forscher vorarbeiteten, dafs die Fruchte ihrer Arbeit 
nicht in den Bibliotheken vergraben wurden, sondern 
Gemeingut des Volkes werden konnten. 

Die Akademien der Wissenschaften und die Uni- 
versitäten unterstützten die Buchdrucker in der Her- 
stellung fremdsprachlicher Schriftzeichen ; neben den 
lebenden waren es diejenigen der todten Sprachen, 
welche in der Buchdruckerpresse wiederauferstanden. 

Die Missionen und die oft mit reichen Mitteln aus- 
gestatteten Bibelgesellschaften haben auch dafür ge- 
sorgt, dafs die Schriftzeichen fremder Sprachen in 
Metall geschnitten wurden, um die Bibel und andere 
religiöse Schriften herzustellen. So konnten die Mis- 
sionare hinausziehen , um Gottes Wort aufser durch 
ihre Predigt auch mit Hülfe der Erzeugnisse der 
»schwarzen Kunst« zu verbreiten. 

Die umstehenden Uebersetzungen geben ein die 
Bedeutung der Schrift preisendes Distichon Schillers 
wieder: 

»Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen 
»Gedanken • Durch der Jahrhunderte Strom trägt 
»ihn das redende Blatt-. 

Die Aussprache der fremden Zeichen ist in Cursiv- 
schrift wiedergegeben und die wörtliche Uebcr- 
selzung unter Berücksichtigung der Eigentümlich- 
keiten der betreffenden Sprachformen in lateinischen 
Lettern darunter gesetzt. 

Namhafte Sprachgelehrte haben in liebenswürdig- 
ster Weise ihre Hülfe geliehen, um die abgedruckten 
Uebersetzungen herzustellen. 



J 



Beitrat dar Reictitdruckerei, Berlin 




Bellica »um Archiv fUr Buchgewerbe 



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AltaegypUsch 

m #< »// h> cri rdi ädmk it 
klt Ort m Arte pn In mdte n{r imn it n m-fot 

Wu ich rede in fernen Ländern, meine Feder läfst es dich 
hören : 

Was mein Herz heute denkt, die Schrift lafst es bleiben fOr 
die Nachwelt. 

' ' ~* — ■_ . _ . . ■ Ii. |— 

Amharisch 

)WT- AAA«*. Art»-. rfAfl, «TT' flAm**. TA*' ><*•• 

«HCl IWOV* V r»HWtA" 

rftm/ lalteJInw l'it'iw Aa*äl> xegännS tttmt yammiaatote trfat nSä; 
htuäboi yamm'maijrr bn-ännS bazamanät läy bt&sdäiatcät. 

Dem menschlichen Gedanken, der selbst der Stimme beraubt 

ist, giebt die Schrift Körper und Stimme, 
Das Pergament, welches die Gedanken ausdrückt, tragt sie 

Ober <Kc Jahrhunderte. 

Aethiopisch 

AA.ff» HUI' «MI* > MAS' NlA« 9?ht 

v irui jjeünä nabiba icaAabatö sthfat labsfcnS akäia vaqala, 
icayä^aiefo mashaf tandyän mla bohra 'ämatät 

Indem der Gedanke nicht zu reden vermag, hat die Schrift 
dem Gedanken Körper und Stimme gegeben, und das redende 
Buch lafst ihn durch das Meer der Jahre hindurchschreiten. 

Altgriechisch 

rnMATEKAI»ANHMArPA*HnOJ»6NßMATlKß»ni 
OTTIdtAlfiNOZ«VAAAAAAOVNTA*EPEI 

£u[ia Tt fiu $wqpa ypa^tii w6p* Ytiftan «ox^lj, 
'Dm &' mint QvKKa KaXovvm <fttp*i. 

Sorna te kai phonema graphe pore 
Haiti di' aianot phytla lalounta pkerti. 

Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken, 
Den durch die Ewigkeit die redenden Blatter 



Arabisch 

<SJ.W **-h u (±\ r^V» Jji\ M iuQi jl 

- - - - - - -» - ^ 

mna 'Ikilabata tvthifu Ißkra ' {' abkama biUfismi va.<»/iuti ammä 
'wahifatu 'nnätiqatu f itig 'aluhujaqta'u 7'd'fwra ttaddvhära 

Die Schrift beschenkt den stummen Gedanken mit dem Körper 
und der Summe, und das redende Blatt lafst ihn die Jahr- 
hunderte durchschneiden. 

Armenisch 

Zctc mdrmneghm Joe hünttchun da kir Irrig imaziz 
Tarus i tares arial dam sain ckoutm kardes». 

Körpergestalt und Stimme giebt die Schrift den stummen 
Gedanken, 

Von Jahrhundert zu Jahrhundert tragt sie fort das redende Blatt. 





Chinesisch 












Ml 










m 




m 


m 


* 


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im 


m 
















A 



Hsm-sze xtu-hsiag, ehii Usi ktien, 
Ilrif yä eht-thang, iü tizi yen; 
Htm -szt vü-xMng, chil tiai ming, 
Ch'uän-tiu iht-chim trän- wart ni*n. 

Der Gedanke hat keinen Körper, [erst] durch die Schrift tritt 
er sichtbar hervor, • fWelche,] übertragen auf das Papier, [isf 
wie selbstthBtige Rede. • Der Gedanke hat keine Stimme, 
[erst] durch die Schrift wird er tönend • [Und! fliefet weiter 
inmitten auf einander folgender Geschlechter zehntausend Mal 
zehntausend Jahre. 



Estrangelo 

\VSt!a%£b n ^ 



Die Schrift ist wie eine Stimme, durch die der Mensch seine 

Gedanken offenbart, 
Und durch die Schrift werden sie auf die Nachwelt überliefert. 



Georgisch 

lik^Goajiomi 

mdzagnnbroba atshocflebu outkr air 
malopaniki poitrtteli dtareb* outkr am» i 

[Die] Schrift belebt [den] stummen Gedanken und giebt ihm 

Körper und Stimme, 
[Das) redende Blatt jagt [treibt] [den] 

durch Ströme [der] Jahrhunderte. 

Griechisch 

«Srfma Am fonin dhaniri i graphi it tin dfonon skepxm, 
Td/tin dhe feri o ehdrtis ÜMn dhi dltm ton eonoa. 

Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken, 
Und diesen bringt das Papier redend durch alle Jahrhunderte. 



Guzerati 

ill ßatlVl ^itl^. «Ul »III»/ H<>ld f 

.Vunaa vcilrhnrnr äkschärlhi fchärir tülha äwati) mälttchhr, 
Iioltun päträ tene sädioni ftätlimnnthi Im dja'tckhe. 

Der stumme Gedanke bekommt Körper und Stimme von der 
Schrift, 

Das sprechende Blatt durch den Strom der Jahrhunderte ihn tragt 



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Haussa 



asmä ja-karbo fiki da - muria da-ruMt 
1 takarda mai-halit ja-riMh hat abada 

Der Gedanke nimmt Körper und Stimme an durch seine 
Niederschrift; 

Blatt bewahrt ihn auf für die Ewigkeit. 

Hebr&lsch 
yrrrb aron irr V nrnsn 
: Totti pbj i n x tr ffnrn tttVi 

T'onauU w'k<U jittAt hakk' ibäte larajän kaddomim, 
f_7 / dtJr dorim jisssi''hu //dhtjfa kaddoitir, 

Formung und Stimm« gieht dieSchrift dem stummen Gedanken, 
Und von Geschlecht zu Geschlecht tragt ihn das redende Blatt 



Keilschrift, assyrische 

v* »ra ~t -m < * n s*t «m n ~r n > in « -t wr sb it 
b -i <i-im im n k« t- •» -*t ct -n* = « 



bwmana u od kitru 
ana amat lihbi 
ana arkal umi 
ufAalii ta ikdabi dnppv 

Gestalt und Mund verleiht die Schrift dem Worte des Herzens, 
Und in die Zukunft der Tage trägt es die redende Tafel. 



J to JA j,1 j^T/TjlU £f 

^ tu j_ ^_ jj» ^j; «5^^ ju» U«». 

Adr/ gumjt khialcmko mau äur bädän dtta käi 
ckhapa utkü sOdi ki nädi mtn *c fr </;'a<a Ad« 

Die Schrift dem stummen Gedanken Körper und Stimme giebt, 
Das gedruckte Blatt ihn durch den Strom der Jahrhunderte trügt. 

Jakobitiach 

Kuh Am akk km dhMegkU bk4 bkartuUM rttAnau 
WttbaMrtJubhtä MeW mos IdemimüthMn Udkaitfn ctibbiUkran. 
Die Schrift ist ^wie eine Stimme, durch die der Mensch seine 

Und durch die Schrift werden sie auf die Nachwelt Oberliefen. 



K<£T-»WtM«K-\ -teSlM <K«-\ -tE fr- <ft -DE TR \ 
Arnum. wÄbm-dä. dadatij. 
dipü. aieafakaij. mcCfnMäij. 
Uiö- dttK. fvä\ jaräm. tot&riäm. rauta. 
/r<i\ca-atij. warka. kja. teadaStwö. 

Körper und Stimme giebt die Schrift dem stimmlosen Gedanken, 
Und ihn durch der Jahrhunderte Strom trägt das Blatt, das 
stimmbegabte. 



l 



Japanisch 



CO 

* 



I 

o 
(7) 



k 

iL 



Sko ica mobumrjeu tarv tküö ni katacki In koye In teo $azvkf, 
yuijm no kamt kor« iro ikvkydkv nm no nocAl ni uutorte 

kwhiiarashimu. 
Die Schrift leiht dem stummen Gedanken Körper und Stimme; 
das redende Papier liefert ihn der Nachwelt durch mehrere 
Jahrhunderte und lafsi ihn nie verloren gehen. 



Koptisch 

0*yM*ycTHpton-n< £ttneccje\i ^c-uj&.'jfTik'YO nnui- 
ütoc^c n«rrpeYcu>TM epoo^f ncn-neng)ffpe. 

vmysttrvm - /w h'nnrthai , -f-tuutauo 'nnrntntrtjt hifn- Üvilntia 
m{6 nmiaie "mpoff, *n/oy neUrepmt'm eroy 'nyi-nmsere. 

Es ist etwas Gcheimnifsvolles um die Schrift, denn sie meldet 
unsere Gedanken durch das Meer, und was wir heute sprechen, 
das llfst sie unser 



(Unciale) 
coapu sque^r uocem tADtis-bATlimaA-seNSis 
quA«p<K<miltA-u<bittJt.ecuU<bAatA(oqu(Nf 

Corputqvt et eoeem taeiht dai kttera «sm, 
Qtmr prr multa vekit taecula ckarta loqut**. 

Körper und Stimme leiht der Buchstabe den stummen Gedanken, 
Die durch die vielen Jahrhunderte das redende Blatt tragt 



al-kitAbatu tulti 'l-fütra 'l-'abkama ditmtm va-mulan • 
fakmUtibu l-takifafu 'l-ndfitja(v qurünan 

Die Schrift giebt dem stummen Gedanken Körper und Stimme, 
Das redende Blatt trügt ihn durch die Jahrhunderte. 

Nestorianisch 

>*<u_wi nal ia au jXaj ^1 JjAAa 

v ä*i39 laoMit^x» io«tfc> «ja^k aa a 

KOhibktd akk kili dkrntgkU IM bharndtkd re'jänou 
W'ebhak'helhibhtÄ thsh\ct maxhtrmdntUb/Hm tedhadt'n Häbhäthran. 

Die Schrift ist wie eine Stimme , durch die der Mensch seine 

Gedanken offenbart, 
Und durch die Schrift werden sie auf die Nachwelt überliefert. 



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Ij U->J 4»d « kl-J iai- 

lj JL j^tSsr ^ ayr >^ ^ 

X«' <m< *i «frA/d brr Jikr-i-bekm dism-u-itadä-rä 
kSyad brrtd « §üj-i-köhm tat fikr.i-bekim.rS 

Die Schrift ist es, welche dem stummen Gedanken Kürper 

und Stimme giebt, 
Das Blatt tragt durch den uralten Strom den stummen Gedanken. 

Runen, altgermanische 

m Mm« HnxiY 

imt m $tw\mr $Tr*nMY 

rMR^MftMÄY t\n 

Mahtilau*an auk paqjandi 

txu mannö htiffilt, 

äära ru MtudütaM MlabumX: 

Machtlos und schweigend war der Menschen Gedanke, eh er 

sich staute auf [Runen-] Stäbe: 
Des Menschenvolkes Weisheit tragt nun ein gcriuter Zweig 

den Strom der 



in die Ge- 
wenn 



yad dhyätam mantuä nihiabdam tat tuthati yugaparyantnm | 
akfarnrüpaparmatam eägbhütam vilikhitam patre R 

Was im Innern lautlos gedacht, das hat bis an's Ende der 
Weltperiode Bestand, in dauernde Gestalt [oder 
stall der Schrift] sich verwandelnd, zur Rede wci 
es auf ein Blatt geschrieben ist. 



Syrisch 



Kfthibhti akh kM dhivvghU bM bhamd*hA rr'jinau 
mathlem/mAthMn 



Die Schrift ist wie eine Stimme, durch die der Mensch seine 

Gedanken offenbart, 
Und durch die Schrift werden sie auf die Nachwelt überliefert. 



Suaheli 

f»jS€ f » s.'i ; u > w-j j* 

* — ~ — * *• * 

-» - ~ - - -» 

• 

fikara pasipo neno hutambulika hurikika hea kuandikwa. 
huenrzva mudda tea miaka mia ao zayidt na kartest iltyoaruiihca 

Gedanken ohne Worte werden erkenn- und vernehmbar durch 
die Schrift, 

Ein Zeitalter von hundert oder mehr Jahren hindurch werden 
sie fortgepflanzt von dem beschriebenen Blatt 



Tibetisch 



bsam-pa yi-ger 'bri-bai ni | 
lu*' »kad- Idan - par yyur - ba dt | 
fora - Idan sog - OM dus-rnams-kyi \ 



Einen Gedanken, der durch die Niederschrift mit Körper 

und Stimme versehen wird, 
Trägt das mit Rede ausgestattete Blatt aber der Zeiten Strom 



hm' 

EBD." 



yatt dyr ki verir $i*m vt ffdäjy ßkr-i-btkxmt, kdr/yd-ta 
(/Wtrtr jiilerde tme kühne aian jSjdan , any 

Die Schrift ist es, welche dem stummen Gedanken Körper 

und Stimme verleiht, das Papier aber 
Trügt ihn durch den Jahrhunderte alten Strom. 



Zend 

htimatm manö hükhtrmca txtcö yat citkrää aemauv tuhdänr 
nithtraritnn Ulf yat* paiti hiitaite. 

Der gute Gedanke und das gute Wort, wenn es mit Zeichen 





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'WLtt.-muwL'muwL-m.mL-mm, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



mäßige (auch gleich gefärbte) Strich fehlt, leicht 
zu unterscheiden. Wird zum Buchschmuck der 
Kupferdruck (seit Ende des 16. Jahrhunderts, 
zuerst schon in dem berühmten Dante-Commentar, 
Florenz 1481) herangezogen, so charakterisiert 
sich dieser am meisten durch den unvermeid- 
lichen, immer störenden Plattenrand. Um letzte- 
ren nun verschwinden zu lassen, wurden in letz- 
terer Zeit bei Ausschmückung von Büchern mit 
radierten Kopf- und Schlussleisten so große Plat- 
ten genommen, dass deren Rand, und damit das 
leichteste Erkennungszeichen, durch den Buch- 
binder in Wegfall kommen musste. Allein eine 
Radierung als solche zu erkennen und von einem 
Holzschnitt oder einer Strichätzung zu unter- 
scheiden, ist doch wegen der im allgemeinen viel 
feineren Striche kein Kunststück! Die Verbindung 
von Buch- mit Flach-, insbesondere Steindruck ist 
sehr häufig. Am naturgemäOesten ist die, dass die 
bildliche Darstellung in Lithographie und der 
Text in Buchdruck ausgeführt wird. Um zwei 
Drucke zu vermeiden, wird auch der Text auf den 
Stein übergedruckt, der sich auch im Überdruck- 
Flachdruck als ursprünglich „gesetzt" leicht cha- 
rakterisiert. Eine unmittelbare Vereinigung beider 



Druckmethoden erscheint versucht im sogenann- 
ten Warf-Litho-Verfahren, von dem aus England 
einmal mehr oder minder begeisterte Nachrichten 
kommen. Es soll sich dabei um den Druck von 
Flachdruckplatten gleichzeitig mit Hochdruckfor- 
men in der Buchdruckpresse handeln. 

Übrigens ebenfalls aus England kommt noch 
die Meldung eines anderen Hochdruckverfahrens, 
das vorläufig allerdings nicht ganz ernst genom- 
men werden kann, des Druckes ohne Farbe. 
Bei diesem ist das Papier mit farblosen che- 
mischen Substanzen imprägniert, die durch den 
elektrischen Strom eine Umwandlung in gefärbte 
erfahren. Der Strom geht nun beim Druck durch 
die Form als dem einen Pol, zum Druckcylinder 
oder Tiegel als dem anderen durch das Papier 
und bringt an den Berührungspunkten die er- 
wähnte Veränderung, also den elektrischen Druck 
ohne Farbe hervor. Sollte dieser wirklich ein- 
mal praktisch werden, so wird man neben dem 
Merkmal des Hochdrucks durch die Schattierung 
zu chemischen Reagentien ihm gegenübergreifen 
müssen zur Konstatierung der Stoffe, die durch 
den elektrischen Strom an den Berührungspunkten 
der Form mit dem Papier ausgeschieden wurden. 



Die graph. Künste auf den Münchener Sommerausstellungen 1901. 



DIESER Sommer hat uns in München nicht weniger als 
fünf Kunstausstellungen gebracht, von denen drei 
auch eine größere Anzahl graphischer Werke beherbergen. 
Die bedeutendste Ausstellung in dieser Hinsicht ist un- 
streitig die erst vor wenigen Wochen im neu eingerichteten 
Kösirschen Kunstsalon eröffnete Sonderausstellung von 
Otto Greiner, Atlilio Sacchetto und einigen Mitgliedern des 
Karlsruher Künstlerbundes. Zum erstenmal rinden wir 
hier in München in einer Ausstellung Otto Greinen bis- 
herige Werke vereinigt. Wenn die einzelnen Blätter auch 
größtenteils schon bekannt sind, so gewährt uns ihre kol- 
lektive Vereinigung hier doch einen ausgezeichneten Über- 
blick über Greinen künstlerische Entwicklung und llsst 
uns die Bedeutung dieses hochbegabten Künstlers in sei- 
nem vollen Umfang erkennen. Wie Klingen erste Radier- 
werke eine neue Blütezeit der GrifTelkunst einleiten, so 
können wir Greiner als einen der ersten Künstler der Jetz- 
zeit ansprechen, die in Deutschland den Steindruck auf 
eine künstlerische Höhe brachten und in ihm ein hervor- 
ragendes Ausdrucksmittel für ihre Phantasie fanden. Von 
älteren Arbeiten sind die „Laube", .Die fliehenden Frauen" 
und das Schießdiplom für ein Infanterieregiment ausge- 
stellt; schon diese Arbeiten verraten Greinen eminentes 
Können und seinen fein gebildeten Schönheitssinn. Von 
der .Laube«, die 1886 entstand, bis zu seinen Schöpfungen 



neuesten Datums ist ein großer Schritt; seine Technik hat 
im Laufe dieser Jahre sich ganz bedeutend entwickelt und 
vervollkommnet; es ist in dieser Entwicklung, die sich in 
seinen Werken deutlich widerspiegelt, nichts Unlogisches, 
Überstürztes und Nervöses. Es scheint uns, als ob Greiner 
von Anbeginn seiner Künstlerlaufbahn an sein Ziel voll- 
kommen klar erfasst hat, und wenn wir heute einen Blick 
zurück auf das Werden dieses Künstlers werfen, so möch- 
ten wir glauben, als hätte der Zwang einer inneren Not- 
wendigkeit ihn zu Klinger hingezogen, der stilbildend auf 
ihn wirkte und ihm die wertvollsten Anregungen gab. Die 
geistige Wahlverwandtschaft, die zwischen beiden besteht 
und wohl vornehmlich in ihrem echten und unverfälschten, 
germanischen Naturell beruht, ist aber durchaus nicht etwa 
gleichbedeutend mit einer geistigen Abhängigkeit des Jün- 
geren von dem Alteren. Den Höhepunkt von Greinen bis- 
herigem Schaffen bildet unstreitig sein Cyklus vom Weibe; 
das ist das Werk eines Denkers und Dichters; die drei 
Blätter .Die Ecilbietung", „Eva, Teufel, Sünde" und „Gol- 
gatha" sind von vollendeter Schönheit. Stofflich erinnern 
sie wohl an FHicien Rops; aber wie viel mehr Innerlichkeit, 
Sittlichkeit des Empfindens und deutscher Ernst zeigt sich 
in Greinen Schöpfungen. Dabei sind sie technisch von 
einer staunenswerten Meisterschaft; bis ins kleinste Detail 
hinein sind die Körper durchgebildet mit einer Schärfe und 



c&S 441 «So 



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mmmmmmmmmmt* ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararara*j*j*a*a*ar.wMr 



Accuratesse, die um so mehr Bewunderung erheischt, weil 
trotz dieser peinlichen Durchrührung in der Modellierung 
der Formen der Künstler niemals den Blick auf das Ganze 
verliert. Neben diesen Arbeiten erfreuen dann noch vor 
allem die Exlibris für Wilhelm Wcigand, Dr. Hartwig, Dr. 
Ehrhardt und Friulein Marianne Brockhaus, eine Illustra- 
tion aus Dantes Inferno und das Blatt .An Klinger" (1898» 
in seiner prachtvollen, plastischen Wirkung. 

In demselben Räume sind noch einige Bleistiftzeichnun- 
gen von Aililio Sacchetlo ausgestellt.die sich sehr gut neben 
den Greinerschtn Lithographien behaupten; es sind ge- 
schickte, liebenswürdige Arbeiten von feinem, poetischem 
Reiz und zartem, malerischem Empfinden. 

Den .Vereinigten Werkstätten*, die hier in München so 
schwer um ihre Existenz zu kämpfen haben, ist auf kurze 
Zeit der eine Flügel des alten Nationalmuseums zur Ver- 
fügung gestellt, wo sie in lullerst geschmackvollem Arran- 
gement eine gediegene und abwechslungsreiche Ausstel- 
lung veranstaltet haben. Dort findet sich eine Kollektiv- 
ausstellung von Originalen des „Simplicissimus". Heine, 
Thöny, Min/, Schulz und Wilke sind im Canzcn mit unge- 
fähr 60 Zeichnungen vertreten, die unsern Lesern ja alle 
aus dem Simplicissimus bekannt sein dürften. Daneben 
erwecken eine größere Anzahl von Farbenholzschnitten 
des Präger Emil Orlik viel Interesse. Orlik weilte selbst 
einige Zeit in Japan und sein schmiegsames Talent, mit 
dem er in den Geist dieses Volkes eindrang, darf uns billig 
in Erstaunen setzen. Wenn der Katalog uns nicht belehrte, 
dass diese Holzschnittfolge von einem Europicr stamme, 
dürften die meisten mit voller Berechtigung auf einen ja- 
panischen Künstler, und zwar auf einen Schüler von Ho- 
kusai oder Hiroshige raten, so .echt" sind Orliks Blatter. 
Wir bewundern Orliks Geschicklichkeit, aber wir finden es 
im höchsten Maße unersprießlich und unerfreulich, wenn 
ein deutscher Künstler so gänzlich im Japanismus unter- 
geht, dass man ihn selbst gar nicht mehr wiedererkennt; 
diesen falsch verstandenen Japanismus fassen wir unter 
dem Begriff Charakterlosigkeit zusammen. 

Ernst Ltistikow in Bromberg, ein Bruder des bekannten 
Maler* Waller Leistikou; hat eine Anzahl entzückender 
Buntpapiere ausgestellt; es sind dies Original-Marmor- 
papiere für Vorsatz und Bucheinband, die nach einem von 
ihm modifizierten Verfahren hergestellt sind ; dieses Ver- 
fahren ist für die Herstellung von marmorierten Papieren 
in endlosen Bahnen ausgebildet. Das Ochsengalle -Ver- 
fahren war Ltistikow ursprünglich unbekannt; er arbeitete 
von Anfang an mit Ölfarben, die er mit gewissen Verdün- 
nung- und Bindemitteln für seine Zwecke geeignet machte. 
Nach diesem patentiertem Verfahren werden auch Vorsatz- 
papiere in endlosen Bahnen für die Großbuchbinderei von 
der Firma Felix Peltzer & Co. in Düren im Rheinland ange- 
fertigt. Sowohl ein Musterbuch dieser Firma wie eine An- 
zahl von Originalhandpapieren sind ausgestellt. Die Farben- 
zusammenstellung dieser Papiere ist sehr, geschickt ge- 
wählt; immer ist mit den einfachsten Mitteln eine ent- 



zückende Wirkung erzielt; bald ist es eine Symphonie in 
Karminrot, bald ein saftiges Blau, dann wieder ein leuch- 
tendes Grün. Die Blatter wirken nur durch ihre reiche Ton- 
schönheit; es sind keine Ornamente, keine Zeichnungen 
auf den Papieren, sondern nur reizende, das Auge erfreu- 
ende Farbenspiele. 

Die .achte internationale Ausstellung* im Glaspalast bie- 
tet dieses Jahr eine reiche, kaum zu übersehende Fülle von 
Kunstwerken, und zwar ausschließlich der Malerei, der 
Plastik und der Graphik. Unter 2689 Nummern finden sich 
gegen 200 Werke der graphischen Künste, die, nicht so 
günstig gehingt wie im Vorjahre, üher mehrere Sile zer- 
streut sind. Den stattlichsten Eindruck rufen die Hollinder 
hervor; unter ihnen ist besonders .Marius Bauer zu nennen 
mit mehreren ausgezeichnet gesehenen und eindrucksvoll 
wicdergegcbcncn Ansichten aus Indien; neben ihm seien 
Pieter Duponl, Philtippe Zücken und Grandt van Roggen er- 
wlhnt, die beide mit allen Fasern ihres künstlerischen Em- 
pfindens tief in ihrer Heimat wurzeln; sie halten die Tra- 
ditionen der bollindischen Kunst hoch. Die weite Ebene, 
die machtigen, hohen Eichen mit ihrem schweren vom Sturm 
zerrissenen Gezweige.die Landstraßen.aufdencn die Pferde 
mühsam die Karren in die Stadt ziehen, stellen sie dar; 
dann geben sie uns wieder die Ansicht einer ihrer Stidte 
unter dem wolkenumflorten Himmel; Dimmerung, Abend- 
stimmung und Mondaufgang, das sind die Lichtmotive, die 
sie lieben; nur selten zeigt uns einmal ein Künstler ein 
Landschaftsbild unter der leuchtenden Mittagssonne. In 
technischer Beziehung stehen ihre Radierungen auf her- 
vorragender Höhe, es giebt keine tastende Unsicherheit, 
kein unreifes Halbkönncn in ihrer Mitte. 

England ist durch Arbeiten von Cameron, Pennel und 
Whistler spärlich aber gut vertreten. 

Inden deutschen Sllen erfreut Franz August Börner durch 
zwei tüchtig gearbeitete Schabkunstblltter nach B6cklin% 
„Gefilde der Seligen" und Feuerbachs .Idylle von Tivoli*, 
der Wiener Aug. Cossmann durch eine charakteristische, 
humorige, kleine Radierung .Der Agitator" und der Mün- 
chener Otto Campert durch eine Reihe stimmungsvoller 
Landschaftsradierungen aus Süddeutschland. Auch hier 
begegnen wir Otto Greiner; in den Silen der Sezession sind 
seine Portrlts von Frau Cosima Wagner und ihrem Sohne 
Siegfried und die Lithographie .Golgatha" ausgestellt. Os- 
kar Graf, Ida Ströver, Overbeck, Ernst Neumann, Matthäus 
Schiestl seien noch kurz genannt. Auf die große und bedeut- 
same Kollektion der Radierungen von Wilhelm Leibi niher 
einzugehen fehlt hier der Raum. 

Unter den Skandinaviern erregt Edvard Münch das meiste 
Interesse, obwohl seine sieben Arbeiten liieren Datums 
sind und größtenteils schon aus früheren Ausstellungen 
bekannt sind. 

Wohl selten ist in München ein Sommer so reich an 
Ausstellungen gewesen wie der heurige, ein Zeichen, wie 
reich und lebendig die künstlerische Produktion das Inter- 
esse sn der Kunst in Isarathen immer noch ist. 

Otto Grautorf. 



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Namr.tlh.ldrgrk-Kli^liec >on H. Rattiarmt. 

Ät 442 ■* 



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mmmmmmmmntmm, ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE MMrarjrarjrarjracs»» 



Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für dasjahr 1901. 



DIESE jedcsjihr wiederkehrende Publikation, heraus- 
gegeben von Hofrat Dr. J. M. Eder. Verlag von Wilh. 
Knapp in Halle, die sich auch außerhalb Deutschlands in 
allen graphischen Kreisen fest eingebürgert hat, übertrifft 





In Aufritluc 2 .Miauten pmt. 



Der Erfinder verspricht sich von seiner Maschine, wie 
aus dem von ihm verfassten umfangreichen Berichte zu 
entnehmen ist, viele Vorteile, welche sich kurz in folgende 
Hauptsachen zusammenfassen lassen. 

Entgegen der bisherigen Methode 
soll die Ätzung mittels Säurege- 
bl&ses rascher vor sich gehen und 
außerdem tiefer ausfallen, ohne die 
Zeichnung zu unterfressen, wie 
mandie seitliche Wirkung der Ätz- 
flüssigkeit zu benennen pflegt, und 
somit auch das öftere und zeitrau- 
bende Decken überflüssig machen. 
Der Arbeiter soll endlich was als 
ein Hauptvorzug der .Maschine her- 
vorgehoben wird vor den schäd- 
lichen Säuredämpfen vollständig 
geschützt werden. Die Maschine 
selbst, Abb. I, besteht aus einem in 
zwei Teile geteilten Kasten aus ver- 
mutlich Mangnaliummctall, das 
von der Säure nicht angegriffen 
wird, wovon der eine Teil mit einer 
Glasplatte überdeckt ist. unter der 
man am Boden reihenweise ange- 
ordnete durchlochlc Gummizapfen 
bemerkt, durch welche die ver- 




irr. ArifcfcU*« -" i Mifiutta (tatii. 



ihre Vorgängerin jedesmal an Quali- 
tät wie Umfang. Auch für die An- 
hänger der typographischen Kunst 
bietet sie viel interessantes. Es 
würde zu weit führen, die große 
Liste aller ersten Autoren aufzufüh- 
ren, durch deren Originalbeiträge 
ein so vortrefflicher, gediegener In- 
halt geschaffen wurde, der nicht we- 
niger als 466 Seiten 16' umfasst. 

Auch der den Schluss bildende 
Jahresbericht mit 276 Seiten über 
die Fortschritte der Photographie 
und Reproduktionstechnik bietet für 
jedermann lebhaftes Interesse. Dem 
Texte stehen die .\2 Kunstbcilagcn 
würdig zur Seite. Sie repräsentieren 
die besten Blüten, welche unsere 
heutigen graphischen Künste gezei- 
tigt haben. Um unsern Lesern nun 
einen Einblick in das Werk nach In- 
halt und Ausstattung verschaffen zu 
können, drucken wir den Artikel 
über die Ätzmaschine (von A. C< Angerer in Win) ab: 

.Die amerikanische Ätzmaschine von Louis Edward Leiy, 
welche in einem Anbau der Abteilung der Vereinigten 
Staaten in der Pariser Weltausstellung IHÜÜ zu sehen war 
und daselbst auch in ihrer Thätigkeit gezeigt wurde, hat 
schon, seit die ersten Nachrichten von ihrem Vorhanden- 
sein in die Öffentlichkeit gelangten, das Interesse unserer 
Fachkreise lebhaft in Anspruch genommen. 




Im At/gchlasc .1 Minuten £e*tit. 



Im Siuretsid tciur. 



dünnte Salpetersäure durch ein Gebläse ähnlich wie 
dieses bei einem Zerstäubungs-Apparate geschieht mit 
Gewalt gegen die Glasplatte nach aufwärts getrieben wird. 

Die Säureflüssigkeit befindet sich oberhalb des Kastens 
und ist mit einem Röhrchen mit dem Gebläse in Verbin- 
dung gebracht. In dem andern Teil des Kastens befindet 
sich ein umkiappbarcr Mctalldcckel, auf welchem die zu 
ätzende Platte mittels zweier Klammern befestigt wird. 



■C* 443 «e> 



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««««««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE arjrjrjrarjrarararjrjr 



Der Deckel wird nach erfolgter Befestigung der Platte 
so umgekehrt, dass die Zeichnung nach abwärt- gerichtet 
ist, und in den weiten Teil des Kastens geschoben. Wenn 
sodann der das Gebläse in Gang setzende Hebel umgestellt 
wird, beginnt sofort die mit Luft und Wasser gemengte 
Siure gleichsam wie ein feiner Sprühregen nach aufwärts 
zu wirken. 

Durch eine seitlich angebrachte cxcentrischc Vorrichtung 
wird der Decket mit der zu ätzenden Platte unausgesetzt 




Abt.. I. 



hin- und herbewegt, um die strahlende Wirkung des Ge- 
bläses zu verteilen. 

Nach 2 bis 3 Minuten stellt man den Hebel ab, schiebt 
den Deckel mittels einer Kurbel in den ersten Kastenraum 
zurück und llsst eine gleichfalls vom Boden dieses Be- 
hälters ausströmende Wasserbrause spielen, welche die 
Wirkung der Säure aufhebt. 

Drei kleine Plättchen, welche von mir unter Beisein des 
den Erflndcr der Maschine vertretenden Beamten geiltit 
worden sind, sind mit einem andern, welches nach der bis- 
her üblichen Art ohne Maschine hergestellt worden ist, 
hier abgedruckt. 

Wie schon erwähnt, soll der Hauptvorteil des Gebläses 
darin liegen, dass das Decken der Schattcnstellen als über- 
flüssig wegfällt, da die Maschine weniger seitlich ätzen soll. 



Die drei mit der Maschine hergestellten Klischees wur- 
den jedes in Salpetersäure von 9 Grad Be., so, wie an den 
Bildern ersichtlich gemacht, 2, 2' | und 3 Minuten geätzt. 
Die Zeitdauer von 2 Minuten ist wohl in diesem Falle die 
richtigste gewesen , denn das Klischee hat genügende 
Drucktiefc, und die geätzten Flächen sehen glatt und glän- 
zend aus; jedoch ist der dunkle Ton des Hintergrundes und 
des Schattens der Haare schon ein wenig grau geworden, 
und wollte man den Hochlichtern zu Liebe noch weiter 




AM.. 2. 



ätzen wie bei den beiden anderen Klischees , so litten 
auch schon die Mitteltönc darunter. Das Decken ist dem- 
nach, wenigstens in diesem Falle, noch nicht ganz zu ent- 
behren. Wie ich erfahren habe, beabsichtigt der Erfinder 
an seiner Maschine noch einige Verbesserungen anzubrin- 
gen. Wahrscheinlich dürfte er dabei eine noch stärkere 
Zerstäubung der Säureflüssigkeit anstreben und noch 
besser für möglichst vollständige Abdichtung des ganzen 
Apparates zur Fernhaltung der gesundheitsschädlichen 
Säuredämpfe Sorge tragen. Dass aber schon heute mit 
Hilfe des Ätzungsgebläses bei tiefer zu ätzenden Strich- 
klischees eine bedeutende Herabminderung der Ätzdaucr 
erreicht werden kann, ist ein Vorteil, der dieser Maschine 
nicht abgesprochen werden kann." 



Ein neuer Katechismus der Buchdruckerkunst. 



ES bedarf keiner Frage, dass die zahlreichen vorhande- 
nen Lehrbücher, die die Buchdruckerkunst behandeln, 
in mannigfacher Hinsicht einer gründlichen Neubearbei- 
tung, zum mindesten aber einer Vervollständigung bedürfen. 
Nicht allein die Fortschritte unscrerTechnik bedingen dies, 
sondern auch die wesentlich veränderten Anschauungen, 
die man heute über das Wesen des Buchdrucks und dessen 
Aufgaben hegt. 

Einen beachtenswerten Schritt nach dieser Richtung hin- 
hat der Verfasser des mir vorliegenden Werkes, Johann 



Jacob Weber, mit gutem Erfolge unternommen, indem er 
den viclverbrcitcten. in seinen früheren Auflagen von Carl 
August Franke, später von Alexander Waldow verfassten 
Katechismus der Buchdruckerkunst neu bearbeitete resp. 
vollständig neu verfasste und in eigener Offizin in muster- 
gültiger Weise herstellen ließ. Der Umstand, dass das 
Werk unter den graphischen Litteraturerscheinungcn der 
letzten zehn Jahre das erste ist, in dem Satz und Druckein- 
gehende Behandlung erfahren, und sich der Inhalt auch 
kritisch an die Gesamtheit des Buchdrucks wendet, lässt 



f 444 * 




5lated)tsmus bet 
SBudjbrudetfunft 

Siebente Muflage, mit Ounbert 
neun unb breifeig Slbbübungen 
unb mehreren farbigen ^Beilagen 

neu bearbeitet von 

3oIjamt ^atob 3Mer, 

3roeitem Sorfterjer bes Deutfdjen 
8ua)geioerbej>eteins 311 fieiptfg 



»cifpiclc Dom 3eUenfall beim gruppentoeifen Sitelfati. 


















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C Di« 



1 



Die mei|ICT|ingcr von nflmbtrg & Er[Kr Aulzug 



;•• €r[ier Aufzug 

Die Buhn« |rclli dat lanere der Rathariacftuirch«, in [ehragen 
Durcblcbnlii, dar: vor dem Rattpllebtrt. welches links ab dem 
fflntetgrundt 211 [ich ausdehnend anzunehmen t|i, |lnd nur noch 
dlt le»ien Reihe» der RlrehenllShIblnle fichtbar, den Uotdtt. 

ßrund nimmt der Irrte Raum «*t den Eher Hü ; die|er w<(d 
liier durch ein» Uorhang gegen du Schill zu ginzlicb 
itllieMljlne. 

Beim Guttut hin man. unier Orgtlbcgleituag. »n der gemeinde 
den lerne» den einet Choralet, mit «reichem der riachmiltaei- 
gotlttdlta|i <■ Einleitung de« J»ha»nltt«|lfs |chl<ehl, lino.cn. 

I Choral der Gemeinde 
Da zu dir der fieiland kam, 
willig deine taute nahm, 
weihte {ich dem Opleriod, 
gab er uns des ßeil's Gebot : 
daj$ wir durch dein' Cauf uns weih'n, 
{eines Oplers werth zu {ein. 
6dler Cäufer, 
ehri|t's Uorläufer! 
Ilimm uns freundlich an, 
dort am 5luf* jordan. 

Wlhfend drt Choral» und «teilen Zwl|tbtn|p!clcn, eniwidtell |ich, 
Mm Orchelict beflltilel, folgend« pantomimilcb« Seme, 
In der lenten Reihe der Kirchfiühlc |inen 6ea und IDaaditcnc; 
Qlaliber e. SlotziiMg |t«bl. in einiger tmlcrauag. zur Seile an elfte 
Stute gelehnt, die Blicke aut €oa hellend. €?a kehrt [ich wieder* 
hell [eltwartt nach dem Ritter um, und ertalederi lein« bald dringend, 
bald zlnlleb durch gebärden 114) aufdruckenden Bitten und Buhest, 
runden Ichuchtern und etr|chiml. doch leclenvell und «rmuibigtrid. 
lDagdalene unterbricht Hcri Cfirr im Belang, um 6ea zu zuplen und 
zur Uer|tcbi zu mahnen. - Alt der Choral zu f.nde t|t, und, 
wahrend eines längeren Orgclnachlpiel», die Bcmcinde dem 
Rauptautgange, weiftet Unat dem Hintergründe tu anzunehmen 
Hl, |id> zuwendet, um allmihlich dl« Ritcbt zu «cHartta, Ritt 
tiJalther an die beiden Trauen, welche lieb ebenfalls von ihren 
Sähen erhoben haben, und dem Ausgange (ich zuwenden wollen, 
lebhall betaa. 

(JJallher <l«-l«. doch teuf g tu £ea'.. 

Uerweilt! — €in (JJort! Ein einzig UJort ! 

P EVA <|l<<> 'a|cb zu magdalette wendend 1. 

IDein Brulttucb ! Schau I üUohl liegt's im Ort! 

■» H.agdalene 

Uergefclich Kind I nun beifit es : [udV ! 

(Sie hehn nach den Slt)ta zurück), 



Cts rridilrts Khanteurs de nürcntmii 9 Premier Acte 



-"— - — —j-tv """V^ 

• Premier Acte 

Ca teene tepretenle 1'initrlcur de l'eglitc Sainer. Catherine, tuiearn 
une Sectio» ebliqut; la graade neletl censte sc preloagcr »en I« 
lond da iheilie, tue la gaaebe; Oft ft'cn eoll gut let detniert bana 
dctlinfs tut fldclet. Un eipact tlhrt. tliu« en aeani du tbotar, oecape 
la parll« anttfrieuTe de la teene: daat la tuile. H deil ftre complctc* 
eneat lermC ei s(pire du vallteau pnncipal par un ridcau noir. 
Au leoer du ridcau l'on entead. accompagncc par let orgues, la 
dcmlert ttropbe dun Choral cbanit pae la temmunault des lldelo, 
eboral qai termine le tentl«« rellgleua dt l'apt«i.mldl ptecedant tt 
commcncaiu la Iii« de la Sain'Otan 

1 Cboeur des 5idcles 
Quand vers toi ie IHaitre vint, 
pour subir ton rite saint, 
il choisit pour lui la croix, 
nous donnant ses douces lois: 
son bapteme nous lava, 
son supplice nous sauva. 
Guide tris sür, 
Prfcurseur pur ! 
Prends*nous par la main, 
jusqu'au vrai Jourdain! 

Pendant le rheral et ses rntcrladcs rautlcaua. la pantominst tccalquc 
suieantc se dsecloppc, aecompagate par l'erebeure : 
Sut let dernitrt banet de 1'lgllte. €va ei Rladdaletu toal ateitet; 
Weither dt Stelling «c tl«nt dtbout, a qjuelque dfalaacc d 'eilet, de 
{ölt, el a'appuveni i un »Hier, I« regard IIa« «ur €»a_ Eva se tourac 
plasicart loit vers le cbeoaller : a I j tollicilalion. a la peiere, aus pro* 
Icslarioru amoareatca gu'capriattat le gelte el l'attltudc, taaldc pres. 
aantt, tarnet plcint de douceur. du |eune bomme, eile repend aeec 
eusbarrai et tlmldlt*. ccpcftdeat aote une prolonde exptetlion «I d« 
manicre k reitcoaragrr. IDagdalene a'irutnoaspi de cbanter i plusiturt 
rtprites pour lirer €va par la maarbt et la rappeler t la pnedence. Cors* 
qat le eboral rat ttrmine el qae les tidclcs, pendant une tertte asstz U> 
oeloppcc ejuc }oae l'orguc, st dlrtgeni eert la ponc prlaclpale qai est 
censte se iteuecr a gaaebe du lond de la lerne, el sc dttpetenl a quinci 
graduelleaseni regln«, Slaltbet i'nan«« olstmtnt ein In d«a> Itmtaea 
qai te io*l leeeei «litt aueil dt Inn tlign et qui i'app«lltnt a Mrllr. 

Ulallher (parlani * £»a, d'une »ol« prttque haste, »ounam aeec teuj. 

Restez! — Un mot! Rien qu'un seul mot! 

€V3 iie tournant rlocmeni «ert ITJagdalencl. 

fe'charpe! Uois! Ca-bas sans doutel 

■ IDagdalene 
Enfanl distraite! Cncor cbercher ! (1) 

r .le rtwura« otn In hauet . 
<■) Dar.: El palt, lol, cherebt I 




Xrudct)lin»rr m «prfttfr, Ii Hlcntittvoniit-tiittit, t VocIXtc «itlcunnarlctu. l'eittf ttl OMImM, j>ou( br» llnlertxinbro. 



I'ioIjch ans Wiliir. Katodilttmils der Hut UdriH kcrkunst. 



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KLIMSCH'S 
JAHRBUCH 



BAND II 

1901 



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es wohl gerechrfertigt erscheinen , dass an dieser Scelle 
etwas eingebender auf denselben Bezug genommen wird, 
als dies sonst bei den zahlreichen Bucberscheinungen ge- 
schehen kann. 

Äußerlich stimmt das Werk in der Ausstattung mit den 
bekannten Katechismen des J.J. Weberseben Verlags in 
Leipzig überein und man kann den Preis des über 300 Sei- 
ten umfassenden Bandes, dessen Inhalt mit 130 Abbildun- 
gen und mehreren farbigen Tafeln illustriert ist, alseinen 
sehr mäßigen bezeichnen, was für die Allgemeinverbreitung 
nicht unwesentlich ist Die Gcsamtanlage des Inhaltes ist 
eine vollständig andere geworden, indem die frühere Form 
von Frage und Antwort vermieden wurde. Der Inhalt stellt 
sich durch den Fortfall der Katechismusanordnung mehrals 
eine Folge gut durchgearbeiteter, in Zusammenhang ste- 
hender Abbandlungen dar, aus denen der Leser in erster 
Linie ersehen soll „was als Normalmaß von Kenntnissen von 
einem ordentlichen Buchdrucker heute gefordert wird", und 
gleichzeitig soll der Inhalt auch orientieren über das heute 
erforderliche „buchgewerbliche Wissen und folgerichtiges 
Denken". 

Die im Vorstehenden kurz angedeutete Tendenz des 
Buches ist unstreitig für ein graphisches Lehrbuch eine 
neue, denn bisher verfolgte die Mehrzahl dieser Werke das 
Ziel, den Leser über bestimmte Satzarten, Satzrcgeln oder 
Druckmethoden zu unterrichten*). Auch der frühere .Kate- 
chismus" verfolgte lediglich diesen Zweck. Die Vorläufer 
der vorliegenden siebenten Auflage waren ihrem Titel und 
ihrer Anordnung entsprechend besonders für den seine 
Laufbahn erst beginnenden Gutenbergjünger, den Lehrling, 
bestimmt. Der neue »Katechismus* kann sich dagegen in 
seiner jetzigen Fassung nur bedingungsweise an den Lehr- 
ling wenden, in Bezug auf den Satz etwa mit Kapitel 7 bis 
13, während z. B. die Kapitel 14, 17, 18 über das Auffas- 
sungsvermögen und den überhaupt möglichen Grad der 
Vorbildung des ein-, zwei- und dreijährigen Lehrlings gehen. 
Das Werk wird daher mehr Nutzen stiften bei dem im letz- 
ten Lehrjahre stehenden Lehrling und den jungen Gehilfen, 
denen es mancherlei Belehrung zu geben ganz besonders 
geeignet ist. 

Insbesondere bezieht sich das Vorstehende auf jene 
Kapitel, und Stellen des Textes, in denen der Verfasser 
sich von der rein technischen Seite entfernt und mehr den 
Boden der kritischen Betrachtung beschreitet. Der „Lehr- 
ling* wird naturgemäß infolge des ihm noch mangelnden 
Verständnisses für das vielseitige Wesen des Buchdrucks 
und der Kunst sowie infolge der ihn ganz beschäftigenden 
technischen Seite des Berufs aus diesem Teile des Inhaltes 
keinen rechten Nutzen ziehen, mit anderen Worten: er 
wird diese Teile kaum verstehen können. Diese für vor- 
geschrittenere und mitten im neueren Buchdruck stehende 
Fachgenossen geeigneten Kapitel stehen auch etwas in Ge- 
gensatz zu den Kapiteln, die die Grundelemente des Buch- 
drucks behandeln und damit zugleich mit dem Zwecke eines 
Katechismus. Es mag dies an der bereits erwähnten Anord- 
nung des Buches in Form von Abhandlungen liegen. 

Nach dieser kurzen Streifung des Zweckes des „Kate- 



*) Ei« AuARthm« hiervon mtehl inde«fcen unhcstrtithjr Fisdiw. „Anlci 
tuag /um AccIdcniMU*. die twreli« In Ihrer crMeti Au ritte |IN77> ferne, 
sich mir den »HjemeleeD KunsumelnuuriBen dcvkcodc Grundniux tür die 
Strihthuidluat «ur«tellte und die aucti vom VerhMcr de» K«iccnl»iuu* mli 
iura Aufdruck »edrteht wurden. 



chismus" komme ich noch zu einer gedrängten Beleuchtung 
einzelner Kapitel des Werkes. 

Dasselbe setzt sich aus drei Teilen zusammen, die in 42 
Abteilungen gegliedert sind. Der erste Teil umfasst das 
Geschichtliche der Buchdruckerkunst, der zweite Teil den 
Satz, der dritte den Druck, während eine Schlussabhand- 
lung die wirtschaftlichen und technischen Einrichtungen 
der Buchdrucker behandelt. 

Auf die einzelnen Kapitel eingehend kann ich den ge- 
schichtlichen ersten Teil, der sich auf bewährte Quellen 
aufbaut, und die Zeit bis Anfang des 10. Jahrhunderts um- 
fasst, übergehen und möchte hier nur noch auf die gute 
und zweckmäßige Illustrierung dieses Teiles hinweisen. 

In Abteilung 0 13 werden folgende Stoffe behandelt: 
Die Lokalitäten einer Buchdruckerei. Das Setzen, das Aus- 
schließen, das Korrekturabzichen. Der Korrektor, das 
Korrigieren, das Ablegen und Aufräumen des glatten Werk- 
satzes. In diesen Kapiteln ist in gedrängter, aber dennoch 
Tür den Anfänger leicht verständlicher Form von den ele- 
mentaren, handwerklichen Verrichtungen des Setzers die 
Rede und es werden diese Kapitel dem Neuling eine will- 
kommene Unterstützung in seinem Berufe sein. 

Kapitel 14 lautet: .Die Entwickelung der ersten Druck- 
schrift aus den Handschriften und die Entstehung der 
heutigen Form der Schrift." Wie bereits oben angedeutet, 
überschreitet die Fassung dieses Kapitels die Grenzen, die 
einem Katechismus, ja selbst einem technischen Handbuch, 
gestellt sind. Es ist kaum denkbar, dass dem Lehrling, der 
es erst bis zum einfachen glatten Satze gebracht hat, „auf 
einer alten Bibliothek bei der Betrachtung einer kunstvoll 
geschriebenen mittelalterlichen Handschrift unter Zuhilfe- 
nahme seiner bisherigen typographischen Kenntnisse, eine 
wunderbare Gleichmäßigkeit des Eindrucks der einzelnen 
Worte, Zeilen und Seiten auffällt", wie dies der Autor an- 
nimmt. Es ist in hohem Maße anerkennenswert, dass der 
Verfasser die Entwickelung der Schrift in so liebevoller 
Weise zu behandeln unternommen hat, er überschätzt aber 
Jas Auffassungsvermögen und Verständnis der großen 
Mehrzahl der heutigen Lehrlinge wie auch eines ganz er- 
heblichen Teiles reiferer Fachgenossen für solche Themen. 
Auf die Neuzeit übergehend, tritt der Verfasser im gleichen 
Kapitel energisch für eine einheitlichere Schriftenwahl bei 
allen Drucksachen ein und ist dies hoch anzuerkennen. 
Die niedergelegten Prinzipien sind im Laufe der Jahre 
von anderen angesehenen Fachmännern und Fachverei- 
nigungen ebenfalls andauernd vertreten und durchgeführt 
worden. Auf zwei Seiten führt der Verfasser unter der 
originellen Bezeichnung „DieSchrcckcnskammcr des Buch- 
druckers" älteste und auch neuere, sog. moussierte Schriften 
vor, die aber heute kaum noch als gangbare gelten können. 
Der Verfasser hebt dann einige Schriftgießereien hervor, 
„die sich von unkünstlcrischcn, stilwidrigen und zweck- 
widrigen Veränderungen der Schriftformen am meisten 
ferngehalten haben", dies dürfte aber nur auf die aller- 
neueste Zeit zutreffen, denn zur„Schreckenskammer" haben 
wohl bei genauer Durchsicht der Hauptkatalogc alle Fir- 
men beigesteuert. 

Es folgen dann einige neue Künstlerschriften und eine 
Zusammenstellung der bei der Errichtung einer mittleren 
Buchdruckerei in Betracht kommenden Schriftgattungen, 
die mit wenigen Ausnahmen alle Gießereien führen. Kapi- 
tel 15 behandelt das System in klarer und erschöpfender 

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Weise, während in Kapitel 16 und 17 der Satz mit Illustra- 
tionen, Kolumnentitel und Anmerkungen sowie das Format 
eingebender besprochen werden. Nicht ohne Interesse ist 
die Anschauung des Verfassers über das Seitenbild von 
Anfangskolumnen und solche mit Rubriken. Derselbe 
macht hier einen Unterschied zwischen dem in wertvolle- 
ren Erzeugnissen der schönen Littcratur anzuwendenden 
„logischen Kunstsat:", zu dessen Lektüre man sich Zeit 
nehmen kann und bei dem die Seiten ganz ausgefüllt wer- 
den, auch die Rubriken nicht freistehen sollen und der alt- 
gewohnten Seitenanordnung mit Vorschlägen und centraler 
Rubrikenstellung, welch letzteren Modus er vom praktischen 
Standpunkt aus gelten llsst. 

Das 18. Kapitel befasst sich mit dem Titelsatz und der 
Entwickelung des Kunstsatzes (Accidenzsatzesi aus dem 
Titel- und Werksatz. Die Ausführungen des Verfassers 
über diesen Teil des Accidenzsaties sind zumeist subjek- 
tiv-kritische. Er verwirft teilweise die bisherige centrale 
Titelform und will sie durch den „logischen" Titelsatz er- 
setzt wissen. Für diesen giebt der Verfasser pag. 12» 139 
entsprechende Anleitung und geht dabei von der Oberzeu- 
gung aus, „dass diejenigen, die dem Setzer die Regeln des 
Accidenzsatzcs bisher formuliert haben, zum größten Teil 
an der Gescbmacksverwilderung unserer Druckarbeiten 
schuld sind". Es ist leider aus dem Inhalte nicht zu er- 
sehen, welche Regeln der Verfasser im Auge hat, mir sind 
nur die sich auf allgemeine Kunstgesetze aufbauenden 
Regeln bekannt, wie sie z.B. Fischer in seiner 1877 erschie- 
nenen Anleitung zum Accidenzsatz (2. Auflage 1803) formu- 
liert hat und die sich in ihren Hauptstücken mit den 
Anschauungen des Verfassers voll und ganz decken. Regel- 
losigkeit herrscht in keiner Berufsarbelt, und die Ausfüh- 
rungen des Kapitels 18 müssen ebenso wie alle anderen 
Vorschriften des Katechismus in gewissem Sinne auch als 
Regeln angesehen werden, die sich ebenfalls auf allgemeine 
Kunstgesetze aufbauen. Wenn sich einzelne Fachgenossen 
und Fachvereinigungen bemüht haben, die Resultate der 
Praxis zu formulieren und der Allgemeinheit als Richt- 
schnur vorzulegen, so haben sie dabei nur fördernd ge- 
wirkt , es giebt aber leider auch Im Buchdruck eine große 
Zahl Elemente, denen für die Annahme und Durchführung 



les Einfachsten das Verständnis fehlt, um 
werden bei der Erstrebung des .logischen- Kunstsatzes 
ohne Zweifel auch ihre absonderlichen eigenen Wege gehen. 

Der weitere Inhalt dieses Kapitels, ebenso des Kapitels 
19 deckt sich mit den allgemeinen typographischen Sau- 
regeln, wie sie bereits in dem mehrfach erwlhnten Werke 
Fischen niedergelegt sind. Der Verfasser hat das Wich- 
tigste in gedrlngter Form wiedergegeben und dabei das 
neuzeitliche Schriftmaterial gebührend berücksichtigt. 

In Kapitel 20 endlich findet der Inseratensatz, der mathe- 
matische, der fremdsprachliche sowie Musiknotensatz noch 
kurze Behandlung. 

An das bisher Besprochene schließen sich unmittelbar 
die Kapitel über den Druck an, die durchweg mit großer 
Sachkenntnis und in rein technischer Form abgefasst 
sind. Der Verfasser behandelt die gesamte Drucktechnik 
in vorzüglicher Weise und erübrigt sich ein niheres Ein- 
gehen auf die einzelnen Kapitel. 

Sehr zu begrüßen wire es, wenn der Verfasser sich 
bereit finden würde, den Teil über den Druck als separates 
Blndchen für den Gebrauch an Fachschulen und zur 
speziellen Verwendung für Druckerlehrtinge auflegen zu 
lassen. Er würde damit eine wirklich vorhandene Lücke 
in der Fachliteratur ausfüllen, ohne dem Hauptwerke Ab- 
bruch zu thun. 

Wenn ich zum Schlüsse nochmals auf die mustergültige 
technische Beschaffenheit des Werkes hinweise, so ge- 
schieht dies, weil bei einer großen Zahl einschlägiger 
Fachwerke und Fachschriften, die in den letzten Jahren 
erschienen sind, nicht jene Sorgfalt zu beobachten war, die 
man als ganz selbstverständlich bei ihnen voraussetzen 
muss. Es sind geradezu minderwertig ausgestattete Fach- 
werke erschienen, und es gebührt dem Drucker des neuen 
„Katechismus- daher alle Anerkennung. Der mitten in der 
Praxis stehende Verfasser desselben hat aber mit der Be- 
arbeitung des umfänglichen Stoffes nicht nur ein beträcht- 
liches Opfer an Zeit und Mühe gebracht, sondern damit 
zugleich seine eifrige Mitarbeit an der technischen und 
künstlerischen Ausgestaltung des Buchdrucks und der Er- 
ziehung des jungen Nachwuchses dokumentiert, wofür ihm 
alle Anerkennung gebührt. H. Schwarz, Leipzig. 



Der Naturselbstdruck. 



(N«ch tlnem Vortnt <l" Herrn C. 



I TAST alte diejenigen, welche sich in ihrer Jugend für 
i Botanik interessiert haben, werden damals den Ver- 
such gemacht haben, die Schätze ihres Herbariums zu ver- 
vielfältigen. Als Tampon diente der Handballen, als Druck- 
presse der Finger, um die Druckfarbe war die kindliche 
Erfindungsgabe nie verlegen. 

In ähnlicher primitiver Weise gingen auch Männer der 
Wissenschaft und Technik bei ihrem „botanischen Druck" 
vor, Alexis Pedemonlanus Mailand 1557, der Däne Wilkcn- 
stein um IfKH, Pror. Kniphof in Erfurt 1758, welcher ein 
Werk von 12tX) Abbildungen herausgab, bei dem die betr. 
Pflanzen direkt als Druckformen benutzt wurden, der Kupfer- 
stecher Seligmann in Nürnberg 1744 und der Buchdrucker 



Trampe in Halte 1757, dessen letztes Werk: „Nach der Na- 
tur verfertigteAbdrücke der Gewächse u.s.w." 1760 bei Be rnh. 
Christ. Breitkopf in Leipiig zu bekommen war. Der Provi- 
sor Martius zu Mainz gab sogar eine „Anweisung Pflanzen 
nach dem Leben abzudrucken" Wezlar 1784 heraus 
das wohl einzig vorhandene Exemplar in der Bibliothek 
des Buchhändlerbörsenvereins in Leipzig welcher der 
Prediger Dunker „PRanzenbelu.stigungcn", die 1798 schon 
in 2. Auflage vorlagen, und Oraumüller (Jena 1809) seine 
„Neue Methode von natürlichen Pflanzenabdrücken" folgen 
ließen, ob wohl die Abdrücke hinter den von Martius ge- 
machten weit zurückstehen. Als weiterer Pionier, der den 
Weg vorbereitete, ist namhaft zu machen Kirnhals in Lon- 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararjrarjr^jrarsrar» 



don. Allein allen diesen Experimentatoren war die Haupt- 
sache nicht gelungen, von der Pflanie direkt auf mechani- 
schem Wege eine Druckform zu erzielen. Das war erst 
möglich, als die Galvanoplastik erfunden war. 




Der für die Ausbildung der graphischen Techniken so 
hoch verdiente Hofrat Aaer, Direktor der österr. Hof- und 
Staatsdruckerci, erfand nun in Verbindung mit Worring, dem 
Vorstand der galvanoplastischen Abteilung an derselben 
Anstalt 1849 das Verfahren, welches mit dem Namen „Na- 
turselbstdruck" bezeichnet wird. Es besteht in kurzen 
Worten darin, dass die gepresste, ziemlich ausgetrocknete 
Pflanze auf eine polierte Stahlplatte gelegt, mit einer fein 
geglätteten Weichbleiplartc (deren Härte oder Weichheit 
je nach der Derbheit oder zarten Beschaffenheit des einzu- 
pressenden Präparates sich richten muss) bedeckt und 
dann durch eine Kupferdruckpresse durchgezogen wird. 
Das Gelingen hangt hauptsächlich davon ab, dass der nötige 
Druck richtig bemessen wurde, denn bei zu starkem wird 
das Objekt zahlreiche Risse zeigen, bei zu schwachem blei- 
ben die feineren Details aus, die gerade dies Verfahren 
auszeichnen. Von dieser Ticfdruckbleiplatte wird ein direk- 
ter galvanischer Niederschlag gemacht, dessen nochmalige 
galvanische Abformung die eigentliche (Tief-) Druckplatte 
ergiebt. Auer beschränkte sich nicht bloß auf Pflanzen 
aller Art, sondern reproduzierte auch Querschnitte durch 
Steine und Hölzer u. s. w. mit ausgezeichnetem Erfolge. 
Die von der Staatsdruckerei unter Auers Oberleitung da- 
mals hergestellten Naturselbstdrucke imponieren ebenso 
durch Quantität wie durch Qualität. 

Den Ruhm Auen, den Naturselbstdruck erfunden zu haben 
(nicht ausgebildet, denn das wird allseitig zugegeben), wird 
durch die historisch feststehende Thatsache, dass der 
Kupferstecher Kyhl in Kopenhagen schon 1830 Pflanzen, 




Spitzen u. s. w. in weiche Metallplatten einpresste, um 
letztere dann zu Herstellung von Abdrücken auf der Kup- 
ferdruckpresse zu verwenden, nicht geschmälert. Auer 
braucht diese Versuche nicht gekannt zu haben, außerdem 
ließen sich von einer weichen Metallplattc, die einen 
Durchzug durch eine Kupferdruckpresse nur Wnmal ver- 
trug, scharfe Abdrücke nur mit der Bürste durch Abklopfen 
erzielen. 

Mit dem Werk: „Die narkotischen Gcnussmittcl und der 
Mensch", welches mit sechs Naturselbstdrucken von dem 



berühmten Chemiker und Amerikareisenden Dr. phil. und 
med.Baron Bibra in Nürnberg herausgegeben wurde, vindi- 
ziert sich dieser die Ehre der Erflndung, doch ist die 
Priorität nicht erwiesen. 

Von Anfang an suchte Auer sein Verfahren der billigeren 
Buchdruckpresse dienstbar zu machen. Bei durchbroche- 
nen Gegenständen wie Spitzen war das sehr leicht, da dann 
die an sich ebene Bleiplattc durch die Durchbrechungen 
an die Stahlplatte gepresst und so eine völlig ebene Druck- 
platte erzielt wurde. Bei Pflanzen z. B. aber lag die Druck- 
fläche des betr. Blattes um die wenn auch geringe Stärke 
dieses letzteren gegen die Hintergrundfläche zurück. Des- 
halb blieb der Versuch, durch Stereotypie Buchdruckplatten 
zu erzeugen, ohne praktische Bedeutung. Sie mussten zu 
stark unterlegt werden, die Druckresultate waren zweifel- 
haft, ein sauberer Druck mit dem Satz zugleich war damals 
nicht zu ermöglichen. Und das Zurückschleifen des Hin- 
tergrundes war auch sehr problematisch. Dieser Versuch 
war schon missglückt, als man die ungleichen Erhabenhei- 
ten der mit verschiedener Stärke hervortretenden Blatt- 
nerven u. s. v. bei dem von der Bleiplatte erhaltenen ersten 
galvanischen Niederschlag abschleifen und eine Hoch- 




druckplattc erzielen wollte. Die Feinheiten gingen dabei 
mit verloren. 

Erst in Verbindung mit Tomassich gelang es Auer, durch 
Oberdruck auf polierte Zinkplatten und Hochätzung wirk- 
liche allen Anforderungen genügende Naturselbstbuch- 
druckplatten herzustellen. Ellinghausen (1883) nahm zur 
Übertragung die Photographie zu Hilfe, die ihm den Vor- 
teil an die Hand gab, die Größe des Originals zu verkleinern. 
Das Verdienst Pokornys ist es, auf eine Anregung von Prey 
hin das weiche, als Druckplatte nicht zu verwendende 
Weichblei durch eine härtere Zinn-Blci-Legierung ersetzt 
zu haben. Seine Naturselbstbuchdruckplatten, welche die 
Pflanzen weiß auf schwarz zeigten, lassen vermuten, dass 
erskelettierte. also durchbrochene Blätter verwendete. 
Der Botaniker Prof. Reuss in Ulm publizierte 1872 ein 
Lehrbuch der Pflanzenformen in Naturselbstkupfcrdruck, 
dessen 2. Auflage er in Überdruck auf Stein herausgeben 
wollte. Es ist freilich nur bei einem aber völlig geglückten 
Blatte geblieben. Den Gedanken, einen Abzug von der 
Bleiplatte auf Stein überzudrucken, hatte übrigens schon 
Annibale Ricco 1873 publiziert. In dieser Technik ist auch 
der „Formenschatz aus der Pflanzenwelt" gedruckt bei 
Reichen Sc Wahler in Stuttgart erschienen. 

Auch der dem Brockhausschen Konversationslexikon 
beigegebenen, von der Bleiplatte auf Stein übergedruckten 
Tafel, ausgeführt von dem Altmcister-Kupferdruckcr Hille 
muss rühmend gedacht werden. 

In die graphischen Künste hat der Maler-Radierer W. 
Ziegler, der besonders durch sein Werk: „Die Techmken 
des Tierdruckes" (vcrgl. S. 341) sich einen Namen ver- 
schafft hat, den Naturselbstdruck eingeführt. Er legt die 
betr. Gegenstände (Inscktcnflügcl u. s. w.) auf eine mit 
weichem Ätzgrund überzogene Kupferplattc, drückt sie fest 
an diese letztere an, so dass der Ätzgrund verdrängt und 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



die Kupferplatte an Jen betr. Stellen freigelegt wird, dann 
ätzt er wie üblich. Aur diese Weise sind z. B. die (Heu- 
schrecken-» Flügel eines Nympherich «Originalfarbcnrclicf- 
druck in zwei Platten» hergestellt. 

In neuester Neuzeit hat sich unserer Technik mit ganz 
besonders guten Erfolgen H. Bolhövener angenommen, in 
graphischen Kreisen bekannt als der Erfinder des Lichthoch- 
drucks. Von ihm stammt außer einer stattlichen Reihe von 
Naturselbstkupferdrucken die sich besonders durch ihre 
Gruppierung auszeichnen das auf lithographischem Wege 
hergestellte Wcrk:„Pflanzenblättcrim Dienste der bildenden 
Künste und des Kunstgewerbes", Druck und Verlag von 
B. Haberland, mit Text von Prof. F. Flinzer. Der Umdruck 



steht hier an Feinheit und Korrektheit der Wiedergabe 
selbst den besten Auerschen Kupferdrucken nicht nach. 
Außerdem aber hat H. Bolhövener Naturselbstdrucke Tür 
den Buchdruck hergestellt, bei welchem er die Abformung 
in eine Metallplatte völlig überging, indem er die Pflanzen 
direkt als Diapositive benutzte und so auf photographi- 
schem Wege Hochdruckplatten erzeugte. Wir drucken 
einige derselben als Beispiele ab. Das Verfahren ist noch 
nicht abgeschlossen. Jedenfalls wird dasselbe das Seinige 
beitragen, um der Losung: Rückkehr zur Natur, auf der 
ganzen Linie zum Siege zu verhelfen. Schon deswegen 
war es der Mühe wert, dasselbe der Verborgenheit zu 
entreißen. 



Herstellung von Farbenteilplatten für den Mehrfarbendruck. 



UNSERE ganze moderne Stilrichtung geht dem deko- 
rativen farbigen entgegen. Auch in der Graphik 
macht sich dieses Bestreben geltend. Die Lithographie, 
welche noch die meisten Hilfsmittel bietet, um eine Farben- 
teilplattenerzeugung zu erleichtern, wird in den letzten 
Jahren mit Vorliebe von den originalschaffenden Künst- 
lern gepflegt, die Tiefdrucktcchnikcn, welche schon wegen 
ihrer zeitraubenden und infolgedessen kostspieligen 
Druckart weniger zu Massenproduktion geeignet erschei- 
nen, werden aus pekuniären Gründen leider gar sehr ver- 
nachlässigt. 

Nun ist es dem bekannten Maler-Radierer Waller Ziegler, 
dem Verfasser des ausgezeichneten Werkes „Die Techniken 
des Tiefdruckes", vergl. Archiv S. 341, gelungen, ein ihm 
patentiertes Verfahren zu Herstellung von Farbenteilplat- 
ten für Mehrfarbendrucke zu erfinden, welches an Bequem- 
lichkeit für den Künstler, an Schnelligkeit und Sicherheit 
der Arbeit, mit den andern bekannten Herstellungsarten 
von Farbenplatten rivalisieren und sich für jede Kategorie 
von Drucktechniken eignen dürfte. 

Bis jetzt war es notwendig, wenn Tcilplatten für Mehr- 
farbendrucke gearbeitet wurden, dass jede einzelne Farben- 
platte für sich gesondert hergestellt werden musste. Der 
Farbengraphiker hat nie die volle Obersicht über das zu 
Arbeitende, er hat große Übung und Erfahrung nötig, um 
mit Sicherhett das Endresultat zu beurteilen. Er arbeitet 
auch nicht mit wirklichen Farben, sondern muss z. B. in 
Lithographie mit schwarzer Tusche oder Kreide, gleichviel 
welche Farbe er darstellen will, hantieren. Beim Tiefdruck 
ist die Beurteilung der Farbenwerte noch schwieriger. 

Die notwendige Folge und die Wirkung dieses Missstan- 
des ist. dass der Künstler den Ausweg der Flichenbehand- 
lung erwählt, d. h. er hilt die Farben in großen Flecken 
auseinander, möglichst ohne Modellierung nur auf das de- 
korativ Große hinzielend. Hierdurch wurde ein gewisser 



Flecken- oder Flächenstil erzeugt, der im Plakatwesen 
seinen Ausdruck findet, das den gegebenen Mitteln ent- 
sprungen und ihnen angepasst ist. 

Alle Durchdrückverfahren, wie z. B. im Tiefdruck „Ver- 
nis-mon", diejenigen mit aufgesiebten Salzen, in der Litho- 
graphie die vertierte Kreidemanier u. a., basieren auf dem- 
selben Prinzip wie das Pausverfahren, mit welchem der 
Geschäftsmann seine mit Bleistift geschriebenen Merk- 
zettel mittels blaufarbeabgebenden Zwischenlagen auf ein 
unterlegtes Papier kopiert, nur wird die auf der Druckplatte 
gewonnene Pause durch Ätzen fixiert und dadurch ab- 
druckflhig gemacht. 

Was liegt nun näher, als dass wir auf einem Blatte Papier 
die Farbenzeichnung mit Farbstiften, also mit wirklichen 
Farben ausführen und bei Anwendung jedes nötigen ande- 
ren Farbstiftes die unterlegte Druckplatte wechseln? 

Wir können auf die Zeichenfläche ohne weitere Berück- 
sichtigung der darunter liegenden präparierten Platten die 
Farbenzeichnung in jeder Präzision, Farbenmischung, 
Deckkraft u. s. w. zeichnen und erhalten somit für die je- 
weilige Farbe die entsprechende Teilplattc automatisch, 
während die Gesamterscheinung des farbigen Bildes, das 
wir arbeiten, immer voll vor unseren Augen steht. 

Bei einer solchen Arbeit kann der Künstler ganz den 
Eingebungen seines Empfindens folgen, weil er jederzeit 
im stände ist, den Fortschritt der Arbeit zu beurteilen. 
Kein Klatschdruck ist nötig, kein gefeuchtetes Papier, da- 
her auch keine nochmaligen Korrekturen wegen Register- 
haltcns. Dasselbe trockene Blatt Papier, das er von Anfang 
an benutzt, bleibt bis zum Schlüsse die Arbeitstafel, die 
keinem Verziehen ausgesetzt ist. Die einzelnen Farben- 
teilplatten, nachdem sie geätzt sind, ergeben im Zusammen- 
druck die Faksimilecrschcinung des gezeichneten Bildes. 
Das Verfahren wird sicherlich wegen seiner Einfachheit 
eine große Zukunft haben. 




«a» 448 SA 



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IVil.ifr mm AmMv '»r Diu hp-uciUr. 



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««««««««WM« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE awrjrjrjr.sr.jrjr.srar.sr 



Die Dethleff-Zurichtung. 



UM die Tendenz gewisser Neuerungen der lllustrations- 
Technik zu verstehen, lohnt es sich selbst auf 
die Gefahr hin allgemein Bekanntes iu wiederholen einen 
Blick rückwärts zu tbun. Die Erfindung der Autotypie 
brachte durch die Verbilligung der Reproduktion einen ge- 
waltigen Aufschwung des lllustrationswesens mit sich. 
Waren bis dahin nur die größten Familienjournale im 
stände gewesen, ihren Lesern Meisterwerke der bildenden 
Künste im Bilde vorzuführen und den Zeitereignissen mit 
Hilfe des Zeichner« und des Holzschneiders auch illustra- 
tiv zu folgen, so ist heute der Zeichner durch den Moment- 
photographen, der Holzschnitt durch die billige und un- 
endlich viel rascher schaffende Ätzung verdringt. Der 
Holzschnitt zog sich im wahrsten Sinne des Wortes aufsein 
.Altenteil" zurück, er wurde sich wieder höherer Ziele 
bewusst; seine neueren Darbietungen dienen nicht bloO der 
Illustration von Zeitereignissen, der Wiedergabe von Kunst- 
werken, sie sind wieder Kunstwerke an sich. Die Autotypie 
ihrerseits schritt von Jahr zu Jahr weiter vor. Ihre Lei- 
stungen vervollkommneten sich immer mehr und mehr. Im 
öffentlichen und namentlich im Erwerbsleben wurde die 
Illustration geradezu zu einem Bedürfnis. Selten nur wird 
man heute einen Katalog, ein Preisverzeichnis über bildlich 
zu veranschaulichende Gegenstände finden, in dem auf 
Illustration Verzicht geleistet würde. Das Druckgewerbe 
machte seinerseits alle Anstrengungen, um den erhöhten 
Anforderungen gerecht zu werden. Die Maschinenfabriken 
verbesserten die Konstruktion ihrer Druckpressen, die 
heute den höchsten Anforderungen in Bezug aur Stabilität 
und Druckkraft entsprechen. Die Papierfabriken liefern 
wenn auch meistens mit dem leidigen Aushilfsmittel des 
Streichens ein Material, das an Druckempfänglichkeit 
nichts zu wünschen lisst. Wir haben Farbenfabriken, deren 
Illustrationsfarbcn den höchsten Ansprüchen genügen. Was 
das Allerwichtigste ist, der Drucker selber strengt not- 
gedrungen alle Krifte an, um das Beste zu liefern, aber 
- und dieses .aber" ist der Grund der vielen illustrations- 
technischen Neuerungen es gelingt ihm nicht in allen 
Fillen, und selbst, wo es ihm vollkommen gelingt, geschieht 
das unter Aufwendung vieler kostbarer Zeit. Die Zurichtung 
auch der vorzüglichsten Reproduktion sei es Holzschnitt 
oder Autotypie -- erfordert Stunden, ja Tage angestrengter 
Arbeit, um durch Aufkleben sogenannter Ausschnitte aus 
der ebenen Fliehe endlich das fertige Druckbild herauszu- 
holen, und gar nicht so sehr selten wird durch die Aus- 
schneide-Zuricbtung aus dem Bilde etwas anderes als das, 
was der Künstler beabsichtigt hatte. Darum ging das Be- 
streben der Fachleute seit langem dahin, die langwierige, 
durch Zeitverlust so kostspielige Handzurichtung durch ein 
mechanisches Verfahren zu ersetzen. Alle in dieser Be- 
ziehung in Europa und Amerika unternommenen Versuche 
hatten indessen bisher ein so unvollkommenes Ergebnis, 
dass man an der Möglichkeit, eine wirklich brauchbare 
mechanische Zurichtung auf dem Cylinder anzubringen, 
fast verzweifelte. Dr. Albert in München, dem die Autoty- 
pie und damit das Buchgewerbe vieles verdankt, kam darauf, 
durch das Klischee selbst dem Drucker die Zurichtearbeit 
zu ersparen. Er erfand das RcJief-Klisehcc (vergl. S. 216). 
Iiethleff bietet uns nun ein neues Zurichteverfahren, 



welches seine Feuerprobe durch monaiclange praktische 
Erprobung bestanden hat (in der Deutschen Verlagsanstalt 
vorm. Ed. Hallberger, Stuttgart). Wir stehen daher nicht an, 
nach den eigenen Angaben des Erfinders eine ausführliche 
Beschreibung des Verfahrens zu geben, um so mehr, da 
wir durch eine Beilage, die nach diesem Verfahren zuge- 
richtet ist, die Wirkung zu veranschaulichen in der ange- 
nehmen Lage sind. Es sei hierbei ausdrücklich betont, dass 
dieselbe mit Absicht nicht auf Kunstdruck-, sondern aur ge- 
wöhnliches, satiniertes Papier gedruckt ist, um zu beweisen, 
dass auch auf diesem jede Autotypie zu voller Wirkung ge- 
langen kann. 

Den Anstoß, eine praktische Zurichtung zu suchen, gab 
die Erwlgung: dass alle photomeebanischen Zurichtungen 
zu hohe Ansprüche an das Personal stellen, dass die ameri- 
kanische Mehl- oder Backerzurichtung unzureichend ist, 
und dass die Relief- Klischees den Nachteil haben, die 
Drucker von monopolisierenden Ätzanstaltcn abhingig zu 
machen. 

Ein Probeabzug der wie üblich unterlegten Druckpiatie 
wird durch Behandlung mit einer eigens zusammengestellten 
Masse und bestimmten Substanzen in ein erhärtendes Re- 
lief verwandelt. Das ganze Verfahren vollzieht sich für einen 
Bogen, der eine ganze Anzahl zuzurichtender Klischees 
enthilt und zu dem bei dem üblichen Zurichte -System 
mehrere Tage fürdie Zurichtung verwendet werden müssten, 
innerhalb einer Stunde. Von dem zuzurichtenden Klischee 
wird ein Abzug auf einem besonders präparierten Papier 
hergestellt. Dieser Abzug wird durch eine mit Pulver I 
angefüllte flache Mulde gezogen, wobei das Pulver an den 
mit Farbe versehenen Stellen des Abzugs fest anhaftet, 
während an den Stellen ohne Farbe kein Pulver hingen 
bleibt. Diesen mit Pulver bezogenen Abzug setzt man 
etwa 5 Minuten lang einem leichten, elastischen Druck 
aus. Hierauf wird der Abzug mittels einer weichen Bürste 
rein ausgebürstet, so dass alles Pulver, welches nicht fest 
an der Farbe haftet, entfernt wird. Nach dem Ausbürsten 
übergießt man den Abzug mit dem IMungsmittel II und 
lässt ihn sodann ca. S Minuten trocknen. Nach erneutem 
Einwalzen der Druckplatte mit Farbe II! wird der in obiger 
Weise behandelte Abzug registerhaltig von neuem über- 
druckt, dann wiederdurch das Pulver gezogen, unter leichten 
Druck gesetzt, ausgebürstet, mit dem Lösungs- bezw. Binde- 
mittel Übergossen, getrocknet und ein drittes Mal in gleicher 
Weise verfahren, mit dem Unterschied, dass hierbei nach 
dem Ausbürsten der Abzug mit der Läsung IV übergössen 
wird. Nach Ablaufen der überschüssigen Flüssigkeit wird 
der Abzug cinergelinden Wirme von 36 45" C. ausgesetzt 
und ist nach dem Trocknen gebrauchsfertig. Die Zurichtung 
zeigt nun ein Relief, wodurch die feinsten Abstufungen und 
Nuancen des Bildes Im Druck wiedergegeben werden und 
zwar mit einem verschwindend kleinen Zeitaufwand. Die 
zarte Abtönung aller Nuancen des Bildes, bei der die scharfen 
Scheren- oder Messerschnitte der Handzurichtung fehlen, 
ermöglicht es denn auch, mit einem bedeutend leichteren 
Drucke zu arbeiten. 

In hervorragender Weise leistet das D*rA/f//-Verfahren 
seine Dienste beim Farben-, besonders beim Drei- und Vier- 
farbendruck. Ein sog. „Überzurichten" der einzelnen Färben- 



de 440 SÄ 



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formen ist unmöglich, ein Missgriff des Druckers ist aus- 
geschlossen, weil die Zurichtung nichts in das Bild will- 
kürlich hineinlegt, sondern alles Vorhandene herausholt. 

Die Vorzüge des Dethleff -Verfahrens lassen sich «Ohl 
kurz dahin formulieren, dass es bei allen Reproduktions- 
arten dem Drucker die Arbeit erleichtert, jedenfalls sie 
ihm nicht zu Gunsten der Ätzanstaltcn ganz aus dem Hause 
nimmt, dass es den Gehilfen mit Materialien schaffen lässt, 
die ihm altvertraut sind, und dass ein Nachhelfen oder Aus- 
bessern bei der jetzt erreichten Qualität der zu benutzen- 
den Materialien selbst bei Massenauflagen nicht nötig ist. 



Hierzu kommt, dass der Druck ein leichter ist und deshalb 
Maschine und Druckform geschont werden. Schließlich ist 
das Verfahren überaus billig. 

Im übrigen hat der Erfinder selber mehrfach in seinen 
Vortrügen das gute Wort „Probieren geht über Studieren* 
als seinen Grundsatz hervorgehoben. Er erkürt sieb be- 
reit, jedem, der die neue Zurichtung in eigener Druckerei 
prüfen will, dies in lieberalster Weise zu ermöglichen, wir 
/weireln nicht, dass von diesem freundlichen Zuvorkommen 
in reichem Maüe Gebrauch gemacht werden wird. 

O. G. 



Der Verband deutscher Illustratoren auf der Berliner 
Kunstausstellung 1901. 



Von HANS NAETER in Berlin. 



ES ist eine der lehrreichsten Aufgaben für jeden Farben- 
drucker, an dem Original des Künstlers zu unter- 
suchen, wie weit es der Reproduktion gelungen ist, den 
Intentionen des Künstlers in der technischen Wiedergabe 
seines Originals entsprochen zu haben. Für einen solchen 
Vergleich bietet die ebenso reichhaltige, als interessante 
Ausstellung des Verbandes deutscher Illustratoren im 
Landes -Ausstcllungspalast am Lehrter Bahnhof zu Berlin 
eine passende Gelegenheit, die allen graphischen Kunst- 
jüngern nicht dringend genug empfohlen werden kann. Im 
großen Ganzen sind es die Originale zu den bekannten 
Illustrationen unserer heutigen modernen farbigen Witz- 
blätter: «Jugend*, „Simplicissimus*,Meggendorfers„ Humo- 
ristische Blätter*, die Berliner .Lustigen Blltter" u. s. w., 
die hier ausgestellt sind, aber auch die Schwarz-Weiß-Kunst 
ist würdig vertreten durch die Zeichner der Münchener 
„Fliegenden Blätter* und die Schöpfer unseres modernen 
Buchschmucks. 

Angesichts dieser reichen Sammlung von Illustrationen 
zu gegebenen Texten, von ornamentalem Buchschmuck 
älteren und modernsten Stils, von frei erfundenen ein- 
farbigen und in wenigen großen Tönen kolorierten Zeich- 
nungen der verschiedensten Art, diesen charakteristischen, 
scharf ausgeprägten Schildeningen aus dem Leben des 
Volkes und aus den verschiedensten Ständen der heutigen 
Gesellschaft, den dekorativen Landschafts- und Städte- 
bildern, diesen märchenhaften, teils phantastisch-romanti- 
schen, teils symbolischen Kompositionen, diesen satyri- 
schen Darstellungen in Form politischer und gesellschaft- 
licher Karikatur voll übermütigen Humors und treffenden 
Witzes fällt die Armseligkeit auf dem illustrativen Gebiete 
der Tageslitteratur um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 
um so mehr auf, als damals die Buchdruckpresse noch gar 
nicht an der Herstellung farbiger Illustrationen beteiligt 
war. Wie hat sich das in der Gegenwart doch so sehr ge- 
ändert! Überall, wohin das prüfende Auge blickt, in den 
Auslagen der Buchhandlungen, an den Verkaufsständen 
drr Zcitungshändler, in den Lesekabinetten der Cutis und 
Konditoreien, welche Fülle von Farbensymphonien - har- 
monischen und disharmonischen - , welcher Reichtum an 
künstlerischer Gestaltungskraft und Phantasiegebildcn! Ja, 



ja, wir haben es in der graphischen Kunst doch schon 
herrlich weit gebracht. 

Von den einzelnen Künstlcrkreisen sind die Münchener 
und Berliner Meister mit Arbeiten in etwa gleicher Stärke er- 
schienen, wenngleich der Katalog neben 88 Berliner Künst- 
lern nur 35 Münchener aufführt, ihnen schließen sich mit 
geringerer Zahl einige Karlsruher, Wiener und Hamburger 
Meister an; außerdem haben sich den Deutschen noch vier 
Pariser zugesellt: Willette, Renouard, Leloir und Ltandre. 
Unter den von diesen französischen Künstlern ausgestellten 
Arbeiten verdienen Leloin Zeichnungen zu dem Roman 
„Die Dame von Monsoreau* besonders hervorgehoben zu 
werden, die in geistreicher Erfindung historisch -roman- 
tische Genrebilder aus der Zeit Heinrichs III. in sorgfältig- 
ster Ausführung und vollendeter Künstlerschaft zur An- 
schauung bringen. Unter den deutschen Künstlern ragen die 
jüngeren Münchener Meister mit ihren fast ausschließlich 
für die Jugend* entworfenen Originalzeichnungen hervor, 
so Dieti. Bauer, Erler, üeorgi,Schmidhammer, Pankok,Seitz, 
Wittel, Rieth, Feldbauer, JenUsch, Wilke u. a. Ein eigen- 
artiges Talent verrät Mandlick, ein Meister in der Schilde- 
rung von Szenen aus dem Leben der eleganten Welt, wie 
sie zu den reizvollsten Illustrationen der „Fliegenden Blät- 
ter* gehören; auch der geniale Münchener Humorist Ober- 
länder ist mit mehreren seiner unschätzbaren Federzeich- 
nungen vertreten, neben dem noch H. Vogel in Loschwitt. 
der Erfinder und berufene Zeichner der bekannten sinnig- 
poetischen Märchenbilder, die in ihrer symbolisch-humo- 
ristischen Auffassung eine Hauptzierde der „Fliegenden 
Blätter* bilden, an dieser Stelle genannt sein mag. Von 
den übrigen Münchener Zeichnern bemerkenswerter Ent- 
würfe ernsten und heiteren Inhaltes nenne ich noch Hagen, 
„Der Herr Oberlehrer", Münzer mit seinen Szenen aus 
Paris und dem Bade Trouville, L. v. Zumbusch mit seiner 
köstlichen Satyre „Das Prelltuch", auf dem ein alter Herr 
von übermütigen Mädchen in die Luft geschnellt wird, 
ferner Stuck mit instruktiven Zeichnungen für „Kunst und 
Handwerk* und Rossmannt „Frau Judith* und „Mädchen 
aus dem Innthal*. Unter den Karlsruher Künstlern über- 
ragt Meister Friedrich Kallmorgen seine Berufsgenossen 
um Haupteslänge. Er sandte eine reiche Auswahl zum Teil 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



leicbt kolorierter Btiiter aus seinem Skizzenbucb, das er 
»uf einer Nordlandreise mit treffenden Volkstypen und 
landschaftlichen Bildern füllte. Alexander Rothaug aus 
Wien ist ein gleich hervorragender Meister des Zeichen- 
stifts, der in ganz eigenartiger Weise und nur mit Hilfe der 
Schwarz -Weiß -Technik eine gante Skala von Abstufungen 
in der Tonwirkung hervorzurufen weil): seine figürlichen 
und symbolischen Kompositionen sind von ornamentaler 
Kraft. Er gehört zu den geschätztesten Mitarbeitern der 
.Fliegenden Blätter*. 

Die Berliner Illustratoren haben sich naturgemäß mit 
einer schier überreichen Sammlung der Erzeugnisse ihrer 
Kunstfertigkeit an der diesjährigen Ausstellung des Ver- 
bandes beteiligt, so das» es schwierig ist, die bemerkens- 
werteren Künstler unter ihnen mit sicherem Urteil heraus- 
zufinden. Neben Leo Arndts Studienköpfen und Volkstypcn 
aus der europäischen „Wetterecke", die mit großer Leben- 
digkeit und anschaulicher Charakteristik zu Papier gebracht 
sind, behandelt Knut Hansen mit technischer Virtuosität 
Szenen aus dem modernen Leben unter satyrischem Beige- 
schmack. Rosenstand, der Zeichner des „Satyr"-Verlages. 
bringt Skizzen und Gestatten aus dem uns umgebenden 
.Milieu", B. Wenig vier vorzügliche Zeichnungen zum 
Jungbrunnen", Zehnte dem Leben abgelauschte und vor- 
züglich wiedergegebene Vorginge und Gruppen (.In der 
Penne", .Schusterpause", „Ankunft an Bord" u. s. w.), Rudi 
Rother Bilder aus dem Salon und von der Straße, dem sich 
mit gleichen Aufgaben K. Storch, Thiel, Wecker, Lotter, 
Sturtenant, Röhling, Schlichting, Zirkel, Oenieke, Schöner 
und Schütze anschließen; treffliche See- und Marinebilder 
sandten Stöwer, Enfried und Sandrock, einige lustige Hunde- 
Studien gab Sperling unter der Bezeichnung „Tcckcltempa- 
ramente", Plinzner, Müller- Münster, Grotemeyer, Wecker, 
Küchler, Lageinann, Gentz. der Wild- und Jagdmaler Kapp- 
stein, Bröker, Dinger, Hausche, Egersdörfer, Balcke, Arriens, 
Hübner, Bahr — sie alle haben durch anerkennenswerte 



künstlerische Beiträge ihren Ruf als tüchtige Illustratoren 
auch bei dieser Gelegenheit von neuem bethitigt. Von 
größeren Kompositionen seien hervorgehoben Kobersteins 
.Frühling", eine Fülle edler und anmutiger Gestalten in 
von prächtigen Karyatiden cingefassten Feldern, ferner 
£. Doeplen Gouachebilder zu .Walhall", die Vorlagen zu 
den Farbcndruckbildern des gleichnamigen Prachtwerkes, 
das im Verlage von Martin Oldenbourg in Berlin erschienen 
ist und in der Büxensteinschcn Offizin gedruckt wurde. Mit 
einigen Titelblatt-, Exlibris-, Randleisten und anderen Buch- 
schmuck-Arbeiten waren noch vertreten Hirzel, Kratz, 
Prochownik, Otto Eckmann, Schulze, Tippel und Thiele, wäh- 
rend das Gebiet der eigentlichen Karikatur die Entwürfe von 
Jüttner, Vanselow, Wettner unA Käthe Münsterbeherrschten. 

Am Schluss unseres Rundganges durch die diesjährige 
Ausstellung des Verbandes deutscher Illustratoren ange- 
langt, will ich nicht verfehlen darauf aufmerksam zu 
machen, dass durch Auslegung der betreffenden Zeit- 
schriften und Werke in vielen Fällen Gelegenheit geboten 
war, den von mir im Eingang meines Berichtes angedeuteten 
Vergleich an Ort und Stelle vornehmen zu können. Ich 
habe dies mehrfach gethan und dabei bin ich zu der Ober- 
zeugung gekommen, dass bei dem zu einem vollkommenen 
Gelingen notwendigen Zusammenarbeiten von Kunst und 
Technik das größere Entgegenkommen immer auf Seiten 
der Technik lag. Das ist ja auch ganz natürlich, denn der 
Künstler schafft individuell und kann sich der durch die 
Technik gezogenen Schranke nur bedingt unterwerfen, so 
dass es Aufgabe der Technik sein muss, der individuellen 
AusdrucksfihigkeitdesKünstlers auch in der mechanischen 
Wiedergabe seiner Schöpfung möglichst nahezukommen. 
Wie weit dies der modernen, mit vielen Hilfsmitteln aus- 
gestatteten Drucktechnik gelungen ist, dafür sind unsere 
besten, farbig illustrierten Zeitschriften und zahlreiche 
Werke aus der Geschichte, den Naturwissenschaften u. s. w. 
vollwertige Zeugnisse I Hans Naeter. 



Zur Umwälzung in der Methode der Bilderzurichtung. 



DIE Versuche, eine Reform der bisherigen Bilderzu- 
richtung zu erzielen, sind wohl zu keiner Zeit mit 
solcher Emsigkeit gemacht worden, als wie dies seit etwa 
einem Jahre bei uns in Deutschland geschieht. Alle Ver- 
suche laufen darauf hinaus, die bisherige mühsame Aus- 
schneidemethode zu beseitigen, um an deren Stelle eine 
sog. mechanische Zurichtemethode zu setzen. Die Ver- 
suche sind keineswegs neue zu nennen, und wer nicht 
durch eigene Beobachtung auf dem Laufenden ist, dem 
dürfte ein Einblick in die fünfundzwanzig letzten Jahrgänge 
der deutschen Fachzeitschriften den Beweis geben, dass 
die Versuche zur Verbesserung der Zurichtemethode sich 
etwa wie die Schalljahre mit ziemlicher Bestimmtheit 
wiederholten, ohne dass sie indessen zu positiven Resul- 
taten führten und das eine oder andere Verfahren als Ei 
des Kolumbus allgemeine Einführung gefunden hätte. 

Man kann wohl behaupten, dass die Versuche schon viel 
Geld, Zeit und Tinte gekostet haben, und es wäre nur zu 
wünschen, dass recht bald den verschiedenen Erfindern 
und Verbesserern der ersehnte Erfolg beschieden sei und 



an die Stelle von Zurichtemesser und Schere die mecha- 
nische Manipulation trete zum Vorteil des Druckes und des 
— Geldbeutels des Prinzipats. Vor der Hand scheint aber 
hierfür noch keine rechte Aussicht zu sein, denn man 
streitet sich allenthalben noch darüber, ob die mechani- 
sche Zurichtemethode überhaupt die Ausschncidemethode 

z. B. beim Druck von Holzschnitten, beim Werk- und 
Accidcnzdruck ganz zu ersetzen vermag oder nicht. Eben- 
sowenig ist man sich bis jetzt darüber im klaren, wie sich 
die Rentabilität einer neuen, sich noch im Stadium des 
Versuches befindlichen Methode stellt, deren Erwerbung 
doch mit erheblichen Anlagekosten und nicht zu unter- 
schätzenden Materialspesen verknüpft ist. 

Auch die neue Frage der Reliefklischecs gehört in das 
Bereich der angedeuteten Versuche. Das Rcliefklischee 
will die Zurichtung überhaupt beseitigen, das wäre aller- 
dings das Radikalste. 

Aus vorstehendem Gedankengang kann man die ver- 
schiedensten Schlüsse ziehen, da es aber ganz natürlich 
ist, dass jeder Versuch, die Technik zu vervollkommnen 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBL 



und die Arbeitsleistung zu verbilligen. Beachtung ver- 
dient, so ist es nur gut zu heißen, das« die Fachpresse ihre 
Spalten der augenblicklichen „Bewegung" auf dem Gebiete 
der Zurichtung offen hiilt und zu wünschen, dass neben den 
Erfindern auch möglichst viele Praktiker sich über ihre 
Erfahrungen mit den verschiedenen Neuerungen im Ver- 
gleich zur altbewährten Methode aussprechen, denn für 
die große Allgemeinheit ist bekanntlich eines Mannes Rede 
keines Mannes Rede. Um den Leser kurz noch über die 
verschiedenen Versuche, die im Laufe der Zeit gemacht 
wurden, zu orientieren, mag folgende übrigens nicht er- 
schöpfende Charakteristik der einzelnen mehr oder weni- 
ger wieder in Vergessenheit geratenen Zurichtcmcthodcn 
folgen. 

1. In den zahlreichen graphischen Handbüchern des In- 
und Auslandes wird bis auf heute nur die allgemein be- 
kannte und überall ausgeübte Methode der Verwendung 
mehrerer Papicrausschnittc als Zurichtung erläutert. Auch 
Weben neu erschienener Katechismus der Buchdrucker- 
kunst beschränkt sich hierauf. Bei dieser Methode wird 
das Bild bekanntlich in mehrere Töne zerlegt, etwa so, dass 
das erste Blatt die ..lichten Töne", das zweite die „Mittel- 
töne" und das dritte die „tiefen Töne" enthält. In einzel- 
nen Fällen werden noch Zwischentönc ausgeschnitten. 
Alle ausgeschnittenen Blätter aufeinandergeklebt und auf 
dem Tiegel oder Cylinder befestigt, bewirken die mehr oder 
weniger ausdrucksvolle Wiedergabe des betreffenden Druck- 
stockes. Der sog. „Ausschnitt" bildet ein biegsames Re- 
lief, dessen Herstellung mit Messer und Schere sowie 
sorgfältige Zusammcnklebung eine zeitraubende, viel Rou- 
tine erfordernde Arbeit genannt werden muss. Ein falscher 
Ausschnitt kann die künstlerische Wirkung des Bildes ver- 
derben. 

Von dem Erfordernis eines sich den Tönen des Bildes 
anpassenden Reliefs sind alle Verbesserer ausgegangen 
und kann als erster Versuch dieser Art gelten. 

2. Das Reiche Verfahren, bei dem durch Auftragen von 
leicht erhärtenden Farbschichten auf einen nach bestimm- 
ter Anweisung gemachten Abdruck ein Relief erzielt wird. 
Das Verfahren wurde besonders in Frankreich aufgegriffen, 
konnte aber nicht zur dauernden Verwendung gelangen. 
Es folgte : 

3. Das Aföscrsche Kreidepapier- Schabverfahren (1884). 
Mehrere aufeinander liegende, verschieden gefärbte Kreide- 
kartonschichten wurden den einzelnen Tonwerten des 
Bildes entsprechend ausgeschabt, bis sich ein genügendes 
Relief bildete. Die verschiedenen Farbschichten orientier- 
ten über den Grad der Tiefe des Schabens. Das Verfahren 
kam nicht allgemein zur Einführung, es ist vielmehr bei 
den Versuchen geblieben. 

4. In den „Graphischen Künsten" ISKti erklärt Oscar 
Pustet sein chemisch -mechanisches Zurichteverfahren. 
Das Wesentliche dieser Methode besteht in der Anwendung 
der lichtempfindlichen Chromgclatinc, welche, nachdem 
sie belichtet wurde, in heißem und kaltem Wasser unlös- 
lich ist und eine sehr widerstandsfähige Masse giebt. Das 



ganze Verfahren beruht auf dem photographischen Prozess, 
es sollte den Drucker jedweder Mitwirkung an dem künst- 
lerischen Ausfall des Bildes entheben. Das Erfordernis 
einer geübten zweiten Person für die Reliefherstellung hat 
eine Einführung des Verfahrens verhindert. 

5. Das sog. Sommrrsche Zurichteverfahren dürfte mit 
dem JrVschen zu identifizieren sein, denn auch bei diesem 
fand eine Färb- resp. Masscauftragung vermittelst Pinsels 



6. Prof. Huxnik in Prag trat 18ft3 mit ziemlich positiven 
Resultaten seines patentierten, photomechanischen Gela- 
tine-Zurichteverfahrens auf den Plan, und es wurde das- 
selbe in der k. u. k. österreichischen Hof- und Staatsdruckerei 
praktisch zur Anwendung gebracht, die Schwierigkeiten der 
Relief-Herstellung und das Kostspielige des Verfahrens 
haben auch dieses Verfahren vorläufig nicht aufkommet) 



7. Die verschiedenen Versuche, die Photographie zur 
Herstellung der Zurichte-Reliefs zu verwerten, dürfte auch 
das amerikanische De -Vinne-Pfizenmeierscbc Verfahren 
gezeitigt haben, bei dem sich die Zurichtung auf einer 
Guttapcrchaschicht befindet. In einigen Druckereien Süd- 
deutschlands werden angeblich mit demselben zufrieden- 
stellende Resultate erzielt. 

8. Eine neue Gruppe von Versuchen ist die sog. Pulver- 
Streumethode, die von Amerika eingeführt, sich besonderer 
Ausbildung seitens deutscher Fachgenossen erfreut. Zu- 
erst gelangte durch Vermittlung der Firma Gebr.Jänecke 
fr Fr. Schneemann in Hannover ein einfacheres Verfahren 
zur Einführung, bei dem zunächst zwei gleiche, gewöhn- 
liche aber ausgeglichene Abdrücke, mit besonderer Farbe 
gemacht wurden. Diese wurden mit einer Mehlsubstanz 
bestreut, abgestäubt, und das anhaftende Pulver durch 
Aufblasen einer Lackschicht befestigt. Beide so behan- 
delten Abzüge wurden aufeinandergeklebt und bildeten die 
Zurichtung. Die Einfachheit dieser Methode lässt nichts 
zu wünschen übrig. 

9. Das neueste Dethtejßcbc Verfahren basiert auf dem 
vorstehenden und ist Näheres über dasselbe an anderer 
Stelle dieses Heftes nachzulesen. Das Gleiche gilt von 
Dr. Alberts. Reliefklischees, die eine eben solche Bedeutung 
haben wie ein neues Zurichteverfahren. 

Nachdem der Stein nun wieder ins Rollen gebracht ist, 
fehlt es nicht an Nebenversuchen aller Art, und man kann 
mit Recht von einer allgemeinen Bewegung und drohen- 
den Umwälzung in den Maschinensälen reden. In ihrer 
Fassung fast übereinstimmende Berichte aus allen Druck- 
centren zeigen, welch lebhaftes Interesse man den Ver- 
besserungen der Zurichtemethode widmet, und wenn der 
Schein nicht trügt, so wird vielleicht diesmal durch die 
Nachhaltigkeit, mit der auf der beschriltenen Bahn vorge- 
gangen wird, etwas Greifbares aus den Versuchen für die 
Praxis herausspringen. Sollte das nicht der Fall sein, dann 
wird sich nach wie vor der Bilderdrucker wieder an seine 
handwerkliche Ausschncidcmcthodc zu klammern haben, 
von der er ja wohl nicht ganz abzubringen ist. H. S. 




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Schriftprobenschau. 



DIE Zeil ist hoffentlich auf immer vorüber. In der jeder 
Lithograph und Zeichner sich berufen fühlte, dem 
Schriftgießer hilfreich unter die Arme zu greifen. Andere 
rührende Gedanken haben sich Bahn gebrochen. An Stelle 
der glatten Mache ist die Krage an den SchriftgicLcr heran- 
getreten, eigenartige Leistungen zu bringen, charaktervolle 
Schriften, welche das individuelle Gepräge des Künstlers 
tragen, denn nur mit diesen ist ein erfolgreicher Kampf 
mit der Konkurrenz, besonders auch gegen die Zeilengieß- 
maschine zu erhoffen. 

Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie einsichtsvolle 
Gießereien seit Jahren in ziclbcwusster Weise das Feld 
vorbereiteten. 

Die Schwabacher-Schriften der 80er Jahre, die Münchencr 
Frakturen, bei der Antiqua die Mediäval- und Renaissance- 
Charaktere, die vielen nach guten alten Vorbildern ge- 
schnittenen gotischen Schriften, legen Zeugnis ab von dem 
Streben, dem Buchdrucker ein gutes stilgerechtes Material 
für seine Schöpfungen zu bieten. Aber der weiter dringen- 
den Zeit genügen die alten Vorbilder nicht: Sie verlangt 
nach Beteiligung des eigenen Könnens, ringt schwer mit 
dem spröden Stoff, ihm neue Seiten abzugewinnen. Und 
so entstehen die Schöpfungen aus diesem Kampfe, die 
Schrift in neue Formen zu gießen, die .Eckmann", Königs 
.Walthari", Huppa .Neudeutsch**, die .Neudeutsch" von 
SchilUr, die Schrift von Paul Voigt und andere mehr. Bei 
der Antiqua bricht sich die nach Hein: König schon früher 
geschnittene .Römische Antiqua* breitere Bahn, deren 
Anregung mehrere Neuschnitte folgen. 

Heute liegt uns von der am meisten in den Vordergrund 
tretenden .Eckmann" ein ganzes Heft vor. Die überaus 
rührige Rudhardsche Gießerei versteht es, ihren Erzeug- 
nissen nicht nur die originelle Form zu geben, die sie von 
vornherein vor anderen charakterisiert, sie trigt vor allen 
Dingen auch der Praxis Rechnung, indem sie in ihren 
Musterblittcrn die rcichfaltigc und vielgestaltige Verwend- 
barkeit ihres Materials vor Augen führt. 

So rinden wir die .Eckmann*, die jetzt von Nonpareille 
bis 8 Cicero im Guss vollendet vorliegt, zu allen in der 
Praxis vorkommenden Arbeiten verwendet; immer eigen- 
artig, immer aus dem Rahmen des Alltäglichen heraus- 
tretend. Unterstützt wird diese Wirkung durch den Eck- 
mann-Schmuck, Ornamente, welche in ihrer Form sich der 
Schrift, im Charakter und Tonwerte anschließen, und durch 
Initialen. 

Um den vollen Eindruck des kriftigen, klaren, völlig ein- 
heitlichen Materials zu gewinnen, das in hervorragender 
'«'eise auch für moderne Reklame geeignet ist, muss man 
sich freilich das Heft selbst ansehen. 

Wir wollen jedoch dasselbe nicht aus der Hand legen, 
ohne auf zwei Punkte noch nlher einzugehen; sowohl der 
Künstler als auch die Rudhardsche Gießerei haben dem 
Werke einige begleitende Worte mit auf den Weg gegeben. 
Die letztere schreibt <S. 14): 

.bin icilt. Druckwerk, «i r* ein Buch oder rlnr A.videiw, «eiche« 
«uf Schönheit und kün»ilerl»chc Vollkommenheit Anspruch erheben «oll, 
darf nor einen SchriftvharakicT tragen; auch müsse« die Ornamente und 
der sonstige Zierrat in der Zeichnung und Im Tnnarcrt mit der Schrift 
übereinstimmt« Diener GrunduTi cm gatw besonder* bei der Ansen 
Juni Je ' i'oriktendc» F-ckmann Material« tu beachten. Ein jeder Vcr 



auch, die Eckminn-Scbrifl mit anderrn Schriften «der «nJcrtm Ziermalc- 
rlal >l« dem tu der Schrift »«Köngen Eckmann-Schmuck in Verbindung 
»u bringen, ihm ein künstlerisch geachulte» Auge verleiten und über- 
trugen, da» eine aolcne Zusammenstellung den harmonischen und ge- 
schlossenen Gcsamlciadruck der Drucksache bceinlMchtlgl. Die .Eck- 
mann* l«i ei« ungemein chntakteristliche Schöpfung den Künstler» uad 
hedlngt strengste Elnaeltl.chkelt In der Anwendung in noch höherem 
MaOc als andere Schriften." 

Es bedarf wohl keines weiteren Kommentars dieser 
Worte, sie drücken das aus, was wir in einer guten Druck- 
arbeit, sei es welche es wolle, stets anstreben sollen .Har- 
monie des Ganzen wie der einzelnen Teile". 

Aus dem Begleitworte des Prof. Eckmann möchten wir 
Einiges herausnehmen, was von weitergreifendem Interesse 
ist. Er hebt zunächst besonders hervor, dass nur durch 
das innige Zusammenarbeiten mit der Gießerei ein voller 
Erfolg in der Ausgestaltung der Schrift zu erringen war. 
Allen den Künstlern, welche nach heutiger Mode sich mit 
oder ohne Berechtigung berufen fühlen, in alten möglichen 
Techniken sich zu versuchen, möge der nachfolgende Satz 
zur Beherzigung dienen .den Misserfolg jeder anderen Art 
künstlerischen Eingriffs in die Praxis kann man jedesmal 
darauf zurückführen, dass der Betreffende entweder zu be- 
quem oder zu hochmütig war, um sich die Erfahrungen der 
Jahrtausende zu nutze zu machen. 

In bewusstem Gegensatz mit den bisherigen Grundsitzen 
über Schriftzeichen setzt sich Prof. Eckmann mit den nach- 
folgenden Worten : 

.En wird genagt, dass Schrift den Haadschrifrcharaktcr der früheren 
Hüchcr Nahen müsse, wie aic die Zeil vor der Erfindung der Buch» 
dmckerkunat uns überbrachte. YA'arum? Zunächst ahmte der Stempel' 
Schneider wohl die Schrlftform nach. Wir haben aber ocui viereinhalb 
Jahrhunderte Zelt gehabt Uber die Sache nachrudenken «nd müssen in 
dem Ergebnis kämmen, dass eine solche Regel hei unserer heutigen Her- 

mit sich bringt, ohne dass das Befolgen derselben irgend einen Gegen- 
wert bietet. Diesen Hemmschuh Verlangl die Praxis keineswegs.* 

Ein solcher Grundsatz der freien, oder wie Prof. Eckmann 
sich ausdrückt, künstlerischen Gestallung der Schrift mag 
für eine große Reihe von Anwendungen derselben seine 
Bedeutung haben, schießt aber in seiner allgemeinen 
Fassung wesentlich über das Ziel hinaus. Nicht etwa, dass 
8*8*" die freiere Auffassung der Schrift, wie sie der 
Künstler, sei es aus Schönheitsgründen, häufig aber auch 
aus Mangel an Vorkenntnis der vorhandenen feststehen- 
den Formen oder eigenwilligen Vermischung aller mög- 
lichen Stilarten, liebt, Stellung nehmen wollen, darin mag 
sich jeder auswachsen wie es ihm beliebt und möglich ist. 
Sobald die feststehenden Grundbedingungen .Lesbarkeit 
und Schönheit" gewahrt bleiben, ist jede Formenerfindung 
zulissig. Aber die Gründe, welche Prof. Eckmann zur Bei- 
seitelcgung der Federschrift anführt, sind nicht stichhaltig. 
Einmal bietet die Schreibtechnik mit der breitgeschnittenen 
Feder keine unnötige Hemmung der künstlerischen Gestal- 
tung einer Schrift, jedoch verlangt sie, gelernt zu werden, 
und das ist neben der Formenkenntnis bei jemandem, der 
Schrift entwerfen will, die einfachste Vorbedingung. Den 
Federzug, aus dem die Schrift entstanden, sollte jeder 
ernsthaft zu nehmende Schriftzeichner jedenfalls kennen. 
Ob er ihn verwenden will, oder nicht, ist eine Sache für 
sich. Es wird ihm diese Kenntnis, dass unsere Schrift 



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durch Schreiben und nicht durch Malen entstanden ist, 
nicht schaden können, trotz der heutigen Drucktcchnik, die 
|a andere Voraussetzungen bedingt. Sic wird ihm ferner 
bei Erfindung neuer Grundformen nur förderlich sein, denn 
gerade die brcitgcschnittcnc Feder ist ein vorzügliches 
Material zum Erfinden neuer Schriftformen. Ihr Strich 
liegt auch der Eckmannschrift, wo diese bei den Versalien 
nicht auf alte der Maltechnik entsprungene Uncialformen 
zurückgreift, zu Grunde, abgewandelt allerdings durch die 
weichere Formgestaltung des Pinsels, wie sie der Künstler 
jedenfalls gewollt hat. 

Für unsere Buchschriften war bisher die Abwechselung 
von Grundstrich und Haarstrich, wie sie die breite Feder 
ergiebt, sowohl für das Auge, die angenehmste, wie auch 
die lesbarste Form. Ob für diese ein Ersatz durch künst- 
lerische Pinselschriftcn Besseres bringen wird, bleibt sehr 
abzuwarten. 

\X'as im weiteren Prof. Eckmann über die künstlerische 
Unzulänglichkeit der lateinischen Schrift anführt, ist durch 
deren Entstehung aus zwei verschiedenen Techniken be- 
dingt, bei den Versalien aus der Meißelfülirung, bei den 
Gemeinen aus dem Federzuge. 

Voll und ganz pflichten wir ihm darin bei, dass die heute 
gerade in Künstlcrkrciscn so beliebten Verstümmelungen, 
welche bei der Zusammensetzung von Versalien entstehen. 
Vcrlcgcnhcitsformen sind, die man besser vermeidet. 

Ein Heft mit Sport-Vignetten, welches dieselbe Gießerei 
bringt, birgt ein ganz hervorragend gut gezeichnetes Mate- 
rial in kräftiger Schwarz-U'eißteehnlk, das für feinste Acci- 
denzarbeiten, wie für jede Rcklamcform gleich verwendbar 
ist. Mit Vergnügen machen wir auf diese tadellose Leistung 
noch besonders aufmerksam. 

Die Firma Rm>s & Junge, O. m. b. H. in Offenb.ich ,i. M„ 
versendet eine groUe Reihe ihrer neueren Erzeugnisse, 
welche einen Übergang zur modernen Richtung dokumen- 
tieren. Nicht immer begreift ein solcher Systemwechsel 
auch gleichzeitig einen wirklichen Fortschritt wie hier in 
sich. Und in der Glücks-Einfassung sehen wir noch einen 
Rest der großen .Käferkrahbelci" der freien Richtung, auch 
die „Seccssions-Vignettcn" dürften nicht ganz einwandfrei 
sein, aber dafür ist anderes wieder hoch erfreulich. Da- 
gegen dürften Schriften wie die .Lithographia". die im 
Prinzip verfehlt sind, dauernd aus dem Formenkreise des 
Buchdrucks verbannt bleiben trotz der Mode. 

Eine weitere Firma des industriereichen Offcnbacli, die 
Aktiengesellschaft für Schriftgießerei und Maschinenbau, 
bringt eine schmale, halbfette Antiqua im Mediäval-Cha- 
rakter, welche sie als .Romanisch" bezeichnet. Die Schrift 
ist klar und schmallaufcnd, infolgedessen für Anzeigen und 
viele Accidenzen recht verwendbar. Die Belegung dersel- 
ben mit der Bezeichnung »Romanisch* erscheint uns je- 
doch nicht gerechtfertigt, da sie mit diesem Stil nichts als 
die lateinische Grundform gemein hat. Der Missbrauch 
mit Namen ist jedoch so allgemein eingerissen, dass das 
Gefühl für eine präzise Benennung, welche sich mit dem 
Gegenstand deckt, nur noch sporadisch auftritt; in den 
meisten Fällen steht die Anregung der Konkurrenz auch 
hier Pate, um dem neuesten, ähnlichen Erzeugnis einen 
ähnelnden Namen mit auf den Weg zu geben. Drei 
Blätter mit .Scccssions-Linien" dienen als Ausdrucksform 
der neuen Richtung; sie variieren das hekannte Schema, von 
dem fernerhin die Rede sein wird. 



Die Firma Heinrich Hojfmeister in Leipzig ist eine von 
den rührigen, vorwärts strebenden, welche dem Zuge der 
Zeit nachgebend, neue Ausdrucksfornicn zu bieten bestrebt 
sind. Mit ihrer .Continental", welche sie uns in elf Graden 
in einem tadellos ausgestatteten Hefte vorführt, bringt sie 
uns eine Schrift in scmigotischeitl Charakter von kräftiger 
dekorativer Wirkung, welche durch die reichen ornamental 
durchgeführten Initialen für die Praxis noch an Wert ge- 
winnt. Für die Einheitlichkeit der Form, welche bei den 
Gemeinen gut durchgeführt ist, würde die Abweichung 
einiger Versalien wie E, F, H, K von dem allgemein zu 
Grunde gelegten Uncialcharakter von Vorteil gewesen sein. 
Man ist ja heute durchweg bestrebt, die Härten einzelner 
Antiqua-Versalien, die aus der allen Meißeltcchnik der 
römischen Majuskel herstammt, durch Übersetzung in goti- 
sierende Formen zu mildern. Vielleicht fügt die strebsame 
Gießerei noch eine zweite Form hinzu, welche die Schrift 
zu einer nach jeder Richtung hin korrekt durchgeführten 
machen würde. 

Die am Schlüsse des Heftes zum Abdruck gelangten 
.Einfassungen und Material für Zierleisten" tragen ein 
durchaus individuelles Gepräge; einzelne Formen an die 
originellen Tapeten von Hans Christiansen erinnernd. 

Ein zweites kleines Heft, hübsch gedruckt, mit originellem 
Umschlag.cnthältCharakter-Typcn in Federzeichentechnik, 
für den Accidenzsatz bestimmt. Diese Vignetten werden 
in ihrer wirklich vorzüglichen zeichnerischen Leistung, 
zur Itlustricrung sehr vieler Gelegenheitsarbeiten hoch- 
willkommen sein und sich gewiss viele Freunde erwerben. 
Die zur Vorrede, wie zum Text der Vignetten benutzte neue 
Buchschrift .Holländische Antiqua" ist von gefälligen ele- 
ganten Formen. 

.Stilisierte Cyelamen-Ornamente" nennen die vereinig- 
ten Firmen H. Herthald in Herlin und Hauer ft- Co. in Stutt- 
gart eine Serie moderner Linien-Ornamente, wie sie für 
Aceidenz und Inseratzwecke in neuerer Zeil fast von jeder 
GiciScrci an den Markt gebracht werden. 

Praktisch sind die Sachen, sie geben, besonders auch die 
BfrfhoMschen „Cyclamen", dekorativ ein gutes, kräftiges 
Bild. Im großen und ganzen beginnt das verwöhnte Publi- 
kum sich jetzt aber an dieser Wurmlinien Ornamentik satt 
zu sehen und verlangt Neues für sein verwöhntes Auge. 
Das ist ja der Fluch der Mode, dass nur der Bringer der 
neuen Idee das angenehme Fett von der Brühe schöpft, die 
Nachhinkenden aber gewöhnlich die Suppe in Form erheb- 
licher Unkosten auszulöffeln bekommen, ohne den erhoff- 
ten Gewinn zu erzielen. 

Die „Cyclamen-Ornamentc" werden jedoch ihr Publikum 
linden, wenn sie auch nicht die Träger einer absolut neuen 
Idee sind. 

Die Schriften .Secession" und .halbfette Scccssion" in 
dem gleichen Hefte versuchen die alten Formen der Antiqua 
in moderner Richtung umzuwerten und geben in ihrer 
freieren Behandlunghauptsächlich fürdic Zwecke des Acci- 
denzsatzes recht brauchbare abwechselungsreiche Zeilen, 
die zur Belebung des Gesamtbildes vieles beizutragen ver- 
mögen. 

Eine Schrift von stilreinem klar durchgebildeten Antiqua- 
charaktcr ist die „Antike Mediäval*. Garnitur XVI, von 
Wilhelm H'oellmers. Schriftgießerei in Berlin; ihr dient zu 
Auszeichnungen eine Kursiv in gleichen Formen. Bei 
Typen von so schönem Schnitt hätten wir die Hinzufügung 



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-»«11««««*-*-»« ARCHIV Fl"R RUCHGEWERBE *xr *r*r<e- *r w~*r warAT 



von Versalligaturcn, welche als „Sondertypen" bezeichnet 
sind, aber als sonderbare Typen auf den unbefangenen Be- 
schauer wirken, gern vermieden gesehen. 

Drei Blätter neuer Vignetten für Accidcnzcn zeigen gut 
gezeichnete Formen rein ornamentalen Schmuckes. Die 
russischen Schriften der Firma sind für uns ohne weitere 
Bedeutung. 

Was der Buchdrucker an Hilfsmatcrial gebraucht, sei 
es an Holzutcnsilien, Tiegel- und Cylinder-Schnellprcsscn, 
Numerier- und Stereotypie- Apparaten, Sicherheit»- Auf- 
zügen, sogar Elektromotoren, alles findet er bei dem Wclt- 
hausc J. O. Scheller & Oiesecke in Leipzig in tadelloser Aus- 
führung vereinigt. Der grolle Katalog der Firma ist ein 
Kompendium, welcher in »ich altes vereinigt, was große 
wie kleine Betriebe gebrauchen. Druck wie Illustrationen 
sind tadellos, wie alles, was von dieser Firma hergestellt 
wird. 

Drei Hefte mit Neuheiten bringt die Gravier- Anstalt und 
Messing-Schriftgießerei von Edm. Koch fr Co. in Magde- 
burg gleichzeitig an den Markt, welche eine große Fülle 
von Ornaracntmatcrinl für die Prägepresse des Buchbinders 
enthalten. Die Zierung des Bucheinbandes ist ja heutzu- 
tage eine Kunst, an welche vom Verleger wie vom Publikum 
außerordentlich hohe Anforderungen gestellt werden, und 
so hat sich die Firma bestrebt, Ornamente von außer- 
ordentlich vielgestaltiger Verwendbarkeit, wie es die ab- 
wechselungsreichen Arbeiten erfordern, zu schaffen. 

Besonders das Heft von Meister Paul Kersten entworfen, 
leistet hier mit wenigen Formen Außerordentliches. Stets 
neu, stets überraschend in seiner Wirkung, völlig einheit- 
lich in der Erfindung, fühlt man so recht, dass diese Kompo- 
sitionen aus der Fülle praktischer Erfahrungen geschöpft 
sind. Dabei ist die moderne Linie in eine Form gebracht, 
die in erfreulich eigenartiger und reizvoller Weise die ver- 
schiedenartigsten Kombinationen ermöglicht und vor allen 
Dingen die Aufgabe, ihr Material als Buchvcrzicrung zu 
behandeln, in bester Weise löst. H. K. 

Ein sehr stattliches Heft ganz neuartigen Accidcnz- und 
Buchschmuckes hat die weltbekannte Schriftgießerei J. (i. 
Schelter fr Oiesecke in Leipzig zusammengestellt. Diese 
Ornamente zeigen eine leicht gezeichnete, zierliche Ran- 
kenform, und sind zur unaufdringlichen Ausfüllung leerer 
Räume bestimmt. Sic fügen sich dem Seilenbild harmonisch 
an und geben, besonders in Katalog- und Gedichtsat/, dem 
oft recht zerstückelten Satze eine gewisse abrundende und 
geschlossene Form. Natürlich sind sie ebenso wertvoll für 
das ganze große Gebiet des Accidcnzsatzes, was an zahl- 
reichen Satzbeispielen bewiesen wird. Eine große Anzahl 
etwas kräftiger gezeichneter Leisten und Vignetten, reine 
Linienmuster, sowie einige Kopfleisten, dürften ebenfalls 
allen Zwecken des Buch- und Aceidcnzdruckcs dienen. 
Außer diesem Zierrat enthält das Heft noch eine Reihe ele- 
gant gezeichneter und moderner neuer Schriften. Die /V- 
irarka ist eine schöne, schmale, kräftige Auszeichnungs- 
schrift mit vielfach neuen Formen, der die allerdings mager 
gezeichnete Dante verwandt ist, die eine Reihe von Ver- 
salligaturen aufweist und außerdem einige kleinere, hoch- 
stehende Versalien besitzt, deren Zweckmäßigkeit allerdings 
nicht ohne weiteres einleuchtet. Da aber der heutige Ge- 
schmack in der Herstellung der Drucksachen sehr oft von 
der Sezession becinflusst wird, wo bekanntlich derartige 
Wortbilder häufig sind, so ist das Vorhandensein dieser 



kleinen Versalien schließlich berechtigt. Unter den weiteren 
Schriften ist noch die Leonardo da Vinci bemerkenswert, 
eine elegante, leicht schraffierte Versalschrift, die für ele- 
gante Drucksachen sehr geeignet ist. Schließlich sei noch 
der w ahrhaft klassischen Initialen «Serie 3432» gedacht, licht 
gezeichnete Buchstabenbildcr mit figürlichem Schmuck im 
Stile edler griechischer Kunst. Diese Initialen gehören mit 
zu dem Besten, was nach dieser Richtung in letzter Zeil 
geschaffen wurde. 

In zwei Oktavheften hat die Schriftgießerei. julius Klink- 
hardt in Leipzig ihre Neuheiten zusammengestellt, die wie- 
der einen neuen Beweis von dem regen Schaffen der rühm- 
lichst hckanntcnGicßcrei geben. So werden incinemdicscr 
Hefte die verschiedenen Garnituren der Römischen Antiqua- 
schrift vorgeführt, eine schöne moderne Werkschrift, die 
mit ihren Ergänzungen, Kursiv, halbfetten und schmalen 
Auszeichnungseharaktcren komplett vorliegt. Zahlreiche 
Satzproben zeigen die wirkungsvollen Eigenschaften dieser 
Schrift. Den heutigen Forderungen entsprechend weist das 
Heft verschiedene Serien moderner Linienornamente auf, 
die auch durch lichte Ornamente eine willkommene Er- 
gänzung gefunden haben. Was mit denselben anzufangen 
ist, zeigen eine Reihe gut komponicrterMustersätze. Ferner 
wurden einige für ein- und zweifarbigen Druck bestimmte 
Rahmenformen, sogenannte Sezessions-Umrahmungen für 
bestimmte FormategeschaNen. Das zweite Heft bietet eine 
Fülle des verschiedenartigsten Schmuckmaterials, als Vig- 
netten, Umrahmungen u. dgl., für alle erdenklichen Zwecke 
des Accidcnzsatzes. Besonders ist der gefälligeren Aus- 
stattung des Tütendruckes Aufmerksamkeit geschenkt wor- 
den, alsdann wurde eine Reihe von alten Vignetten ge- 
schaffen, ein teilweise recht hübsches Ziermaterial; Em- 
bleme für verschiedene Zwecke, Kalender-vigncttcn und 
eine umfangreiche Kollektion naturtreu gezeichneter Tier- 
vignetten, die infolge ihres offenen Bildes auch für Rotations- 
druck geeignet erscheinen, füllen das stattliche Heft. Schließ- 
lich sei noch auf die auf besonderen Blättern abgedruckte 
Ccntcnar-Sclireibschrift, die in zehn Graden geschnitten 
ist, sowie auf die als Cirkularschrift infolge ihrer eleganten 
Form gut verwendbare Viktoria-Kursiv hingewiesen. 

Von hervorragendem Werte für die moderne Buchaus- 
stattung sind die Neudeutschen Schriften und Ornamente 
von dem .Münchener Otto Hupp, welche die Schriftgießerei 
Cenzsch fr Heyne in Hamburg in einem eleganten Hefte vor- 
führt. Hupps Arbeiten für den Buchdruck sind ja längst 
bekannt und haben die ihnen gebührende Würdigung in 
ausreichendem Maße gefunden; ihre Schönheiten rinden 
eine neue Bestätigung in den mit feinem Verständnis kom- 
pinierten Satzmustern, die die Neudeutsch sowohl'als Werk- 
schrift als auch in ihrer Verbindung mit den schönen Re- 
naissanceornamenten fürAccidcnzzwcckc gccigncterschei- 
nen lässt. Fein abgestimmte Farben, ein büttenartiges Pa- 
pier erhöhen noch die fesselnde Wirkung des Ganzen. - 
Bemerkt sei noch, dass uns soeben die vorläufige Probe 
eines neuen Antiquaschnittes, nach ihrem künstlerischen 
Urheber Grasset-Antiqua und Kursiv genannt, zuging, eine 
edel gezeichnete Schrift in kräftigem Mediävalcharakter. 
Es ist gewiss, dass auch dies neueste Erzeugnis derberühm- 
ten Firma den Förderern der neuen Kunst im Buchgewerbe 
hochwillkommen sein wird. 

Von der Farbenfabrik Berger & Wirth in Leipzig liegen 
uns zwei neue Probenhefte vor, die dem Buchdrucker sehr 

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««««««««««« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE ararararjrarar jrarjrjr 



willkommen sein werden. Das eine, ein Oktavheft, mit mo- 
derner Dcckclzcichnung in reichem Farhenschmuck, ent- 
hält eineSammlung buntcrFarbcn, welche in kleinen vollen 
Flächen gedruckt sind und zwar im Irlsdruck, von tiefster 
Intensität bis zum leichten Tondruck verlaufend, so dass 
der Drucker im stände ist, sich ein klares Bild von der Wir- 
kung der einzelnen Farben zu machen. Die andere Probe, 
eine Quartmappc mit ansprechender Dcckclzcichnung in 
Grün und Violett, wobei nur der Name infolge der matten 
Wirkung des Violett etwas zu kurz gekommen ist, zeigt auf 
18 einzelnen Blättern die Wirkung ihrer bunten Autotypie- 
farben. Die Illustrationen, zum Teil Ansichten von Leipzig 
aus H. Vogels Kunstverlag, zum Teil autotypische Wieder- 
gaben von Aquarellen mit modern gezeichnetem Rahmen- 
werk u.dgl., ferner zwei sehr sauber gedruckte Dreifarben- 
drucke aus Üätt, Orientreise (Verlag von E. A. Seemann 
in Leipzig) zeigen thatsächlich die Reinheit und das brillante 
Lüstre der Farben, die sich offenbar sauber und ohne die 
geringsten Schwierigkeiten verarbeiten lassen. Die Firma hat 
mit diesen beiden Proben gezeigt, dass sie nach wie vor 
bemüht ist, dem Drucker nur das Beste an die Hand zu 
geben. 

Zu den große Produktivität zeigenden Firmen gehört auch 
Wilhelm Wiiltmers Schriftgießerei in Berlin. Es liegen uns 
von derselben wieder eine Reihe von Neuheiten vor, die 
allgemeine Beachtung verdienen. Als eine sehr elegante 
und reizvolle Schrift präsentiert sich die Trensita, die spe- 
ziell als Merkantilschrift behandelt sein will und sich hier- 
für auch prächtig eignet, während wir sie für Bücher nicht 
empfehlen möchten. Ihre ausgezeichnete Wirkung im Acc:- 
denzsatze beweisen die verschiedenen Beispiele, welche 
der Probe beigegeben sind. Zu ihrer antiken Mediäval, 
eine jener modernen Buchschriften, die die Mediäval in 
veredelter Form verkörpern, hat die Firma ferner eine An- 
zahl noch fehlender Grade sowie auch für die Grade Petit, 
Korpus und Cicero halbfette Auszeichnungen geschnitten, 
die diese Schrift nunmehr im umfänglichsten Maße ge- 
brauchsfähig machen. - Von verblüffender Wirkung sind 
auch die neuen Frcihand-Ornamentc und Frcihand-Linicn. 
die bestimmt sind, Abwechslung in das bloße Rcihcnorna- 
ment zu bringen, ein Schmuck, der nicht an die starren, 
wenig modulationsfähigcn Formen dcsselbengebundcnscin 
soll, sondern ein neues belebendes Element im Accidenz- 
satz darzustellen die Aufgabe hat. Diese neuenOrnamente 
sollen sich gleich dcrEdellinie und ihren mebroder weniger 
glücklich gezeichneten Schwestern den verschiedensten 
Satzformierungen anpassen, wobei auf ein harmonisches 
Aneinanderfügen von Ornament und Linie Bedacht genom- 
men wurde. Auch hier finden wir zahlreiche Verwandlungs- 
formen beigefügt. Schließlich sei noch der moderne Plakat- 
rand Seerose erwähnt, der den aus Schrift gesetzten Pla- 
katen einen ebenso ansprechenden wie auffälligen Eindruck 
gewährt. 

H. Berthold A.-C, Berlin hat soeben eine kleine, Imperial- 
heft genannte Zusammenstellung ihrer neuesten Schrift- 
erzeugnissc veröffentlicht, das alle Beachtung verdient. 
Imperial heißt 'die neue Schreibschrift der Firma, welche 
der feinsten Steingravürc in Bezug auf Schönheit und Ele- 
ganz der Formen an die Seite gestellt werden kann und als 
ein voller Ersatz für die Lithographie bezeichnet werden 
darf. Was die Imperial besonders wertvoll macht, das ist 
die sorgfältige Ausgestaltung des Kegelsystems, welche 



Setzen und Korrigieren sehr erleichtern und ein Abbrechen 
der Oberhänge geradezu ausschließen soll. Dies letztere 
wäre allein schon ein gewichtiger Grund, der für eine all- 
gemeinere Einführung dieser schönen Schreibschrift, die 
von Korpus bis drei Cicero geschnitten ist, sprechen würde. 
Eine weitere epochemachende Schrift, die hier nur als vor- 
läufige Probe gegeben wurde, ist die Mainzer Fraktur, die, 
wie die Firma sehr richtig sagt, sich durch charaktervolle 
Form, Schönheit und Klarheit auszeichnet; sie lässt sich 
angenehm lesen, strengt die Augen nicht an und darf als 
hervorragende Buchschrift bezeichnet »erden. Sic wurde 
nach den besten Vorbildern der Blütezeit der deutschen 
Schrift in Stahl geschnitten. Die Versalien, als am charakte- 
ristischsten, weisen zum Teil prächtige Formen auf und 
machen die Mainzer Fraktur wirklich zu einem „clou" des 
heutigen Schriftsclinittes. Nur erscheinen uns die überaus 
feinen Züge und Ansätze hei einzelnen Versalien etwas zart 
und zu wenig widerstandsfähig, als dass sie längere Brauch- 
barkeit gewährleisteten. Defekte an diesen diffizilen Stellen 
des Buchstabenkörpers beeinträchtigen aber schließlich 
die ganze Schönheit der Schrift. Als neue Accidenzvcr- 
zierungen seien die lichten Libellen-Ornamente (in der be- 
kannten geschwungenen Linienform» sowie die fetten, kräf- 
liKenSiK-u/ur-üfriitmcDfcgleichen Charakters.welch letztere 
zahlreiche, in drciScricn verteilte Figuren aufweisen. Nicht 
vergessen sei schließlich die neue Reklamcschrift,H«-roM-, 
die sich zwar noch im Guss befindet; als eine Probe von 
der Art und Wirkung dieser Schrift darf aber das Wort Im- 
perial (in 8 Cicero großen Buchstaben) gelten, welches in 
Silberbronze geprägt aus dem dunkelroten Umschlag des 
Heftes hervorleuchtet. Diese wenigen Buchstaben lassen 
schon auf den Wert dieser Schrift für Reklamezwcckc 
schließen. 

Zu denjenigen Schriftgießereien, die fortwährend bestrebt 
sind, dem Buchdrucker wirklich brauchbares Material an 
die Hand zu geben, gehört auch Wilhelm Gronaus Schrift- 
gießerei in Berlin-Schöneberg. So hat sie neuerdings zwei 
modern gezeichnete Buchschriften. die Reichsdeutsch mit 
etwas kräftigerem Duktus, und die Reform- Deutseh mit feine- 
ren, rundlichen Formen geschnitten, denen sie auch ge- 
fälligen Buchschmuck beigegeben hat. Alscinc hübsche Ac- 
eidenzschrift kann die Zierschrift Berolina gelten, wie auch 
die Secessions- Versalien fürAccidcnzzwccke bestimmt sind. 
Verschiedene neue Initialserien für ein- und zweifarbigen 
Druck finden ebenfalls unsern Beifall. Weiter eine Reihe 
moderner Kopfleisten, die neuen Künstlerranken (Linien- 
Ornamente mit Weinlaubansätzen nnd •attsliufernl, sowie 
recht wirksame und ansprechende Inseratcn-Ranken für 
Einfassungs- und Schmuckzwccke. 

In einem starken Quartheft hat die Schriftgießerei Emil 
üursch in Berlin ihre zahlreichen Neuheiten zusammenge- 
stellt und zeigt damit ihr reges Schaffen. Die ersten Seiten 
enthalten eine Monographie der rührigen Firma, geschmückt 
mit zahlreichen Einzeldarstellungen ihrer Arbeitsräume, 
wobei gleichzeitig ein Bild der Entstehung des gegossenen 
Buchstabens gegeben wird. Unter den Schriften, welche 
vongenannterGießerei in letzter Zeit an den Marktgebracht 
wurden, zeichnet sich vor allem die Elsevir-Antiqua mit ihren 
zahlreichen Abarten, kursiven, fetten u. s. w., aus, eine vor- 
nehme Buchschrift, zu der auch Initialen gezeichnet wurden. 

- Ferner sei auf die elegante Cirkularschriff Wort«««! auf- 
merksam gemacht, die vollen Beifall verdient. Als eine her- 



<3t 456 



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Gegründet 1887 



Zitherklub »Freundschaft« Leipzig 



~h,„. »Wgent: Bruno Peter „J£EZ** 



QbungMtunde: 





Vierzehntes 

Stiftungs-Fest 

bestehend in Konzert und Ball 
im Kaisersaale der »Börse« 
zu Leipzig-Plagwitz 

unter gütiger Mitwirkung der Herren Richard riaschert (Flöte) 
und Oskar Mesaner (Oboe). Klavier: Herr G. Berthelsmann. 



Das Harmonium von der Firma GEBRÜDER REICHEL in Leipzig. 
Es wird gebeten, in Balltoilctte zu erscheinen. 



fr 



Belli(t «um .Archiv Mir Bucbfrwcffce". 



Heinrich Hoffmei&ter. 



Druck von BnUkaff Bt HlrlH In UlptuJ. 



Hlexander flhifcb und frau 

bctbrcn fleh 



auf 
:um 

ergebenft einzuladen. 



den 



um Uhr 



Berlin <H. 



(Jeron tö<mar> 3 tr 
A6t!urunftn l<r I. (Ktafföuft 
;u Q&trfm. > 




Hkt. 
Costüm. 
Compoeition. 



ran Bii>ltri4ri 9 , OUr 



Hbcndo von 5—7 Ubr. 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



vorragende Schrift für Reklamezwecke muss unstreitig die 
schmale fette Gtorw bezeichnet werden, die sich auch großer 
Beliebtheit erfreut. Zahlreiche Reihenornamente und ähn- 
licher Zicrschmuck, auch solcher für Inserate, weist das Heft 
auf, sowie Linienschmuck unter dem Namen „Ideal-Orna- 
mente'-, die in verschiedenen Stärken geschnitten wurden 



und miteinander zu verwenden sind. Hübsche Kopfleisten, 
die teilbar und durch Zwischenschieben von Linien für ver- 
schiedene Formate verwendbar sind, sowie eine Anzahl 
von größeren Schlussstücken vervollständigen diese respek- 
table Probe der strebsamen Firma. P. 



Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein. 



IM Buchgcwcrbcmuscum sind zwei neue kleinere Aus- 
stellungen veranstaltet worden. Am 9. November eine 
Ausstellung von Illustrationen und Buchschmuck des Leip- 
ziger Künstlers Walther Tiemann, am 23. November eine 
Ausstellung von Drucken und Platten, die ein neues Zcichcn- 
und Maldruckvcrfahrcn (Deutsch. Reichspatent Nr. 191747t 
veranschaulichen sollen. Zur Besichtigung und Bespre- 
chung der Ausstellung wurden wie üblich die Leipziger 
Mitglieder des Vereins auf den 29. November eingeladen. 
Es fand sich auch eine große Anzahl der Herren ein, und 
in lebhaftem Meinungsaustausch wurde insbesondere das 
neue Verfahren einer eingehenden Erörterung unterzogen. 
Der Erfinder, Herr Rudolf Widmann, war zugegen. 

Vorbereitet werden zunächst eine Ausstellung der buch- 
gewerblichen Arbeiten des Karlsruher Künstlers, Herrn 
Hans von Volkmann, weiter eine Ausstellung von Bunt- 
papieren und Mustcrcinbändcn, die eine Art Gegenstück 
zur Ausstellung der kleineren Privatdrucksachen werden 
soll. Für den Januar ist eine umfassende Ausstellung von 
Farbendrucken aller Verfahren vorgesehen. Weiter nimmt 
die Bildung der Gruppe „Deutscher Holzschnitt" für die 
große Pariser Frühjahrs-Ausstellung unsere Kräfte reich- 
lich in Anspruch. Daneben schreiten die Ordnungsarbelten 
(Blattsammlung) nicht ganz so rasch, wie wir wohl wün- 
schen möchten, vorwärts, immerhin sind auch da wichtige 
Schritte geschehen. Außer den Ausstellungen dienen der 
praktischen Arbeit des Buchgewerbemuseums vor allem 
die Vorträge. Am 30. Oktober sprach der Direktor des Buch- 
gewerbemuseums vor der neugegründeten Graphischen 
Vereinigung in Offenbach a. M. über „Stil in Kunst und 
Buchgewerbe". Die stattliche Versammlung zeigte reges 
Interesse. Man darf sich wohl von dieser neuen Gründung 
Ersprießliches auch für unser Buchgewerbe versprechen. 
Am 31. Oktober folgte ein Vortrag in Frankfurt im Mittel- 
deutschen Kunstgewerbcvercin über „Kindcrbilderbücher", 
am 19. November ein Vortrag in Halle a. S. ebenfalls im 
Kunstgewerbeverein über das Thema »Der Einzelne und 
die Kunst im Buchgewerbe". Dieser Vortrag hat die er- 
freuliche Wirkung gehabt, dass der Kunstgewerbeverein 
zu Halle dem Plane näher trat, einen buchgewerblichen 
Diskussionsabend einzurichten. Näheres hierüber soll 
später mitgeteilt werden. Am 10. und 12. Dezember wird 
der Direktor des Buchgewerbemuseums in Königsberg und 
Danzig Vorträge halten, auch hier soll eine kleine Aus- 
stellung zur Erläutcruug des Wortes veranstaltet werden. 
Der Besuch des Lesezimmers hat sich seit Beginn des 
Winters wieder gehoben, wir hoffen, dass er nach Vollen- 
dung aller Ordnungsarbeilen weitere erhebliche Steigerung 
erfahren wird. 



DieBestrebungen und Ziele des Deutschen Buchgewerbe- 
vereins finden an hohen Stellen immer mehr Erkennung. 
So hat der Staatssekretär des Innern, Kgl. Staatsminister 
Dr. Gr<i/ von Posadowsky, am 8. November 1901 an den 
Vorstand ein längeres Schreiben gerichtet, aus dem wir 
folgendes wiedergeben: .Aus der gefälligen Eingabe am 
19. April d. J. habe ich mit lebhaftem Interesse ersehen, 
wie der Verein bestrebt gewesen ist, seine der Hebung des 
deutschen Buchgewerbes dienenden Einrichtungen auf das 
ganze Reich zu erstrecken und durch die Begründung von 
Pflegschaften nicht nur eine engere Verbindung der Fach- 
genossen herbeizuführen, sondern auch örtliche Sammel- 
punkte für die Verbreitung seiner gemeinnützigen Bestre- 
bungen zu schaffen. Ich zweifle nicht, dass hierdurch 
die in dem Buchgewerbevereine zusammengeschlossenen 
Kreise eine dem Einzelnen wie der Gesamtheit dienende 

Förderung erfahren werden. Um mein Interesse 

an dem Museum zu bekunden, ersuche ich den Verein, 
das beiliegende Exemplar des mit Unterstützung des Reichs 
herausgegebenen Werkes über die Sixtinische Kapelle für 
seine Sammlungen gefälligst anzunehmen." 

Das stattliche Werk ist den Sammlungen des Deutschen 
Buehgewerbemuseums einverleibt und wird Interessenten 
stets gern zur Einsicht vorgelegt werden. 

Die Ausstellung „Die Kunst im Leben des Kindes" im 
Deutschen Buchgewerbehause wurde am 5. November 1901 
geschlossen. Der Erfolg dieser Ausstellung war ein über- 
aus großer. Die volkstümlichen Führungen, die die Be- 
sucher über die Ziele des Unternehmens, sowie über den 
Wert der ausgestellten Gegenstände aufklärten, hatten stets 
einen starken Andrang zu verzeichnen. In den 29 Tagen, 
während der die Ausstellung, wie dies bei allen Veranstal- 
tungen des Buchgewerbevereins der Fall ist, jedermann 
kostenlos zugängig war, bezifferte sich der Besuch auf 
nahezu 10000 Personen. Am 7. November wurden die 
Gegenstände nach Dresden gesandt, wo sie in den Räumen 
des Sächsischen Kunstvereins(Brühlsche Terasse) bis zum 
8. Dezember zur Schau gestellt sind. Von Dresden aus 
wandert die Ausstellung dann nach München (Bayerischer 
Kunstgewerbeverein), Nürnberg (Bayerisches Gewerbe- 
museum), Stuttgart (Kgl. Landes-Gewerbcmuscum), Wien 
(Künstlcrbund Hagen), Darmstadt (Großbcrzogl. Museum), 
Kaiserslautern (Pfälzisches Gewerbemuseum), Frankfurt 
a. M. (Kunstgewerbemuseum). Mit verschiedenen anderen 
süd- und mitteldeutschen Städten werden wegen der Über- 
nahme der Ausstellung noch Verhandlungen gepflogen. 
Da die Nachfrage um Überlassung der Ausstellung aus 
norddeutschenStädten eine sehr rege ist, so beabsichtigt der 
Deutsche Buchgewerbeverein dieGegenstände zum zweiten 



457 



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Male zusammenzustellen und diese dann als Wanderaus- 
stellung nur durch norddeutsche Städte zu führen. 

Am 15. November wurde die Weihnachtsausstellung er- 
öffnet, die etwa 3000 Bücher enthält, die sich ganz besonders 
zu Geschenken eignen. Eine große Anzahl Kunstblätter 
bietet ferner Gelegenheit, auch auf diesem Gebiete ein 
Geschenk wählen zu können. Die Ausstellung bleibt nach 
Weihnachten noch bis gegen Mitte Januar dem Besuche 
zugängig. 

Am 17. November wurde im Ecksaale des Deutschen Buch- 
gewerbchauses eine Ausstellung von Nachbildungen fast 
sämtlicher Werke Hans Thomas eröffnet, die am 31. De- 
zember 1901 geschlossen werden w ird. Die Nachbildungen 
sind den Mappen des Thomawcrkcs, verlegt bei Heinrich 
Keller. Verlagsbuchhandlung in Frankfurt a. M., entnommen 
und dürften die Hrciinde der Kunst des Meisters ebenso 
interessieren wie die Freunde des Keproduktionsgcwcrbcs. 
Den Nachbildungen sind die weniger bekannten, köstlichen 
graphischen Arbeiten von Thoma beigestellt. Da auch die 
Firma Breitkopf & Härtel die in ihrem Verlage erschienenen 
Blätter (aus der Sammlung .Zeitgenössische Kunstblätter) 
für die Ausstellung überlassen hat, so ist. Dank des Ent- 
gegenkommens der beiden Firmen, Gelegenheit gegeben, 
das ganze Werk von Hans Thoma in bequemer Übersicht 
kennen zu lernen. 

Im Oktober und November hatte der Deutsche Buch- 
gewerbcvcrcinCclcgcnhcit, zwei Ehrenmitgliedern, die ihm 
stets das größte Wohlwollen und die reichste Förderung 
zu teil werden ließen, aus besonderen Anlässen seine 
Glückwünsche darbringen zu können. Am 28. Oktober 1901 
feierte Herr Oberbürgermeister Justizrat Dr. Triindlin in 
Leipzig sein 25 jähriges Amtsjubiläum, zu dem die beiden 
Vorsteher. Herren Dr. L. Volkmann und Johann Weber, per- 
sönlich die Glückwünsche des Vereins überbrachten und 
eine Adresse überreichten. Am 22. November feierte Herr 
Geheime Rat Oberbürgermeister a.D. Dr. Georgi in Leipzig 
seinen siebzigsten Geburtstag, zu dem der Buchgewerbe- 
verein schriftlich seine Glückwünsche aussprach. 

Am 23. November fand die erste ordentliche Sitzung des 
Vorstandes statt, der auch Herr Felix Krais aus Stuttgart 
beiwohnte. Die Tagesordnung umfasstc die Beratung von 
neun, zum Teil sehr wichtigen Gegenständen. Der Bericht 
des Vorstehers über die derzeitige Lage des Vereins war 
ein erfreulicher, da er in erster Linie feststellte, dass der 
Verein sich immer mehr über Deutschland ausbreite, die 
Mitgliederzahl seit Januar 1901 um 242 zugenommen habe 
und heute 596 betrage. Die von Herrn Hans Saeter in Berlin 
beantragte Änderung der Satzungen musstc der Vorstand 
nach eingehender Beratung ablehnen, da erst vor einem 
halben Jahre eine Satzungsänderung erfolgt ist, ein Teil 
der Anträge ohne Beschluss einer Hauptversammlung er- 
ledigt werden kann, ein anderer Teil in der gewünschten 



Weise bereits jetzt auf Grund der bestehenden Satzungen 
gehandhabt wird, und der Rest der Anträge in den Ge- 
schäfts- und Pflegschaftsordnungen in dem Sinne des An- 
tragstellers geregelt sind. Die Vorschläge des Herrn Saeter 
werden aber als Material für eine in späterer Zeit etwa er- 
folgende Satzungsänderung aufbewahrt. Für das Buch- 
gewerhernuseum stellte der Vorstand eine Geschäftsord- 
nung auf, ferner beschloss er auch in diesem Jahre in der 
Gutenberghalle wieder eine Reihe von Vorträgen abzu- 
halten, die auf die geschichtliche und technische Entwickc- 
lung des Farbendruckes Bezug haben. Am Schlüsse der 
Tagesordnung wurden dann noch 31 neue Mitglieder, dar- 
unter 8 Vereine als korporative Mitglieder, aufgenommen, 
so dass die derzeitige Mitglicderzahl 627 beträgt. 

Die Teilnahme des Deutschen Reiches an der Ausstellung 
moderner dekorativer Kunst in Turin 1902 ist durch Reichs- 
beihilfe gesichert. Die Leitung der Deutschen Abteilung 
liegt in den Händen des Vorortes des Deutschen Kunst- 
gewerbeverbandes, des Bayerischen Kunstgewerbevereins 
zu München. Den Teilnehmern an der Ausstellung sollen 
möglichst keine Kosten erwachsen. Der Vorstand be- 
schloss, die buchgewerbliche Gruppe zur Durchführung 
zu übernehmen, wenn dem Deutschen Buchgewerbeverein 
keine Kosten erwachsen. 

Der Vorsitzende der Städtcausstellung in Dresden 1903, 
Herr Geheimer Finanzrat Oberbürgermeister Dr. Beutler, 
hat an den Deutschen Buchgcwcrbcvcrein die Anfrage ge- 
richtet, ob er die Durchführung einer buchgewerblichen 
Abteilung soweit solche auf das Städtewesen Bezug hat 
übernehmen wolle. Der Vorstand beschloss im Inter- 
esse seiner Mitglieder die Durchführung der erwähnten 
Gruppe zu übernehmen und nach Feststellung der gegen- 
seitigen Bedingungen mit den diesbezüglichen Vorarbeiten 
zu beginnen. 

Der I. Vorsteher des Deutschen Buchgewerbevereins, 
Herr Dr. /.. Volkmann, hielt am 6., 12, und 13. November 
in dem Kunstgewerbemuseum zu Leipzig Vorträge über 
das Thema „Künstlerische Bildung". Die Ausführungen 
des Vortragenden wurden durch Lichtbilder erläutert und 
fanden bei den zahlreich Erschienenen einen lebhaften 
Beifall. 

Während der Drucklegung dieses Heftes Hndct (am 
7. Dezember II Uhr vormittags» die Einweihung des mit 
der Pflegschaft Berlin verknüpften Berliner Buchgewerbe- 
saales statt, wozu der Buchgewcrbcvcrcin eine interessante 
Drucksachen -Ausstellung aus seinen Beständen veran- 
staltet hat. Wir begrüßen die bedeutsame Feier, an der 
Herr Kommcrzicnrat Büxenstein als Vorstandsmitglied 
und Pfleger, Herr Willibald Franke als Pfleger und Dr. 
/.. Volkmann als I. Vorsteher des Buchgewerbcvercins 
teilnehmen, mit aufrichtiger Freude, und werden aus- 
führlicher darauf zurückkommen. 



Patentwesen, neue Erfindungen und Verbesserungen. 

Mitgeteilt vom Patentanwalt PAUL MÜLLER in Berlin NW. 

DEUTSCHE PATENTE. Nr. 120774. Tiegeldruckpresse verschiedener Druckverfahren. Leipziger Schnellpressen- 
mit schw ingendem, mehrseitig abgeflachtem Funda- fabrik Akt.-Oes. vorm. Schmiers, Werner £r Stein in Leipzig. 
ment und schwingendem Tiegel zur Ausführung technisch An der Tiegeldruckpresse mit schwingendem, cylinder- 

*a* 458 t£b 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



förmigem, mehrseitig abgeflachtem Fundamentund schwin- 
gendem Tiegel, auf welcher technisch verschiedene Druck- 
verfahren ausgeführt werden können, sind in den abge- 
flachten Seiten des Fundamentes a ebene Platten b ange- 
ordnet, die sich unabhängig voneinander gleichmäßig 



bar hintereinander auf einen ur 
druckt werden können. 

Nr. 120788. Farbwalzenbewegung an Tiegeldruckpressen. 
A. Hogenfont in Uip:ig. Eine Farhwalzenwagenbewegung 
an Tiegc!druckprcsscn,bei welcher diegenaue Ausgleichung 




heben und senken bezw. genau einstellen lassen, während 
der übrige Teil des Fundamentes a auf seinem Umfange 
die Farbplatten i und k und eine ausw echselbare l eucht- 
bezw. Tonplatte / trägt, welche Platten in bekannter Weite 
durch Walzen mit Farbwerken bezw. einem Feuchtwerk in 
Verbindung stehen, wodurch es möglich w ird, dass die ver- 
schiedenen Druckformen in einem Arbeitsgange unmittcl- 



des Farbwalzenwagens n durch Gegengewicht k dadurch 
ermöglicht wird, dass die an den Enden der Krummachsc 
u- befestigten, die Bewegung des Farbwalzcnwagens a ver- 
mittelnden Hebelarme h derart gekrümmt sind, dass die Ge- 
lenkbolzen i der Verbindungsglieder** bei gehobenem Farb- 
walzenwagen a sich hinter der durch die Mittelpunkte der 
Gclcnkzapfcn m am Wagen und derKrummachse »'gezogen 



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ARCHIV FÜR BUCHGF.WFRBF jrj*ara*ara*jara*j*ara* 



gedachten Geraden befinden, so dass sich da« Eigengewicht 
des Wagens a abwärtsdrückend auf das Cegengewicht Je 
äußert, letzteres also außer Thltigkcit gesetzt und ein 
selbsttätiges Niedergehen des Farbwalzenwagens a ver- 
hütet wird. 

Nr. I20&48. Ausschließvorrichtung an Matrizensetz- und 
Zeilentypen-Gießmaschinen. Monaline Cnmposing Company 
in Washington. An der AusschlieQvorrichtung für Spaticn- 
stäbc bei Matrizcnsetz- und Zcilcntypcn- Gießmaschinen 
des Monoline-Systems wird das Widerlager derSpatienstäbe 
beim Ausrichten durch eine zurückziehhare Klappe IJ8 
gebildet, die einen oberhalb der Ausschlicßstcllc ange- 
brachten Block 136, dessen Rippe 137 die Spatienstibe 
trägt, überdeckt. 

Nr. 120964. Karrenführung an Cylinderschnellprcssen. 
Viktoria- Werke A.-G. in Nürnberg. An der Karrenführung 
an Cylinderschncllprcssen wird die abwärts gerichtete 
Pressung des Druckkarrens k zur Verhinderung des Durch- 
federn» des letzteren mittels dicht hintereinander laufen, 
der die ganze Breite des Druckkarrens einnehmender Wal- 
/enrollen tv, bis «'« auf einen unterhalb des Druckcylin- 
ders c angeordneten Fundamenttisch /, dessen Oberfläche 
die Laufbahn für die Walzenrollen bildet, gleichmäßig 
übertragen. 

Nr. 121913. Ambrosius, Hugo Schumann in Leipzig. Tiegel- 
druckpresse. An der Tiegeldruckpresse sind die Funda- 
mentwelle und die Antriebswelle für den Tiegel getrennt 
angeordnet, zum Zwecke, den Antrieb des Tiegels in die 
Mittelcbene der Presse zu legen. Eine feststehende Kunda- 
mentwellc ist hohl ausgebildet und deren Hohlraum durch 
einen in der Mittelebene der Presse liegenden Mittelsteg 
in zwei Teile geteilt zu dem Zwecke, das Fundament bei ge- 
ringem Querschnitt der Welle für großen Druck geeignet 
zu machen. 

Nr. 121 914. Alfred Schnauder in Paris. Vorrichtung zum 
Antrieb des Bettes von Schnellpressen mit beständig sich 
drehendem Druckcyllnder. Die Vorrichtung zum Antrieb 
des Bettes von Schnellpressen mit beständig sich drehen- 



dem Druckcylinder, bei welchen die Vorwärts- berw. Druck- 
gangbewegung des Bettes unmittelbar von der Drehung 
des Druckcylinder« abgeleitet wird, während die Rückkehr- 
bewegung durch eine besondere Vorrichtung erfolgt, be- 
steht aus einem in wagrechter Ebene schwingbaren Hebel 
k. welcher mit zwei Schlitzrührungen versehen ist. von 
denen die obere, geschlossene Führung /durch den Zapren 
h beständig mit dem Bett a verbunden ist, während die 
untere, längere, offene Führung m für die Rückkehrbewc- 
gung des Bettes zeitweise mit der Rolle u einer in wagrechter 
Ebene beständig sich drehenden Kurbel 4 in Eingriff kommt 
und dadurch den Hebel t mitnimmt. 

Nr. 122052. ^wririu Lithographie Compagny in Sew- 
York. Formcylinder für Mchr r arbcn- und andere Druck- 
pressen. An dem Formcylinder für Mehrfarben- und andere 
Druckpressen kann der die Druckform tragende Hohlcylin- 
der auf einen in der Drehrichtung um seine Achse ein- 
stellbaren Cylindcrkörpcr aufgeschoben und gegen Drehung 
gesichert auf letzterem eingestellt werden, zu dem Zwecke, 
den Formcylinder ohne Drehung seiner Achse gegen das 
Druckfundament einzustellen und nach der Einstellung die 
Druckform ohne iegliche Änderung der Einstellung aus- 
wechseln zu können. Zwecks Einstellung des mit der Druck- 
oberfläche versehenen Hohlcylinders /in axialer Richtung 
ist der Cylindcr mit einem verschraubbaren Anschlagring 
k verschen, gegen welchen der aufgeschobene Hohlcylinder 
stößt und vermittelst Klauen m oder dergl. gepresst werden 
kann. Zwecks Einstellung des die Druckoberfläche tragen- 
den Hohlcylinders in Richtung des Umfanges greift die in 
einem auf der Achse festsitzenden Arm oder Ansatz r be- 
findliche Stellschraube s zwischen zwei Ansätze des den 
Hohlcylinder / tragenden Cylinderkörpers d ein, die ein 
Drehen des letzteren auf der Achse bewirkt. 

Nr. 122053. Edward Grube in Alt- Rahlstedt, Holstein. 
Schutzvorrichtung an Tiegeldruckpressen. An der Schutz- 
vorrichtung an Tiegeldruckpressen wird der verstellbare 
Schutzbügcl an dem Greiferpaar der Presse befestigt. 



Aus den graphischen Vereinigungen. 



Altenburg. Die am 23. Oktober stattgefundene Sitzung 
der Graphischen Vereinigung beschäftigte sich zunächst 
mit Dr. Albert» Rcliefklischees. Herr Obermaschinenmei- 
stcr A. Müller gab ein treffliches Bild von diesem neuen, in 
der graphischen Welt mit Recht so viel Aufsehen erregen- 
den lllustrationsdruckverfahren. Unter verschiedenen Neu- 
eingängen erregte besonderes Interesse ein prächtiges Ta- 
bleau mit Dreifarbendrucken, das auf einer Zweitouren- 
Schnellpresse der Firma Königi? Bauer in Kloster Oberzell 
bei Würzhurg gedruckt ist. Ebenso fand die neueste Preis- 
liste der Firma lierger & Wirth in Leipzig mit den in Iris- 
druck hergestellten Farbentafeln allgemeinen Beifall. 
Über die moderne Buchausstattung vom typographischen 
Standpunkte referierte am 13. November der Vorsitzende, 
indem er in eingehender Weise das Ausschließen, die 
Sperrung, Einzug und Ausgang, sowie die Verwendung von 



Zcilcnfüllstückcn behandelte. In seinen weiteren Ausfüh- 
rungen streifte er die Kopfleisten, die Kapitelüberschriften 
sowie die Stellung der Initialen und Schlussvignetten. Ein 
im Laufe des Abends bekannt gegebenes neues Preisaus- 
schreiben für unsere Mitglieder bezweckt die Anfertigung 
von Skizzen zu einem neuen Quartbriefkopf für die Ver- 
einigung. Die eingelieferten Arbeiten sollen wiederum 
einigen fachtcchnischen Vereinen zur Auslage und Beur- 
teilung überwiesen werden. Eingegangen war ein Illustra- 
tionsdruckbogen hergestellt auf einer Rotationsschnell- 
presse der Firma König & Bauer, eine hervorragende Lei- 
stung der modernen Drucktechnik. Ein Referat über den In- 
halt der neuesten Fachzeitschriften bcschlossdie zahlreich 
besuchte Sitzung. -o-. 

Berlin. Die Typographische Gesellschaft hielt im Monat 
Oktober zwei Sitzungen ab, in deren ersterHerrFrtl.\/or<ian 



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Hervorragende Neuheit! 



iermit gestatten wir uns eine vorläufige 
Probe unserer neuesten Antiqua- und 
Cursiv-Schriften, welche wir nach ihrem 
künstlerischen Urheber 

Grasset-Antiqua und Cursiv 

nannten, vorzulegen. In je i3 Graden geschnitten, 
eignen sich diese Schriften mit den dazu gehörigen 
Initialen und Ornamenten eben so vorzüglich für 
die gediegene Ausstattung von Büchern und Zeit- 
schriften wie von Accidenzen aller Art. Da unsere 
Grasset-Neuheiten mit ihren schönen, kraftvollen 
Formen auch der modernen Geschmacksrichtung 
entsprechen, so zweifeln wir nicht daran, dass sie 
überall eine freundliche Aufnahme finden werden. 

Genzsch & Heyse E.J.Genzsch 

C.<'-J«.'i' G.m.b.H. 

Hamburg München 




Jahresfest des Club Humor 



"Dienstag, 5. Marx 1902 



GRUNDUNCS-JAHK 
1850 



Holet tum \ronprinzen 




Memu 



SCHILDKRÖTEN-SUPPE 
RAGOUT F1N 
MAYONNAISE VON FISCH 
OCHSENBRATEN 
SCHINKEN MIT STANGENSPARGEL 
FRICASSEE 
GEMISCHTES COMPOT 
KASE 
EIS UNO FRÜCHTE 
» 

Weike 

18751» CHATEAU MONTROSE 
.»86» RQDESHEIMER 
ZELTINGER 

CJIVE VT/V UQUEVHZ 



Ej\stet{ Teil 

1 . Jubcl-Ouvcrture Webeh 

1. FEST-PROLOG 

gcspvoctaft «i>m «mcn Voctitrcmi<n 

3. Arie aus der Zauberflöte. Mozakt 

^Hungen von Fnu Romt 

4. Komischer Vortrag. . . . Lindehe* 



5. Duett aus Martha .... Flotow 

N<rr HtMl und FW. RilMl 



6. Donauwellen, Walzer. 



Ivanovici 



JfMDEi\EJ{ TEIL 

J{riegers Abschied 

Gciangipow In 1 Akt von Oiwaid NEUBER 



Trinhpricbt gtfi. 



August Schulz«, Mmkcticr .... Herr Rom 

Ricke, Köchin Frl. Abu. 

r»mm HcrrNuu 

Ort: Euh a 



Nach Erledigung des Programms zwanglose Unterhaltung 




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GRASSET- ANTIQUA 



Corpui iCarpi i o) 




DE L'ENFANT ET DU RESPECT QU) EST DU 
A LA L) BERTE DE SA NATURE 

c l'ai dit: l'enfant doit travailler Jui-meme a son 
Education, par un concours personnel, par une 
action libre, spontanee, genereuse: c'est le loi 
de la nature et de la Providence. 
Ce concours de l'enfant est si necessaire, qu'aucune 
£ducation ne peut s'en passer, et que nul secours, nulle 
puissance errangere, nul institutcur, si habile et si devoul 
qu'il fut, n'y supplea jamais. 

Quoi qu'on fasse, on n'elevera jamais un enfant sans Jui 
et malgre lui. Cc qu'il faut, c'est lui faire vouloir son Edu- 
cation, et la lui faire faire a lui-m£me et par lui-mCme. Cet 
enfant n'est pas un «tre passif et sans action, un arbuste, 
une plante: non, c'est une creaturc intelligente et morale; 
et, encore, qu'on y prenne garde, la plante elle-meme a une 
puissance de Vegetation propre, une seve, un germe, une 
racine de vie. Le bois mort, on le Taille et on le faconne 
sans le menager, sans le consulter, sans rien attendre de lui. 
L'enfant que vous elevez n'est pas un bois mort: c'est un 
Irre sublime, capable de veYite et de vertu, de connaissance 
et d'amour; c'est une creature active, puissante, souveraine; 
douec de conscience et de liberte, eile doit necessairement 
agir, se developper elle-meme. 

Certe action, ce concours est essentiellement libre: il 
peut, il doit frre provoque, soutenu, encourage; il ne doit 
pas «tre contraint ni force. 

Les belles et saintes doctrines du Christianismc sur la 
libert^ de l'homme, sur les nobles destinees et sur le respect 
qui lui est du, trouvent ici une serieuse application. 




GE.NZSCH & HEYSE. HAMBURG 



E J GENZSCH O.M...M. MÜNCHEN 



GRASSET ANTIQUA und CURS1V 



S»,nW. NonmuriBe <«. Punkt) 


No.jteo«. NonpueiUe (( Punkt) 
EfMhmw rinn nin»|fn in dtr Ffnüml>(m Ja .Alffer 


No. liS-1 Petit |« Punkll 
TiKhcnlcxJkon fOr Kiuflcutc und fBr Industrielle 


No. nfcJ Peilt («. Punkt) 
BtJnUnJt Naktil auf km Gtbith «Vt Schnpgvuei 


Hervorragende Schriften für den Kunstdruck 


No rWino» |» Punkt» 
IthuMrU Mitteilungen über J^umt unJ Utteratur 


Allgemeine Bremische Feuerversicherung 


No. j»8io Corpus (io-Punkt| 

Bt/oVr au« der \ulrurgescbicbte Frankreich* 


Nu t*8ti- KJelifc« K ko>i in Punkli 

Moderne Schrift für jede Drucksache 


No j*Sii Kleine Cicero (11 -Punkt) 

Bankhaus Maximilian Emden er Söhne 


No. ■ C.«c„ Ii» Punkt) 

vjcuiLiuc in Daycriscncr vvvujiuari 


N« i»ti.. Cicero Ii* Punkt) 

uenauesrer uuss aus oesiem sneraii 


No i>tt«. Mittel (14 Punkt) 

Neuigkeiten aus der Residenz 


No. 51.14. Mittel („ Punkt) 

\ala\og der Geßügetausstellung 


Nu 1.B16 Teni* .fr (NjdUi 

Gediegene Buch-Schriften 


No, jsii6. TcwtM ( 16 Punkt? 

Tür Accidenzen und Inserate 


Neue Grasset Antiqua 


No 3 vSi 8 ■ 1 '^7 C icctu (1 S< Punkt.) 

Unsern geehrten Jfynden 


No.tvSeo. Trjrt |k> Punkt! 

W L>-\-\\r\ Anno \ *i r\v> 
DClJlJl 7A.I II l\J »j\J\J 


So. jeino. Text ^fto-Punkt) 

jytZUC KsUlolU tJLiJJJJt 


No.ttlji Kleine Cenon. Ije-Punki) 

Sanct Petrus 


No ]>■)•. Kleine Canon (je- Punkt) 

T^adlerkostüm 


No. ■>><<>. Grobe Cum ;«»-Punkl) 

K n c\c\ PQta 

IVJ LUUCoJ td 


No.jvt«o. üroba C«n-:>n 1 ♦ ■ funkt, 

J-^LsCC fJUIilU 


No. u8«« UkM.1 ( 4 9 Puukll 

Etüden 


Ha 33841 MuuJ (4*- Punkt) 

J^ulmsee 


Gcnzsch & Hcysc, Hamburg £3 


«t? E.J.Genzsch G.m.b.H. München 



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Der Einfluss der Himmelskörper auf die Erde 



"5 



In den ältesten Zeiten, bis zu welchen die historische und sprachliche Forschung 
hinabzusteigen vermochte, war der strahlende Aether, das leuchtende Himmels- 
gewölbe zugleich die Gottheit des Menschen. Vor den blitzenden, donnernden 
Höhen, vor dem Licht und Wärme, die Quelle alles irdischen Segens, spenden- 
den Pirmamente beugte sich das bange Menschenherz, und lange, lange Zeit 
hindurch waren Sonne und Mond neben anderen Naturkräften die Götter, von 
welchen man Hilfe erflehte oder deren Zorn man durch Opfer zu versöhnen 
suchte. Schon frühe mussten deshalb die wechselnden Bewegungen der Gestirne 
die Aufmerksamkeit des denkenden Menschen erregen; die Beobachtung derselben 
erschien als eine religiöse Pflicht, und aus dem frommen Glauben, das» jene 
vermeintlich göttlichen Wesen einen bestimmenden Einfluss auf die Geschicke 
der Menschen ausübten, erwuchs der Wunsch, aus ihren gegenseitigen Stellungen 
jenen Einfluss zu ergründen und diese Geschicke vorherzusagen. 

In jenen Gegenden des westlichen Asiens, wo heute noch im Wüstensand 
begrabene Ruinen alter Kulturstätten uns Kunde geben von längst entschwundenen 
Zeiten, an den Ufern des Euphrat und Tigris, scheint die Wiege jener Kunst 
des Sterndeutens gestanden zu haben, welche von da durch Jahnausende hin- 
durch bis in die neueste Zeit einen bestimmenden Einfluss auf alle gebildeten 
Nationen ausgeübt hat. Denn dieser Glaube an unsere Sterne blieb bestehen, 
auch nachdem sich längst jeder Zusammenhang desselben mit religiösen Vor- 
stellungen gelöst hatte, ja derselbe erwuchs noch im Mittelalter unter einem 
Scheine und mit dem Anspruch einer festgegründeten Wissenchaft zu einer 
Macht, welche die gesamte Heilkunde beherrschte und viele EntSchliessungen 
der Fürsten und Feldherren für die Geschicke ganzer Völker bestimmte. 

Die fünf vor der Erfindung des Fernrohres uns allein bekannten grösseren 
Planeten, deren Bewegungen wir heute nach dem Newtonschen Gesetze der 
Anziehung der Massen im voraus berechnen, und zu denen man damals noch die 
Sonne und den Mond hinzuzählte, also sieben Planeten waren es namentlich, 
aus deren wechselnden Stellungen innerhalb der verschiedenen unveränderlichen 
Sternbilder der Fixsternwelt man die zukünftigen Ereignisse prophezeien zu 
können glaubte. Um z. B. die Schicksale eines bestimmten Menschen vorher- 
zusagen, musste zunächst derjenige Punkt des scheinbaren jährlichen Sonnen- 
laufs am Himmel ermittelt werden, welcher im Augenblicke seiner Geburt eben 
aufging. Dies nannte man das Horoskop stellen. 

Von diesem Punkte ausgehend, wurde dann der gesamte Sternenhimmel in 
bestimmter Ordnung in zwölf gleiche Teile, die sogenannten Häuser, geteilt, 
und in eine denselben entsprechende Zeichnung trug man die jedesmal zuge- 
hörigen Stellungen der Planeten nebst einigen anderen wechselnden Punkten 
ein. Die Deutung der auf diese Weise gewonnenen Figur nach bestimmten 
Regeln ergab dann die Weissagung. So bedeutete z. B. der Planet Merkur im 

lo-Punke 

GF.N/SCH & HEY5E. HAMBURG Gr„«t-Antiquj E y GENZSCH. G m b. H.. MÜNCHEN 

G«ch£it/t 



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RunsfstörilF 

für moderne Ausstattung 




Uelm «lmer's 
Stfiriff giesserei s a 
hhhb Berlin §\S. 



««mi«k««k«« ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE »«»www»**** 



einen Vortrag über .Die geschäftliche Propaganda und ihre 
Mittel* absolvierte. Als propagandistische Mittel gelten be- 
sonders Zeitungsinseratc, schwarze und farbige Prospekte, 
Plakate, Bilderposikarten und - als Spezialität einiger 
großer Firmen sogenannte Sericnbildcr, wie sie z. B. 
die Liebig-Compagnie, Gebr. Stollwerck u. a. herausgeben. 
Bei allen diesen Reklamen kommt es weniger auf graphische 
Künstelei und stilistische Feinheiten an, als vielmehr auf 
eine charakteristische Ausgestaltung des Inserates oder der 
Drucksache, wie sie z. B. in den Dr. Oetker's Backpulver- 
anzeigen „Ein beller Kopf oder in den bekannten Plakaten 
der Auer-Gesellschaft, wie auch in den „pocsievollen" An- 
kündigungen der Berliner Klciderbandlung .Die goldene 
1 10* in die Erscheinung treten. .Kurz und bündig, klar und 
verständlich* muss die Devise einer leden Propaganda 
lauten, soll sie ihren Zweck in ausreichender Weise erfüllen. 

An demselben Abend nahm der frühere Maschlncnmci- 
sterHcrrP«. Wilhelm Gelegenheit, seine ihm als Gebrauchs- 
muster geschützte Erfindung, Ornamente, Plakatschriften, 
Tonplatten u. s. w. aus einer für diesen Zweck besonders 
hergerichteten Linoleumtafel zu schneiden, niher zu er- 
läutern. Herr Wilhelm war in der Lage, an einer großen 
Zahl in den verschiedensten Druckereien hergestellten 
Arbeiten den Beweis zu liefern, dass sein Verfahren sich 
zur Herstellung geschmackvoller Arbeiten, auch in mehr- 
farbiger Ausführung, sehrwohl verwenden lisst, und konnte 
durch einwandfreie Zeugnisse nachweisen, dass die Erler- 
nung seiner Methode für einen des Zeichnens auch nur 
mäßig kundigen Buchdrucker keinerlei Schwierigkeiten 
bietet. Den aus dem präparierten Linoleum hergestellten 
Druckplatten wurde außerdem eine besondere Widerstands- 
fähigkeit nachgerühmt. Schließlich Tand noch ein neues 
Verfahren des Buchdruckereiiaktors Herrn Franz Thierry 
in Dülmen Erwähnung, das den Umdruck von Farbentönen 
auf Bleiplatten ermöglicht. Die in der Sitzung vorgelegten 
Platten zeigten mehrfarbige Drucksachen, bei denen die 
einzelnen Farbentöne in voller Schärfe und Klarheit über- 
tragen waren und nach Versicherung des Referenten auch 
bei der weiteren Behandlung sich nicht verwischen sollen, 
da die Farben des Originals gänzlich auf dicBIciplatte über- 
gehen, wodurch das Original dann allerdings unbrauchbar 
wird. In der zweiten Oktobcrsit/ung sprach Herr Hans 
Ntieter .Zur Geschichte der Tagcsprcssc*, wobei er ins- 
besondere den Ursprung des deutschen Zeitungswesens 
näher erörterte. Er stützte sich dabei auf ein empfehlens- 
wertes Werk Ludwig Solomons, dessen erster Band vor 
einiger Zeit im Schulzeschen Verlage in Oldenburg er- 
schienen ist. Abgesehen von einzelnen Monographien, wie 
sie von einigen alten und angesehenen Tageblättern (z.B. der 
.Vossischen Zeitung* in Berlin, der „Königsberger Härtung- 
sehen Zeitung*, der .Kölnischen Zeitung*, der Cottaschcn 
.Augsburger Allgemeinen Zeitung",dic jetzt in München er- 
scheint u. s. w.l aus Anlass ihrer Jubeltagc herausgegeben 
wurden, war eine zusammenhängende Geschichte des deut- 
schen Zcirungswcsens von Anbeginn bis zur Gegenwart 
bislangnoch nicht erschienen, wenngleich es an mehrfachen 
Versuchen dazu nicht gefehlt hat. Salomon hat sich dieser 
Aufgabe erfolgreich und mit vielem Geschick unterzogen, 
so dass der zweite Band seines Werkes, der im Laufe des 
nächsten Jahres erscheinen soll, eines guten Empfanges 
sicher sein darf. Was nun den Ursprung des Zeitungs- 
wesens anbetrifft, so weicht darin Satamon von der eney- 



klopädistischen Auffassung ab, wonach der Bericht, denCo- 
lumbus an den König Ferdinand von Spanien über die Ent- 
deckung Amerikas richtete, als die erste .Zeitung* anzu- 
sehen sei, da dieser Bericht eine bewusstc und systematische 
Verbreitung gefunden haben soll. Sulomon führt den Ur- 
sprung, und zwar insbesondere den des deutschen Zcirungs- 
wcsens, auf den Briefwechsel zurück, den die Geistesheroen 
der Reformation unter einander führten, indem diese näm- 
lich ihren Briefen lose Blätter beifügten, die zur Weiter- 
verbreitung unter ihren Gesinnungsgenossen ausdrücklich 
bestimmt waren und zu diesem Zwecke besondere Titel 
führten, wie .Avis*, .Nova*, .Zeddul* und auch .Zeitung*, 
welch' letzteres Wort ja überhaupt ein altdeutsches Wort 
ist und so viel wie „Nachricht* bedeutet. Diese Zettel 
gingen von Hand zu Hand, oder wurden, im Fall sie einem 
größeren Leserkreise zugängig gemacht werden sollten, 
von armen Studenten durch Abschreiben vervielfältigt. 
Daraus entwickelten sich nach und nach die sogenannten 
„geschriebenen Zeitungen*, die in der Litteratur dieser 
Periode eine besondere Rolle gespielt haben. Nach dem 
weiteren Umsichgreifen von Gutenbergs neu erfundener 
Kunst des Druckens bemächtigte sich dieser aufstrebende 
Erwerbszweig sehr bald der sich durch Herausgabe von 
Zeitungen darbietenden Gelegenheit. Geld zu verdienen, 
und es entstanden die „wandernden Zeitungen*, unter deren 
Herausgebern sich ein gewisser Hans Männel besonders 
hervorgethan hat, der 25 Jahre lang (von 1581 bis 1605) in 
ganz Ungarn herumgewandert ist und unzählige „Neue 
Zeitungen* über die Türkennot, über greuliche Mordthatcn, 
über große Überschwemmungen u. s. w. unter das des 
Lesens kundige Publikum verbreitete. Eine weitere Etappe 
in der Entwickclung des Zeilungswesens bildeten sodann 
die .Relationen', unter denen besonders die Frankfurter 
.Mess-Relationen* hervorragen, die jeweilig auf der Oster- 
und Michaeli-Messe erschienen und alle wichtigen Nach- 
richten aus aller Herren Länder gesammelt und geordnet 
verkündeten. Diese Frankfurter Mcss-Kelationen hielten 
sich durch drei Jahrhunderte, indem ihre letzten Ausgaben 
noch bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts hineinreichen. 
Neben diesen in größeren Zeitabschnitten erscheinenden 
Relationen bildeten sich mit der Zeil noch wöchentliche 
Zeitungsunternehmen heraus, deren Leserkreis mehr ört- 
lichen Interessen zuneigte; doch sind diese Zeitungen in 
den Wirren des 30 jährigen Krieges spurlos verschwunden. 
Ein frischer Zug machte sich erst wieder bemerkbar, als 
der Kaurmannsstand von neuem erstarkte, die Universi- 
täten erblühten und der Verkehr mit der zunehmenden 
Sicherhell im Lande sich hob. Zu dieser Zeit wurde ein 
geordnetes Botenwesen, aus dem sich später die Thum 
und Taxis'sche Post entwickelte, Träger der Zeitungen, die 
deshalb auch hin und wieder den Titel „Post* erhielten. 
So erschien im Jahre 1665 zu Leipzig eine .Ordinary-Post", 
die eine Auflage von 204 Exemplaren hatte; ihre Herstel- 
lung kostete 379 Thaler 4 Groschen, während die Versen- 
dung allein 300 Thaler erforderte bei einem Bezugspreis 
von nur 10 Thalcrn jährlich. Doch stieg das Lesebedürfnis 
des Publikums nun erheblich schneller, denn die 1696 in 
Leipzig noch erscheinende .Ritzische Zeitung* hatte be- 
reits eine Auflage von 1500 Exemplaren und konnte für 
jährlich 13000 Thaler verpachtet werden. Zum Schluss 
streifte der Vortragende noch kurz die Anfänge des Ber- 
liner Zeitungswesens, über das er sich einen besonderen 

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Vertrag für eine spätere Sitzung vorbehielt. Er er» Ihme 
dabei, dm in den flOer Jahren ein Dr. Potthast auf Veran- 
lassung de» Königlich preußischen Geheimen Ober-Hof- 
huchdrucker» Hud/ilf von Decker eine Gcschichte'de* Ber- 
liner Zeitung»- und Druckcrctwesens (eschrieben habe, die 
zwar nur bi» /um 3K. Bogen gediehen »ei, aber doch bis in 
die Mitte de» vorigen Jahrhunderts reiche. Leider sind nur 
wenige Enemplare dieser Geschichte vorhanden, da die 
einzelnen Bogen wegen der Unvollständigkeit des Werkes 
alt .Makulatur vernichtet wurden. Es wurde noch eine 
Broschüre de» Herrn Fron: Franke vom .Gutcnbcrghaus" 
in Schoncbcrg Berlin : .Praktische Winke bei Errichtung 
einer Buchdruckerei", kurz besprochen. Eine Frage nach 
den Einzelheiten des Verfahrens der Kotations-Photographie 
konnte nicht ausreichend beantwortet werden, da diePatent- 
inhaherin eine Besichtigung ihres Betriebes auf vorher 
erfolgte Anfrage nicht gestattet hat. 

In der ersten November-Sitzung hielt der Druckerfaktor 
Herr./"'"" Müller einen Vortrag über .Ältere und neuere 
Zurichteverfahren", wobei er besonders das Dethleffscne 
Verfahren einer eingehenden Würdigung unterzog (vergl. 
den Bericht über den gleichen Vortrag in der Leipziger 
Typographischen Gesellschaft!. - - Die zweite November- 
Sitzung brachte einen Vortrag de» Hern Dr. Rudolf Steiner 
über .Das Künstlerische imBuchgewerbe-. DerVortragende 
beschäftigte sich insbesondere mit dem in IctztcrZcil etwas 
aufdringlich gewordenen sogenannten .Buchschmuck", 
machte für diese Kunstrichtung den Architekten Gorf- 
frieäSemper verantwortlich, streifte sodann diegroüen fran- 
zösischen Plakatkünstler, um daran unsere modernen Kari- 
katurenzeichner zu reihen und schließlich unter Vorlegung 
einergroßen Zahl von Werken der verschiedensten Verlags- 
rlchtungcn seinen Zuhörern zu zeigen, was gut und böse 
ist. An diesen Vortrag schloss »ich ein kurze», sachge- 
mäße» und erschöpfendes Referat des Herrn Bruno Senf 
Ober die Neuheiten au» den Schriftgießereien, wobei ein 
neues Probenbuch der Schriftgießerei Emil Gursch in Ber- 
lin besonder» erwähnt sein mag, das die Firma aus Anlass 
Ihrer Übersiedelung in ihr eigene», neues, schönes Heim 
In der Cneiscnaustraße 27, der Kundschaft überreicht hat. 

Im Dezember findet keine Arbeitssitzung statt, da in die 
er*te Hälfte de» Monats das Stiftungsfest der Gesellschaft 
fillt, das durch einen Herrenabend im neuen Berliner 
Buchgewerbesaal gereiert werden soll, und die zweite Hälfte 
dem Weihnachtsfestc gehört. Also auf Wiedersehen im 
neuen Jahre! H. N. 

Bremen. Unter dem Namen Typographischer Clab 
Bremen hat sich hier, dem Beispiele anderer Städte folgend, 
anfangs d. Mts. ein Kreis vorwärtsstrebender Buchdrucker 
aus fast sämtlichen hiesigen Druckereien vereinigt, dessen 
Bestreben dahin geht seinen Mitgliedern durch Vorführung 
und Besprechung aller auf dem graphischen Markte er- 
scheinenden Neuheiten die Fortbildung in technischer Be- 
ziehung zu erleichtern. Wir können nur die Bitte des Ver- 
eins, durch Übersendung diesbezüglicher Druckwerke die 
Bestrebungen desselben gefälligst unterstützen zu wollen, 
warm befürworten. Alle Zusendungen sind an Herrn Hein- 
rich Hoppe, Bremen, Mauerstraße 7H, zu richten. Wir hoffen 
über das Aufblühen des Vereins und seine ersprießliche 
Thätigkeit bald Erfreuliches berichten zu können. 

Leipzig. Typographische Gesellschaft. Der SpStsommcr 
und der Frühherbst brachte unserer Vereinigung diverse 



Vorträge , die es vermochten, ein den Hitzeverhältnissen 
angemessenes dankbares Auditorium zusammenzufuhren. 
Namentlich die Kollegen vom Druck wurden mit tech- 
nischen Neuheiten und Neuigkeiten gut bedacht — kein 
Wunder in Anbetracht dessen, das« wir sozusagen eine 
neue Ära, die der mechanischen Zurichteverfabren, ange- 
brochen haben. Um die Darbietungen chronologisch zu 
behandeln, greifen wir zunächst zurück auf den Vortrag 
des I. Schriftführers, Herrn Dürli: .Alte und neue Rich- 
tung, eine vergleichende Studie". Obschon di